AUS: GESAMMELTE GEDICHTE I SONETTE: VON DER LIEBE DIE FREUNDSCHAFT HEISST I Licht meiner seele! ich sah dich stets von fern Und wusste dass du endlich kämest · laute Die ich vorher noch keinem anvertraute Gehn aus wie bleiche flammen – einen stern Im blau doch einen hellern lieblichern Seh ich in locken ruhen dein gesicht. Geheimnis vielen leids · doch hassens nicht Träumt dir im blick · ich sah es stets von fern. Ich will dich sehn mein licht · so sieh du mich: In einem hauch von glut wodurch jed wort Flammt von den lippen und zusammengleitet Mit anderen in lichter einigkeit – Und jeder träumt in einer glorie fort Und andre glorie geht uns still vorbei. VII Mein gott ist beides: glut und dunkelheit · Schön anzusehen ein wunder zu verstehen · Wie ER ist keiner – doch wenn ich dich sehe Wähn ich dass du ER-selbst auf erden seist. So hab ich meine seele dir geweiht Auf dass in deinen gluten sie vergehe · Sich sanft verzehre ohne lautes wehe · Froh solcher liebe und solcher einigkeit · Wie wenn zwei flammen spielen in der nacht Eine die andre suchend bleicher glühe Und schneller zittre in der andren glanz · Bis beide in der luft aufflammend ganz Vereinigt beben – dann bis in die frühe Brennt eine grosse flamme in stiller pracht. VIII O mann des schmerzes mit der dornenkron! O bleich und blutig antlitz das bei nacht Glost eine bleiche flamme · welche macht Endlosen leidens macht dein bild so schön? Glänzende liebe in einem dunst von hohn · Wie still sind deine lippen und wie sacht Nickst du vom kreuz · wie manchmal leise lacht Gott der Mysterien: Gottes liebster sohn! Flamme der Passion in diesem kalten All! Schönheit von schmerzen auf der dunklen bahn! Wunder von liebe das kein mensch vernahm! Weh mir! ich höre stets den trüben fall Der tropfen bluts · und lang starrt er mich an Mit grosser liebe und endlosem gram. XVIII Wie ein äthiopischer fürst von glühendem strande Die flotte schickt mit schätzen reich beladen: Gold elfenbein und herrliche gewande Als gab und gruss an fürsten fremder lande – Die schiffe prunken längs den blauen pfaden Und eine bunte schar geht aus beim landen · Sklavinnen sklaven mit gebognen händen Knieend zum thron mit schalen und zierraten: So ziehn gedrängt mir der gedanken scharen · Um dich mein fürst und freund gekniet zu grüssen Mit pracht vom edelsten · in mir gefunden. Ich lasse schiff auf schiff hin vor dich fahren Mit reichem sang und liebe dir zu füssen Die schätze häufen die hier unnütz stunden. AUS: DER NEUE GARTEN URSPRÜNGE I Die jahre gehn · ich der erst sieben jahr Von träumen lebte lebte andre sieben Von dingen: beide hab ich ausgeschrieben. Von versebänden schuf ich nur dies paar. Ob weitres sieben mir beschieden war Von taten! damit sich aus meinem leben Auch werk nach traum und dingen möcht ergeben Wie dinge klar wie träume wunderbar. So grünt ein strauch durch dunklen traum der erde Zum stiele stark und steil von schlichter art · Zur knospe die dann still zu nichte werde. Doch treibt er blume und frucht und saat: dann lohnen Lachen und leben ihn der schönstgepaart Sich und den nachwuchs krönt mit blumenkronen. AN JOHANNES ADDENS UND SEINE GATTIN Zweig um mein fenster wo die blumenglocken Schaukeln im grün und wingert der das lohe Spätjahrlaub schlagen fühlt: der rast-unfrohe Gast des verlassnen gartens wo frohlocken Von sonne und lachen eure traubenreihn Erfreut · als die hier wohnen froh da traten – Ich grüss euch: herbstge freunde denket mein Der wieder geht mit mehr als herbst beladen! Greis der mit deinem herbst von grauen haaren Frau die · im schwarzen kaum ein silberhaar · Herbstreife trägt in farbe und gebaren · Herbstsüsse fühlt im herzen klug und