Desz ersten Tausend fünfftes Hundert 1. Wissenschafft Besser ist es betteln gehen, Als nichts wissen, nichts verstehen. Armen kan man Geld wol reichen, Weißheit aber nicht deßgleichen. 2. Bücher Es ist mir meine Lust bei Todten stets zu leben, Mit denen um und um, die nicht seyn, seyn gegeben, Zu fragen, die sind taub, zu hören, die nichts sagen, Und die, die haben nichts, sehr viel hingegen tragen, Zu halten lieb und werth. Ich bin auff die beflissen, Die mir viel gutes thun und doch von mir nichts wissen; Ich halte diese hoch, die mich nur an nicht sehen; Die manchmal mich mit Ernst verhöhnen, schelten, schmähen, Sind meine beste Freund. Und solt ich die begeben, Eh geb ich alle Welt, eh geb ich auch das Leben. 3. Poeterey Man hält mir nicht für gut die Poesie zu üben; Das Buch, das grosse Buch, darinnen auffgeschrieben Der Römer langes Recht, solt eher meine Hand Durchsuchen, daß darauff sich gründe mein Verstand. Ists etwan ungesund, auff Speisen, die da nähren, Zu Zeiten frisches Obst erquicklich zu verzehren? Die edle Poesie ermuntert Sinn und Geist, Daß er greifft an mit Lust, was schwer und wichtig heist. Das nöthigst ist das Brot; doch läst man gleichwohl gelten Die weit gereiste Würtz und sonsten, was da selten In unsre Kuchel kummt; man günnet auch der Lust, Bedarff es nicht Natur, zu Zeiten eine Kost. Der heilsame Verstand, daß einer züchtig lebe, Niemanden Schaden thu und iedem gleiches gebe, Ist nöthig, als wol was; doch steht es gleichwol frey, Zu salzen Kunst und Witz durch die Poeterey. Weil Recht ein Knecht ietzt ist, dem Frevel hat zu schaffen, Weil eignen Willens Zaum pflegt frey verhenckt zu schlaffen, Weil Mars das Rothe stellt und auch das Schwartze setzt, Weil er Gesetz erklärt, wann er den Degen wetzt, Dieweil er Urtheil fällt, nach dem der Sieg gefallen, Weil grober Stücke Knall und holen Ertztes schallen Viel klagens nicht gestehn: So sey es mir vergunt, Auff daß der Zeiten Weh, darinnen wenig Grund Zum from seyn übrig ist, ich etwas mag besüssen Durch das, was ieder Zeit für ein gerühmtes wissen Geschätzet war und wird. Man lasse mir die Lust, Die, wo sie wenig bringt, noch weniger doch kost. Sie wird mir nützer seyn, als Mägden zu gefallen, Als in der geilen Brunst der Uppigkeiten wallen, Als eingeschrieben seyn in frevlen Raube-Bund, Der durch gebrauchten Trotz der Welt hilfft auff den Grund, Als daß mein Sinn im Wein, und Wein schwümm in dem Sinne, Als daß der Spieler Dank, der schlecht ist, ich gewünne, Als daß ich mich befliess' auff Hunds-Philosophey Und trieb, als eine Kunst, ein bäurisch Feldgeschrey. So fühl ich auch nicht Hitz auff Hofegunst zu schnappen; Ich biege keine Knie und rücke keine Kappen Für auffgeputzter Ehr und angestrichner Gunst, Die mancher sucht mit Müh durch schnöde Schmeichel-Kunst. Genug, wann ich mir selbst im Friede kan befehlen Und darff zu fremder Pflicht nicht Tag und Stunden zehlen. Ein König bin ich so, mein Haus ein Königreich, Da weder Hold noch Gram mich roth macht oder bleich. Der Himmel, hat mir der vertraut und was gegeben, So geb ich dieses dem, der bey mir wohnt daneben; Ich diene, wem ich kan, bin eines ieden Knecht, Doch daß mir über mich bleibt unverrückt mein Recht. Hierzwischen laß ich nun zur Zeit mit unterlauffen Die viel-gefüsten Reim und führe sie zu