Klage um Elisa 1782. Tief im Grabe schläft Elise. Und der lindre Sonnenstrahl, Und das junge Grün der Wiese, Und der Schlag der Nachtigall, Wecken ihr nicht Lust noch Wonne. Ach! in ihrer kühlen Gruft Weht kein süßer Blüthenduft, Fruchtet keine goldne Sonne. Ach! Was frommt uns Frühlingsmilde, Und der Schöpfung junge Pracht? In dem hellen Lenzgefilde Wallen wir in Trauertracht, Danken nicht für deine Gabe, Lenz, für deine Freude dir! Denn Elisa ist nicht hier. Ach! Elisa schläft im Grabe. War sie nicht so fromm, so weise? War gefällig, mild' und gut! War auf ihrer Lebensreise Immer frei und froh von Muth! Ach! sie war uns Stolz und Freude! Ach! sie war uns Licht und Rath! Unverzagt in Edelthat! Tröstend und getrost im Leide. O wie manche Wonnestunden Haben wir mit ihr verscherzt! O wie manche herbe Wunden Haben wir mit ihr verscherzt! Ihre Liebe, ihre Treue Lindert' alles Herzeleid, Strahlte frohe Heiterkeit Ueber unsre kleine Reihe! Abends in der Geißblattlaube Saßen wir im Kühlgelüft, Kosteten die goldne Traube, Athmeten das Thaugedüft. Künftig sollst du, Laube, trauern, Denn Elisa ist nicht hier. Ach! Elisa kehrt zu dir Nimmer aus des Grabes Schauern. Künftig wird sie dich nicht pflegen, O, du duftig Blumrevier! Wartung, Wahrung, Pfleg' und Segen Nimmst du förder nicht von ihr. Helle Rosen, sanfte Nelken, Myrte, Raute, Rosmarin, Welket alle, welkt nur hin – Mußte doch Elisa welken! All' die Freuden vor'ger Jahre Flohn mit ihr die Gruft hinab; Starrten mit ihr auf der Bahre, Sanken mit ihr tief ins Grab! Von uns ist sie, von uns gangen, Unsre Traute, Freundliche, Achtet nicht auf unser Weh, Weiß nicht unser heiß Verlangen. Fließt ihr, fließt ihr, stille Thränen, Wenn der goldne Tag erwacht. Ruf' ihr, unser banges Sehnen, In verschwiegner Mitternacht! Hall' ihr, dumpfe Todesklage, Bis auch uns das Schicksal ruft, Und uns in Elisa's Gruft Bettet bis zum jüngsten Tage.