Lieder Spät erklingt, was früh erklang, Glück und Unglück wird Gesang. Vorklage Wie nimmt ein leidenschaftlich Stammeln Geschrieben sich so seltsam aus! Nun soll ich gar von Haus zu Haus Die losen Blätter alle sammeln. Was eine lange, weite Strecke Im Leben voneinander stand, Das kommt nun unter einer Decke Dem guten Leser in die Hand. Doch schäme dich nicht der Gebrechen, Vollende schnell das kleine Buch; Die Welt ist voller Widerspruch, Und sollte sich's nicht widersprechen? An die Günstigen Dichter lieben nicht zu schweigen, Wollen sich der Menge zeigen. Lob und Tadel muß ja sein! Niemand beichtet gern in Prosa; Doch vertraun wir oft sub rosa In der Musen stillem Hain. Was ich irrte, was ich strebte, Was ich litt und was ich lebte, Sind hier Blumen nur im Strauß; Und das Alter wie die Jugend, Und der Fehler wie die Tugend Nimmt sich gut in Liedern aus. Der neue Amadis Als ich noch ein Knabe war, Sperrte man mich ein; Und so saß ich manches Jahr Über mir allein, Wie in Mutterleib. Doch du warst mein Zeitvertreib, Goldne Phantasie, Und ich ward ein warmer Held, Wie der Prinz Pipi, Und durchzog die Welt. Baute manch kristallen Schloß Und zerstört es auch, Warf mein blinkendes Geschoß Drachen durch den Bauch, Ja, ich war ein Mann! Ritterlich befreit ich dann Die Prinzessin Fisch; Sie war gar zu obligeant, Führte mich zu Tisch, Und ich war galant. Und ihr Kuß war Götterbrot, Glühend wie der Wein. Ach! ich liebte fast mich tot! Rings mit Sonnenschein War sie emailliert. Ach! wer hat sie mir entführt? Hielt kein Zauberband Sie zurück vom schnellen Fliehn? Sagt, wo ist ihr Land? Wo der Weg dahin? Stirbt der Fuchs, so gilt der Balg Nach Mittage saßen wir Junges Volk im Kühlen; Amor kam, und Stirbt der Fuchs Wollt er mit uns spielen. Jeder meiner Freunde saß Froh bei seinem Herzchen; Amor blies die Fackel aus, Sprach: »Hier ist das Kerzchen!« Und die Fackel, wie sie glomm, Ließ man eilig wandern, Jeder drückte sie geschwind In die Hand des andern. Und mir reichte Dorilis Sie mit Spott und Scherze; Kaum berührt mein Finger sie, Hell entflammt die Kerze. Sengt mir Augen und Gesicht, Setzt die Brust in Flammen Über meinem Haupte schlug Fast die Glut zusammen. Löschen wollt ich, patschte zu; Doch es brennt beständig; Statt zu sterben, ward der Fuchs Recht bei mir lebendig. Heidenröslein Sah ein Knab ein Röslein stehn, Röslein auf der Heiden, War so jung und morgenschön, Lief er schnell, es nah zu sehn, Sah's mit vielen Freuden. Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden. Knabe sprach: »Ich breche dich, Röslein auf der Heiden!« Röslein sprach: »Ich steche dich, Daß du ewig denkst an mich, Und ich will's nicht leiden.« Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden. Und der wilde Knabe brach 's Röslein auf der Heiden; Röslein wehrte sich und stach, Half ihm doch kein Weh und Ach, Mußt es eben leiden. Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden. Blindekuh O liebliche Therese! Wie wandelt gleich ins Böse Dein offnes Auge sich! Die Augen zugebunden, Hast du mich schnell gefunden, Und warum fingst du eben mich? Du faßtest mich aufs beste Und hieltest mich so feste; Ich sank in deinen Schoß. Kaum warst du aufgebunden, War alle Lust verschwunden; Du ließest kalt den Blinden los. Er tappte hin und wider, Verrenkte fast die Glieder, Und alle foppten ihn. Und willst du mich nicht lieben, So geh ich stets im Trüben Wie mit verbundnen Augen hin. Christel Hab oft einen dampfen, düstern Sinn, Ein gar so schweres Blut! Wenn ich bei meiner Christel bin, Ist alles wieder gut. Ich seh sie dort, ich seh sie hier Und weiß nicht auf der Welt, Und wie und wo und wann sie mir, Warum sie mir gefällt. Das schwarze Schelmenaug dadrein, Die schwarze Braue drauf, Seh ich ein einzig Mal hinein, Die Seele geht mir auf. Ist eine, die so lieben Mund, Liebrunde Wänglein hat? Ach, und es ist noch etwas rund, Da sieht kein Aug sich satt! Und wenn ich sie denn fassen darf Im luft'gen deutschen Tanz, Das geht herum, das geht so scharf, Da fühl ich mich so ganz! Und wenn's ihr taumlig wird und warm, Da wieg ich sie sogleich An meiner Brust, in meinem Arm; 's ist mir ein Königreich! Und wenn sie liebend nach mir blickt Und alles rund vergißt, Und dann an meine Brust gedrückt Und weidlich eins geküßt, Das läuft mir durch das Rückenmark Bis in die große Zeh! Ich bin so schwach, ich bin so stark, Mir ist so wohl, so weh! Da möcht ich mehr und immer mehr, Der Tag wird mir nicht lang; Wenn ich die Nacht auch bei ihr wär, Davor wär mir nicht bang. Ich denk, ich halte sie einmal Und büße meine Lust; Und endigt sich nicht meine Qual, Sterb ich an ihrer Brust! Die Spröde An dem reinsten Frühlingsmorgen Ging die Schäferin und sang, Jung und schön und ohne Sorgen, Daß es durch die Felder klang, So la la! le ralla! Thyrsis bot ihr für ein Mäulchen Zwei, drei Schäfchen gleich am Ort, Schalkhaft blickte sie ein Weilchen; Doch sie sang und lachte fort, So la la! le ralla! Und ein andrer bot ihr Bänder, Und der dritte bot sein Herz; Doch sie trieb mit Herz und Bändern So wie mit den Lämmern Scherz, Nur la la! le ralla! Die Bekehrte Bei dem Glanze der Abendröte Ging ich still den Wald entlang, Damon saß und blies die Flöte, Daß es von den Felsen klang, So la la! Und er zog mich, ach, an sich nieder, Küßte mich so hold, so süß. Und ich sagte: »Blase wieder!« Und der gute Junge blies, So la la! Meine Ruhe ist nun verloren, Meine Freude floh davon, Und ich höre vor meinen Ohren Immer nur den alten Ton, So la la! le ralla! (usw.) Rettung Mein Mädchen ward mir ungetreu, Das machte mich zum Freudenhasser; Da lief ich an ein fließend Wasser, Das Wasser lief vor mir vorbei. Da stand ich nun, verzweiflend, stumm; Im Kopfe war mir's wie betrunken, Fast wär ich in den Strom gesunken, Es ging die Welt mit mir herum. Auf einmal hört ich was, das rief Ich wandte just dahin den Rücken –, Es war ein Stimmchen zum Entzücken: »Nimm dich in acht! Der Fluß ist tief.