Desz ersten Tausend sechstes Hundert 1. Schlaf Es sitzt der Schlaf am Zoll, hat einen guten Handel, Sein ist der halbe Theil von unsrem gantzen Wandel. 2. Die Nachfolge Christi Es ist ein schlechtes Ding, dahin mit Christus gehen, Wo Wein an Wassers stat muß in den Krügen stehen; Wo Blut an Schweisses stat von ihm zur Erde fällt, Da lob ich den alsdann, der stand bey Christus hält. 3. Alamode-Sporne Die Ehre führet grossen Sporn; Drum hat der Krieg den Ruhm verlorn, Weil sein Geschlecht bey diesen Tagen, Für Sporne Spörnlein pflegt zu tragen. 4. Krieg und Friede Die Welt hat Krieg geführt weit über zwantzig Jahr. Numehr soll Friede seyn, soll werden, wie es war. Sie hat gekriegt um das, O lachens-werthe That! Daß sie, eh sie gekriegt, zuvor besessen hat. 5. Landshut und Liebe, Gräntz-Städte in Schlesien Wer seine Gräntzen wol für Einfall wil bewahren, Mag alle Kosten nur, mag Bau, Volck, Fürsicht sparen; Was sind Besatzung, Wacht, Schloß, Mauren, Wall und Schut? Bey Gott und Nachbarn Lieb ist rechte Landes-Hut. 6. Ein Grichischer Brauch Der Hunger wurde bey den Grichen Hinauß, das Reichthum eingestrichen. Der Hunger wird bei unsren Tagen Hinein, das Reichthum außgeschlagen. 7. Lebens-Bedurfft Was thut und duldet nicht der Mensch um gut Gemach, Wiewohl er mehr nicht darff, als Wasser, Brot, Kleid, Dach! 8. Finsternüß Ob die Sonne finster wird, wird es dennoch wieder lichte; Ob die Warheit finster wird, findet sich das Licht mit nichte. 9. Träume Auß nichts hat der ihm was gemacht, Der Träume, die so nichts sind, acht. 10. Gut- und böse Gewässer Ein gutes Wasser ist, das von der Buß entspringet; Ein gutes Wasser ist, das Zucht vom Knaben bringet; Ein gutes Wasser ist, das unsre Kost bestellt; Ein gutes Wasser ist, das Aertzten bringet Geld. Ein böses Wasser ist, da Menschen drinn ersauffen; Ein böses Wasser ist, das so, wie Wein, zu kauffen; Ein böses Wasser ist, das auß der Noth man trinckt; Ein böses Wasser ist, das Grimm auß Augen zwingt. 11. Christi Verdienst um mich Unverdienten Christus, der für mich gab sich, Wil für sich nichts mehr als mich. Lieber Gott! wann an der Zahl Ich wer ich viel tausend mahl, Wär mein Werth doch nimmer werth, Daß mich Christus nur begehrt. Wie solt ich dann seine Gunst Lassen seyn an mir umsonst? Drum laß, Jesu, mich nicht mir, Sondern nim mich eigen dir. 12. Dame, durch Versetzung: Made Prangt nicht so, ihr stolzen Damen! Seht vor recht auff euren Namen; Denn die Made, die darinnen, Wird euch kürtzlich fressen künnen. 13. Das Blut Christi Der, den das theure Blut deß Lammes hat besprenget, Wird von den Wölffen zwar geängstet und bedränget; Doch herrscht er mit dem Lamm in immer süssen Freuden Und schauet seine Wölff in ewig-heissem Leiden. 14. Der Rhein ein Ehren-Richter Wann der Rhein hielt ietzt Gerichte Über Eh- und Ehren-Früchte, Lieber, welche fette Fische Würden kummen drauß zu Tische! 15. Die Welt und der Kasten Noah Deß Noah Wunder-Schiff ist ähnlich unsre Welt, Weil mehr sie wilde Thier, als Menschen, in sich hält. 16. Dreyerley Tod: deß Fleisches, deß Leibes, deß Lebens und der Seele Wer nicht eh stirbt, als er stirbt, Der vertirbt, wann er vertirbt. 