Die sieben Werbelieder 1. Ihr Blümlein all' im Tale, Ja blüht nun mir zur Lust, Ich möcht' euch pflücken alle Für ihre weiße Brust. Ihr Blümlein hier wie ferne, Wie traurig müßt ihr blühn, Ich trüg' euch alle gerne Zu ihren Füßen hin. Du Sonn' am Himmel oben, Du scheinst so hell ins Tal, Du Mond bist hoch zu loben, Ihr Sternlein allzumal. Ich wollt', ich könnt' euch ziehen Zur Erd' herab, zu mir. Ihr solltet alle blühen Vor ihrer Hüttentür. Ich pflanzt' um ihre Hütte Viel bunte Blumen hin, So wohnt die Liebe mitten In meiner Liebe drin. Mit Blumen streu' ich immer Den Weg aus ihrem Haus, Sie geht im Morgenschimmer So lieblich dort heraus. Ihr Blumen all im Tale, Ihr Blumen, meine Lust, Ich will euch pflücken alle Für ihre weiße Brust. 2. Gärtner an Waldvögelein Du Vöglein, sei gegrüßet mir In meinen Blumenkronen! Du Vöglein bunt, ist dir wie mir So wohl in Blumen wohnen? Dann wirst aus meinem Garten hier Wohl nimmer wieder gehen, Du Vöglein traut, ist dir wie mir So übel schon geschehen? Hast sollen von Wald und Blumen fern Im goldnen Käfig leben? Wollten dir stolze Damen und Herrn Zucker für Freiheit geben? Hast du die Leutlein ausgelacht Mit ihren goldnen Spangen? Hast dich heimlich davongemacht, Läßt dich nicht wieder fangen? Hast du die schönste Rose gesehn Dort drüben bei der Linden? Du kannst durch alle Wälder spähn, Wirst keine schön're finden. Drum mach dir nur ein Nestchen fein In meinen Blumenkronen, Wir wollen wie die Engelein In schönen Blumen wohnen. In Blumen singen den ganzen Tag, In Blumen die Äuglein schließen. Fliegst aber über den Mühlenbach, Sollst du die Rose dort grüßen. 3. Nachtlied Bist du schlafen gangen, Hast genug gewacht? Hält dich Traum umfangen? Liebe, gute Nacht! Hält der Traum umfangen Dämmernd, still und sacht, Deine Rosenwangen? Süße, gute Nacht! Lächeln deine Wangen Mit der Rosen Pracht? Wie die Sternlein prangen! Holde, gute Nacht! Wenn der Sternlein Prangen Mir durch Tränen lacht, Weicht von mir das Bangen. Schwester, gute Nacht! Weicht von mir das Bangen, Hab ich ausgeklagt. Bist du schlafen gangen? Liebe, gute Nacht! 4. Wie mir im Auge Die Tränen stehn! Wie ist mir heute So weh geschehn. Vor ihrem Fenster Die Blumen mein Hat all zerschlagen Ein großer Stein. Ich sah ihn kommen Den Berg hinab Und knicken schnelle Die Blumen ab. Nun liegt er mitten Im Gärtchen dort, Sieht aus, als wollt' er Nicht wieder fort. Ich muß nun wieder Hin pflanzen gehn. Wie mir im Auge Die Tränen stehn. Was schlugst du nieder Die Freude mein, Die zarten Blumen, Du grober Stein! 5. Der Stein im Garten der Müllerin Guten Morgen, ihr Leute! ich grüß' euch schön, Ihr habt wohl lange keinen Stein gesehen? Sie machen große Augen und wundern sich sehr, Als wollten sie fragen, was will denn der? In Blumen will ich liegen, die Müllerin will ich sehn. Wenn ihr euch genug verwundert, könnt' ihr nach Hause gehn. 6. Am Bach Ich sitz' in meinen Blumen, Seh' still der Welle nach, Sie rinnt, sie rauscht so schnelle, Nimmt hin mein leises Ach. Du Welle, liebe Welle In Liebchens Mühlenbach! Ich sitz in meinen Blumen, Seh nach dem Häuschen hin; Dort pflanzt' ich Blumen viele, Da wohnt mein Lieb ja drin. Wohl schau ich nach der Mühle, Wohl schau ich immer hin. Und meine schönsten Blumen, Die trag' ich zu ihr hin, Daß sie mit Duft und Schimmer Die Holde stets umblühn. Ich will mit Blumen immer Ihr liebes Haus umziehn. Ich möchte ganz sie bergen In Blumen, süß und schön! Warum, ihr lieben Blumen, Will ich euch leis' gestehn: Daß alle Junker und Jäger Und Müller sie nicht sehn. 7. Mairausch Maiengrün! Maiengrün! Ringsum bunte Blümlein blühn, Und die muntern Vöglein singen, Und im Wasser Fischlein springen. Maiengrün! süßes Grün! Hirt und Schäflein fröhlich ziehn. Grüne Welt! grüne Welt! Herrlich blaues Himmelszelt! Und die weißen Blütenbäume Und die Knospen all' und Keime, O, wie lustig Wald und Feld. Grüne Welt! Sommerzelt! Maienau! Maienau! Morgenrot und Abendtau! Und der Bächlein leises Rinnen Und die Lotosblätter drinnen Und ringsum die Blümlein blau. Maienau! grüne Au! Maienpracht! Maienpracht! Alles rauscht und blüht und lacht. Böser Schnee ist hingeschwunden, Wird kein Spürlein mehr gefunden, Wird an Eis nicht mehr gedacht. Maienpracht! grüne Pracht! Sonnenschein! Sonnenschein! Möcht' ein Liebchen heißen mein. Wollt' ihm alle Blumen pflücken, Wollt's mit grünen Kränzen schmücken. Scheint mir recht ins Herz hinein Sonnenschein! Liebesschein! Maiengrün! süßes Grün! Will in grüne Wälder ziehn, Will durch lichte Fluren springen Und mit tausend Zungen singen, Bis ich alles wachgeschrien: Maiengrün! Maiengrün! Die sieben Klagelieder 1. Nun ist der stille Herbst gekommen, Wie grüßt er mich so hold, so weh. Er hat die Blumen hingenommen, Ihr lieben Blumen, ade! Die Vöglein all sind weggezogen, Sie