Desz dritten Tausend achtes Hundert 1. Auff Simpelium Simpel kan bey keinen Zechen irgend in ihr Mittel kummen; Seine Frau hat in ihr Mittel, eh sie ihn nam, wen genummen. 2. Obrigkeit-Schutz Die Vormündschafft der Untren verwalten Obrigkeiten; Die müssen sie dort oben zu seiner Zeit verreiten. 3. Krieg Auß Deutschland zeucht der Krieg ietzund in Franckreich hin; Er wil das deutsche Volck dort auff die mode ziehn; Doch sollen nicht die Deutschen wie sonst dafür spendiren; Die Deutschen solln von ihnen den Sack gevöllet führen. 4. Ein Buch Buch kümmet her vom Bug und Bogen von dem bügen, Wann sie man in ein Buch zusammen pflegt zu fügen. Bey Klugen, du mein Buch, thu willig einen Bug Und bitte sie um Gunst für das, was nicht hat Fug; Für denen beug dich nicht, die von den stoltzen Winden Der groben Dunckeley sich strotz- und trotzig finden. 5. Auff Baldum Baldus führet alle Sachen, die er führet, auffs verschieben, Wil sie bey dem Welt-Gerichte dann auff einen Tag außüben. 6. Auff Glabrum Glaber liebet gerne junges, aber nicht den jüngsten Tag; Diesem ist er so gehässig, daß er ihn nicht glauben mag. 7. An eine Fürstin Heldin, soll ich Euch beschreiben und der Kürtze mich bescheiden? Nichts ist an Euch, muß ich sagen, das nicht gleichen ist zu neiden. 8. Eben von I.F.G Momus sah nechst unsre Fürstin, rauffte drauff sein Haar, Daß er kunte nichts ergründen, was zu tadeln war. 9. An eine fürstliche Wittib Fürstin, ob die Tugend Euch, oder ob Ihr sie gelehret, Zweiffelt der, der Euer Thun siht und solch Verständnüß höret. 10. Väter, Patres Es hat ietzund viel Patres, Vermutlich auch viel Matres. 11. Die Welt ein Buch Die Welt, die ist ein Buch, ein ieder eine Letter; Die Länder sind der Bund; die Zeiten sind die Blätter. In diesem findt man mehr bethört als kluge Sachen; In diesem findt man mehr zum klagen als zum lachen; In diesem findt man mehr zu meiden als zu üben; In diesem findt man mehr zu hassen als zu lieben. 12. Von meinem Buche Sind in meinem Buche Possen, Die dich, Leser, wo verdrussen? Ey, vergünne mir zu schreiben, Was du dir vergünst zu treiben. 13. Gemischter Wein Wie Natur und Kunst sich paaren, Hat man neulich hier erfahren, Nämlich: Wein und Brandtewein Künnen auch wol ehlich seyn. 14. Eine mässige Herrschafft Da niemand thun mag, was er wil, da geht es zu geschwinde; Da ieder thun mag, was er wil, da geht es zu gelinde. 15. Reichthum Eines ungerechten Erb oder selbst ein solcher Mann Oder beydes auch zu gleich ist, wer Reichthum sammlen kan. 16. Gelehrt Wann einer meint, er lerne noch, so kümmt sein Witz entpor; Wann einer meint, er sey gelehrt, so wird er ietzt ein Thor. 17. Die Gedenck-Kunst Die Kunst, die dencken lehrt, Wird nicht gar hoch geehrt; Kunst wird vielmehr geehrt, Die das Vergessen lehrt. 18. Anweisung der Natur Wer der Natur Laterne Geht nach, irrt selten ferne. 19. Drey W Würffel, Weiber, Wein Bringen Lust und Pein. 20. Die Element Wieviel sind Element? Man sagt von vier-, auch zweyen; Nein, fünffe; denn das Gold wil auch sich drunter reyen. 21. Schencke und Säuffer Der Schencke schencket ein Das Wasser, doch mit Wein; Der Seuffzer seufft es ein, Macht Wasser nur vom Wein. 22. Auff Priscam Deine Schönheit liegt am Laden, gar nicht, Prisca, in der Küste; Was man siht, das ist das beste; mit dem innren steht es wüste. 23. Die Liebe Die Lieb ist wie der Schwalben-Kat; Verblendet, wen sie troffen hat. 24. An Nigrum Was ihr, Hebreer, schreibet, das liest man hinter sich; So muß man, wann du redest, verstehen das und dich. 25. Auff Euclionem Euclio fand in der Biebel: gebet, so wird euch gegeben! Wird gegeben, war ihm lieblich; Gebet, war ihm gar nicht eben. 26. Auff Clausum Clausus hält, was er verspricht: Gibt es nun und nimmer nicht. 