« Da lief mir was durchs ganze Blut, Ich seh, so ist's ein liebes Mädchen; Ich fragte sie: »Wie heißt du?« – »Käthchen!« »O schönes Käthchen! Du bist gut. Du hältst vom Tode mich zurück, Auf immer dank ich dir mein Leben; Allein das heißt mir wenig geben, Nun sei auch meines Lebens Glück!« Und dann klagt ich ihr meine Not, Sie schlug die Augen lieblich nieder; Ich küßte sie und sie mich wieder, Und – vorderhand nichts mehr von Tod. Der Musensohn Durch Feld und Wald zu schweifen, Mein Liedchen wegzupfeifen, So geht's von Ort zu Ort! Und nach dem Takte reget Und nach dem Maß beweget Sich alles an mir fort. Ich kann sie kaum erwarten, Die erste Blum im Garten, Die erste Blüt am Baum. Sie grüßen meine Lieder, Und kommt der Winter wieder, Sing ich noch jenen Traum. Ich sing ihn in der Weite, Auf Eises Läng und Breite, Da blüht der Winter schön! Auch diese Blüte schwindet, Und neue Freude findet Sich auf bebauten Höhn. Denn wie ich bei der Linde Das junge Völkchen finde, Sogleich erreg ich sie. Der stumpfe Bursche bläht sich, Das steife Mädchen dreht sich Nach meiner Melodie. Ihr gebt den Sohlen Flügel Und treibt durch Tal und Hügel Den Liebling weit von Haus. Ihr lieben, holden Musen, Wann ruh ich ihr am Busen Auch endlich wieder aus? Gefunden Ich ging im Walde So für mich hin, Und nichts zu suchen, Das war mein Sinn. Im Schatten sah ich Ein Blümchen stehn, Wie Sterne leuchtend, Wie Äuglein schön. Ich wollt es brechen, Da sagt' es fein: »Soll ich zum Welken Gebrochen sein?« Ich grub's mit allen Den Würzlein aus, Zum Garten trug ich's Am hübschen Haus. Und pflanzt es wieder Am stillen Ort; Nun zweigt es immer Und blüht so fort. Gleich und gleich Ein Blumenglöckchen Vom Boden hervor War früh gesprosset In lieblichem Flor; Da kam ein Bienchen Und naschte fein: – Die müssen wohl beide Füreinander sein. Wechsellied zum Tanze Komm mit, o Schöne, komm mit mir zum Tanze; Tanzen gehöret zum festlichen Tag. Bist du mein Schatz nicht, so kannst du es werden, Wirst du es nimmer, so tanzen wir doch. Komm mit, o Schöne, komm mit mir zum Tanze; Tanzen verherrlicht den festlichen Tag. Ohne dich, Liebste, was wären die Feste? Ohne dich, Süße, was wäre der Tanz? Wärst du mein Schatz nicht, so möcht ich nicht tanzen, Bleibst du es immer, ist Leben ein Fest. Ohne dich, Liebste, was wären die Feste? Ohne dich, Süße, was wäre der Tanz? Laß sie nur lieben, und laß du uns tanzen! Schmachtende Liebe vermeidet den Tanz. Schlingen wir fröhlich den drehenden Reihen, Schleichen die andern zum dämmernden Wald. Laß sie nur lieben, und laß du uns tanzen! Schmachtende Liebe vermeidet den Tanz. Laß sie sich drehen, und laß du uns wandeln! Wandeln der Liebe ist himmlischer Tanz. Amor, der nahe, der höret sie spotten, Rächet sich einmal, und rächet sich bald. Laß sie sich drehen, und laß du uns wandeln! Wandeln der Liebe ist himmlischer Tanz. Selbstbetrug Der Vorhang schwebet hin und her Bei meiner Nachbarin. Gewiß, sie lauschet überquer, Ob ich zu Hause bin Und ob der eifersücht'ge Groll, Den ich am Tag gehegt, Sich, wie er nun auf immer soll, Im tiefen Herzen regt. Doch leider hat das schöne Kind Dergleichen nicht gefühlt. Ich seh, es ist der Abendwind, Der mit dem Vorhang spielt. Kriegserklärung Wenn ich doch so schön wär Wie die Mädchen auf dem Land! Sie tragen gelbe Hüte Mit rosenrotem Band. Glauben, daß man schön sei, Dächt ich, ist erlaubt. In der Stadt, ach! ich hab es Dem Junker geglaubt. Nun im Frühling, ach! ist's Um die Freuden getan; Ihn ziehen die Dirnen, Die ländlichen, an. Und die Taill' und den Schlepp Verändr' ich zur Stund; Das Leibchen ist länger, Das Röckchen ist rund. Trage gelblichen Hut Und ein Mieder wie Schnee; Und sichle, mit andern, Den blühenden Klee. Spürt er unter dem Chor Etwas Zierliches aus; Der lüsterne Knabe, Er winkt mir ins Haus. Ich begleit ihn verschämt, Und er kennt mich noch nicht, Er kneipt mir die Wangen Und sieht mein Gesicht. Die Städterin droht Euch Dirnen den Krieg, Und doppelte Reize Behaupten den Sieg. Liebhaber in allen Gestalten Ich wollt, ich wär ein Fisch, So hurtig und frisch; Und kämst du zu anglen, Ich würde nicht manglen. Ich wollt, ich wär ein Fisch, So hurtig und frisch. Ich wollt, ich wär ein Pferd, Da wär ich dir wert. O wär ich ein Wagen, Bequem dich zu tragen. Ich wollt, ich wär ein Pferd, Da wär ich dir wert. Ich wollt, ich wäre Gold, Dir immer im Sold; Und tätst du was kaufen, Käm ich wieder gelaufen. Ich wollt, ich wäre Gold, Dir immer im Sold. Ich wollt, ich wär treu, Mein Liebchen stets neu; Ich wollt mich verheißen, Wollt nimmer verreisen. Ich wollt, ich wär treu, Mein Liebchen stets neu. Ich wollt, ich wär alt Und runzlig und kalt; Tätst du mir's versagen, Da könnt mich's nicht plagen. Ich wollt, ich wär alt Und runzlig und kalt. Wär ich Affe sogleich, Voll neckender Streich'; Hätt was dich verdrossen, So macht ich dir Possen. Wär ich Affe sogleich, Voll neckender Streich'. Wär ich gut wie ein Schaf, Wie der Löwe so brav; Hätt Augen wie's Lüchschen Und Listen wie's Füchschen. Wär ich gut wie ein Schaf, Wie der Löwe so brav. Was alles ich wär, Das gönnt ich dir sehr; Mit fürstlichen Gaben, Du solltest mich haben. Was alles ich wär, Das gönnt ich dir sehr. Doch bin ich, wie ich bin, Und nimm mich nur hin! Willst du beßre besitzen, So laß dir sie schnitzen. Ich bin nun, wie ich bin; So nimm mich nur hin! Der Goldschmiedsgesell Es ist doch meine Nachbarin Ein allerliebstes Mädchen! Wie früh ich in der Werkstatt bin, Blick ich nach ihrem Lädchen. Zu Ring und Kette poch ich dann Die feinen goldnen Drähtchen. Ach, denk ich, wann, und wieder, wann Ist solch ein Ring für Käthchen? Und tut sie erst die Schaltern auf, Da kommt das ganze Städtchen Und feilscht und wirbt mit hellem Hauf Ums Allerlei