Deutsche Not O Deutschland, mein Deutschland, Was hast du erlebt! Dein Himmel brach nieder, Dein Boden erbebt. Auf tönernen Füßen Zerschellte dein Thron, Die Flammen des Aufruhrs, Sie flackern, sie lohn. Dein Volk ist zerfallen In feindlichem Zwist, Die Brüder sich morden Voll Wut und voll List. Feig schleicht die Verleumdung, Frech züngelt Verrat, Der Satan der Zwietracht Sät giftige Saat. Es meuchelt die Kugel Aus rasender Hand, Die Räuber und Plündrer Sind Herren im Land. Die heiligen Grüfte Unsterblicher Zeit, Sie werden geschändet Und schamlos entweiht. An goldenen Kränzen Vergreift sich die Gier, Im Schlamme will schwelgen Das trunkene Tier. Ergaunerte Güter Schiebt strotzend die Flut, Ein prassender Pöbel Beschmutzt, was er tut. Was mühsam erworben, Entwertet der Kauf, Das Brot des Gerechten, Der Wucher frißt's auf. Den schaffenden Geistern Verscharrt ist der Hort, Die Not und die Sorgen Ersticken ihr Wort. Rachsüchtiger Friede Zerrüttet das Reich, Es saugen die Sieger Dem Schemen dich gleich ... Und dennoch, o Deutschland, Kein Elend verschlingt, Kein Frevel ein Lichtvolk, Das frei sich bezwingt.