27. Höfligkeit Die Höfligkeit ist Gold; man hält sie werth und theuer; Doch hält sie nicht den Strich, taug weniger ins Feuer. 28. An einen Ungenanten Wie nenn ich dich dann recht, wann ich dich nennen muß? Du heissest wie das Bild, das dort Aaron guß. 29. Gütige Männer Da Adam noch in Unschuld war, da folgt er seinem Gaten; Was wunder, daß die Männer ietzt, was Weiber wollen, thaten. 30. Auff Putam Puta kan die Kunst zu tadeln; alles wird von ihr veracht; Andre künnen Kunst zum spotten, und ihr tadeln wird verlacht. 31. Die Pennal Die mit Federn gehen um, wolln sich viel nicht schmügen; Schmügen steht nicht Vogeln zu; Vogel wollen fliegen. 32. Verdiente Diener Mahler, wann der Pensel alt, werffen ihn zur Seite: Alte Diener liebt der Hof, wann sie in der Weite. 33. Jungfrauen Jungfern-Volck sind solche Vogel: wer mit ihnen umgegangen, Weiß, sie sind wol erstlich wilde, lassen sich doch letzlich fangen. 34. Lang und kurtz Langer höhnte Kleinern; diesem sagte Kleiner: Da ich ward gezeuget, war dabey nur einer. 35. Tittel Taback und Tittel-Brauch Sind beyderley nur Rauch. 36. Das andere Weib Viel lieber pflegt die ander als erste Frau zu seyn; Das macht, es ist die erste nichts mehr als Asch und Bein. 37. Heurathen Wer Weiber kauffen soll, Der kaufft gemeinlich wol, Wann er kaufft nach Gerüchte Und nicht nur nach Gesichte. 38. Auff Tussium Tussius saß in der Buhlschafft, warff herauß die grösten Flecke, Sagt: es wär ein Zahngewässer, weil er etwas gutes schmecke. 39. Kleider Wann die Hure, wie die Frau, hat ein gleiches Kleid, Hat die Schande von der Zucht keinen Unterscheid. 40. Steuer Erwerb kümmt ein mit Untzen; die Steuer geht mit Pfunden; Mich wundert, wie die Leute bey solcher Last bestunden! 41. Auff Parcum Parcus hat sonst keine Tugend, aber Gast-frey wil er seyn; Lässt, damit er diß erlange, keinen in sein Haus hinein. 42. Auff Plutum Plutus hat gar schöne Gaben; Ieder wil sie von ihm haben; Kan sie, wann er wil, verschencken, Pflegt sich aber zu bedencken. 43. Auff Lucam Mit dem Zucker süsser Worte Zahlet Lucs an allem Orte. 44. Etliche Wuntsche an eine Durchlauchte Person, unter dem Namen etlicher Tugenden in einem Spiel fürgestellt. Erfahrenheit Die Ihr bißher, o Fürst, bey vielen langen Jahren Der Zwietracht bittre Frucht, sonst wenig Heil erfahren, Erfahrt hinfüro nichts, als was Euch wol vergnüget, Und was mit Eurem Wuntsch sich lieblich eint und füget! 45. Einigkeit Die Einigkeit, o Herr, der Grund zu hohen Häusern, Muß aussen nimmer Euch, noch innen sich enteusern! 46. Hoffnung Held, was Ihr füglich hofft, das muß Euch nimmer fehlen; Was Euer Fürsatz wehlt, muß auch der Außgang wehlen! 47. Glaube Deß Glaubens eigner Zweck, der Seele reiches Heil, Der Segen in der Welt, sey, Hertzog, Euer Theil. 48. Fürsichtigkeit Die Fürsicht ist gar gut; doch wer kennt alle Tücken? Sich müsse Tück und Trug, Herr, Euch zun Füssen bücken! 49. Göttliche Liebe Die Liebe, Fürst und Herr, die wir vom Himmel haben, Die wohn Euch reichlich bey mit ihren edlen Gaben! 50. Christliche Liebe Niemand wird was bey Euch von Christen Liebe missen; Ihr müsset, treuer Printz, so reiner Treu genissen! 51. Auffrichtigkeit Was niemand sonst gewüntscht, und was nur zu begehren, Daß woll Euch, hoher Fürst, der Höchste stets gewehren! 52. Uneinigkeit Ich bin zwar ietzo hier; doch komm ich her nicht mehr; Ich wüntsche, daß man mich noch seh, noch weiter hör! 53. Auff Marcum Man hat dir alles Gut genommen, wie das denn du noch bist genesen? Man hette dich wol auch geraubet, wenn, Marx, an dir was guts gewesen. 54. An eine Durchlauchte Person Die menge macht mich arm; ich kan nicht Zierden haben, Zustreichen zierlich auß die Unzahl Eurer Gaben! 