Das Fünfte Hundert 5. Klingel An Innigen Innig und Einig Mensch, wilt du Innig seyn, Must du Gott in dich schliessen, Gott ist, das solt du wissen, Gut, wahr, gerecht und rein. Wann du Ihm triffst so ein Im Leben und Gewissen, Kanst Seiner du geniessen Und wirst mit ihm gemein. Sey Gut: hab allstets Ruh. Wahr: beichte deine Sünden. Gerecht: sprich Christo zu. Rein: laß dich nichts entzünden. So bist recht Innig du. Den Weg wirst du hier finden. Folge Christo. 1. Gesichertes Zuvertraun Eh etwas dich berührt: ist es Gott aufgetragen: So muß es Gott zuvor. Ach Trost! vom Himmel schlagen. 2. Göttliche Vorsorge Wie treu ist Gott. Ein Haar ist schlecht, als wie du siehst, Noch fält dir keines aus, biß es sein Rath erkiest. 3. Meine Gott lauter Erkennst du Gott, wol gut. Lieb ihn, nicht dein Erkennen! Wo nicht: Der Weg ist falsch. Kehr um, sonst must du brennen. 4. Allgemeine Liebe Der Weise liebt: Drumb kan er nicht vom besten fallen: In Einem als wie Eins: und Eins wie Alls in Allem. 5. Das Gute gehört nicht uns Der etwas gutes thut, greifft Gott den Höchsten an, Begehrt Er Lohn, und meint, er selbst hab es gethan. 6. Kinder der Seelen Die Aufgäng im Gebet, in Seufftzern reine Flammen Sind Söhne heilger Art, die aus der Seele stammen. 7. Der böse Feind hat kein Gewissen Der Böse würde gut, empfünd er ein Gewissen: Indem er Gott wil seyn, kan er die Schuld nicht büssen. 8. Ausser den Willen Mensch, alles was da ist, das ist dir untergeben, Den Willen bloß laß stehn, sonst kommst du um dein Leben. 9. Der Sünden Geburt Stadt Wo komt der Willen her. Das wolt auch Adam wissen, Drumb ward er mit dem Schwerd aus Eden fortgeschmissen. 10. Mache ledig, daß Gott fülle Das Höchst in der Natur ist Willen und Verstand, Wann beyde ledig stehn, alsdann wird Gott erkannt. 11. Gott ohne Wercke Der Willen, darumb hat Gott die Natur erlesen, Besteht in ihr im Werck, in Gott allein im Wesen. 12. Gott wil nichts gezwungenes Des Herren Willen stellt dein Heil in deinen hin, Er wil es nicht ohn dich: Thu du es nicht ohn ihn. 13. Gott wil im Menschen Weil Gott ohn dich, o Mensch, nicht wollen mag noch kan, So leid ihn, und nihm dich ja nicht des Willens an. 14. Ende des Willens Im Fall kein Willen mehr: ich sag es unverwand: Kein Mensch wär etwas nütz, und Gott blieb unerkannt. 15. Willen des Kummers Mutter Daß du viel Kummer hast, schreib es dem Willen zu, Der eign ist voller Leid, der ewge voller Ruh. 16. Willen in der Hölle Dort in der Höllen hat ein ieder seinen Willen, Drumb steckt sie voller Pein, und nichts nicht kan sie stillen. 17. Habe nichts eigenes Nichts eignes nihm mit dir, wilt du in Himmel kommen, Nichts, als was allgemein wird oben angenommen. 18. Dienstbarkeit Wer etwas eignes hat, zeigt, daß er eigen sey, Und wer selbst eigen ist: Wie sprichst du: er ist frey? 19. Seeliger Weg Das aussre muß ein Weg zum inren Leben seyn, Doch fängt das innre an, so geht das aüsre ein. 20. Umbsonsten Mensch, deine Seeligkeit die wil kein andre Müh; Glaub es, daß Christus dich erlöst, so hast du sie. 21. Gehe Gott zur Hand Wol steht es, bist du Gott, was deine Hand dir ist, So hast du Gott, und er dich wieder auserkiest. 22. Übe gute Wercke Mensch, wilt du seelig seyn, brauch einen Ernst dazu, Wer sich nicht biß in Tod bemüht, sieht nicht die Ruh. 23. Licht unterm Schatten Nihm hin die Deck, auch nicht, Gott ist dir nah und weit, Du hast, suchst du es recht, das ewge in der Zeit. 24. Gott befördert dein Glück und Unglück Trotz, daß ein Unglück Gott den Menschen liesse rührn, Daß ihn zu Ihm nicht solt aus lauter Liebe führn. 