Ziel-entgegen Brief- und Tagebuchblätter 1. Sylvester Komm, vergiß einmal all die Geschichten komm und begrab einmal all den Kram! es sind ja doch nur Lumpereien, die einem nur das Herz zerquälen, die einen nur müde machen und lahm! Die Menschen sind so, ich weiß es wohl: statt fröhlich und guter Dinge zu sein, vernörgeln sie sich die schönsten Stunden mit kindisch törichten Hetzerein. Sie möchten es selbst nicht, wenn man frägt ... sie sehnen sich, harmloser sein zu dürfen, sie nennen es Unrecht, Schande und Hohn und möchten heraus aus all dem Gezänke ... und kommen doch nicht los davon ... und wenn man so zusieht, wie sie allmählich mutloser werden, trüber und trüber ... Mein Gott, man könnte weinen drüber! Lebt mit mehr Freude! ach, ich möcht's groß wie die Sonne an den Himmel schreiben, daß es wie Feuer in die Herzen loht ... lebt mit mehr Freude und ohne die Not und ohne den Haß und ohne den Neid, an den ihr das halbe Leben verpaßt ... macht's euch zu Lust und nicht zu Last! lebt mit mehr Freude, lebt mit mehr Rast! 2. Neujahr Goldrot im Nebel glüht die Sonne ... frisch hinein in den prächtigen Tag! frisch hinein in das junge Jahr! vorwärts! Glück und Sieg entgegen! Einen Mantel um, den Hut ins Gesicht, einen Stock in die Hand! mehr braucht es nicht! Um Gotteswillen nur nicht lang grämen! nur nicht lang stehen und Abschied nehmen! sei froh, den Kram einmal los zu sein! oder mit langem Räumen und Schnüren und Hin und Her die Zeit verlieren! Es bleibt jedes Jahr ein kleiner Rest, den man am besten liegen läßt! Aber das ist's ja: ... das viele Gepäck, mit dem man sich durchs Leben schleppt! Einen Mantel um, den Hut ins Gesicht, einen Stock in die Hand! mehr braucht es nicht! ein bißchen Mut und Glückvertraun, ein bißchen Zuversicht zu sich selber, ganz still! dann geh und komme, was da will, du brauchst nicht ängstlich zurückzusorgen, ob alles in Ordnung, und umzudrehn, du kannst jedwedem jungem Morgen mit freier Kraft entgegengehn! 3. Sonnenkraft Und immer wieder sinkt der Winter und immer wieder wird es Frühling und immer immer wieder stehst du und freust dich an dem ersten Grün, und wenn die kleinen Veilchen blühn, und immer wieder ist es schön und macht es jung und macht es froh, und ob du's tausendmal gesehn: wenn hoch in lauen blauen Lüften die ersten Schwalben lustig zwitschern ... immer wieder ... jedes Jahr ... sag, ist das nicht wunderbar?! Diese stille Kraft der Seele: immer neu sich aufzuringen aus dem Banne trüber Winter, aus dem Schatten grauer Nächte, aus der Tiefe in die Höhe ... sag, ist das nicht wunderbar?! diese stille Kraft der Seele, immer wieder sich zur Sonne zu befrein, immer wieder stolz zu werden, immer wieder froh zu sein?! 4. [Als Überwinder, nicht als Leider] Als Überwinder, nicht als Leider, als Vollender, nicht als Streiter, König, die Krone auf dem Haupt, als Sieger muß kommen mit flatternden Fahnen ... wer uns erlösen will und befrein! 5. [Restlos geht kein Tag zu Ende] Restlos geht kein Tag zu Ende, richt es, schicht es, wie du willst ... rührst du noch so sehr die Hände und liegt alles glatt und fertig, was da fertig werden sollte, richt es, schicht es, wie du willst, restlos bringst du's nie zu Ende ... eine Sorge, eine Frage zwirnt sich stets zum andern Tage, flicht es, schlicht es, wie du willst ... Doch vielleicht auch eine Freude, wägst du mit gerechter Wage! 6. [Wozu das Geklage] Wozu das Geklage: ›du habest kein Glück!‹ und ... ›das sei dein Geschick!‹ Geschick ist nur, wozu du selbst mit eigener Kraft und eigenem Willen die Reihe deiner Tage webst ... und Glück doch auch nur, was du selber aus deines Wunsches Tiefe hebst! 