38/226. An Justus Christian von Loder Ew. Hochwohlgeboren verpflichteten Dank für manches bisherige Freundliche mit wenigen Worten auszusprechen versäume nicht die dargebotne gute Gelegenheit, da unsere theure Erbgroßherzogliche Familie eine Reise nach Petersburg antritt. In meinen morphologischen Heften habe ich wiederholt der schönen und lehrreichen Tage gedacht die wir in Jena zusammen verlebten und die vielleicht für beide sich nicht erneuerten. Nur eine wiederholte Erfahrung, wie schwer es sey Bücher in Rußland einzuführen, hielt mich ab, gedachte Hefte von Zeit zu Zeit zu übersenden; dießmal wag ich es in Hoffnung glücklicher Überkunft. In dem anatomischen Werke hab ich die sonstige und immer fortgesetzte Genauigkeit Ihrer Studien und Lehrbemühungen gar wohl erkannt und danke zum allerbesten daß Sie, jenes gemeinsamen Bestrebens eingedenk, meiner dabey so ehrenvoll haben erwähnen mögen. In dem Catalog bin ich, mit wahrem Vergnügen, unter so manchen alten Bekannten umhergegangen und habe mich der Dauer solcher Zeugnisse eines vieljährigen, nie unterbrochenen Fleißes höchlich gefreut. Ich dachte dabey, in welche Entfernung diese Schätze, durch wiederholte Wanderungen, wohl erhalten gelangt, vermehrt und verherrlicht, den fürchterlichen Weltschicksalen glücklich entgangen, so manches Unheil überdauert haben. Mögt ich noch lange mich Ihres wohlwollenden Antheils erfreuen! Treulichst Weimar den 7. October 1824. J. W. v. Goethe.