Johann Joachim Ewald Sinn Gedichte in zwey Büchern Ubi quid datur oti Illudo chartis. Horat. An meinen Vater Du, dessen Lächlen mir die Thorheit oft verrieth, Die itzt mein schärfrer Blick in mir und andern sieht; Mein Urbild, dessen Ernst mich Tugend fühlen lehrte, Die ich zwar spät begriff, doch durch dich früher ehrte; Hör an, wie dir mein Lied auf Satirs Flöte klingt, Daß Kleist und Gleim gehört, und Thoren niedrig dünckt. Mein erster Ruhm ist, wenn ich Vater dir gefalle. Du lobst mich ohne List, und schiltst mich ohne Galle. Vorrede Man übergiebt dem Leser hiermit eine kleine Sammlung Sinngedichte. Wenn Kenner sie gut finden, wird sie dem Verfasser groß dünken, und dieß wird ihn aufmuntern, entweder darinn fortzufahren, oder in andern Arten der Poesie Versuche zu machen. Es sind schon einige Lieder in diese Sammlung mit eingeschaltet worden, welches man nicht übel deuten wird; man hat auf diese Weise mehr geliefert als auf dem Titel versprochen. Haß und Verläumdung haben übrigens an der Verfertigung dieser Sinngedichte keinen Antheil gehabt, sondern Jugend und Freude. Solte aber jemand, gewisse Züge auf sich ziehen, so wird dieses dem Verfasser angenehm seyn. Er wird sehen daß er die Natur getroffen habe. Der Herausgeber. Erstes Buch Wünsche Max wünscht sich Rang, Stax wünscht sich Macht, Scot wünscht, daß nur sein Fürst ihm lächle, Pedrill, daß ihn sein Mädchen fächle, Und Thrax folgt Hunden auf die Jagd; Cham will ein schallendes Gerüchte Und ich ... nur hundert Sinngedichte. Vitell Vitell klagt den Verlust von seinem lieben Weibe, Und schließt sich abgehärmt, in seinem Keller ein, Und säufft sein letztes Fäßchen Wein, Damit kein Trost ihm übrig bleibe. Grabschrift des Harpax An dieses Goldbergs Fuß liegt Harpax, der so karg Als dieser Berg sein Gold verbarg; Du darfst o Wandrer! nicht sein Grab mit Thränen netzen Er war nicht mehr als dieser Berg zu schätzen. Mamurr und Tibull Mamurr. Du reizest den Zoil zum Zorn Tibull du bist sehr kühn! Tibull. Mein Koch versöhnet ihn. Phrynens Klage Lubin der Thor, Redt mir ohn Unterlaß von seiner Liebe vor; Er glaubt: ich sey nur Ohr! Der Trinker Es hebt Vitellius den Becher in die Höh, Trinkt einen langen Trunk, ruft: Evan Evoe O Stifter aller Lust! schenkt schäumend wieder ein Flicht Epheu um sein Haar und Ros' und Mirten drein, Trinkt, ruft: o Evoe du kühlst mein heiß Gehirn, Ich fühle Kraft und Muth und Hörner an der Stirn, Er trinkt, hüpft wie ein Bock; die Laube dreht sich um, Er sieht zwee Monden gehn, sein schlaffer Leib wird krum, Er trinkt; sieht Bachus Schaar, hört seine Priester schreyn: O Mann und Kind zugleich, Lenaee, o Hyeu, O Pan, o Indier, Evasta, Ligyreu! Sie trommeln: und er tanzt, wankt, taumelt, lallt, schläft ein. Corvin Man sagt, Corvin ist reich, und preist ihn aller Orten! Hilft er den Armen auch? ja wohl, ... mit schönen Worten. An Canidien Canidia! es trügt der Früling deiner Wangen; Du nicht, dein Krämer macht uns Lust; Auch sah ich neulich deine Brust, Haar, Zähn' und linkes Aug' in seiner Bude hangen. An den Mond Wo bleibt o Mond dein Licht Da ich im Dunkeln voll Verdruß Auf Chloen lange warten muß, Sie komt; o scheine nicht! Junker Fritz Wie ist doch unser Junker Fritz den Hunden so gewogen? Im Ofen schlafen er und sie, wie sie wird er erzogen. Der Vater an den Sohn Was quälst du dich mein Sohn, und wilst nur stets studiren? Zur Wissenschaft will ich dich bessre Wege