Heinrich Lautensack Die Votivtafeln der Liebe Das Lied des Haremswächters Mir liegt die Welt, ein Buch voll Sprüchen, aufgeschlagen. Ihr, ihr könnt Verse sagen, wo mir ein Weisheitsspruch. Mir ist das Weib ein Bild, ein ungestilltes Sehnen, wo euch mit ein paar Tränen das Höchste sich erfüllt. Mir ist der Gott ein Traum. Ich bin des Traums Verkünder ... Ihr, ihr seid Gottes Sünder und eßt von seinem Baum ... Pan Ein Weib spricht, im Traum eines Mannes: Die Himmel ausgebrannt: die große Glut; und Dämmer wogt: wie Rauch von rotem Brande; wogt und verwogt. Nun schwillt es heiß am Himmelsrande: von Sternen eine Silberflut; nun stehen Sterne über blauem Lande ... Nun möchten Glocken, wo Menschen wohnen, Glocken mit weichen weißen Tönen wie weiche weiße Sammetflügel die Menschen mit ihrem Gott versöhnen. Nun soll ein Gott die Müdigkeiten wie Boote über goldne Wasser zu Abendufern der Ruhe leiten. Weit über die Wasser Glocken vom Hügel; die Boote tragen goldne Fracht aus Tagestraum und Traumerwachen zu stillen Ufern stiller Nacht; und leises Lied aus jedem Nachen ... Fernher aus Träumen, mit Traum behangen, an allen Ufern von Traum empfangen, kommen die Menschen ans Land gegangen. Die Boote wiegen goldne Fracht aus Tagestraum und Traumerwachen an stillen Ufern stiller Nacht. – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – Ich hab mich einem Traum ergeben, wie eine Mutter ihrem jungen Leben. Auf dunklen Abendstämmen meine Hand, wie letzte Sonne aus dem roten Brand, von dem wie Rauch ein Dämmer wogt, verwogt ... Mir ist, als müßt in heißen Bäumen im Schattenlaub ein Gott verträumen, im Niederschauen mein begehren, mein in der Sterne Silberglanz, und über mich kam es wie Tanz: ich könnte meinem Gott nicht wehren. Und meine Hand riefe ihn nieder in Blumen und Sand, und eine Gotthand löste Reifen mir und Gewand: Pans kühle Hand ... Die blinde Hafnerin bei den Felsen Das Weib spricht, im Traum des Mannes: Dies Schweigen sagt mir, daß es Abend ist, und meine Harfe, die von selber tönt. Wie viele Lieder wußt ich unter Tag, wie viele Töne meiner Harfe. Jetzt will eins anheben, das am Tage schwieg, ein seltsam Lied, das keine Hörer mag, das zu sich selber redet: Ich ... bin ... blind. Blind für die vielen Wege mancher Fraun, wenns Abend ist. Ich find mich nicht zurecht, wo viele Wege gegen Abend träumen hin unter Bäumen, die voll Dunkel sind. Ich steh, und wage keinen Schritt zu tun, wenns Abend ist ... An solchen Abenden hungert der Tod nach meinem Fleische! Blut aus allen meinen Wunden, heiß! und meine Klagen gehn wie durch den Herbst, in rauhem Wind, wie mit verwöhnten Füßen hin über abgefallen, schwarz Geäst ... Und naht die Nacht, und sind die Fraun bei ihren Männern ... alle Not, die ich am Tage sang, flammt doppelt rot! Ich seh von Bäum und Bergen eine Welt und Wasser viel und Boote, die im Traum hingleiten; Wege, eng gesellt; und grelle Lichter über Heimlichkeiten. Da zwingt ein Mann ein Weib mit einem Fluch, da betet eines Mannes Brunst zur Hure, da reden Zweie wie ein Buch, dort heben sich vier Hände hoch zum Schwüre, da nahn sich zwei, von dumpfer Lust entstellt, verzerrt, und überbieten sich sinnlos an ererbter Kraft, dort rinnet eines Alten Saft gelb und vergelbt hin unter jungen Blüten ... da bin ich sehend! überhell strömts in mich, in mich, dreimal klar! dreimal verflammt mein dunkles Haar in eisigen, vereisten Winden! in meinem Leib verächzt die Glut! bin eine Seherin über Blinden! und wie dies weh, wie Sterben, tut, so weh – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – Spät lieg ich bei den großen Steinen wach wie bei Männern, ... o so rauh! Nun bin ich aller Steine Frau mit einem unerlösten Weinen ... Zeugung Ein Mann, im Traum, spricht: Wieder fesselt mich dein Bild, Mutter meines jungen Weibes, an