70. »Ford're Wein und streue Blumen! Was begehr'st vom Schicksal du?« Also sagte früh die Rose: Sprosser, was sagst du dazu? Trage deinen Pfühl in's Freie, Labe dort im Rosenhain, Wang' und Mund des Schenken küssend, Dich an Rosen und an Wein! Deiner Knospe holdes Lächeln, Wen beseligt es noch einst? Sprich, für wen, o Zweig der Rose, Du im Blüthenschmuck erscheinst? Setze nach dem Rosenhaine In Bewegung deinen Buchs: Herzen zu erobern lehre Die Cypresse dort dein Wuchs. Heute, wo zu deinem Markte Hin sich drängt ein Käuferschwall, Sammle für die Reisezehrung Dir ein Tugendcapital. Schönheit hat das Loos der Kerze, Ist dem Winde ausgesetzt: Zieh' vom Capital der Schönheit Vortheil für die Tugend jetzt. Zwar ist jede jener Locken Hundert Hirsche China's werth, Doch es wäre schön auch, wäre Ihr der Güte Duft bescheert. Jeder Vogel kömmt mit Tönen Zu des Königs Rosenbeet: Mit Gesängen kömmt der Sprosser, Und Hafis kömmt mit Gebet.