Desz ersten Tausend erstes Hundert 1. An etliche Lobsprecher eines verstorbenen Heldens Ihr klugen, derer Faust die Feder embsig führet, Zu klagen dessen Tod, der an die Wolken rühret Durch Thaten ohne gleich, durch Thaten, die der Welt Deß Himmels kurtze Gunst hat einig fürgestellt Zum Eigenthum zwar nicht, zum Wunder aber allen, So weit der Titan leucht; der Mut mag euch entfallen, Daß diß, wo ewig Ding genug zu schaffen hat, Die Feder enden soll und ein papiernes Blat. Weicht ab von da, wo Fleiß gar schwerlich Frucht gewinnet; Klagt nichts so sehr als diß, daß klagen ihr nicht könnet. 2. Hochzeit-Wuntsch So lebt nun, liebes Paar, lebt zwischen Krieg und morden In dennoch süsser Ruh und in dem schönen Orden Der lieben Einigkeit; lebt, daß deß Glückes neiden Muß Euch und euer Thun stets fliehen und vermeiden! So wüntschen etwas gilt, so woll auch diß Gott geben, Daß ihr, wenn ihr seid tod, noch lange möget leben, Viel Söhne, daß man denn nach euch, dem Vater, nennet, So viel der Töchter auch nach euch, der Mutter, kennet. 3. Über die Schäferey Amœna eines ungenannten Freundes Musa, Venus, Charis schauet, Wie Amœna Staffeln bauet, Auffzusteigen euren Thron. Gebt ihr Raum zur rechten Seite; Schaffet, daß man ihr bereite Eine frische Lorber-Kron'. Phöbus lehnt ihr seinen Wagen, Ihren Ruhm herumb zu tragen Durch das blaue Sternen-Feld. Hermes soll die Flügel fassen, Daß sie sei, verkünden lassen, Zu dem ewig-seyn gesellt. Billich! denn so hohe Sinnen Müssen andren Dank gewinnen, Als ein kriechend Erde-Geist, Den man aus dem eignen nennen Dennoch nicht mag recht erkennen, Weil er andres ist als heist. Sinnen, die vom Himmel kommen, Werden billich aufgenommen In das reine Himmel-klar, Da der schwartzen Erde Schatten Glantz und Flammen ihrer Thaten Nimmermehr vertunkeln thar. 4. Waffen-Anstand Von Anstand und von Fried und vielen schönen Dingen Will Fama dieser Zeit ein neues Liedlein singen; Doch weiß ich nicht, obs neu. Der Anstand ist gar alt; Der Fried' ist auch für längst gar recht, gar wol bestalt. Was darff ein Anstand sein, wo nie man noch gestritten? Da Waffen und ihr Brauch nach dieses Krieges Sitten Gleichwie in einem Spiel nur bloß zum Scherz und Schein Und daß sie nicht der Rost zerfreß, in Händen sein? Was darff ein Anstand sein, wo nie kein Feind sich findet, Der zu bekriegen steht, und wo man sich nur gründet Auf Meinung, unser Land nach draußgeschöpfftem Nutz Alsdenn dem lieben Gott zu geben in den Schutz? Was darff ein Anstand sein, wo man die Krieges-Kinder Gar glimpf- und gütlich meint und bloß die feisten Rinder Sambt ihrer jungen Art um etwa Pferd und Schwein, Schaaf, Hun, Han, Ente, Gans läst seine Feinde sein? Der Fried' ist lange schon in unsre Gräntzen kommen, Da jene viel zwar uns, wir ihnen nichts genommen, Indem wir uns bemüht, (o eine feine Kunst!) Zu brechen ihren Trotz durch unsre gute Gunst. Es ist ja Fried' und Ruh im Lande gantz die Völle; Das Feld hält Sabat-Tag; der Acker liget stille Und duldet nicht wie vor, daß ihm viel Wunden schlug Deß Bauers frecher Arm und ein tyrannisch Pflug. Es ist ja Friede da; man darf ja mehr nicht sorgen, Wie jeder Hab und Gut für Dieben hält verborgen In sicherem Gemach; es bleibt ja Gold und Geld In festem Hause so, wie durch das offen Feld. Hierum singt Fama falsch von Anstand und von Friede; Ihr Sinn sei dieser denn, daß, weil die Welt ist müde Der alten deutschen Treu, nur mit Betrieglichkeit Man habe steten Fried' und Krieg mit Redligheit. 