DAS LIED WAS ICH NOCH SINNE UND WAS ICH NOCH FÜGE WAS ICH NOCH LIEBE TRÄGT DIE GLEICHEN ZÜGE [Welch ein kühn-leichter schritt] Welch ein kühn-leichter schritt Wandert durchs eigenste reich Des märchengartens der ahnin? Welch einen weckruf jagt Bläser mit silbernem horn Ins schlummernde dickicht der Sage? Welch ein heimlicher hauch Schmiegt in die seele sich ein Der jüngst-vergangenen schwermut? DAS LIED Es fuhr ein knecht hinaus zum wald Sein bart war noch nicht flück Er lief sich irr im wunderwald Er kam nicht mehr zurück. Das ganze dorf zog nach ihm aus Vom früh- zum abendrot Doch fand man nirgends seine spur Da gab man ihn für tot. So flossen sieben jahr dahin Und eines morgens stand Auf einmal wieder er vorm dorf Und ging zum brunnenrand. Sie fragten wer er wär und sahn Ihm fremd ins angesicht · Der vater starb die mutter starb Ein andrer kannt ihn nicht. Vor tagen hab ich mich verirrt Ich war im wunderwald Dort kam ich recht zu einem fest Doch heim trieb man mich bald. Die leute tragen güldnes haar Und eine haut wie schnee .. So heissen sie dort sonn und mond So berg und tal und see. Da lachten all: in dieser früh Ist er nicht weines voll. Sie gaben ihm das vieh zur hut Und sagten er ist toll. So trieb er täglich in das feld Und sass auf einem stein Und sang bis in die tiefe nacht Und niemand sorgte sein. Nur kinder horchten seinem lied Und sassen oft zur seit .. Sie sangen's als er lang schon tot Bis in die spätste zeit. SCHIFFERLIED ABSCHIED YVOS VON JOLANDA Du harrst umsonst. Ist Der auch hin Und schläft in ruh wo keiner ihn Entdecken wird – mein blut ward kühl Ich geh an bord seh dich nicht mehr. Als er erwürgt zur klippe sank Floh weit wie je das nahe glück. Du ahnst wol viel das lezte kaum .. Wild lockt das meer nie werd ich dein. Ich weiss du weinst wenn abends spät Dir botschaft kommt ich sei schon fern – Mein schiff mein freund – bis sich beim werk An fremdem strand mein loos erfüllt. Wir all sind bös doch du bleib rein! Bald klagst du sanft und flichst den kranz Fürs gnadenbild am felsgestad Und flehst um dein und um mein heil. [Horch was die dumpfe erde spricht] Horch was die dumpfe erde spricht: Du frei wie vogel oder fisch – Worin du hängst · das weisst du nicht. Vielleicht entdeckt ein spätrer mund: Du sassest mit an unsrem tisch Du zehrtest mit von unsrem pfund. Dir kam ein schön und neu gesicht Doch zeit ward alt · heut lebt kein mann Ob er je kommt das weisst du nicht Der dies gesicht noch sehen kann. SEELIED Wenn an der kimm in sachtem fall Eintaucht der feurig rote ball: Dann halt ich auf der düne rast Ob sich mir zeigt ein lieber gast. Zu dieser stund ists öd daheim · Die blume welkt im salzigen feim. Im lezten haus beim fremden weib Tritt nie wer unter zum verbleib. Mit gliedern blank mit augen klar Kommt nun ein kind mit goldnem haar · Es tanzt und singt auf seiner bahn Und schwindet hinterm grossen kahn. Ich schau ihm vor · ich schau ihm nach Wenn es auch niemals mit mir sprach Und ich ihm nie ein wort gewusst: Sein kurzer anblick bringt mir lust. Mein herd ist gut · mein dach ist dicht · Doch eine freude wohnt dort nicht. Die netze hab ich all geflickt Und küch und kammer sind beschickt. So sitz ich · wart ich auf dem strand Die schläfe pocht in meiner hand: