18 Es schneit und eist den ganzen Tag, Der Frost umfängt mich scharf und blank; Und wie ich mich gebärden mag – Nun liegt sie wirklich ernsthaft krank! Verödet ist das Paradies, Das sonst auf ihrem Angesicht; Nur zitternd blieb und ungewiß Der Augen mildes Sternenlicht. Nur wenn ich alle Tag einmal An ihrem Krankenlager bin, So fällt ein heitrer, klarer Strahl Auf meine feuchten Augen hin. Und wenn wir so beisammen sind, Dann lieb ich still sie anzuschaun Und träumend ob dem lieben Kind Den Frühling wieder aufzubaun! Noch ziert den Mund ein leichtes Rot Und immer eines Kusses wert – Sie läßt's geschehen, weil die Not Die Menschenkinder beten lehrt. »Ich lieb nicht deinen feinen Mund, Nur deine Seele ganz allein – Im Frühling wollen wir gesund Und beide wieder fröhlich sein!« Und wenn der Arzt kommt, lügen wir Ihn tröstlich voller Hoffnung an; Doch hab ich heimlich neben ihr Zu Gott manch heiß Gebet getan. Das ist der erste Kummer, so Mir schwer und ernst ins Leben bricht; Wie werd ich wieder leicht und froh, Wenn ihm der Lenz das Urteil spricht!