Christiana Mariana von Ziegler
Vermischete Schriften
in
gebundener und ungebundener Rede

[2] Vorrede

Geneigter Leser.


Das weibliche Geschlechte wird überhaupt angeklaget, daß es in seinen Entschliessungen nicht gar zu beständig zu seyn pflege. Ich will es auch gewisser maassen ganz [2] gerne einräumen, ob ich gleich von vielen, welche durch ihre gezwungene Ernsthaftigkeit sich einen Ruhm zu erwerben suchen, deswegen keine geneigte Mine erhalten werde. Ich höre schon, wie sie murmeln, und mir den unzeitigen Vorwurf machen, als beschuldigte ich sie nur deswegen, weil ich selbst meinen Vorsatz geändert hätte. Es ist an dem, daß ich ehemals in meinen Gedichten von der Poesie öffentlich [3] Abschied genommen habe: Und doch zeige ich itzo daß mich die Lust zum Dichten noch nicht verlassen hat. Wie ich mich schon vielmals nicht gescheuet habe, die Fehler meines Geschlechtes zu entdecken; so schäme ich mich auch nicht, meine eigene Schwachheit zu gestehen; wo anders die Aenderung meines Entschlusses eine Schwachheit zu nennen ist.

Die Liebe zur Dichtkunst hat mich so eingenommen, daß ich ihr [4] unmöglich habe widerstehen können. Ich habe in dieser Beschäftigung, oder in diesem Zeitvertreibe, wenn man diesen Namen vor besser hält; so lange sie die Regeln der Sittlichkeit nicht überschreitet, so viel Unschuldiges und Edles gefunden, daß ich nicht umhin gekonnt darinn zuweilen fortzufahren. Dar aus sind die Stücke entstanden, welche dir in dem ersten Theile dieses Bandes vorgeleget werden. Mehr brauchet [5] es nicht von dem Ursprunge, und zur Vertheidigung meines Unternehmens zu sagen. Da ich gesonnen war, nicht mehr zu dichten, hatte ich die Absicht, mich auch in ungebundener Schreibart, so wohl durch eigene Betrachtungen als Uebersetzungen zu üben. Ich folgete diesem Triebe, und derselbe hat den Grund zu dem andern Theile des gegenwärtigen Werkes geleget, welchem ich deswegen den Titel [6] Vermischeter Schriften gegeben. Ich habe meine Feder mit Vorbedacht in unterschiedenen Arten prüfen wollen. Daher wirst du hier Reden, Gespräche, Briefe und Fabeln finden. Ich habe auf der Schaubühne der Welt so viele sonderbare Schauspiele aufführen sehen, daß es mir leicht gefallen wäre, ein weit mehrers von demjenigen zu entdecken und zu beurtheilen, was in den menschlichen Handlungen strafbar oder [7] lächerlich ist. Indessen habe ich in allen Stücken auf keine einzele Personen gesehen, sondern nur den Lauf der Welt überhaupt betrachtet, und was mir am seltsamsten geschienen, vor allen andern heraus genommen. Man wird mir dieses mit Grunde nicht verargen können; denn ich bin ja sowohl als andere Menschen, ein Zuschauer der Dinge, die in derselben geschehen; und darüber werde ich wohl eben so wenig zu [8] tadeln seyn, daß ich sage was ich glaube. Vielleicht lässet sich einer oder der andere diese Abschilderungen und Beurtheilungen zur Warnung dienen, sich vor allem demjenigen in Acht zunehmen, wodurch er mit recht lächerlich werden kann. Ein billiger Leser wird also meine gute Absicht nicht strafen können. Und wo ich ja getadelt werden sollte, daß meine Abbildungen nicht rechte Originale geworden wären; so [9] will ich mich nebst itzt gedachtem auch damit entschuldigen, daß ich eine allzu grosse Menschenliebe besitze, jemand in seiner völligen Blösse wirklich darzustellen. Es ist genug, wenn uns nur das Laster und der Fehler beschrieben wird. Alles überlasse ich dem Urtheile verständiger und billiger Leser. Findet meine Arbeit Beyfall, so werde ich ihnen davor gebührender maassen verbunden bleiben. Denen aber bey welchen sie ihn [10] nicht erhält, gebe ich die Versicherung daß ich mir wohlgegründete Erinnerungen ferner zu Nutze machen, ausser diesen aber mich durch widrige Urtheile von einem so nützlichen und angenehmen Zeitvertreibe nicht abhalten lassen werde.

[11]
OdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte
1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[1] Oden

[1][3]

1. Ode

Ueber den tödlichen Hintritt Ihro Majest. der Königin von Großbritannien.


Verhängniß! warum läßt dein Schluß
Sich nicht noch weiterhin verschieben?
Ach! daß die Fürstin sterben muß,
Die wir so treu, so zärtlich lieben!
Wer Ihren Ruhm nur hört, der betet Sie schon an,
Und wer Ihr dient, der preist sein Glücke.
O! daß doch unser Wunsch dich nicht bezwingen kann,
Dich, unerbittliches Geschicke!
[3]
Umsonst stärkt man hier die Natur,
Sie soll durch deine Macht erliegen.
Der König seufzt. O! schenk Ihm nur
In Carolinen sein Vergnügen.
Der selbsten Gnad erweist, verlangt sie nun von dir;
Die Majestet weicht hier der Liebe;
Er zieht die Zärtlichkeit der strengen Hoheit für,
Und folget ihrem edlen Triebe.
Der Kummer quält die matte Brust
Der höchstbestürzten Fürstenkinder;
Sie sehn den schrecklichen Verlust;
Ihr Schmerz dabey ist nicht gelinder:
Das Herz vergißt den Stand, und denkt nur an sein Glück
An Ihre mütterlichen Lehren;
Es ruft Sie von der Bahn der Sterblichkeit zurück,
Sie hier noch länger zu verehren.
Wenn dieses nicht genug bewegt,
So sieh, wie manches Land hier weinet;
Wie tief die Zeitung niederschlägt,
Wie traurig jedermann erscheinet;
Er fraget ängstlich nach: Lebt unsre Fürstin noch?
Dann fängt er kräftig an zubeten:
Entreiß Sie der Gefahr, laß mich viel lieber doch
Für Sie des Todes Thal betreten!
Was öffnet sich? wen seh ich dort?
Die Gottesfurcht liegt auf den Knien;
Der Altar raucht, und jedes Wort
Sucht Sie der Gruft noch zu entziehen.
Ihr Heldengeist lehrt uns im Glauben standhaft seyn,
Sie hilft sein Göttlich Reich erweitern,
Und sucht der Armen Nacht durch Ihren Gnadenschein
Mit Schutz und Beystand zu erheitern.
[4]
Die Wissenschaften zittern schon,
Und sehn ihr seltnes Glück verschwinden.
Sie rief sie selbst an ihren Thron,
Und ließ sie sichern Zutritt finden;
Ihr schneller Geist drang durch bis in den tiefsten Grund,
Die Wahrheit selbsten einzusehen;
Ihr prächtig Denkmal macht der späten Nachwelt kund
Wie eifrig es von ihr geschehen.
Wer hört nicht, wie die Staatskunst klagt,
Da Tod und Leben um Sie kämpfen;
Wie viel Ihr Heldenmuth gewagt,
Der Frechheit wilde Brut zu dämpfen?
Wie hoch das kluge Reich den weisen Rath geschätzt,
Wenn Sie den schweren Scepter führte;
Wie sich das freye Volk an Ihrer Huld ergetzt,
Wenn Sie recht Königlich regierte.
Doch, wie? du bleibst vor diesmahl taub;
Du wilst den harten Schluß nicht ändern,
Und wirst durch den verwegnen Raub
Die lange Quaal von vielen Ländern!
Ja! Caroline stirbt! Jedoch, Sie stirbt vergnügt,
Und krönt durch diesen Tod Ihr Leben;
Ihr Königlicher Geist hat rühmlich obgesiegt,
Ihm wird die Ewigkeit gegeben.
2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[5] 2. Ode

Ueber die von Ihro Majest. der Königin von Großbritannien zu Richmont erbauete, und mit den Bildern vier Gelehrten Engländer gezierete Grotte.


