12 Die Sonne fährt durchs Morgentor Goldfunkelnd über den Bergen, Und, wie zwei Veilchen im frühen Mai, Zwei blaue Augen, klar und frei, Die lachen auf ihren Wegen Geöffnet ihr entgegen! Glück auf! mein Liebchen ist erwacht Mit purpurroten Wangen! Ihr Fenster glitzert im Morgenstrahl, Und alle Blumen in Garten und Tal Erwarten sie mit Sehnen, Die Äuglein voller Tränen. Es ist nichts Schöneres in der Welt Als diese grüne Erde: Wenn man darauf ein Schätzlein hat, Das still und innig, früh und spat Für einen lebt und blühet, Ein heimlich Feuerlein, glühet! Hallo, du schläfriger Jägersmann, Wie reibst du deine Augen! Ich hab die ganze Nacht durchschwärmt Und mich am Mondenschein gewärmt Und steige frisch und munter Von meinem Berg herunter! Mein Mädchen durch den Garten geht Und singt halblaute Weisen; Mich dünkt, ich kenne der Lieder Ton: Was gilt's, ich habe sie alle schon Heut nacht dort oben gesungen? Sie sind herübergeklungen!