Ihr klugen Jungfraun Ihr klugen Jungfraun In eurer Kammer, O schlummert nimmer, Rüstet die Lampen! Längst schwand in der Ferne Des Abendrots Pracht; Schon künden die Sterne Die Mitte der Nacht. Seid munter und wacht! Wie lang wird es währen, So nahet der Bräutigam, Der König der Ehren. Drum schlummert nimmer, Rüstet die Lampen! Nun salbt euch mit Düften! Legt an das Geschmeid'! Umgürtet die Hüften Mit purpurnem Kleid! Der Herr ist nicht weit. Auf güldnen Geschirren Bald gilt's ihm zu zünden Weihrauch und Myrrhen. Drum schlummert nimmer, Rüstet die Lampen! Durch Wälder und Wogen, Durchs finstere Land, Still kommt er gezogen, Die Kron' in der Hand. Sein Herz ist entbrannt Von himmlischer Minne; Doch forschend verzieht er, Zu prüfen die Sinne. Drum schlummert nimmer, Rüstet die Lampen! Weh denen, die liegen, Vom Schlaf unterjocht, Wenn endlich, die Stiegen Beschreitend, er pocht. Verlöscht ist ihr Docht. Verstoßen vom Funkeln Des Festes dann gehn sie Und weinen im Dunkeln. Drum schlummert nimmer, Rüstet die Lampen! Doch die da sich schmückten Und warteten sein, Er führt die Entzückten Zur Herrlichkeit ein. Holdseliger Schein Ist drinnen ergossen, Wo hoch um das Lager Die Lilien sprossen. Drum schlummert nimmer! Rüstet die Lampen!