ahnen schon den kalten Schnee; Sie sind zur Heimat hingeflogen, Ihr holden Sänger, ade! Die Sonn' ist auch schon hingegangen, Wie ich so einsam hier noch steh'. Dahin ist Lust und Sommerprangen, Du milde Sonne, ade! Ich will euch gerne scheiden sehen, Willkommen Sterben, selig Weh! Bald werd' auch ich zur Heimat gehen, Dann kalte Erde, ade! 2. Grablied Ich hab' ein Hüttchen dir gebaut, So lind (?) und grün und kühl, Da wohnst du so allein und traut, Da ist es dämmernd still. Komm, weiße Rose, geh hinein, Das Hüttchen ist bereit, Ich habe blanke Perlen drein Und Blumen genug gestreut. Ich hab' ein Bettchen dir gemacht, So tief im grünen Gras, Da träumst du süß, da schläfst du sacht, Ist's auch von Tränen naß. Ich schmücke dir dein Kämmerlein Mit Blumen und mit Klee, Komm', stille Braut, komm', geh' hinein, Da ist kein Schmerz, kein Weh. Bald werden bleiche Blumen hier Rings um dein Häuslein blühn; Ich muß vor deiner Kammertür Noch wenig Stunden knien. Und bis das letzte Blümlein schwand, Will ich geduldig sein; Dann reichst du mir die weiße Hand, Dann ziehst du mich hinein. 3. Der Morgenwind Wacht auf, wacht auf, ihr Fluren! Laßt Träumen sein! Dahin ist Nacht und Sorgen, Schaut an den roten Morgen So hell und frisch und rein! Ich lag in Blumen so tief, so tief, Bis mich der klare Morgen Mit seinem Schimmer rief. Habt Dank, ihr süßen Blumen! Wie hold ich schlief. Nun schwing' ich meine Flügel Und zieh' durch fremde Fluren, Wer hemmte meinen Lauf? Flattr' um ferne Hügel, Gehe, wehe, Ihr Blumen auf den Fluren, Wacht auf! Wacht auf! Nun ist in blauen Lüften Der Morgenwind erwacht! Du hast mit süßen Düften Die ganze Nacht geklagt. Nun stehst im dunklen Kleide So ferne du und stumm, Und neigst dich tief im Leide Und siehst dich gar nicht um. »Laßt mich in meinem Leide Nur stille hier verblühn. Es gibt doch keine Freude, Seitdem die Rose hin.« Ja, seit die Ros' erblichen, Kann sich kein Gräslein freun. Da ist der Lenz gewichen Aus diesem ganzen Hain. Du Wurm, der sie zerstochen, O falscher, böser Wurm. Du Sturm, der sie gebrochen, O wilder, grauser Sturm! Ich tat mich so betrüben, Ein golden Pünktlein kaum Ist mir noch übrig blieben An meiner Blätter Saum. Wir mögen nicht mehr prangen Mit Farben rot und blau, Wie fällt auf unsre Wangen Doch nachts so warmer Tau! Der Tau, der brennt und glühet Ach Schwestern, wie so heiß! Und was sonst farbig glühet, Das wäscht er bleich und weiß. Ja, Schwester, Tau sind Tränen, Sind sie auch oftmals heiß. Ja, namenlos ist Sehnen, Drum bin ich bleich und weiß. Sonst stand ich blau am Quelle Und sprach: vergiß mein nicht, Hier glüh' ich weiß und helle Und sage: weine nicht. Wir weißen Rosen blühen Recht wie in Lieb' und Lust, Wir weißen Rosen blühen Herauf aus ihrer Brust. Sie ist ja nun geschieden Von Leid und Erdenschmerz, Wir Rosen heißen Frieden, Ach, nimm uns an dein Herz. Ach, hier auf dieser Erde Ist gar nichts zart und rein, Und Kummer und Beschwerde Engt jeden Busen ein. Laß sein! was hier verglühet, Das wird dort reiner glühn. Laß sein! was hier verblühet, Das wird dort ewig blühn. Dort, wo die Sel'gen wohnen, Führt einst der Tod dich hin; O Herz, dort gibt es Kronen Für treuen Duldersinn. Wir lächeln all durch Tränen, Die Blättlein sind so naß. Uns pflanzte heißes Sehnen, Drum sind wir welk und blaß. 4. Blumenlied Will keine Kronen; In Blumen wohnen, In Blumen schlummern, o süße Lust! Und Kränze winden Und Sträußlein binden Und Blüten pflücken für ihre Brust. Den Blumen sagen All leise Klagen, Mit Blumen weinen, o selig Leid! Die Blümlein preisen Mit frohen Weisen, Der Blümlein warten, o Freudigkeit! Durch Blumen wallen, Wie Nachtigallen In Blumen singen, wie süß, wie süß! In Blumen gehe Mit deinem Wehe, Sieh' an die Blumen, es weicht gewiß! Und wenn sie welken, Die duft'gen Nelken, Die Lilien weiß, die Röslein rot, Dann will ich schweigen, Mich stille neigen, Mit Blumen sterben, o süßer Tod! 5. Wehmut Hoch in der Linde drüben Ein Vöglein wohnte lang; Ich tat es herzlich lieben, Gern lauschen seinem Sang. Wo ist mein Sänger blieben? Ach, schweigt ja schon so lang. Er sang von Lenz und Lieben – Drüben Ist alles stumm und bang. Die Linde seh' ich stehen So traurig dunkelgrün, Die Blumen all vergehen Und wollen nicht mehr blühn. Ich hab' ihn oft gesehen, Nun ist er hin, ist hin – Die Winde schaurig wehen, Gehen Und seufzen all um ihn. 6. Meine Tränen fließen Auf den Hügel hin. Lichte Blumen sprießen, Klee und Rasen grün. Weh, o weh, in Blumen Lag die Liebste tot! Weh, o weh, die Blumen Waren blutigrot! O, wer hilft mir klagen Meinen bittren Schmerz? O, wer hilft mir tragen Mein verwundet Herz? Meine Klagen hallen Um den Hügel klein, Und die Nachtigallen Stimmen leise ein. Für dein heitres Lieben Armes, stilles Herz, Ist dir nichts geblieben Als der tiefe Schmerz. 