Hauffen Für gute Freunde hin; gefallen sie, Gar wol! Wo nicht, was liegt mir dran? Es ist kein nöthig sol Gefällig allen seyn. Ein ieder mag es machen, Daß über seinem Thun die Engel selbsten lachen, Und daß die Weißheit sich selbst drob verwundern kan; Der, dem ich wo nicht taug, der seh mich nur nicht an. 4. Auff Volvinum Volvinus ist gelehrt und gibt materi her; Sein Weib, die concipirt, so wächset ohngefehr Ein richtiger Context, der, wann er ist für voll, Kan sagen alsdann selbst, wie man ihn nennen soll. 5. Auff Mummium Es theilet Mumm sein Reich mit seinem lieben Weibe; Tags liegt sie ihm im Haar, Nachts er ihr auff dem Leibe. 6. Deß Krieges Zugpferde Bastant, Succurß, Courage, Quartier, Recruten, Gage: Kan Mars nicht diese Sechs anspannen, So weicht er keinen Schritt von dannen. 7. Leichte Wahren Wer Kriegsvolk führt, kan schleunig fahren; Dann was er führt, sind leichte Wahren. 8. Deß Krieges Sieg Es kriegt ihm Mars ietzt selbst; und das, was er erkrieget, Ist, daß er fällt die Welt und selbst mit ihr erlieget. 9. Abgezwungene Jungfrauschafft Ihr Jungfern, euer Leib, den wo Gewalt verletzet, Wird Ehren-lose nicht mit Billigkeit geschätzet. Cunninna weiß es wol; wer an um Gunst sie spricht, Dem gibt sie die und schreyt: O nun, O nein, O nicht! 10. Poeterey Es bringt Poeterey zwar nicht viel Brot ins Haus; Das drinnen aber ist, das wirfft sie auch nicht auß. 11. Gewerbs-Mittel Daß nicht Justinian uns allewege zeiget, Wodurch man was erwirbt und viel davon verschweiget, Geschah vielleicht auß Neid, vielleicht auß unbewust, Vielleicht auß Überdruß, dieweil es Müh gekost. Mars aber ist so treu, so klug, so unverdrossen Zu öffnen alles das, was sonsten heist verschlossen; Er suchet alles auß, er weiset allen Grieff Zu nähren sich bey Tag, und wann man sonsten schlieff. 12. Der Jungfern gröste Schmach Was ists, worüber mehr die Jungfern so entbrennen, Als wann man sie pflegt alt und ungestalt zu nennen? Dann Jugend dient zur Zucht und Schönheit zum verthun; Sind diese beyde weg, so läst man sie wol ruhn. 13. Auff Cornulum Es hat ihm Cornulus zwei Weiber anvermählt; Von einer wird getröst, von andrer er gequält; Die eine bleibt ihm gram; die andere ist ihm hold; Die erste nenn ich nicht; die ander heist Geduld. 14. Auff die schöne Pomulam Pomula hat, wie man spricht, Als ein Apffel ein Gesicht; Daß in ihr steckt eine Made Wie im Apffel, das ist schade! 15. Der verfochtene Krieg Mars darff keinen Advocaten, Der ihm außführt seine Thaten; Keinem hat er nichts genummen, Wo er nichts bei ihm bekummen. Keinem hat er nichts gestohlen; Dann er nam es unverholen. Keinen hat er ie geschlagen, Der sich ließ bey zeiten jagen. Was er von der Strasse klaubet, Ist gefunden, nicht geraubet. Haus, Hof, Scheun und Schopff geleeret Ist: ein Stücke Brot begehret. Stat, Land, Mensch und Vieh vernichtet Ist: deß Herren Dienst verrichtet. Huren, sauffen, spielen, fluchen Ist: dem Mut Erfrischung suchen. Mehr kein Mensch seyn an Geberden Ist: ein braver Kerle werden. Letzlich dann zum Teuffel fahren Ist: den Engeln Müh ersparen. 16. Mußtheil Daß Mußtheil heist man diß, was nach deß Mannes sterben Die Frau von Rittersart muß theilen mit den Erben. Ein Mußtheil machet drauß auß allem, was man hat, Wo er es nicht nimmt gar, ein raubrischer Soldat. 