12/3520. An Friedrich Schiller Herr von Humboldt, der erst morgen früh abgeht, läßt Sie schönstens grüßen und ersucht Sie beyliegenden Brief sogleich bestellen zu lassen. Wir haben über die letzten Gesänge ein genaues prosodisches Gericht gehalten und sie so viel es möglich war gereinigt. Die ersten sind nun bald in's reine geschrieben und nehmen sich, mit ihren doppelten Inschriften, gar artig aus. Ich hoffe sie die nächste Woche abzusenden. Auch sollen Sie vor Mittwoch noch ein Stück Cellini zu zwölf geschriebnen Bogen erhalten. Es bleiben alsdenn etwa noch sechs für den Schluß. Übrigens geht es etwas bunt zu und ich werde in den nächsten 14 Tagen zu wenigem kommen. Die astrologischen Verbindungen, die Sie mir mittheilen, sind wunderlich genug, ich verlange zu sehen was Sie für einen Gebrauch von diesem Material machen werden. Ich wünsche die Materie, die uns beyde so sehr interessirt, bald weiter mit Ihnen durchzusprechen. Diejenigen Vortheile, deren ich mich in meinem letzten Gedicht bediente, habe ich alle von der bilden den Kunst gelernt. Denn bey einem gleichzeitigen, sinnlich vor Augen stehenden Werke ist das überflüssige weit auffallender, als bey einem das in der Succession vor den Augen des Geistes vorbeygeht. Auf dem Theater würde man große Vortheile davon spüren. So fiel mir neulich auf daß man auf unserm Theater, wenn man an Gruppen denkt, immer nur sentimentale oder pathetische hervorbringt, da doch noch hundert andere denkbar sind. So erschienen mir diese Tage einige Scenen im Aristophanes völlig wie antike Basreliefen und sind gewiß auch in diesem Sinne vorgestellt worden. Es kommt im Ganzen und im Einzelnen alles darauf an: daß alles von einander abgesondert, daß kein Moment dem andern gleich sey; so wie bey den Charakteren daß sie zwar bedeutend von einander abstehen, aber doch immer unter Ein Geschlecht gehören. Leben Sie recht wohl und arbeiten Sie fleißig, sobald ich ein wenig Luft habe, denke ich an den Almanach. Weimar den 8. April 97. G.