7. Wie magst du also fragen, Du fremder Wandersmann! Du laß' dein ängstlich Fragen Und sieh uns Rosen an. Wir weißen Rosen scheinen Von einem Hügel klein, Da legten sie mit Weinen Ein Mägdlein einst hinein. Das schlief auf Maienglocken So still und weiß und fein, Das schmückten helle Locken Fast wie ein Himmelsschein. Wir weißen Rosen blühen Recht wie in sel'ger Lust, Wir weißen Rosen blühen, Herauf aus ihrer Brust. Du laß' dein trübes Bangen Und sieh zum Himmel auf, Sie ist nur heimgegangen, Und du gehst auch hinauf. Wir weißen Rosen stehen So still und milde hier, Wir duften gern und wehen Recht linde Träume dir. Einige Entwürfe 1. Wie rinnt sie, die Welle, Im Grünen so helle, Die blauen Vergißmeinnicht schauen hinein. Drin leben und weben Die Fischlein, sie schweben Und spielen im freundlichen Sonnenschein. Ihr Blumen, ihr lieben, Was schaut ihr nach drüben, Als wäre die Sonne dort immer zu sehn? Die Winde, geschwinde, Sie spielen hier linde, Hier scheint ja die Sonne ebenso schön. 2. Nachtlied Die Blumen sind schlafen gegangen, Am Himmel viel Blumen noch prangen, Die winken und blinken von ferne. Ich seufze mit stillem Verlangen, Ach ja, dort wär' ich wohl gern. 3. Einst saß ich drüben an dem Bach Und sah den kleinen Wellen nach. Da sang ich einen frohen Sang, Wie's damals mir im Sinn noch klang. Ich sang, könnt' ich die Liebe mein Doch ganz in Blumen bergen ein. Nun armes Kind, ach nun ist gar Dein seltsam kindisch Träumen wahr. Schlaf sanft in deiner Laube nun, Wie gerne möcht' ich bei dir ruhn! Naturlieder [Arm Vöglein ist gefangen] Arm Vöglein ist gefangen, Sein Häuslein ist eng und klein, Die Freuden sind alle vergangen, Du armes, buntes lieb's Vögelein. Ach, wär' nur mein Kerkerlein weiter, Ach, nur ein Spannelein breit, Dann könnt' ich mein Beinchen doch rühren, Wenn einmal die Sonne scheint. Ach, bitt' euch, wenn nun ist gekommen Der bitterlich eiskalte Tod, Zerbrecht mir mein Kerkerlein eilig, Dann fliegt doch mein Seelchen zu Gott. Es soll ihm gewißlich nichts sagen Von wegen dem Kerkerlein; Ich will euch herunter auch schmeißen Rot Äppel und Blümelein fein. [Freundlich ging er mir zur Seite] Freundlich ging er mir zur Seite Über Auen, licht und grün, Seine weißen Hündlein beide Hüpften lustig um uns hin. Hell vom Ufer winkte drüben Gar ein zarter, blauer Stern. Und ich stand und sagte leise: »Ach, das Blümlein hätt ich gern!« Und kaum sagt ich's, war behende Auch der Jäger drüben schon, Und ich wußte nicht zu wählen, Sollt' ich bitten oder drohn. Fröhlich bracht er's mir getragen, War so schön im Abendlicht. Freundlich fragt ich, wie es hieße, Und er sprach: Vergißmeinnicht! [Es schweiget in Lauben und Wäldern] Es schweiget in Lauben und Wäldern, Verstummt ist der Nachtigall Lied. Längst sind dir auf Wiesen und Feldern Die lieblichen Blumen verblüht. Die freundlichen Lämmlein, sie grasen Schon längst auf den Fluren nicht mehr. Bereift und verdorrt ist der Rasen, Dein Garten so öde und leer. Doch blüht dir in seligem Schimmer Ein Garten in liebender Brust. Dem nahte der Winter sich nimmer, Der lächelt in ewiger Lust. Es gab ihm der Glaube die Weihe, Es hat ihn die Hoffnung gepflegt, Es haben ihn Liebe und Treue Und heilige Demut gehegt. Auch ward dir das Leben ein Garten, Drin liebliche Blumen dir blühn. Die Englein dir pflegen und warten, Zum herrlichsten Kranz sie zu ziehn. Drum laß uns mit fröhlichen Weisen Den himmlischen Gärtner heut, Den gütigen Vater uns preisen, Der dir durch es Blumen verleiht. [Iris heißt die zarte Blume] Iris heißt die zarte Blume, Die der Erde still erblüht, Doch mit ihren blauen Augen Nur zum Blau des Himmels sieht. Deinen Lebenspfad zu schmücken Hier im dunklen Schattenland, Hat der gute Gärtner milde Mich zu dir herabgesandt. [Ulmenbäumchen, jung und zart] Ulmenbäumchen , jung und zart, Ist gewiß von guter Art. Drum tut sein in deinem Garten Auch der Gärtner warten. Ulmenbäumchen wird zum Baum Hier in deines Gartens Raum, Und dann will es vor den Stürmen Rauher Zeit dich schirmen. [Lupin' ist ein wunderlich Blümchen] Lupin' ist ein wunderlich Blümchen, Es lächelt ins Leben hinein, Und denkt nicht an morgen und gestern, Gibt heut ihm die Sonne nur Schein. Daß still hier im Tale des Lebens An ihm auch dein Herz sich erfreut, Hat freundlich der ewige Gärtner Es dir in das Leben gestreut. [Anemonchen, zart und fein] Anemonchen , zart und fein, Will sich auch des Lebens freun, Will mit seinem weißen Glanz Schmücken deinen Lebenskranz. Anemonchen, schön und fein, Sieht so frisch und freundlich drein, Guckt so klug aus zartem Gras, Fragt so gern um dies und das, Dir zur Lust will's freundlich blühn, Dir vergelten deine Mühn. [Immergrün, das zarte Pflänzchen] Immergrün , das zarte Pflänzchen, Sprießt dir auch im Erdental, Fürchtet nicht