Desz ersten Tausend andres Hundert 1. Die Warheit im Wein Warheit steckt in dir, o Wein! Wie wil der denn scheltbar seyn, Der die Warheit zu ergründen Sich beim Bacchus viel läst finden? 2. Wein, der Poeten Pferd Ihrer viel sind zwar beflissen, Sich im Helicon zu wissen. Ob sie gleich nun ziehn und ziehn, Kommen langsam sie doch hin; Denn ihr bestes Pferd ist heuer Viel zu seltsam und zu theuer. 3. Auf den Bibulum Bibulus ist gar nicht stoltz; Denn er trincket Wein auß Holtz, Fängt in Ziehn sein klares Wasser: Ist er dannenher ein Prasser? 4. Hunger Hunger ist der beste Koch; Dieses mangelt ihm nur noch, Daß er, wie sonst andre Sachen, Sich nicht selbst kan schmackhaft machen. 5. Jungfrauschafft Jungfrauschafft ist zwar ein Sieg Wider unsres Fleisches Krieg; Doch sind viel, die für das siegen Lieber wollen unten liegen. 6. Eigenlob Duppler, nicht ein eintzler Mund, Gibt der Warheit ihren Grund. Drum kan der nicht gelten viel, Der sich selbst nur loben wil. 7. Auff Hornutum Hornutus las: Was Gott Job habe weggenommen, Sey duppelt ihm hernach zu Hause wieder kummen. Wie gut, sprach er, war diß, daß Gott sein Weib nicht nam, Auf daß Job ihrer zwey für eine nicht bekam! 8. Von Jobs Weibe Wie kam es, daß, da Job hatt alles eingebüsset, Was ihm ergetzlich war, daß er sein Weib nicht misset? Es steht nicht deutlich da, warumb sie übrig blieb; Allein ich schliesse fast, er hatte sie nicht lieb. 9. Deß Krieges Raubsucht Als Venus wolte Mars in ihre Liebe bringen, Hat sie ihn blanck und bloß am besten können zwingen; Denn so sie, wie sie pflegt, in theurem Schmucke blieben, Hätt er sie dürffen mehr berauben, als belieben. 10. Himmel-Erbe Die Alten sind ietzund der Jungen ihre Kinder; Denn diese wissen mehr, und jene wissen minder, Wol gut! Weil Gott sein Reich den Kindern anverspricht, Erbt jene Welt allein, und diese Welt erbt nicht. 11. Unchristlicher Krieg Mars thut nicht, was ihm man thut; Nimmet Gut und gibt nicht Gut. Wer ist denn, der mich bescheide, Ob er Christ sei oder Heide? 12. Vorige und ietzige Kriege Was taug der alte Krieg? der neue Krieg ist besser; Denn jener war ein Feind der Menschen, der der Schlösser, Und jener machte leer der Menschen Leib von Blut, Da dieser nur fegt auß der Kasten altes Gut. 13. Offtmals voll macht endlich toll Zunfft und Zechen sind verwand, Eines zwiefach nur genant. Drum wer anhängt allen Zechen, Ist auch kühnlich einzurechen In die tolle, wilde Zunfft Bey das Volck der Unvernunfft. 14. Gehenckter Judas Der unser Brot gleich braucht, der tritt uns doch mit Füssen, Wil uns sowohl nicht im- als an dem Creutze wissen; Allein es kümmt dazu, daß endlich selbst sein Fuß, Hoch in die Lufft verstrickt, vom Treten feyern muß. 15. Frei-Leben, Gut-Leben Wer andren lebt, lebt recht; wer ihme lebt, lebt gut, Weil jener andren wol, ihm übel er nicht thut. Wol dem, dem da zugleich die Freiheit ist gegeben, Bald recht, bald gut, wenn, wie und wem er wil, zu leben. 