17. Auff Virnulam Es achtet in der Welt nichts Virnula so sehre, Wie billich, als die Zucht und angeboren Ehre; Damit sie ihr mit Macht nicht etwa werd entnummen, So hat sie nechst ein Freund von ihr geschenckt bekummen. 18. Deß Krieges Adelschafft Den Adel suchet Mars und hasset doch den Adel; Er mercket, daß sein Grund zum edel seyn hat Tadel; Sein Waffen zwar das taug, weils billich ihm gebührt, Daß einen Greiff und Wolff er in dem Schilde führt. 19. Ehre nähret Künste Weil guter Lehr und Kunst Niemand gibt Ehr und Gunst, So kümmt die Unvernunfft Ietzt in der Ehre Zunfft. 20. Verständiger Krieg Mars wil gewiß sein Volck gar klug und wirthlich ziehen; Er wirbt die Jungen ietzt bey Schulen und bei Kühen. 21. Gott mit mir Mein Haus ist voller Gott, In dem es voller Noth. Ist Gott nun gern um mich, Warum denn wolt auch ich Mich von der Noth entziehn Und Gottes beyseyn fliehn? 22. Lebens-Satzung Leb ich, so leb ich! Dem Herren hertzlich, Dem Fürsten treulich, Dem Nechsten redlich. Sterb ich, so sterb ich! 23. Gottes und deß Teuffels Bothen Geht hin in alle Welt und lehret alle Völcker; Geht hin in alle Welt und leeret alle Völcker. Der Teuffel schaffet diß, Gott schaffte jenes vor; Noch lieget Gottes Wort, deß Teuffels schwebt empor. 24. Deß Landes Leichendienst Das Land ist leider tod; drum wird es nun begraben. Die Städte sind der Pfarr, die zum Gedächtnüß haben Die Spolien davon. Soldaten sind die Erben, Die erben, eh man stirbt; ihr Erb ist unser sterben. 25. Kennzeichen der wahren Kirche Der mit dem Beutel gieng, hieß Judas; Der zu legen Sein Haupt nicht hatte Raum, heist Christus. Zeitlich Segen Ist lange lange nicht die rechte Lieverey, Zu kennen, wer ein Christ in Christus Kirche sey. 26. Böse-from und from-böse Wer keinem Böses nie und auch nie gutes thut, Heist der gut-böse dann, heist der dann böse-gut? 27. Auff Schwollium Der Praler Schwollius wil gar nicht wohnen enge; Sein Hauß muß sein geraumt, gewaschen alle Gänge; Nicht wunder! ihn verdruß, da er erst ward ein Kind, Beschlossen seyn dahin, wo lauter Nächte sind; Drum brach er bald herfür, wo's eng und unrein ware, Ob seine Mutter gleich, war Frau vom Viertel-Jahre. 28. Krieg und Wein Soldaten und der Wein, wo die zu gäste kummen, Da ist Gewalt und Recht dem Wirthe bald benummen. Der Wirth kan diesen zwar zum Hause treiben auß; Jen' aber räumen weg den Wirth und auch sein Haus. 29. Leichtes steigt über sich Das leichte steigt empor, Drum geht bey unsrer Zeit Die leichte Sinnligkeit Der Redligkeit weit vor. 30. Träume Die Träume sind wol werth, daß sie man manchmal achte; Die Frau im Traume ward, ward Mutter, da sie wachte. 31. Finsternüß Wann zwischen Menschen Hertz und zwischen Gottes Liebe Der Erde Schatten fällt, so wird es schädlich trübe; Dann Gottes Trost vergeht, der doch allein erfreut, Drum bleibt dem Hertzen nichts, als Welt, das ist: nur Leid. 32. Geschmückte und geschmünckte Jungfern Die Jungfern, die sich gern am Tage zierlich schmücken, Die liegen gerne bloß des Nachtes auff dem Rücken, Und die mit Schmüncke sich verpurpern und bekreiden, Die wollen ihre Brust mit Männern gerne kleiden. 33. Wittibschafft Als Pallas weg von Troja ward genummen, Ist dessen Heil bald zum Verterben kummen. Ein Haus, darauß ein redlich Weib verschieden, Bleibt von dem Glücke mehrentheils vermieden. 