Frühlingsmythus Wie schauert heute durch die Lüfte Ein allgewalt'ger Sehnsuchtshauch! Es dringt bis in die tiefsten Klüfte Der Sonnenstrahl durch Dunst und Rauch. Und drunten hebt sich's ihm entgegen, Wie er die eis'gen Schleier lüpft; Du spürst es, wie in jungen Schlägen Das Herz der Erd' erwachend hüpft. Aus ihrem Busen ringt ein Fächeln Wie leises Atmen sich hervor, Sie schlägt mit träumerischem Lächeln Des Wassers blaues Aug' empor. Da geht aus uralt-dunkeln Tagen Ein Klang durch meine Brust dahin, Im Rätselwort verschollner Sagen Vernehm' ich ahnungsvollen Sinn; Und übers dampfende Gefilde Sing' ich das Lied als Frühlingsgruß, Wie einst vom Zauberschlaf Brynhilde Emporgebebt vor Sigurds Kuß.