Daniel von Czepko Drey Rollen verliebter Gedancken [Vorrede] An die Hoch Wolgebohrne Frau Frau Salome Lassatin, gebohrne Burggräfin von Dohna, Frau auf Quarckhoff. Eu. Gn. habe auf dero gnädigen Befehl ich die Rollen verliebter Gedancken, so ich theils aus der Aschen, als solche nebenst vielen andern Schrifften dem Feuer unlängst von den unbeliebten Croaten in Hiltschin aufgeopffert worden, aufgelesen: theils unter dero Liebswürdigen Frauen Zimmer empfangen, hiermit in tieffer Andacht, wie es sich bey derogleichen Göttin, wo auf der Welt dergleichen auch anzutreffen, geziemet, gehorsam übergeben wollen. Ich muß es bekennen, daß ich durch dieses schlechte Opffer dem Altar der Danckbarkeit nicht einen geringen Schandfleck anhänge, als der ich durch die von Eu. Gn. mir so viel erzeigte Gnade längst verbunden gewesen, durch etwan eine neu aufgebauete Arcadia zu erweisen, daß keinem undanckbaren solche wiederfahren. Und hat iemahlen die vom Himmel herabgestiegene und auf Erden sich zu erkennen gegebene Schönheit die unterthänige Aufwartung der aller berühmtesten Gemüther verdienet, so haben in Wahrheit Eu. Gn. die Oberstelle darunter in dieser unserer Zeit erlanget, und wäre zu wüntschen, daß alle derselbigen verwundernde Beschauer Ihre unbegreiffliche Macht, wie sie solche leiden, also auch beschreiben könten. Aber wie M. Scævola seine Hand, als sie den Fehler begangen, und nicht den König Porsena, sondern seinen Cantzler im Lager danieder gestossen, in das Feuer stieß, darinnen abbrannte, und das gantze Lager die wundersame Leiche seines in der Flammen vertriffenden und gerösteten Armes mit grosser Hertzhafftigkeit ohn eintziges Zucken schauen ließ: also fürchte ich, dürfften auch die Überwinder eines solchen Vorsatzes sich, ehe sie es gemeinet, mitten in den Flammen ihrer Schönheit befinden, und ihre Fehler mit dem Scævola darinnen der gantzen Welt Schau tragen, und darüber in die Asche geleget werden. Unterdessen wil ich gegenwärtige Rollen und die darauf folgende Musterung Eu. Gn. als dem eintzigen Muster aller Vortrefflichkeit bestens befohlen haben. Und ob gleich diese verliebte Gedancken von Eu. Gn. ausgemustert werden solten, wil ich doch hoffen, Sie werden darüber ihren eigenen nicht feind werden, die den meinigen viel von ihrem Feuer mitgetheilet, und wie sie theils noch alle heiß aus dem Feuer hervor gesuchet worden, also numehr durch dero besondere Gnade darinnen bestätiget seyn lassen. Erste Rolle verliebter Gedancken oder Feuers aus der Aschen An Ihro Gnaden Fraülein Barbara Dorothea gebohrne Fraülein von Czigan Was aus der Aschen ich Geschorren und bekommen, Als noch das Blat geglommen, Wil hier bedienen dich. O Barbara, es ist Im Feuer aufgeflogen, Was ich auf hundert Bogen Zu deinem Lob erkiest. Jedoch, es sol dein Preiß Nicht seyn des Feuers Beute, O Freundin weiser Leute, Glut frist nicht ihren Schweiß. Das Ertzt kriegt starcken Schein, Wo man es schmeltzt zusammen, So wird dein Lob in Flammen Ein Salamander seyn. 1. Vorsatz sucht Platz Wer meinen Vorsatz recht wil wissen, Muß mein Gemüth in seines schliessen. 2. Dein und Mein verhindert Ein Wer sich umsieht, wo er geblieben, Gehört nicht unter die, so lieben. 3. Ergib dich, so hast du mich Als ich zum ersten mich verlohren, Da war die Lieb in mir gebohren. 