im Lädchen. Ich feile; wohl zerfeil ich dann Auch manches goldne Drähtchen. Der Meister brummt, der harte Mann! Er merkt, es war das Lädchen. Und flugs, wie nur der Handel still, Gleich greift sie nach dem Rädchen. Ich weiß wohl, was sie spinnen will: Es hofft das liebe Mädchen. Das kleine Füßchen tritt und tritt; Da denk ich mir das Wädchen, Das Strumpfhand denk ich auch wohl mit, Ich schenkt's dem lieben Mädchen. Und nach den Lippen führt der Schatz Das allerfeinste Fädchen. O wär ich doch an seinem Platz, Wie küßt ich mir das Mädchen! Antworten bei einem gesellschaftlichen Fragespiel Was ein weiblich Herz erfreue In der klein und großen Welt? Ganz gewiß ist es das Neue, Dessen Blüte stets gefällt; Doch viel werter ist die Treue, Die auch in der Früchte Zeit Noch mit Blüten uns erfreut. Paris war in Wald und Höhlen Mit den Nymphen wohl bekannt, Bis ihm Zeus, um ihn zu quälen, Drei der Himmlischen gesandt; Und es fühlte wohl im Wählen In der alt und neuen Zeit Niemand mehr Verlegenheit. Geh den Weibern zart entgegen, Du gewinnst sie, auf mein Wort; Und wer rasch ist und verwegen, Kommt vielleicht noch besser fort; Doch wem wenig dran gelegen Scheinet, ob er reizt und rührt, Der beleidigt, der verführt. Vielfach ist der Menschen Streben, Ihre Unruh, ihr Verdruß; Auch ist manches Gut gegeben, Mancher liebliche Genuß; Doch das größte Glück im Leben Und der reichlichste Gewinn Ist ein guter, leichter Sinn. Wer der Menschen töricht Treiben Täglich sieht und täglich schilt Und, wenn andre Narren bleiben, Selbst für einen Narren gilt, Der trägt schwerer als zur Mühle Irgendein beladen Tier. Und, wie ich im Busen fühle, Wahrlich! so ergeht es mir. Verschiedene Empfindungen an einem Platze Ich hab ihn gesehen! Wie ist mir geschehen? O himmlischer Blick! Er kommt mir entgegen; Ich weiche verlegen, Ich schwanke zurück. Ich irre, ich träume! Ihr Felsen, ihr Bäume, Verbergt meine Freude, Verberget mein Glück! Hier muß ich sie finden! Ich sah sie verschwinden, Ihr folgte mein Blick. Sie kam mir entgegen, Dann trat sie verlegen Und schamrot zurück. Ist's Hoffnung, sind's Träume? Ihr Felsen, ihr Bäume, Entdeckt mir die Liebste, Entdeckt mir mein Glück! Hier klag ich verborgen Dem tauenden Morgen Mein einsam Geschick. Verkannt von der Menge, Wie zieh ich ins Enge Mich stille zurück! O zärtliche Seele, O schweige, verhehle Die ewigen Leiden, Verhehle dein Glück! Es lohnet mich heute Mit doppelter Beute Ein gutes Geschick. Der redliche Diener Bringt Hasen und Hühner Beladen zurück. Hier find ich gefangen Auch Vögel noch hangen. Es lebe der Jäger, Es lebe sein Glück! Wer kauft Liebesgötter? Von allen schönen Waren, Zum Markte hergefahren, Wird keine mehr behagen, Als die wir euch getragen Aus fremden Ländern bringen. O höret, was wir singen! Und seht die schönen Vögel, Sie stehen zum Verkauf. Zuerst beseht den großen, Den lustigen, den losen! Er hüpfet leicht und munter Von Baum und Busch herunter; Gleich ist er wieder droben. Wir wollen ihn nicht loben. O seht den muntern Vogel! Er steht hier zum Verkauf. Betrachtet nun den kleinen, Er will bedächtig scheinen, Und doch ist er der lose, So gut als wie der große; Er zeiget meist im stillen Den allerbesten Willen. Der lose kleine Vogel, Er steht hier zum Verkauf. O seht das kleine Täubchen, Das liebe Turtelweibchen! Die Mädchen sind so zierlich, Verständig und manierlich; Sie mag sich gerne putzen Und eure Liebe nutzen. Der kleine zarte Vogel, Er steht hier zum Verkauf. Wir wollen sie nicht loben, Sie stehn zu allen Proben. Sie lieben sich das Neue; Doch über ihre Treue Verlangt nicht Brief und Siegel; Sie haben alle Flügel. Wie artig sind die Vögel, Wie reizend ist der Kauf! Der Abschied Laß mein Aug den Abschied sagen, Den mein Mund nicht nehmen kann! Schwer, wie schwer ist er zu tragen! Und ich bin doch sonst ein Mann. Traurig wird in dieser Stunde Selbst der Liebe süßtes Pfand, Kalt der Kuß von deinem Munde, Matt der Druck von deiner Hand. Sonst, ein leicht gestohlnes Mäulchen, O wie hat es mich entzückt! So erfreuet uns ein Veilchen, Das man früh im März gepflückt. Doch ich pflücke nun kein Kränzchen, Keine Rose mehr für dich. Frühling ist es, liebes Fränzchen, Aber leider Herbst für mich! Die schöne Nacht Nun verlaß ich diese Hütte, Meiner Liebsten Aufenthalt, Wandle mit verhülltem Schritte Durch den öden, finstern Wald: Luna bricht durch Busch und Eichen, Zephyr meldet ihren Lauf, Und die Birken streun mit Neigen Ihr den süßten Weihrauch auf. Wie ergetz ich mich im Kühlen Dieser schönen Sommernacht! O wie still ist hier zu fühlen, Was die Seele glücklich macht! Läßt sich kaum die Wonne fassen; Und doch wollt ich, Himmel, dir Tausend solcher Nächte lassen, Gäb mein Mädchen eine mir. Glück und Traum Du hast uns oft im Traum gesehen Zusammen zum Altare gehen, Und dich als Frau und mich als Mann. Oft nahm ich wachend deinem Munde, In einer unbewachten Stunde, Soviel man Küsse nehmen kann. Das reinste Glück, das wir empfunden, Die Wollust mancher reichen Stunden Floh wie die Zeit mit dem Genuß. Was hilft es mir, daß ich genieße? Wie Träume fliehn die wärmsten Küsse, Und alle Freude wie ein Kuß. Lebendiges Andenken Der Liebsten Band und Schleife rauben, Halb mag sie zürnen, halb erlauben, Euch ist es viel, ich will es glauben Und gönn euch solchen Selbstbetrug: Ein Schleier, Halstuch, Strumpfband, Ringe Sind wahrlich keine kleinen Dinge; Allein mir sind sie nicht genug. Lebend'gen Teil von ihrem Leben, Ihn hat nach leisem Widerstreben Die Allerliebste mir gegeben, Und jene Herrlichkeit wird nichts. Wie lach ich all der Trödelware! Sie schenkte mir die schönen Haare, Den Schmuck des schönsten Angesichts. Soll ich dich gleich, Geliebte, missen, Wirst du mir doch nicht ganz entrissen: Zu schaun, zu tändeln und zu küssen Bleibt die Reliquie von dir. – Gleich ist des Haars und mein Geschicke; Sonst