7. [Das ist das Leben!] Das ist das Leben! was erwartest du mehr?! was du hast, ist alles! es gibt nichts mehr? Das ist das Leben: all diese kleinen Alltäglichkeiten von Stund zu Stunde: dies Aufstehn morgens und dann den stillen Tag entlang in stillem Gleichlauf deine Arbeit ... Reste von gestern, Sorgen zu morgen ... zuweilen auch wohl ein ... froherer Gang, ein hellerer ... ein vollerer Klang ... ein bißchen Scherz, ein bißchen Ärger, ein bißchen Glück, ein bißchen Tück ... hochwichtig alles für den Augenblick, im nächsten aber schon vergessen und schließlich auch ganz einerlei: ob morgen wohl schön Wetter sei?! und wenn, wohin man abends gehe? und wie es da- und damit stehe?! und dies und das und das und dies, hundert kleine Was und Wie's, hundert kleine Wohl und Wehe! ... Das ist das Leben! erwarte nicht mehr! was du hast, ist alles! niemand hat mehr! Es frägt sich nur, wie's jeder faßt und schiebt und siebt ... und wie du's in die Zügel straffst und wie du's auseinanderspielst und wieder dann zusammenzielst, damit sich doch zuletzt ein Ganzes, großlinig Eigenes draus ergibt! 8. [Dem einen macht es Spaß] Dem einen macht es Spaß, bei Reichen zu Gast zu sein, dem andern mehr bei seinesgleichen zu Rast zu sein und in erträumten Königreichen auf goldenem Thron Phantast zu sein. 9. [Nebenher nur sein zu können] Nebenher nur sein zu können, was du sein willst, das ist das Bittere ... in halbverlorenen, abendmüden Stunden nur ... statt mit der vollen Lust des vollen Tags freihaupt, gradaus, wie andre, die ganze Kraft zu einem Ziel zu treiben ... Daß du dir mühsam erst aus schwerem Schacht das Eisen graben mußt, die Axt zu schmieden, die dir den Weg zur Höhe bahnen soll: auf deren Gipfel du in weißem Glanz die Tempelburg erbaun willst, die du träumst ... die Tempelburg mit ihren goldenen Königsbannern auf den Türmen, mit ihren rosenüberblühten Zinnen, und ihrem nie verschlossenen Tor! Von allem eines wäre schwer genug! 10. [O nur nicht müde werden!] O nur nicht müde werden! alles andre ... nur nicht müde werden! Ich meine nicht: vom äußern Lärm des Tags, nicht vom Gedränge kleiner Unruhstunden ... das alles löst sich immer ganz von selbst ... und löst sich's nicht, so wirf es hinter dich ... das große Ziel nur laß dir's nicht verbiegen! Es kann ein trüber Tag dich wohl verstimmen, es kann Enttäuschung mißgemut dich machen, es kann Verdruß ob so viel plumpem Schwindel zu jähem Zorn vielleicht die Faust dir ballen, es kann dir auf die Nerven fallen: lohnt sich's denn überhaupt, zu siegen!? Das alles löst sich immer ganz von selbst! Das innere Ziel nur laß dir's nicht verbiegen, und laß es dir nicht in die Seele kommen und dich nicht müde machen ... müde ... in der Tiefe, da, wo die Quellen des Lebens liegen! 11. [Auf den Höhen des Lebens] Auf den Höhen des Lebens ... du dachtest: in Ewigkeiten zu senken das trunkene Auge ... und erkennst noch tiefer nur des ganzen Getriebs kernlose Schalheit ... auf den Höhen des Lebens! Auch diese Erkenntnis aber ist ... Sieg. 12. [Laß endlich] Laß endlich, laß dieses Dringen und Drängen, dies müdemachende Zwingen und Zwängen ... was einer tun kann, hast du getan! und mehr vielleicht! Nun mache Rast am grünen Hang ... es muß jetzt für sich selber sorgen, es muß sich ohne deinen Rat aus eigener Kraft jetzt weiterwenden und sich zu seinem Ziel vollenden! Du aber rüste dich und reife zu neuen Schaffens froher Tat! 13. [Ganz still zuweilen, wie ein Traum] Ganz still zuweilen, wie ein