16. Auff die demütige Pertundam Daß unter Iedermann Pertunda fein sich schmügen, Und ietzo da, ietzt dort wil willig unten liegen, Das thut sie dannenher: sie hat zur Zeit gehört, Wie Schönheit um so viel durch Demut wird vermehrt. 17. Auff eben Selbte Wer wil Pertunda stoltz, hochträchtig auch wol nennen? Er gibt genug an Tag, er muß sie recht nicht kennen. Heist dieses denn wol stoltz? Sie bleibet unten an Und duldet über ihr so leichtlich iedermann. 18. Auff die lispelnde Fututillam O Fututilla, groß und sehr groß ist der Schaden, Daß mit so schwerer Zung ist dein schön Mund beladen. Denn wenn du sagen solst: komm zu mir plotz und flugs! So sprichst du allemal: komm zu mir fotz und fugs. 19. Stadt-Leute und Dorff-Leute Wer sind Bürger? Nur Verzehrer. Was sind Bauern? Ihr Ernährer. Jene machen Kot auß Brote, Diese machen Brot auß Kote. Wie daß denn der Bürger Orden Höher als der Bauern worden? 20. Welt-Beherrscher Gott, Fleiß und die Gelegenheit Beherrschen Menschen, Welt und Zeit: Gott ist in Nöthen anzuflehn; Gelegenheit nicht zu versehn; Der Fleiß muß fort und fort geschehn. 21. Krieges-Greiphen Man hat dem Plinius nicht gerne wollen glauben, Daß Greiphe sind, die Gold aus tiefer Erde rauben. Es zeuget dieses Mars, der brauchet solche Greiphen, Die alle Welt um Gold durchwühlen und durchstreiffen. 22. Frantzösischer Brauch Daß mit einem Messer essen viel Frantzosen, ist zwar Brauch; Männer thun es; Weiber thun es, dünkt mich, aber doch nicht auch. 23. Hochzeit-Wuntsch Seyd glücklich hier und dort; seyd selig denn gepreist, Ihr, die man heute Braut und Bräutigam euch heist! Seyd morgen Mann und Frau, seyd Eltern übers Jahr; So habt ihr denn erlangt, was zu erlangen war. 24. Ein andrer Theures Paar, deß Glückes Neid Muß euch nimmermehr versehren, Und die Macht der Sterbligkeit Schade nimmer euren Ehren. Gebe Gott, daß übers Jahr In der Mutter Armen lache Das, was euch, o edles Paar, Nach dem Tode lebend mache! 25. Bittre Liebe Lieben ist ein süsses Leiden, Wenns nicht bitter wird durch scheiden. Bittres wil ich dennoch leiden, Daß ich Süsses nicht darff meiden. 26. Mittel zum Reichthum Wer, wie er werde reich, wil Weis' und Weg betrachten, Der lerne Geld und Gut bald viel, bald wenig achten. 27. Hochzeit-Wuntsch Liebe, Friede, Segen, Glücke Sey euch, weil ihr selbsten seyd, Biß daß euch empor entzücke Sterbligkeit zur Ewigkeit. 28. Nicht alles, was schwer, dringt unter sich Laß ich überreden mich, Schweres Ding dring unter sich? Wie daß denn die Steuer-Lasten Über uns noch immer rasten? 29. Die Steuer Daß mein Buch die theure Gabe Allen zu gefallen habe, Gläub ich nicht; doch wil ich hoffen, Das, was folgt, sei gar getroffen: O es müsse höllisch Feuer Fressen die verfluchte Steuer! 30. Gewonheit und Recht Gewonheit und Gebrauch zwingt offt und sehr das Recht. Hier ist der Mann ein Herr deß Weibes, dort ein Knecht. 31. Dienstag und Freytag Es hat durch unser Land sich alles umgekehret; Drum wundert mich der Brauch, daß der so lange wehret, Daß Dienstags noch und nicht man Freytags Hochzeit macht, Und mehr als göldnes frey das schwere dienen acht'. Es gienge zwar noch hin deß Dienstags Hochzeit haben, Freytages aber doch bald tod, bald seyn begraben. 