Blumen für meinen Wilhelm Schneeglöckchen Du, so eisig ist's im Thale, Schnee bedeckt das grüne Moos, Und die zarten Schwestern alle Ruh'n noch in der Mutter Schooß. Mich nur trieb ein warmes Lieben Zu des Tages ros'gem Licht – Wär ich nur daheim geblieben, Ach, da unten stürmt es nicht! – Trauernd muß zur Erde nicken Meines Kelches reiner Stern. – Aber willst Du , Freund, mich pflücken, Brich mich nur, so sterb' ich gern. Schlüsselchen Der Lenz schwebt hernieder Aus schimmernder Luft, Bringt Farben und Lieder Und Wärme und Duft. Und willst du mich ziehen? – Bin zierlich und fein; – So lieblich mein Blühen, Mein Duften so rein. Veilchen Auch ich kam aus dem grünen Haus, Mein Duften dir zu weih'n. – Nimmst du mich auf in deinen Strauß? Bin ich dir nicht zu klein? Sternblümchen Schaust du sehnend in die Ferne, Wo manch' lichtes Sternlein blinkt? Ach, sie bleiben fern, die Sterne, Ob dir mancher freundlich winkt. – Kannst die Lichten nicht erlangen Erde hält dich noch zurück – Und des heißen Herzens Bangen Spricht sich aus im feuchten Blick. Doch erfreust du dich am Bilde Dessen, was dein Herz begehrt; Sieh', der ew'ge Vater milde Hat mich dir zum Trost bescheert. Tulpe Dir wohl ist der Sinn bewußt, Der in meinen Farben blüht, Trägst du mit dir in der Brust Flamme, die dein Herz durchglüht. Trag in Flammen eingehüllt, Was nicht mit dem Lenz vergeht; Ein geheimnißvolles Bild, Das wohl Mancher nicht versteht. Maienglöckchen Ich, ein Kind des Maien, Blüh', umhaucht von Duft, Um mich still zu freuen An der stillen Luft. Mich zog süßes Streben Aus dem düstern Haus, Und das zarte Leben Hauch' im Duft ich aus. Vergißmeinnicht Ich blühete so still und rein An Bächleins Ufer hier, Und schaute in die Fluth hinein Und spiegelt' mich in ihr. Da suchte mich die Schwester dein, Die weiht' mich bittend dir. Cyanen Wir steh'n so traut und heimlich hier, Mit schlanken Aehren aufgezogen, Im blauen Kleide nicken wir Hervor aus reichen, gold'nen Wogen. O nimm aus Schwesterhand uns hin, Die wir an's Licht des Tag's uns mühten, Und sieh' in unser'n schlichten Blüthen Der Schwester einfach treuen Sinn. Wasserlilien Wir steigen auf aus feuchten Tiefen, Da träumten wir so langen Traum Umspült von linder Wellen Schaum, Als uns des Lenzes Stimmen riefen. Und manch' ein sinniges Gemüth Ersieht in uns die schöne Kunde Von dem, was unten Schönes blüht, Wo's Fischlein spielt auf Meeresgrunde. – Wie ist's hier oben all so bunt – Doch unser Haus ist stiller, milder. Lebt wohl, ihr Tages reiche Bilder, Wir sinken wieder in den Grund. Iris Auch aus feuchtem Grund gesprossen, Steh'n wir da auf grüner Au'; Lieblich ist in uns verschlossen Gelb in weiß und weiß in blau. Und die Krone stolz gehoben, Die vom Glanz des Himmels trinkt, Schau'n wir unverwandt nach Oben, Ob das farb'ge Blatt auch sinkt. Passionsblume Verehr' in meinem Bilde Den Martertod des Herrn; Die Christenseelen milde, Die sehn mein Blühen gern. Rosmarin Grüne Blätter, blaue Flocken Stehn wohl fein im blonden Haar – Duftig weh' ich in den Locken, Tritt die Jungfrau zum Altar, Wenn des Dörflein's helle Glocken Klingen feiernd, froh und klar – Grüne Blätter, blaue Flocken Stehn gar fein im blonden Haar. Näglein Christi (Kleine rothe Bergnelke) Als der Heiland ausgelitten, Legten sie den Leib in's Grab Und die blut'gen Nägel fielen In das junge Gras herab. Und da sind wir still entsprossen, Blutig roth aus grünem Gras, Und mit reicher Nahrung tränkte Uns der Mutterthränen Naß. Und ein frommer Christ schaut sinnend Unsrer Blüthe tiefes Roth, Läßt drauf seine Zähre thauen Und gedenkt des Herren Tod. 1815.