34. Der Tod Ich fürchte nicht den Tod, der mich zu nemen kümmt; Ich fürchte mehr den Tod, der mir die Meinen nimmt. 35. Schalcks-Narren Ein Herr, der Narren hält, der thut gar weißlich dran, Weil, was kein Weiser darff, ein Narr ihm sagen kan. 36. Weg zu beyderley Leben Nur ein Weg ist zur Welt, zum Himmel auch nur einer; Auff jenem gehen all, auff dem von zehnen keiner. 37. Zungendrescher Kein grösser Unrecht wird Juristen angethan, Als wann ein ieder Recht erweiset iederman, Weil ihnen Unrecht recht. Wann Unrecht wo nicht wär, Wär zwar ihr Buch voll Recht, ihr Beutel aber leer. 38. Genieß-Herren dieser Zeit Bey dieser tummen Zeit hat seinen besten Nutz Der Bauern starrig Grob, der Krieger toller Trotz. 39. Verkehrte Welt Niemand thut, was er sol, ein ieder, was er wil; Wer thun wil, was er sol, der taug und gilt nicht viel. 40. Haus-Uhr Der Ehstand ist zur Zeit dem Uhrwerck zu vergleichen, Das nach dem Wetter offt von rechter Spur wil weichen. Die Unruh, die keinmal sol stehen, ist das lieben, Die vom Gewichte doch deß Glückes wird getrieben; Der Hammer ist der Mann; die Glock ist seine Frau, Die schlagen sonsten nicht, als wann das Wetter rau; Sie schlagen gleich nun zwey, drey, minder oder mehr, So ist doch dieser Klang gantz schädlich dem Gehör. 41. Auff Nigellam Wo Lieb als Feuer brennt, so sag ich unverholen: Nigella hat den Ruhm, sie sey deß Amors Kohlen. 42. Auff Flaviam Mit Gold und nicht mit Bley hat Amor dich geschossen; Das ist nun, Flavia, durch Hitz in dir zerflossen; Es dringt zu'n Augen rauß und sonsten dort und da, Daß du so billich heist die göldne Flavia. 43. Auff Rubellam Rubella, dein Gesicht hat Amor außgerüst, Daß wie ein Pharos du für seine Fackel bist. 44. Auff Albellam Albella, wärest du gleich nur ein kalter Stein, Würd ein Pygmalion dein Buhler dennoch seyn. Du lebst und bist so klar, was solt es wunder seyn, Wann ein Pygmalion durch dich wird selbst ein Stein. 45. Auff Cypriam, die so leichte sündiget An keinen schweren Fall, den sie begangen hätte, Denkt Cypria; sie fällt offt, aber nur ins Bette; Sie ist sonst schweren Fall bemüht zu übergehen; Fällt nicht ins Bette sie und fällt, geschiehts im stehen. 46. Weiber sind Menschen Weil irren Menschlich ist, kümmt klärlich an den Tag, Daß Weiber man nur auch für Menschen rechnen mag. Es irrte Grunnia zum tügen menschlich nu: Sie solte gehn zum Mann und gieng zum Knechte zu. 47. Mit wenigem viel Dieweil der sechste Sinn schleust in sich alle Sinnen, Wolt alle Sinnen gern in einen bringen künnen Die schlaue Gellia; drum nimmt sie stündlich an, Was ihr den sechsten Sinn nur immer üben kan. 48. Steuer Die sterbens-freye tausend-Steuer Ist, dünkt mich, übersichtig heuer; Sie siht nur auff das Haupt, das steht, Nicht aber, auff was Füß es geht. 49. Deß Krieges Buchstaben Kummer, der das Marck verzehret, Raub, der Hab und Gut verheret, Jammer, der den Sinn verkehret, Elend, das den Leib beschweret, Grausamkeit, die unrecht fehret: Sind die Frucht, die Krieg gewehret. 50. Des Todes Buchstaben Deß Todes Anfang zwar bringt mit ein hartes T; Das Ende zeucht nach sich alsdann ein lindes D; Das Mittel ist ein O: es ist ein Augenblick, So kümmt für harte Pein ein immer sanfftes Glück. 