buhlten wir mit einem Glücke Um sie, jetzt sind wir fern von ihr. Fest waren wir an sie gehangen; Wir streichelten die runden Wangen, Uns lockt' und zog ein süß Verlangen, Wir gleiteten zur vollern Brust. O Nebenbuhler, frei von Neide, Du süß Geschenk, du schöne Beute, Erinnre mich an Glück und Lust! Glück der Entfernung Trink, o Jüngling! heil'ges Glücke Taglang aus der Liebsten Blicke; Abends gaukl' ihr Bild dich ein. Kein Verliebter hab es besser; Doch das Glück bleibt immer größer, Fern von der Geliebten sein. Ew'ge Kräfte, Zeit und Ferne, Heimlich wie die Kraft der Sterne, Wiegen dieses Blut zur Ruh. Mein Gefühl wird stets erweichter; Doch mein Herz wird täglich leichter, Und mein Glück nimmt immer zu. Nirgends kann ich sie vergessen; Und doch kann ich ruhig essen, Heiter ist mein Geist und frei; Und unmerkliche Betörung Macht die Liebe zur Verehrung, Die Begier zur Schwärmerei. Aufgezogen durch die Sonne, Schwimmt im Hauch äther'scher Wonne So das leichtste Wölkchen nie Wie mein Herz in Ruh und Freude. Frei von Furcht, zu groß zum Neide, Lieb ich, ewig lieb ich sie! An Luna Schwester von dem ersten Licht, Bild der Zärtlichkeit in Trauer! Nebel schwimmt mit Silberschauer Um dein reizendes Gesicht; Deines leisen Fußes Lauf Weckt aus tagverschloßnen Höhlen Traurig abgeschiedne Seelen, Mich und nächt'ge Vögel auf. Forschend übersieht dein Blick Eine großgemeßne Weite. Hebe mich an deine Seite! Gib der Schwärmerei dies Glück; Und in wollustvoller Ruh Säh der weitverschlagne Ritter Durch das gläserne Gegitter Seines Mädchens Nächten zu. Des Beschauens holdes Glück Mildert solcher Ferne Qualen, Und ich sammle deine Strahlen, Und ich schärfe meinen Blick; Hell und heller wird es schon Um die unverhüllten Glieder, Und nun zieht sie mich hernieder, Wie dich einst Endymion. Brautnacht Im Schlafgemach, entfernt vom Feste, Sitzt Amor, dir getreu, und bebt, Daß nicht die List mutwill'ger Gäste Des Brautbetts Frieden untergräbt. Es blinkt mit mystisch heil'gem Schimmer Vor ihm der Flammen blasses Gold; Ein Weihrauchswirbel füllt das Zimmer, Damit ihr recht genießen sollt. Wie schlägt dein Herz beim Schlag der Stunde, Der deiner Gäste Lärm verjagt; Wie glühst du nach dem schönen Munde, Der bald verstummt und nichts versagt. Du eilst, um alles zu vollenden, Mit ihr ins Heiligtum hinein; Das Feuer in des Wächters Händen Wird wie ein Nachtlicht still und klein. Wie bebt vor deiner Küsse Menge Ihr Busen und ihr voll Gesicht; Zum Zittern wird nun ihre Strenge, Denn deine Kühnheit wird zur Pflicht. Schnell hilft dir Amor sie entkleiden Und ist nicht halb so schnell als du; Dann hält er schalkhaft und bescheiden Sich fest die beiden Augen zu. Schadenfreude In des Papillons Gestalt Flattr' ich, nach den letzten Zügen, Zu den vielgeliebten Stellen, Zeugen himmlischer Vergnügen, Ober Wiesen, an die Quellen, Um den Hügel, durch den Wald. Ich belausch ein zärtlich Paar; Von des schönen Mädchens Haupte Aus den Kränzen schau ich nieder; Alles, was der Tod mir raubte, Seh ich hier im Bilde wieder, Bin so glücklich, wie ich war. Sie umarmt ihn lächelnd stumm, Und sein Mund genießt der Stunde, Die ihm güt'ge Götter senden, Hüpft vom Busen zu dem Munde, Von dem Munde zu den Händen, Und ich hüpf um ihn herum. Und sie sieht mich Schmetterling. Zitternd vor des Freunds Verlangen Springt sie auf, da flieg ich ferne. »Liebster, komm, ihn einzufangen! Komm ich hätt es gar zu gerne, Gern das kleine bunte Ding.« Unschuld Schönste Tugend einer Seele, Reinster Quell der Zärtlichkeit! Mehr als Biron, als Pamele Ideal und Seltenheit! Wenn ein andres Feuer brennet, Flieht dein zärtlich schwaches Licht; Dich fühlt nur, wer dich nicht kennet, Wer dich kennt, der fühlt dich nicht. Göttin, in dem Paradiese Lebtest du mit uns vereint; Noch erscheinst du mancher Wiese Morgens, eh die Sonne scheint. Nur der sanfte Dichter siehet Dich im Nebelkleide ziehn; Phöbus kommt, der Nebel fliehet, Und im Nebel bist du hin. Scheintod Weint, Mädchen, hier bei Amors Grabe; hier Sank er von nichts, von ohngefähr danieder. Doch ist er wirklich tot? Ich schwöre nicht dafür: Ein Nichts, ein Ohngefähr erweckt ihn öfters wieder. Novemberlied Dem Schützen, doch dem alten nicht, Zu dem die Sonne flieht, Der uns ihr fernes Angesicht Mit Wolken überzieht, Dem Knaben sei dies Lied geweiht, Der zwischen Rosen spielt, Uns höret und zur rechten Zeit Nach schönen Herzen zielt. Durch ihn hat uns des Winters Nacht, So häßlich sonst und rauh, Gar manchen werten Freund gebracht Und manche liebe Frau. Von nun an soll sein schönes Bild Am Sternenhimmel stehn, Und er soll ewig, hold und mild, Uns auf- und untergehn. An die Erwählte Hand in Hand! und Lipp auf Lippe! Liebes Mädchen, bleibe treu! Lebe wohl! und manche Klippe Fährt dein Liebster noch vorbei; Aber wenn er einst den Hafen, Nach dem Sturme, wieder grüßt, Mögen ihn die Götter strafen, Wenn er ohne dich genießt. Frisch gewagt ist schon gewonnen, Halb ist schon mein Werk vollbracht! Sterne leuchten mir wie Sonnen, Nur dem Feigen ist es Nacht. Wär ich müßig dir zur Seite, Drückte noch der Kummer mich; Doch in aller dieser Weite Wirk ich rasch und nur für dich. Schon ist mir das Tal gefunden, Wo wir einst zusammen gehn Und den Strom in Abendstunden Sanft hinuntergleiten sehn. Diese Pappeln auf den Wiesen, Diese Buchen in dem Hain! Ach, und hinter allen diesen Wird doch auch ein Hüttchen sein. Erster Verlust Ach, wer bringt die schönen Tage, Jene Tage der ersten Liebe, Ach, wer bringt nur eine Stunde Jener holden Zeit zurück! Einsam nähr ich meine Wunde, Und mit stets erneuter Klage Traur' ich ums verlorne Glück. Ach, wer bringt die schönen Tage, Jene holde Zeit zurück! Nachgefühl Wenn die Reben wieder blühen, Rühret sich der Wein im Fasse; Wenn die Rosen wieder glühen, Weiß ich nicht, wie mir geschieht. Tränen rinnen von den Wangen, Was ich tue, was ich lasse; Nur ein unbestimmt Verlangen Fühl ich, das die Brust durchglüht. Und zuletzt muß ich mir sagen, Wenn ich mich bedenk und fasse, Daß in solchen schönen Tagen Doris einst für mich geglüht. Nähe des Geliebten Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer Vom Meere strahlt; Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer In Quellen malt. Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege Der Staub sich hebt; In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege Der Wandrer bebt. Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen Die Welle steigt. Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen, Wenn alles schweigt. Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne, Du bist mir nah! Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne. O wärst du da! Gegenwart Alles kündet dich an! Erscheinet die herrliche Sonne, Folgst du, so hoff ich es, bald. Trittst du im Garten hervor, So bist du die Rose der Rosen, Lilie der Lilien zugleich. Wenn du im Tanze dich regst, So regen sich alle Gestirne Mit dir und um dich umher. Nacht! und so wär es denn Nacht! Nun überscheinst du des Mondes Lieblichen, ladenden Glanz. Ladend und lieblich bist du, Und Blumen, Mond und Gestirne Huldigen, Sonne, nur dir. Sonne! so sei du auch mir Die Schöpferin herrlicher Tage; Leben und Ewigkeit ist's. An die Entfernte So hab ich wirklich dich verloren? Bist du, o Schöne, mir entflohn? Noch klingt in den gewohnten Ohren Ein jedes Wort, ein jeder Ton. So wie des Wandrers Blick am Morgen Vergebens in die Lüfte dringt, Wenn, in dem blauen Raum verborgen, Hoch über ihm die Lerche singt: So dringet ängstlich hin und wider Durch Feld und Busch und Wald mein Blick. Dich rufen alle meine Lieder; O komm, Geliebte, mir zurück! Am Flusse Verfließet, vielgeliebte Lieder, Zum Meere der Vergessenheit! Kein Knabe sing entzückt euch wieder, Kein Mädchen in der Blütenzeit. Ihr sanget nur von meiner Lieben; Nun spricht sie meiner Treue Hohn. Ihr wart ins Wasser eingeschrieben; So fließt denn auch mit ihm davon. Die Freuden Es flattert um die Quelle Die wechselnde Libelle, Mich freut sie lange schon; Bald dunkel und bald helle, Wie der Chamäleon, Bald rot, bald blau, Bald blau, bald grün; O daß ich in der Nähe Doch ihre Farben sähe! Sie schwirrt und schwebet, rastet nie! Doch still, sie setzt sich an die Weiden. Da hab ich sie! Da hab ich sie! Und nun betracht ich sie genau Und seh ein traurig dunkles Blau – So geht es dir, Zergliedrer deiner Freuden! Abschied Zu lieblich ist's, ein Wort zu brechen, Zu schwer die wohlerkannte Pflicht, Und leider kann man nichts versprechen, Was unserm Herzen widerspricht. Du übst die alten Zauberlieder, Du lockst ihn, der kaum ruhig war, Zum Schaukelkahn der süßen Torheit wieder, Erneust, verdoppelst die Gefahr. Was suchst du mir dich zu verstecken! Sei offen, flieh nicht meinen Blick! Früh oder spät mußt ich's entdecken, Und hier hast du dein Wort zurück. Was ich gesollt, hab ich vollendet; Durch mich sei dir von nun an nichts verwehrt; Allein verzeih dem Freund, der sich nun von dir wendet Und still in sich zurücke kehrt. Wechsel Auf Kieseln im Bache da lieg ich, wie helle! Verbreite die Arme der kommenden Welle, Und buhlerisch drückt sie die sehnende Brust. Dann führt sie der Leichtsinn im Strome danieder; Es naht sich die zweite, sie streichelt mich wieder: So fühl ich die Freuden der wechselnden Lust. Und doch, und so traurig, verschleifst du vergebens Die köstlichen Stunden des eilenden Lebens, Weil dich das geliebteste Mädchen vergißt! O ruf sie zurücke, die vorigen Zeiten! Es küßt sich so süße die Lippe der Zweiten, Als kaum sich die Lippe der Ersten geküßt. Beherzigung Ach, was soll der Mensch verlangen? Ist es besser, ruhig bleiben? Klammernd fest sich anzuhangen? Ist es besser, sich zu treiben? Soll er sich ein Häuschen bauen? Soll er unter Zelten leben? Soll er auf die Felsen trauen? Selbst die festen Felsen beben. Eines schickt sich nicht für alle! Sehe jeder, wie er's treibe, Sehe jeder, wo er bleibe, Und wer steht, daß er nicht falle! Meeresstille Tiefe Stille herrscht im Wasser, Ohne Regung ruht das Meer, Und bekümmert sieht der Schiffer Glatte Fläche ringsumher. Keine Luft von keiner Seite! Todesstille fürchterlich! In der ungeheuern Weite Reget keine Welle sich. Glückliche Fahrt Die Nebel zerreißen, Der Himmel ist helle, Und Äolus löset Das ängstliche Band. Es säuseln die Winde, Es rührt sich der Schiffer. Geschwinde! Geschwinde! Es teilt sich die Welle, Es naht sich die Ferne; Schon seh ich das Land! Mut Sorglos über die Fläche weg, Wo vom kühnsten Wager die Bahn Dir nicht vorgegraben du siehst, Mache dir selber Bahn! Stille, Liebchen, mein Herz! Kracht's gleich, bricht's doch nicht! Bricht's gleich, bricht's nicht mit dir! Erinnerung Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, Denn das Glück ist immer da. Willkommen und Abschied Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde! Es war getan fast eh gedacht; Der Abend wiegte schon die Erde, Und an den Bergen hing die Nacht: Schon stand im Nebelkleid die Eiche, Ein aufgetürmter Riese, da, Wo Finsternis aus dem Gesträuche Mit hundert schwarzen Augen sah. Der Mond von einem Wolkenhügel Sah kläglich aus dem Duft hervor, Die Winde schwangen leise Flügel, Umsausten schauerlich mein Ohr; Die Nacht schuf tausend Ungeheuer; Doch frisch und fröhlich war mein Mut: In meinen Adern welches Feuer! In meinem Herzen welche Glut! Dich sah ich, und die milde Freude Floß von dem süßen Blick auf mich; Ganz war mein Herz an deiner Seite Und jeder Atemzug für dich. Ein rosenfarbnes Frühlingswetter Umgab das liebliche Gesicht, Und Zärtlichkeit für mich – ihr Götter! Ich hofft es, ich verdient es nicht! Doch ach, schon mit der Morgensonne Verengt der Abschied mir das Herz: In deinen Küssen welche Wonne! In