17. Übereiltes Freyen Leichte fällt es, Lieb bekummen; Leichte fällts, ein Weib genommen. Lieb bekummen bald zur Stunde, Gar genummen ohne Grunde, Heist: zur Reue Lieb bekummen, Heist: zur Straffe gar genummen. 18. Deutschland Deutschland bey der alten Zeit War ein Stand der Redligkeit; Ist ietzt worden ein Gemach, Drinnen Laster, Schand und Schmach, Was auch sonsten auß-man fegt, Andre Völcker abgelegt. 19. Geduld Jener Zeit, die ietzt die alte, Hilt man Deutschland viel zu kalte, Daß daselbst, wie ieder wolte, Die Geduld erwachsen solte. Nun nur aber die sind kummen, Die den Bau recht fürgenummen, Ist kein Bodem weit und ferne, Wo Geduld wächst also gerne. 20. Auff den Lügner Lullum Wie gut wär Lullus doch zu einem Brillen-Glas! Er macht das kleine groß; auß nichtes macht er was. 21. Freyen ist versehen Da Adam wacht und sucht, wo findet er ein Weib? Da Adam liegt und schläft, gibt ihm ein Weib sein Leib. Ein fromes Weib gibt Gott, die Vorsicht thut es nicht; Rührt Gott das Hertze nicht, irrt Ohr, und fehlt Gesicht. 22. Die göldene Zeit Wann war die göldne Zeit? Welt hat ja allezeit Geklaget über Krieg, Noth, Sünd und Sterbligkeit. 23. Dreyerley Völcker. Ich bin von Hertzen feind den runden Samarittern, Die ietzund warm, ietzt kalt, ietzt klar, ietzt trübe wittern. Ich bin von Hertzen feind dem Philistiner-Stamm, Der ihm, wo Recht gebrach, das Schwerdt zu Händen nam. Am grämsten bin ich noch den tollen Sichemiten, Die sicher in dem Sinn und frevlisch sind an Siten. 24. Geitziges Reichthum Wer Geld nicht braucht, doch hat, warum dann hat er Geld? Drum, daß er etwas hat, das ihn in Marter hält. 25. Geschmünckte Freundschafft Hände küssen, Hüte rücken, Knie beugen, Häupter bücken, Worte schrauben, Rede schmücken, Wer, daß diese Gauckeley, Meinet, rechte Freundschafft sey, Kennet nicht Betriegerey. 26. Hic mundus, die Welt Auff deutsch ist Welt ein Weib, lateinisch ist sie Mann; Drum siht man, wie ietzt Mann, ietzt Weib ihr buhlen kan. 27. Steuer Wie weise sonsten gleich ward Salomo geachtet, So hat er doch in dem nicht alles recht betrachtet: Daß derer Dinge Zahl, die niemals werden satt, Die Steuer er nicht auch noch beygesetzet hat. 28. Auff Varnam Von Trost steckt Varna voll; ihr Mann ist jüngst gestorben, Da spricht sie: Ob er tod, doch ist er nicht vertorben; Der meine Wolfahrt war, der ist gar wol gefahren; Drum mag auch ich mich nun mit neuer Wolfahrt paren. 29. Freundes-Chur Niemand sey dir erkiest, Der Freund ihm selbst nicht ist; Der Freund ihm selbst nur ist, Sey niemand dir erkiest. 30. Von diesem Buche Daß mein Buch, sagt mir mein Mut, Noch gantz böse, noch gantz gut. Kummen drüber arge Fliegen, Wird gesund es bleiben liegen, Und das faule leiden an; Kummen aber Bienen dran, Wird das faule seyn vermieden, Und gesundes recht beschieden. 31. Glückseligkeit Was macht die Menschen arg? Was hat viel Volck empöret? Was hat manch Land geschwächt? Was hat manch Reich zerstöret? Das, was die gantze Welt noch dannoch allezeit Von Hertzen wüntscht und sucht: deß Glückes Seligkeit. 