Desz andren Tausend neundes Hundert 1. Von meinen Lesern So mirs gehet, wie ich wil, Wüntsch ich Leser nicht zu viel; Denn viel Leser sind viel Richter; Vielen aber taug kein Tichter. 2. Ein Richter Nach Personen muß mit nichten, Nach der Sache nur muß richten, Wer die Sachen recht wil schlichten. 3. Reformation Immer dünckt mich, der nichts hat, der mag glauben, was er wil; Denn um Seligkeit müht sich keiner leichtlich viel. 4. Braut und Bräutigam Unter andren ist auch diß, das von Gottes Zorn uns lehret, Wann man etwa nicht gar viel Braut und Bräutgams Stimme höret. An Personen mangelts nicht, an der Stimme mangelts ietzt, Weil das Braut-Volck unsrer Zeit gerne still im Winckel hitzt. 5. Anne Sofie, Hertzoginn, versetzt: Sonne zog in eine Fahrt. Oder: Anne Sofieh, Hertzoginne, versetzt: Geh, o feine Sonnen-Ziraht Sonne, die das Land vergoldte, wo das frome Strelitz steht, Zog in eine Fahrt von neuem, wo den Oder-rand erhöht Brieg, das Piasteer-Haus; allda steht sie lieblich stille, Streuet lauter Güt und Gaben, fünckelt, strahlet in der Völle. Geh, o Sonne, feine Sonne, geh uns nun und nie zur Ruh! Sonnen-Ziraht, selbsten Sonne, wirff uns immer Strahlen zu! Sonne, die am Himmel lacht, lachet dieser Sonne wegen, Gibt der Schwester halben uns klärern Blick und reichern Segen; Sonne, die die Zeiten theilet, theilet Amt und Regiment Mit der Sonne, die von Strelitz gütig sich zu uns gewendt. 6. Tod ein Außgleicher Fleisch, das in dem Leime wohnet, lebt in Müh bey schlechter Kost; Fleisch, das in den Steinen wohnet, lebt in Pracht und eitler Lust; Fleisch im Leime, Fleisch in Steinen macht deß Todes freyer Raub, Das, wie jenes also dieses, iedes wird ein leichter Staub. 7. Seele und Leib Seel ist ein Gefangner; Leib ist ein Gefängnüß; Wer den Leib verzärtelt, gibt der Seele Drängnüß. 8. Auff Rasam Rasa kan für Traurigkeit; wann sie Wein in Magen geust, Sieht man bald, wie Traurigkeit ihr zun Augen rauser fleust. 9. Von einem Siebzig-Jährigen Manne und Funffzehn-Jährigen Weibe Kan auch Funffzehn (dencket doch!) Siebzig iemals in sich haben? Ja, wann andre Zahlen mehr Funffzehn sich zu Hülffe gaben. 10. Ein Freund Weistu, wer ein guter Freund würcklich ist und billich heist? Der sich, wann du ihn nicht sihst, deinem Namen Freund erweist. 11. Weltliche Witz Wer sich zu der Welt gesellt und mit ihr laufft einen Lauff, Muß auff alles, was fellt für, wissen bald ein Oben-drauff. 12. Auff Cottam Cotta wer ein reicher Mann, Wann sein Anschlag nur gieng an. 13. Auff Morum Morus ist zwar wol kein Narr, nur das manchen wunder nimmt, Daß er alles stöst herauß, was ihm in die Backen kümmt. 14. Auff Clepacem Clepax, der so manches Thier in den Magen hat begraben, Hat nun auch ein warmes Grab inner einem fromen Raben. 15. Hofe-Brauch Also ists bey Hofe Brauch: Der hat Wärmde, jener Rauch. 16. Diebstahl Das man einen Dieb beschenckt, Das man einen andren henckt, Ist gelegen an der Art, Drinnen einer Meister ward. 17. Füchse Weisse Füchse, rothe Füchse, schwartze Füchse sind zufinden; Weisse bleiben, rothe bleiben, schwartze lasse man dahinden! 18. Ansehn Klug an Hirne, Schön an Stirne, Bringt den Mann Hoch hinan. 19. Auff Simplum Simpel meint, bey stiller Nacht habe er ein scharffe Witz; Wo ein halb Jahr immer Nacht, dieser Orte wer er nütz. 20. Von Cano Canus geht gar krum gebückt, Weil ihn Arm und Alt so drückt. 21. Kenne dich! Kanst du dem, der für dir geht, seine Mängel bald erblicken, Wird dir deine sehen auch, wer dir nachsiht auff den Rücken. 22. Fall-Gruben Gruben, da man Wölffe fängt, werden wol bedeckt; Weiber, was die Männer fängt, tragens auch versteckt. 23. Der deutsche Krieg Was hat doch bracht das deutsche Kriegen? Daß wir nun ruhn, weil wir ja liegen. 