5. Schertz vom Flachs-Nutze Gewiß, der liebe Flachs ist gar ein nützes wesen; Der, der es wo nicht glaubt, mag diese Reime lesen: Ein Mägdlein gieng zu Stuhl und thät, ich weiß nicht was, Da, war das Hembd ihr gut, sonst wär sie noch wol naß. 6. Tag und ein Tages-Wuntsch Die Nacht ist nun dahin; die Sonn ist wieder kommen; Der Schlaf, deß Todes Bild, ist weg von uns genommen. Herr Gott, du reines Liecht, laß ferne von mir sein Der Sünden finstre Werk und gib mir deinen Schein! Laß mich dein werthes Wort frei öffentlich bekennen; Laß mich in deiner Lieb und meines Nechsten brennen; Laß meinen Sinn und Geist seyn wacker für und für Zu thun, was mir gebührt und wol gefället dir! Und so mein müder Leib noch länger soll beschauen Das Unrecht dieser Welt und dieses Elend bauen: Herr Gott, so gib Geduld, verleih' beständigkeit; Laß scheinen deinen Trost und hilff zu rechter Zeit! Laß mir mein Augen nicht von eitlen Dingen blenden, Nach köstlich Ding der Welt von dir mein Hertze wenden; Hilff, daß ich mich nicht theil und bleibe gantz an dir, Auff daß du, höchstes Gutt, mögst bleiben auch in mir! Wenn endlich denn mein Liecht und Leben muß vergehen, So laß mich dort gantz schön und wie verkläret stehen Da, wo du Sonnenstral, voll von Gerechtigkeit, Schön hell erleuchten wirst die selig Ewigkeit! 7. Nacht und ein Nacht-Wuntsch Die Mutter unsrer Ruh, die Arznei vieler Sorgen, Die finstre Nacht ist da; die Sonne geht verborgen; Die halbe Welt ist schwartz, ist traurig ohne Liecht, Ist gleichsam mehr nicht da, lebt zwar, lebt doch auch nicht. Herr Gott, du heller Glantz, laß unser Herz und Sinnen Im Finstren nimmer seyn; gib, daß sie wachen können Auch mitten in dem Schlaf, auff daß dein Göttlich Schein Mög' unsrer Seele Liecht und helle Fackel seyn! Wenn wir deß Kummers Last zu unsren Haupten legen, So laß sich deinen Geist in unsrem Geiste regen Und schaffe, daß die Nacht, wenn uns der Tag erweckt, Der Sünden schnöde Bürd' in allem hat verdeckt! Laß deiner Engel Dienst auch uns zu Dienste kommen! Gib, daß von unsrem Haupt sey Schad' und Schmach genommen, Auff daß der starke Feind, der schwartze Fürst der Nacht, Deß Leibes süsse Ruh uns nicht verbittert macht! Und so es so soll seyn, daß heut ich noch soll gehen Deß Todes finstren Gang, so wollstu bei mir stehen Und gehen für mir her ins Leben durch den Tod, In Himmel auß der Welt, zur Freude von der Noth! 8. Das Gebete Wenn die Welt mit Menschen kriegt, Muß der Mensch mit Gotte kriegen. Weil die Noth uns gegenliegt, Müssen wir für Gotte liegen Und durch Beten endlich siegen. 9. Verleumbder Ich kenn ein höllisch Volck, die Brüder der Erinnen, Ein Volck von süsser Zung' und von vergifften Sinnen, Das zwischen Mund und Hertz, das zwischen Wort und That Hat einen engen Raum, wie Ost und Westen hat. Es lobt mich im Gesicht, es schändet mich im Rücken, Es wil durch meine Schmach sein eignes Laster schmücken; Es sehnet sich empor, verachtet alle Welt Und hat genug an dem, daß ihm es selbst gefällt. Was ist mir denn zu thun? Sonst wil ich nichts ihm gönnen, Als daß sein falsches Maul mög' einen Stand gewinnen, Wo sonst durch holen Grund ein stinkend Athem zeucht, Der auff die Fersen zielt und in die Nasen kreucht. 