Traum, klingt in dir auf ein fernes Lied ... du weißt nicht, wie es plötzlich kam, du weißt nicht, was es von dir will ... und wie ein Traum ganz leis und still verklingt es wieder, wie es kam ... Wie plötzlich mitten im Gewühl der Straße, mitten oft im Winter ein Hauch von Rosen dich umweht, wie oder dann und wann ein Bild aus längstvergessenen Kindertagen mit fragenden Augen vor dir steht ... Ganz still und leise, wie ein Traum ... du weißt nicht, wie es plötzlich kam, du weißt nicht, was es von dir will, und wie ein Traum ganz leis und still verblaßt es wieder, wie es kam. 14. [Mitunter freilich kommen Stunden] Mitunter freilich kommen Stunden: und was du nie bewußt empfunden, gleich einem grauen Regen regnet's dir ins Herz, und wie ein scheuer Bettler bleibst du stehn, verstohlen durch die Hecken zu spähn, hinter denen sie sitzen und plaudern und lachen, fröhliche Menschen in fröhlichen Kleidern ... plaudern, lachen, singen und küssen so leichten Bluts, so frohen Muts: Als ob es all das Schwere gar nicht gäbe, an das du so viel Kraft verfehlst! als ob der Kampf, von dem du sprichst, und all die Müh und Sorge ... nichts! als ob es eitel Hirngespinste, worüber du dich härmst und quälst! und als ob allen, die da sitzen so kinderfroh und singen und spielen, tanzen und küssen, erfüllt schon längst, was du als letzten Dank dir denkst, als Endlohn für Jahre voll Kampf und Schmerz ... Und wie ein grauer Regen regnet's dir ins Herz und wie ein Bettler drückst du dich von dannen einsam deinen einsamen Weg. 15. [Das aber ist das Schwere dann] Das aber ist das Schwere dann: hinauszuwissen über ein erreichtes Ziel und: nicht stehen zu bleiben und sich betören: nun sei's getan, nun gehe alles seinen Gang, nun habe alle Not ein Ende, am Ziele anzukommen, sei genug! Ich aber sage: es ist nicht genug! ein Ziel ist nichts! an ein Ziel bringt sich jeder! und stehen bleiben rechnet überhaupt nicht! Es gilt weit mehr, als nur ans Ziel zu kommen ... im Großen wie im Kleinen, im Groben wie im Feinen: Es gilt: hinauszuwissen über das Erreichte, hinauszuringen über das Errungne! es gilt: von jedem erstrittenen Punkt weiterzuwollen und weiterzusehn und immer aufs neue Wege zu finden hochauf zu immer freieren Höhn! 16. [Da war ein ganzer Tisch] Da war ein ganzer Tisch voll Freunde, und alle tranken sie dir zu und alle machten mit dir Du ... Und schöne Fraun bei Küssen und Kosen kränzten die Stirn dir mit blühenden Rosen ... Und schließlich bist du doch allein geblieben und einsam, wie du immer warst. 17. [Fester nur drück dir] Fester nur drück dir den Hut ins Gesicht, fester nur fasse den Stock ... dein Weg war immer schon einsam genug über Klippen und über Gestein und wird je höher zur Höhe empor nur noch steiler und einsamer sein ... fester drum drück dir den Hut ins Gesicht, fester nur fasse den Stock! Du konntest wie alle einst wählen und gehn durch blühende Gärten im Tal ... doch es drängte nach Kampf dich, mit schaffender Tat zum Gipfel zu zwingen den steinigen Pfad ... und nun er steiler und steiler wird, und nun er dich weiter und weiter verirrt in sein großes entsagendes Schweigen ... fester nur drück dir den Hut ins Gesicht, fester nur fasse den Stock! Du hast's gewollt, blick nicht zurück, laß hinter dir liegen, was hinter dir liegt! und wird es noch so still und einsam und starr und hart und kalt und kahl, schrick nicht zurück, du wußtest, daß du verzichten mußtest auf die Feste der Menschen im Tal. 18. [Ich habe Nächte dafür geopfert] Ich habe Nächte dafür geopfert, ich habe Herzblut daran gegeben, und feige Buben nun kommen und heben die Hand auf gegen das fertige Werk. – – – – – – – – – – – – – – – – – Zerschlagt, zerschlagt es! wenn ihr könnt! ich glaub es nicht! jedoch ... zerschlagt's! mir tut ihr nichts damit! mich trefft ihr nicht: ich steh und seh euch zu und lach! Und wenn ihr Riesen oder sonst was wärt ... was es mir gab und war, indem es wurde, das zu zerstören, seid ihr doch zu schwach! 