4. Vergiß, es ist ungewiß Der schlägt die Liebe leicht in Wind, Wer sich nur sonst auf was versinnt. 5. Es ist ein Bild, daraus es quillt In dir ist was, das ist nicht du, Draus quilt die Lieb und kommt dir zu. 6. Wo Huld nicht kan, bricht Gold die Bahn Viel, die der Lieb und Treu entgangen, Hat endlich Geld und Gold gefangen. 7. Wo Brand, selten Verstand Das uns auf Erden kan erhöhn, Ist lieben, und dis recht verstehn. 8. Glaub es bloß, so bist du loß Wer liebt, und spricht, er ist gebunden, Hat nichts davon noch recht empfunden. 9. Recht schweigen, kan viel zeigen Bedenckt doch, was mein Reden sey, Ich schweig und werd erhört dabey. 10. Mein Du läst mir keine Ruh In mir da redt was immer zu: Was ists? Ich, oder, Göttin, du. 11. Ich fand dich, und verlohr mich Ich hab und suche, was mir fehlt, Ich bin durch nehmen mehr gequält. 12. Auf Treu folgt Reu Ach wann ich mich, was ich erkannt, Doch nicht so bald darauf gewand. 13. Flamm und Eys hält ein Gleis Ach Wunder! mitten in den Flammen, Gefrier und back ich offt zusammen. 14. Lieben macht Dencken, Dencken macht kräncken Offt hebt, wenn ich nicht dencke dran, Dich in mir was zu nennen an. 15. Demuth wol Thut Als ichs aufs höchste kam, fiel ich, Drum der nach gehst, hüte dich. 16. Laß den Willen, wilt dus stillen Der Willen muß kein Willen seyn, Die Lieb ist sonst nicht Lieb allein. 17. Angenehm macht beqvem Treu ist zwar gut. Doch der hat mehr gethan, Der sich beliebt vor andern machen kan. 18. Ich suchte dich und verlohr mich Bin ich in dir, und du in mir dergleichen: Wie kanst du mich, ich dich dann nicht erreichen. 19. Viel leiden und schweigen kan zu Hertzen steigen Im Willen wird die Liebe zwar gebohren, Doch läst du ihn, hast du erst Lieb erkohren. 20. Wie das Roß, so der Mann, wol dem, der es reiten kan Gut ist die Lieb: als sie wird gut genommen, Böß ist sie dann: ist sie dir so vorkommen. 21. Verlohren ist hier erkohren Ich such und find, und als ich es erkohren, Hab ich dasselb und mich in dem verlohren. 22. Viel sinnen macht wenig können Wo du mich triffst in meinem Hertzen an, So rede so, daß ich es hören kan. 23. Nicht mich sondern in mir dich Was in mir ist, das hast du nicht erkannt, Drumb ist dein Hertz auch stets von dir gewand. 24. Verstummen heist übel vernommen Es ist nicht Noth: nichts reden und viel leiden, Ein eintzig Wort, auch kein Wort kan uns scheiden. 25. Nicht ich du selbst plagest dich Wann dich nur nicht selbst die Gedancken plagen, Hast du sonst in der Liebe nichts zu klagen. 26. Gedancken wancken Du bist zu mir, ich bin zu dir auch gleich gegangen, Wir fehlen beyde so, und sind doch beyd umfangen. 27. Was in dir das fehlt mir Die Liebe, die mich plagt, wird anderswo empfangen, Und anderswo ernährt, und steckt doch im Verlangen. 28. Wer allein darff sich nicht zweyn Ob mir die höchste Lust dein Antlitz, Göttin, giebt, Doch hab abwesend ich dich allzeit mehr geliebt. 29. Ohne Hertz, ohne Schmertz Wer von der Liebsten geht, und bleibet nicht dahinden, Der kan, ob er verirrt, alsbald nach Hause finden. 30. Mich aber vielmehr dich Du liebst nicht mich, nur dis, was sich dir in mir gleicht, Drumb sich in ihrer Lieb auch deine Lieb erreicht. 31. In einem Nu leb ich und Du Könt uns der Augenblick, wann wir uns sehn, vertreiben: Wo würden, stürben wir, dann die Gemüther bleiben. 