10. Wein-Lust Wer mit Bacchus kämpffen wil, Hüte sich und trau nicht viel. Erstlich schlägt er auff die Beine; Trifft er dich, so bist du seine. 11. Mein und dein Alles machet mein und dein, Daß man nicht kann friedlich seyn. 12. Bücher-lesen Wie die Honigmacherinnen Auß viel Blumen saugen künnen Ihren süssen Nectar-Safft: So auch unsre Wissenschafft Wächst durch unverseumtes lesen In ein gleichsam Göttlich Wesen. 13. Brautschrifft All ihr Künstler in der Welt, Derer kühnes Auge-schauen Euch so viel kan Häuser bauen In das blaue Götter-Feld: Könnt ihr nicht voran mir sagen, Was sich gutes zu wird tragen, Wenn sich Mars zu Venus stellt In dem schönen Jungfern-Zeichen? Tycho sage, was er wil; Fehl ich, fehl ich doch nicht viel: Kinder werden dannen reichen, Die deß Vaters tapffren Sinn Und der Mutter schönes Kinn Lieblich werden abegleichen. 14. Grabschrift eines Speise- oder Kuchelmeisters Der hier begraben liegt, der hielt sehr viel vom essen Und kan im Grabe noch des essens nicht vergessen; Denn weil er selbst nicht mehr die Essens-Lust kan büssen, Gibt er sein eigen Fleisch den Würmen zu geniessen. 15. Von der Phyllide Eines Morgens schaut ich gehen Phyllis vor den Rosenstrauch, Da sie nach gewohntem Brauch Seine Zierden sahe stehen. Damals kont ich nicht vergleichen Welches unter ihnen wol, Weil sie beid an Schönheit voll, Von dem Siege solte weichen. Ob die Phyllis angenommen Von den Rosen ihre Zier, Oder ob vielleicht von ihr Solche solchen Schein bekommen, War gar übel zu bescheiden; Denn ich hatt in ihren Glantz Mich vertieffet also gantz, Muste nur die Augen weiden. Endlich hab ich doch erfahren, Als der Sonne güldnes Rad Traff den letzten Tages-Grad, Daß die Rosen Diebe waren; Weil sie hatten wollen gleichen Und der Phyllis stehlen ab Ihrer Farbe schönste Gab, Musten bald sie drauff verbleichen. 16. Hochzeit-Wuntsch Lebt, liebes Paar, mit Gott; lebt, liebes Paar, mit Segen; Lebt, liebes Paar, im Glück, daß Neid euch könn' erregen; Ich sage noch einmal: lebt hin in süsser Ruh, Biß Kindes-Kindeskind drück euer Augen zu! 17. Ein andrer So lebt ihr beide nun, lebt eines in der Liebe; Lebt eines in dem Sinn, damit euch nicht betrübe Deß Glückes runde Macht; denn seine Tück und Neid Hat keinen andern Feind als Lieb und Einigkeit! Iedoch woll' Einsamkeit zur Einigkeit nicht kommen, Noch eures Lebens Brauch euch eher sein benommen, Biß daß sich denn zur Zeit die süsse Zeit erweist, Die Elter-Vater euch, euch Elter-Mutter heist! 18. Ein andrer Wie ihr verbunden seid, so sey auch euch verbunden Der Segen und das Heil sambt langen Lebe-Stunden! Gott creutzig euer Creuz und Wasser sey euch Wein, Biß ihr das vierdte Glied hört in der Wiege schreyn. 19. Mist-Juncker Ein zartes Mutter-Kind, das nie vom Haus entnommen, Ist einem Ochsen gleich, der nie vom Stalle kommen. 20. Paten-Zettel Du kommst, o liebes Kind, ein Gast in diese Welt, Da gleich das Gasthaus jetzt zu Grund und Bodem fällt Durch, in, und mit sich selbst; drumb ist dir nun sehr gut, Daß dir der Himmel bleibt, erkaufft durch Christi Blut. 21. Grabschrifft Da ich solte, kont ich leben; Da ich solte, kont ich sterben; Denn das ewig zu erwerben, Kont ich sterblich leichte geben. 22. Hoffnung Auff was gutes ist gut warten, Und der Tag kommt nie zu spat, Der was gutes in sich hat; Schnelles Glück hat schnelle Fahrten. 