24. Liebe und Haß Der der Gunst und Ungunst Zimmer bey den Höfen sucht und funde, Funde murrend die im Hertzen, jene spielend in dem Munde. 25. Gefahr Gefahr ist Ehre gleich, Folgt dem, der für ihr weicht. 26. Gegenwärtiges Wiewol mirs lieber wer, es gienge mehr mir wol, Doch liebt mir, was Gott gab; wer weiß, was mehr mir sol? 27. Schul-Leute Leute, die auß Schulen kummen, sind gelehrt zum Practiciren, Selten aber, biß gelerntes sie erfahren, zum regiren. 28. Das Hofe-Jahr Einen Monat nur hat das Hofe-Jahr, Weil nur der Aprill da im Brauche war. 29. Von meinen Reimen Wo ich Reime schreiben soll, die gefällig allen bleiben, Leg ich meine Feder weg und begere nichts zu schreiben. 30. Böses Böses soll man bald vergessen; doch vergist sichs schwerlich bald. Gutes stirbet in der Jugend; Böses wird gemeinlich alt. 31. Narren und Kluge Narren herrschen über Kluge; ihre Händel, ihre Sachen, Die die Narren arg verwirren, müssen Kluge richtig machen. 32. Ungeschickte Diener Bauren, wann die Messer weg, stecken Holtz in Scheiden ein; Herren setzen in ein Amt selten, die es würdig seyn. 33. Auff Albidam Albida ist mercklich weiß; schade! wann sie todt wird seyn, Daß man sie in Erde soll, nicht in Kreide graben ein. 34. Scheinligkeit Mancher trägt ein Ehren-Kleid, hüllet drunter einen Tropff; Mancher trägt auff altem Rumpf dennoch einen Kinder-Kopff. 35. Christliche Liebe Liebe kauffte neulich Tuch, ihren Mantel zu erstrecken, Weil sie, was durch dreissig Jahr Krieg verübt, soll alles decken. 36. Ein Müller Der zehn Jahr ein Müller war, diesem das den Beutel steubt Der, der ihm die Mühle ließ, scheint gar billich und erleubt. 37. Ein geschmünckter Freund Ptochus ruffte seinen Freund in der Noth um Beyschub an; Dieser schickt ihm Hülffe zu, spannet aber Krebse dran. 38. Vermessenheit Daß wo durch vermeßnen Artzt ist ein Krancker doch genesen, Kan wol seyn; doch wird es nicht Kunst und Regel zugelesen. 39. Auff Nanum Wann er gehet durch ein Thor, drückt sich Nanus immer; Denn er sah sich einsmals groß Abends in dem Schimmer. 40. Auff Honoratum Honoratus steiget hoch ohne Grund, nur wie ein Rauch, Der, ie höher er gleich steigt, mehr und mehr verschwindet auch. 41. Geitzhals Der du sammlest Sack-voll Gelder, was denn hastu draus zu hoffen? Weistu nicht, das alle Müntze längst im Himmel ist verruffen? 42. Die Redligkeit Redligkeit, du must nicht messen Alle Wahr mit deiner Ele; Wirst sonst haben eingesessen, Daß dir viel am Facit fehle. 43. Auff Duplum Duplus trägt ein weisses Kleid, drunter eine schwartze Haut; Mercklich wird betrogen der, der nur auff die Rinde schaut. 44. Der Welt Alter Die Welt ist garstig alt; drum trägt sie schöne Muster; Damit sie scheine schön, muß flicken Schneider, Schuster. 45. Die Geduld Die für uns, die klagten schone, daß die Welt sey arg; Mich bedünckt, daß nur die Menschen an Geduld sind karg. 46. Fürsten soll man ehren Wer von Fürsten reden wil, wil er Gutes reden nicht, Hüt er sich, daß auch sein Maul Erde-Götter nicht verspricht. 47. Auff Coprum, den Artzt Coprus ist bey krancken Leuten gar ein lieber, nützer Mann; Wann die Krancken ihn nur sehen, kümmt sie bald ein Stuhlgang an. 48. Schönheit Schönes, deme fromes fehlt, Ist wie Koth, in Gold verhölt. 49. Der Welt Apothecke Was in deiner Apothecke, feine Welt, zu treffen an, Ist nur Teuffels-Koth zum meisten und der bitter Entzian. 50. Fürsten Hanne, die nicht Hüner locken, krähen nicht und wachen nicht, Sind nichts nütze, sind Kapaunen, leisten keine Hannes-Pflicht: Obre, die für Leut und Land sorgen, streiten, wachen nimmer, Tügen übel auff den Thron, tügen nur ins Taffel-Zimmer. 