Karl August Hückinghaus Dem Gott der Schönheit Wenn über die schneeige Firne Von Bergeshäuptern, steinalten Riesen Purpurn aufflammt das Frühroth – Wenn nächtlicher Weile Erglühen die Leuchten, die nimmer zu zählen, Des unermeßlichen ewigen Weltalls – Wenn durch das Waldthal gehen die Schauer Des kommenden Morgens, des scheidenden Abends – Dann bebt mir die Seele, ich spüre und fühle Dich, o erhabener Gott der Schönheit. Auf Tönen schwimmst du, Harmonie deine Rede, Und aus den Gestalten des Malers, Den Gebilden des Bildners Siehst du mit großen, Blitzenden Götteraugen Tief in das Herz mir. Dann wieder rührst du die Seele Und trägst mich empor, Hinauf zu den Sternen Auf Schwingen des Liedes ... Dann wieder schaust du Aus schlankem Leibe Mit rosigen Wangen Und ringelnden Locken Mich an, süßschimmernden Auges, Und triffst mich mit deinem Zuckenden Lichtstrahl, O Gott der Schönheit. Wie mir so bewegst du Das Herz aller Menschen Seit dem Uranfang, Jetzt und in Zukunft, Und weckest die Sehnsucht Zum Idealen, Und führest die Menschheit Den Pfad zur Vollendung ... O Gott der Schönheit.