32. Tadler Wem niemand nicht gefällt, wer alles tadelt allen, Wer tadelt diesen nicht? und wem kan der gefallen? 33. Saumsaal Anfang hat das Lob vom Ende. Drum macht der, daß man ihn schände, Der in allen seinen Sachen Nimmer kan kein Ende machen. 34. Trägheit Der kan ohne Krieg und Waffen Seinem Ruhme Ruhe machen, Der nur wachsam ist zum schlaffen, Schläffrig aber zu dem wachen. 35. Auff den Oscum Wo wer nach Ehre strebt, da pfleget sie zu fliehen; Wo wer die Ehre fleucht, da pflegt sie nachzuziehen. Es weiß nun Oskus diß; drum nimmt er einen Raum Und fleucht, was er nur kann, in Sünden ohne Zaum. 36. Auff einen Hörner-Träger Der Lieb ist nichts zu schwer, pflegt Corniger zu sagen; Drum ist ihm auch nicht schwer, auß Liebe Hörner tragen. 37. Vergötterung der Helden Es wolln ietzund nicht mehr auß Helden Götter werden. Das macht, ihr Himmel ist hinieden auff der Erden. 38. Fraw, umbgekehrt Warf Die erste Fraw zwar warf das Joch Der Sünd' an unsern Hals; Doch sind ietzt unsre Frauen noch Was klüger dieses Falls: Sie setzen manchem Hörner an, Daß er sich nicht entstreiffen kan. 39. Seligmacher Christus, der uns selig macht, Ward für uns ans Creutz gebracht. O wie würden sich bedencken, Die manchmal das Seligseyn Suchen nur durch frembde Pein, Wenn sie selbsten solten henken! 40. Stat geht für Land Bei der Stadt ist Stattlichkeit, Bei dem Dorffe Dürfftigkeit. Ist's nun recht, wenn gleich die Stat Statlich auch zu steuern hat? 41. Die göldenen Soldaten Die Sonne geht in Gold, so sprechen unsre Bauern. Drum wird bei uns ihr Licht nicht mehr gar lange tauern. Mars starrt und rauscht für Gold; ihr Bauern, last das grämen; Die göldne Gleißnerei wil finstern Abschied nehmen. 42. Seligmacherey Selig machen kan nur einer; Sonsten hats gelernet keiner. 43. An einen Freund Weil du mich, Freund, beschenckst mit dir, So danck ich billich dir mit mir. Nimm hin deßwegen mich für dich; Ich sei dir du; sey du mir ich. 44. Geitzhals Den Geitzhals und ein fettes Schwein Schaut man im Tod erst nützlich seyn. 45. Reichthum Wer auff übrig Reichthum tracht, Der wird sonsten nichts erstreben, Als daß er noch bei dem Leben Ihme selbst ein täglich sterben Und hernachmals seinen Erben Ein gewüntscht Gelächter macht. 46. Feyertage Wenn Feyertag die Jungen halten, Wolln halten Bete-Tag die Alten. 47. Auff einen Ehrgeitzigen Alle Menschen günnen dir, daß du möchtest Cäsar werden, Doch mit dreiundzwantzig Wunden nieder liegend auff der Erden. 48. Regiments-Wetter Wer nicht glaubt, daß Obrigkeiten Billich sind und heissen Götter, Der hab acht bei diesen Zeiten, Was sie machen für ein Wetter. 49. Fürsten Daß die Fürsten über Menschen und nach Rechten Herrscher seyn, Doch nicht ewig, möchten Fürsten ihnen täglich bilden ein. 50. Von meinen Reimen Sind meine Reime gleich nicht alle gut und richtig, So sind die Leser auch nicht alle gleich und tüchtig. 