3 Auf den Feldern war die Frucht geschnitten, in die Scheunen war sie eingefahren, und es kam der frohe Tag der Ernte. Auf der Tenne worfelte die Gerste Boas mit den Knaben und den Dirnen. Tief im Herzen war ein Keim entsprossen, tief in heissem, demuthvollem Herzen: sich zu geben dem geliebten Herren, das gedachte Ruth, die Moabitin. Und sie badete und salbte sorglich ihren Leib zu ihrer Liebe Feier, und sie schmückte sich mit Festgewanden. Froh des Segens und der reichen Ernte, die der Herr geschüttet auf die Tenne, trank und schmauste mit den Seinen allen Boas und sein Herz ward guter Dinge. Aber da die Nacht herabgesunken, und der laute Schwarm sich rings verlaufen, legt er sich, von Müdigkeit bewältigt, auf die Tenne, hinter eine Mandel. Und die Liebe wandelt durch die Felder und durchschleicht die Nacht auf leichten Sohlen. Zu dem Herrn, dem sie sich eigen fühlet, wandelt treulich Ruth, die Moabitin. Und sie legt sich still zu seinen Füssen wartend nieder: ihre stumme Demuth, ihres hingegebnen Herzens Wonne wacht und athmet in der Hut der Schatten. Als die Mitternacht herangekommen, schrickt der Mann zusammen und erzittert. Er erwacht und siehe, ihm zu Füssen liegt ein junges Weib. Wer bist du? fragt er. Ich bin Ruth, bin deine Magd und Dirne. Gieb mir Ruhe! Breite deine Flügel über mich! Ich bin zu dir gekommen, denn du bist der Herr, und will dir dienen. Und gerührt ob so viel armer Demuth, hebt sie Boas auf und spricht voll Mitleid: Sei dem Herrn gesegnet, meine Tochter! Was du geben kannst, hast du gegeben, was du giebst, ist gross wie deine Liebe, und an mir hast du sie nicht vergeudet. Wie du sagst, so soll es dir geschehen: Meines Volkes ganze Stadt erfahre, dass ich dich erwählt zu meinem Weibe. Schlafe nun bis an den andern Morgen! Keines Menschen Seele soll erkunden, dass ein Weib gekommen in die Tenne: morgen sollst du meine Gattin heissen ... Schlafe nun bis an den andern Morgen!