wahr: Lebt wohl! ihr habt mir zu der zeit gesprochen · Da all mein schmerz · verborgen · aufgebrochen Still seufzend eine jugend herbeschwor Die ich so liebte · so ungern verlor. Nicht jezt – vor jahren starb die schönre jugend Als je ein mensch im land mit mir erlebte · Die armut – meine not – schien meine tugend · Solang ich fromm nach neuer schönheit strebte · Schmerz war nicht: ohne schönheit · voll vertraun Bald nacht bald glut der schönheit zu erschaun. Doch war mir schmerz und lust nach solchem laufe Der fremden schönheit unerträumte taufe. Kein herbst-schön noch – ich weiss – doch blüht mein sommer Und ich beglückter bin ihm zugekehrt. Ich grüss ihn: bin ich nicht der neue kommer Der seiner wert ist wie er meiner wert? Doch sommer fand noch niemand · nicht sich sagend Dass jezt sein lenz für allezeit verdarb. Die fristen meines lebens überschlagend Seh ich sie alle tot wenn eine starb. Freundlicher herbst und jungheit die voll freude Blüht – so vereint nicht mehr so ganz viel jahre – Jezt hab ich durch euch beide klar erfahren Welch herbst ich wünsche · welchen lenz ich neide. Jezt geh ich hin · bin jezt dem manne gleich Der neugekauften garten zu besuchen Lang zagte · um die pfade nicht zu suchen Des alten in dem ihm so fremden reich – Doch der jezt geht und guten rats ins schloss Den schlüssel steckt · versichert: ohne pein In neuem land ein wanderer zu sein Und freundlich jede blume jeden schoss Grünen zu sehn – der · herr im fremden kreis · Die lebenswunder pflegen soll und schmecken Und · guter gärtner · voll vergnügtem preis Soll rosen blühen sehn an fremden hecken. Nun geh ich hin · ich hab an euch gesehn Dass wer nur liebt mit stätigem gemüte Den herbst und sommer sucht · wie ihre blüte Das kind das träumt dass blüten nie vergehn. Lebt wohl! und kehr ich – seis in einer andern Gestalt zurück (denn alle dinge wandern) Seht dann ob ich getrost den sommer lebe Von seiner frucht euch etwas wiedergebe. NACHT IN DER ALHAMBRA DER DICHTER: Wo ist das plätschern wo das flimmern Damit mein strahl die sonne traf? Zu tiefst und reinst ist dunkles wasser In seinem unterirdischen schlaf. Die hohen gäste sind vorüber – Der schatten legt sich langsam über Und in dem hohen blanken saal Ist durch die schlanken marmorgossen Das lezte wasser weggeflossen In strömen windungsreich und schmal. Und – ist es flüstern · ist es weinen? Sie rauschen · murmeln in den steinen In worten dünn und ohne wahl. Doch stumm sind der fontäne löwen Mit blöden leeren rachen gähnend Wasserlos – Und dunkel wird es in dem hofe Der abendhimmel scheint von oben Und die gestirne schimmern schon. Doch durch die tür wo vor dem düster Bei weiher und bei taxushag Akazien schaukeln · steigt geflüster Als trüber gruss als fremde frag .. DIE STIMME DER ALHAMBRA: Ich grüsse dich · fremdling · sind die tage Verschwunden wo du durch weiten flogst? Bekamst du schätze auf deine frage? Fühltest du nicht was du dir entzogst? DER DICHTER: Horch! durch die nacht ein leises schweben Von ferne der trübsinnige klang Der saite wo das zarte beben Des jungen minners aufwärts drang. DER MINNER: Neige dich · liebste Mit mondscheinarmen Sie mögen mir armem Tröstend sein! Zeig vor dem fenster Dein haupt als Selene – Wie sie · o mein sehnen · Nacht tag lässt sein! Häng aus dem fenster Die hand als Aurora! Sie soll · o Lenora · Mein frührot sein. DER DICHTER: 's ist still! der schall der jungen liebe Steigt kühn und sinkt verschüchtert hin – Was je mich grämte im erdgetriebe War solcher freuden anbeginn: Die liebe die beginnt mit geben · Der traum dem andre göttlich sind · Das herz das arm da steht mit beben Vorm schönen – eigner schönheit kind. Begierde · von