WIDMUNGEN AN S.G. I Es schimmerten gleich zwei sternen in frühlingsbläue Im weltraum unsre beiden leben · Gefährte – Gleich zwei planeten die über wolken träumen · Zwei leben traurige und unerklärte. Geheimnisse gibt es unter der ewigkeit siegeln: Dass sterne nach ihrem tode die erde betreten · Bevor ihr licht gelangt zu der erde tiefe Erstarrte oft der eisige tod die planeten. So ist unser lied voll tönender künstlerhöhe Verurteilt zu der menschlichen augen truge. In grabesnähe muss es erst erstöhnen Eh es die erde berühre mit seinem fluge · Da zu hoch oben seine klänge fluten · Da menschliche blicke zu schwach sind es zu lesen · Da es genährt an der jahrtausende busen Zu ernst ist für das kindliche erdenwesen. Einst wenn die trauer unseres sinnens entschlafen Erblicken die völker zweier sterne schein – Dies sind dann unsrer entfernten tage strahlen Die brennen werden über Weichsel und Rhein. II Wenn unsrer verwandten sänge lezte silben An lauten beifalls felsen brechen würden So müssten bitter wir die häupter schütteln Und rückwärts gehen wie enttäuschte besucher. Und müssten unsre haare mit asche bestreun Und sieben jahre schweigende busse tun Und erst im achten den bann der lippen brechen Zu hören ob edlere seele aus ihnen zittre. III Wir aber suchen nicht nach dem glück der erde · Wir die vor allen das glück der erde besitzen · Besitzend aber es schenken und meiden Um dann zu leiden. Wir wissen zu lachen und wir wissen zu schluchzen · In wollust die wollust – im grame den gram zu lieben · Das grosse und kleine mit weisem maasse zu messen Und zu vergessen. Verschieden sind der verschiedenen menschen sitten: Ein jeder gibt seinem glück einen anderen namen – Wie unsres glückes klingende silben sich fügen: Selbst uns genügen. IV Da unsere augen sich traurig machen mussten Und unser herz wie ein regentag nebelig weinen · Der mund sich gewöhnte bedenkliche lieder zu singen Und laut die unaufhaltsame trauer zu rühmen: So ist kein ort wo sich unser fürstliches sinnen Ergehen könnte als die entferntesten pfade Wo unschuldig weisse lilien erblühn und die quellen Mit ihrem schluchzen den schrei unsrer seele begleiten Nicht ist es sünde zu weinen wenn rhythmischer finger Die traurigen reime an klingende fäden kann reihen. Nicht ist es sünde zu schluchzen wenn herz aus oboen Ein unvergesslich bedauern zu tönen vermag. So wie Narziss in den eigenen schmerz uns verliebend Scheuchen wir nicht unsres lebens blasse gedanken Und weinen! o weinen gleich den pelikanen – An rosigen küsten der einsamen inselreiche. V Wenn manchmal langsam hinter uns sich schleppen Mit irrem aug der sorgen menschen-schatten · Geschieht es nur wenn – ohne dass wirs wollen – In uns sich der gedanken reihn verschieben. Wenn es uns dann erscheint als wär es nötig Des brodes willen einen tag zu leben In einfalt einen schönen kurzen tag · Lasst breit das fenster offenstehn auf trauer! Hörst du nicht fern geheimnisvolle laute Die zu uns von den frohen dörfern schwimmen? O unbemerkter glanz auf hohen stirnen · Besitzer dieser erde · Herrn der gnaden! Von allen tagen die Gott günstig gibt Ist nur ein schöner tag: der tag der dichter. VI Ich möchte wissen ob auf dieser erde Es fürsten gibt so fürstensinniger kraft Dass Deine durch sie überfinstert werde – Du der sich ohne salböl hub zum throne – Doch hältst Du auch kein zepter auf der erde Wird über ihr und ihnen Dir die krone. VII Nicht lang mehr wird es sein und der befreite geist Wird ruhig aus des körpers überwurf entschlüpfen · Fortfliegen in den sterblichen verhüllte länder – Nicht lang mehr wird es sein und alles endet dann. Die seele tritt vom sinnlichen gesanges-mahle · Sie zieht hinweg und lobt der gottesgaben güte · Die menschen werden gleich den dienern der tyrannen Sich auf die nachgebliebnen reste gierig stürzen. Und jene seele die satt hinging wird im spiegel Der sage wiederum in nebelform erscheinen · Gleich einer lilie der gewässer wenn sie senkrecht In einer mainacht auf entschlafnem teiche hinfähr. VIII Wenn du nun scheidest · nicht alltäglicher gast! Am Rheine wieder des Wortes banner zu schwenken So nimm auf den schmerzlichen gang meine vorderste trauer Und meiner redenden augen zartes gedenken. Erinnern werd ich mich all jener guten tage Auf deren schwingen der träume zweisang geflogen · An jene gespräche · lebendge gedanken spinnend · Die angenehm uns den weltlichen dingen entzogen. Noch schwimmen über die stirn mir wolken des traumes · Ich scheide und denke nicht was mit dem morgen droht · Wie nach korinthischem mahl auf lateinischer tafel Wo man zum nachtisch reichliche küsse bot.