32. Lieb ohne Pein ist ein Pancquet ohne Wein Verlier ich ie die Pein, so ich bisher erlitten, Ich weiß nicht, solt ich viel umb Liebe bey dir bitten. 33. Einerley Sinn legt alles hin Hoch halt ich, daß du schön, und höher, daß ich frey: Wann beyde weg, dann kommt uns rechte Liebe bey. 34. Ohne Rath folgt die That Als ich Rath bey mir hielt, ob ich dich solte lieben, Kam selbst die Liebe drein, fieng an mich zu betrüben. 35. Ich bin da, wo mein Sinn Die Tugend kan zwar viel, doch macht die Lieb allein: Daß ich abwesend auch kan gegenwärtig seyn. 36. Beydes bringt Flehn, Sehn und nicht sehn Wenn ich dich seh, alsdenn verlier ich Hertz und Sinnen: Seh ich dich nicht, ich weiß nichts sonsten zu beginnen. 37. Es kommt von dir, nihm es von mir Weil die Gedancken mich zur Liebe stets vermögen, So find ich allda dich, bist du gleich nicht zugegen. 38. O Noth, wie nah ist der Tod Mein Leben seh ich bloß an deiner Liebe kleben, Nihm nur die Liebe hin, bald wird es sein Begeben. 39. Kein grösser Leid, als das im Hertzen schreyt Mit euch besprech ich mich gar gern, o ihr Gedancken, Doch schaut, betriegt mich nicht, ich wil von euch nicht wancken. 40. Ohne Pein kan es nicht seyn Mit Blumen prangt der Lentz: Der Sommer drauf mit Ähren: Mit Wein und Obst der Herbst: Die Liebe mit Beschweren. 41. Geduld erwirbt Huld Ich wünsche mir von hier, und wil auch lieber bleiben, Kan weder hier noch dort die Liebe doch vertreiben. 42. Schaue dich für du dienst deiner Begier Viel sind, die beten wol gar schöne Nymphen an, Und ehren, sehn sie es, bloß ihren eignen Wahn. 43. Sag's ich klag's Ich seufftz, umb eintzig nur zu wissen, Schönste Zier, Wie diesen Blick es geh' (indem ich seufftze) dir. 44. Unverwand der gröste Brand Der steckt in grosser Noth, der seine süsse Pein, Unmöglich und dann auch sieht unverändert seyn. 45. Wann es gethan, verläst dich der Wahn Im fall ich von dir komm, erkenn ich sonder Ziel, Daß dis, was mich gequält, dann nicht gewest so viel. 46. Nicht hören kan versehren Erwach ich früh: so rufft das erst Ach Gott in mir! Das andre, bist du nicht im ersten, Liebste Dir. 47. Das Mein in dir erweckt Begier Das beste bleibt die Seel, und die war raus getrieben, Itzt schwebt sie um den Punct (du bists) so drinnen blieben. 48. Alles du, was ich thu Die Morgenröth erblickt' ich nechst; ich sprang herfür, Und sprach (du kammst mir vor) Willkommen schöne Zier. 49. Lieben ohn Vergnügen ist Krieg ohne Siegen Lieb ich: alsdenn geschichts, daß sie sich von mir trennt: Und lieb ich nicht, ist was, das mich sehr reitzt und brennt. 50. Bald geschehn macht offte flehn Als ich dich sah: in dem hast du mich weggenommen, Und weiß noch nicht, wohin ich damals mit dir kommen. Andere Rolle Verliebeter Gedancken oder Wurm unterschiedener Vorbildungen An Ihro Gn. Fraülein Rößle gebohrne Fraülein von Sedlintzky Den Titul, Fraülein, ihr, das Buch hab ich gemacht, Das Buch nehmt ihr, und mir wolt ihr den Titul geben, Ich laß es ja geschehn, doch, ist es recht erdacht: Kan, was von Euch gebohrn, bey Euch auch eintzig leben. 1. Ich liebe das und weiß nicht was Was mehr als diese Zier Die Pfauen so nicht mahlet, Was mehr, als was da strahlet, Aus deinen Augen für: Was mehr, als dieses Licht, Das Adler so nicht haben, Was mehr, als alle Gaben, Und ihre grosse Pflicht: Ist, das ich lieb gewonnen, Was ists? Ich such es hier, Und ist, bleibt es bey mir, Weil ich es hab, entronnen. 