51. Tod, Trost oder Durst Als Lazarus verstirbt, wird oben er getröstet; Sobald der Reiche stirbt, wird unten er geröstet; Wer übel stirbt, fühlt Durst auffs Teuffels heissem Rost, Wer selig aber stirbt, in Abrahams Schoß Trost. 52. In der Welt ist nichts als Wanderschafft, Eitelkeit, Leid und Tod Unsres Lebens Eigenthum In der Welt ist Wanderschafft; Unsres Wesens ganzer Ruhm Ist der Eitelkeit verhafft. Auff das Leid in tausend Nöthen Folgt zuletzte gar das tödten. 53. Die viehische Welt Ein rinderner Verstand und kälberne Geberden, Dabey ein wölffisch Sinn sind bräuchlich ietzt auff Erden. Das Rind versteht sich nicht, dann nur auff Stroh und Gras; Ein Mensch laufft, rennt und schwitzt bloß um den vollen Fraß. Ein Kalb schertzt, gumpt und springt, das Messer eh es fühlet; Ein Mensch denckt nie an den, der stündlich auf ihn zielet. Der Wolff nimmt, was ihm kümmt, ist Feind für Wild und Vieh; Was Mensch und menschlich ist, ist frey für Menschen nie. 54. Die Zeiten deß Jahres und deß Christenthumes Im Lentzen glaubt man Brot; Brot hofft man in dem Sommer; Im Herbste nimmt man Brot; Der Winter stillt den Kummer. Ein Christ lernt glauben erst; nach diesem lernt er hoffen; Die Hoffnung macht ihn starck; im Tod ist alles troffen. Sonst ist es lieblich erst, ein Christ genennt zu werden; Wann aber Hitze kümmt, Müh, Sorgen und Beschwerden, Da geht es schwitzig her; doch folgen drauff viel Früchte, Biß letzlich uns der Tod die volle Gnüge richte. 55. Auff Vacerram Vacerra wird zum Tischler tügen; Er kan die Fabeln zärtlich fügen. 56. Auff Elsulam Elsula, die alber ist, Ist in deme gar kein Hase, Daß sie ihre Buhlen kiest Nicht nach Ohren, sondern Nase. 57. Wer auff viel zu sehen, kans leichte versehen Portia gibt Antwort drum, Daß sie nicht den Mann kan achten; Wer mit vielen gehet um, Kan auff eines nicht nur trachten. 58. Wer nützliches mit lustigem vermenget, der triffts Wer Nutz und wer Ergetz recht scheidet und recht mengt, Verdienet, daß man ihn mit Lob und Ruhm beschenkt. Lobt Passerilla, lobt! zum Nutz ist ihr der Mann, Der Nachbar zum Ergetz, und wer nur immer kan. 59. Wunder Wann bey der Römer Zeit man sah mit Milche triffen Den Himmel, sah man auch, wie furchtsam hin sie liffen Zum Sybilliner-Buch und stellten überall Viel Wallen und Proceß durch reiner Jungfern Zahl Auß Vesta Kloster an. Was sollen wir bereiten, Wann von den Jungfern selbst treufft Milch bei unsren Zeiten? 60. Marter-Frage Man recket sonst den Dieb, der andren wolte stehlen. Der Dieb reckt ietzund den, der was für ihm wil höhlen. 61. Steuer Wo Venus weiland saß und den Adonis küste, Wuchs Gras und Blumen auff, ob gleich der Ort war wüste. Wo Bacchus weiland zoh, da wuchsen lauter Reben, Und aller dürrer Strauch müst eitel Trauben geben. Kans nicht die Steuer auch? Ein wolversteuret Grund Soll geben her iemehr, iemeh er wüste stund. Wer weiß, ob jenes wahr? Wer weiß, ob diß kan seyn? Dort glaube, wer da wil! hier gibts der Augenschein. 62. Ein thätiges Christenthum Daß glauben, lieben und das leiden Die lassen sich nicht gerne scheiden; Der diese drey begehrt zu trennen, Den darff man keinen Christen nennen. Dann der, dem leiden ist verdrießlich, Bey dem ist auch das glauben mißlich; Wo Glauben nicht daheime wohnet, Ist auch dem lieben abgelohnet. Drum kümmts, daß viel vom Glauben weichen, Damit sie gute Tag erreichen, Und daß sie den so mördlich hassen, Der Glauben hält, den sie verlassen. 