So muß ich denn schon abermal
Das Spiel so matter Sayten rühren?
Wohin wird Phöbus Augenstral
Und Wink mich doch zuletzt noch führen?
Itzt soll ich unserm Götterhayn
Dem sich die stillen Musen weyhn,
Mit aller Macht den Rücken zeigen,
Und ganz nach einen andern Ort,
Wohin? noch Richmonts Felder dort
Den muntern Blick bewundernd neigen.
Wo bin ich? Sagt Gefehrten mir,
Sagt, steht ihr nicht zugleich entzücket,
Indem ihr dieses Lustrevier
Und dessen Herrlichkeit erblicket?
Welch ungemein und seltne Pracht
Die uns verwirrt, erstaunend macht,
Glänzt dort aus dem belaubten Bogen
Der stolzen Grotte, deren Sitz
Des Künstlers Hand, des Meisters Witz
Mit Moos und Muschelwerk umzogen?
[6]
Laßt Musen uns dies Heiligthum
Mit rechter Ehrfurcht doch beschauen.
Wer ists, zu dessen hohem Ruhm
Man läßt dies Grottenwerk erbauen?
Welch schöner Anblick! seht ihr nicht,
Wie hier das halbgebrochne Licht
Den bunten Schmuck der Wände mahlet?
Wie jener Säulen Trefflichkeit,
Die man berühmten Männern weyht,
Auch durch die dunkeln Schatten strahlet?
Verblendet mich nicht jener Schein,
So kann man aus den Zügen spühren
Wer diese Bilder sollen seyn,
So die bebüschte Höhle zieren.
Hier ist ja Newton aufgestellt,
Dem Wollaston sich zugesellt,
Dort seht ihr Clark und Locken schimmern.
Ists möglich, daß so Kunst als Fleiß
So lebhaft, so natürlich weis
Aus todtem Stein ein Bild zu zimmern?
Wo ist der Held, der nach der Gruft
Bereits entschlafner Weisen blicket,
Und die Erinnrungswerthe Kluft
Noch mit derselben Bildern schmücket?
Steht nach so langer Zeiten Lauf
Ein Römischer Augustus auf,
Der Kunst und Wissen hochgeschätzet,
Und klugen Geistern hier und dar,
Weil er selbst deren Kenner war,
So manches Ehrenmahl gesetzet?
[7]
Nein, einer holden Fürstin Hand
Läßt sich allhier geschäftig finden,
Und will, von edlem Trieb entbrannt,
Der Weisheit Ruhm auf ewig gründen.
Hier baut der Britten Königin
Sophien selbst ein Denkmal hin;
Der Pallas einen neuen Tempel,
Den Sie mit Bildern unterstützt,
Aus deren Antlitz Klugheit blitzt;
O wunderwürdiges Exempel!
Dies ist der Ort, den Sie erwählt,
So oft Sie sich dem Hof entziehet,
Und die vergnügtsten Stunden zählt
Wenn Sie der Welt Zerstreuung fliehet.
Hier suchet Caroline Ruh,
Und hört im Geist den Weisen zu,
Die zu der Fürstin Seite stehen;
Da dünket Ihr als hörte Sie
Vom Munde der Philosophie
Noch manche hohe Lehren gehen.
Durchlauchtste Heldin! merkst Du nicht?
Europa preiset dein Beginnen.
Vernimm doch, was Minerva spricht,
Zu Dir, Du Preis der Königinnen:
Dein Volk sieht mit Erstaunen an,
Wie dieser Ort Dich reizen kann,
Indem Dich Thron und Burg vermissen;
An deren statt Gebüsch und Moos
Die Majestet in seiner Schooß
Vergnügt soll eingeschlossen wissen.
[8]
Was muß die späte Welt einmal
Zu deinem Thun, o Fürstin! sprechen?
Dies wahrlich kann und wird den Strahl
Von deiner Hoheit gar nicht schwächen.
Hier, wo das Licht dem Schatten weicht,
Und einer Morgendämmrung gleicht,
Aus diesen hochgewölbten Zimmern
Wornach sich aller Auge dreht,
Sieht man den Glanz der Majestet
Gewiß am allerstärksten schimmern.
Laß seyn, daß in Aegyptenland
Die stolzen Pyramiden prangten,
Als deren Spitzen, wie bekannt,
Den Kreis der obern Luft erlangten;
Es mag die Welt des Grabes Pracht,
Das Mausols Asche kenntlich macht,
Mit zu den sieben Wundern nehmen;
Man stelle Sonnenpfeiler aus;
Dies sonderbare Grottenhaus
Kann alle diese leicht beschämen.
Ihr edlen Geister, die ihr euch
Der untern Welt schon längst entzogen,
Und hier aus der Gelehrten Reich
Zu jenen Sternen seyd geflogen;
Versenkte Körper, eilt herbey;
Brecht Riegel, Nied und Band entzwey,
Laßt Särg und Gräber offen stehen,
Kommt kluge Britten, folget mir,
Ihr alle viere sollet hier
In die bemooste Höle gehen.
[9]
Kommt her, und tretet nur herein,
Und seht wie hoch hat man euch geehret!
Ihr stutzt! wie hat ein todter Stein
Den muntern Blick so bald verkehret?
Jedoch, erstaunt nur immer nicht,
Indem ihr euer Angesicht
An diesen Bildersäulen schauet;
Wer ist des Werkes Stifterin?
Wißt, eure grosse Königin
Hat euch dies Denckmal aufgebauet.
O hochgepriesne Frauenhand
Die euch läßt diesen Tempel setzen!
Euch muste zwar ganz Engelland
Mit Recht vor weise Männer schätzen;
Man ehrt noch immer euren Kiel,
Der ihm und aller Welt gefiel;
Jedoch den Ruhm so kluger Schriften
Krönt nunmehr die Unsterblichkeit:
Denn Carolinens Seltenheit
Entzieht ihn der Verwesung Grüften.
Ihr Freunde, die ihr insgesammt
Euch edlen Wissenschaften weyhet,
Und von der Ehrsucht angeflammt
Minerven täglich Opfer streuet;
Verdoppelt Eifer, Müh und Fleiß!
Was gleicht wohl diesem hohen Preis,
Wenn gar gesalbte Königinnen
Eur Wissen rühret und ergötzt,
Und man euch solch ein Denkmal ätzt?
Ist wohl was grössers auszusinnen?
3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[10] 3. Ode

Als Se. Königliche Majestet von Großbritannien bey Ihrer Zurückreise von Holland nach England am 1. Jan. 1737. einen schweren Sturm ausstehen müssen; aus demselben aber glücklich gerettet worden.


Wenn Sonn und Licht am Himmel steigt,
Und sich durch lange Tage zeigt,
So jauchzt die Welt bey diesem Glücke.
Ihr Feuer wärmet Berg und Thal;
Man spürt und preiset überall
Die Wirkungen der frohen Blicke.
Was sich nur regt, das wird belebt,
Daß es der Noth vergißt, und Haupt und Herz erhebt.
Jedoch, wenn sich ihr Wirbel senkt,
Und seinen Lauf hinabwerts lenkt,
Und Nacht und Schatten nach sich ziehet;
Wenn nun der Horizont erblaßt,
Und ihren Strahl nicht weiter faßt,
Und sich von ihr verlassen siehet;
So steht das Land betrübt und matt,
Indem es Muth und Glanz mit ihr verlohren hat.
So war, O Herr! dein Volk vergnügt
Als seine Hoffnung obgesiegt,
Und Du, sein Glücksstern, aufgegangen.
Es fieng ein jeder Unterthan
Sein Leben wie von neuem an,
Weil er von Dir die Kraft empfangen.
Der Unmuth fiel, die Freude stieg,
Der muste treuloß seyn, der seine Lust verschwieg.
[11]
Dein Abschied ändert sein Gesicht,
Aus welchem Gram und Kummer bricht,
Die wahren Zeugen seiner Treue.
Sein kläglicher, sein zarter Blick
Ruft dich, o Vater, noch zurück,
Daß sich sein erster Trost verneue.
Doch du must unerbittlich seyn,
Dein Reich verlangt Dich auch. Du stellst Dich wieder ein.
Die Reise bleibt nun fest gestellt,
Das Land so diese Post erhält,
Empfindet die verborgnen Schmerzen.
Der König eilt, man sieht Ihm nach,
Und dieses preßt ein bitter Ach
Aus der getreuen Diener Herzen.
Die Traurigkeit verstopft den Mund
Und macht das innre Leid durch milde Thränen kund.
Wer macht die Bahn? wer ist um Dich?
Wer geht mit Dir? wer rüstet sich,
Und giebt Dir, König, das Geleite?
Dein ganzes Chur- und Fürstenthum,
Der besten Unterthanen Ruhm
Ist Dir durch seinen Wunsch zur Seite,
Es will dem Unglück wiederstehn,
Und überall vor Dir zu deinem Schutze gehn.
Beglückter Fürst, der so regiert,
Daß er durch Huld die Herzen rührt,
Und sie durch gnädig seyn verpflichtet!
Du ziehst sie mit ins Schiff hinein,
Und jedes will das erste seyn
Das seinen Wunsch zum Himmel richtet.
Die schwarzen Wolken theilen sich,
Der König segelt fort, nichts sey ihm hinderlich.
[12]
Doch Himmel! was für eine Wut!
Vor Furcht erstarrt das rege Blut,
Wer kan dem Sturm entgegen sehen?
Die Welle drückt sie in den Grund;
Das Schiff verläßt den tiefen Schlund,
Sich auf der See herum zu drehen.
Hier schwimmen Segel, Mast und Tau,
Wer weis, wie bald ich auch die todten Körper schau?
Dort steigt ein Wasserberg herfür:
Das bange Herze bebet mir,
Er will sie in das Meer begraben.
Der Todesschweiß bricht allen aus:
Man soll dies ungepfälte Haus
Zum Sterbebett und Sarge haben.
Hier hilft kein Mensch, nur Gott allein:
Wo dieser schlafen will, wem soll geholfen seyn?
Wo ist der König? lebt er noch?
Du Herr der Welt, erhör uns doch,
Und laß sich Wind und Wellen legen!
Wird uns die Gnade nicht zutheil,
So laß dich doch das grosse Heil
Der Kirchen und des Staats bewegen!
Laß sehn wie gnädig deine Macht
Vor deiner Gottheit Bild, vor den Gesalbten wacht!
Wer ist es? wer bemüht sich dort?
Wer sucht so eifrig Land und Port,
Um seinen König zu erretten?
Ein Seegott, den die Kunst erhöht,
Wie man den Meeren wiedersteht,
Auch wenn sie sich verschworen hätten.
Ein Mann, den jeder der ihn kennt,
Den menschlichen Neptun der grossen Britten nennt.
[13]
Getrost! Nur fort! das Werk gelingt,
Wir sind erhört, die Vorsicht winkt,
Das Schiff ist der Gefahr entschwommen.
Bald steigt der König an das Land,
Und hat Er sich auch umgewandt,
So ist Er dennoch hier willkommen.
Ein jeder freut sich, der Ihn sieht,
Und lobt des Himmels Schutz durch ein Verehrungslied.
Ihr, die ihr Gott bekämpfen könnt,
Daß er euch seine Gnade gönnt,
Ermüdet nicht, ihn anzuflehen.
Verkürzt dadurch den Schmerz zugleich,
Womit Gemahlin, Volk und Reich
Des Königs Schiff entgegen sehen.
Wohl uns! ihr treibts dem Ufer nah.
Das ganze Land erschallt: Nun ist der König da.
4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