führen! Nimm dir den Bayl' und ließ und blättr' ihn hin und her, Ließ weiter nichts als ihn, denn sprich die Creutz die Queer Vom Anaxagoras, Atlas, Hegesias, Anta ... Prota ... Pytha ... und Aristagoras, Vom Mydas, Critias, Hylas, Pausanias, So wirst du überall als ein Orakel sprechen, Und es am Othem dir eh' als am Ruhm gebrechen. La Rose La Rose nahm ein Buch des Leibnitz in die Hand, Und schallt die Deutschen dumm, als er es nicht verstand. Emil Man sagt, Emil wird sich an Lesbien vermählen; Die junge Braut sey reich, und schön ihr Angesicht, Sie sey aus gutem Haus' und Witz soll ihr nicht fehlen. Von Tugend hört man nicht. Stax Stax singt mir seine Lieder vor, Und brüllt in mein erschrocknes Ohr, O Alpenwürdiger Gesang! Mir schmerzt das Ohr acht Tage lang. Auf den Freyherrn von Wolff Gott sprach: Die Sonne sey; die Welt fiel ins Gesicht; Gott sprach: Wolff sey; es ward in allen Seelen Licht. A. und X. A. Du hast den Grill für dumm gescholten? dieß rächt er für und für. X. Betrüger hab ich ihn genennet. A. o das vergiebt er dir! An den Marius Du rühmst dich Marius, der Fehler großer Männer; Und hast doch ihre Tugend nicht? Bin ich ein Menschenkenner: So duldt man jene wohl und flieht dich Bösewicht. An den Koenig Du bringst die goldne Zeit zurück, o Held! wie nenn ich dich? Sesostris, Cyrus, Antonin? Nur sich gleicht Friederich! Du drohst: der Erdenkreis erschrickt, und läßt dich Sieger seyn: Du lächelst: Künste drängen sich zu deinen Thoren ein; Denn wirst du uns Apollo selbst, Thessalisch deine Flur, Und Wahrheit und Gerechtigkeit betritt die alte Spur. An den Sophos Du hast nun lange schon den Cicero citirt, Und was einst Plato schrieb uns zu Gemüth geführt; Ihr beyder Geist hat uns viel schönes vorgebracht! Doch Freund erlaube mir! hast du denn nie gedacht? An den Medor Die Seelenwandrung muß Medor wohl möglich seyn; Dein Körper, sieh! ist groß, und deine Seele klein. An Lynthien Du zeigest uns denselben Kopf bald weiß, bald schwarz, bald braun. Wie trägst du denn dein eigen Haar, und wenn darf ich dir traun? Elpin und Iris Elpin und Iris sind ein Muster guter Ehen; Schlöß Iris einst der Himmel ein; So möcht Elpin, um seelig sich zu sehen, Mit Freuden in der Hölle seyn. Philinde Wenn mich Philinde fliehet, Weil ich von Liebe rede, So greif ich nach der Flöte, Und spiel ein Lied von Liebe; Denn kehrt Philinde wieder Und seufzt wie meine Flöte. An den Amyntas Du sagst, daß meine Zunge stammle, das war mir längst bekannt; Amyntas! weist du dieses auch? es stammlet dein Verstand. Daphne Es ist der nahe Wald Der Musen Aufenthalt; Es ist die Wiese hier Der Flora Lustrevier; Schön singt im tiefen Thal Ihr Lied die Nachtigal; Schön fließt die Havel dort Um kleine Inseln fort; Doch nichts dünkt mir so schön Als jene heitre Höhn, Da seh ich Daphnen gehn. An Orianen Apelles hätte seine Farben mit deinen gern vertauscht! Dein Pinsel schaft die Sonn'; es taget: den Wasserfall; er rauscht. An die Leda Du gehst verlarvt aufs Carnaval? um nicht erkannt zu seyn So wasch nur Leda dein Gesicht von aller Schminke rein! Der Schäfer zu dem Bürger Du schläfst auf weichen Betten, ich schlaf auf weichem Klee, Du siehest dich im Spiegel, ich mich in stiller See; Du trittst auf Fußtapeten, ich tret' auf sanftes Graß; Dich tränken theure Weine, mich tränkt ein wohlfeil Naß; Du wohnst in bangen Mauren, ich wohn auf freyer Flur; Für dich mahlt Pesn' und Hempel, für mich mahlt