des Winters Strenge, Nicht der Sonne heißen Strahl. Immer grün und freundlich immer Blüht es dir auf lichter Au, Hängt ihm auch am blauen Auge Manchmal noch ein Tröpfchen Tau. An Karoline H Ich hab ein Sträußlein funden, Du liebe Gärtnerin, Das hast du frisch gebunden Mit zartem Blumen-Sinn. Die Blümlein lieblich prangen Im hellen Tränentau, Und blicken mit Verlangen Hinauf zum Himmelsblau. Es haben milde Lüfte Von deinem Blumenbeet Die wundersüßen Düfte Zu mir herabgeweht. In deinem Garten glühen Die Rosen hell im Schein; Auf meinen Fluren blühen Nur kleine Blümelein. Auch meine Blümlein stehen Im hellen Tränentau Und öffnen sich und sehen Hinauf zum Himmelblau. Wollst deine Anemonen, Der Rosen holden Schein, Violen, Kaiserkronen Zum vollen Kranze reih'n. Und auch von meinen Blüten Ein zartes Denkemein Der trauten Schwester bieten In deines Kranzes Reih'n. An Emilie Wohl öd und trüb ist unser Leben, Das böse Stürme oft durchwehn, Drum laß uns doch die Hände geben Und friedlich uns mitsammen gehn. Und ist's des lieben Vaters Wille, Daß wir noch dulden lang und viel, So warten wir in frommer Stille, Wir kennen ja das lichte Ziel. Freundschaftslieder An Emilien (Den 27. September 1814.) Deine Liebe, du Traute! Hat oft so freundlichen Trost mir geweiht, Stimmt noch so froh meine Laute, Wenn auch der Nord meine Blüten zerstreut. War ja mein Leben so öde, Ach, und so düster und trübe mein Sinn, Wallte so scheu und so blöde Meinen so einsamen Lebenspfad hin. Trug ein so inniges Sehnen, (Das mich zu dir nun, du Herrliche! zieht), Weinte oft schmerzliche Tränen, Daß Gott kein liebendes Herz mir beschied. Aber da nahtest du, Liebe! Dich der Verlassenen so freundlich und mild, Nicht mehr schien alles mir trübe, Sanft war mein Sehnen und Harren gestillt. Und es verstummte die Klage, Die – ach – so tief aus dem Herzen sich rang, Nimm denn am festlichen Tage, Der dich einst gab, meinen innigsten Dank. – Walle entfernt jeder Plage Still durch dein Leben mit fröhlichem Mut, Lieb, und verzeih mir die Frage: »Bleibst du wohl immer so herzlich mir gut??« Widerhall Wie ist es hier so schön und lind, So herbstlich bunt und kühl! Hier spielt ich einst, ein zartes Kind, Manch liebes, süßes Spiel. Da war ich harmlos noch und froh – oh! Hier war ein Garten, bunt und fein, Hier pflegt' ich Röslein rot, Ach, sind denn all die Rosen mein Verwelkt und bleich und tot? Ja, sag es mir nun, lieber Widerhall – all! Ja, meine Blumenlust ist hin, Mein Garten öd und leer: Sie mußten all mit ihm verblühn, Ist gar kein Blümlein mehr. O sag, was mir hienieden blieben? – lieben! Ach, wenn ich nicht den Lieben seh', Ist Liebe doch nur Leid. Mein Herz vergeht im Sehnsuchtweh, Stirbt hin in Traurigkeit. O weh! – Was hüll' ich um dies wunde Herz? – Erz! Und liegt es schwer wie kalter Stahl Um meine warme Brust, Und nimmt es nimmer Schmerz und Qual Und nimmer Freud und Lust, Wen kann ich dann an meinen Busen ziehn? – Ihn! O du mein stolzer, milder Held, Mein Stern und Licht warst du! Nun find ich auf der ganzen Welt Doch nimmer Trost und Ruh. Wohin nun wend' ich meine Sinnen? – Innen! Wird nun Liebe Leben mein Im innersten Gemüt, Und wird Musik mein tiefstes Sein, Mein Leid ein stilles Lied, Greift nicht die Welt in meine Harmonie? – Nie! Mein treues Lieben laß ich nicht, Mein Leid, mein liebes Weh, Und wenn mein Herz in Tränen bricht, Und einsam ich vergeh. – Oft ist mir noch, als würd' er wieder wach – Ach! An Mariechen Sieh, der Lenz im Sonnenglanze Hat die Bäume dir belaubt, Blümchen gibt er dir zum Kranze Für dein lockig Kinderhaupt. Sieh! Welch fröhliches Getümmel Auf der lieben, grünen Au! Sieh den milden Frühlingshimmel, Hell wie deiner Augen Blau! O, wie traut die Vöglein scherzen, O, wie weiß die Blümchen stehn, Doch – in deinem kleinen Herzen Blüht der Mai noch eins so schön. [Was ist von deinem Lieben] Was ist von deinem Lieben, Von Lust und heitrem Schmerz, Was ist dir noch geblieben, Sag an, mein armes Herz? Ach, für mein selig Lieben, Für Freud' und süßen Schmerz, Ist mir nichts übrig blieben Als Leid und bittrer Schmerz. Was blieb für deine Treue, Was blieb vom schönen Wahn, Ob sie dich auch gereue, Du armes Herz, sag an? Für meine stille Treue, Für meinen süßen Wahn Blieb mir die bittre Reue: Wollt' einen Schatten fahn. So willst du alles lassen, Willst fühllos sein wie Stein, Da mußt du fliehn, mußt hassen, Und mußt kein Herz mehr sein. Ach, nimmer kann ich lassen Den Schmerz, die liebe Pein, Ich kann nicht fliehn, nicht hassen, Will mich an Tränen freun. [Ach weh, sie hat ihr Herz gewandt!] Ach weh, sie hat ihr Herz gewandt! Ach weh! mein armes Herz. Ade! ich such ein fernes Land, Ein Grab für meinen Schmerz. Ach Gott, wie hab ich sie geliebt, Die jetzt so schwer mich kränkt, Und hab' ihr, die den Tod mir