5/1375. An den Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha [Ende December.] Durchlauchtigster Herzog, Gnädigster Herr. Ew. Durchl. übersende die Zeichnungen, die ich vom alten Forster erhalten, und hoffe, sie werden Ihnen neue Freude machen. Hier habe ich sie unsrer regierenden Herzogin gezeigt, die sie auch außerordentlich schön gefunden. Mir, muß ich gestehen, ist bei dieser Gelegenheit wieder aufgefallen, daß man sich des Fürtrefflichen in Abwesenheit niemals lebhaft genug erinnert, denn ich habe mich über die äußerste Präzision und Wahrheit, womit sie gearbeitet sind, gewundert, als wenn ich sie nie gesehen hätte. Gewiß wird man Ew. Durchl. über deren Besitz beneiden, denn es kommt gar vieles zusammen, was sie schätzbar macht. Wie gern hätte ich um die Erlaubniß gebeten, unsre gnädigsten Herrschaften begleiten zu dürfen, um Ew. Durchl. meine aufrichtigen Wünsche auf das nächste und alle kommenden Jahre mündlich vorzutragen, allein so wohl sollte mir's nicht werden, denn des Alten und Neuen hat sich so vielerlei zusammengedrängt, daß das neue Jahr mir ein zwar freundliches, doch auch mühseliges Gesichte zeigt. Erhalten mir Ew. Durchl. Ihre höchste Gnade damit ich mit meinen Gedanken, wenn sie von hier aus nach meinem Vaterlande gehn, welches doch oft zu geschehen pflegt, immer mit Lust und einer gnädigen Aufnahme versichert auf dem Friedensteine eintreten kann. Mit schuldigster Verehrung mich unterzeichnend Ew. Hochfürstl. Durchl. unterthänigster Goethe.