32. Die auffrührische Dinge Suspect, Despect, Respect sind solcher Stücke drey, Dadurch die gantze Welt wird voll von Meuterey. 33. Auff Tityrum Tityrus war der Betrübste Unter allen Bauer-Knechten; Dann der Teuffel holt das liebste, Sprach er; Nisa starb mir nächten. 34. Auff Celerem Celer lieff nun auß der Schlacht; Dann es kam ihm gleich zu Sinne, Daß er, würd er umgebracht, Nachmals mehr nicht fechten künne. 35. Auff Fungum Dem Nechsten so wie Gott wil Fungus voller Treuen Zu dienen feste stehn; drum singt er ohne scheuen: Deß Nechsten Nutz zu seyn, das muß mich ewig reuen. 36. Die Fuhrmans-Sprache Wer mit Pferden reden wil, Darff den Amadis nicht viel. Hotte, stoh, Tschwuid und O! Wer es kan mit Fuß, Hand, Mund, Kan der Sprache meisten Grund. 37. Ochsen Welch eine Zeit ist ietzt! Man spannt die Drescher an Und frisset den wol gar, der mehr nicht arbten kan. 38. Zuwachs der Sünde Klette, Nessel, Distel, Dorn Sind der Sünde bestes Korn; Thäte sonsten Gottes Güte, Machte dieses schlecht Geblüte. 39. Krieg und Hunger Krieg und Hunger, Kriegs Genoß, Sind zwey ungezogne Brüder, Die durch ihres Fusses Stoß Treten, was nur stehet, nieder. Jener führet diesen an; Wann mit morden, rauben, brennen, Iener hat genug gethan, Lernt man diesen recht erst kennen; Dann er ist so rasend kühn, So ergrimmet und vermessen, Daß er, wann sonst alles hin, Auch den Bruder pflegt zu fressen. 40. Heilige Leute. Die Heilgen in der Welt, Herr, haben abgenummen; Dann from seyn hat nunmehr die Pestilentz bekummen. 41. Fürnehme Leute. Die Höchsten in der Welt, Herr, haben abgenummen; Dann Füsse sind zum Haupt, und Haupt zu Füssen kummen. 42. Auff Bloscum Seh ich recht, so kummt mir für, Bloscus sey ein Wunderthier. Augen hat er, keine Stirne, Einen Kopff und kein Gehirne, Einen Mund und keine Zunge, Wenig Hertzens, viel von Lunge; Wilstu, ob er sey, so schau, Mensch, Ochß, Esel oder Sau. 43. Göttliche und Weltliche Gesetze Wer Zehn Gebot nicht hält, ob der wol halten wil, Was weltlich Recht gesetzt, als unermeßlich viel? 44. Biebel, durch Versetzung: bleibe Man bleibe hier, daß dort man bleibe, bey der Biebel; Was Gott sagt, glaubt sich gut; was Menschen, glaubt sich übel. 45. Biebel, durch Versetzung: Belieb Die Biebel, Gottes Wort, ist mein Belieb im Leben; Sie kan mir Trost in Angst, und Rath in Nöthen geben. Die Biebel, Gottes Wort, ist mein Belieb im sterben; Wo sie mich weiset hin, da kan ich nicht verterben. 46. Ehre, durch Versetzung: Rehe Die Ehr ist wie ein Reh, Fleucht, als sie kümmt, viel eh. 47. Man, umgekehrt: nam. Weib, durch Versetzung: bei-w Nam ihm ein Mann ein Weib, der wohnt bey einem W; Dann Weh ist täglich Brot auch bey der besten Eh. Ein ieder hat sein Weh; doch wann ein Mann ihm nam, So weist sich, daß zum Weh ein neues bei-W kam. 48. Bild-Stürmer Wil Kirchen-Bilder wer zum Ergernüß anziehn, Den ärgern Bilder nicht, die Augen ärgern ihn; Drum laß er jene stehn und reisse diese hin. 49. Außgezogene Bauern machen angezogne Krieger Hosen-Zeug und Kleider-Wahren Kan man leichtlich ietzt gelosen; Mars der trägt bey diesen Jahren Meistens außgezogne Hosen. 