43/190. An Carl Friedrich Moritz PaulGraf von Brühl Gleich nach dem Abgang meines letzten Briefes, theuerster Herr und Freund, bedacht ich, was zu thun seyn möchte; und da schien mir den Umständen ganz angemessen, daß wir einen Nürnberger Bürger in seiner alten Tracht austreten ließen. Dieß trifft denn glücklicherweise, da sie alle Meistersänger waren, mit Ihrem Vorsatze zusammen, und also paßt auch wohl die Einleitung, wie ich sie indessen schrieb und wie sie hier sogleich erfolgt. Ich darf nicht bemerken, daß der Anfang etwas moderner ist, damit der Zuhörer nicht gleich von etwas Fremden getroffen werde; sodann geht der Ton in's Ältere hinüber und wird sich ganz wohl an die Beschreibung des Bildes anschließen. Ich mußte mich sehr zusammen nehmen, um nicht weitläufig zu werden; denn hier fand sich Stoff zu einem selbstständigen Prolog: denn ich durfte nur den Namen Nürnberg aussprechen und von den dortzeitigen Kunst- und Handwerkstugenden etwas erwähnen, so lag der Preis von Berlin an der Hand, wo man jetzt im Hundertfachen dasjenige leistet, was damals an jenem Orte billig sehr hoch bewundert ward und uns immer noch mit Ehrfurcht erfüllt. Jene berührte Stelle kann gar wohl mit wenigem umgeändert werden, denn es wäre nicht wohl gethan, wenn wir die Art des sechzehnten Jahrhunderts, in unsrer Zeit als Unart erscheinend, freventlich produciren wollten. Man sagte, dächt ich: Ohne mit langer Schleppe zu schwänzen. Und so möchte denn das zartere Ohr nicht beleidigt werden. Weiter füge ich nichts hinzu, als daß es mich freut, mit diesem Wenigen eilig und zeitig bewiesen zu haben, wie angelegen es mir sey, zu zeigen, daß ich immer der Alte geblieben. Lägen unsere Kreise näher beysammen oder griffen gar in einander ein, so würde das öfter und bedeutender geschehen können. Lassen Sie mich in Ihrem Kreise bestens empfohlen seyn. treulichst Weimar den 26. Januar 1828. J. W. v. Goethe.