deinem Auge welcher Schmerz! Ich ging, du standst und sahst zur Erden, Und sahst mir nach mit nassem Blick: Und doch, welch Glück, geliebt zu werden! Und lieben, Götter, welch ein Glück! Neue Liebe, neues Leben Herz, mein Herz, was soll das geben? Was bedränget dich so sehr? Welch ein fremdes, neues Leben! Ich erkenne dich nicht mehr. Weg ist alles, was du liebtest, Weg, warum du dich betrübtest, Weg dein Fleiß und deine Ruh – Ach, wie kamst du nur dazu! Fesselt dich die Jugendblüte, Diese liebliche Gestalt, Dieser Blick voll Treu und Güte Mit unendlicher Gewalt? Will ich rasch mich ihr entziehen, Mich ermannen, ihr entfliehen, Führet mich im Augenblick, Ach, mein Weg zu ihr zurück. Und an diesem Zauberfädchen, Das sich nicht zerreißen läßt, Hält das liebe lose Mädchen Mich so wider Willen fest; Muß in ihrem Zauberkreise Leben nun auf ihre Weise. Die Verändrung, ach, wie groß! Liebe! Liebe! laß mich los! An Belinden Warum ziehst du mich unwiderstehlich, Ach, in jene Pracht? War ich guter Junge nicht so selig In der öden Nacht? Heimlich in mein Zimmerchen verschlossen, Lag im Mondenschein, Ganz von seinem Schauerlicht umflossen, Und ich dämmert ein; Träumte da von vollen, goldnen Stunden Ungemischter Lust, Hatte schon dein liebes Bild empfunden Tief in meiner Brust. Bin ich's noch, den du bei so viel Lichtern An dem Spieltisch hältst? Oft so unerträglichen Gesichtern Gegenüberstellst? Reizender ist mir des Frühlings Blüte Nun nicht auf der Flur; Wo du, Engel, bist, ist Lieb und Güte, Wo du bist, Natur. Mailied Wie herrlich leuchtet Mir die Natur! Wie glänzt die Sonne! Wie lacht die Flur! Es dringen Blüten Aus jedem Zweig Und tausend Stimmen Aus dem Gesträuch. Und Freud und Wonne Aus jeder Brust. O Erd, o Sonne! O Glück, o Lust! O Lieb, o Liebe! So golden schön, Wie Morgenwolken Auf jenen Höhn! Du segnest herrlich Das frische Feld, Im Blütendampfe Die volle Welt. O Mädchen, Mädchen, Wie lieb ich dich! Wie blickt dein Auge! Wie liebst du mich! So liebt die Lerche Gesang und Luft, Und Morgenblumen Den Himmelsduft, Wie ich dich liebe Mit warmem Blut, Die du mir Jugend Und Freud und Mut Zu neuen Liedern Und Tänzen gibst. Sei ewig glücklich, Wie du mich liebst! Mit einem gemalten Band Kleine Blumen, kleine Blätter Streuen mir mit leichter Hand Gute junge Frühlingsgötter Tändelnd auf ein luftig Band. Zephyr, nimm's auf deine Flügel, Schling's um meiner Liebsten Kleid; Und so tritt sie vor den Spiegel All in ihrer Munterkeit. Sieht mit Rosen sich umgeben, Selbst wie eine Rose jung. Einen Blick, geliebtes Leben! Und ich bin belohnt genung. Fühle, was dies Herz empfindet, Reiche frei mir deine Hand, Und das Band, das uns verbindet, Sei kein schwaches Rosenband! Mit einem goldnen Halskettchen Dir darf dies Blatt ein Kettchen bringen, Das, ganz zur Biegsamkeit gewöhnt, Sich mit viel hundert kleinen Schlingen Um deinen Hals zu schmiegen sehnt. Gewähr dem Närrchen die Begierde, Sie ist voll Unschuld, ist nicht kühn; Am Tag ist's eine kleine Zierde, Am Abend wirfst du's wieder hin. Doch bringt dir einer jene Kette, Die schwerer drückt und ernster faßt, Verdenk ich dir es nicht, Lisette, Wenn du ein klein Bedenken hast. An Lottchen Mitten im Getümmel mancher Freuden, Mancher Sorgen, mancher Herzensnot Denk ich dein, o Lottchen, denken dein die beiden, Wie beim stillen Abendrot Du die Hand uns freundlich reichtest, Da du uns auf reich bebauter Flur, In dem Schoße herrlicher Natur, Manche leicht verhüllte Spur Einer lieben Seele zeigtest. Wohl ist mir's, daß ich dich nicht verkannt, Daß ich gleich dich in der ersten Stunde, Ganz den Herzensausdruck in dem Munde, Dich ein wahres gutes Kind genannt. Still und eng und ruhig auferzogen, Wirft man uns auf einmal in die Welt; Uns umspülen hunderttausend Wogen, Alles reizt uns, mancherlei gefällt, Mancherlei verdrießt uns, und von Stund zu Stunden Schwankt das leichtunruhige Gefühl; Wir empfinden, und was wir empfunden, Spült hinweg das bunte Weltgewühl. Wohl, ich weiß es, da durchschleicht uns innen Manche Hoffnung, mancher Schmerz. Lottchen, wer kennt unsre Sinnen? Lottchen, wer kennt unser Herz? Ach, es machte gern gekannt sein, überfließen In das Mitempfinden einer Kreatur Und vertrauend zwiefach neu genießen Alles Leid und Freude der Natur. Und da sucht das Aug so oft vergebens Ringsumher und findet alles zu; So vertaumelt sich der schönste Teil des Lebens Ohne Sturm und ohne Ruh; Und zu deinem ew'gen Unbehagen Stößt dich heute, was dich gestern zog. Kannst du zu der Welt nur Neigung tragen, Die so oft dich trog Und bei deinem Weh, bei deinem Glücke Blieb in eigenwill'ger, starrer Ruh? Sieh, da tritt der Geist in sich zurücke, Und das Herz – es schließt sich zu. So fand ich dich und ging dir frei entgegen. »O sie ist wert, zu sein geliebt!« Rief ich, erflehte dir des Himmels reinsten Segen, Den er dir nun in deiner Freundin gibt. Auf dem See Und frische Nahrung, neues Blut Saug ich aus freier Welt; Wie ist Natur so hold und gut, Die mich am Busen hält! Die Welle wieget unsern Kahn Im Rudertakt hinauf, Und Berge, wolkig himmelan, Begegnen unserm Lauf. Aug, mein Aug, was sinkst du nieder? Goldne Träume, kommt ihr wieder? Weg, du Traum! so gold du bist; Hier auch Lieb und Leben ist. Auf der Welle blinken Tausend schwebende Sterne Weiche Nebel trinken Rings die türmende Ferne; Morgenwind umflügelt Die beschattete Bucht, Und im See bespiegelt Sich die reifende Frucht. Vom Berge Wenn ich, liebe Lili, dich nicht liebte, Welche Wonne gäb mir dieser Blick! Und doch, wenn ich, Lili, dich nicht liebte, Fänd ich hier und fänd ich dort mein Glück? Blumengruß Der Strauß, den ich gepflücket, Grüße dich vieltausendmal! Ich habe mich oft gebücket, Ach, wohl eintausendmal, Und ihn ans Herz gedrücket Wie hunderttausendmal! Mailied Zwischen Weizen und Korn, Zwischen Hecken und Dorn, Zwischen Bäumen und