55. Rath Wo Rath nicht wird gehört, wo Rath nicht Folge hat, Allda ist gar kein Rath der allerbeste Rath. 56. Befestigung Unsre Festungs-Berge sincken; O, ich ließ michs wol bedüncken, Da ich hört und kunte schauen Thren- und Seuffzen drein-verbauen; Erdenbau kan übel längen, Drein sich Wind und Wasser mengen. 57. Reime Ich pflege viel zu reimen; doch hab ich nie getraut Was bessers ie zu reimen als Bräutigam auff Braut, Als Leichen in das Grab, als guten Wein in Magen, Als Gold in meinen Sack, als Leben ohne Plagen, Als Seligkeit auff Tod. Was darff ich mehres sagen? 58. Wein und Gicht Schick mir auß dem Pferde-Brunnen, Fürst Apollo, eine Flasche, Daß ich mir zu guten Reimen meine Sinnen tüchtig wasche; Dann ich kan nicht reisig kummen auff dem blancken Tichter-Pferde; Gicht die hat mich außgestiefelt, daß ich ietzo Sporn-loß werde. 59. Von meinen Reimen Leser, das du nicht gedenckst, daß ich in der Reimen-Schmiede Immer etwa Tag für Tag, sonst in nichts nicht mich ermüde! Wisse, daß mich mein Beruff eingespannt in andre Schrancken; Was du hier am Tage sihst, sind gemeinlich Nacht-Gedancken. 60. Entlehnete Weiber In Pegu borgt man Weiber um ein gewisses Pfand; Wie mancher wüntschte borgen auch her in unser Land! 61. Auff Bonosum Bonosus ist ein Stücke In grosser Läng und Dicke; Das ladet man mit Speise Gemeinlich Centner-weise; Stöst Wein mit Wein zusammen, So speit es dicke Flammen; Zwar niemand wird gekräncket, Nur jämmerlich bestäncket. 62. Poeten-Krone Wo nur bloß die Lorber-Kron Ist gelehrter Arbeit Lohn, Ist kein Wunder, daß Poeten Stecken offt in etwas nöthen. 63. Auff Veturiam Veturia rufft ihrer Jugend mit seuffzen, wann sie an sie denckt; Sie aber fleucht ie mehr zu rücke, weil jen im seuffzen etwas stänckt. 64. Lust und Schmertz Freud und Leid sind Reise-Leute, ziehen immer auß und ein; Doch wil dieses immer länger, jenes kürtzer bey uns seyn. 65. Von meinen Reimen Wer, was Himmel hat, sol schreiben, muß dazu den Himmel fühlen; Ich muß nahe bey der Erde mich durch Gicht gefässelt fühlen. 66. Von Umbrone Was Umbro schreibt, das schreibt er Menschen, die noch zur Zeit nicht Menschen sind; Er schreibt vielleicht für keinen Alten; er schreibt vielleicht nur für ein Kind. 67. Faulheit Wir sterben uns uns selbst vor ab für unsrem sterben, Wann Gaben, die in uns, unaußgeübt verterben. 68. Der wolthätige Gott Gott machts gut und böse wir; Er bräut Wein, wir aber Bier. 69. Plauderey Wo kein Brunn, da kans nicht flissen; Wer viel redet, muß viel wissen. Veit sagt viel, weiß nichts; er flicke, Dünckt mich, Lügen für die Lücke. 70. Wollust Ie seltner man der Lust geneust, Ie mehr sie nachmals lieblich fleust: Petulca hälts für keine Lust, Wann Lust nicht hat die Lust zur Kost. 71. Ehestand Zwar ein Fleisch werden wol deß Mann- und Weibes Leiber; Doch werden nicht zwey Mann und weniger zwey Weiber. 72. Jungfern-Wuntsch Daß die Märter-Kron, die Haube, Charitea hat erworben, Daß als eine keusche Jungfer sie zu einer Frau erstorben, Hörte Chloris, seuffzte hertzlich: Wolt ich doch für meine Sünden Auch wol mich, wann GOTT nur wolte, mit dem sterben abefinden! 73. Auff Schnaubonem Von Faust ist Schnaubo faul, doch rüstig in dem Sinne; Ein Hertze hat er wol, doch wenig Hertzens drinne. 74. Hofe-Worte Wer geschmünckte Worte gibt, ist nur Freund von Angesicht; Denn das Hertze liegt verdeckt, darff also der Schmüncke nicht. 75. Äpffel Viel Obst ist ungesund; wir keuen alle dran, Was eines Apffels Kost für Leid uns angethan. 76. Auff Mollem Dein Weib ist dir kein Weib, und du bist ihr kein Mann; Wie daß, das Er nicht ihr, Sie dir gewachsen an? 77. An eine fürstliche Person Fürstin, der Euch denckt zu preisen unter denen, die Euch kennen, Muß die Schuld nothwendig haben, daß er nicht kunt alles nennen; Wer Euch wil bey denen loben, die vorher nichts von Euch wissen, (Derer wenig ich vermuthe), wird den Glauben mussen missen. 