51. Danck wird bald kranck Danckbarkeit, du theure Tugend, Alterst bald in deiner Jugend; Drum macht deine kurtze Frist, Daß du immer seltsam bist. 52. Weltliche Hoffnung Hoffnung ist ein faules Seil, Bricht in unverhoffter Eil, Daß uns Armut bleibt zu theil. 53. Das Vergangene Wer ietzund berathen wil die vergangne Sachen, Der wird junge Weiber auch aus den alten machen. 54. Gute Wercke Wo gute Wercke selig machen, Bringt solche Meinung gute Sachen. Wie kan die Seligkeit doch fehlen, Wo zwene Jesus sind zu zehlen? 55. Auff Kühnmunden Kunimundus giebt sich an, Manche Stunde seinen Mann Zu bestehen, das ist viel. O es ist bedinget worden, Daß er weder selbst ermorden, Noch ermordet werden wil. 56. Freundschafft mit Gott Wenn ein Mensch mit Gott gut steht, Der steht wol, wenns übel geht; Denn er kan die höchsten Gaben, Vater, Bruder, Tröster haben. 57. Mügliche Unmüglichkeit Als Adam wolte Gott und seinem Wesen gleichen, Ward er ein sterblich Mensch und must auß Eden weichen. Seither wir haben diß, was Gott kan, künnen wollen Und unvermüglich Ding doch müglich machen sollen: Seither ist unser Frey in Dienstbarkeit verkehret, Die Haut ist abgestreifft, das Marck ist außgezehret. 58. Das Beste der Welt Weistu, was in dieser Welt Mir am meisten wolgefällt? Daß die Zeit sich selbst verzehret, Und die Welt nicht ewig währet. 59. Gesegnete Arbeit Daß unser Feld ietzt nichts als Dorn und Disteln träget, Drum schwitzet unser Leib, und unser Hertze schläget. Doch laß ich mich auff Gott; der sehe, was er thut, Dieweil er dißfalls spricht: Wol dir, du hast es gut! 60. Auff Jungfer Nackt-Lieb Cupinuda klaget sehr Über Vater Adams Fall, Drum daß niemand überall Darff ietzund gehn nackend mehr. 61. Welschland Das welsche Land heist recht ein Paradeis der Welt, Weil ieder, der drein kummt, so leicht in Sünden fällt. 62. Jurist und Artzt Ein Jurist darff eines Artztes, der ihm sein Gehirne stärke, Daß er recht, was Rothes wolle, und was Schwarzes heiße, merke. Auch der Artzt darff des Juristen, der ihm seine Sachen schmücket, Ob er etwa hat den Krancken sammt der Kranckheit fortgeschicket. 63. Auf Bibulum Es torkelt Bibulus, ist stündlich toll und voll; Der Weg zur Höll ist breit; er weiß, er trifft ihn wol. 64. Sommer und Winter Daß iedes Jahr vier Zeiten hat, hält man mehr nicht recht. Der Frühling ist deß Winters, der Herbst deß Sommers Knecht. 65. Vertrauen auf Christum Was fragt ein edler Löw nach eines Hündleins Bellen? Was fragt ein Fels im Meer nach Winden und nach Wellen? Was Juda Löw beschützt, was Davids Fels behält, Das ist vom Teuffel frei und sicher für der Welt. 66. Hoffnung und Geduld Hoffnung ist ein fester Stab, Und Geduld ein Reise-Kleid, Da man mit durch Welt und Grab Wandert in die Ewigkeit. 67. Die Stirne Die Stirn ist sonst der Thron, drauff Ehre sitzt empor. Was hat für Ehre der, der Haare henckt davor? 68. Hochzeit-Wuntsch Werthes Paar, lebt in die Wette Mit deß Glückes bester Zeit, Biß daß euch die Ewigkeit Von der Sterblichkeit errette! Wann der neunde Monat weicht, Hebet »eines« an zu zehlen; Dieses muß euch nimmer fehlen, Biß die Zahl auff zehne reicht. 