2. Angst und Hohn der Liebe Lohn Nihm die Rose von den Dörnern, Zeige dann den Frühling an: Nihm die Aehren mit den Körnern, Sage, was der Sommer kan. Nihm der Trauben süssen Preiß, Sprich darauf, der Herbst ist kommen: Nihm das Schmeltz Glas von dem Eyß, Auch der Winter wird genommen. Nihm der Liebe Quaal u. Pein, Liebe wird nicht Liebe seyn. 3. Der Liebe Taback Liebe treugt, Rauch verfleugt Die Lieb ist rauch, mein Kind, Der es nicht sieht, ist blind. Ihr Kram ist nichts, als Rauch, Ein täglicher Gebrauch: Sie schenckt uns Rauch vor Wein, Rauch muß ihr Essen seyn: Was sie verspricht vor Lohn, Geht, wie ein Rauch davon. Voll Rauch wird dessen Haubt, Der solcher Liebe traut: Die Lieb ist Rauch, der liebt, Wird stets durch Rauch betrübt. 4. Was treibt, das bleibt Durch fliehn entflieh ich nicht, Wann ich durch Wind und Wellen Gleich meinen Lauff wil stellen, Folgt doch das schöne Licht: Durch Berge, Thal und Wald Seh ich stets vor mir stehen, Seh ich stets vor mir gehen Die freundliche Gestalt. Mich müst ich selber fliehn, Dieweil hier steckt im Hertzen, Dein Bild voll Liebes Schmertzen, Dem ich mich wil entziehn. 5. Je härter Band, je freyer Stand Hätten Angel Würme nicht, Kein Fisch würde darnach schnappen: Wenn der Falle Speck gebricht, Hört man keine Maüse tappen: Wenn nicht Beern an Sprenckeln seyn, Kan man keine Vogel kriegen: Wenn nicht Gänß an Eysen liegen, Geht kein schlauer Fuchs nicht ein: Also, wie es jener 1 giebt, Liebe, wilt du seyn geliebt. Fußnoten 1 Martialis (Anm. Czepkos). 6. Überall durch Zufall Kein Gastgebot, kein Spiel, Kein Tantzen und kein Wincken, Kein Nahmen und kein Trincken, Nach der Buchstaben Ziel. Kein Krantz, kein Gruß, kein Brief, Auch sonst kein Fund noch Grief Kan bey den Liebes Sachen Auch nicht das minste machen. Es ist in uns ein Bronnen, Draus kommt, was angenehm, Behäglich und bequem, Nach seiner Art geronnen: Das wird numehr geliebt, Weil sich es mehr ergiebt; Als Gastgebot, als Spiel, Als Tantzen und als Wincken, Als Nahmen und als Trincken Nach der Buchstaben Ziel. Als Krantz, als Gruß, als Brief, Und mehr, als Fund und Grief: Wer Liebe wil genüssen, Muß diesen Brunnen wissen. 7. Wer fragt, verjagt Ach Mägdlein, deine Zier Sieht wie ein Blümlein für, Das zart und neu gebohren: Und sich so bald verlohren, So bald ein kühler Wind Zu wittern sich beginnt: Durch stille seyn und schweigen Bekleibt und bleibt es eigen: Erfährst du, was es sey, So ist sie schon vorbey. Glaub, eh als du es funden, Ist es bereit verschwunden. 8. Der Wahn zündt an Mein Feuer kömmt aus dir, Und bist Eyß gegen mir: Von dir sind meine Plagen, Und du hast nie geschlagen: Mein Treu seyn lehrst du mich, Und stellst nicht recht treu dich. Von dir sind meine Schmertzen Und nihmst es nicht zu Hertzen. Du giebst, was du nicht hast, Hast, was du nicht kanst geben, Was mich befreyt und fasst, Von dem sol ich nu leben. 9. Dis was man liebt, sich selten giebt Ich fliehe, die mich suchet, Die mich fleucht, die such ich, Ich lobe, was mir fluchet, Der ich fluch, ehret mich. Nicht alles, was bequem, Ist lieb und angenehm. Was uns die Augen giebt, Das hasst man offt im Hertzen, Und dis, was uns betrübt, Verehrn wir voller Schmertzen. Ich wil, die mich nicht wil, Die wil, wil ich betrüben: Die mich liebt, plag ich viel, Die mich plagt, wil ich lieben. So lebt die Lieb allzeit In Wiederwärtigkeit. 