die Natur; Du bist oft siech für Wollust, ich bleibe stets gesund; Dich schützt für Geld ein Schweizer, mich schützt mein treuer Hund; Du schlummerst ein bey Sayten, ich bey dem Wasserfall; Du hörst Castrat und Geiger, ich Lerch und Nachtigal; Dein Auge sieht oft finster, das meine bleibet hell; Dein Mädchen glänzt von Schminke, mein Mädchen glänzt vom Quell! An den Licin Wie du mein Sinngedicht erklärst Licin! so ist es dein; Doch wie mans ohne dieß versteht Licin! so ist es mein. Grabschrift des Protesilas Protesilas ward hier begraben; er reiste durch die ganze Welt, Bis er aus Neugier selbst gen Himmel die lange Reise angestellt. An Messalinens Tochter Die Schuld, daß sich o schönes Kind! Aus unsern Jünglingen zu dir kein Freyer findt, Ist: daß sie deine Väter sind. Das Orakel Ein Wald lud mich in seine Schatten Ich irrte drin in krummen Gängen Und plötzlich sah' ich Daphnen kommen. Ich schlüpft in eine hohle Eiche Und hörte aus der hohlen Eiche Was Daphne mit sich selber redte; Sie sprach: ach könnt ich Mittel finden Den Mund des Thirsis zu verschließen, So offt er mich um Liebe flehet! Schnell rief ich in dem Schooß der Eiche Nicht anders als Orakel sprechen: Dein Kuß wird Thirsis Mund verschließen! An den Maximin Daß Lucius o Maximin! dein Kind so liebreich drückt, Ist: weil er deiner Frau und sich nichts ähnlichers erblickt. Lygdamis Als neulich Lygdamis die hohe Schul verließ, Und eine junge Frau sein artig Wesen prieß, Sprach er entzückt: Madam' in commendationem, Rogo accipias hanc dissertationem! Amor Mein Pfeil besiegt die stärksten Götter, und alle Helden scheuen mich; Nur zwey sind stärker noch als ich: Minerv' und Friederich. An Gliceren Glycere komm auf grüne Fluren! Da sind des goldnen Alters Spuren; Da herscht die Liebe fern vom Neid, Da macht das Herz den Unterscheid. Sieh wie die Zweige lieblich winken, Wodurch itzt träge Bäche blinken! Komm, komm in jene Rosenhecken Dich für die Mutter zu verstecken! Des Amors Blume blüht nur dir, Dort singen wir, dort küssen wir; Wir wollen einsam dort in Gründen Den Himmel zwischen Rosen finden. Philinde vor dem Nachttisch Ihr Reize nahet euch! Philind ist schon erwacht, Ihr Liebesgötter schlüpft in ihre Morgentracht, Naht euch ihr Jünglinge! doch nehmet euch in acht, Daß euch der Gott der aus dem Busen lacht, Wie mir nicht tiefe Wunden macht! Themire Du siehst auf diesem Elfenbein Themirens himmlisches Gesicht, Die blendend weiße Brust die kleine runde Hand Und bist in sie schon itzt entbrannt? Du siehst noch ihren Geist und ihre Tugend nicht! An den Tacitus Du redest nicht ein Wort wenn du bey Menschen bist Du redst wohl destomehr, wenn niemand bey dir ist? An Iris Komm Iris unter Buchen Ein labend Kühl zu suchen! Mich schmelzt der Sonnenstrahl Noch mehr der Liebe Quaal. Doch hör' nah' im Gebüsche Tönt ein verliebt Gezische, Wenn dich der Laut nicht schreckt, Sind wir dort mehr bedeckt! An den Tongil Daß ich, als ich dich sah, nicht gleich den Huth gezogen Und mich nicht tief vor dich gebogen, Ist was dich so verdrießt? Tongil! man hat zwar oft dein Kleid, doch dich noch nie gegrüßt. Vorzug der Schweitz Ein junger Zürcher kam Voll Stolz und Politik jüngsthin nach Amsterdam, Und sahe Käse zubereiten. Er kostet' ihn mit eklem Zahn und rief: was will man lange streiten, Daß unser Land an Witz und Wissenschaft nicht jedes Land besiege! Hier ist Verstand noch in der Wiege! Alcander Man sehe doch