den dingen sehend Nur was sie selber nicht berührt – Freimächtiger der als bettler gehend Ein trüb und freudlos leben führt. DER MINNER: Eros · du herrlicher! Wer · o begehrlicher Kennt dich wie wir? Wir sind wir selber nicht · Alles was uns gebricht Liebend gleich dir. Schönheit die unser nicht · Liebe die abhold spricht Huldigen wir. Schönheit füll uns! Liebe hüll uns! Nackt und ledig stehn wir hier. Sein ist verändern: Mach uns zu andern Dass so wir seien! Uns ist das werben süss · Uns auch das sterben süss · Wär je das darben süss An liebe und pein. DER DICHTER: Sein sang klingt kühn. In meinen erdentagen Sang ich ihn auch – nichts konnte mir behagen Als was mich lockte mit langwierigen plagen Und was mir schmeichelte mit kurzem glücke. Wo ist das eine das allzeit entzücke? Das mehr nicht als die erdendinge meinend Von aussen ihnen gleich an werte scheinend Doch innen irdisches mit ewigem einend – Ein SCHOEN das unvergänglich ist .. Sprich · stimme die du hier verborgen bist! DIE STIMME: Such nicht · sterbling · in gedanken Kalt und abgestreift Was im leben euch wird tagen Wenn ihr klüger seid und reift! Warte nur zu diesem morgen! Doch nicht fruchtlos sollst du sorgen. Dir nun geb ich dies symbol: Sieh aus steinen Sich vereinen Dieses fürsten-kapitol: Auf den schroffen Stehn und trotzen Türme mehr als felsenfest · Irdische heere Zückten speere Nie auf stilleres räubernest. Mag ein schloss im erdentreiben Stehn das mehr der erde war: Keins trägt so vermooste zinnen · Reisig über todsgefahr. Mit den bäumen den gewässern Die da brausen die da plätschern Talwärts hin und auf den höhn · Durch ihr dämmern ihre schwüle Wehet kühle Wie kein erdengarten schön .. Doch tritt jezt in die frohen säle Die mit feineren farben malen Als das licht den edelstein! Sieh das spitzenwerk der bögen · Sieh das webwerk an den rahmen Wie um frauenglieder fein! Sind es fische oder vögel? Eckenbilder oder kegel – Was soll diese zeichnung sein? Tier von wasser erde luft · Flut von wasser licht und duft · Was die schlanken linien schwellt · Formen kommen und verschwinden – Irdisches dem Ewigen gesellt. Siehe Jusuf weiser kunst voll Freund des Allah · grosser gunst voll · Dessen lob der stein anstimmt – Liess das vielgestaltige dauern In dem linienspiel der mauern: EINS das nie ein ende nimmt .. DER DICHTER: Die stimme sprachs. Kein zeichen bildet klarer Als dieser bau was geht was ewig webt. Der meister ist sein eigner offenbarer Und auch zugleich von allem was da lebt. Der künstler tut die tat die das Viel-Eine Durchdringe und zu einem sein vereine Das irdisch und doch unvergänglich scheine. DER MINNER: Leb wohl! der morgen macht den himmel gelb – Leb wohl mein lieb · die nachtigall Hört auf – das feld wird fahl. Die nacht hat ganz ihr teil. Leb wohl! die sonne Scheint von der Alhambra krone. Die leiter am balkone Erwartet schon den fuss. Der garten duftet warm betaut. Leb wohl! der himmel blaut! Leb wohl! nochmals ein kuss! Ich fühl um mich die arme dein. So bleib ich diesen langen tag allein – Dann komm ich wieder · süsse lust! Wenn abend duftig graut. MEIN HAUS II Die stille die ich fühle wenn der abend Um mich mein haus und stille dünen steht Und das getick der hänguhr lauter geht – Dringt in mich · heller meinen geist begabend. Die stimme meines geists tickt ungestört Gleich eines wassers brodelndem gesiede · Gleich dieses nimmermüden plaudrers liede Bewegt und spricht was tief in mir sich hört. Dichter! das Sein ist schön – doch merk aufs Werden! In dir ist alles was du rings begehrt. Der schatz der sich in einsamkeit vermehrt Soll seiner zeit vor andren sichtbar werden. Was deine zelle sieht beim gelben licht