51. Das Glücke Glücke läst sich nimmer zwingen; Wem sein Thun nicht wil gelingen, Muß so lange müssig gehn, Biß sein Stern wil besser stehn. 52. Wissenschafft der Rechte Ob der rechte Rechts-Verstand Ie sey worden wem bekant, Ist zu zweiffeln; allem meinen Wil stets was zu wider scheinen; Ist also, was zweiffelhafft, Schwerlich eine Wissenschafft. 53. Degen und Feder Kühne Faust und blancker Degen Künnen Würd und Ruhm erregen; Ruhm und Würde muß sich legen, Stützet Feder nicht den Degen. 54. Die Tugend Wer Gefahr und Schmach wil scheuen, Darff sich nicht mit Tugend treuen; Redligkeit hat keine Trifft, Wo da herrscht der Laster Gifft. 55. Menschliche Weißheit Wer wahre Weißheit hat, weiß, daß die Weißheit war, Die nichts weiß als nur Welt, noch nun noch nimmer klar. 56. Erinnerungen Zu Citronen darff man Zucker; weisen mag man, nicht verweisen, Und bey Fürsten soll man böses dulden, aber gutes preisen. 57. Unzulässiges Viel, was nicht zu thun erlaubt, Wird gethan, gleichwol behaupt. 58. Versuchen Seine Schwachheit gibt an Tag, Wer versucht und nicht vermag; Eh man was versuchen soll, Muß man vor sich prüfen wol. 59. Sparsamkeit Wer nichts verspielen wil, der setze nur nichts zu; Wer spart, darff sorgen nicht, daß er zu viel verthu. 60. Vermäntelte Sünden Hüte dich für weissen Teuffeln! schwartze schaden nicht so leichte; Diese lassen bald sich mercken, jene gehen nicht so seichte. 61. Stoltziren Großthun über seinen Stand Führet Wehthun an der Hand. 62. Auff Truncum Truncus lude seinen Gönner, einen Kalbeskopff zu essen; Nein! von dir, sprach er, zuspeisen, werd ich nimmer mich vermessen. 63. Das Recht Das, was die meisten meinen, Das wil am rechsten scheinen, Pflegt also Recht ein Schein Und Meinung nur zu seyn. 64. Auff Picam Pica klaget, seit das Fenster ihrer Ehre sey zerbrochen, Wer ihr, eh sie sich versehen, mancher Dieb ins Haus gekrochen. 65. Das gemeine Beste Was einem gleich nicht recht, wanns vielen kümmt zu gute, So stelle man es fort; wer fragt nach einem Hute? 66. Leumuht Ehre darff nicht grossen Ries, so bekümt sie so ein Loch, Das man, wann man immer stopfft, nimmer kan verstopffen doch. 67. Auff Blincam Blinca ist der Buler Sonne, doch gleichwol nicht ohne Flecken, Die man auch nur durch das Auge sonder Fern-Glas kan entdecken, Würcket nicht, liebt aber Gold; Finsternüß ist dessen Lohn, Der von ihr wil Hold und Gunst bringen ohne Gold davon. 68. Die gefreyte Boßheit Weil die Zeit ist Lastern hold, Bleibt die Boßheit ohne Schuld. 69. Abgedanckte Soldaten Würmer im Gewissen, Kleider wol zerrissen, Wolbenarbte Leiber, Wolgebrauchte Weiber, Ungewisse Kinder, Weder Pferd noch Rinder, Nimmer Brot im Sacke, Nimmer Geld im Packe Haben mit genummen, Die vom Kriege kummen. Wer dann hat die Beute? Eitel fremde Leute. 70. Hofe-Flöh und Läuse Flöh und Läuse, die uns beissen, Pflegt man balde tod zu schmeissen; Die von grossen Herren zehren, Diesen darff mans nur nicht wehren. 71. Ein Geitziger Wann ein Geitzhals ist gestorben, hebt sein Schatz erst an zu leben; Ieder wil bey diesem Kinde willig einen Paten geben. 72. Lust-Freunde Den beweinen wir am meisten, wann er fort sich macht, Der am meisten, weil er lebte, mit uns hat gelacht. 73. Von meinen Reimen Würden Adler, ob mein Buch an den Tag taug, etwa richten, Ists gar gut; was Eulen sind, denen steht es zu mit nichten. 74. Auff Lurcum Lurcus spricht: es ist nicht löblich, einen loben ins Gesichte. Ja; viel minder ist es löblich, das man einen rücklings richte. 75. Auff Cascam Casca ist so heßlich alt, dünckt sich doch so trefflich schön, Weil sie muß beym Hexen-Tantz umgekehrt zum Leuchter stehn. 