die List! Alcander will einfältig scheinen, da er einfältig ist. Lupa Des Lupus Frau ist oft zerstreut, und denn ... die Gleichheit trügt; Jüngst hatte sie sich bey der Nacht zu ihrem Sohn verfügt. Amors Irrthum Jüngst sah ich Phyllis tanzen Und fieng sie an zu lieben. Ich rief den nahen Amor Und sprach: Verwunde Phyllis Damit mich Phyllis liebe! Der Blinde nahm den Bogen Und schoß und traf die Mutter; Nun liebt mich ach! die Mutter! Macrus Es schenkt mir Macrus schlechten Wein In einen goldnen Becher ein, Damit die Farbe mir nicht soll verdächtig seyn; Wie aber Macrus, glaubst du wohl Daß ich vom Glanz des Bechers voll, Auch den Geschmack verlieren soll? Hirpin Camill schweift aus im Leide, Thersander in der Freude, Hirpin lacht dieser Seltenheit Und ist ein Narr in Freud' und Traurigkeit. Tantalus Wolt' einstens in der Hölle Mich Minos grausam strafen, Weil ich zu viel geküsset; So müsten schöne Mädchen Sich meinem Munde nähern Und meinem Arm entfliehen, Wenn ich sie küssen wolte. Auf den Turpill Turpill von edlem Ehrgeitz voll, ist außer sich sein Lob zu hören. O Himmel gönn' ihm doch die Lust mit langem Ohr es anzuhören! Bathyll Bathyll schreibt für die Ewigkeit, Wird ihn sein Vorsatz ewig machen? Ich brauche besser meine Zeit, Ich schreib' um über ihn zu lachen. An den Emir Was du noch nicht verstehst, das tadle nicht so sehr, Ich zehle sonst Emir, ein Sinngedichte mehr. Der pflügende Amor dem Moschus nachgeahmt Laß es auf diese Furchen regnen, die du o Zevs mich ziehen siehst! Du zauderst Zevs? Wenn du den Regen mir eine Stunde noch entziehst So scheue mich, scheu diesen Pflug, aufs neue mach' ich dich zum Stier Und spanne dich dafür! Das Bedünken Wenn ich Burgunder trinke So fliehen alle Sorgen, Dann dünk' ich mich ein König Und lasse Praag erobern, Und Schiffe gehn nach Westen Und hohlen für mich Reichthum. Der Sturm Es wird auf einmahl Nacht, die Winde heulen laut, Und Himmel, Meer und Grund wird wie vermengt geschaut. Das Schiff fliegt Sternen zu, stürzt wieder tief herab, Läufft unter Wellen fort, sieht um sich nichts als Grab, Hier blitzt, dort donnert es, der ganze Aether stürmt, Die Fluten sind auf Flut, und Wolk auf Wolk gethürmt, Das Schiff zerscheitert itzt, und mir ... ist nichts geschehn, Weil ich dem Sturme nur vom Ufer zugesehn. Chloris Ich wünschte Chloris Hand zu küssen Sie aber reicht voll Eigensinn Mir ihre breiten Lippen hin Und läßt mich theuer büßen. An Perillen Perillens Glanz kan Phoebus Glanz nicht gleichen, Und Venus Reiz kan ihren nicht erreichen. Es wehen Zephirs wo sie geht, Es sprießen Blumen wo sie steht, Perille kann mit halben Blicken Der sprödsten Männer Herz entzücken. Sie singt: die Wälder folgen ihr, Sie ist der ganzen Erde Zier, Sie ist ... o heßliche Perille Wie schweigst du doch zu solchen Lügen stille! Unterricht des jungen Barchus Nachahmung einer Dithyrambe des Herrn von Tagliazucchi. Und wie kan man Silen! doch immer durstig seyn? Wir sind schon so gemacht mein Sohn! der Magen hält nicht Wein. Sieh nur das Spiel der Knaben dort! Wie durch Hollunder den sie ausgebohrt, Ein Pfropf den andern treibt, so treibt ein Glaß das andre fort. Zweytes Buch An den Astolph Du schreyst: es könn' ein Timon nur wie ich von Fehlern sprechen; Das weiß ich nicht, dieß weiß ich wohl, Daß wenn man Tugend üben soll, Man sie mit Eifer darff an deinen Lastern rächen. Calliodor Man sagt, Calliodor sey magrer als Voltair; Nun