63. Vergebung der Sünden Vergeben heist: umsonst vergebens was erlassen. Soll Schuld vergeben seyn, wie kan ich dann nun fassen, Daß sie verdienet sey? Was abgedient soll seyn, Drum darff ich allererst nicht bitten um verzeihn. 64. Armut Die Armut ist mit dem insonderheit begabt, Daß sie, wohin sie kümmt, hat, was sie hat gehabt. 65. Wunderwercke Daß kein Christ ietzt Wunder thut, Macht, der Glaub ist nicht recht gut; Drum ist rechter Glaub ietzunder Für sich selbst ein grosses Wunder. 66. Gott gut, der Mensch böse Gott segnet stündlich uns; Wir fluchen stündlich Gott; Drum ist von ihm das Heil, von uns Fluch, Noth und Tod. 67. Deß Bardi Traum Bardus träumt, er wär ein Pfarr; Wachend war er sonst ein Narr; Ob ihm träumt, er war ein Narr, Würd er wachend doch kein Pfarr. 68. Deß Corydonis Traum Was Tages offt man denckt, träumt einem Nachtes offte. Als einen süssen Traum von Phyllis demnach hoffte Der Buhler Corydon, (trau mehr auff Träume, trau!) Träumt ihm von Phyllis nichts, träumt ihm von einer Sau. 69. Von der deutschen Poesie Was ist ein deutscher Reim? Deutsch kan hier iederman; Drum ist mir lieb, daß ich kan auch, was ieder kan. Doch kan mein Reim noch was, das Zoilus nicht kan, Daß meinen Reim, wie ihr, besticht nicht Iedermann. 70. Von meinen Sinn-Getichten Daß meine Reime klar, rund, klug nicht fallen künnen, Ist nicht der Sprache Schuld; die Schuld ist meiner Sinnen. Ist löblich etwa nicht, was ich hier schreibe das, Ist löblich etwa doch, daß ich versuche was. 71. Ein gläubiger Schuldner Veit ist mein Gläubiger und Schuldner für und für: Den Glauben hält er ihm; die Schuld, die läst er mir. 72. Eine statliche Mitgifft Deß Weibes grosse Gifft ist recht deß Mannes Gifft, Die nicht den Leib so sehr, als seine Freiheit trifft. 73. Geschmünckte Weiber sind willige Weiber Wiewol es noch nicht Brauch, daß Wittwen, daß Jungfrauen Sich selbsten bitten an und fragen ums Vertrauen; Iedoch, wil gleich der Mund sich noch in etwas schämen, Fragt Schmuck und Schmüncke doch: Ey, wil mich niemand nemen? 74. Glaubens-Zwang Den an Apostels stat bekehren die Pistolen, Glaubt anders offenbar, glaubt anders dann verholen. 75. Abfall Es ist ein Wunderding, der durch zehn, zwantzig Jahre Und länger nicht gewust, was rechter Glaube war, Wann der vom ersten trit und nimmt den andren an, Daß der bald alles weiß und andre lehren kan. Mich dünckt Gunst, Ehre, Macht, Gemach und gute Bissen Die stärcken ihm das Hirn, nicht aber das Gewissen. 76. Glaube und Wercke Der Glaub auff Christus Werck, der Glaub auff meine Wercke Was jener oder der zum Troste hat für Stärcke, Hiervon zeugt zwar die Schrifft, doch frag auch den um Rath, Der ietzt das Kummt und Geht im sterben für sich hat. 77. Eine Magd deß Herren Stella weiß nicht gar genau, Ob sie Magd sey oder Frau. Soll sie rechten Grund dir sagen, Muß sie vor den Herren fragen. 78. Von meinem Buche Wird nicht mein Buch wol abegehn, Wie sichs zu Nutz gebühret, Wird sichs auff gehen nicht verstehn, Wird wollen, daß mans führet. 79. Diebe Das stehlen ist gemein, noch kan der Hencker ruhn? Das stehlen ist zu groß, der Teuffel hat zu thun. Die Dieb in alter Zeit gehören in die Lufft; Die Dieb in dieser Zeit gehören in die Klufft. 