19. [Bleib fest und wisse] Bleib fest und wisse, was du willst und wie du dich zu dir erfüllst, und laß dich töricht machen nicht durch törichtes Gerede, und laß dich von den Liedern, die sie draußen singen, ablocken nicht von deinem Weg ... sei stolz und glaube an dich selber und bleib dir treu! Es führen alle Wege wohl zur Kunst, es führen alle Wege wohl zu Freiheit, denn Kunst soll Freiheit sein und Freiheit geben ... Ziele, über dich selbst hinaus, Kraft, dich über den Wandel der Tage, über der Dinge kleinliche Klage trotz- und siegfroh emporzuheben, dich und die, für die du aufwärts ringst! Es führen alle Wege so zur Kunst, doch immer mitten nur durchs Leben, durch Kampf und Schmerz, und nicht abseits verlorene Felder entlang, und immer mitten nur durchs eigene Herz! Für jeden freilich immer nur der eine, den er in dunkler Knabensehnsucht fand und den er weiterschreitend durch die Jahre in stetem Reifen und in stetem Mühn mit immer freier- und lichterem Glühn von Höh zu Höhe sich gebahnt. 20. [Das ist vielleicht das Ganze, sieh] Das ist vielleicht das Ganze, sieh: zu wissen, daß es nur Seifenblasen sind, und doch an ihrem bunten Spiel sich freun zu können harmlos wie ein Kind! Es scheint so leicht und ist so schwer! so schwer! ... so schwer! 21. [Und dennoch] Und dennoch: Nein, ich beneid euch nicht! ... Hell ist mein Herz und hell mein Blick und hell in goldener Sonne liegt die Welt, so sommerklar und schön, leuchtende Wolken über den Höhn ... und immer tiefer sinkt das Tal und sein Gewühl und alle Angst und alles Enge, alle Schwere, alles Gedränge ... und immer höher, immer breiter, immer lichter, immer weiter wird der Himmel, wird mein Ziel! 22. [Und wieder kehre ich] Und wieder kehre ich aus fremdem Lande und seines Lebens buntes Bilderspiel verglüht zu stiller, weißer Flamme: Du in dir nur trägst den Punkt, in dem sich alles faßt und findet und löst und bindet ... Du bist die Welt und nicht das laute vieldeutig immer andere Ding, das sich so nennt, das niemand kennt und nichts und alles ist! ... du bist die Welt und nicht die Länder, nicht die Meere, die du durchquerst in raschem Flug, auch nicht was Menschenkönnen schuf ... Du bist die Welt und du allein ... und bist du Gottes, wird sie Gottes sein! 23. [Ich kann euch] Ich kann euch eures Alltags Last nicht nehmen, wie mir die meine niemand nehmen kann und auch nicht nehmen soll ... ein jeder finde selber sich zurecht, ein jeder trage selbst, womit er sich belädt, und kämpfe selber sich durch Weh und Wohl! Was ich vermag, es ist nicht mehr vielleicht, als euch in stiller Feierabendstunde zu zeigen: wie es mir gleich tausend andern ging: wie's mich geduckt, und wie ich gezuckt und wie ich jede Zuversicht verlor ... und wie ich plötzlich dann trotzig wurde: was andre zwingen, das zwingst du auch! es gibt kein Schicksal! Verlust und Gewinn ist nur, was ich selber will und bin! Und wie ich die Arme dann frei mir rang, und wie ich den Kopf wieder hoch bekam, und wie ich zu mir selber fand, und wie sich langsam immer klarer, immer freier, voller und wahrer aus der verschütteten Tiefe hob: alles, was ich seit Knabentagen glühend in der Seele getragen! Und wie es Gestalt und Leben gewann und sich verwuchs und zusammenspann und höher mich und höher trug, Morgen, Sonne und Sommer entgegen, und wie's mit immer hellerem Glanze, mit immer freudefroherem Ruf mich umklang und aus des Alltags Last mir Kraft und Freiheit schuf. 