69. Die hinfällige Welt Ich bin zwar wol kein Rath aus Gottes Cantzeley; Doch weiß ich, was daselbst ietzund im Werke sey. Es wird der kranken Welt ihr Leichendienst bestellet, Weil sie ie mehr und mehr in schwere Seuchen fället. Sie hat sich offt kasteit durch Hunger und purgirt Durch Pest; Mars hat ihr auch viel übrig Blut entführt: Noch dennoch ists umbsonst. Drum der sich ihr vertrauet, Hat für ein schönes Bild ein stinckend Aas erschauet. 70. Die Bücher Moisis und Josuä Wo Moses höret auff, fängt Josua bald an: Genad ist nöthig da, wo das Verdienst nichts kan. 71. David durch Michal verborgen Die Michal legt ein Bild ins Bett an David's stat Und dann zu seinem Haupt ein Fell von einer Ziegen. Will mancher wie ein Bild im Bette stille liegen, So giebt man ihm gemein ein Fell, das Hörner hat. 72. Der schrift-kündige Mars Wer spricht, daß unser Mars auff Gottes Buch nicht fraget? Er hat genau gemerckt, was König Saul dort saget: Wer mir nicht nach zeucht auß, deß Rinder soll man stücken, Und also hin und her durch alle Gräntzen schicken. Drum ist nun alles Vieh verschickt, zerstückt, vertrieben, Daß uns von ihnen kaum der lehre Stall ist blieben. 73. Arm auf Erden; reich im Himmel Wer einen Reichen nennet, hat alles dieß genennt, Was diese Welt für gut, für hoch, für herrlich kennt. Wer einen Armen nennt, der hat von dem gesagt, Was alle Welt veracht und aller Unfall plagt. Noch dennoch tausch ich nicht; ein Armer in der Zeit Ist fertig, reich zu sein dort in der Ewigkeit. 74. Geduld Leichter träget, was er träget, Wer Geduld zur Bürde leget. 75. Unbesonnene Sorgen Das Fleisch kocht langsam gar, wenn Blei liegt in dem Topfe. Zu nichts ist der geschickt, dem Sorge steckt im Kopfe. 76. Erde, durch Versetzung: Rede Ob eine Red uns schön und künstlich gleich bedeucht, So ist sie doch ein Wind, der hin zum Winde zeucht. Wer Erde liebt, liebt das, was endlich Angesichts, Wann Gott gebeut, zersteubt und wird ein lehres Nichts. 77. Die Welt ward nicht auß Sonnen-Staube, sondern wird zu Sonnen-Staube Ich weiß nicht, ob die Welt kan länger stehn und halten, Weil da und dort ihr Bau nimmt Brüche, Risse, Spalten. Gott scheidet sich von uns; wir scheiden uns von Gott. Die Wolfahrt reumt das Land, und bleibt uns nichts als Not; Die Tugend fleucht seitab; die alten Laster weichen Der neuen Teuffeley. Es künnen sich nicht gleichen Der Unterthan und Herr, der Herr und Unterthan; Der Mann sucht fremdes Weib; das Weib sucht fremden Mann. Der Himmel wil nicht mehr der Erde Saamen günnen; Die Erde wil nicht mehr wie vor gebären künnen. Das macht, daß man zum Theil dem Epikurus gläubt: Die Welt werd ehstes das, was in der Sonne stäubt. 78. Gezwungene Soldaten Wer seuffzend zeucht in Krieg, ist kein gar gut Soldat. Was dünkt dich nun von dem, den man gezwungen hat? 79. Die bußfertige Welt Die neue Welt ist from und frömer als die alte; Sie darff nur acht Gebot, die sie im Leben halte; Denn Ehbruch, Diebstal bleibt; man hanet nur die Leute Und macht, was uns gefällt, nach Krieges Art zur Beute. 