135. Land abgepflügt. Mündlich. In Kerkow in der Altmark war einmal ein Bauer, der hatte seinem Nachbarn ein Stück seines Feldes abgepflügt und mußte dafür zur Strafe nach seinem Tode mit dem Pfluge umgehen und alles wieder anpflügen. Da sieht man ihn denn um Mittag mit seinem Pfluge, den vier Schimmel ziehen, gewaltig dahin arbeiten und mit jedem Umzuge, den er macht, wirft er nicht mehr als ein Sandkorn um. – Das sahen auch einmal ein Knecht und ein Junge mit Verwunderung an und jener fragte ihn, ob er denn auf diese Weise noch heut fertig zu werden gedächte; der Pflüger aber antwortete, daß er selbst daran zweifle, und fragte den Knecht, ob er ihm vielleicht helfen möchte. Der Knecht, der ein gutmüthiger Bursche war, erklärte sich bereit dazu und der erfreute Pflüger reichte ihm seine Hand, indem er rief: »nun, so schlag ein!« Da wehrte aber der Kleine jenem und sagte: »reich ihm deinen Stöcker!« Das that er auch und im Augenblick war die Stelle, welche die fünf Finger berührt hatten, kohlschwarz gebrannt, und Knecht und Junge liefen eilig davon, denn sie merkten nun wohl, mit wem sie es zu thun hatten. Der Pflüger aber zog mit seinen vier Schimmeln weiter und pflügt noch bis auf den heutigen Tag.