An Schinkel Du selbst wohl magst in heitrer Festlichkeit Der Frucht und Blumen Schnur mit Band umschlingen, Und so vom Turme hin zum Turme schwingen Den himmelfrohen Blicken zum Geleit, Wenn des Momentes kühne Heiterkeit Von Gipfeln hin zu Gipfeln möchte springen, Und nach der Vögel Lied in Blumenringen Sich schaukeln schwebend überm Erdenstreit. So sei hinüber dann zu Dir gekreist Mein Liederband von einem Gipfel ab, Dess' Lavastrom die Rinde überm Grab Erstarrter Mitwelt oft Dir aufgeeist. Sei treu begrüßt Du nie erschöpfter Geist, Dem das Verhältnis seinen Meisterstab, Das Unermeßliche zu messen, gab, Daß Ew'ges sich in Grenzen schön erweist. Indessen ein Philister stolz verblüfft Durch aufgesteiften Leichnam des Vitruv, Von seines ausgestopften Schulpferds Huf Sich Hippokrene leckt, Karnieschen knifft, Bist Du mit Orpheus glaubend eingeschifft, Und wie in Klangfiguren Schöpferruf, Wie im Kristall der Ton Gestalt sich schuf, So Saitenklang in Deine Seele trifft. Gehst Du jetzt wohl an meines Görres Hand, Dem Liebe hier im Liede Dich gefügt, Wo ernst der Rhein berauschte Ufer pflügt Längs alter Tempel schicksalsvollem Rand, Und malst ihm meisterlich in feuchten Sand Mit leichtem Stabe, dessen Zug nicht trügt, Ein Dombild hin, dem nicht die Zeit genügt, Noch Dir, der es erfand, ihm, der's verstand. Dann denke, daß zuerst er einst gedacht, Zuerst gesagt: Architektura ist Erstarrte Musika, die Maß ermißt; Worüber die Philister dumm gelacht, Und lieb' ihn drum, sahst Du in stumme Nacht Die Kunst doch auch verbaut durch Formgenist, Bis Saitenklang Dir brach das Schulgerüst, Ausstrahlend vom Gesetz zu Zier und Pracht. Ich weiß, Grundtöne führen Dir den Plan Und Harmonieen wiegen Dir ihn aus Und Melodieen treiben bis zum Strauß Des Gipfels Dir die Linien hinan, Kein Zug läuft eigenwillig seine Bahn, Und macht auf eigne Hand sich blumenkraus, Du pflanzest nicht auf tolles Formgebraus, Nein auf organ'sche Gipfel nur den Hahn. O zürne nicht, daß ich Dich auf die Zinnen Der Tempel führe, die im Geist Du bauest, Und unermüdlich gut der Zeit vertrauest, Ob einmal wohl ihr Großes geh' zu Sinnen; Es ist um Dir die Aussicht zu gewinnen, Wo Du der Erde Hoffnungsgrün erschauest Und Trost des blauen Himmels niedertauest Zu Bildern schöner Kunstzeit auf die Linnen. Doch ach die liebe Zeit! mit Wortposaunen Bläst sie Dein Bild des Griechenlebens an, Und bleckt bei dem Gewitterdom den Zahn, Wahrhaftig schön, altdeutsch, recht zum Erstaunen! Doch Kritiker hört man ins Ohr sich raunen: Phantastische Prospekte, nicht viel dran, Im Kolorit hat er noch nichts getan, Sein Blau will grauen nicht, sein Grün nicht braunen. Auch hör' von Tempelspatzen, Heidenküstern, Von Krähen in Metopen schädeln nistend, Ihr Leben an Triglyphen tropfen fristend Ob got'scher Barbarei ich rings ein Flüstern; Doch keiner ist zu griech'schem Wettbau lüstern, Du schütteltest sonst kräftig, überlistend Die Herrn im Atheistenstalle mistend, Die Säulen Samson über den Philistern. Ursprünglich springt wie Griechen Dir Erfindung, Dorisch wird Manneskraft Dir wie den Alten, Und jonisch siehst Du Frauenanmut walten, Volute in der Locken Schneckenwindung, Den Wulst in vollen Haarschmucks Unterbindung, Des Schaftes Hohlstreif in Gewandes Falten; Korinthisch hohe Zier rein zu gestalten, Giebt jungfräuliche Schlankheit Dir Empfindung. Die Mythe, die korinth'schem Säulenhaupt Durch fromme Liebe schönes Leben gab, Die Freundin lebt, Akanthus auf dem Grab Der Jungfrau ihren Fruchtkorb noch umlaubt, Kallimachus auch Du! kein dürrer Stab Ist Dir der Meßstock; grün und vollbetraubt Schwingst Du als Thyrsus ihn. Es grünt, wer glaubt, Die dürren schnitt der Herr zum Feuer ab. ................................................................... Hier brech' ich ab. Ich hatte hingerissen Wohl funfzig solcher Strophen Dir gesungen, Von Deinen Leiden und Begeisterungen, Domidealen und Realkulissen, Scheinlauter Zeit kleinlauten Hindernissen. Was Du in Dir und außer Dir errungen, Was Dir gelungen, was Du überschwungen, Das sagt' ich dort nach Wissen und Gewissen. Doch hier schien allzuernst mir die Beschauung, Um Dich bei Fahnenschwung und Trommelrühren In lust'ge Zeltengassen einzuführen; Wie leicht wär's um die ganze Auferbauung Durch ein Hurra und Lippellied geschehen, Drum nimm fürlieb auf ernstres Wiedersehen!