gibt, Mein Leben ganz geschenkt. Dient' ich dir nicht drei Jahre schon? Ach schienst du mir nicht hold? Nun wird mir Hohn und Spott zum Lohn, O weh, ein schlimmer Sold. Nun hab ich mir vor Leid und Weh Die Augen blind geweint. Ade, du falsches Herz, ade! Ich hab es treu gemeint. [Zu deinem Feste] Zu deinem Feste Nimm hin das Beste: Schneeglöckchen luftig Und Veilchen duftig, Doch eine Zwiebel Ist auch nicht übel. Schneeglock' und Veilchen Blüh'n nur ein Weilchen, Sind bald vergessen, Kannst sie nicht essen, Aber dem Bollen Wirst du nicht grollen. Gib uns in Gnaden Dem Koch zum Braten, Wir rufen alle, Mit frohem Schalle, Aus einem Munde: Hoch Cunigunde! [An Fräulein Emilie Piaste] An Fräulein Emilie Piaste, Die ich ach so gerne heut umfaßte, Damit sie den wichtigen Brief auch bald hätte, Schick ich ihn durch eine Pantoffel-Stafette. Den Fingerhut ich schicke dir, Das hübsche Liedchen auch allhier, Und auch erfolgt ein Gruß von mir. Gib Kind, Antonen diesen Kamm. – Wenn deine Hand dies Briefchen nahm, Sitz' ich an meinem Nähe-Rahm. Und sticke auf den weißen Grund Viel lustige Blümchen hübsch und bunt Und denke dein zu jeder Stund. Gern stickt' ich zarte Rosen mir, Dann hätt' ich deine Wangen hier Und sehnte mich nicht so nach dir. Doch weil Mamsell la Garde gebot, So stick' ich nach der neusten Mod' Des garstigen Klatschmohns dunkles Rot. Das ist zu meinem größten Leid, Zu meiner tiefsten Bänglichkeit, Kein Bild von dir, du ros'ge Maid! Nun greif ich bald mit frohem Sinn, Um deinen Wuchs mir zu erziehn, Nach meiner Stengel sanftem Grün. Doch alles will mich heut verwirr'n, Nur dicke Knubel schafft mein Zwirn, Kein Bild von dir, du schlanke Dirn. Nun stellt' ich deiner Augen Blau So gern der kranken Brust zur Schau Und finde – rötlich blasses Grau. Und was auch meine Sehnsucht klagt, Und was auch meine Liebe wagt, Kein Bild von dir, blauäug'ge Magd! Nun sag mir eins noch ganz gewiß: Hast Hoffnung du zu dem Servis? Sag mir, o trautes Mägdlein dies. N.S. Grüß mir die muntre Schwester fein, Auch Doris soll gegrüßet sein. – Laß brennen gleich dies Briefelein. [Nanettens Onkel kam zurück] Nanettens Onkel kam zurück Von einer langen Reise. Johann empfängt ihn, wünscht ihm Glück Und spaßt nach seiner Weise. Allein, Herr Hastig unterbricht Ihn schnell mit zwanzig Fragen Und hört mit Wohlbehagen, Sein Nichtchen hab' ein Angesicht So schön, daß auch der Neider nicht Zu tadeln könnte wagen. Eins, spricht Herr Hastig, wenn Ihr's wißt, Möcht' ich noch gerne hören: Weiß Nettchen schon, wie schön sie ist? Das kann ich als ein guter Christ, Versetzt Johann, beschwören. Zum Henker! konnte denn mein Weib Ihr keinen bessern Zeitvertreib, Als den von schmeichlerischen Laffen, Die immer Weihrauch streu'n, verschaffen? Gefehlt, Herr Hastig, spricht Johann, Madame wies jeden aus dem Hause, Der zu des Mädchens Ohrenschmause Das kleinste Schmeichel(wort?) begann. Nur einer richtet Unheil an, Doch der ist einmal in dem Hause. Madame, das sag ich ungelogen, Ist selber ihm gar sehr gewogen Und läßt es ungestraft geschehn, Daß es dem eitlen Nichtchen schmeichelt, Wenn diese mit ihm kost und äugelt Und ihn um jedes Band befrägt, Das sie an Kopf und Busen trägt. Herr Hastig zieht die St ... Aus seinen Augen ... So eil und wirf den Schurken gleich Hinunter in den Gartenteich. Er hebt den Stock, um auszuholen. Erschreckt und flüchtig eilt Johann Die schmale Wendeltrepp' hinan Und tut, was ihm sein Herr befohlen. Nanette hat indes vernommen, Der Oheim sei zurückgekommen, Zum Freunde will sie nur erst eilen, Ihm ihre Freude mitzuteilen Und findet – ach, die Stätte leer. Ihr Freund, ihr Liebling ist nicht mehr. Sie weint, sie klagt und hört beklommen, Wohin ihr treuer Freund gekommen, Sie eilt hinab mit tiefen Wehn, Dem Lieben trauernd nachzusehn. Will dicht sie ... Und lacht des Oheims strenger Wut. Denn schmeichelnd hält die klare Flut Ihr einen andren Freund entgegen. Gelegenheitslieder Am Näherahm, für Wilhelm In früher Morgenstunde Web' ich mit stillem Sinn Auf rosig zartem Grunde Manch frisches Blättlein hin. Ich webe still und wende Den Blick nicht von der Hand; Denn Mägdleins fleiß'ge Hände, Die wirken Liebespfand. Und die betrübten Augen, Die tauen Zähren drauf, Die zarten Fäden saugen Nicht all die Perlen auf. Nun ist' recht anzusehen, Als ob im Morgenschein Die Taueströpflein stehen Auf grünen Blättern fein. An Mama Du willst die stillen Lieder haben, Die einst ein kindlich Herz erfand – O Mutter! nimm die arme Gabe, Den welken Strauß aus meiner Hand. Die Weisen, die ich je gesungen, Mit ihrem Schmerz und ihrer Lust, Sind tief aus meiner Brust gedrungen Und legen sich an deine Brust. Dahin auch zieht ein innig Sehnen Die Seele, die dich dankend liebt. Nimm meine Grüße, Wünsche, Tränen, Nimm, was mein Herz so gern