24. [Ich habe wohl einmal gezagt] Ich habe wohl einmal gezagt, ich hab auch wohl einmal geklagt, wie jeder zagt, wie jeder klagt, wenn Müdigkeit ihn überkam und seine Zuversicht ihm nahm ... Und doch: so viel auch in die Brüche ging, worauf ich hoffte und woran ich hing, ein stilles frohes Lachen in der Tiefe, ganz fern aus Kinderzeiten her, hat nichts und niemand noch mir nehmen können ... ein stilles frohes Lachen, ich weiß selbst nicht wie: ganz fern aus Kinderzeiten her klingt seinen Klang es in mein Leben, voll heimlichen Glücks, bald fern, bald nah, plötzlich verstummt und plötzlich wieder da ... Ein Lachen, weißt du, wie's im Walde lacht, wenn in Hochsommermitternächten, der Herbststurm in seine Wipfel kracht, ganz fein und fern wo in der Tiefe ... wie wenn ein Sonnenelfchen riefe und über die Riesen sich lustig mache, die rings ihm drohn und nach ihm rennen und nirgend doch es fassen können ... Ein stilles frohes Lachen, das da weiß, daß es mächtiger ist als Schnee und Eis, und wenn es aufbricht aus der Tiefe und in die Täler niederschwillt, daß es dem rauhesten Sturm zu Trotz, mit Sonnenmacht über Nacht die ganze Welt voll Rosen lacht. Ich habe wohl einmal gezagt, ich hab auch wohl einmal geklagt, wie jeder zagt, wie jeder klagt, und doch dies stille frohe Lachen ganz fern aus Kinderzeiten her ... dies Lachen, weißt du, wie's im Walde lacht, wenn in Hochsommermitternächten der Herbststurm in seine Wipfel kracht, dies Frühlingslachen, das da weiß, daß es mächtiger doch als Schnee und Eis, hat niemand noch und nichts mir nehmen können. 25. [Und immer weiter führt dein Weg] Und immer weiter führt dein Weg und immer mehr legt sich allmählich alles hinter dich, was du in Kindertagen einst mit glühendem Wunsch in deine Zukunft träumtest ... du hättest bis zum letzten Rest darum gekämpft. Doch wie du weiterschreitest durch die Jahre reift eins ums andre dir von selbst entgegen und hängt mit vollen Früchten über deinem Weg. Du siehst es, lächelst und ... gehst weiter! Du hättest bis zum letzten Rest darum gekämpft in Kindertagen einst ... und nun vermissest du es kaum im breiten Reichtum des gewonnenen Lebens und wunderst dich, es je begehrt zu haben! Du lächelst und gehst weiter, still und froh ... Und so erfüllst du dich an deinem Ziel, wie sich allmählich so dein Ziel an dir erfüllt. 26. [So dacht ich auch einst] So dacht ich auch einst: was ich träumte in Frühlingsfülle müsse es ein Mai ausschütten über mich aus goldenem Horn und eines Morgens oder eines Abends müßten plötzlich die Berge auseinandergehn, durch die ich rang, und alles köstlich in Erfüllung stehn, in Glanz und Klang. Und Jahr um Jahr kam und verrann und Ferne über Ferne hüllte sich auf ... nicht eine aber erfüllte, was meine Sehnsucht hinter ihre Schleier spann! Nun wart ich längst nicht mehr auf solche Märchentage und glaube wie ein töricht Kind mein bestes Können in den Wind! Ich will vom Leben nichts geschenkt mehr haben! ich schaff mir selbst, was ich mir wünsche! Tat ist Erfüllung, nicht Gebet: die Ferne reift nur, was die Nähe sät! Ich nehme mir, was ich vom Leben will ... ich will vielleicht so viel nicht mehr wie früher, doch lachend steht es und hält still und blüht mir seinen Überfluß entgegen in reicherer Fülle, als ich je geträumt!