Gras, Wo geht's Liebchen? Sag mir das! Fand mein Holdchen Nicht daheim; Muß das Goldchen Draußen sein. Grünt und blühet Schön der Mai; Liebchen ziehet Froh und frei. An dem Felsen beim Fluß, Wo sie reichte den Kuß, Jenen ersten, im Gras, Seh ich etwas! Ist sie das? Frühzeitiger Frühling Tage der Wonne, Kommt ihr so bald? Schenkt mir die Sonne, Hügel und Wald? Reichlicher fließen Bächlein zumal. Sind, es die Wiesen? Ist es das Tal? Blauliche Frische! Himmel und Höh! Goldene Fische Wimmeln im See. Buntes Gefieder Rauschet im Hain; Himmlische Lieder Schallen darein. Unter des Grünen Blühender Kraft Naschen die Bienen Summend am Saft. Leise Bewegung Bebt in der Luft, Reizende Regung, Schläfernder Duft. Mächtiger rühret Bald sich ein Hauch, Doch er verlieret Gleich sich im Strauch. Aber zum Busen Kehrt er zurück. Helfet, ihr Musen, Tragen das Glück! Saget, seit gestern Wie mir geschah? Liebliche Schwestern, Liebchen ist da! Herbstgefühl Fetter grüne, du Laub, Am Rebengeländer Hier mein Fenster herauf! Gedrängter quellet, Zwillingsbeeren, und reifet Schneller und glänzend voller! Euch brütet der Mutter Sonne Scheideblick; euch umsäuselt Des holden Himmels Fruchtende Fülle; Euch kühlet des Mondes Freundlicher Zauberhauch, Und euch betauen, ach! Aus diesen Augen Der ewig belebenden Liebe Vollschwellende Tränen. Rastlose Liebe Dem Schnee, dem Regen. Dem Wind entgegen, Im Dampf der Klüfte, Durch Nebeldüfte, Immer zu! Immer zu! Ohne Rast und Ruh! Lieber durch Leiden Möcht ich mich schlagen, Als so viel Freuden Des Lebens ertragen. Alle das Neigen Von Herzen zu Herzen, Ach, wie so eigen Schaffet das Schmerzen! Wie soll ich fliehen? Wälderwärts ziehen? Alles vergebens! Krone des Lebens, Glück ohne Ruh, Liebe, bist du! Schäfers Klagelied Da droben auf jenem Berge, Da steh ich tausendmal An meinem Stabe gebogen Und schaue hinab in das Tal. Dann folg ich der weidenden Herde, Mein Hündchen bewahret mir sie. Ich bin herunter gekommen Und weiß doch selber nicht wie. Da stehet von schönen Blumen Die ganze Wiese so voll. Ich breche sie, ohne zu wissen, Wem ich sie geben soll. Und Regen, Sturm und Gewitter Verpaß ich unter dem Baum. Die Türe dort bleibet verschlossen Doch alles ist leider ein Traum. Es stehet ein Regenbogen Wohl über jenem Haus! Sie aber ist weggezogen, Und weit in das Land hinaus. Hinaus in das Land und weiter, Vielleicht gar über die See. Vorüber, ihr Schafe, vorüber! Dem Schäfer ist gar so weh. Trost in Tränen Wie kommt's, daß du so traurig bist, Da alles froh erscheint? Man sieht dir's an den Augen an, Gewiß, du hast geweint. »Und hab ich einsam auch geweint, So ist's mein eigner Schmerz, Und Tränen fließen gar so süß, Erleichtern mir das Herz.« Die frohen Freunde laden dich, O komm an unsre Brust! Und was du auch verloren hast, Vertraue den Verlust. »Ihr lärmt und rauscht und ahnet nicht, Was mich, den Armen, quält. Ach nein, verloren hab ich's nicht, Sosehr es mir auch fehlt.« So raffe denn dich eilig auf, Du bist ein junges Blut. In deinen Jahren hat man Kraft Und zum Erwerben Mut. »Ach nein, erwerben kann ich's nicht, Es steht mir gar zu fern. Es weilt so hoch, es blinkt so schön, Wie droben jener Stern.« Die Sterne, die begehrt man nicht, Man freut sich ihrer Pracht, Und mit Entzücken blickt man auf In jeder heitern Nacht. »Und mit Entzücken blick ich auf, So manchen lieben Tag; Verweinen laßt die Nächte mich, Solang ich weinen mag.« Nachtgesang O gib vom weichen Pfühle, Träumend, ein halb Gehört Bei meinem Saitenspiele Schlafe! was willst du mehr? Bei meinem Saitenspiele Segnet der Sterne Heer Die ewigen Gefühle; Schlafe! was willst du mehr? Die ewigen Gefühle Heben mich, hoch und hehr, Aus irdischem Gewühle; Schlafe! was willst du mehr? Vom irdischen Gewühle Trennst du mich nur zu sehr, Bannst mich in diese Kühle; Schlafe! was willst du mehr? Bannst mich in diese Kühle, Gibst nur im Traum Gehör. Ach, auf dem weichen Pfühle Schlafe! was willst du mehr? Sehnsucht Was zieht mir das Herz so? Was zieht mich hinaus? Und windet und schraubt mich Aus Zimmer und Haus? Wie dort sich die Wolken Um Felsen verziehn! Da möcht ich hinüber, Da möcht ich wohl hin! Nun wiegt sich der Raben Geselliger Flug; Ich mische mich drunter Und folge dem Zug. Und Berg und Gemäuer Umfittichen wir; Sie weilet da drunten; Ich spähe nach ihr. Da kommt sie und wandelt; Ich eile sobald, Ein singender Vogel, Zum buschigen Wald. Sie weilet und horchet Und lächelt mit sich: »Er singet so lieblich Und singt es an mich.« Die scheidende Sonne Verguldet die Höhn; Die sinnende Schöne, Sie läßt es geschehn. Sie wandelt am Bache Die Wiesen entlang, Und finster und finstrer Umschlingt sich der Gang; Auf einmal erschein ich, Ein blinkender Stern. »Was glänzet da droben, So nah und so fern?« Und hast du mit Staunen Das Leuchten erblickt; Ich lieg dir zu Füßen, Da bin ich beglückt! An Mignon Über Tal und Fluß getragen Ziehet rein der Sonne Wagen. Ach, sie regt in ihrem Lauf, So wie deine, meine Schmerzen, Tief im Herzen, Immer morgens wieder auf. Kaum will mir die Nacht noch frommen, Denn die Träume selber kommen Nun in trauriger Gestalt, Und ich fühle dieser Schmerzen, Still im Herzen, Heimlich bildende Gewalt. Schon seit manchen schönen Jahren Seh ich unten Schiffe fahren; Jedes kommt an seinen Ort Aber ach, die steten Schmerzen, Fest im Herzen, Schwimmen nicht im Strome fort. Schön in Kleidern muß ich kommen, Aus dem Schrank sind sie genommen, Weil es heute Festtag ist; Niemand ahnet, daß von Schmerzen Herz im Herzen Grimmig mir zerrissen ist. Heimlich muß ich immer weinen, Aber freundlich kann ich scheinen Und sogar gesund und rot; Wären tödlich diese Schmerzen Meinem Herzen, Ach, schon lange wär ich tot. Bergschloß Da droben auf jenem Berge, Da steht ein altes Schloß, Wo hinter Toren und Türen Sonst lauerten Ritter und Roß. Verbrannt sind Türen und Tore, Und