Wird einmal sich in offner sonne zeigen. – Das haupt · gebogen auf vermorschten zweigen Verliert damit das frohe leben nicht. Wenn deine stimmen aus den toten sprechen · Wenn dein Selbst lauschend einem toten gleicht: Schrick dann nicht sehr wenn · so die nachnacht weicht · Ein lebensschrei aus deinem mund wird brechen. III Mein land hat manche tage graue luft · Am fenster seh ich wie der nebel schwimme – Aus ihrem dampf hör ich der wogen stimme · Um nahen dorfes bäume braut ein duft. Dann hat in mir der nebel sich gehoben: Es recken formen trüb und ungestalt Das haupt empor und eine see träg wallt – Aus tiefen höre ich ein dumpfes toben. Dann ist in mir des volkes seel erregt Das – stets mit leibes-aug durch nebel staunend – Verkündigung aus seelennebeln raunend Im geistes-auge festhält unbewegt · Das nie im blauen All der klaren leiber Der Gottes-schöpfung klaren gang erkennt – Doch stets aus nebel der sich ständig trennt Sein fischervolk und schiff ins meer sah treiben. Die sonne hob sich träg durch dünste hin Die sie zerriss – die flotte in goldnem meer Zog längs der glut bis alles um sie her Dem der es sah gross und verherrlicht schien. So sah mein volk: so sieht sein sohn nach jahren. Das ist die schönheit die er in sich liebt: Ein goldnes land das sich aus nebeln schiebt · Ein goldner sang aus dröhnen dunkler baren. AUS: DER BRENNENDE DORNBUSCH Wir schwärmen wie trunkne: unsre taten Bedachten wir allzulang. Nun wachsen die dunklen herzenssaaten Um uns im wunderdrang. Sie drehn uns das haupt · ihre trübe Betäubung führt uns blind Längs dem rand von mancher grube · Längs schneidend steinigem wind. Wir gehn und horchen: unsre ohren Strengen umsonst sich an. Ists herz · das sich lässt hören Durch pfeifen rings im orkan? STERNE I Folg den verborgnen pfaden Von lust und wehmut! Es grünen dunkle saaten Von tod und demut. Im grünen schimmer Von wald und unter wasser Ist ein gewimmel Von wurzeln: blumen später. Ihre siechend-blanken Gestalten und farben Ihre durchdringend-kranken Traurigen düfte: All das seltsame leben das den tod begehrt Lebt von der fremden erwartung voll in sich gekehrt. III Ich tauche in den tiefen kühlen morgen Wo frischer tau der stirne brausen kühlt. Dieweil der wind vom meer mich stolz umspült Legen sich sacht im herzen alle sorgen Die stürmisch mein bedrängtes herz umfluten · Wie kann der tag so schwer von sorgen sein Und auch die nacht das innre nicht befrein! Doch jezt dringt der verlockten sinne gluten Des morgens tau und kühle gütig an · Zu sehr hat stadt und werk mich aufgerieben. Mein meer durchzog zu mannigfacher kahn – Von jeder furche ist da was geblieben Im tief verborgnen leicht bewegten sand. Komm friede! neu den boden glatt zu streifen. Ich such mit dir das fremde – eigne land. Ich will mich selbst und was ich bin begreifen. Ein stiller sumpf ist wo sich schilfe wiegen Und bäume rauschen um verborgnen ort. Geheimnisvoll sie ihre hauben biegen Und flüstern ihr geheimnis fort. Und wenn die nacht das braune schilf umkleidet Spiegeln sich sterne in dem dunklen moor · Wo sich das wild an seinem raube weidet Mit rotem maul – bricht ein geheul hervor. Ihr kinder spielt an meines weihers ränden – Wisst wol: ich bin kein lamm das sanft-gewollt Die kräuter schert – an euren kleinen händen Das seidne band trägt dran ihrs leiten sollt. Wol sanft und sacht lass ich mich oftmals leiten Und bin von blankem lämmergleichen schein · Doch randgras kauend an den weiherweiden Bespiegle ich was ich noch sonst kann sein. Dann treibt ein traum in meinen nüchtren sinnen Aus weissem wolligem haar sprüht roter strahl. Von den waldpfaden kommen sie die minnen: Heilge prälaten mägde