23. Brautschrifft An den Bräutigam. Ich weiß nicht, was man glaubt; ich weiß nicht, wem man trauet. Ich hätt' ein hohes Schloß, Herr Bräutigam, gebauet Auff eurer Worte Grund, als wie auff Fels und Stein; Seh' aber, daß die Welt nur wil betrogen seyn Und ich mit sambt der Welt. Ihr sprecht: ihr seyd ergetzet, Daß euch deß Himmels Gunst für Augen hat gesetzet Den süssen Hochzeit-Tag, und meinet doch die Nacht, Die euch zum Vater weiht, die Braut zur Mutter macht. Weil schwartzes ihr nun meint und weisses dennoch nennet, So sey euch, merket drauff, zur Strafe zuerkennet, Daß, wenn ihr meint, es soll das erst ein Söhnlein sein, So wird es E E E, wie Mutter Eva, schrein. 24. An die Braut (Auß Versetzung des Nahmens: eilff Knaben.) Jungfer Braut, in eurem Namen Find ich so gewiß als Amen Eurer Ehe Kinderlein. Was darinnen von Eilff Knaben Wo ist übrig an Buchstaben, Werden lauter Töchter sein. 25. Hochzeit-Wuntsch Werthes Paar! das gantze Leben Sey bey euch ein steter Krieg, So daß Beyden sey gegeben Gleiche Beut und gleicher Sieg. Kämpfft mit Liebe gegen Liebe, Und mit Treu kämpfft gegen Treu; Daß euch Zwiespalt nie betrübe, Niemals auch der Kauff bereu. Zwar es wird wol offt geschehen, Daß die Braut zu seiner Zeit Bey sechs Wochen nicht wird sehen, Wie die Wirthschafft sey bereit; Doch bedeut es nichts denn Beute; Wenn das Ziel fürbey wird seyn, Werden euren Schatz die Leute Hören auß der Wiege schreyn. 26. Eine Schön-Heßliche Ich kenn ein Frauenbild, das wäre völlig schön, Nur daß der Schönheit Stück in falscher Ordnung stehn. 27. Eine Schöne Wenn Menschen Gott sonst nicht erschaffen hätte wollen, Hätt eurentwegen nur er diß nicht lassen sollen. 28. Hochzeit-Wuntsch Liebes Paar, lebt so im Leben, Daß euch Wolfarth sey gegeben Wie zu einem Eigenthum! Lebt, daß eurer Ehe Ruhm Für sowol als nach dem Grabe Alle Welt zur folge habe. Lebt! last sehen, daß ihr lebt! Und nach langem Namen strebt, Daß nach viermal zehen Wochen Ihr must backen Kindlein-Kuchen. 29. Das höchste Gut Zum höchsten Gut in dieser Welt Wehlt jeder, was ihm selbst gefällt. Gar im Schoß sitzt der dem Glücke, Dem gegeben sind vier Stücke: Ein gütig Gott, Ein liebes Weib, Ein frischer Leib, Ein selig Tod. 30. Hoheit hat Gefahr Auff schlechter, ebner Bahn ist gut und sicher wallen; Wer hoch gesessen ist, hat niedrig nicht zu fallen. 31. Hier sind wir; dort bleiben wir Ich bin, ich bleibe nicht in dieser schnöden Welt, Und weil das bleiben mehr mir als das sein gefällt, So lieb ich sterben mehr als leben, weil ich kan So hören auff zu sein, zu bleiben fangen an. 32. Liebes-Flammen Hat die Liebe Feuers-Art, Weil sie hitzt und brennt, Wie daß ihrer Flammen Fahrt Sich thalein denn wendt? 33. Schönheit Wenn der Schönheit schöne Frucht Wäre Keuschheit, Ehr und Zucht, Wären manche schöne Wangen Nicht ins Hurenhaus gegangen, Manches krauses Haar wär nicht Mit der Grichen Π verpflicht. 34. Glück wäget die Freunde Böses Glück hat diese Gütte, Daß die ungewissen Sachen Uns gewisse Freunde machen; Daß man sich für denen hütte, Die nicht die sind, die sie scheinen, Sondern unser Gut nur meinen. 35. Zagheit Wenn ein Harnisch wäre gut Für die Zagheit, Furcht und Schrecken, Wenn ein Spieß und eisern Hut Könnten Mut und Hertz erwecken: Ey, was hätten die für Zeit, Die ein solches Waffen schlügen? Würd ihr Gold doch, gläub' ich, weit Alles Eisen überwiegen. 