4. Ode

Auf das bey vorgemeldetem Sturme, aus der alleräussersten Gefahr entkommene Schiff, worauf sich die Königl. Deutsche Canzley befunden hatte.


Ihr Eltern sagt, wie schlug das Herz
Bey eurer Kinder letzten Reise!
Nichts hemmte Thränen, Angst, und Schmerz,
Sie mengten sich in Trank und Speise.
Ihr rieft mit grossem Vorbedacht:
Nehmt euch, ihr Söhne, wohl in acht.
Der Zuruf kam aus zarten Trieben
Von der die sie getragen hat;
Denn die wird niemahls müd und satt,
Das Kind so als sich selbst zu lieben.
[14]
Der Wagen rauscht, das Posthorn schallt:
Das waren rechte Schreckensthöne.
Des Vaters Blut in Adern wallt
Bey dem Verreisen seiner Söhne.
Der Kinder Herz stimmt überein;
Die Blicke müssen Redner seyn:
Der Abschied wird durch sie genommen:
Ein jeder eilet schnelle fort;
Die Eltern bleiben an dem Ort,
Bis sie aus ihren Augen kommen.
Sie freuen sich schon im voraus
Auf ihrer Kinder Wohlergehen.
Und kehren ganz getrost nach Haus
Wenn sie dieselben auch nicht sehen.
Sie hoffen dennoch auf ein Blat,
Das die vergnügte Wirkung hat,
Des Kummers Macht zu unterdrücken.
Der Kinder Glück ist ihre Lust,
Dis labet die beklemmte Brust,
Und kann den matten Geist erquicken.
Kaum ist die erste Angst vorbey,
So sehen sie die Wolken thürmen.
Da wird die Sorge doppelt neu,
Wenn die erboosten Winde stürmen.
Die Furcht betäubet Sinn und Ohr;
Sie stellen sich im Geiste vor
Des Meeres Wuth, der Wellen Rasen.
Unmöglich kann das Schiff bestehn;
Es muß zu Grund und Trümmern gehn.
Hört Aeol nicht bald auf zu blasen.
[15]
Der Ruf nimmt Stadt und Mauren ein:
Das Schiff sey durch den Sturm verschlagen.
Dies Wort durchdringet Mark und Bein,
Und dennoch hört man sie nicht klagen.
Sie waren wie vom Schlag gerührt
Kein Odem wurde mehr verspührt
Sie wollten auch zugleich verderben.
Jedoch in einem Augenblick
Kam der entflohne Geist zurück:
Ihr Jammer ward ein täglich Sterben.
Doch endlich trat der Mann ins Spiel
Dem Wind und Meer Gehorsam leisten.
Der stellte gleich ein ander Ziel
Daß sie beglückt zurücke reisten.
Kaum grüßen sie das sichre Land,
So machen sie so gleich bekannt
Sie wären der Gefahr entrissen,
Das Herz bekommt itzt wieder Luft;
Nachdem sie statt der feuchten Gruft
Sich nun im sichern Hafen wissen.
Hier rang nun Hoffnung, Furcht, und Lust,
In der gebeugten Eltern Herzen.
Ihr ach! blieb dennoch in der Brust;
Sie nährten noch die herben Schmerzen.
Ja, hieß es, unsre Traurigkeit
Stammt von Erwartung jener Zeit.
Ihr seyd dem Tod noch nicht entronnen,
Wer weis, was für ein Sturm entsteht,
Wenn ihr von dar nach England geht?
Ihr habt noch nicht das Land gewonnen.
[16]
Beherzt! fleht nur die Vorsicht an;
Laßt Geist und Muth nicht untersinken.
Ihr seht ja was sie schon gethan,
Sie läßt kein Kind von euch ertrinken.
Eur Seufzen klärt den Himmel auf,
Und sie vollbringen Farth und Lauf.
Die Elemente müssen schweigen.
Weil der den König überführt
Der unsre ganze Welt regiert,
Wird sich sein Arm auch mächtig zeigen.
5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

5. Ode

Auf die hohe Vermählung beyder Sicilien Majest. Majest.


1738.