dir gibt. [Perlen, Tränen ungezählet] Perlen, Tränen ungezählet Sind auf grünes Moos geflossen, Seit das Herz, das du erwählet, Hält ein Hügel eng umschlossen. Rein're Tränen, sel'ge Tränen Werden einst dem Aug entfließen, Wenn gestillt ist unser Sehnen, Wenn wir sie dort oben grüßen. Den 13. Juni 1831 Sei uns gegrüßt, o schöne Morgenröte! Es schlägt dir unser Herz voll Fröhlichkeit. – Erhör', o Gott! die heiligen Gebete, Die unsre Seele dir voll Inbrunst weiht. Wir flehen heut für unsrer Mutter Glück; O stoß die frommen Wünsche nicht zurück! Wir danken dir; du gabst ihr neues Leben Und wandtest ab der herben Krankheit Schmerz. Nun soll dich freudig unser Lied erheben, Dir dankend schlagen unser frohes Herz. Dir, guter Vater! schalle unser Sang, Dir jauchze unsre ganze Seele Dank. – Willkommen uns, o du, der Mütter beste! An diesem frohen, freudevollen Tag! Sei uns gegrüßt an deinem schönen Feste! Dir schlägt heut jubelnd unser Herzensschlag. O Mutter! lies in deiner Töchter Blick Die wärmsten Wünsche für dein Lebensglück. Es lächle dir das Leben schön und helle, Die Zukunft sei dir wonnevoll und licht. Nie fließe dir des Kummers Tränenquelle Von deinem frommen Mutterangesicht. Gott gebe dir der reinsten Freuden viel Und führe sanft dich zu des Lebens Ziel! Wir können dir nicht reiche Gaben spenden, Nur diesen Blumenteppich, diesen Kranz, Gewirket von der Liebe treuen Händen Und schimmernd in der Farben buntem Glanz. Nimm hin die kleine Gabe, dir geweiht, Und sieh auf deiner Töchter Dankbarkeit. O! bleib uns auch in fernen Lebenstagen Noch Mutter, wie du's uns gewesen bist – Stets soll dir unsre Brust voll Liebe schlagen, Bis einst das Grab auch unser Herz umschließt. O dann, dann ruf' uns Gott zu ew'gem Glück, Und keine suche dann umsonst dein Blick. Dem lieben Vater zum neuen Jahr 1825 O Vater! nimm voll Liebe Heut meine Wünsche hin: Nie sei dein Leben trübe, Zufrieden stets dein Sinn. Du führtest mich zur Tugend, O Vater! Dank sei dir. Du warntest meine Jugend, Gabst fromme Lehren mir. Daß Gott voll Vatertriebe Uns führt an milder Hand, Daß all sein Tun nur Liebe, Ward mir durch dich bekannt. Nun soll mich nicht betören Der Eitelkeiten Lust, Treu will ich deine Lehren Bewahren in der Brust. Und gläubig will ich schauen Mit Zuversicht zu Gott, Und immer ihm vertrauen Im Leben und im Tod. Und dir dank' ich die Freude, Die hohe Seligkeit, Die nach dem Erdenleide Dort ewig mich erfreut. [Schwestern, laßt uns freudig singen] Schwestern, laßt uns freudig singen: Holder Festtag, sei gegrüßt! Laßt uns heute Kränze schlingen, Jedes Blümchen, das da sprießt. Chor: Heute wollen wir uns freuen, Ihr jubelnd Blumen streuen Und singen lala lala, Es lebe Antonia. Möge Gott, der Herr, dich segnen, Morgens früh und abends spät, Möge Freude dir begegnen, Wo dein Fuß auf Erden geht. Und wir wollen uns bestreben, Dich durch Tugend zu erfreun, Ganz dir unsre Herzen geben, Deine guten Kinder sein! Nimm auch unsre kleinen Gaben, Die wir heut' so freudig weihn; Denn das Beste, was wir haben, Unser Herz, ist längst schon dein. [Ob dich Gott auch rief ins Leben] Ob dich Gott auch rief ins Leben, Als die Rosen längst verblüht, Will der Herbst doch Zeugnis geben, Daß in dir, geliebtes Leben! Herbst und Lenz vereinigt blüht. [Es schlägt dir unser Herz so froh entgegen] Es schlägt dir unser Herz so froh entgegen, Ehrwürdiger Hirt! sei uns willkommen hier. Du kommst, zu spenden uns des Himmels Segen, Und freudig blicken wir hinauf zu dir. O, könnten dir es unsre Lippen sagen, Wie gern wir dich in unserm Kreise sehn, Wie kindlich treu dir unsre Herzen schlagen Und Gottes Segen deinem Tun erflehn. [Wie brächt ich dir so gern, so gern] Wie brächt ich dir so gern, so gern Die reichsten Gaben hin. Doch ward mir nicht vom guten Herrn Des Guten viel verliehn. Doch wohl ward mir von Gott, dem Herrn, Ein großes Gut verliehn: Wie gab sich längst so ganz, so gern Dies eine Gut dir hin. Es ist ein Herz, das kindlich schlägt Und deinen Wert erkennt, Das tief in sich geborgen trägt, Was keine Sprache nennt. Nimm, Mutter! hier dies treue Herz, Das freudig zu dir eilt, Das deine Freuden, deinen Schmerz In tiefster Seele teilt. O könnt' ich deinem Pilgergang Der Freuden viel erflehn, Wie würde ich froh mit lautem Dank Hinauf zum Vater sehn. Abendgruß Hör' auch du der Kinder Singen, Gute Mutter, mild und wahr, Deiner Töchter Herzen bringen Heut dir ihre Wünsche dar. Habe Dank für alle Treue, Die an uns du fromm geübt, Liebe Mutter, und verzeihe, Wenn wir einmal dich betrübt. Sieh, wir wollen uns bestreben, Deinen Lehren treu zu sein Und den Weg durchs Erdenleben Dir mit Blumen zu bestreun. Laß uns deine Stirn' umwinden Mit dem Kranz von Immergrün, Blumen konnten wir nicht finden, Ach! sie mußten längst verblühn. Aber Gottes Frieden