10. Wol bedacht, erhält die Schlacht Wie Apollo seinen Strahl Läst zu uns hernieder gehen, Und doch in des Himmels Höhen Bleibt Apollo überall; Und wie Arethusa Fuß Durch die See mit seinen Fischen Kommt gegangen ohn Vermischen Und behält den frischen Fluß: Also gehet auch Verstand Mitten durch der Liebe Flammen, Wird zum minsten nicht verbrannt, Wol dir, hast du sie beysammen. Dritte Rolle Verliebter Gedanken, oder Zunder Unversehener Zuneigungen An Ihro Gn. Fraülein Catharina geb. Fraülein von Bössin Fraülein voller Hurtigkeit, Charithea unsrer Zeit, Derer Tritte, Blick und Sachen Alle Gratien belachen. Eurer Anmuth süsse Macht Hat mich auf das Seil gebracht: Daher trag ich ungebeten Catharina Eure Keten. Ob es Ernst ist oder Schimpff Weiß ich voller Treu und Glimpff Euch nicht auf der Post zu sagen: Göttin, ihr must Euch drum fragen. 1. Das Härteste, das Hertzlichste Wann unsre Hertzen ich mir bilde, Göttin, ein: Ist deines und zugleich auch meines wie ein Stein. Zwar deins, weil es die Angst des Meinen nicht erwegt, Und meins, weil es den Grimm des Deinen so erträgt. Jedoch, bedenck ich ie mein Leiden umb und an, Das du mir schickest zu, und ich ertragen kan: Fält grosses ungleich für. Dann sind die Hertzen Stein, Ist es, daß mein an Treu, das Dein an grausam seyn. 2. Biß auf den Mund Alles, was ich seh an dir, Deiner Stellung, Wonn und Zier: Deiner Wangen freundlich Lachen, Wann sie Rosengrüblein machen, Deiner Augen Schertz und Spiel, Wann sie sind der Meinen Ziel: Deiner Lippen lieblich Küssen, Wann sie sich zusammen schliessen: Deiner Hände Deuteley: Deiner Füsse Schockeley: Aller deiner Glieder Sitten, Wenn sie mich sehn dich so bitten; Nymphe, sprechen sämmtlich Ja: Nein, spricht blos der Mund allda. Wann es sol zum halten kommen, Daß er müste gar verstummen. 3. Kleider Sprache Wie daß die Göttin ihr die Farbe hat erkiest, In die das schöne Reich der Lufft gekleidet ist. Bedeut es Hoffarth? Nein. Dann sie ist allen gut: Bestand? Nein. Dann sie braucht in etwas Wanckelmuth. Geht es auf Eyfer? Nein. Dann ihr gilt alles gleich. Auf heimlich Leiden? Nein. Dann sie ist sonst so bleich. Ich deute diese Farb auf Freud und Hoffnung mir, Denn eines Theil spielt blau, das andre grün herfür. 4. Ie heimlicher, ie inbrünstiger Deine Hand wie Marmorstein Fügst du ja der meinen ein: Und erlaubst mir sie zu küssen, Wilst sie auch drauf stärcker schlüssen. Heimlich läst du dis geschehn, Wann uns niemand kan zu sehn: Bald hast du sie ausgewunden, Wann sich iemand beygefunden. Fraülein, es gefält mir wol, Daß es niemand wissen sol, Wie wir miteinander stehen, Laß mich, laß mich weiter gehen. Diese Freyheit deiner Hand Sey und bleibe mir bekannt, Biß du sie wirst, o mein Leben, Einem vor dem Priester geben. 