Hernach 1908 Prosaischer Kauz Der holde Mond erhebt sich leise. Ein alter Kauz denkt nur an Mäuse. Unwillkommener Besuch Wird man im Mittagsschlaf gestört, Das ist verdrießlich, das empört. Rast im Walde Es hielten mal Wandrer Im Walde Ruh, Da kamen zwei Häslein Und schauten zu. Maitanz Fritz Heuschreck spielte Schrippdiddellitt! Auf seinem Violinchen; Der Käferkasperl tanzte mit Dem Schmetterlingskatrinchen. Abendkonzert Ein Konzert von Dilettanten. Stimmt auch grad nicht jeder Ton, Wie bei rechten Musikanten, Ihnen selbst gefällt es schon. Ständchen Ein Ständchen in der Frühlingsnacht Ist leicht gebracht. Nur ist es fraglich, ob's gelingt, Daß es zu Röschens Herzen dringt. Osterhas Es ist das Osterfest alljährlich Doch für den Hasen recht beschwerlich. Der Verdächtige Trau keinem Filou, Und hätt er auch beide Augen zu. Kartoffelidyll Die brave Großmutter Großmütterchen tut alles gern Für Hänschen, ihren kleinen Herrn. Der Gefällige Die Grete steigt zum Hühnernest. Der Hansel hält die Leiter fest. Die Leiter bricht von dem Gewicht. Erfreulich ist's für beide nicht. Die Zeit So ist nun mal die Zeit allhie, Erst trägt sie dich, Dann trägst du sie; Und wann's vorüber, weißt du nie. Schnauz Derweil sein Herr Besuche macht, Hält Schnauz bei Hut und Schirm die Wacht. Messerschleifen Der Vater schleift das Messer schön, Gemütlich tut er das. Das Hänschen muß den Schleifstein drehn, Tät lieber anders was. Idyll Der Dorfpolitiker Altenteiler liest mit Ruh In der Landeszeitung; Friedlich grast die treue Kuh Unter seiner Leitung. Wenn sich zwei so einig sind Und sich lange kennen, Ach, wie kommt dann oft geschwind Einer, sie zu trennen. Daß die Trennung möglichst kurz, Die die zwei betroffen, Daß nicht gar zu hart der Sturz, Nun, wir wollen's hoffen. Überraschung Stets findet Überraschung statt Da, wo man's nicht erwartet hat; Doch daß dieselbe überall Grad angenehm, ist nicht der Fall. Gar oft erschreckt uns eine sehr Und eine andre noch viel mehr. Die böse Ziege Ein Sträußlein, abgepflückt, Damit es schmücke, Wird oft, eh daß es schmückt, Ein Raub der Zicke. Eule und Star Guten Tag, Frau Eule! Habt Ihr Langeweile? – Ja, eben jetzt, Solang Ihr schwätzt! Innerer Wert Ein kluger Mann verehrt das Schwein; Er denkt an dessen Zweck. Von außen ist es ja nicht fein, Doch drinnen sitzt der Speck. Komm, komm! Mit Güte lockt fast überall Die Frau ihr Schweinchen in den Stall. Alter schützt vor Torheit nicht Nein so was! Ein altes verständiges Schwein, Und fällt kopfüber ins Faß hinein!! Schnitzeln Prosit Neujahr! Geld laßt von Herzen allen uns gönnen, So viel die Esel nur tragen können. Das Schwein Sei dein! Prosit Neujahr! Da steht und kräht er. Vielleicht gerät er. Das alte Jahr gar schnell entwich. Es konnt sich kaum gedulden Und ließ mit Freuden hinter sich Den dicken Sack voll Schulden. Nachhilfe Dem Esel, störrisch im Geschäfte, Verleiht der Knittel neue Kräfte. Drohendes Verhängnis Es machen sich die Fliegen Ein luftig Tanzvergnügen. Der Frosch der denkt: Nur munter! Ihr kommt schon noch herunter! Kühlung Es ging Professor Schretter Ins Feld bei heißem Wetter. Er bückt sich tief, auf daß er Mal tränke, übers Wasser. Da kam die Geiß, und bubbs! Gibt sie ihm einen Schubbs. Und wer es sieht, der fühlt: Jetzt ist er abgekühlt. Mutter und Sohn mit frohem Gesichte Gingen zu Markt. – Es sind die Eier Heuer hübsch teuer, Das Stück zwei Dreier. – Perdatsch! Da liegt die ganze Geschichte! Schnitzeln Der Gratulant Zu spät, mein Lieber! Der Namenstag ist längst vorüber. Künstlers Hoffnung Armer Künstler hat es sauer, Doch Erfolg kommt allgemach. Zeigt sich nur erst ein Beschauer, Folgen wohl die andern nach. Ein Muster der Schnelligkeit Die Panzerkröte sprach zur Schnecke: Pfui! Schäme dich! Du kommst ja gar nicht recht vom Flecke! Da sieh mal mich!! Wenn das Rhinozeros, das schlimme, Dich kriegen will in seinem Grimme, Dann steig auf einen Baum beizeiten, Sonst hast du Unannehmlichkeiten. Unverhofft Der Negerknabe ging so still Am Nil dahin. Plötzlich erblickt er Ein unverhofftes Krokodil. Oh, wie erschrickt er!! Drohendes Verhängnis Der Spritzefisch ist ein Gar listiger Geselle. Gib acht und hüt dich fein, Leichtsinnige Libelle!! Glück im Unglück »Das war noch 'n Glück!« Rief der Heuschreck. Da ließ er ein Bein zurück. Schnitzeln Das Nilpferd pflückt sich oft gemütlich Ein Blümchen ab. Das macht sich niedlich! Schnitzeln Der unverschämte Igel In einem Baumstamm, unten hohl, Da sitzt der Has und fühlt sich wohl. Ein Igel, dem der Ort gefiel, Möcht auch hinein, weil's draußen kühl. Der Hase, voller Gütigkeit, Macht höflich Platz und rückt beiseit. Doch kaum ist er beiseit gerückt, Fühlt er bereits, daß ihn was prickt. Und plötzlich so geprickelt hat's, Er muß heraus mit einem Satz. Oh, unverschämtes Stacheltier! Aha, der Fuchs ist auch schon hier. Zwar gleich macht sich der Igel dick Und zieht sich in sich selbst zurück. Der Fuchs, der gern den Igel frißt, Weiß aber, was zu machen ist. Und weiß, wie man ihn fassen kann, Und schüttelt und verzehrt ihn dann. Hier liegt die Haut, ganz hohl und leer. Den Hasen, scheint's, erfreut es sehr. Doch innerlich, so wie man sieht, Ging ihm die Sache zu Gemüt. Gottlob, nun sitzt der gute Has Gemütlich wieder, wo er saß. Schnitzeln Der fliegende Frosch Wenn einer, der mit Mühe kaum Gekrochen ist auf einen Baum, Schon meint, daß er ein Vogel wär, So irrt sich der. Gestörtes Duett Melodisch sangen Katz und Kater Ihr zärtlich Lied des Abends spät. Den Stock ergreift des Hauses Vater, Die Mutter nimmt das Waschgerät. Die sanften Liebestöne schwiegen; Es zischt und kracht im Treppenhaus. Der Vater purzelt von der Stiegen, Die Mutter gießt die Schale aus. Sorglos Selbst mancher Weise Besieht ein leeres Denkgehäuse Mit Ernst und Bangen. – Der Rabe ist ganz unbefangen.