Madenburg Trümmer eines alten Schlosses Sucht der stille Wandrer auf, Wandelt rasch den späten Lauf Zu der Burg, die oben thront. Er bescheinet die Gestalt Zwiefach Licht, Oben kalt Bleich der Mond Unten bricht An dem fernsten Horizont Sich der Abendsonne Strahl; Tief im Dunkel ruht das Thal. Drüben sprühn Rosigen Schimmer Alte Trümmer Von der Sonne letztem Glühn. Durchs Geklüft der Thürme pfeifend, Weht der melancholsche Wind. Sieh! der Schein des Mondes spinnt Ueber wankendes Gemäuer Einen lichtgewobnen Schleier, Sanft am Glühn vorüberstreifend. Geisterathmen hauchet aus Der Verschüttung düstrer Graus, Schatten ziehn sich lang Schauerbergend zu dem Felsenhang. Und des Schlafes süßes Reich Neigt auch schon Auf den müden Erdensohn Den bemohnten Zweig. Aber in gemessnem Schritte Wallet zu des Hofes Mitte Majestätisch Paar zu Paar Grauer Mönche stumme Schaar. Dort zur Stelle Ragt verfallen die Kapelle. Dort erschallen in den Hallen, Zu der Jungfrau Preis und Ehre, Ihre Chöre, Die des Windes leiser Flug Säuselnd durch die Trümmer trug. Immer lieblicher erklingen Dann die Töne, tiefer dringen Sie ins Herz dem Jüngling ein. Feierliche Worte rauschen An sein Ohr, die Mönche tauschen Das Gewand im Mondenschein. Und der Wandrer jäh erwacht, Und der Wandrer hellauf lacht. Fröhlich lagen sie beisammen, Auf dem Moose des Gesteins, Seine Freunde, bei den Flammen Eines hellen Feuerleins. Dort wo längst verstummt die Klänge, Walten Lieder mancherlei, Tönen kräftge Jubelchöre, Zu des Vaterlandes Ehre Manche frische Melodei. Wanderung und Minne klang es Und dem Becher ward sein Lied. Herzerfreuend scholl die Weise, In dem frohen Zecherkreise, Herzerfreuend Lied auf Lied Durch die alten Hallen zieht. Morgen durch die grünen Thäler Streifen wir mit neuer Lust! Morgen in die heitern Schenken Werden wir die Schritte lenken, Da wird helle Kopf und Brust!