An eben dem vorigen Feste Evangel. Luc. XII. v. 35. etc. Umgürthet euch, steckt Lichter an Und steht auf muntern Füßen Wie Menschen, die auf ihren Herrn Bey Nachtzeit warthen müßen, Damit sie, wenn er kommt und klopft, Ihm schlechten Eingang machen. Wohl solchen Knechten, die dem Herrn Bis zu der Rückkunft wachen! Er komme zeitig oder spät, So wird er sie ergözen Und vor dergleichen treuen Dienst An volle Tafeln sezen. Glaubt aber, wüst ein guter Wirth Die Stunde frecher Diebe, Daß er vorwahr mit Knecht und Licht Im Zimmer wachsam bliebe. Und darum seyd auch ihr bereit, Zu wachen und zu bethen, Und scheut euch, einen Augenblick Von eurem Post zu treten. Die Stunde, da des Menschen Sohn Bald zum Gericht erscheinet, Kan leicht dieselbe Stunde seyn, Die ihr am mindsten meinet. Wir sehn schon in der lezten Zeit Den Abend aller Sachen Und haben desto größern Grund, Als Christen fromm zu wachen. Der Tag des Herrn wird als ein Dieb Bey später Stunde kommen, Wer faul ist, wird mit Bliz und Schlag Erschröcklich angenommen. Auf, Sünder, der du tödtlich schläfst, Auf, wecke Geist und Sinnen! Der lezte Wächter warthet schon Dort auf der Wolcken Zinnen, Der kräftige Trompetenschall Wird unverhoft erklingen Und alle Todten in der Welt An Luft und Leben bringen. Mit was vor Regung denckstu denn, Den Richter anzuschauen? Mit Zagheit oder Zuversicht, Mit Jauchzen oder Grauen? Die Thorheit singt das Rabenlied Und säumt sich selbst zum Schaden: Thu bald, was ewig helfen soll! Heut ist die Zeit der Gnaden.