Romanze vom Werwolf 1. Nach dem Walde zog der Ritter, Früh vor Tage zog er aus, Sich ein Wildpret zu erjagen, Trüg' es Klauen oder Flaum. Da erkannt' er auf der Heide Einer Wölfin Spur im Tau, Und die frische Spur verfolgend Durch Gebüsch und Farrenkraut Fand er eine schöne Jungfrau Schlafend unterm Eichenbaum. Von des Frührots ersten Strahlen Lag sie rosig angehaucht, Nur in ihres Goldhaars Schleier Eingehüllt und grünes Laub. Da sie reizend ihn bedünkte, Weckt' er sie mit Küssen auf, Deckte sie mit seinem Mantel, Hub sie auf sein Roß hinauf, Und in seinen Armen führt' er Als Gemahl sie in sein Haus. Sieben Monden dort in Freuden Wohnten sie als Mann und Frau, Und es war umher im Lande Kein beglückter Paar zu schaun. Nächtens teilte sie sein Lager, Tags versah sie Hof und Haus, Spann den Flachs und wob das Linnen, Sang dazu und schwatzte traut. Nur befragt um ihre Herkunft, Schüttelte sie stets das Haupt, Und beschwor er sie zu reden, Brach sie laut in Weinen aus.