36. Und Tal und Berge ruhn in bleicher Pracht; groß blühn die Sterne durch die Bäume, und lautlos über Raum und Räume erdehnt ins Leere sich die blaue Nacht. Und nun ist bald das Schwere vollbracht; schon rührt sich fern durchs Land, als schlüge ein Herz im Schnee mit dumpfer Macht, eisern das Bahngeräusch der Züge. Und heiß, mit einem Lächeln heiliger Lüge, haucht das Weib: Nun magst du gehn – hier, wo wir noch durch unsern Himmel schreiten, sag ich dir ruhig – – sie bleibt jäh stehn, ihre Stimme bricht, ihre Hände gleiten ihr schützend unters Mutterherz, ihre Lippen zwingen sich zum Scherz: in guter Hoffnung auf Wiedersehn – Nicht aber so! – ja weine, weine – o sieh: aus tiefster Quelle klar quillt meine Träne heiß in deine – und mich verklärend mit dem Glorienscheine um dein nachtentsprossen Haar, steh ich hier vor dir und schwör dir: Nie wird diese Klarheit enden! – Sieh: es legt das Dunkel sich in meine Hände, als ob es Zuflucht suchte und nun fände: zu Sternen heb'ich meinen sichern Blick! Da – o Glück: ahnst du sie, die Pflicht der Welt? Ja: von Sphären hin zu Sphären muß sie Saat aus Saaten gebären, bringt sie uns das Licht der Welt: rieselnd wie aus dunklem Siebe sät es Liebe, Liebe, Liebe von Nacht zu Nacht, von Pol zu Pol – Zwei Menschen sagen sich Lebwohl.