50. Ein Gerichte Ein Kläger kam und sprach: Herr Richter, ich bekenne, Beklagter soll mir thun, so viel als ich benenne. Der Richter sprach: So schau und gibs, Beklagter, hin, Daß du von Schulden los, und ich vom richten bin. Beklagter sprach: Ich kan zwar keine Schuld gestehen, Doch geb ich halbes hin, dem zancken zu entgehen. Wer besser richten kan, der richte drüber frey, Wer unter dreyen hier der Allerklügste sey. 51. Ein alter Buhler Bekummt ein junges Weib ein Alter an die Seite, So ist ein Klepper da, drauff er zum Grabe reite. 52. Der Catholische Mars Unser Will ist ietzt gebunden, Krieger-Wille der ist frey; Mars beweiset alle Stunden, Daß er gut Catholisch sey. 53. Weltliche Glückseligkeit Das Glücke, die Siren, die Welt, das Crocodil, Wil arg ein iedes dem, dems gleich zum besten wil. 54. Der säumige Mars Der Krieg geht langsam fort; die Pferde sind dahin; Drum muß er sein Geräth ietzund mit Ochsen ziehn. 55. Räuber, versetzt: bräuer Räuber sind gar schlechte Bräuer; Was sie bräuen, kummt gar theuer; Aber gut, daß sie beym schlissen, Selbst die Hefen sauffen müssen. 56. Der Ruchlosen Freuden-Lied Weil das Leben bey uns bleibt, brauchen wir das Leben; Kummen wir in Himmel nicht, kummen wir daneben. 57. Auff den Wittiber Marcum Marxs hat ihm die Sinnen in Ordnung gestellet: Er dencket, wann er sich zum Bette gesellet, Deß Abends an seine verstorbene Frau, Deß Morgens, wie er ihm ein andre vertrau. 58. Das Jahr 1642 GeLLt! ob aVCh rVh, O toLLe WeLt, FäLLt, WIe sIe MensChen Wahn besteLt! 59. Hans und Grete Hansen dienet keine Magd Ausser seiner alten Greten, Weil es keine mit ihm wagt, Die sich scheut für Kindes-Nöthen. 60. Ein Ehrgeitziger Wer viel Ämpter wil genissen, Muß in sich viel Gaben wissen, Oder muß auff Vortheil gehen, Oder muß sie nicht verstehen. 61. Die Geburt Christi Du bist ein reiner Mensch, O Jesu Christ, geboren, Daß ich verdammter Mensch durch dich sey unverloren. Hilff, daß auch ich nun dich behalte für und für, Dir nicht verliere mich, noch dich verliere mir! 62. Amt, versetzt: mat Ohne mat seyn kan mit nichten, Wem es Ernst, sein Amt verrichten. 63. Nicht zu viel Ein rasches Pferd nur immer jagen, Ein saubres Kleid nur immer tragen, Den nützen Freund nur immer plagen Hat niemals langen Nutz getragen. 64. Ein Artzt und ein Bauer Ein Artzt führt offte Mist; Mist führet offt ein Bauer; Wie daß man jenen dann heist Doctor, diesen Lauer? 65. Mann und Weib Daß der Mann sein Weib verträget, Daß das Weib trägt ihren Mann, Dieses richtet Frieden an, Wann sich gleich ein Streit erreget. 66. Reim-Tichterey So ich Reime wo geschrieben, Schrieb ich mir sie, mich zu üben; So sie andren wo belieben, Sind sie andren auch geschrieben. 67. Auff Fuscum Fuscus lachet seiner Sachen, Lachet nicht, wann andre lachen; Drum macht er, nicht seine Sachen, Wann die andren seiner lachen. 68. Grabschrifft über ein Brautbette In die Lust liegt hier begraben Eine Magd mit ihrem Knaben, Die einander gantz ergeben, Dieser Welt wie mehr nicht leben, Die mit Armen umgewunden, Wie in einen Sarck gebunden, Die sich mit sich selbst bedecken, Die in kurtzem Würmer hecken. 