Drei trunkene Lieder zur Harfe (Für Paul Scheerbart.) 1. Tonnen stehen im dunklen Keller, Breite, braune, bauchige Tonnen, Und zwischen ihnen taumelt meine Jagd Nach einem Sonnenstrahl, Den ich im vorigen Sommer sah. Sicher, in einer dieser Tonnen steckt er: Napoli oder Caro vigno, ihr goldenen, Wer von euch hat ihn? An einem See wars vor dem großen Gebirge, Und silbergraue Libellen flogen im raschelnden Röhricht Des dürr grünen Schilfes. Aus den klingenden, kleinen Wellen tönte silbern die Frage: »Wo lebt die Eine mit dem liebegütigen Herzen, Das deiner Sehnsucht vorbestimmt ist als weiches Bett?« Und ein heißer, goldener Strahl kam von der großen Sonne, Der über die Wellen fuhr wie kriegschlichtender Schwertstreich. Seid mir Liebesorakel, ihr sonneschwangeren Tonnen! 2. Die Welt ist reich, wie das Auge eines schönen Mädchens. Tiefes Dunkel ist drin voll süßer und schauriger Rätsel, Und die Seligkeit ist in ihr, die glitzernd Ueber die Oberfläche des feuchten Augapfels huscht. Und das Herz dieser Welt voller Keime und heißer Fluten – Wie das Herz eines verliebten Mädchens ist es, das unbewußt Sich nach Umarmung sehnt und schmerzlich seligem Gebären. Feuerstrahlender Gott, der du die Wolkenvorhänge zerreißest, Die Erde in ihrer Nacktheit zu schauen, Heißblickender Mann, Held Helios, gieße Deine Lebensströme in den heiß wartenden Schooß der Erde! 3. Da noch Blut in meinen Adern ist Und Kraftspannen in meinen Muskeln, Will ich lieben, – lieben wie ein seliger Gott und ein gesundes Tier. Die faule Furcht der Menschheit blas ich hinweg Mit meinem Odem voll rasender Sehnsucht. Meine drängende Brust hebt sich nach den bebenden Vollen Brüsten unendlicher Hingabe. Zwingen will ich den ausweichenden Blick Sehnender Weichheit. Her zu mir alle, ihr Liebeskräftigen, Ich will euch umarmen. Wer aber liebesfeige ist, der gehe hin und ersäufe sich In veilchenfarbener Tinte. Seinem Tode will ich ein Tanzlied singen. Sela.