36. Gerechtigkeit des Neides Keine Straff ist außgesetzet Auff deß Neides Gifft; Denn er ist zu aller Zeit Selbsten voll Gerechtigkeit, Daß er meistens trifft, Und sich durch sich selbst verletzet. 37. Prüfe; denn liebe! Kenne vor und trau nicht bald! Trau wol hat das Pferd verrieten; Kenne nicht hat frembde Sitten; Frühe-zeitig wird nicht alt. 38. An einen vortrefflichen Mann Niemand, mein Freund, hasset dich; Nur der Tod führt viel Beschwerden, Weil er muß befahren sich, Daß du wirst sein Meister werden. 39. An einen lieblichen Poeten Ist wo wer, der widerspricht, Daß die Pierinnen nicht Mit der Frau von Gnidus Sinnen Einvernehmen haben können? Was dein Mund, mein Freund, bericht, Was nur deine Musa ticht, Schaut man nicht vollauff darinnen Lauter Venus sich entspinnen? 40. An eben denselbten Daß die dreimal drei Göttinnen Dich so herrlich angenommen, Da du bist auff Pindus kommen, Ist geschehen, daß sie können Ietzund für Bellona wüten Ihren Stand durch dich behüten Und ein Haus in dir gewinnen. 41. Grabschrifft Dem Himmel war ich nur und nicht der Welt geboren. Was hab ich, sterb ich gleich, durch sterben denn verloren? 42. An einen kriegrischen Held Als aus deiner Sinnen Stärcke Jupiter nahm ein gemerke, Daß du durch so kühnes streiten Würdest biß zum Himmel schreiten, Sprach er: Uns die Ehre bleibe! Dannenher ich einverleibe Diesen Held nach Himmels-Rechte In der Götter alt Geschlechte; Denn er möcht auß eignen Thaten Für sich selbst hierher gerathen. 43. An einen gelehrten Held Weil der Pallas Jungferschafft Ist der Keuschheit so verhafft: Daß sie denn nun ihre Pflicht Ietzt in deiner Liebe bricht? Keiner ist als du so gar, Welcher ihrer würdig war. 44. Auf denselbten Phöbus ist nicht gar dein Freund, Weil du mehr, er minder scheint. Ausser ihm der Phöbe Liecht, Ausser dir Glantz ihm gebricht. 45. Auf einen glückseligen Schelmen Dir sey, sagst du, bald gewehret, Was du dir nur kanst gedencken. Schade, daß du nie begehret. Daß du mächst am Galgen henken. 46. Hochzeit-Wuntsch Wolfahrt müsse, liebes Paar, Euch wie ihr euch selbsten lieben. Glücke muß auch immerdar Sich in euren Diensten üben. Segen, Heil und Seligkeit Müß euch in die Arme schliessen, So wie ihr zu seiner Zeit Werdet Kindes-Kinder küssen. 47. Ein andrer Theures Paar, seid so besüsset Mit der Liebe Liebligkeit, Daß ihr drinnen nichts nicht wisset, Als von Fried' und Freudens-Zeit, Biß ihr denn nach langen Jahren Schauet durch deß Priesters Hand Euer Kindes-Kind sich paaren In den süssen Liebe-Stand. 48. Vertorbene Kaufmannsschafft Bei dem Bäcker kauffen Korn, bei dem Schmiede kauffen Kohlen, Bei dem Schneider kauffen Zwirn, hilfft dem Händler auf die Solen. 49. Sparsamkeit Wenn die Jugend eigen wüste, Was das Alter haben müste, Sparte sie die meisten Lüste. 50. Das Land in der Stadt Wer nach dem Land ietzund wil auff dem Lande fragen, Der irrt; Mars hat das Land längst in die Stadt getragen. 51. Zwiespalt der Städte und deß Landes Weistu, wannenher die Stadt Mehr und mehr das Land so hasset? Weil der Landmann mehr nichts hat, Daß der Bürger an sich fasset. 52. Die ietzigen Soldaten Sind Martis Kinder nicht feine, gesegnete Leute? Was Gott, Mensch, Feind, Freund hat, wird ihre tägliche Beute. 