22/6315. An Franz Kirms Ew. Wohlgeb. erhalten hierbey erstlich Concept und Mundum der Strafgesetze beydes umgeschrieben, weil ich eine Stelle auszulöschen, und die vorgeschlagene einzuschalten für räthlich fand. Die Verordnung an die Regie ist geblieben. Zweytens das Verzeichniß derjenigen Stücke, wovon man in Halle Gebrauch machen kann. Ich wünsche guten Erfolg. Drittens das Verzeichniß der Sonntagsstücke. Ich habe wiederholt sagen hören, daß Halle und die Gegend mehr durch stücke, welche die Leidenschaft erregen und den Geist beschäftigen, angelockt würden, als durch Opern. Doch wer will so etwas, wozu Localkenntniß gehört, aus der Ferne beurtheilen. Sollte Ihnen von Lauchstädt her etwas Unangenehmes kommen, so wird Herr Geheimderath von Voigt gewiß beyräthig seyn. Jene Drohungen, die jene schon früher gebraucht haben, wollen nichts heißen; nirgends, am wenigsten im Königreich Sachsen, wird man uns aus einem solchen Besitz setzen. Wenn ich als Privatus in dem Fall wäre, so spät ich mir die Erlaubniß, das Haus abzutragen, und die Materialien zu verauctioniren, und alsdenn wollte ich die Lamenten der Lauchstädter hören; es hieße ja, dieses arme Nest auf ewig zu Grunde richten. Und so wünsche ich denn recht wohl zu leben! Ich denke Mittewoch den 29. abzugehen um noch das Böhmen hineinzuzwitschen, ehe der große Zug durch das Vogtland durchkommt. Ich will diesen Sommer überdenken und sorgen, daß wir wieder künftigen Winter einiges Bedeutende produciren können. Jena den 25. April G. 1812.