Wohin o Clio! führst du mich?
Was zeigst du dem entzückten Sinne?
Was wird mein Auge, welches sich
Durch deinen Strahl geschärfet, inne?
Der rege Blick sieht sich nicht satt:
Dort liegt die Königliche Stadt,
Der Tempel, dessen güldne Stuffen
Sich Hymen wehlt, wenn er ein Paar
Will zu der Liebe Brandaltar,
Um solches zu vermählen, rufen.
[17]
Schau, Muse, welch ein himmlisch Licht
Bricht durch die weit gestreckten Zimmer!
Bewundre, sprichst du, doch nur nicht
Dergleichen ungewohnten Schimmer.
Wenn Hymen voller Herrlichkeit
Die Myrthen hohen Seelen weyht,
So pflegt er nicht bey dem Verbinden
Die Fackeln bey des Amors Gluth,
Wie man bey schlechten Seelen thut,
Nein, bey den Sternen anzuzünden.
Was werd ich abermals gewahr?
Nun seh ich, wen der Brautgott führet.
Es folgt der Amuretten Schaar,
Ich merke woher dieses rühret.
Der Glanz, die Pracht, ist ungemein;
Es muß Neapels König seyn.
Wer ist dem jungen Held zur Seiten?
Amalia, Augustens Kind,
Das Ihm die zarte Brust entzündt;
Das Wunderbild von unsern Zeiten.
Gekröntes Paar, sieh wie nunmehr,
Da Dich der Myrrthenkranz umgeben,
Der Liebesgötter ganzes Heer
Sich will um deinen Dienst bestreben.
Sie singen Dir das Hochzeitlied,
Und sind zu Deiner Lust bemüht,
Dein Fest aufs herrlichste zu schmücken.
Die Freude regt den frohen Mund,
Und macht sie allen Staaten kund:
Der Unterthan hörts mit Entzücken.
[18]
War denn, entflammter Carl, kein Land,
Kein Reich in beyden Hemisphären,
Das Deinen starken Liebesbrand
Konnt stillen und zugleich auch nehren?
Nein, sprach Europa, holder Fürst,
Wenn Du nach Sachsen kommen wirst,
Da kanst Du deine Sehnsucht stillen,
Da, da gelinget Dir die Wahl
Da wirst Du nach der bangen Quaal
Gewiß den heissen Wunsch erfüllen.
Gehört, besiegt, und auch vollbracht.
Kaum war Dein Feuer angeglommen,
Kaum fühltest Du der Liebe Macht,
So muß Dein Fuenclara kommen,
Der Apfel, den bey jenem Zwist
Des Zwietrachts Göttin sich erkiest,
Ward hier der Schönsten dargereichet.
Die Liebe wies hier selbst die Spur,
Amalia erhielt ihn nur,
Den Preis der Ihrer Würde gleichet.
Der Ruf, der längst den Ruhm von Ihr
In Ost, West, Süd und Norden brachte,
War es, der, grosser Prinz, auch Dir
Von Selbiger den Abriß machte;
Der hat auch, eh man es geglaubt,
Auf einmal Dir das Herz geraubt.
Wie könntest Du wohl mehr gewinnen?
So Glück, als Himmel der Dich liebt,
Schenkt Dir, indem Sie sich ergiebt,
Die drey vereinten Huldgöttinnen.
[19]
Sie ists, in welcher die Natur
Ein Meisterstück hat ausgedrücket;
Das nicht der blosse Purpur nur,
Nein, Geist und Trefflichkeit auch schmücket;
Und wo bey fest verknüpftem Band
Man Schönheit, Tugend, und Verstand
Sieht wirklich um die Wette streiten:
Die sitzt, da Ihr des Schicksals Rath
Den Scepter längst bestimmet hat,
Nun auf dem Throne Dir zur Seiten.
Itzt scheint der güldnen Zeiten Lauf
Erfreutes Sachsen, anzugehen;
Komm her, und schau mit Wunder drauf,
Wie schön der Myrrthen Blüten stehen;
Schau wie man sie frolockend bricht,
Und um der Heldin Schläfe flicht;
Erwege dies besondre Glücke;
Und wirf Dein Augenpaar zugleich
Auf das verschwundne Schattenreich
Der längst verflognen Zeit zurücke.
Wenn ist es, frag ich, denn geschehn,
Daß man von Sachsens Prinzessinnen
Hat eine in dem Schmuck gesehn?
Ein Greis weis sichs kaum zu besinnen.
Bewunderst Du die lange Zeit,
In der Du solche Herrlichkeit
Nicht hast, wie wir gehofft, erfahren?
Ein Band, dergleichen dieses ist,
Erfordert eine lange Frist,
Heischt eine Zeit von vielen Jahren.
[20]
Ihr Völker! die ihr Schutz und Ruh
In eures Carols Ländern findet,
Froloket, ihr habt Recht dazu,
Da eur Monarche sich verbindet.
Seht wie den unbesiegten Held
Die Liebe so gefesselt hält,
Nachdem sie ihn beglückt bestritten.
Drum nimmt das Adlerpaar von Euch
Durch dieses Eheband zugleich
Den weissen Adler in die Mitten.
Erstaunt bey Ihrem Pracht nur nicht,
Wenn gleich der Glanz so heller Stralen
Den regen Blick itzt unterbricht,
Ja noch vielleicht zu vielen malen.
Erschreckt nicht vor der Majestät,
Die in erhöhtem Schmucke geht,
Bewundert nur Ihr englisch Wesen,
Und fragt verehrend und erfreut:
Warum hat so viel Trefflichkeit
Sich hier den Wohnplatz auserlesen?
Wie wollt ihr doch den Blick zu Ihr
Verwirrt und halb erstarrt hinwenden?
Zwar kann euch Ihrer Schönheit Zier,
Und deren Seltenheit verblenden:
Doch schwer ich drauf, so hoch man kann,
Ihr seht Sie bald gelassen an;
Furcht und Erstaunen wird verschwinden,
Wenn ihr bey dem was euch entzückt
Auf Ihr berühmtes Stammhaus blickt;
Sie ist ein Zweig von Wittekinden.
[21]
Erwegt wer dieses theure Pfand
Hat unter seiner Brust getragen,
Das euch des holden Himmels Hand
Durch Glück und Wahl hat zugeschlagen,
Wer schenkt es euch und unsrer Welt?
Josepha hat es dargestellt,
Das Wunderbild gesalbter Frauen;
An welcher wir, da Sinn und Geist
Was Göttliches, was Grosses weist,
Mehr Tugenden, als Jahre schauen.
Sarmatiens gesammtes Reich
Weis Sie nicht sattsam zu verehren:
Und unser Sachsen muß zugleich
Josephens hohen Ruhm vermehren.
Drum wird auch itzt vor Freud und Lust
In euer aller Herz und Brust
Das Blut bey diesem Bündniß wallen.
Seht nun, mit wem sich Carl gepaart;
Denn nach der Perlenmutter Art
Muß ganz gewiß die Perl auch fallen.
Sag Clio! was erhebet sich
Für ein Geschrey, für ein Getümmel?
Was läuft das Volk so ängstiglich?
Man sieht ja kaum vor Staub den Himmel.
O weh! man drängt sich zum Pallast;
Amalia macht sich gefaßt
Die Hand zum letzten Kuß zu reichen:
Ihr holdes Auge, Herz und Sinn
Lenkt nach Sicilien sich hin,
Die Liebe winkt, wir müssen weichen.
[22]
Verlust, der an die Seele geht!
Nun fliehet unsrer Augen Weyde,
Schau, wie bestürzt itzt jeder steht
Das Reisen stört die ganze Freude.
Es muß nunmehr geschieden seyn.
Prinzessin, bilde Dir nur ein,
Daß so viel Seufzer aufwerts steigen
Als nach vertriebner Wolken Heer
Sich Sterne, wenn es zählbar wär,
An unserm Horizonte zeigen.
Laß Dich das weit entfernte Land,
Gekrönte Schöne, nicht erschrecken;
Die Vorsicht nimmt Dich bey der Hand
Die die Gesalbten weis zu decken;
Und was? Du hast mit Stein und Klos
Mit Berg, und Klippen, Fall, und Stoß,
Mit Weg und Felsen nicht zu streiten;
Da holde Königin, allhier,
Mit Lust viel hundert Menschen Dir
Die Bahn zur sanften Farth bereiten.
Wohlan! besteige dann beglückt,
Nun den Triumphs und Siegeswagen,
Den Cyprie Dir überschickt,
Sie läßt dich ihre Schwäne tragen.
Den Gratien fällt auch mit ein,
Sie wollen bey dem Abzug seyn
Dich auf der Reise zu bedienen;
Sie tanzen um das schnelle Rad
Verkürzen Dir so Weg als Pfad
Durch Scherzen, Lust, und holde Minen.
[23]
Beflügle deinen Lauf hierbey,
Auf! Fürstin, eile nach den Grenzen,
Wo Du gewiß Dein Conterfey
Wirst sehn an Sonnenpfeilern glänzen.
Dein Carl der Dich von fern erblickt
Und den Dein schöner Blick entzückt,
Hofft, seufzt, und zehlet Stund und Meilen
Ach! ruft er, daß man nicht den Tag
Zu meinem Trost verkürzen mag!
Wie wolt ich Ihr entgegen eilen!
Der junge Held, der Göttersohn
Entbrennt von sehnlichem Verlangen.
Wie oftmals ist er Dir nicht schon
Mit Ungeduld entgegen gangen?
Er glaubt, als hätt Er Dich geküßt,
So weit Du noch entfernet bist.
Weil Ihn der Schatten täuscht und blendet.
O säumet nicht ihr Schwane, fliegt!
Damit sich Carl an der vergnügt
Der Er vor längst sein Herz verpfändet.
Der Wagen hebt sich von dem Plan;
Der Flug geht schnell und wohl von statten.
Denn Juno ruft: Eilt! daß sich kann
Der Prinz mit seiner Schönen gatten.
Wir sehn Sie bey dem Flug nicht mehr:
O Zeus! laß doch der Wolken Heer
Das blaue Firmament nicht schwärzen.
Ihr Horen macht die Tage klar
Und stellt die Nächte funkelnd dar,
So heiter als des Hymens Kerzen.
[24]
Saturn, der doch sonst stürmisch ist,
Erzeigt sich itzo weit gelinder,
Weil Du auf Deiner Reise bist:
Die Götter lieben Götterkinder.
Hier herrscht kein wilder Boreas;
Kein Sturm macht Schwan und Wagen naß;
Der kühle Zephyr selbst muß schweren,
Daß er die Heldin sanft und still,
Und sicher überbringen will,
Der Sachsen Freude zu vermehren.
Itzt kommt sie an; nun reget sich
Gleich alles was vermag zu gehen.
Entflammter Carl, erhebe Dich;
Laß Thron und Burg itzt ledig stehen.
Frolocke; denn Amalia
Die Fürstin ist persönlich da:
Die Schöne sollst Du nun erblicken.
Schau, wie Sie Dich verehrend grüßt.
Und zärtlich in die Arme schließt
Und Dich weis innig zu erquicken.
Die Sehnsucht flieht, die Liebe siegt,
Ihr festes Band verknüpft Euch beyde
Dies macht die halbe Welt vergnügt;
Und nährt die Hoffnungsvolle Freude?
Wer Odem holt, stößt Seufzer aus;
Ja was? das Hocherlauchte Haus
Der grossen Oesterreichschen Götter
Nimmt selbst an Eurem Flor und Heil
Bey diesem Fest den grösten Theil,
Und segnet Sachsens Rautenblätter.
[25]
Da nun der hohen Götter Hand
Die Deine Flammen selbst geweyhet,
Bey Deiner keuschen Liebe Brand
Den Weyrauch reiner Wünsche streuet;
So schweiget meine Muse hier.
Was kann sie wohl, was soll sie Dir
Aus Ehrfurcht wünschen, da nichts fehlet?
Weil Glück und alles was die Welt
Für schön und wünschenswürdig hält,
Sich allbereit mit Dir vermählet.
Doch ja; Du hast den Ruhm und Preis
Prinzessin, durch das Blut erlanget,
Mit welchem auf der Erden Kreis
Josephens Geist und Anmuth pranget.
Und ob du gleich der Abdruck bist,
Und Carl in Dir die Mutter küßt,
So mangelt doch bey solchem Glücke
Nur dieses noch, das uns alsdann
Den wahren Abriß liefern kann
Die Fruchtbarkeit, das schönste Stücke.
Für diese sorgt der Himmel schon,
Der Dich, und Deinen Held beschützet,
Und Eurer beyder Königsthron
Mit Seegenspfeilern unterstützet.
Die Liebe bleibet stets bereit,
Euch bey der angenehmen Zeit
Auf sanften Lilien zu betten.
Wie jauchzt nicht Carols grosses Haus!
Und Spanien wünscht schon voraus,
Daß Sie von Euch auch Enkel hätten.
[26]
Josepha hofft, die Andacht siegt;
Sarmatien und Sachsen flehen;
Die Vorsicht winkt; ach wie vergnügt
Sieht man Sie aus dem Tempel gehen.
Wie wird Augustus, dessen Fest
Die höchste Macht heut feyren läßt,
Gekrönte Tochter, sich ergetzen
Wenn Er, wenn einst Dein Stammhaus blüht,
Dein Reich mit jungen Helden sieht,
Den Staat mit Gratien besetzen.
Sieh Herr, wie Glück und Himmel lacht?
So kann zum Heil der halben Erden
Forthin durch Deiner Zweige Macht
Noch mancher Thron geschmücket werden.
Du siehst, Monarche, was geschehn;
Was wirst Du nicht in Zukunft sehn,
Soll Deine Heldin ferner siegen?
O! facht die hohen Flammen an!
An solchen Königskindern kann
Der Erdkreis sich gar nicht begnügen.
6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[27] 6. Ode

Welche an dem hohen Geburtstage Ihro Königl. Majest. in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachsen im Jahr 1734. den 7. Octobr. in der Deutschen Gesellschaft zu Leipzig den Preis erhalten hat.