glaubt der arme Tropf sich klüger noch als er. Die Rose in der Knospe Aurorens Kind du junge Rose du Was schließt du noch die volle Knospe zu? Es scheint du scheust das rauhe Wetter Und hütest drum die zarten Blätter, Wie Dorilis wenn sie ein Lüfftchen schreckt, Den jungen Busen deckt. An den Crispin Kanst du mit Ironie dein eigen Lob uns sagen, Denn wollen wir Crispin, denn wollen wirs ertragen! Gebeth an die Venus nach dem Moschus O leite schönste Venus, Die du am Himmel wachest, Die Schritte deines Schäfers, Der itzt Dorinden suchet! Ich geh nicht aus zu rauben, Und denke nicht zu tödten, Mich treibt allein die Liebe, Auch du suchst was du liebest. Die Biene O Biene, stichst du Doris Brust, Den Sitz des Reizes und der Lust? Wilst du vielleicht die Spröde stechen, Um meine Quaal an sie zu rächen? Doch nein ich seh, du willst durch Doris Hand verderben Und glücklicher als ich auf ihrem Busen sterben. Der Gerechte nach dem französischen Es sündigt siebenmahl des Tages der Gerechte, Sprach auf der Kanzel einst ein Sohn des Loyola. Des Tages siebenmahl? rief eine Alte, Ha Wo lebt wohl der Gerechte! Grabschrift des M* M* der noch dacht' und liebt' als er verschied, Liegt hier; er war nur Kopf und männlich Gl ... An einen Naturforscher Du suchst die Größ' und Zahl von jenen Wandelsternen, Die sich um eine Sonne drehn Und zwischen tausend Sonnen gehn; Und dünkst dich groß? du wirst wie klein du seyst, wohl lernen. Der Zank Der große Streit Atridens, War mit dem Sohn der Thetis, Um ein geraubtes Mädchen. Wenn ich mich einmahl zanke, Zank' ich mich um ein Mädchen. Thrax Seit Thrax sein Amt erhielt, verlohr er sein Gesicht; Er kennt nun keinen Freund und kennt sich selber nicht. An den Fabull Du spottest über den Voltair Und bist von aller Einsicht leer? Daß ein Voltair dein Lob entbehrt, Fabull! ist er vollkommen werth. An Sylvien Sonst liebt ich zwanzig lose Mädchen: Charlottchen, Dorchen, Justchen, Kätchen, Louischen, Lenchen, Wilhelminchen, Concordchen, Hannchen, Carolinchen, Neun Mühmchen und zuletzt Christinchen, Nun ist mein ganz Serail dahin Und du bleibst meine Sultanin! Semire Semire trägt den runden Arm mit Kanten leicht bedeckt, Und hinter einem dünnen Flohr Hebt sich ihr Busen sanfft empor, Doch ihr Gesicht liegt unter Roth versteckt! An einen einfältigen Helden Es werden deine Heldenthaten, Einst in die lange Nacht gerathen, Die Muse sieht und rühmt sie nicht; Du hast des Löwen Muth und Stärke, Wie Cesar thust du Wunderwerke, Nur, daß dir Cesars Kopf gebricht! An den Lycidas Du wilst o Lycidas ein Autor soll dich lieben? Allein o Lycidas hast du auch was geschrieben? Mucius Ein jeder der dich sieht wird dich aus Mitleid fragen: Wo kömmt dir Mucius! die blasse Farbe her? Was frägt man? Mucius läßt lieber seinen Magen, Als seinen Beutel leer. Euclid und Pyrrho Du glaubst es bleibe keine Frau dem Ehemann getreu? Nimm wenigstens die Eva aus! die blieb es zweifels frey. Als Zwang ihr noch für Tugend galt, blieb sie wohl engelrein, Doch, da ein Sohn ihr mannbar ward, mocht' ich nicht Adam seyn. An die Rose Ich liebe dich o Rose! Du Königin der Blumen, Und mag dich gerne pflücken; Doch, pflückt' ich dich vom Stamme, So stächen mich die Dornen; Darum pflück' ich dich lieber Vom Busen schöner Mädchen, Da stechen keine Dornen! Die Verführung Das erste Weib ward durch den Teufel, Durchs Weib der erste Mann verführt; Seitdem hat stets die Frau der