78. Lob Wer zu loben von viel Sachen, Da wil Lob sich schwerer machen Als bey dem, wo nichts sich weiset, Das man füglich rühmt und preiset; Denn dort mangelts an den Worten, Die man darff zu so viel Orten; Hier ermangelts an den Dingen, Daß man bloß muß Worte bringen. 79. Gemüths-Gaben Der den ledern Beutel höher als das Gold im Beutel schätzt, Der taug hin, wo man nach Wurtzeln auff Antycir übersetzt; Der deß Leibes Zierden putzt, läst den Sinn im Kote liegen, Dieser kan zum Königreich unter allen Narren tügen. 80. Bücher-Zimmer Hier ist ein Apothecke, darinnen rechte Sinnen Sich an Gesundheit bessern, für Kranckheit fristen künnen. 81. Unverschämt Wer sich überall siht gerne, wer sich nirgend nimmer schämt, Kan dem Glücke sich bequämen, wann Glück ihm sich nicht bequämt. 82. Vom Frühling Anno 1652 Dieser Frühling ist gar kalt: Welt wird nun zum bulen alt. 83. Auff Vanum Vanus gehet auff den Wolcken hoch erhöht durch hohe Thaten; O, daß nicht durch seine Schwere Wolcken in den Bruch gerathen! 84. Ehestand Ein grüner Mann, ein rothes Weib, die farben wol zusammen; Sie sind geschickt, im Wasserbau zu ziehen wol die Rammen. 85. Auff Submissam Submissa sucht ein schnödes Geld durch gar ein schändlich Leben, Meint: sey es schändlich gleich verdient, seys ehrlich doch gegeben. 86. Auff Cajam Caja lest auß einer Schüssel unterschiedne Vogel nissen; Dennoch hat man nie gehöret, daß sie sich noch ie gebissen. 87. Spanien Spanien liegt wie ein Seugling an der Ost- und Westen-Brust Indiens, saugt Gold; was Leute hetten gerne diese Kost! 88. Die Zunge Eine Brück ist auffgebauet, drüber bringt man in die Stadt Thiere, Fische, Vögel, Früchte, was man kaum zu nennen hat; Dieses nicht, sonst aber manches, kümt zu rücke durch das Thor, Doch nicht, was das Auge sihet, sondern nur vernimt das Ohr. Für die Brücke, für die Wahren wil der Bauherr keinen Zoll, Ausser daß man seiner Güte hertzlich immer dancken soll; Einer thut es kaum von Zehnen, fluchen mehr und lestern eh; Er ist gütig, strafft nicht balde; endlich doch folgt ewig Weh. 89. Stamm-Buch Freund, ich soll dir auff Begehren etwas in dein Stamm-Buch schreiben: Stets solst du in meinem Sinne, mich laß stets in deinem bleiben. 90. Waffen und Schrifften Eisen schützet zwar den Mann, Wann Gewalt ihn sprenget an; Aber weder Schild noch Degen Kan der Zeit sich wiederlegen. Wann der Zeiten scharffer Zahn Kluge Schrifften fasset an, Dörffen sie sich ihm mit lachen Sonst mit nichts entgegen machen. 91. Pappier Witzel wird mir Schuld beymessen, daß ich schreib auff Lumpen Possen; Besser, das Pappier verschrieben, als beym Pferdefang verschossen. 92. Auff Fastum Du machst dich, Fastus, groß; ein ieder acht dich klein; Die Ele, die dich misst, wird deine, mein ich, seyn. 93. Hosen Man sagt, das weit an Hosen bleib immer oben stehn; Ietzt siht man Hosen weiter um Bein als Gürtel gehn. 94. Unrecht Gut Rapax lässet seinen Kindern grosse Güter; seine Seele Wird hingegen Erbtheil haben in deß Plutons finstern Höle. 95. Auff Runcum Runcus ist gewaltig starck; gebe Bauren grossen Nutz, Künten ihn zum Hebelbaum brauchen für das gröste Klotz. 96. Artzt-Wasser Ärtzte bauen ihre Mühlen an die Menschen-Flüsse; Selten sind sonst Wassermühlen, die man so geniesse. 97. Küssen Wer küssen wil, küß auff den Mund; das andre gibt nur halb geniessen; Gesichte nicht, nicht Hals, Hand, Brust: der Mund allein kan wieder küssen. 98. Unglücke Wen das Glück in Rücken schläget, dieser ist kein Mann; Wer ihm nur entgegen stehet, geht es minder an. 99. Wollust Wer der Wollust sich lehnt auß, wird er nicht ums Hauptgut kummen, Wird er Kranckheit haben doch stat der Zinsen eingenommen. 100. Hoffart Pracht Macht Acht.