25. Durch Noth zu Gott Unmöglich ists, daß dir ein Leid begegnen kan, Hielt es nicht umb dein Heil, o Mensch, beym Höchsten an. 26. Lauterste Lauterkeit Schau dich nicht umb. Es lebt im Himmel nichts, als du. Ja käme Gott nach dir, laß dich, und bleib in Ruh. 27. Es kostet seine Gottheit Nihm es von Gott, dann so was böses in Beschwerden: Dafür muß er dir recht, solt er nicht Gott seyn, werden. 28. Sey unbeweglich Wilt du um Rettung schreyn? Halt an, du tadelst Gott. Behalt ein gleiches Hertz in Lustbarkeit und Noth. 29. Der es nicht weiß, weiß es Kein Mensch weiß, was vor sich ein freyer Wille sey, Doch lässest du ihn stehn, du kommst ihm nahe bey. 30. Göttliche Wunder Der alles giebt, ist arm: der alles schafft, geschieden: Der es bewegt, in Ruh, der es erhält, zufrieden. 31. Nichts Etwas Aus Etwas Nichts Es ist ein Ewges Nicht, daraus das Eine fleust: Der wird nicht Nichts, der sich drin durch das Eine schleust. 32. Durch Creutze zu Christo Wer den Char Freytag hier, kan bloß dort Ostern halten, Das Creutze muß zuvor, der Siegesfahn drauf walten. 33. Die Liebe macht den Himmel feil Dein Heil ist feil. Nu was? Umb Liebe beut es Gott, Mensch übe dich daran, biß in den bittern Tod. 34. Nicht das Deine Mensch, liebst du Gott umb Heil, hör auf, du suchst das Dein: Ihn must du ehrn, nicht dich, wilt du recht seelig seyn. 35. Inwendige Hölle Der eigne Nutz ist Höll. O Mensch, was suchst du nu? Gantz muß das Deine fort, sonst hast du keine Ruh. 36. Ie gleicher, ie erträglicher Der darff sich keinen Blick in hundert Jahren grämen, Wer alles kan von Gott aus gleichem Hertzen nehmen. 37. Selten besser Viel schreyn zu Gott: seyn sie ie kummerhafft und kranck, Erhört er sie: drauf muß er unter Tisch und Banck. 38. Verdammliche Heucheley Viel fallen hin vor Gott, wann sie in Tempel treten, Dan ists ein Ammt, ein Gut, ein Haus, vor dem sie beten. 39. Bitte Wenig, Viel umb Viel, Wenig Das ist, Gott um Gott Wann ich Gott umb was bitt, und hab es dann empfangen, Ruh ich darauf, und bin bey Gott vorbey gegangen. 40. Der Grundgütige Gott Gott ist so gut: wer recht mit ihm wüst umbzugehn, Der schwätzt ihm alles ab, solt er gantz bloß da stehn. 41. Teuffels Dienst der schwerste Dein Heil ist schwer, die Höll ist schwerer zu erwerben, Hier must du selbst: vor dich dort unser Heyland sterben. 42. Ewigkeit über Ziffern Viel tausend Engel zehlt der Weis' in dieser Zeit: Und sieht doch Einen bloß, sieht er die Ewigkeit. 43. Das selbständige Gut Was ist Gott? gut, als Stein. Was Stein? Gut als Gemüthe. Was bleibest? Nihmst du hin Gemüth und Stein? Die Gütte. 44. Gieb Gott Raum Mensch, wo du ledig bist, und nichts nicht wilt genüssen, Er woll ie oder nicht: Gott muß sich in dich schlüssen. 45. In der Wahrheit kein Irrthum Wo Gott was ändern sol, hat er ihm mißgefallen, Wer stets das beste wil, wirckt auch das best' in allen. 46. Bestätige die Einbildung Bös ist vor sich kein Ding. Es sieht dein eitler Wahn Für Gutes Böses, und für Böses Gutes an. 47. Gleich Ungleichen im Ungleich Gleichen Seh ich die Sachen an, werd ich vor Wunder bleich, Daß sie so ungleich sind, vielmehr noch, daß sie gleich. 48. Ie demüthiger, ie seeliger Wo steigst du hin? Ein Thier ist Gott so nah als du. Wilt du ihm näher seyn, such unter diesem Ruh. 49. Alles gegen dem Mittel Weil vor dem andern Gott wil kein Geschöpff erhöhn, So müßen alle gleich im Wesen vor ihm stehn. 