80. Auff den Fried-hässigen Veit Der Friede henckt die Dieb, und Krieg beschenckt die Diebe; Daher kummt Friedens Haß dir, Veit, und Krieges Liebe. 81. Der Assyrier Gebrauch Es ware Schand, ob wo auß Assurs geilen Händen Ein schönes Weib kam weg mit Ehren ohne schänden. Es ist noch heute Brauch, daß der zu Schanden kümmt, Der sich zu Ehren hält und nicht zu Schanden stimmt. 82. Holofernes Was Holofernes hat der Krieg! Bey denen der gewüntschte Sieg, Wann sie von nah und ferne-holen Und achten nichts, was nicht gestohlen. 83. Der Welt Jägerey Ist irgend Tugend wo, ist irgend wo ein Ehre, Jagt der die Welt frisch nach, biß daß sie sie zerstöre; Ist irgend eine Schand, ist irgend eine Schmach, Die hat bey unsrer Welt hoch Acht und gut Gemach. 84. Das Gesetz Moisis. Mars träget Stiefeln, die als Schuh was fester stecken; Drum ist er stets bereit auff Saamen zu erwecken Dem Bruder durch sein Weib, der Schwester und der Magd, Damit man spöttisch nicht Barfüßler zu ihm sagt. 85. Auff Simpeln Simpel ist deß Weibes Weib; Sie ist ihres Mannes Mann; Ist dann wol zu zweiffeln dran? Zwey, die machen einen Leib. 86. Eine außgeübte Sache Von Sachen, die nicht vor sind wo schon außgeübet, Nimmt keine Simon an, wie viel man ihm gleich gibet. Mich dünckt, (es ist nicht weit, biß daß er Hochzeit mache,) Die Braut, die bring ihm auch ein außgeübte Sache. 87. Auff Bavium Es wolte Bavius sein Weib Lateinisch lehren, Doch wolt er Cornu nicht beym decliniren hören; Auff Amo da es kam, gestund er, Ego, Tu; Das Ille strich er auß und ließ es ihr nicht zu. 88. Ein zusetzlich und eigenständig Wort Was Adjectivum sey, was Substantivum heist, Hat Mann, Weib, Ding dir bald mit leichter Müh geweist: Ein substantivisch Ding ist, was beym Manne steht; Ein adjectivisch Ding ist, was das Weib begeht. 89. Eitelkeit Es gilt ietzt nichts so hoch, als nichts; die Eitelkeit Hat an sich alle Welt, Geschäffte, Leute, Zeit, Daß gegen Nichts ist nichts die reiche Seligkeit. 90. Auff einen Stern-Freund Es darff nicht, was da Mars noch stifften wird für Jammer, Am Himmel Lingus sehn; er seh in seine Kammer. 91. Ehescheidung Von einem bösen Weib um Spot Ist schwer sich scheiden müssen; Von einem frommen Weib im Tod Ist schwerer seyn gerissen. 92. Auff Ubonem Ubo wil, daß er verscheide, Auff gut deutsch auff grüner Heide, Da es doch nun ziemlich lang, Daß er ist frantzösisch kranck. 93. Auff Bonnam Wie daß sich unten schürtzt und oben Bonna deckt? Weil ihr das schön ums Knie und nicht in Augen steckt. 94. Spieler Spielen soll Ergetzung seyn; Dieses wil mir doch nicht ein; Wie daß der, der einbüst viel, Glauben kan, es sey ein Spiel. 95. Lebe-Kunst Wer lange leben soll, der schlafe nicht zu viel; Dann viel lebt ja nicht der, der lange schlafen wil. 96. Schlaf Der Schlaf hat diesen Brauch, daß ihn nicht sehen kan, Wer siht, und daß ihn der, der nicht siht, sihet an. 97. Schlaf und Tod Schlaf und Tod, der macht vergleich Zwischen Arm und zwischen Reich, Zwischen Fürst und zwischen Bauer, Zwischen Biedermann und Lauer. 98. Hoffnung Hoffnung wird manchmal geacht Als ein Traum bey dem, der wacht. 99. Hoffnung Der nichts hat, dem ist noch Rath, Weil er Hoffnung nur noch hat. 100. Tod und Schlaf Tod ist ein langer Schlaf; Schlaf ist ein kurtzer Tod; Die Noth die lindert der, und jener tilgt die Noth.