5. An die Augen der Gegen über stehenden Göttin Allezeit lichte bey dieser Sonnen Ihr könnt mir Himmel und zugleich auch Hölle seyn: Ihr schönen Augen ihr durch euern Glantz und Schein, Schaut ihr mich gnädig an, seh ich den Himmel offen, Schaut ihr mich zornig an, hab ich die Höll antroffen. Hier Pein, und dort ist Lust, doch wil mit euch in Pein Ich lieber als ohn euch in Lust und Freude seyn. 6. Hertze, der beste Spiegel Weil ihr vor dem Spiegel steht, Und mit ihm zu Rathe geht, Fraülein, habe ich euch erschlichen, Drüber etwas ihr verblichen. Über Eurer Achsel hin Seht ihr mein Gesichte ziehn In des Spiegels reinen Plätzen Sich zunechst an Eures setzen. Das entsetzen ließ ja nach, Weil mich Euer Mund besprach, Daß vom Putzen auf der Stellen Ich ein Urtheil solte fällen. Zier und Antlitz voller Schein, Fraülein, sprach ich, treffen ein: Aber kehrt der Augen Kertzen Dort in Spiegel, hier zum Hertzen. 7. Der Sonnen und Augen Vergleichung Wie der Sinn, so die Sache Die Sonn ist hell und klar, auch deiner Augen Licht, Die Sonne brennt die Welt, dein Augen kühlen nicht; Die Sonn ist hoch und groß, dein Augen sind erhaben; Die Sonne liebt das Gold, dein Augen goldne Gaben; Ist gleich die Sonne so, doch sol sie fleckicht seyn; Sind gleich dein Augen so, ist doch was falsch ihr Schein. 8. Der beste im Hause der Wirth Auff einen Handschuch Herberg einer schönen Hand, Zarter Finger Wohn Gebaüde, Sonnenschild, mein Ehr und Freude, Welch ich diese Nacht erkannt. Handschuch, weil du diese Nacht Mein Anfechtung bist gewesen, Hast du besser zu genesen In die Heimath dich gemacht. Wann du heimkommst, sprich zu ihr, Fraülein, nehmt mich an in Gnaden, Gieng es euch, wär es ohn Schaden, Gleich auch diese Nacht, wie mir. 9. Eine Schnure Schmeltz Glaß Überall seh ich meinen Fall Du Schmeltz Glas schwartz als Pech, das du umkettelt hast Die Lilgen weisse Hand, und zehnmal umgefast: Ich zürne doch mit mir, ob meiner Farbe du, Die mein Betrübnüs zeigt, gleicht triffst am nechsten zu: Nicht mache dich so groß: Du bist und bleibest Glas: Die Reiffen sind zu schlecht umb ein so edles Faß. Ach Göttin! Diese Schnur erkieß ich nicht umbsonst, Die Farb ist meine Pein, das Glas ist deine Gunst. 10. Über einem Pistol Schuß Verschonen heisset Straffen Göttin, ist das Recht gethan Weil ich auf und nieder gehe, Und am Fenster stille stehe, Stellest du dich Seiten an. Höfflich redest du mit mir, Als ich mich zu dir wil bücken, Reicht dein Knabe hinterm Rücken Ein gespanntes Hand Rohr dir. Eh, als ich nehm es in acht, Giebst du Feuer. Ach! Der Laugen! Fenster aus vor meinen Augen, Daß es auf dem Marckte kracht. Aber, was ist dieser Schuß? Deiner Augen Blicke machen, Daß ich stündlich sonder Krachen Hundertmal vergehen muß. Kan dein Liedermacherlein Göttin, eine Gnad erwerben: Laß mich ungemartert sterben, Her Rohr. Weg der Augen Schein. 11. An eine Kette und Armband Wer frey ist, ist am minsten frey Warum schleust du den Hals und deine weisse Hand An diese goldne Kett', an dieses goldne Band? Indem du dich geziert, und gehest wie gefangen, So führst du mich herumb, und bindest mein Verlangen. Die Schönheit ist mein Joch. Drumb ist es recht gethan, Daß ich, und nicht daß du die Ketten trägest an. 12. Im Mittel das Beste Nymphe, weil ich werffe mich, Dir gebückter vor die Füsse: Und den Saum des Rockes Küsse, Ey so laß erbitten dich. Zwar, du wilt mit deiner Hand Von der Erden mich aufheben, Mit ein schönes Antlitz geben: Doch dein Hertz ist unverwand. Nun ein Circkel ist der Saum: Drüber wolt ich gerne kommen, Davon hast du nichts vernommen, Drumb erlang ich da nicht Raum. 13. Aus