50. Unter die Geschöpff Dem Wurm ist Gott für dir so vielmal mehr bewogen, Als vielmahl mehr du dich für Gott ihm vorgezogen. 51. Er kan's nicht lassen Acht es: auch nicht. O Mensch, der Höchste thut das Sein, Und ist, in dem du wachst, auch nicht wachst, dir gemein. 52. Gott liebt alles vollkömlich So viel empfängt von Gott ein iedes, als es kan, Er schaut den Engel nicht für einer Mücken an. 53. Gehe dir aus'm Wege Die Erde raubt ihr selbst der Sonnen süsses Licht, Wann sie den Schatten macht. Die Sonne thut es nicht. 54. Wie du wilt Gott ist dem Seeligkeit, der sich zu Ihm wil wenden, Verdamnüs ist dem Gott: der sich den Wahn läst blenden. 55. Eben /:dasselbige:/ Bild Gott und sein Bild sind gleich. Du siehst ein einges Wesen: Wann du das Dein in Ihm; das Sein in dir erlesen. 56. Versuchung des Willens Ein Blümlein wil auch Gott, von dem es ist, erheben, Brich oder laß es stehn. Du hast Tod oder Leben. 57. Höllisches Feuer Was ist die Höll? Ich sprech: Es ist der eigne Willen. Was brent? Der eigne Nutz, der nimmermehr zu stillen. 58. Des Weisen Heimat unerforschlich Ein Weiser kan die Ding und sich zurücke tragen: Wo aber kommt er her? Da must du Gott befragen. 59. Gott ist Wahrheit Wer sich der Wahrheit hat aus rechtem Grund ergeben, Der lebt nicht, sondern Gott den sehn wir in ihm leben. 60. Ohne Gott Höll im Himmel: Mit Gott Himmel in der Höllen Wer nicht kan seelig seyn, läg er gleich in der Höllen, Gehört nicht oben auf, wie fromm er sich kan stellen. 61. Halt an Der Mensch eilt, als sein Heil dran läg, in Höllsche Pein: Und läst umbsonst: Mein Gott: den Herrn am Creutze schreyn. 62. Vereinbarte Zutheilung, Zutheilte Vereinbahrung Das schlechste Theil den Leib setz ich in Zeit und Welt: Die Seel ist da: wo sie sich in Ihr unterhält. 63. Sich hassen: Gott lieben Der liebt Gott nicht, der sich nicht kan zu Tode hassen, Wer sich erhalten wil, der muß sich selbst verlassen. 64. In Gott alles gegenwärtig Wann sich der Mensch von sich in seinen Ursprung kehrt, Wird ihm die Zeit, die folgt, und die vorbey, gewährt. 65. Kind der Sünden Schau in dich, Mensch, du bist sehr ähnlich den Gesellen, Was fürchtest du den Gast erst dorten in der Höllen? 66. Der Gedancken Vaterland Wie hoch und tieff der Sinn in seinem Abgrund ist, Hat bloß die Seel und Gott, da wo sie seyn, erkiest. 67. Begeben: Erhalten Ist es gleich voller Pein, doch lieben wir das Leben, Das keiner nicht behält, er hab es dann begeben. 68. Der Abgezogene Ein Weiser der gedenckt: Es sey nun alles todt. Und lebe nichts, als er, auch er nicht, sondern Gott. 69. Wann die Seel aussen O Weiser sage mir, wie kommt der Leib hinein? Muß Alles eine Seel, und sie Ein Wesen seyn. 70. Eigentlicher in Christo Könt ich nur über Gott und die Geschöpffe steigen, Wolt ich dir, was ich bin, im ersten Wesen zeigen. 71. Kleinste Gröste Das Gröste Kleinste Ein Theil vergeht, ein Theil sol nun und immer bleiben, Mit dem wil ich die Welt, so groß sie ist, vertreiben. 72. Glauben und Wercke Wer glaubt, thut guts, wer nicht guts thut, verglaubet sich, Nicht folg ihm. Du glaubst sonst gar in die Hölle dich. 73. Von Klarheit auf Klarheit O Mensch, sol neben dir dein Fleisch im Himmel stehn, Muß es durch iede Krafft der Seelen mit dir gehn. 74. Alles in Eines Ruh hat nicht die Natur, biß sie ihr End erreicht, Ihr End ist da, wo sich der Höchst und Sie vergleicht. 