Sagt, Musen! was bedeutet dies,
Daß unser Lorberwald erzittert;
Droht ihn etwan ein Erdenriß,
Der ihn von weitem schon erschüttert?
Was für ein ungewohnter Blitz
Umstralt den schattenvollen Sitz?
Will Zeus durch Keil und Donner schrecken?
Wie? speyt vielleicht bey Wuth und Graus
Vesuv und Hekla Flammen aus,
Die sich bis zu den Wolken strecken?
Ihr schweigt! doch Fama, wie man sieht,
Scheint unsrer Gegend zuzueilen,
Ja, ja, sie kömmt; und ist bemüht
Uns sichre Nachricht mitzutheilen.
Bethörte! ruft sie, hört ihr nicht,
Daß Mavors ganz im Zorne spricht?
Er will nicht nur mit Worten dräuen;
Seht, wie er nach dem Küraß greift,
Sein halb verrostet Schlachtschwerdt schleift:
Wer wollte nicht sein Wüten scheuen?
[28]
O, laßt uns doch von ferne stehn,
Das wilde Schauspiel anzusehen;
Und nach dem Platz das Auge drehn,
Wo das Gefechte wird geschehen.
Ihr Musen, kommt, und geht gemach
Dem Wüterich, dem Stürmer nach,
Entwerft sein Thun in neuen Schriften:
Ihr wißt, daß seiner Grausamkeit
Die Griffel der verwichnen Zeit
Ein mehr als schrecklich Denkmal stiften.
Betrügt mich nicht der Augenschein,
So spür ich dort schon ein Getümmel.
Man sieht bey Rasen, Lermen, Schreyn,
Vor Dampf und Staub kaum noch den Himmel.
Ja, ja, es tummelt sich nunmehr
Mit seinem ungeschlachten Heer,
Der Bluthund auf den Ländereyen:
Da ist die tolle Hand bemüht;
Da hilft, wie man mit Schrecken sieht,
Kein Bitten, und kein trotzig Dräuen.
Welch Blutbad! schaut, ihr Musen, an,
Wie die Barbaren metzeln können;
Was Rach und Grimm verüben kann;
Wie grausam ihre Blicke brennen.
Wie viele streckt nicht Schwerdt und Rohr;
Man stelle sich den Blutstrom vor,
Der hier die Felder überschwemmet;
Und dessen roth gefärbte Fluth
Bey schnellem Lauf und wilder Wuth,
Kein Damm, kein starkes Schutzwehr hemmet.
[29]
Seht, wie der Mordgeist überall
Den Stahl erboßt, und hitzig wetzet,
Wie der gedungnen Krieger Schwall
Zugleich mit in die Gegner setzet.
Hier fallen ganze Scharen hin.
Sein Blutdurst und entbrannter Sinn
Läßt sich nicht eher wieder stillen;
Als bis er nach vollbrachtem Schlag
Die ganze weite Flur vermag
Mit kalten Leichen anzufüllen.
Verhaßter Blick! der uns in Graus,
Furcht, Schrecken, und Erstaunen setzet.
Wie greulich sieht die Wahlstatt aus,
Woran sich der Tyrann ergetzet!
Da liegt ein Schedel, dort ein Arm;
Hier siehet man Kaldaun und Darm
Aus der Entleibten Bauche quellen;
Dazu sich ein verrecktes Roß,
Das ebenfalls ein Rohr erschoß,
Im nahen Tode will gesellen.
Hört nur das ängstliche Geschrey,
Das Jammern, Winseln, Heulen, Klagen,
Das man bey solcher Raserey
Hört in die bangen Thäler schlagen.
Wie kocht das Herz! wie schäumt der Mund!
Wie schluckt und rächelt Kehl und Schlund
Der Armen, die verscheiden sollen!
Die nach erlittnem Streich und Stich,
Nunmehro diesem Wüterich
Den allerletzten Odem zollen.
[30]
Blickt hinter euch, da werdet ihr
Ein ander blutig Schauspiel finden.
Der wilden Krieger Wuth will hier
So gar die todten Steine binden,
Sie fällt, so tobend sie nur kann,
Die stummen Wäll und Mauren an,
Und strebt auch da nach Siegespalmen;
Sie sucht durch Minen und Geschoß,
Den stärksten Thurm, das beste Schloß
In tausend Stücken zu zermalmen.
Wie? donnert nicht schon manch Geschütz,
Wovon der Abgrund selber zittert;
Es ist, als wenn von Schlag und Blitz
Des Himmels hohe Feste schüttert.
Mich dünkt, es will des Stürmers Faust
Die hier so schrecklich lermt und haust,
Den halben Theil der Welt verheeren;
Er braucht die äusserste Gewalt,
Als wollt er Feld und Hügel bald
Zerstäuben und in Nichts verkehren.
Schlag, der den Ohren schrecklich fällt!
Knall, der auch weit und breit betäubet!
Ists möglich, daß in aller Welt
Ein Stein noch auf dem andern bleibet!
Wer zählt der Mörser Menge wohl,
Die man bis zu der Sterne Pol
Sieht mit entflammten Ballen spielen;
Und die bey dem erfolgten Fall
Den ungeheuren dicken Wall
Zerschmettern, und im Grund durchwühlen.
[31]
Wen setzt nicht bey dergleichen Noth
Das laute Donnern der Kartaunen,
Das Menschen, Thurm und Mauern droht,
In Furcht und Zittern, und Erstaunen?
Weh dir, du höchst bedrängte Stadt,
Die man erhitzt berennet hat,
Die man im härtsten Sturm bezwinget!
Wie macht der Feuerkugeln Schwarm
Den höchst bestürzten Bürger warm,
Da er in Stadt und Häuser dringet.
Da stürzt ein stolzer Thurm herab,
Der fast im Augenblick verschwindet,
Worunter mancher Tod und Grab
So unverhofft, als schrecklich findet.
Hier lodert wieder ein Pallast,
Der plötzlich Gluth und Flammen faßt,
So bald ein Wurf nach ihm geschehen:
Hier zeiget sich das alte Spiel,
Wie Troja dort im Schutt verfiel,
So daß wir keinen Stein mehr sehen.
Hilf Himmel! was erhebt sich dort
Für ein erstaunenswürdig Krachen?
Will etwan schon ein Allmachtswort
Den Erdenball zum Chaos machen?
Nein, Musen! des Salpeters Macht
Den Mars bis in den Grund gebracht,
Zerreißt den Boden durch sein Knallen;
Er sprengt empor was ihn gedrückt,
Ach! seht, wie aus der Luft zerstückt
Die Körper ganzer Scharen fallen.
[32]
Meynt ja nicht, daß der Wüterich
Nun endlich wieder still wird sitzen;
Werft nur das Aug auf jenen Strich,
So seht ihr schon sein Mordschwerdt blitzen.
Es zeiget sich ein fliegend Heer.
Ists nicht, als wenn hier Pluto wär
Mit ungezählten Höllenscharen?
Ists nicht, als wär in voller Wuth
Der Furien verdammte Brut
Aus Orcus Schlund heraus gefahren?
Tyranne! wie verfährest du?
Bey solcher Wuth ist gar kein Zweifel,
Es geh hier nicht natürlich zu.
Hier toben eingefleischte Teufel.
Kein wilder Barbar und Corsar
Stellt uns dergleichen Beyspiel dar.
Kein Unthier hat so toll gewütet.
Entmenschte Foltergeister, sprecht:
Hat euer rasendes Geschlecht
Ein Drach und Unthier ausgebrütet?
Ihr raubet, plündert, sengt, und brennt,