80. Glücke und Unglücke Das Glück ist abgetheilt vons Ungelückes Tücke Durch den Buchstaben U und den Buchstaben N; So daß man N vor und U zuletzte nenne, So ist in einem NU Unglücke bei dem Glücke. 81. Die hoffärtige oder übersichtige Welt Die Welt acht' unsrer nichts; wir achten ihrer viel. Ein Narr liebt den, der ihn nicht wieder lieben wil. 82. Creutze So bös ist schwerlich was, es ist zu etwas gut. Das Creutze plagt den Leib und bessert doch den Mut. 83. Elende Man trage mit Geduld den Jammer dieser Zeit; Was Jammer erstlich war, wird endlich Herrlichkeit. 84. Das Unrecht der Zeit Was frag ich nach der Zeit? wenn der mir nur wil wol, Der alles schafft, was war, was ist, was werden sol. 85. Schlaf, umgekehrt: falsch Der Schlaf heist rücklings falsch; denn er betreugt uns oft, Gibt Gold im Traume, gibt, wann wir erwachen, Luft. 86. Ich bin, wer ich bin, so bin ich deß Herrn. (Luth.) Begehrt mich Gott nicht reich und sonst von hohen Gaben, So sey ich, wie ich bin, er muß mich dennoch haben. 87. Warheit im Weine Sucht Warheit wer im Wein und findet sie im Wein, Der wundre sich nicht mehr, daß Deutschen redlich sein. 88. Reich, durch Versetzung: Cheir Cheir heist Griechen eine Hand, Stecket in dem Wörtlein Reich. Wer da reich ist, werde gleich Einer milden Hand erkant, Die da gibet und nichts nimmt, Die verschenkt und nichts bekümmt. 89. Laus und Laus Was Lob heist im Latein, das hat im Deutschen Füsse; Es kitzelt dort und jückt; hier gibt es scharffe Bisse. 90. Mensch, durch Versetzung: schmen Wil der Mensch sich selbst besehn, Wird er leichtlich keinen schmen. Schmeh nicht bald und thu gemach! Jeder hat sein eigne Schmach. 91. Arm. Nar Streich vom m ein Strichlein aus, Dann wird dir ein n drauß; Thu' das n für das a, Also steht für Augen da, Wie da den die schnöde Welt, Welcher arm ist, hat und hält. 92. Grab, umgekehrt: barg Wol dem, den bisher barg Ein Grab für so viel Arg. 93. Not, umgekehrt: Ton Die Not, die ist ein Ton, davon die Augen rinnen; Nicht viel sind, wann er klingt, die drüber lachen künnen. 94. Die Welt ein Lumpenhändler Nicht handle mit der Welt; sie führt verlegne Wahren; Du wirst sonst, wie sie sind, mit Schad und Schand erfahren. 95. Lieb, versetzt: Blei Das Blei dringt unter sich und wil nur immer ruhn. Wer dir sich, Lieb, ergibt, kan sonsten wenig thun. 96. Der Sonnen und deß Menschen Untergang Untergehn und nicht vergehn Ist der Sonnen Eigenschafft. Durch des Schöpffers Will und Krafft Stirbt der Mensch zum Aufferstehn. 97. Auff die Weiber Wann für den Mann das Weib spricht in der Handelunge, So ists, wie wann den Sinn offt übereilt die Zunge. 98. Gottesdienst ist ohne Zwang Wer kan doch durch Gewalt den Sinn zum Glauben zwingen? Verlaugnen kan zwar Zwang, nicht aber Glauben bringen. 99. Eingeborne Wer alte Väter sucht und sucht sie alle gar, Der kümmt zuletzt auf den, der Anfangs Erde war. Wer Gott zum Vater hat, der bleibet wol geadelt; Denn keiner hat den Stamm von Ewigkeit getadelt. 100. Adel Hoher Stamm und alte Väter Machen wol ein groß Geschrey. Moises aber ist Verräther, Daß dein Ursprung Erde sei.