An meine pompejanische Lampe Werd' ich von dir mich müssen scheiden, Trauliche Leuchte, holdes Licht? Wie mild dein Glanz in meine Leiden Versöhnung bringt und ruhig spricht: Verzage nicht! Ich will mit frischem Öl dich netzen: Es quillt ein Schlummer aus dem Mohn. Was könnte mir dein Licht ersetzen? Es leuchtet mir zum Helikon Aus dunklem Thon. Wenn heim der Wandrer vom Vesuve Dich Totenlampe mitgebracht, So war's zum freundlichen Berufe, Daß du ihm leuchtest neuentfacht In stiller Nacht. Gedenkst du auch noch deines Hauses? Aus einer Marmorlarve sprang Ein Brunnen fröhlichen Gebrauses Und rauschte schöne Nächte lang Im Säulengang. Erinnerst du dich noch des Alten Vor Rollen in dem Schlafgemach, Der sorglich dich emporgehalten, Die Siegel auf dem Brief erbrach Und Griechisch sprach? Bei Schatten, Freundin meiner Muße, Verschliefst du ein Jahrtausend, taub Dem Licht und seinem holden Gruße, Im Grabmal bei der Flammen Raub, In Schutt und Staub. Nun horchst du wieder Menschenträumen, Der Nachtluft stillem Atemzug. Es kommt zu dir aus Blütebäumen Die Motte, die zu dir im Flug Begierde trug. Doch ach, anstatt zu fernen Liedern, Scheinst du vielleicht bald meiner Gruft; Den kalten Gruß mußt du erwidern Der Leichenkerze, statt dem Duft Der Frühlingsluft. Die Seele, der dein Licht jetzt funkelt, Tauscht, kleine Leuchte, dann mit dir Und wandelt unten, tief umdunkelt, Indes du oben leuchtest hier Und zeugst von ihr. Kommt dann ein Schmetterling geflogen, Fragst du, wo ist der Freund denn jetzt, Mit dem ich oft Gespräch gepflogen, Der spät sich noch zu mir gesetzt Und mich genetzt? Nein, wache nur ob einem Schlummer, Der Tagesmühen unterbricht! In Traum versinke Gram und Kummer – Du traute Leuchte, holdes Licht, Erlisch noch nicht!