überall ist es so still; Das alte, verfallne Gemäuer Durchklettr' ich, wie ich nur will. Hierneben lag ein Keller, So voll von köstlichem Wein; Nun steiget nicht mehr mit Krügen Die Kellnerin heiter hinein. Sie setzt den Gästen im Saale Nicht mehr die Becher umher, Sie füllt zum heiligen Mahle Dem Pfaffen das Fläschchen nicht mehr. Sie reicht dem lüsternen Knappen Nicht mehr auf dem Gange den Trank Und nimmt für flüchtige Gabe Nicht mehr den flüchtigen Dank. Denn alle Balken und Decken, Sie sind schon lange verbrannt, Und Trepp und Gang und Kapelle In Schutt und Trümmer verwandt. Doch als mit Zither und Flasche Nach diesen felsigen Höhn Ich an dem heitersten Tage Mein Liebchen steigen gesehn, Da drängte sich frohes Behagen Hervor aus verödeter Ruh, Da ging's wie in alten Tagen Recht feierlich wieder zu. Als wären für stattliche Gäste Die weitesten Räume bereit, Als käm ein Pärchen gegangen Aus jener tüchtigen Zeit. Als stünd in seiner Kapelle Der würdige Pfaffe schon da Und fragte: Wollt ihr einander? Wir aber lächelten: Ja! Und tief bewegten Gesänge Des Herzens innigsten Grund, Es zeugte statt der Menge Der Echo schallender Mund. Und als sich gegen den Abend Im stillen alles verlor, Da blickte die glühende Sonne Zum schroffen Gipfel empor. Und Knapp und Kellnerin glänzen Als Herren weit und breit; Sie nimmt sich zum Kredenzen Und er zum Danke sich Zeit. Geistesgruß Hoch auf dem alten Turme steht Des Helden edler Geist, Der, wie das Schiff vorübergeht, Es wohl zu fahren heißt. »Sieh, diese Senne war so stark, Dies Herz so fest und wild, Die Knochen voll von Rittermark, Der Becher angefüllt; Mein halbes Leben stürmt ich fort, Verdehnt' die Hälft in Ruh, Und du, du Menschenschifflein dort, Fahr immer, immer zu!« An ein goldnes Herz, das er am Halse trug Angedenken du verklungner Freude, Das ich immer noch am Halse trage, Hältst du länger als das Seelenband uns beide? Verlängerst du der Liebe kurze Tage? Flieh ich, Lili, vor dir! Muß noch an deinem Bande Durch fremde Lande, Durch ferne Täler und Wälder wallen! Ach, Lilis Herz konnte so bald nicht Von meinem Herzen fallen. Wie ein Vogel, der den Faden bricht Und zum Walde kehrt, Er schleppt des Gefängnisses Schmach Noch ein Stückchen des Fadens nach; Er ist der alte freigeborne Vogel nicht, Er hat schon jemand angehört. Wonne der Wehmut Trocknet nicht, trocknet nicht, Tränen der ewigen Liebe! Ach, nur dem halbgetrockneten Auge Wie öde, wie tot die Welt ihm erscheint! Trocknet nicht, trocknet nicht, Tränen unglücklicher Liebe! Wandrers Nachtlied Der du von dem Himmel bist, Alles Leid und Schmerzen stillest, Den, der doppelt elend ist, Doppelt mit Erquickung füllest, Ach, ich bin des Treibens müde! Was soll all der Schmerz und Lust? Süßer Friede, Komm, ach komm in meine Brust! Ein gleiches Über allen Gipfeln Ist Ruh, In allen Wipfeln Spürest du Kaum einen Hauch; Die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur, balde Ruhest du auch. Jägers Abendlied Im Felde schleich ich still und wild, Gespannt mein Feuerrohr. Da schwebt so licht dein liebes Bild, Dein süßes Bild mir vor. Du wandelst jetzt wohl still und mild Durch Feld und liebes Tal, Und ach, mein schnell verrauschend Bild, Stellt sich dir's nicht einmal? Des Menschen, der die Welt durchstreift Voll Unmut und Verdruß, Nach Osten und nach Westen schweift, Weil er dich lassen muß. Mir ist es, denk ich nur an dich, Als in den Mond zu sehn; Ein stiller Friede kommt auf mich, Weiß nicht, wie mir geschehn. An den Mond Füllest wieder Busch und Tal Still mit Nebelglanz, Lösest endlich auch einmal Meine Seele ganz; Breitest über mein Gefild Lindernd deinen Blick, Wie des Freundes Auge mild Über mein Geschick. Jeden Nachklang fühlt mein Herz Froh' und trüber Zeit, Wandle zwischen Freud und Schmerz In der Einsamkeit. Fließe, fließe, lieber Fluß! Nimmer werd ich froh, So verrauschte Scherz und Kuß, Und die Treue so. Ich besaß es doch einmal, Was so köstlich ist! Daß man doch zu seiner Qual Nimmer es vergißt! Rausche, Fluß, das Tal entlang, Ohne Rast und Ruh, Rausche, flüstre meinem Sang Melodien zu, Wenn du in der Winternacht Wütend überschwillst Oder um die Frühlingspracht Junger Knospen quillst. Selig, wer sich vor der Welt Ohne Haß verschließt, Einen Freund am Busen hält Und mit dem genießt, Was, von Menschen nicht gewußt Oder nicht bedacht, Durch das Labyrinth der Brust Wandelt in der Nacht. Einschränkung Ich weiß nicht, was mir hier gefällt, In dieser engen, kleinen Welt Mit holdem Zauberband mich hält? Vergeß ich doch, vergeß ich gern, Wie seltsam mich das Schicksal leitet; Und ach, ich fühle, nah und fern Ist mir noch manches zubereitet. O wäre doch das rechte Maß getroffen! Was bleibt mir nun, als, eingehüllt, Von holder Lebenskraft erfüllt, In stiller Gegenwart die Zukunft zu erhoffen! Hoffnung Schaff, das Tagwerk meiner Hände, Hohes Glück, daß ich's vollende! Laß, o laß mich nicht ermatten! Nein, es sind nicht leere Träume: Jetzt nur Stangen, diese Bäume Geben einst noch Frucht und Schatten. Sorge Kehre nicht in diesem Kreise Neu und immer neu zurück! Laß, o laß mir meine Weise, Gönn, o gönne mir mein Glück! Soll ich fliehen? Soll ich's fassen? Nun, gezweifelt ist genug. Willst du mich nicht glücklich lassen, Sorge, nun so mach mich klug! Eigentum Ich weiß, daß mir nichts angehört Als der Gedanke, der ungestört Aus meiner Seele will fließen, Und jeder günstige Augenblick, Den mich ein liebendes Geschick Von Grund aus läßt genießen. An Lina Liebchen, kommen diese Lieder Jemals wieder dir zur Hand, Sitze beim Klaviere nieder, Wo der Freund sonst bei dir stand. Laß die Saiten rasch erklingen, Und dann sieh ins Buch hinein; Nur nicht lesen! immer singen! Und ein jedes Blatt ist dein. Ach, wie traurig sieht in Lettern, Schwarz auf weiß, das Lied mich an, Das aus deinem Mund vergöttern, Das ein Herz zerreißen kann!