wiedrigem größere Vereinigung Ihr Sinn ist voller Eyß, ihr Augen voller Glut, Voll Feuer ist mein Sinn, mein Augen kalt wie Fluth. Das macht, daß seinen Sitz der Gott der süssen Schmertzen Bey ihr in Augen hat und bey mir in dem Hertzen. Ach! daß er wechseln wolt, und nehmen sonder Pein In ihr das Hertze zwar, in mir die Augen ein. 14. Der Liebe Azoth Göttin, du bist Stall und Stein, Sol ich meine Lieb und Pein In dein hartes Hertze graben, So muß ich was härters haben. Was ist härteres als du: Das mich reitzt so starck dazu. Es sind die standhafften Flammen, Die aus Witz und Tugend stammen. Es bringt einen Azoth mir Die Beständigkeit herfür: Der wird dich voll Lieb und Lachen Rauer Felsen mürbe machen. Und so mürbe, daß man mich Göttin, oder selber dich, In dir würd abdrucken können, Doch du must mich lieb gewinnen. 15. Haus Diebe, Haus Verräther Wie artig ist mein Schalck. Sie nahm ihr goldnes Haar, Druckt es an Mund, und warff dadurch der Augen Paar: Nicht Haar, vielmehr ein Netz: in dem ich mich verfitzt, Dadurch viel tausend Blick auf mich gefach geplitzt. Nicht Netz, ein schlauer Raub: weil sie durch diesen Strahl Mir Hertze, Seel und Muth und Sinn u. Leben stahl. Niemand nahm es in acht. Nun es hat keine Noth, Der Diebstahl ist entdeckt. Wie? Sie ward drüber roth. 16. Alles auf Eines So viel Wellen in der See: Wann die Fluth steigt in die Höh, So viel Stern in hellen Nächten: Derer Zahl nicht zu verfechten. So viel Blätter in der Welt, Wenn der Herbst sie runter fält; So viel Stipchen in der Sonnen, Wenn der Ausfluß kommt geronnen. So viel Anschläg auf der Post, Wältz ich täglich in der Brust: Ist ein Anschlag doch vor allen, Denn bloß dir wil ich gefallen. 17. Von seinem Feuer. Das Leben komt vom Tode Wann durch der Flammen Krafft der Phoenix sich gebiert, Sehn wir, daß die Geburt von seinem Sterben rührt. Aus seinem Grabe kan sich seine Wieg erheben, Aus seiner Asche springt und bricht hervor das Leben. So sterb und leb ich auch. Es machen mich, o Noth, Dein Augen lebendig, mein liebes Feuer todt. 18. Ohne Nachtheil Weil die Angel offen stunden, Hab ich mich zu euch gefunden: Fraülein, in der Kammer Thür, Euer Mensch verrieth sie mir. Fangt nicht auf sie an zu schmähen, Denn ich habe nichts gesehen, Als wie ihr des Todes Bild In den blossen Armen hielt. Ich zog ab den leisen Fuß, Legt aufs Bettuch einen Kuß: Eh auch Euch was solte wecken, Wolt ich Euch selbst selbst zudecken. 19. Kein Rath ohne Liebe Wann ich nicht bey dir bin, lieg ich in solcher Noth, Als einer, welcher stirbt und ringet mit dem Tod: Und komm ich ie zu dir, so kan ich nicht bestehen, Und sterbe so dahin, und kan doch nicht vergehen: Mein Abseyn kräncket mich von Liebe gegen dir, Dein Beyseyn tödtet mich durch Härte gegen mir. 20. Vergessenheit. Des Liebhabers beste Tugend Fraülein, wie viel Lieder ich Dir geschrieben, dir gesungen, Muß ich doch geseegnen dich, Weil mein Unglück mich gedrungen. Bisher hat die treue Hand Deines Knechtes dich erhaben, Bisher hab ich dich genannt, Und gepriesen deine Gaben. Numehr wirst du, schönstes Licht, Meiner gantz und gar vergessen, Numehr wird sich dieser Pflicht Mancher Held und Gast vermessen. Castalis ist ja vor dich: Du wilt mir aus Lethe schencken: Beyde heissen dich und mich, Fraülein, dencken und nicht dencken.