Sie erzählt seine Treue 1 Der edle Schäfer, Gottes Sohn, Von Ewigkeit verliebt, Verließ sein Reich, verbarg die Kron Und ging herum betrübt. Er ging und sucht aus Lieb und Pein Mit ängstlichen Gebärden Sein arms verlornes Schäfelein, Das sich verirrt auf Erden. 2 Und als er es gar glücklich fand, Liebkoset und umfing Und gleich in seiner Armen Band Mit ihm nach Hause ging, Da kam der Wolf und fiel ihn an Mit seinen Rottgesellen Und wollt ihn da auf frischer Bahn Samt seinem Schäflein fällen. 3 Als dies der treue Schäfer sah, Gab er sich in Gefahr, Sprang vor und machte sich ihm nah Und bot allein sich dar. Er stritt, er rang, empfande Schmerz Von diesen höllschen Hunden Und ließ sich auch gar bis aufs Herz Zerreißen und verwunden. 4 Er stritt, bis er von Kräften kam Und seinen Geist aufgab, Daß man ihn tot von dannen nahm Und kläglich trug ins Grab. Es ist ihm aber dieser Tod Und Fall sehr wohl gelungen, Weil er damit die Wölf als Gott Erschlagen und verdrungen. 5 Dies teur erhaltne Schäfelein Bist du, o meine Seel, Für dich kam er in diese Pein, Für dich ins Grabeshöhl. Drum geh nun hin und sag ihm Dank Mit Treu und reinem Leben Und tu dich ihm zum Lobgesang Mit Leib und Seel ergeben.