An Grillparzer Es schien das goldne Buch geschlossen, Drin die erlauchten Namen stehn, Die als Unsterblichkeitsgenossen Hell durch der Zeiten Wandel gehn. ***Der letzte, der vom Gotte trunken Im wachen Tag ein Träumer stand, War in die Schattennacht versunken, Penthesileen wahlverwandt. Nun loschen aus die schönen Flammen, Die leuchteten der goldnen Zeit. Der Dichtung Hochwald schrumpft zusammen, Nur flacher Nachwuchs weit und breit. Zum Zerrbild schwand das Große, Kühne, Dem Sinnentaumel ward gefrönt, Und Friedrich Schillers stolze Bühne Schien wieder des Kothurns entwöhnt. Da stand in weiheloser Öde Einsam ein Nachgeborner auf, Ein gottbegnadeter Tragöde Begann den raschen Siegeslauf. Aus der Romantik Jugendwildnis, Wo er den ersten Kranz sich brach, Zog ihn der ernsten Muse Bildnis Auf vielverschlungnem Pfad sich nach. Sie führt' ihn, der ihr fromm vertraute, In alter Sagen Dämmernis, Ein kühner Dichterargonaute Zu retten dort ihr goldnes Vließ. Und als nach Haus die Segel schwellen, Umrauschen ihn auf sichrer Bahn Des Meeres und der Liebe Wellen, Und Sapphos Schatten schwebt heran. O frohe Fahrt, rings mit Trophäen Geschmückt des Schiffes hoher Bord! Wohl flog die Kunde von Medeen Durch alle Lande siegend fort; Doch ihm, der Heimat treustem Sohne, Schien kein Gewinn dem Ruhme gleich: Sein Geist gehöre jeder Zone, Sein Herz nur seinem Österreich. Da, auf des Lebens Sonnenwende, Stellt' er die mächt'gen Bilder hin Von jenes Böhmen Glück und Ende Und Habsburgs leuchtendem Beginn. Nie herzgewinnender und schlichter Ging auf ein fürstlich hoher Stern, Und freie Liebe macht den Dichter Zum treusten Diener seines Herrn. Das Werk des Künstlers ist sein eigen, Doch daß es wirke, braucht's der Zeit. Am lauten Markt hüllt sich in Schweigen Der Genius, den ein Gott geweiht. Anbrach mit stürmischen Gewalten Ein Völkerfrühling wild und schwül; Des Dichters sinnende Gestalten Sahn fremd herab auf das Gewühl. Da ließest du, erhabner Meister, Weltabgewandt den Griffel ruhn. Was dir vertrauten hehre Geister, Mißgönntest du dem Volke nun. Vergessen wähntest du, verschollen Die Tage deines Sonnenflugs, Da rings die Zahl der liebevollen, Der harrenden Gemeinde wuchs. O liebe noch dies Erdenleben Mit seinen Freuden, seiner Last! Noch hast du Herrliches zu geben, Vor dem der Jüngern Ruhm erblaßt. Rings sucht man trügliche Gewinste, Statt heil'ger Flammen Rauch und Dunst, Und im Gedränge kleiner Künste Verloren ging die große Kunst. Du aber lebst! Und liegt in Trümmern So viel des Alten, Stein an Stein – Nichts soll den Glauben uns verkümmern: Du bleibst der Unsre, wir sind dein! In deinem Werk ist uns gegeben Des Wiederfindens Unterpfand; Denn ihre großen Geister weben Der Völker unverbrüchlich Band.