der Frühfrucht deines Leibes blieb ich seltsam ungestillt. Komm, mit deinen Frauenhänden: kniend küßt du meinen Schoß, kniend löst du meiner Lenden unterbundne Wünsche los, du, mit deinen Frauenhänden. – – – – – – – – – – – – – – – – – – Leben, das aus Leben drängt, Säfte, Kräfte, ohne Ende: sieh, nun sind dir deine Hände lebenswundervoll besprengt. Leben, das das Leben sucht, heiße Blüten, weiße Brände: bald, bald tragen deine Hände Frucht ... Die Magd Der Herr spricht: Du bist ganz Magd, ganz Dienerin. Von Antlitz gemeißelt nicht so sehr wie Meine Herrin; und auch an Leib nicht allsosehr verfertigt von Künstlerhand, so Elfenbein und Silber und Mond. Dein Haar ist Dienerinnenhaar; wie Herbst und überreife Trauben sind die Brüste; dein Knie zu wohlig, und dein Schoß zu weh, zu fern das Lachen, gleichwie Tränen um Nichts näher ... Mich sticht seit sieben Tagen der Geruch von dir! von deinem Leibe und Gewand und Bett! wie einen Hund ein Feindsgeruch! ... Dein Atem hungert fühllos, und dein Blut verzeiht hilflos und tatlos, stumpf, wie tot, alles Getane, eh es noch getan ... – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – Liegts nicht wie Biblisch Land vor uns? Du solltest hoch auf dem hohen, widerwillgen, stolzen vom HERRN verschlossnen Schoße meiner Herrin Mir einen Sohn gebären – – – – Die Heiligsprechung der Hetäre Du fragst: ob je mich einer lind verführt? (Oh wie so oft, daß mich wer lind verführte! ...) Und fragst: ob je mich wer rauh angerührt? (Wie öfter noch, daß mich wer rauh anrührte! ...) Ich schwör es dir – bei was du auch verlangst: Nur meine Seele ist nicht frei von Makel und windet sich darob in Höllenangst – – – – jedoch mein Leib ist wie ein Tabernakel! Der Traum der Eifersüchtigen Um die zuckenden Lenden bin ich gegürtet – unsichtbar. Mein Nabel ist der Smaragd darin, und der Gürtel ist von dem gelben Haar meiner Rivalin, die – niemals war ... Kaspar Münichs Liebe zu Lola Schmitt Einmal schrieb Kaspar an Lola Dies brennende Mal in allen meinen Träumen, vom Tod selbst eingebrannt, aus Niedertracht! Dies brennende Mal in allen meinen Träumen: – – – – Noch wagte ich es nicht, danach zu fragen, ob dieser Schein, der umgeht, Hand zu Hand – – Noch wagte ich es nicht, danach zu fragen, ob dies Papier denn einzuwechseln wäre für just so viel als wie bar Geld, bar Geld – – ob dies Papier denn einzuwechseln wäre? Ich glaub' noch immer: 's ist ein übler Streich, dir angetan, aus jenen »Schieber«-Kreisen ... ich glaub' noch immer: 's ist ein übler Streich. Du kannst nicht sein wie die, die Frauen lieben! Dein Auge leugnet's, und dein Mund, dein Haar! Du kannst nicht sein wie die, die Frauen lieben, du wärst sonst nicht unendlich Weib geblieben! dein Aug' ist wahr! dein Mund ist wahr! dein Haar ... du wärst sonst nicht unendlich Weib geblieben! – – – – so: wie der Abglanz deiner nackten Füße, wenn sie am Abend (weißt du noch?) hinliefen, so: wie der Abglanz deiner nackten Füße dem nächsten Morgen erst ganz Glanz und Süße aufdrückte, da die Blumen noch alle schliefen ... dem nächsten Morgen erst ganz Glanz und Süße! und wie dein Haar den gelben Flimmer auslieh, daß sich der neue Tag fein schmücken konnte! oh, wie dein Haar den gelben Flimmer auslieh, daß sich die ganze, ganze Welt draus sonnte! – – – – – – – – Es ist nicht! Kann nicht sein! ich darf's nicht glauben! und ob ich hunderttausend Tränen wein' ... es ist nicht! Kann nicht sein! ich darf's nicht glauben! und meine Träume sollen mir nichts lügen – und sein sie millionenmal vom Tod – und meine Träume sollen mir nicht mehr lügen – dein Leib ist Brot, dein Leib ist heilig Brot, und deine Küsse sind wie Kypernwein, und – – also harr' ich, wurzelnd tief im Glauben, so wie Märtyrer einst zutiefst im Herrn ... Am Himmel meiner Seele steht ein Stern ...