An Sie 1. 1824. Herz! gedenkst du noch der Stelle, Wo einst unser Frühling war, Lustnaus üpp'ger Blütenbäume, Der verlassenen Kapelle, Jenes Himmels wunderklar? Ach! es waren kurze Träume, Schmerz der Trennung lange Jahr'! Herz vom Herzen weggerissen, Wandelnd in der Fremde bang, Ward dein Stern dein frommer Glaube, Meiner in den Finsternissen Meine Liebe, mein Gesang; So der Welt ward keins zum Raube, Bis ich gänzlich dich errang. Jetzt, was kaum ich sah in Träumen, Bildete sich wirklich aus! An dem Berg der Frauentreue Stehet unter grünen Bäumen Freundlich unser kleines Haus, Und geliebter Kinder dreie Hüpfen fröhlich ein und aus. Und dahin sind Schmerz und Sehnen, Die das Lied in mir erregt, Auch das scherzende, – entsprungen Ist auch dies nur stillen Tränen, Nur dem Gram, der mich bewegt. Herz! – und ich hab' ausgesungen, Weil du allen Schmerz gelegt. 2. 1847. O süße Täuschung! ja! den Friedensbogen Hast du wohl oft ums kampfesmüde Haupt, Wenn ich nicht mehr gehoffet und geglaubt, Ein Engel, mir mit milder Hand gezogen. Und wie man Öl gießt in die stürm'schen Wogen Des Meeres, daß sich lege ihre Wut, So gossest du mir oft ins stürm'sche Blut Ein Öl, das es zur Ruhe hat bewogen. Doch sieh! der Grundton meines Lebens ist Der Schmerz, den du mir scheinbar nur entrissen, Im Innern fort der Born des Schmerzes fließt, Wenn außen auch die Lippen lächeln müssen. Mein kleines Lied, das nur des Schmerzens Kind, Wird wie der Born des Schmerzens niemals stocken, Wird tönen fort, verhallend in die Glocken, Die euch Verkünd'ger meines Todes sind.