Prosa der Liebe 1 Ehmals glaubt ich im Rausch mich flammender Liebe ergeben, Jünglingslieder voll Gluth sang ich in schmachtendem Ton. Besser nun kenn ich mich selbst und meide den lyrischen Dusel, und es erhellt mir die Nacht ruhiger heitrer Genuss. 2 Leise, ganz leise vor Scham erbebte die wonnige Kleine, als ich sie traf mit dem Kuss, den sie mir lange verwehrt, doch dem beredten Gelispel des lautlos flüsternden Mundes gab sie allmählich sich hin, zuckend, im Tiefsten besiegt. 3 Zum erstenmale giebst du dich hin der vollen Lust – drängst dich, als wolltest du mein Blut, bebend an meine Brust ... Zwängst dich an meine Glieder in glühender Sinne Wuth – ersterbend, forderst du von mir lechzend die gleiche Gluth ... Heil deiner jungen Wonne! Heil deinem jungen Leib! Auch dir erschloss das Leben sich – Heil dir – du wurdest Weib! 4 Hast einen weiten Weg zu mir gemacht, dein Knie ist heiss und rosig angehaucht. Es war der Wind, der durch die Strassen ging und deinen Schritt zu mir beflügelte, es war die stille Gluth in deinem Herzen, die dich so schnell in meinen Arm geführt. Nun ruhe aus. Ich lege meine Bücher bei Seite nun. Zu deinen Füssen kauernd – auch ich will ruhn. Des wohligen Gefühls mich freuend, das des Schiffers Brust durchströmt, liegt er im Hafen seiner Heimath wieder, schmieg ich mein Haupt an diese weichen Kniee, die vor dem Weg zu mir erröthet sind, die auf dem Weg zu mir so heiss geworden. 5 Wie heimlich dann im Bett an deiner Brust! Aus Morgenträumen Arm in Arm erwacht, bestaunen wir den lustigen Sonnenstrahl, der keck zu solchen Heimlichkeiten drang. Behaglich recken wir die schlafgestärkten und schon von neuer Lust durchbebten Glieder, und selig lächelnd schauen wir uns stumm in Augen, die der Schlaf noch kaum verliess. O meine süsse, weisse Hede, komm – lass deine Haare fliessen! Diese Spitzen – o lass mich – lass mich: du bist schöner so, und freier schweifen meine Küsse – ah! Zieh deine Hände von den Augen, Kind: was schämst du dich? Der Sonnenstrahl ist keusch – 6 ... O wüsstest du, wie hold mit Übermacht das Zucken jeder Fiber dich durchwühlt, wenn meine Lippen sprachlos Wonne flüstern in deinen Leib ... O wüsstest du, wie wild im Taumel deine Glieder beben lernen, als wollten sie dem Leben sich entwinden und ewig glühn in Wollustfieberflammen ... O wüsstest dus! – Es ist ein Wunder, ja! Und wer da zweifelt, wird es nimmer finden, doch glaube nur, ach, lehne dich zurück, gieb über deine Glieder mir Gewalt – und wie dem Trüben, dem die Sonne langsam aufschliesst das Herz, bis sie ihn warm durchströmt, so wird auch dir ein unaussprechlich Glück, berauschend ein Geheimnis sich enthüllen. 7 Dass deine Brüste hocherbaulich sind, hat auch der Theologe tief empfunden und will dich nun in keuscher Liebe retten. Du gutes Kind! Welch Seelenzwist für dich! Ich kenne das, auch ich war einmal fromm und hab ein schönes Mädchen retten wollen. Du armes Kind! Heut bin ich lasterhaft, und mich entzückt dein junger, weisser Leib weit mehr, als deine Tugend je vermöchte. So geh zu ihm und lass dich retten. – Nein? Mich hast du lieb, der dich nicht anders will, als dich die gütige Natur geschaffen? Wie? – O Kind: du bist so lasterhaft, wie ich! In sündigen Gluthen schlingst du deine Arme um mich, dein Mündchen spottet zügellos des reinen Jünglings, der dich retten möchte – dem deine Brüste hocherbaulich sind. 8 Wenn unter deinen Händen der Leib des Weibes bebt, wenn deines Blutes Wille nur in ihren Adern lebt, wenn jedes Sträuben, jede Scheu in brünstig Sehnen sich verlor, und hingegeben, sie zu dir, dem Herren, dürstend schaut empor ... dann schlürfst du erst den Feuertrank, den Wein der Wollust dieser Welt! Wohl mir, der diese Schale noch randvoll an blühende Lippen hält! 9 »Von meinen Brüsten leise schlich dein Blick und stahl sich in die Nacht? O sage, was bekümmert dich, woher die Thräne, unbewacht?« – Du Weib, das mir ergeben sich und ruht in meiner Hände Haft, o dürft ich erst ersehnen dich, voll zagend keuscher Leidenschaft! Ich sehne mich nach Frühlingsthau, zurück nach scheuem Knaben-Sinn: – dass ich mich nicht zu sagen trau, wovon ich heimlich selig bin.