Was hat mein ganzer tag gefrommt Wenn heut das blonde kind nicht kommt. DIE TÖRICHTE PILGERIN Wo die strasse vom gebirg Plötzlich sich zum strome kehrt Felder bis zur kuppe ziehn Wo mich einst die schwangre bat Dass ich ihr die heu-last höbe: Dort lag mit verwirrtem haar Und in kümmerlichem rock Wie vor müde hingestürzt An dem wegrand eine maid – Ich ging hin und half ihr auf .. Dankend sprach sie und betrübt Während sie die stirn sich strich: Oft schon kam ich dir vorbei Nur mein unglück dass ich fiel Machte dass du auf mich schautest. Nächstes mal wenn du mich triffst Zeig ich mich in schmuckrem kleid .. Freu ich dich auch so nicht sehr: Wird dein blick doch auf mir ruhn Weil du einst vom grund mich hobst. DER LEZTE DER GETREUEN Noch weilt der Eine ausser lands Drum ist auch mir die heimat leer Ich haus' als fremdling nur in ihr Bei meines königs banne. Ich zähle nicht nach freud' und fest Der Andern und ich warte gleich Den sommer durch · den winter lang Bis mich mein könig rufe .. Und kehrt er nie mehr hier zurück Holt er mich nicht zu seinem dienst – Gibt mir nur EINES ziel und sinn: Mit meinem könig sterben! DAS WORT Wunder von ferne oder traum Bracht ich an meines landes saum Und harrte bis die graue norn Den namen fand in ihrem born – Drauf konnt ichs greifen dicht und stark Nun blüht und glänzt es durch die mark ... Einst langt ich an nach guter fahrt Mit einem kleinod reich und zart Sie suchte lang und gab mir kund: ›So schläft hier nichts auf tiefem grund‹ Worauf es meiner hand entrann Und nie mein land den schatz gewann ... So lernt ich traurig den verzicht: Kein ding sei wo das wort gebricht. DIE BECHER Sieh hier den becher golds Voll von funkelndem wein – Jedes hat einen schlurf! Sieh dort den becher aus holz Mit den drei würfeln aus stein – Jedes hat einen wurf! Dieser lässt ohne verdruss Wissen was zu uns steht · Heben vorn tisch wir ihn bloss. Jener bringt den beschluss Den niemand vorsieht und dreht: Wieviel Mein loos wieviel Dein loos. DAS LICHT Wir sind in trauer wenn · uns minder günstig Du dich zu andren · mehr beglückten · drehst Wenn unser geist · nach anbetungen brünstig · An abenden in deinem abglanz wes't. Wir wären töricht · wollten wir dich hassen Wenn oft dein strahl verderbendrohend sticht Wir wären kinder · wollten wir dich fassen – Da du für alle leuchtest · süsses Licht! [In stillste ruh] In stillste ruh Besonnenen tags Bricht jäh ein blick Der unerahnten schrecks Die sichre seele stört So wie auf höhn Der feste stamm Stolz reglos ragt Und dann noch spät ein sturm Ihn bis zum boden beugt: So wie das meer Mit gellem laut Mit wildem prall Noch einmal in die lang Verlassne muschel stösst. [Du schlank und rein wie eine flamme] Du schlank und rein wie eine flamme Du wie der morgen zart und licht Du blühend reis vom edlen stamme Du wie ein quell geheim und schlicht Begleitest mich auf sonnigen matten Umschauerst mich im abendrauch Erleuchtest meinen weg im schatten Du kühler wind du heisser hauch Du bist mein wunsch und mein gedanke Ich atme dich mit jeder luft Ich schlürfe dich mit jedem tranke Ich küsse dich mit jedem duft Du blühend reis vom edlen stamme Du wie ein quell geheim und schlicht Du schlank und rein wie eine flamme Du wie der morgen zart und licht.