Und macht die fetten Ländereyen,
So bald ihr sie betreten könnt,
Zu lauter öden Wüsteneyen.
Der Henkerstahl, den ihr ergreift,
Mit welchem ihr so grimmig streift,
Zerfleischt, und würget, was er findet:
So, daß auch oft die zärtste Frucht
Die Mordbegier und Würgesucht
In ihrer Mutter Schooß empfindet.
[33]
Ihr Völker, die ihr bis anher
Die Sclavenfessel habt geführet,
Weil Mavors Schwerdt, Bellonens Speer
Nach euren Häuptern hat gezielet;
Kommt, schildert uns, kann es geschehn,
Das, was wir nur entfernt gesehn,
Ihr aber habt erdulden müssen;
Kommt, mahlt es uns natürlich vor:
Es wird sich unser Musenchor
Dafür zum Dank verpflichtet wissen.
Doch nein; der Sachen beßrer Lauf
Vertilgt des Traurens Angedenken:
Drum reißt uns nicht die Wunden auf;
Laßt uns auf euch das Auge lenken.
Es lehrt euch ja der Ruhestand
Mit froher Brust, und voller Hand,
Frolockend in die Häuser ziehen;
Denn der so sonst bey Schmerz und Quaal
Den Vorrath fraß, die Ruhe stahl,
Soll nun aus euren Grenzen fliehen.
Gnug, daß in euren Mauren nicht
Mehr feindliche Standarten wehen.
Ihr seht der Sterne heitres Licht
Statt blutiger Cometen stehen.
Kein donnerndes Geschütz schreckt euch,
Kein Mordgewehr vollführt den Streich;
Furcht, Angst und Schrecken ist verschwunden.
Es weicht, was eure Ruhe stöhrt,
Weil man von nichts als Frieden hört.
Der sich von neuem eingefunden.
[34]
Zufriednes Land, erwege doch,
Du wirst in Sicherheit gesetzet;
Hier lieget das zerbrochne Joch,
Das Schwerdt das man so scharf gewetzet.
Die güldne Zeit neigt sich herab;
Man reichet dir den Friedensstab;
Der Mangel eilt aus deinen Fluren;
Man macht der Fülle wieder Platz;
Der Unterthan sucht seinen Schatz
Aus seiner Gruben sichern Spuren.
Gesetz und Ordnung schwieg zuvor
Bey Feuerspeyenden Carcassen;
Nun reicht Asträa dir das Ohr,
Den Rechtsspruch wieder abzufassen.
Schau, was für Ruh und Sicherheit
Verspricht man dir auf lange Zeit,
Nach überstandnem Ungewitter.
Die Schaar der Musen giebt sich Müh,
Kein Wiedersacher stöhret sie,
Noch die bisher verstummte Cyther.
Der Kaufmann schreibt, und ist vergnügt,
Da nach verschwundnem Kriegsgetümmel
Sein Wechsel nicht, wie vormals, liegt;
Er hofft und dankt nunmehr dem Himmel.
Der Künstler nimmt die Werkstatt ein,
Wie froh muß nicht sein Herze seyn
Bey jedem Handel und Beginnen:
Weil nun kein Feind die Kunst verweist,
Und ihm das aus den Händen reißt,
Wodurch er muß sein Brodt gewinnen.
[35]
Der Bürger, den man mit Verdruß
Sah täglich an den Wällen kleben,
Umarmt den Weinstock, der ihm muß
Von neuem Lust und Schatten geben.
Der Landmann holet Eg und Pflug,
Die er bestürzt bey Seite trug,
Er pflügt sein Feld mit Lust und Lachen;
Er streut die Körner willig hin,
Weil ihm den Vortheil und Gewinn
Kein Räuber mehr wird streitig machen.
Wie allgemein ist nicht die Lust,
Da der Tyrann entflieht und eilet!
Die Freude herrscht in aller Brust,
Und hat sich überall vertheilet.
Ein schwacher und verfallner Greis
Der von der Welt fast nichts mehr weis,
Wird durch die Freude ganz verjünget,
Da wieder frischer Lebenssaft,
Und der verlohrnen Geister Kraft
In die erstorbnen Glieder dringet.
Die Jugend jauchzt, sie läuft und spielt,
Sie hüpft und springt auf Berg und Hügel,
Und läßt, da sie die Freude fühlt,
Der unschuldvollen Lust den Zügel.
Der Säugling auf der Mutter Schooß
Macht sich aus ihren Armen los,
Und will auch von der Freyheit wissen,
Es scheint, er merkt es selbst nunmehr,
Das Haus sey itzt von Feinden leer
Drum will er auch der Lust geniessen.
[36]
Der Hirte, der in Ställen saß,
Die einem Kerker ähnlich waren,
Streckt sich vergnügt auf frisches Gras
Bey seinen neugebohrnen Schaaren:
Er suchet das verquollne Rohr
Aus seinem Stall und Staub hervor;
Und läßt es höchst erfreut erschallen:
Bald zwingt er mit der Zung ein Blat,
Das er vom Strauch gebrochen hat,
Um seiner Phillis zu gefallen.
O! hört den angenehmen Klang
Von jenem Chor der Schäferinnen;
Gebt acht auf jeder Tritt und Gang,
Da sie der Freyheit Gold gewinnen.
Wie liebreich beut hier Paar und Paar
Im Kreis die Hand einander dar,
Schaut, wie sie tanzen, scherzen, singen;
Als wolten sie den Hirtengott
Nach überstandnem Gram und Spott
Bey solchem Fest ein Opfer bringen.
O Lust! nach jenem Mordgeschrey
Erthönen eitel Jubellieder
Und nach des Feindes Raserey
Erfreut, was Odem holt, sich wieder.
Aus Schwerdtern, Röhren, Stahl, und Spieß,
Das sonst der Krieger Werkzeug hieß
Schärft man die Pflugschaar itzt zum Pflügen;
Das donnernde Metall zerfließt,
Woraus man Ehrensäulen gießt,
Dem ganzen Lande zum Vergnügen.
[37]
Gebenedeytes Sachsen Land!
Erwege dein besondres Glücke
Was hält des tollen Feindes Hand
Von deinen Grenzen noch zurücke?
Der Himmel Ja! doch nicht allein;
Dein Friedrich August muß es seyn,
Der dich durch seine Klugheit schützet;
Der Held, der dich so liebt und hegt,
Verwehrt, daß dich kein Mordschwerdt schlägt,
Weil er den Frieden unterstützet.
Die Fittige beschirmen dich,
Die dir sein weisser Adler schenket,
Sein Churschwerdt wiedersetzet sich
Dem, der dich in der Ruhe kränket.
So lange dieser Janus wacht,
Ist der nur auf dein Wohl bedacht,
Kannst du vergnügt und ruhig schlafen;
Wenn andern Sturm und Wetter dräut,
So liegst Du mit Zufriedenheit
In deinem stillen, sichern Hafen.
Zwingt, Musen, eurer Flöten Thon,
Kommt, dichtet nichts als Helden Lieder,
Und legt sie vor des Königs Thron
Mit Ehrfurcht, ja mit Demuth nieder:
Besingt statt meiner diesen Tag,
Den man frohlockend feyren mag;
Mich hemmt die Furcht mit strengen Banden.
Drum schweigt mein Kiel, der heimlich spricht:
Wie herrlich ist Augustus nicht
In Ihm von neuem auferstanden!
7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[38] 7. Ode