kröne Deine Stirn mit Heiterkeit, Unsre Liebe auch verschöne Dir des Lebens herben Streit. [Da hast du freundlich mich gerufen] Da hast du freundlich mich gerufen Und hast dich liebend mein erbarmt, Und hast mich an des Altars Stufen So treu und mütterlich umarmt. Du hast mir Speis und Trank gegeben Und willst sie ferner mir verleihn, Und willst mir für mein ganzes Leben Die treuste, beste Mutter sein. Dafür wird dich ein Engel rufen Nach leicht durchkämpftem Todesschmerz; Und an des Himmelthrones Stufen Drückt Jesu Mutter dich ans Herz. [Es fliegt mit struppigem Gefieder] Es fliegt mit struppigem Gefieder Ein armer Vogel in die Luft. Der arme Vogel singt nicht Lieder Und freut sich nicht am Blumenduft. Ach! andres Werk hat er zu treiben, Er sucht sich einen stillen Ort Und darf an keiner Stelle bleiben, Und muß beständig wieder fort. Er möchte gern auf Erden wohnen, Er hat die Erde gar so lieb, Und sehnt sich nach den Regionen, Wo man ihn aus dem Neste trieb. Drum, soll er nicht an Heimweh sterben, So fang' den Vogel, eins, zwei, drei! Und soll der Freund ihn von dir erben, So laß ihn hurtig wieder frei. Doch soll der Vogel länger schweben, So greif' ihn nicht mit bloßer Hand, Sonst tötest du sein zartes Leben Und brichst der Federn leichtes Band. Wie mancher war in seinem Leben Ein solches armes Vögelein, Und mußte wider Willen schweben Und immer in der Hetze sein. Bis er nicht länger konnte fliegen Und auf die Erde niederfiel; Dort ließ das Glück ihn endlich liegen Und suchte sich ein andres Spiel. [Zwei Herzen, die sich finden] Zwei Herzen, die sich finden Auf diesem Erdenrund, Und sich in Gott verbinden Zum frommen Ehebund. Sie finden reichen Segen Auf ihrer Lebensbahn, Und gehen auf lichten Wegen Zum ewigen Glück hinan. Abschied von meiner Zelle Leb' wohl, du traute Zelle, In Tränen grüß' ich dich; Denn wieder trägt die Welle Zum fernen Lande mich! O, wäre mir beschieden So stiller Tage Ziel! Denn nimmer findet Frieden Mein Herz im Weltgewühl. Dort herrschen wild die Sinne, Der Stolz sich mächtig bläht, Hier rufet Gottesminne In Demut und Gebet. Doch Jesus hat gerufen, Und willig folgt mein Herz, Legt auf des Altars Stufen Als Opfer seinen Schmerz. Und dort, wo frech die Sünde Das Schlangenhaupt erhebt, Daß manchem Gotteskinde Das Herz darob erbebt; Wo Lug und Trug sich heben Gen Tempel und Altar, Da will ich Zeugnis geben Mit treuer Christen Schar. Hilf, Herr! mir treu verwalten, Was du verlangst von mir, Und fest im Sturme halten Dein heilig Kreuzpanier. [Es war die gute Mutter lange fern] Es war die gute Mutter lange fern, Fromm flehten wir zum milden Meeresstern: O nimm ihr teures Haupt in deine Hut, O schütze sie auf wilder Meeresflut. Und sieh, erhört ist unser heißes Flehen, Froh sollten wir der Mutter Antlitz sehn, Und jubelnd bringen wir der Engelschar Und ihrer Königin den Dank nun dar. [Zu den schönen 80 Lenzen] Zu den schönen 80 Lenzen, Die vorüber du sahst schweben, Reich an Segen, Ruhm und Kränzen, Wolle Gott noch manchen geben. Amen. [Aber frei von Lust und Kummer] Aber frei von Lust und Kummer Ruht die liebliche Gestalt, Lächelnd noch im längsten Schlummer, Und das Herz ist still und kalt. Still und ruhig alles scheinet, Nur mein Auge wacht und weinet. [Ach, lieber Gott, wie krank und matt] Ach, lieber Gott, wie krank und matt Sehnt sich nach letzter Siegerstatt Ein Herz, das viel gelitten hat. [Wohl gleicht das Leben einem Kranz] Wohl gleicht das Leben einem Kranz, Drin Ros' und Dorn sich eint, Wo Schatten bald, bald Sonnenglanz Im Wechsellicht erscheint. Es ist der ew'gen Liebe Hand, Die so den Kranz gewebt, Der hell, ein schimmernd Blumenband, Um unsre Locken schwebt. Doch hat der ew'gen Liebe Hand Auch jenen Kranz gepflückt, Der schwer, ein stechend Dornenband, Die wunden Scheitel drückt. Dir aber wünsch' ich einen Kranz, Der ohne Dornen blüht, Drin Rosenlicht und Sternenglanz In süßem Wechsel glüht. O könnt' ich deinem Lebensgang Der Freuden viel erfleh'n, Wie würd' ich froh, mit lautem Dank, Hinauf zum Vater seh'n! Er gebe noch der Tage viel Zum frommen Pilgerlauf, Und nehme einst am fernen Ziel Dich selig zu sich auf. [Und Gottes Friede sei mit dir] Und Gottes Friede sei mit dir, Er mag dich reichlich segnen. Ach Kind, du wirst auf Erden hier Noch manchem Schmerz begegnen. Das Füßchen, das so zart jetzt ist, Wird hart auf Dornen treten. Dann lerne früh zu Jesu Christ In gläub'ger Demut beten. Jetzt, da der Herr uns Blumen schafft, Hat er auch dich gegeben. Willkommen auf der Pilgrimschaft, Du zartes, liebes Leben! Du bist nach Christi Wort getauft, Du sollst den Himmel erben, Dein Heiland hat ihn dir erkauft Durch sein Verdienst und Sterben. [Schau himmelan, schau himmelan] Schau himmelan, schau himmelan, Wenn dir die Menschen weh getan. [O nimm die kleine