53. Eine Einigung zwischen Jove und Marte Es hat mich jüngst ein Freund auß Pindus lassen wissen, Daß Jupiter und Mars wolt einen Frieden schliessen: So Mars hinfort nicht mehr bei allen seinen Tagen Nach Himmel und nach dem, was himmlisch ist, wil fragen, Wil Jupiter dahin sich bindlich denn erklären, Dem Mars noch nebst der Welt die Hölle zu gewehren. 54. Kunst verstummet Daß ietzund die Pierinnen, Mars, für dir nicht reden können, Freu dich nicht; es ist ihr Wille, Ungehindert in der Stille Sich mit Rechte zu berathen Auff ein Urtheil deiner Thaten. 55. Untreuer Krieg Was sich reimt, das schickt sich auch, Spricht der frische Landes-Brauch. Drum so schickt sich liegen, triegen Auch so fein zu unserm kriegen. 56. Zeiten-wandeln Sich in sich und uns in ihr Endert Zeit nur für und für; Drumb sind auß dem Landsknecht-Orden Lauter Landes-Herren worden. 57. Die Erde wird bewegt Daß der Himmel stille steht, Daß die Erde rumher geht, Steht zu glauben. Unser Land Hat sich hinter sich gewand, Daß nunmehr der Jungfer stat Diese Zeit der Krebes hat. 58. Unterscheid zwischen Land-Mann und Lands-Knecht Unterscheiden muß man recht Landes-Mann und Landes-Knecht: Jener muß, wenn dieser wil; Jener gibt, nimmt dieser viel; Jener dient, und dieser schafft; Jenes Angst ist dessen Krafft; Dieser raubt die gute Zeit; Jenem bleibt die Seligkeit. 59. Von einem eintzelen Freunde meiner Reimen Meine Musa hat kaum einen, Der ihr Phöbus wil erscheinen. Gar genug! Sie hat alleine, Was für sich sonst in gemeine Alle dreimal drei Göttinnen Dieser Zeit kaum haben können. 60. Fleisch-Markt Wer hier nur ist bekant, Der weiß, man kaufft ietzund Das Fleisch zwar durch das Pfund Die Weiber nach der Hand. 61. Mars und Venus sind zugehörige Wer Poeten nennet Tichter, Ist ein ungerechter Richter. Heute kan man noch erfahren, Daß sich Mars und Venus paaren; Denn es ist ein Theil vom kriegen Auff der Magd zu Felde liegen. 62. Nicht zu hoch! Ich trachte nicht nach hohen Dingen; Ich geh gern auff der niedren Bahn, Fing Clepticus zu sagen an, Da man ihn solt an Galgen schlingen. 63. Die fressige Zeit Unsre Zeit und ihr Gesinde Fressen geitzig und geschwinde Alles auff biß an den Grund. Wetten wil ich, daß ihr Schlund Kürtzlich rauß gibt ungedeuet, Was sie fressen ungekeuet. 64. Cogere milites, Soldaten werben./zwingen Mars verhönt nur das Latein Muß doch selbst Lateinisch seyn. Wil er Völcker an sich bringen, Muß er vor die Knechte zwingen. 65. Der Tod ist der Sünder und der Krieger Sold Die Sünder haben Sold; Sold haben auch Soldaten. Der Tod ist gleicher Lohn auff ihre gleiche Thaten. 66. Damen und Chevalliers Die Damen wolln von nichts als Chevalliers ietzt wissen. Das macht, sie sind zum Krieg auff Reuterey beflissen. 67. Unterscheid der Wörter Dame und dama Was Dame sei, und denn was dama, wird verspüret, Daß jene Hörner macht, und diese Hörner führet. 68. Rosenobel, der Soldaten Winterblumen Der Frühling fodert Blut, der Winter gibet Gold; Drumb ist dem Winter Mars und nicht dem Frühling hold. Hier wachsen rothe, dort entspriessen Edle-Rosen; Wer wolte denen nicht für jenen liebekosen? 69. Auf den Tadler Dein Momus wil ich nicht seyn, Momus, noch vernichten Dein Urtheil, wenn du sprichst: Das Vers- und Reime-Tichten Sei Schulenfüchserei. Wie aber, daß das lesen Noch gültig bei dir ist als Schulenfüchsisch Wesen? Ey, Lieber, lies nicht mehr, sonst wirst du gar zum Kinde Und darffst, daß dir mein Reim noch eine Ruthe binde. 