Auf das Absterben Ihrer Hochfürstl. Durchl. Frauen, Frauen Friderica Elisabeth, verwittweten Herzogin von Sachsen Weissenfels.


Nein, Musen! laßt nur dieses mal
Mich nicht den matten Kiel ergreifen,
Ich weis, ihr werdet meine Quaal
Und meinen Schmerz unfehlbar häufen.
Den Schmerz, den meine Seele spührt,
Und der mich so empfindlich rührt,
Weil eine Post, die man kaum glaubet,
Mir und auch unsrer ganzen Stadt,
Die sie zugleich erschüttert hat,
Für Schrecken, Muth und Geist geraubet.
Ihr wißt, wie willig und bereit,
So schlecht es auch der Welt geklungen,
Auf euren Wink ich allezeit
Sonst in mein Seitenspiel gesungen.
Heut aber laßt mich nur in Ruh,
Und muthet mir nicht weiter zu,
Daß ich bey allgemeinen Klagen
Zu einer grossen Fürstinn Gruft,
Zu der ihr mich so eifrig ruft,
Soll meine heisre Flöte tragen.
[39]
Wiewohl ich muß euch selbst gestehn,
Wenn ich die Pflicht itzt unterliesse,
Würd ich nicht eurem Zorn entgehn,
Weil er mein Schweigen strafbar hiesse.
Der Schmerz hebt bey der Thränen Lauf
Doch nicht die wahre Ehrfurcht auf;
Wir dürfen traurige Cypressen,
So gern wir sonst auf unserm Hayn
Mit Lust die Lorberblätter streun,
Dabey zu sammlen nicht vergessen.
Du wirst den letzten Dienst von mir,
Mehr, als gerecht, O, Fürstin nennen;
O! möchte doch mein Opfer Dir
Bis auf die spätsten Zeiten brennen!
Ach Schicksal! dessen hartem Schluß
Ich mich itzt unterwerfen muß!
Was ist betrübters zu erdenken,
Als daß die Fürstin uns verläßt!
O Kummer der die Seele preßt!
Was reicht wohl an so herbes Kränken!
Wie? bleicht der Tod den Purpur schon,
Der jüngst noch unsre Linden zierte?
Steigt die so schnell vom Fürstenthron,
Die aller Herz und Augen rührte!
Soll ich, da dieser Riß geschehn,
Die Herzogin nicht wieder sehn,
Die so viel Huld und Gnadenzeichen
Mir und auch andern blicken ließ?
Und deren Trefflichkeit gewiß
Nichts auf der Welt steht zu vergleichen.
[40]
O Jammer! daß das Schicksal nicht
Die Götter dieser Welt verschonet,
Und über die den Stab auch bricht,
In welchen so viel Tugend wohnet.
Es sollte, dürfte ja der Tod
Der allem Fleisch mit Würgen droht,
Dies ihrer Hoheit nicht verstatten;
Doch billig ihnen ganz allein
Ein solches Alter eigen seyn,
Als dort die ersten Menschen hatten.
Dein neues Beyspiel, leider! muß
Die Welt, verstirnte Fürstin, lehren,
Es sey der festgesetzte Schluß
Durch unsern Wunsch nicht umzukehren.
Drum klaget man itzt überall
Bey dem so unverhofften Fall,
Daß Dir bey noch so frühen Zeiten
Des Himmels allzustrenge Hand
Aus Deinem Fürstlichen Gewand
Das Sterbekleid will zubereiten.
Hier wird in Sachsens Fürstengruft
Ein solches Wunderbild geleget,
Dabey die Tugend kläglich ruft,
Daß man es schon von hinnen träget.
Kommt! die ihr euch erhaben zeigt,
Und aus der Fürstin Lenden steigt,
Bespiegelt euch an ihren Gaben:
Stellt euch ihr edles Leben dar,
Nehmt die Vollkommenheiten wahr,
Die wir so oft bewundert haben.
[41]
Ihr Geist den Sie von Jugend auf
Dem Himmel recht inbrünstig weyhte,
Sah unabläßig nur darauf,
Wie Sie der Andacht Weyrauch streute.
Er ließ die Herrlichkeit der Welt,
Die viele doch gefesselt hält,
Sich nicht verblenden noch bestricken:
Er bliebe jenem stets getreu,
Ob gleich ihr hoher Stand dabey
Sie hieß zugleich auf diese blicken.
Allein was hilft uns alles dies,
Daß wir an Werth und Hoheit denken?
So viel, daß wir uns ganz gewiß
Bey dem Verlust noch länger kränken.
Doch, was Verlust? Ihr hoher Glanz
Verbirget sich mit ihr nicht ganz,
Die Nachwelt wird ihn noch einst spüren:
Und hohe Frauen, welche man
Wie Sie, Durchlauchtig, nennen kann
Wird er zur Tugend Tempel führen.
Ihr, welche Pflicht, und Ehrfurcht ruft,
Ein ewig Dankmal aufzuführen,
Bemühet euch nicht, ihre Gruft
Mit hellen Ampeln auszuzieren,
Denn ihrer Tugend lichter Schein
Muß mehr als tausend Lampen seyn,
Gnug; wenn die Nachwelt noch wird lesen,
Sie sey durch ihre Trefflichkeit
Ein Wunder, nicht nur ihrer Zeit
Nein, auch der folgenden gewesen.
8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[42] 8. Ode

An Seine Hochwürden den Herrn Abt Mosheim, Bey dem höchstschmerzlichen Verlust seiner Liebsten.


So froh ich mit bemühter Hand
Vor kurzer Zeit Dich nur gepriesen,
Als ich Dir, ob gleich unbekannt
Der Freundschaft Trieb zu erst gewiesen;
So traurig heißt hingegen mich
Der unverhoffte Riß, der Dich
Entseelt, nach meiner Feder blicken;
Die Dir aus Beyleid und aus Pflicht
Itzt, da es dir an Trost gebricht,
Ein mattes Trauerlied will schicken.
Dein Blat, das uns, gebeugtes Haupt
Des Schicksals harten Schluß entdecket,
Der Dir dein halbes Herz geraubt,
Hat unsre ganze Zunft erschrecket.
Dein liebstes auf der Welt entflieht;
O Schlag, der Dich zur Erden zieht,
Und Dir die Seele muß erschüttern!
Nichts ist, das Dich dem Schmerz entreißt;
Auch ein gesetzter Helden Geist
Bebt bey dergleichen Ungewittern.
[43]
Ach, möchte meiner Seiten Thon
So zärtlich in die Ohren schallen;
Als die dich liebte, die man schon
Aus deinem Schooß und Arm sieht fallen!
Ich weis, du hörtest mir mit Ruh
Und ganz gelaßner Seele zu.
Du dürftst sodann wohl gar gedenken,
Als wollte sich dein Ehgemahl
Zu dir von dem gestirnten Saal
Mit Trost und süssem Zuspruch lencken.
Verlaßner Abt! wie öde muß
Es nun in deinen Mauren sehen!
Da bey so sanftem Ehekuß
Die Trennung gar früh geschehen!
Es ist, als säh ich dich vor mir
Bin ich gleich weit entfernt von dir,
Entkräftet und ganz trostlos sitzen;
Dein Aug ist nicht nur thränenreich,
Das Herze scheint mit ihm zugleich
Dergleichen herbes Salz zu schwitzen.
Die Einsamkeit und Finsterniß
Entwirft nunmehr bey solchen Raube
Durch dich den allzugleichen Riß
Von der entpaarten Turteltaube.
So bald, was sie geliebt, erblaßt,
Ergreifet sie vor Gram den Ast;
Vergräbt sich in der Büsche Schatten.
Sie girrt, sie heult, sie seufzt und klagt,
Vom Abend, bis es wieder tagt,
Um den geliebten Ehegatten.
[44]
Und recht. Dies will die Billigkeit
Von dir, betrübter Mosheim haben;
Dein Schmerz und deine Traurigkeit
Läßt sich zugleich nicht mit begraben.
Der erste Bürger unsrer Welt
Fühlt nichts, weil ihn der Schlaf befällt,
Da ihm die Ribbe wird genommen;
Dir aber muß es schmerzhaft seyn,
Indem dergleichen Raub und Pein
Im Wachen über dich gekommen.
Erweg in deiner Einsamkeit,
Was für Verlust dein Haus erlitten;
Erwege die Vortrefflichkeit,
Die Anmuth ihrer schönen Sitten;
Gedenk an ihrer Tugend Strahl,
Und wie du dich bey deiner Wahl
Vor tausenden beglückt konntst nennen;
Indem du bey der – – –
So viele Tugendbilder hast
Nur an zwo Lippen küssen können.
Hier ist an keinen Stillestand
Der bangen Seufzer zu gedenken;
Wie muß nicht nach zerrißnem Band
Dich vollends dies, mein Mosheim kränken?
Da die entflohne deinen Kuß
So gar betrübt bezahlen muß,
Der sie von deiner Seiten risse.
Du weist ja, daß die Lagerstatt,
Die nächst Dein Haus vermehret hat,
Zum Sarg die Pfosten reichen liesse.
[45]
Verwegner Reim! wo irrst du hin?
Hör auf, durch allzu weites Schweifen
Den so schon halb betäubten Sinn
Mit Gram und Kummer anzuhäufen.
Vielmehr zieh von der liebsten Grab
Den hochbetrübten Wittwer ab.
Ein Geist, der uns mit Trost verbinden,
Und sich auch selbst bemeistern kan,
Läßt, griff man ihn auch härter an,
Sich doch gesetzt, und standhaft finden.
Dies mindert unser aller Schmerz:
Er weint, und weis auch aufzuhören.
Flieht sie von ihm, so wird sein Herz
Sich fassen, und sie doch verehren.
Ich weis, du sparst dich unsrer Welt,
Die dich so hoch, mein Mosheim hält,
Auch wegen deiner netten Schriften.
Ergreif die Feder fernerweit,
Die Deutschland auch bey später Zeit,
Und dir wird Ruhm und Ehre stiften.
9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[46] 9. Ode

Was meiner – – – Fall für bittern Schmerz gestift,

Entdecket dir allhier, mein Leser, diese Schrift.