Teufel, Die Frau den Mann regiert. Über den Tadel eines großen geistlichen Redners, der seine Reden laß K* will ein Redner seyn? er ließt ja was er spricht; So reden würd ich auch! So schreiben? Nein das nicht! An den Cautus Du zwingst mir dein Geheimnis an, Und denn verfolgst du mich? Glaubst du daß ich nicht schweigen kan? So zürne wieder dich! Alcippus Alcippus öffnet seinen Mund und will uns neue Weisheit lehren: Wer Weisheit schätzt der eil und kom ihn anzuhören! Er hustet laut und spricht: des Leibnitz Sätze stoß' ich um, Und mache seine Schüler stumm, Und sage wieder ihn: Was in der Welt geschieht, geschiehet ohne Gruno! Aus welchem Grund' o großer Mann willst du was du uns lehrst beweisen? Entdeck ihn uns! damit wir dich so viel wir sind mit Grunde preisen. Alcippus hustet noch einmahl und öffnet seinen Mund Und wiederhohlt: es ist kein Grund. Codrus Wenn Codrus in der Still' an seine Titel denckt Bewundert er wie Gott das Hertz der Fürsten lenkt. An Doris Was helfen Doris! dir, die heiter blühnde Wangen, Der Lippen stiller Reitz, die schön gewölbte Brust, Das Haar wo Zephirs sich in blonden Locken fangen? Du scheuchst die Grazien, den Amor und die Lust. Vergeblich hat Natur dir Schönheit beygeleget, Wenn sie dir nicht Gefühl im Lenz der Jahre giebt; Wenn nicht die Zärtlichkeit den jungen Busen reget, Blühst du den Blumen gleich die nur das Auge liebt. Philindens Kuß O welchen Kuß empfing ich von Philinden O Kuß, o Lust, in der ich mich verlohr! Solt' ich so großen Schmertz o Himmel, einst empfinden! So tödte mich zuvor! Die reiche Phyllis an ihren Freyer O Phillis gieb mir deine Hand, die mir auch leer gefällt, Dein Hertz ist mehr als Kronen werth, mehr als die gantze Welt! Mein junger Herr! sie dencken schön und schielen nur nach Geld. An die geschminckte Chloris Des morgends bist du blaß und alt, Des abends jung und roth, Bist du denn weder jung noch alt, Und weder blaß noch roth? Grabschrifft des Pandolfs Ihr Krähen, Eulen, Geier, Raben, Klagt hier und schreyt! hier liegt Pandolf begraben, Der eurem Schnabel jüngst entgieng, Als er sich selbst erhieng. Alexander der Große Bewundert doch des Alexanders Herz! Es war so groß als seines Volckes Schmertz. Dulcin, Corinne Corinne. Dich lieb ich stets Dulcin, doch sey auch niemahls kalt! Dulcin. Corinne nein; jedoch, wirst du auch niemals alt? Ruffin Es glaubt Ruffin, er sey mein Held, Weil ich offt seiner Meinung bin; Wenn deine Meinung mir gefällt, Ruffin, so folg ich meinem Sinn! X und G Uns stehen alle Häuser offen, und alle Tafeln sind uns frey, Man nährt in mir, den Eulenspiegel, in dir, die Schmeicheley! Frag' und Antwort Du hast in langer Zeit kein Sinngedicht gemacht? »Ich habe nicht an dich gedacht!« Chrysip Daß Chrysip behutsam geht, Daß er langsam spricht und dencket, Daß ihr ihn offt zehlen seht, Daß ihn Schertz und Freude kränket, Daß er stets sein Gold bewacht, Daß er jährlich küßt und lacht, Glaubt er, komme vom Verstande, da es doch sein Alter macht. Fragen Du frägst, warum im Frühling Nicht gleich die Rose blühe? Warum die Nachviole, Nicht auch bey Tage duffte? Warum den gantzen Sommer Nicht Philomele singe? O Doris, frage lieber Warum ich dich nicht küsse? Grabschrifft eines Schläfers Dies Grabmahl deckt den grösten Schäfer, der nie genug geschlafen hat, Der Tod war selbst ein Schlaf für ihn; Er schlafe sich denn einmahl satt! An den Licip Daß man, wenn man dich sieht, stets den