69. Auff Fletelium Fletel, der die Mägdeschoß Pfleget lieb und werth zu haben, Scheut sich, daß man ihn soll bloß In der Mutter Schoß begraben. 70. Eine mißstimmige Ehe Veit schonet seinen Leib, schont aber nicht sein Geld, Da doch sein liebes Weib von beyden wenig hält. Er soll seyn sparsam hier; dort soll er offt und viel Gebrauchen seinen Leib zu ihrem, wan sie wil. 71. Mann und Weib Nicht Wunder, daß so gern an Männern Weiber liegen; Die Ribbe mag sich frey zu ihrer Licke fügen. 72. Die heilige Genießligkeit Prosperitas regirt an Teuffels stat die Hölle; Der Lucifer verläst den Scepter und die Stelle. Was Lucifer nicht kunt auß seiner Macht verführen, Das wird nunmehr verführt um blosses prosperiren. 73. Klein- und grosse Welt Ob die kleine Welt die grosse Dieser Zeit darnieder stosse, Oder ob die grosse Welt Ietzt die kleine nieder fällt, Wüst ich gerne. Weil man fühlt, Wie die klein in grosser wühlt, Dürffte gross' in kurtzen Tagen Fallen und die klein erschlagen. 74. Süsse-bittres In einem Weiber-Rocke, In einem Bienenstocke Steckt Schaden und Genieß, Ergetz und auch Verdrieß. 75. Auff Nivulam Nivula ist wie ein Schnee, Der kaum ietzt fiel auß der Höh. Wie auch ihre Redligkeit Ist wie Schnee zu Mertzens-Zeit, Der, wie neu er ist geacht, Immer trübes Wasser macht. 76. Künfftige Barbarey Wie sparsam werden seyn nach uns die Künste-Künner, Wie ietzt so sparsam sind bey uns die Künste-Günner! 77. Quid juris? Quid ruris? Quid furis? Für spöttisch Ding hält Mars, quid juris etwa künnen; Quid furis aber ist ein ehrenreich Beginnen. Noch dannoch wirds geschehn, daß Mars um einen Bissen Wird endlich noch wol gar quid ruris lernen müssen Und dem quid juris dann sich neigen zu den Füssen! 78. Pest und Ehrgeitz Die Pest, die Ehrensucht sind beyde strenges Gifft, Daß die nur meistens hoch, und jene nieder trifft. Der Ehre henckt man nach; die Pest fleucht iederman, Ob die der Welt gleich nicht, wie jene schaden kan. 79. Die Geburt ist der Tod; der Tod ist die Geburt Der Tod ist nicht der Tod; der Tod ist die Geburt. Durch diese kam ich kaum, so must ich wieder fort. Der Tod ist nicht der Tod; er ist das rechte Leben, Drauß ich mich mehr nicht darff in Ewigkeit begeben. 80. Deß Menschlichen Lebens Wege-Lagerer Ehre, Geitz, Leid, Wein und Liebe Sind deß Menschen Lebens-Diebe. 81. Das Gegenwärtige, Vergangene und Zukünfftige Was ist, wie lange wehrts? Was war, was hilfft michs wol? Was werden wird, wer weiß, obs mir und wem es sol? Was hier ist, war und wird, ist, war und wird ein Schein; Was dort ist, war und wird, ist, war, wird ewig seyn. 82. Erfahrung Wer hinterm Ofen her wil von der Kälte schlissen, Wer auß dem Keller rauff wil viel von Hitze wissen, Wer eines Dinges Art nie recht erfahren hat, Wil ordnen aber dran, wil geben Rath und That: Dem kümmt die Schande früh, die Reue viel zu spat. 83. Die Vernunfft Gott gab uns die Vernunfft, dadurch uns zu regiren; Wir brauchen die Vernunfft, dadurch uns zu verführen. Ein Mensch hat zwar Vernunfft, lebt aber wie ein Vich; Ein Vich hat nicht Vernunfft, lebt menschlich gegen sich. 84. Alles auff seinen Anfang Laufft mancher gleich in Krieg, er muß gleichwol noch hin, Wo Ochsen fornen an und Flegel hinten ziehn. 