allzumal. Palmzweige tragen die geweihten hände · Geblüm erblüht aus dem entzückten grund. Ihr ruf wirft in den offnen himmel brände Und strahlen fallen krönend um mich rund. Ein dröhnen naht durch dunkle himmelsgränze. Durchs Untre eilt ein tosen schwarz und schwer Und sterne steigen – sonnen ohne glänze – Wunder vom abgrund dringen berstend her. Totstill steh ich: mein Gott! mein Sohn! mein Vater! Weltall im kampf um mich! so sterb ich still. Mein lebenstraum – dem ewigen leben naht er · Erfüllt o Heilger! sei dein sichrer will! Sehn kinder zwischen blumen schlünde springen · Ob ihrem haupt den blauen himmel frei – Was soll ihr herz zu angst und liebe zwingen? Höll Himmel Erde oder wol die drei? O dichterkind! dein herz greift sie zusammen. Des kindes seele schliesst die ewigkeit Still in sich ein · gibt ihrem scheine namen Und weint und kennt drin dinge dieser zeit. AUS: DER KRISTALLZWEIG MICHAEL Er stand im niedergang des abends · gelb Und grün verglühten staunend ums gebäu Das rot und falb am horizont sich hob. Er stand im dunkel des gemachs · das aug Nicht wendend nach dem einzigen fenster · offen Nur einen nu – hoch ob der erd und fern Von mensch und haus · und wie ein mondstrahl schien Aus schwarzer wolk von kleid und haar das antlitz. ›Das Wort! das Wort!‹ – die lippen murmelten. ›Sein wort vom volk das lügt und schwazt gedeutet Als Buch von Lämmern – streitbar wie nicht eins. O kraft von zungen die das volk verstehe! ...‹ Sie hinter ihm wie mondesschein der treibt · Silberne einsamkeit · auf berg und meer – Entfachte kerzen die um Christi bild Huldigend standen und im glanze waren Sie reinste Jungfrau · freud auf heller stirn Streitbar wie keiner Gottes Feldherr: Er! ALBERT VERWEY GEB. 1865 AN FRIEDRICH NIETZSCHE Du warst das leiden das den lebenshunger Doch nicht verlernt · suchtest ob Frau Freund Junger Ob einer dich ansäh als solchen helden Doch keinen fandst du deine kunft zu melden. Dann wurdest dus · kreuzmann und freudenreicher O antichrist ... bereit zu immer gleicher Rückkehr leidvollen lebens ... frohe mär Die Zarathustra bringt dem irdischen heer. Dann fand man dich. Da hüllten dich die zwerge Als priester in ein weiss gewand. Zum berge Sahst du hinan aus deinem wahnsinns-tal Und antwort kam und klang dir allzumal: ›Dionysos der du aus dunklen bruten Entstiegst und bleibst in sommerhellen gluten Dir selber gleich – du herrscher trotz Apoll Mach uns mit deinem blut und wunden voll. Wille der macht gewann wo er sonst niemand War als sich selbst: wir setzen auf dein banner Den Aar · den könig jeden dings das fleucht · Die Schlange · wisserin jeden dings das kreucht. Hasser des mitleids · mann und stock der frauen Und meister deiner selbst · auf den zu bauen Ein höher Sein als auf ein fundament Du jeden hast berufen der dich kennt. Wesen das nochmals sei · Tänzer mit erden! Wir wollen mit dir ein paar ein ewiges werden Wir wollen dein sein deiner gluten voll Wir wollen sein wie du bist trotz Apoll.‹ Der sang klang aus · da traten durch das düster Die zwei gestalten hell durch eignen lüster: Der Lichtgott der den dreiklang herrlich strich · Der Christus · rot von speer- und nagelstich. Der eine sagte: Darstellung des gleichen Das ist mein traum · von mir dem gnadenreichen Allzeit ins endlos ungleiche geschwirrt Das durch den traum allein beseligt wird. Der andre sprach: Liebhaben trotz der wunden Nicht sich · nein jeden – das hab ich erfunden Als so allmenschlich grosse seligkeit Dass ichs euch wünsch – ihr der mein bruder seid. Das dunkel kam · auf dich der einsam sass. Gewann Apollo? Christus? und das maass Von gut und bös regte sich bangensvoll In dir. Du starbst sacht und verlangensvoll.