Lavendel riecht Licip! ist dazu gut, damit man dich nicht riecht. An Eglen Du giebst dir Egle Müh die Sommersprossen zu vertreiben? Du bist vergeblich klug! Zwar wirst du minder heßlich bleiben, Allein, noch heßlich gnug. Miren Miren wohnt schön, doch alles Hausgeräthe Das um ihn glänzt, Tisch, Spiegel, Stühl und Bette, Tapet, Gemähld und Schrank und alles ist nicht sein ... Ich mag bey mir nicht fremde seyn! Die Heiligkeit der Eichen Jüngst sprach ich mit den Eichen, Und frug: Warum ihr Eichen, Seyd ihr geheiligt worden? Drauf zitterten die Wipfel, Und sieh ein braunes Mädchen, Sprang aus der nächsten Eiche, Und rief: Der Nymphen wegen Die in den Eichen wohnen, Sind sie geheiligt worden: Nun ehr ich alle Eichen! An Lycon Sieh dort im melancholschen Wald Das Bild der Sonn' im Teiche schwimmen, Sieh jener Schäferin Gestallt Und hör der Vögel süße Stimmen Und wie der Bach in Felsen lermt Und buntes Vieh auf Wiesen schwermt, Wer blieb' o Lycon hier nicht stehen, Sich satt zu hören, satt zu sehen! Der Wiederspruch Als neulich mir ein Weiser, Den Widerspruch erklärte, Sprach ich: ist das nicht einer? Wenn Iris mit mir zürnet, Daß ich sie jüngst geküsset, Und itzt noch immer zürnet, Daß ich sie nicht mehr küsse? Olympia Ein Ungewitter tobt bey stiller Mitternacht, Der nahe Himmel zürnt, Olympia erwacht, Sie flieht in Damons Bett, bewundert ihren Witz! Hier hört sie keinen Schlag, hier sieht sie keinen Blitz. Das Kind und die Mutter War denn der Herr mit dem ihr giengt, O liebe Mutter todt? Mein Kind! er lebt, ist jung und roth; Ach Mutter nein, er stinkt! Der Prälat und die Haushälterin Sie sind mir viel zu theur mein Engel, zur Haushälterin, Zehn Thaler wöchentlich! ich laß mich nicht bethören! Hochwürdger wissen sie, daß ich unfruchtbar bin? Ha! dieser Umstand läßt sich hören! Die fliehende Daphne Vor dem ihr folgenden Apoll floh Daphne schüchtern her, Der Gott der Musen rief mit ängstlichem Geschrey: Flieh nicht o Nymph' ich bin der Gott der Arzeney! Da flohe sie noch mehr. Die schlafende Philaminde Wie sanfte schläft in Blumen hier, Die unschuldsvolle Philaminde! Sie lächelt selbst im Schlaf, o weckt sie nicht ihr Winde! Sie träumt vielleicht von mir! Iren Iren denkt stark und schön, in ihm ist lauter Licht, Er ist beherzt, gerecht, doch liebenswürdig nicht, Sein strenger Ernst der ihn mit Runzeln überzieht, Macht daß ihn jeder ehrt, bewundert, rühmt und flieht. 23. Lied des Anacreon Wenn Sterblichen ihr Leben Durch Reichthum länger würde So häufft' ich selber Schätze Und wenn der Tod denn käme, Gäb' ich ihm Gold damit er Mich leben ließ' und gienge. Doch da wir nicht das Leben Durch Gold erkauffen können, Da mich der Tod nicht schonet, Was gräm' ich mich, was seufz' ich? Was soll mir Gold und Reichthum? Viel lieber will ich trinken, Die besten Weine trinken, Ich will mit Freunden lachen Und auf dem sanften Rasen Ein schönes Kind umarmen. An den Mopsus Du dünkst dir seltsam klug, und schreyst Verstand sey rar! Ein Dudentopf wie du, wird der Verstand gewahr? Das Bad O Himmel welch ein reizend Weib Seh' ich im Teich sich baden! Die Fluth verräth den schönsten Leib; Ists eine der Najaden? Solt' es Salmacis selber seyn So muß ich in den Teich hinein! Franz Franz will daß ich mehr Sinngedichte schreibe Zu seiner Lust, zu seinem Zeitvertreibe Im Podagra; und meint: man rühme sie. Franz! deinen Beifall wünscht ich nie, Der Ruhm von wenigen belohnet meine Müh.