70. Auf dergleichen Zoïlus hält nichts vom tichten, Pflegt Poeten zu vernichten, Daß nicht Midas Eselskopff Ihm wo auf die Achseln hopff. 71. Die unartige Zeit Die Alten konten frölich singen Von tapffern, deutschen Heldens-Dingen, Die ihre Väter außgeübet. Wo Gott noch uns ie Kinder gibet, Die werden unsrer Zeit Beginnen Beheulen, nicht besingen können. 72. Von meinem Buche Kündig ists, daß in der Welt Sich zum Guten Böses finde. Wenn mein Buch nur wär gestellt, Daß beim Bösen Gutes stünde! 73. An die Leser Dieses Buch soll Monde seyn, Leser aber seine Sonnen, So daß durch der Sonnen Schein Auch der Monde sei entbrunnen. 74. Kunst von Gott Daß der Musen alter Stamm Her vom Himmel Anfang nam, Macht, daß auch ein Edelmann Sich zu ihnen freunden kan. 75. Feste Stadt, wüste Land Seither daß unser Stadt verschantzet und bewehret, Seither ist unser Land verwüstet und verheret. 76. Von dem Brauch der Nasamonum und Augilarum Manche Braut bleibt nicht zufrieden, Daß ietzt der Brauch bleibt vermieden, Daß nicht thun am Hochzeit-Feste, Was der Bräutgam thut, die Gäste. 77. Auff Venerillam Venerilla hasset Schertz; Was sie meint, das ist ihr Hertz. Wer an ihr was suchen wil, Such und säume nicht zu viel. Der nichts sagt und viel doch thut, Ist für Venerilla gut. 78. Auff den bellenden Tadler Wenn die Verse gelten wolten Mir, wie sie dem Naso gulten, Hätt ich längst den Kettenhunden Meinen Momus beygebunden. 79. Von den Weiber-Brüsten Wie kommts, daß Frauen-Volk so klare Stimmen führet? Weil duppelt Blasebalg hart an ihr Lufftröhr rühret. 80. Von der Weiber Plauderey Die Weiber reden laut, sie reden lang und offt. Den Athem oben zu, mehrt unten auff die Lufft. 81. Von dem Gebrauch der Balearen Der Balearen Brauch ist zwar zu uns nicht kommen: Daß durch die Gäste vor der Braut wird abgenommen, Was sonst der Bräutgam nimmt. Doch hört man, mancher mag Thun vor, was erst man dort thät auff den Hochzeit-Tag. 82. Betriegliche Hoffnung Der seinen Segel hin nach Engeland gewendet, Ist manchmal durch den Wind in Holland angeländet, Und der durchs enge Meer zu lauffen ihm getrauet, Hat unverhofft sein Schiff in offner See geschauet. Wer manchmals eine Nuß für gut hat angerühret, Hat drinnen einen Wurm und dran ein Loch verspüret. Ob Jungefrau zwar nicht und Jungfrau hoch entschieden, Ist dem doch wol, der nam die, die das E vermieden. 83. Unterscheid zwischen Jungfrau und Jungefrau Was Junge-Frau und dann was Jungfrau, wird erkant, Daß dieses Wort ist gantz, und jenes ist getrant. 84. Der Zeiten Schauspiel Es denkt mich noch ein Spiel bei meinen jungen Jahren, Drinn ich ein König war, da andre Knechte waren. Da nun das Spiel war auß, fiel meine Hoheit hin, Und ich ward wieder der, der ich noch ietzo bin. Der heutige Gebrauch trägt gleichsam ein Ergetzen, Die Bauern dieser Zeit den Fürsten beyzusetzen. Schimpff aber ist nicht Ernst, und deß Saturnus Fest Ist einmal nur deß Jahrs zu Rom im Brauch gewest. 85. Schwanger seyn schadet dem schön seyn Schwanger seyn ist eine Schande, Keine Schand in Buhlschafft schweben; Dannenher in unsrem Lande Huren mehr als Mütter leben. 