SIEG DES SOMMERS [Der lüfte schaukeln wie von neuen dingen] Der lüfte schaukeln wie von neuen dingen · Aus grauem himmel brechend milde feuer Und rauschen heimatwärts gewandter schwingen Entbietet mir ein neues abenteuer Du all die jahre hin mir glanz und glaube Bei dir · und wo die stummen zeugen waren Von hoffen und von angst · bei diesem laube. Denn wird das glück sich je uns offenbaren Wenn jezt die nacht die lockende besternte In grüner garten-au es nicht erspäht · Wenn es die bunte volle blumen-ernte Wenn es der glutwind nicht verrät? [Den blauen raden und dem blutigen mohne] Den blauen raden und dem blutigen mohne Entgeht dem lispelnden und lichten korn! Durchwandert diese waldung sinnens ohne Und jeden vielverschlungnen pfad von vorn · Verharrt nicht vor den zeichen in den birken · Geschwunden sei die hand die einst sie schnitt · Nun fühlt wie andre namen wunder wirken · Zu jungen frischen stämmen lenkt den schritt · Vergesst der schmerzen und des alten blutes Gerissen am verfallnen dorngesträuch Und blätter dürrer zeiten leichten mutes Betretet sie und lasst sie hinter euch! [Du willst mit mir ein reich der sonne stiften] Du willst mit mir ein reich der sonne stiften Darinnen uns allein die freude ziere · Sie heilige die haine und die triften Eh unsre pracht und ihre sich verliere. Dass dieses süsse leben uns genüge · Dass wir hier wohnen dankbereite gäste! Und wort und lied ersinnst du dass gefüge Die klagen flattern in die höchsten äste. Du singst das lied der summenden gemarken · Das sanfte lied vor einer tür am abend Und lehrest dulden wie die einfach starken · In lächeln jede träne scheu begrabend: Die vögel fliehen vor den herben schlehen · Die falter bergen sich in sturmes-toben Sie funkeln wieder auf so er verstoben – Und wer hat jemals blumen weinen sehen? [Die silberbüschel die das gras verbrämen] Die silberbüschel die das gras verbrämen Und eine tageskerze die uns nickt Erkennen uns und forschen ob wir kämen Von einem gütigeren stern geschickt. Die reiser streichen über unsre scheitel · Lasst sie vereinen was die furcht noch trennt Und alle frage sei der lippe eitel Die brennend einer fremden sich bekennt! Nun sorgen wir dass uns kein los mehr dräue Wenn eins des andren heisses leben trinkt Und schauen einig in die sommerbläue Die freundlich uns aus heller welle winkt. [Gemahnt dich noch das schöne bildnis dessen] Gemahnt dich noch das schöne bildnis dessen Der nach den schluchten-rosen kühn gehascht · Der über seiner jagd den tag vergessen · Der von der dolden vollem seim genascht? Der nach dem parke sich zur ruhe wandte · Trieb ihn ein flügelschillern allzuweit · Der sinnend sass an jenes weihers kante Und lauschte in die tiefe heimlichkeit .. Und von der insel moosgekrönter steine Verliess der schwan das spiel des wasserfalls Und legte in die kinderhand die feine Die schmeichelnde den schlanken hals. [Wenn trübe mahnung noch einmal uns peinigt] Wenn trübe mahnung noch einmal uns peinigt Und schreck in unsre goldnen lande streut – Du sprichst in zuversicht: mit mir vereinigt Befürchte nicht was flüchtig sich erneut. Nur dass du meinem schutz dich nicht entfernst Bevor das scharfe licht ersterbend loht Und dir der gartenwald versöhnlich ernst Mit seinen schatten wieder abend bot. [Wie ein erwachen war zu andrem werden] Wie ein erwachen war zu andrem werden Als wir vergangenheit in uns gebändigt Und als das leben lächelnd uns gehändigt Was lang uns einzig ziel erschien auf erden. Auf einmal alle stunden so nur galten: Ein mühevolles werben um die hohe Die uns vereinte · die in ihrer lohe Gestalten um uns tilgte und gewalten. [Die reichsten schätze lernet frei verschwenden] Die reichsten schätze lernet frei verschwenden · Wie nach den langen strahlen auf verdorrte Gewächse sollet ihr am frohen orte Den heissen gliedern milden regen spenden! Gedenkt vom schönsten pflückend was hier sprosset Wenn süss und schwül die dämmrungssterne blicken Wenn glühn und dunkeln wechselnd euch bestricken Dass ihr soviel verliehen ist genosset! Und törig nennt als übel zu befahren Dass ihr in euch schon ferne bilder küsstet Und dass ihr niemals zu versöhnen wüsstet Den kuss im traum empfangen und den wahren. [Wenn von den eichen erste morgenkühle] Wenn von den eichen erste morgenkühle Die feuchten perlen uns ins antlitz blies So knirrte auf dem pfad der spitze kies Erinnerte die schweigenden gefühle Und auch die eigene stimme schien dir rauh Wenn du im takt verwandter pulse bangen Vernahmst die enger zu den deinen drangen Und laues schmiegen trocknete den tau. [Ruhm diesen wipfeln! dieser farbenflur] Ruhm diesen wipfeln! dieser farbenflur! Sie lehrten uns das glück in seinem flüchten Zu streifen und es bleibt noch zarte spur An unsrer hand wie schmelz von reifen früchten. Schon weht das wimpel und es säumt nicht mehr · Aus scheidestunden werden tränen rinnen .. Ob einer zweifelhaften wiederkehr In offnem schmerze zogest du von hinnen. Ich aber horche in die nahe nacht Ob dort ein lezter vogelruf vermelde Den schlaf aus dem sie froh und schön erwacht – Der liebe sachten schlaf im blumenfelde.