Mailieder 1. Maienwind Mutwillige Mädchenwünsche Haben Flieder Niedergebogen, Blauen und weißen. Wie Tauben sind sie weitergeflogen, Mit Wangen, wilden und heißen. Hoch in warmen, schelmischen Händen Haschender Sonne Geschwungene Strahlen. Hellbehende Wonne Weißer Kleider Weht. Mutwillige Mädchenwünsche Haben sich Flieder Niedergebogen, Blauen und weißen, – Sind weitergezogen ... 2. Garten Sieh mal, Hold, da unser Garten Kann Liebseelchen nicht erwarten. Kuck', die wilden Blüten fliegen Dir ans Knie, Ans fein behende, Nehmen lächelnd, Leuchtend wie die Wolke oben, Dich bei Händen. Wollen dir im Haare liegen, Tief ins gold'ne Nest. Hasche sie! Halt' sie fest! 3. Selige Grüße Bläulicher Flieder. Ist das ein Grüßen! Wirbelnde Lieder Wehen herüber, – Stürben lieber. Seligsein – und das heißt büßen. 4. Glück Das ist dir gar ein glücklicher Mann, Der nicht mal mehr sich freuen kann, So glücklich ist er. So kommen jeden Morgen wir her, So kommen uns alle Tage daher. Lichtregen Leuchtende Tropfen: Leid, In das ein Lied Verklärend sieht. Baum In den Himmel greifen und wachsen, Erde ziehen und schwellend fühlen Treue Bitternis Saftatmenden Bodens. Samenzeit Samen warm in tiefer Luft. Zweier Odem durchschauernder Duft. Schweigendes Sagen, Seligsein, Feuchtleuchtende Sterne Schauen drein. Glückes Röte auf träumenden Wangen Über Nacht aufgegangen. Schlummernde Seelen die Traum führen, Tauige Welten in sich spüren Besamte.