86. Flüchtige Tugend Die Tugend ist ein Weib, so Mahlern ist zu glauben; Drumb fleucht sie; Monsieur Mars möcht ihr die Keuschheit rauben. 87. Adels-Feinde Edelleute muß man lassen Von den Eselleuten hassen. Wer nur gut ist, meint es gut Auf das edle Ritters-Blut. 88. Die verkoppelte Freundschafft Der Freundschafft keuscher Stand war weiland voller Ehren. Ietzt läst sie sich durch Geld zum Huren-Brauch bethören. 89. Auf Pudibundam Pudibunda, wie sie spricht, Ehret hoch deß Tages Licht. Wer mit ihres Leibes Gaben Noch für Nachtes sich wil laben, Muß sich mühen, daß er macht, Wenn es Mittag, Mitternacht. Kan er sonst nicht Rath erfinden, Muß er ihr das Haupt verbinden. Manchem kummt es, ders geneust, Daß sie selbst die Augen schleust. 90. Neunerlei Fragen und neunerlei Antwort 1. Wie kümmt es, daß die Welt im argen ist versunken? Sie ließ den rechten Weg und gieng nur nach Gedunken. 2. Wie kümmt es, daß die Zeit nicht wil gebessert werden? Die Menschen in der Zeit verbösern die Geberden. 3. Wie kümmt es, daß die Last der Noth die Welt so drucket? Sie isset ietzund auß, was sie vor eingebrocket. 4. Wie daß uns Rath und That so wenig wil erspriessen? Drum daß, wie wir von Gott, Gott nichts von uns wil wissen. 5. Wie daß sich die Fortun so plötzlich hat gewandelt? Weil der, der sie bekam, sie übel hat gehandelt. 6. Wie kümmt es, daß ietzund die Bösen oben schweben? Wer höchlich fallen soll, den muß man hoch erheben. 7. Wie kümmt es, daß ietzund die Frommen unten liegen? Sie kämpfen mit Gefahr, mit Ehren drauff zu siegen. 8. Wie daß uns wil die Zucht zur Sicherheit gelangen? Dieweil der letzte Tag die Welt wil ehstes fangen. 9. Kümmt aber keine Zeit, darin es besser werde? Neu Himmel ist nicht weit, nicht weit ist auch Neu Erde. 91. Die letzte Brunst der Welt Unsre Welt ist schlägefaul, Setzt sich wie ein stätig Gaul. Wil sie Gott zu Stande bringen, Muß er sie mit Feuer zwingen. Jene Welt ertrank durch Flut; Diese Welt erfodert Glut. 92. Vom Kayser Probus Kayser Probus wolte schaffen, Daß man dürffte keiner Waffen. O wo ist bei unsren Tagen Kayser Probus zu erfragen? 93. Huren-Zeit Durch Proculus geschahs, daß zehnmal zehn Jungfrauen Nach dreimal fünffter Nacht man konte Weiber schauen. Kumm wieder Proculus! Weil in den Frauen-Orden Fast iede Jungfrau wil, ist Mars gar müde worden. 94. Rhein-Fluß Der dich erstlich nante Rhein, Wolte, glaub ich, sprechen Wein. Der dich erstlich nante Rhenus, Wollte, glaub ich, sprechen Venus. Was die Venus im Latein Ist uns, Rhenus, deutsch dein Wein. 95. Rhein-Wein Reimet sich gleich Wein und Rhein, Reimt sich Wasser nicht mit Wein. 96. Wo Herren, da Narren Ey, man muß dem Hofe-Leben Für den andren Fürzug geben! Denn bei großer Herren Tische Sind stets Has' und Stöckelfische. 97. Hofe-Leben Das Hofe-Leben ist ein rechtes Hoffe-Leben; Denn da verspricht man Gunst, und Ungunst wird gegeben. 98. Fleiß bringt Schweiß, Schweiß bringt Preis Iedermann hat gerne Preis; Niemand macht ihm gerne Schweis. Wer der Arbeit Marck will nissen, Muß ihr Bein zu brechen wissen. 99. Auf eines Helden Verleumder Da du lebtest, werther Held, Ward dein Ruhm bergauff gestellt. Nun von uns du bist entwand, Wird dein Ruhm kaum noch erkannt. Nämlich wenn der Löw ligt tod, Ist er auch der Hasen Spot. 100. Der Natur-Weg Wer, wie die Menscheit geht, wil wissen ihre Spur, Der wisse: Sie geht von, durch, in, auß der Natur.