76. Auff Jejunum Threnen-Wasser ist gesaltzen; drum Jejunus rath ich dir, Soll an dir seyn was gesaltznes, daß du weinest für und für. 77. Eine unberührte Jungfrau Quintus wil ihm keine nemen, die zuvor berühret sey; O, wo ist sie? Und berühren, ohn erkennen, ist wol frey. 78. Unheilsame Kranckheit Mancher Schad ist nicht zu heilen durch die Kräuter aller Welt; Hanff hat viel verzweiffelt Böses gut gemacht und abgestellt. 79. An eine fürstliche Person. Ludewig, versetzt: Wie Glud Fürst und Herr, wie eine Glud brennt ihr immerdar, Weil Euch stets an Eurer Seit Euer Feuer war, Feuer, das der Tugend Schein theilt in weiten Kreiß, Feuer, das durch seinen Glantz andrem nimmt den Preis, Feuer, das Euch Freude gibt, das Euch wärmt und leucht, Feuer, dem die Ehre dient, daß die Bosheit fleucht. Fürst und Herr, wie eine Glud brennet immerdar! Daß das Feuer und die Glud lesche nie kein Jahr! 80. Die Warheit Weil die Warheit harte klingt und zu reden schwer kümmt an, Schont sich mancher, der sich fürcht, sie verletz ihm einen Zahn. 81. Nutz-Freunde bey Hofe Werther hat sich der gemacht, Der zur Küch ein Rind gebracht, Als der einen treuen Rath Da und dort gegeben hat. 82. Frauenzimmer Wer wil der Weiber Tück erkunden und entdecken? Sie sind geschmückt so schön und gehn in langen Röcken. 83. Fürsten Hohe, die ans Licht gesetzt, sollen unter sich stets sehen Denen zu, die wo bedrängt und nach Recht und Rathe flehen. 84. Grosses Gut Gut macht Muth, wanns nicht zu groß, Drückt sonst Muth in einen Kloß. 85. Auff Friede Krieg Friede soll an Krieg gedencken, Lusignanus dencket dran; Hat er nur ein wenig weile, mustert er die Leuse-Fahn. 86. Vorzug In die Welt wer vor soll gehn, muß der Höchste heissen; In der Welt wer vor soll gehn, pflegt man sich zu beissen; Auß der Welt wer vor soll gehn, wil sich niemand reissen. 87. Bauren, versetzt: Rauben Bauren sind zum rauben, Ist der Krieger Glauben. 88. Jungfrauen Venus war gefährlich kranck, schickte hin den kleinen Schützen, Daß er solle Jungfern-Fleisch mit dem göldnen Pfeile ritzen, Weil sie Jungfern-Blut bedurffte; zwar der Knabe schoß gewiß, Gleichwol merckt er, wo er traffe, daß kein Blut sich sehen ließ; Flog betrübt zur Mutter zu, wolte drüber sich beschweren, Biß er hörte, daß durch Krieg auch die Jungfern feste weren. 89. Grabschrifft einer Schein-Jungfrauen Die Jungfer, die hier liegt, war Jungfer nicht im Grunde; Es sey ihm, wie ihm wil! sie war es mit dem Munde. 90. Traurigkeit Der empfindet nimmer, daß ihm was gebricht, Der um das, was mangelt, nimmer trauret nicht. 91. Auff Albellam Albella du bist zart, so klar, so rein, so weiß; O, deine Farbe darff (sie fleckt sehr) grossen fleiß. 92. Auff Atrinam Wie so schwartz bist du, Atrina! wer dich siht, der denckt an Gott; Denn er meint, daß für ihm stehe finstres Grab und schwartzer Tod. 93. Auff Ruffum Ruffus hat sich überweibt, hätte sollen dencken dran, Daß man mehr nicht schlachten soll, als man füglich saltzen kan. 94. Auff Crispum Crispus meint, wer in der Jugend außgenarrt, sey klug bey Jahren; Crispus mein ich, sey noch immer jung an Witz und alt an Haaren. 95. Tugend und Gebrauch Da Sitten waren alber, war Tugend witzig mehr; Nun Sitten witzig worden, ist Tugend alber sehr. 96. Baldus und Bartolus Baldus, Bartolus sind Leute, die man gelten lest gar viel, Nur daß da, wo Pulver rauchet, derer keiner gelten wil. 97. Betriegliche Thränen Auß Betrübniß kummen Threnen, die doch sind so hell und klar; Ob sie klar, so siht doch keiner, was ihr eigner Anlaß war. 98. Verschwiegenheit Dem wird ieder gerne schweigen, Der ihm nur nichts an wird zeigen: Selbsten muß man das nicht sagen, Was kein andrer fort sol tragen. 99. Samson Vor dem sich nicht ein Löw kunt erwehren, Der läst sich durch ein Weib kahl bescheren. 100. Alexander der Grosse Alexander hiesse Groß: War ein grosser Erden-Kloß.