11/3394. An August Wilhelm Iffland [Jena, Mitte September.] Sie können, verehrter Freund, versichert sein, daß ich das Drückende Ihrer gegenwärtigen Lage völlig mit Ihnen fühle. Ein rechtschaffener Mann, der Rücksichten als Gatte und Freund zu nehmen hat und der in Begriff steht, einen Entschluß wegen seines künftigen Lebens zu fassen und zwischen zwei so verschiedenen Situationen zu wählen, muß, wenn er dabei nach Ihr empfindliches und liebevolles Herz hat, sich in einer sehr peinlichen Lage befinden. Wir sind unter diesen Umständen weit entfernt, lebhafter in Sie zu dringen, um so mehr als der Termin, den Sie zur Entscheidung der Sache festsetzen nicht gar weit entfernt ist. Was wir Ihnen anbieten können und Ihnen so gern anbieten, wissen Sie so wie unsere übrigen Verhältnisse und Gesinnungen. Indessen lernen Sie ja auch wol jenes Terrain kennen, und Ihrer Einsicht entgeht es nicht, was Sie zu wählen haben. Seien Sie versichert, daß der Wunsch Sie glücklich zu wissen bei uns ebenso lebhaft ist als der Wunsch Sie zu besitzen und daß, Ihre Wahl falle aus wie sie wolle, Sie sich hier eine fortdauernde allgemeine Achtung und die Freundschaft derer, die Sie näher kennen lernten, erhalten werden. Leben Sie recht wohl und erfreuen Sie mich bald wenigstens mit der Nachricht, daß Ihre Krankheit von keinen Folgen gewesen ist. G.