Gabe gern] O nimm die kleine Gabe gern Und lebe froh und rein, Und wandle fromm vor Gott, dem Herrn, Und denke freundlich mein. Religiöse Lieder Gruß an Maria Maria! Reinste der Jungfrauen! Du süße Himmelskönigin! O Mutter! laß uns Jesum schauen, Will uns die Erde an sich ziehen. Maria! lehr uns wohl betrachten Den Himmel, unser Vaterland. O Mutter! lehr' uns kühn verachten Des Lebens eitlen Flittertand. Maria! lehr' uns Demut üben Und wahrhaft und einfältig sein; O Mutter! lehr' uns Jesum lieben, Und mach uns fromm und treu und rein. Maria! laß uns doch nicht fallen, Und reich uns deine milde Hand; O Mutter! lehr' uns mutig wallen Nach unsrem ew'gen Vaterland. [Soll mir Jesus liebevoll sich zeigen] Soll mir Jesus liebevoll sich zeigen, Muß ich über Berg und Ufer steigen. Blumenpflücken muß ich mir versagen, Darf auch nicht vor wilden Tieren zagen. Durch die Starken, welche mich bestreiten, Selbst durch meine Grenzen muß ich schreiten. Wenn wir handeln, dulden, beten, schweigen, Dann wird Jesu Klarheit uns sich zeigen. Morgenlied am Feste der hl. Agatha, (5. Februar) vom hl. Bischofe Damasus (384) (Wörtliche übersetzung aus dem Spanischen.) Sieh', wie der Tag St. Agathas so licht, Der hohen Jungfrau Martyrium anbricht. Der Tag, da Christus sie sich angetraut, Schmückt mit zwei Siegeskronen schön die Braut. Hoch überstrahlet Werk und Glauben ihr Den Ruhm des Stamms, des schönen Leibes Zier; Denn irdisch Gut schien ihr ein leerer Tand, Die fest das Herz mit Gottes Willen band. So stellt sie stark der grimmen Henkerschar Zur Geißelung die reinen Glieder dar, Und die zerriss'ne Brust zeugt von dem Mut Des Herzens, das in Jesu Liebe ruht. Im Kerker ihr, wo selig sie verweilt, Petrus, der Hirt, erscheint, sein Lämmlein heilt, Bis, freudiger und höher noch entbrannt, Mit Jauchzen alle Martern sie bestand. Nun strahlend, wie vermählt dem Morgenstern, Bitt' für uns Finstre, Elende den Herrn, Daß er uns seine Siege feiern lehre, Bis sich den Feiernden die Siegslust mehre. [Süßer Jesus, kehre wieder] Süßer Jesus, kehre wieder, Sehnend irrt nach dir mein Blick; Meine Seufzer, meine Lieder Rufen: Liebster! kehre wieder, Süßes Gut! komm' bald zurück. [Nach Ihm nur einzig streben] Nach Ihm nur einzig streben, Treu seinen Willen tun, Für ihn allein nur leben, In seinem Schoße ruhn – Ich weiß kein and'res Wissen, Ich will kein and'res Heil; Darauf sei, Herz, beflissen, Dies ist dein Erb' und Teil. [Herz, mein Herz, wie schwer die Schuld!] Herz, mein Herz, wie schwer die Schuld! Gott, mein Gott! wie groß die Huld! Laß' mich meine Schmach recht sehn, Laß' mich Deine Treu verstehn. [O Kreuz, o Quell der Freuden] O Kreuz, o Quell der Freuden, Aus dem das Leben fließt! O Kreuz, o Trost im Leiden, Sei tausendmal gegrüßt! Rätsel Anagramm 1. Ihr seht es bei Menschen und Tieren, Ein Kleid ist's ohne Naht. Oft seht ihr's rings die Auen zieren Als schönste Perlensaat. 1 2. Ein Sack voll Reis wird umgekehrt, o Wunder! Ein Geldverwalter steckt darunter. 2 3. Erkauft werd' ich sehr oft durch vieles Menschenblut Nach schwerem Kampf in jammervollem Kriege. Und umgekehrt werd' ich ein unbedeutend Gut, Und mehr nicht wert als eine Ziege. 3 Fußnoten 1 [Auflösung: Haut – Tau.] 2 [Auflösung: Reissack – Kassier.] 3 [Auflösung: Sieg – Geis.] [Ich führe gut und sicher] Ich führe gut und sicher Dich deinen Pilgerlauf Und schließe dir die Pforte Der ew'gen Heimat auf. Doch hast du mich gebrochen, So nimm in tiefem Schmerz Den Kopf mir ab, und drücke Mich weinend in dein Herz. 1 Fußnoten 1 [Auflösung: Treue – Reue.] [Mit N sah ich es oft in deinen Händen] Mit N sah ich es oft in deinen Händen, Zu wirken manches schöne Liebespfand; Mit T wollst du es mir noch öfters spenden, Wenn deine Liebe mir es heilsam fand. 1 Fußnoten 1 [Auflösung: Nadel – Tadel.] [Bei der Abendröte Schimmer] Bei der Abendröte Schimmer, Bei Auroras erstem Strahl Seh' ich dich, mein Liebchen, immer Auf dem Ganzen in dem Tal. Nimmst du mir mein erstes Zeichen, Bin ich, ach! was du beweinst, Doch du wirst auch erreichen, Wenn du dich mit mir vereinst. Noch ein Zeichen weg, dann stehe Ich dem Himmel zugewandt, Blicke stolz von meiner Höhe Weit umher ins deutsche Land. 1 Fußnoten 1 [Auflösung: Bleiche – Leiche – Eiche.] [Es ist mein erstes Silbenpaar] Es ist mein erstes Silbenpaar So spiegelhell und silberklar. Und wär's uns nicht gegeben, Wer möchte dann wohl leben? Doch Freund, die dritte Silbe mein Kann dir bedenklich werden, Drum achte auf die Tritte dein, Du Pilgersmann auf Erden. Du wirst's gewiß mit bitt'rem Leid, So du's getan, bedauern, Und mancher wird in Ewigkeit Vergeblich mich betrauern. Und wenn dein Aug', dein lauschend Ohr Am Ganzen dich erfreuet, So heb' dein Herz zu dem empor, Der solche Pracht verleihet. 1 Fußnoten 1 [Auflösung: Wasserfall.]