Der Tod des Adonis Sieben Wochen schon schreit Kypris, Denn Adonis starb, Der schönste der Menschen. Die Sterne weinen nachts Sternschnuppen, Und salzig von Tränen ist Das Gewässer der Flüsse. An den Quellen sitzen die Nymphen Und schluchzen, Und jammernd durch Feld und Hain Streifen Eroten. Ihr Klagegeschrei Ai ai ai Durchhallt die Schluchten und schreckt Den einsamen Wanderer. Unseligen Tod Starb der Geliebte. Denn als er wandelt Durch den Wald, Begegnet ihm ein wilder Eber, Der alsogleich entbrennt wider den Schönen In Liebe. Liebkosend er gegen ihn sprang. Aber so rauh war seine Zärtlichkeit, Dass mit den Hauern er Dem schönen Knaben Die Brust zerriss. Unbeerdigt lag er im Moose Unverwest. Kein Wurm ihn benagte Und keine Krähe ihn hackte. Der Mond hielt mit bleicher Fackel Die Totenwacht. Die Geister der untern Welt, Sie kamen Schleichend und schillernd Herauf Und sassen am weissen Strom seines Leibes Wie an den Ufern des heiligen Flusses. Und Charon nahm Am siebenten Tage Den leuchtenden Leichnam Auf seine Schulter wie ein totes Reh, Das der Jäger nach Hause trägt Zu den Seinen. Der Leichnam blinkte In den Grotten der Unterwelt Wie eine weisse Ampel. Von allen Seiten Die toten Seelen Wie nächtliche Falter zum Lichte flogen, Bis sie ihn deckten Bedeckten Und er Unter den schwarzen Flügelschlägen Erlosch.