75. Geistliche Blindheit Wie sehr irrt der, der schwartz die helle Sonne heist: Noch mehr der, so da spricht: Gott ist gut und ein Geist. 76. Willen Gottes: ewiges Leben Mensch, wilt du seelig seyn, eh als du es solt werden, Ergieb dich Gott: Du hast dein Himmelreich auf Erden. 77. Wie Gott wil So mein Ziel Wo Gott, da ist mit ihm sein Willen und dein Heil. Mensch, wo du mehr begehrst, verlierest du dein Theil. 78. Ie reiner Glas, Ie schöner Bild Mensch, stille deine Seel, alsbald sie klar und rein, Entbildet sich in ihr des Höchsten Krafft und Schein. 79. Es liegt bloß an dir Gott sucht, so gut ist er, sich mit dir zu vertragen; Du darffet ihn, bist du ihm nur gut, nicht drum befragen. 80. Einrichtung Göttlichen und Menschlichen Willens Gut: wo dein Willen sich in Gottes Willen kehrt, Noch besser: so der sein in deinem wird bewährt. 81. Bete bedachtsam Halt an! Wer etwas wil und fält darauf, der fällt: Wohin? Wo Adam fiel. Vom Himmel auf die Welt. 82. Willen: Schlange Alsbald der Willen sich in dir beginnt zu finden, Und die Vernunfft ihn hört: wirst du ein Knecht der Sünden. 83. Habe nichts eigenes Was eigen ist, das kan nicht deines Gottes seyn, Dieweil es wieder Gott, der allen ist gemein. 84. Ein Geist: eine Seele: ein Leib Wir werden Eines seyn im Himmel allzumal: Dann sie die Ewigkeit ist über Zeit und Zahl. 85. Die Schuld ist gezahlt Weg Teufel: Du hast mir an meiner Schuld nichts an, Zwar Christus, doch durch Ihn hab ich selbst gut gethan. 86. Gerechtigkeit Der nicht sucht gut noch Gott: auch nicht was hoch und schlecht: Doch alles gleiche nimmt, der Mensch der ist gerecht. 87. Immer Eines Sinnes Der Gestern traurig war: und Heute lustig ist: Wird Morgen schwerlich sehn, was ihm der Weis erkiest. 88. Wege gleich Wer auf den Himmel mehr, als auf die Hölle hält, Und Gott doch bey sich hat: ist ungerecht und fält. 89. Immer durch Es kan, was bleibest du dann vor der Flamme stehn, In Gottes Heiligthum ja nichts beflecktes gehn. 90. Ohn Umschaun Der ist gerecht, der sich nicht einen Blick verweilt, Und als ein Pfeil zu Gott durch Zeit und Leben eilt. 91. Ewiger Verlust Der Mensch verleurt, der sich den Blick vom besten kehrt, Was ihm in Ewigkeit nicht wieder wird gewährt. 92. Vergebung der Sünden Thu Buß und glaub, o Mensch, der Schuld Vergebung hier, Es hilfft nichts nach dem Tod und im Gerichte dir. 93. Bete Gott an Der die Erhörung dir verspricht, den bet auch an: Weil der, an den du glaubst, dir auch bloß helffen kan. 94. Esset und Trincket! Vor die der Herr sein Blut vergeust, die heist er trincken, Sol es dich heiln, laß es durch Mund und Hertze sincken. 95. Liebe Vollendung der Gebot Viel halten die Gebot, wann sie zur Liebe kommen, Wil wie ein Freytags Fisch die Heiligkeit verstummen. 96. Aus Gnaden, nicht aus Wercken Wo du auf dein Verdienst in Todes Noth wilt gehn, Nicht auf Barmhertzigkeit: Mensch, wirst du übel stehn. 97. Grund des Glaubens Des Glaubens Quell ist Gott, das Leit Röhr ist sein Wort, Die Lehr ist rein: Sie macht die Kirch, und nicht der Ort. 98. Wahre Kirche Die Kirche sol, wo Schrifft und Lehr und Stuhl stimmt ein, Mehr: wo man nach der Schrifft im Hertzen glaubet, seyn. 99. Vom Herren: Nicht von Menschen Die Lehre, derer Grund Vernunfft und Ansehn ist, Die ist ohn Gott und Schrifft von Menschen bloß erkiest. 100. Ie einfältiger, ie gläubiger Wo hoher Witz und Kunst das Reich zu sich sol rauben, Wer hilfft der blöden Schaar, der Einfalt auf? Der Glauben.