85. Die graue Treu Weil man schone bey den Alten Reine Treu für grau gehalten, Was ists Wunder dieser Zeit, Daß sie schon im Grabe leit? Daß nicht Erben nach ihr blieben, Drüber ist sich zu betrüben! 86. Unverhofft kummt offt Es kummt offt über Nacht, was sonst kam kaum auffs Jahr; Es brachte heut ein Kind, die gestern Braut noch war. 87. Bilder Wo Bilder in der Kirch ein Ergernüß gebären, So muß man Kirchen-gehn auch schönen Weibern wehren. 88. Unverfreyter Wein Den Ehstand lob ich zwar; nicht aber lob ich Wein, Der da mit Wasser wil zu Zeiten ehlich seyn. 89. Brot Das Brot für diese Welt, das mag man täglich essen; Das Brot für jene Welt, das wil man bald vergessen. Das Brot für jene Welt gibt Brot für diese Welt; Wie daß man dann nun Brot, als Gott, viel werther hält? 90. Egyptische Dienstbarkeit Jacobs Stamm klagt alter Zeit Über schwere Dienstbarkeit. Steht es dann ja so übel, Wo man Fleisch hat, Knobloch, Zwiebel? Unsre Leut in dieser Zeit Hielten es für Herrligkeit. 91. Von Hertzog Frantz Albrechten zu Sachsen, Käyserl. General in Schlesien Krieg war auß dem Krieg entlauffen Zu dem tollen Frevler-Hauffen, Der in seines Freundes Blute Ehre suchte seinem Mute. Lobt den Held, der mit Bedacht Krieg zum Kriege wieder bracht! Daß nun Sieg und Krieges Zucht Wieder unser Land besucht. Merckt und rühmt die edle Raute; Neiget euch für ihrem Kraute, Daß für so viel Landes-Gifften Kan so heilsam Artzney stifften! 92. Galgenstraffe Ists recht, daß man die Müntz an Müntze wieder zahle, Stiehlt den ein Rabe recht, der wie ein Rabe stahle. 93. M-ars Mars, der guter Lehr und Kunst Trägt viel Haß und wenig Gunst, Trägt die Kunst in seinem Namen. Eh noch wenig Jahre kamen, Dürffte M bleiben stehn, Ars hingegen fornen gehn. 94. Ehre und Ansehen Die Ehr ist zwar der Tugend Sold; Doch ist die Ehr auch gleichwol Schuld, Daß eines eintzlen Menschen Ehre Manchmal ein gantzes Land zerstöre. 95. Der Neid Eines oder andren neiden Wil ich, kan ich, besser leiden, Als daß da und dort wo einer Spreche: Gott erbarm sich seiner. 96. Deß Krieges Ungelegenheiten Krieg ist die allerschärffste Zucht, Womit uns Gott zu Hause sucht; Dann unter seinen sauren Nöthen Ist noch die süste Noth: das tödten. 97. Eitele Würde Titel-groß und Bullen-edel Reicht nicht weiter, als der Zedel. 98. Die Sünden Menschlich ist es, Sünde treiben; Teufflisch ists, in Sünden bleiben; Christlich ist es, Sünde hassen; Göttlich ist es, Sünd erlassen. 99. Schlesier Soll den Eliser-Felden Diß Land sich gleiche melden, Muß dannen diß gerathen, Daß drinnen sind nur Schaten. 100. Göttliche Hülfe Gott, der David das erwehren Gab vom Löwen und vom Beeren, Gab ihm auch durch einen Stein, Deß Philisters Mann zu seyn. Gott, der uns vom Höllen-Rachen Gab das Mittel los zu machen, Gibt auch wohl, daß Menschen macht Schafft nichts mehr, als daß man lacht.