Da dir, du hochbestürztes Haus,
Ein jeglicher sein Beyleid zeiget,
Weil dich ein jäher Sturm und Graus
Empfindlich rührt, erschrecklich beuget;
Und dir, eh als man es geglaubt,
Was Werthes nimmt, was Liebes raubt,
So sollt ich mich zu dir auch lenken;
Und bey so schmerzlichem Verlust,
Der mir und allen ist bewust,
Auf Trost und Zuspruch billig denken.
Doch, fordre solches nicht von mir!
Der harte Riß, der Dich betroffen,
Läßt Dich, ich schwer es heilig Dir,
Kein Trostlied, wie von andern hoffen.
Mein eigner Schmerz, der mich befällt,
Und Zung und Hand zurücke hält,
Macht, daß ich deinen gar vergessen.
Ich habe gnug mit mir zu thun;
Die Thränen lassen mich nicht ruhn,
So oft ich den Verlust ermesse.
[47]
Wie! will mich etwan nur ein Traum
Durch dieses Schreckenbild bethören?
Giebt man dergleichem Ruff wohl Raum,
Den wir auf unsern Strassen hören?
Es ist vom Schattenspiel ein Schein.
Wie könte dies wohl möglich seyn,
Daß die ein früher Fall gestrecket,
Die mir so viel Vergnüglichkeit
Im Umgang, den Sie mir geweyht,
Vor wenig Tagen noch endecket.
Ach leider ist es allzuwahr!
Hier täuscht kein Blendwerk unsre Sinnen,
Wir sehn mit offnem Augenpaar,
Was ich und du geliebt, entrinnen;
O Rahel stirbt, du kömmst um sie,
Wie ich, und keines weis nicht, wie,
Indem ein Schlag Sie niederschläget,
Eh sich der Herold eingestellt.
Der ihrer holden Wangen Feld
Ein tödlich Merkmal eingepräget.
Dies reisset Dir, bestürzter Greis,
Und mir zugleich ein Stück vom Herzen,
Wir klagen, wie der Himmel weis,
Einander unser Leid und Schmerzen,
Du seufzest über diesen Riß;
Es will bey solcher Kümmerniß
Kein Trost in deiner Brust erscheinen;
Ich sehe Dich mit Thränen an,
Vor welchen ich nichts sprechen kan;
Laß uns recht satt und müde weinen.
[48]
Entflohne Freundin, hörst Du nicht,
Was jedermann der Dich gekennet,
Von Dir und deiner Tugend spricht,
Die auch der Neid unschätzbar nennet?
Es klaget unsre ganze Stadt,
Daß sie durch Dich verlohren hat,
Was man so leicht nicht wieder findet;
Der herbe Gram ist allgemein;
Der, wie die Welt kann Zeuge seyn,
Auf Recht und Billigkeit sich gründet.
Dein Umgang war mehr beliebt,
Man wich nicht gern von deinen Schwellen.
Die Redlichkeit, die sich betrübt,
Wird stets dies wahre Urtheil fällen.
Die hat ihr ächtes Ebenbild,
In Leichentücher eingehüllt
Mit Dir ins Grab versenken lassen.
Es konnte ja Dein reiner Geist,
Der unsern Augen sich entreißt,
Nichts mehr als schnöde Falschheit hassen.
Kommt, die ihr dieses edle Weib,
In eure Reihen eingeschlossen,
Und bey vergönntem Zeitvertreib
Von Ihr viel Freundschaft habt genossen:
Sagt, hat man je in einem Fall
Verstellung, die doch überall
Das Bürgerrecht sich will erzwingen,
Ihr zu der Seiten stehen sehn?
Nein, sprecht ihr, dies ist nie geschehn.
Welch Lob kann wohl so trefflich klingen?
[49]
Jedoch, so sehr es Dich erhöht,
So tief dringt es in unsre Seelen;
Weil wir, ob es gleich nie vergeht,
Doch solche Freunde wenig zählen.
Mir ist, erweg ich mit Bedacht,
Was mir des strengen Schicksals Macht
Erblaßte Freundin, hingerissen,
Als sollt ich durch den harten Schlag,
Den ich kaum auszustehn vermag,
Auf einmal alle Freunde missen.
Halt ein, und schweig, verwirrter Kiel!
Was helfen dir die Klagelieder?
Ich finde, schrieb ich noch so viel,
Doch nicht, was ich verlohren, wieder.
Du, liebste Freundin, bist wohl werth,
Daß wir Dir einen Opferheerd
In unsrer Brust und Herzen weihen,
Worauf wir Dir zum treuen Dank
Vor Deine Tugend, lebenslang
Des Angedenkens Weyrauch streuen.
10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[50] 10. Ode

Zum Troste des Kupferwolfischen Hauses über das Absterben der Frau von Unruh.


Erbrich dies schmerzensvolle Blat,
Das ich zu deinem Trost geschrieben.
So lange hat kein Klagen statt
Halt ein mit Seufzen und Betrüben.
Doch eh du alle Zeilen liest,
So will ich Dir im voraus sagen:
Daß deine Freundin willig ist
Die halbe Last mit Dir zu tragen.
Komm, leg dein Haupt in meinen Schooß.
Mein Zuspruch soll die Wunde heilen:
Und wär dein Jammer noch so groß,
Wird die Empfindung sich zertheilen.
Ich kenne Dich und deinen Sinn
Dein zartes Herz, die edle Seele;
Vergib, wenn ich verwegen bin,
Und deine Thränen einzeln zähle.
Wo denk ich hin! was nützte mir
Die Menge deiner herben Zähren
Ach! meine Mühe würde Dir
Dadurch gar wenig Trost gewehren.
Ich gehe in dein Klagehaus,
Dein Ehgemahl zugleich zu sprechen.
Da sieht es wahrlich furchtbar aus:
Das Herze muß vor Mitleid brechen.
[51]
Ihr Liebsten, ich will Zeuge seyn
Seufzt, weinet beyde um die Wette;
Klagt, ich stimm mit Euch überein;
Ach! wer noch eine Tochter hätte!
Doch hört mich auch vor andern an:
Ihr könnt Euch beyde völlig fassen
Da Euch zur Tröstung dienen kan
Daß sie Euch Kinder hinterlassen.
Der Mutter Geist und Trefflichkeit,
Und Anmuth, und so seltne Gaben,
Verstand und wahre Redlichkeit,
Das ists was sie geerbet haben.
Die zeigen Euch ihr Ebenbild
Wenn Asch und Moder sie begehren,
Hebt auf den Flor der Euch umhüllt;
Ihr könnt die Todte anders ehren.
Schreibt ihr noch auf den Leichenstein,
Wie lieb Euch dieses Kind gewesen.
Und sollte dies zu wenig seyn,
So laßt die Welt noch dieses lesen:
Hier ruht ein Engel von Gestalt,
Der Schmuck vom weiblichen Geschlechte.
Der Tod gebrauchte hier Gewalt,
Drum wichen Alter, Ahnen, Rechte.
11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[52] 11. Ode

Auf den Verlust des einigen Herrn Bruders des Herrn von – – – in Pohlen.


Geliebter Bruder, eil zurücke,
Wie! fällst Du gleich auf einen Streich!
Was seh ich in dem Augenblicke?
Sagt, was ist dem Verluste gleich?
O Schmerz! der mehr als groß zu nennen,
Der ewig unbeschreiblich bleibt.
Ich lasse mich von dir nicht trennen,
Bis mich der Gram von hinnen treibt.
Erblaßter Mund, erstarrte Glieder!
Mein Bruder, den ich so geliebt,
Dein Tod schlägt Muth und Geist darnieder,
Ich bin bis in den Tod betrübt.
Nichts kann mir den Verlust ersetzen,
Nun ist mir alles einerley.
Ist auf der Welt was hoch zu schätzen,
Kommts doch nicht Deinem Werthe bey.
Es mögen andre sich vergnügen
Am allerschönsten Zauberblick.
Kein reizend Wort kann mich besiegen,
Ich denke stets auf Dich zurück.
Ich seh den tapfern Sebel blinken;
Wie muthig drangst Du in den Feind.
Jedoch, Dein Heldenmuth muß sinken,
Dein Fall kam, eh man es vermeynt.
[53]
So lauten, Freund, die bittern Klagen.
Doch halt aus wahrer Großmuth ein.
Ein Held muß streiten, und sich wagen,
Wie kann er sonst ein Sieger seyn?
Will sein Geschick ihm wiederstreben,
So wagt er auch den letzten Hauch.
Sein Leben tapfer aufzugeben,
Ist jedes edlen Helden Brauch.
Im Kriege denkt man nicht ans Rechten,
Da trifft der Sebel Mann vor Mann.
Da schreckt das Herz kein blutig Fechten,
Es würget, was nur würgen kann.
Die Luft erthönet von dem Trosse,
Es eilet alles zu dem Streit.
Das Schnauben von dem muntern Rosse
Verdoppelt Muth und Tapferkeit.
Hier stirbt man auf dem Bett der Ehren,
Man schreibt der Helden Thaten auf.
Die Nachwelt muß davon noch hören.
Der Greis erstaunt, und merket drauf;
Ja er erzehlts den zarten Kindern,
Und das erhitzt ihr edles Blut,
Sie lassen sich dereinst nicht hindern,
Und fechten mit gleich tapferm Muth.
O Freund! so sinkt dein liebster Bruder!
Du schiffst auf einer Thränensee,
Hier starrt die Hand, hier fällt das Ruder,
Ach es geschieht Dir gar zu weh!
Gesetzt, Du fluchst den wilden Pohlen
Und dem verdammten Kugelbley,
Dadurch wirst Du Dich nicht erholen;
Auf, mache dich vom Kummer frey.
[54]
Dein tapfrer Bruder kann nicht sterben,
Sein wahrer Ruhm erfüllt die Welt,
Er hinterläßt den nächsten Erben
Ein solches Guth, das nicht hinfällt.
Das Lob erbt auf die späten Ahnen,
Das hier sein Heldenarm erwarb,
Da er bey seines Königs Fahnen
Im Streiten, wie ein Löwe starb.
Was seh ich durch die Wolken dringen?
Mich dünket, daß man dort dem Held
Sucht das gestirnte Kleid zu bringen,
Das ihm die Ewigkeit bestellt.
Sein Bildniß leuchtet durch die Sterne;
O Glanz! o ungemeiner Strahl!
Wir sehen Dich zwar in der Ferne;
Doch dieser Schein vertreibt die Quaal.
Durch diesen Trost erhol Dich wieder,
Man hat ihn ja verklärt erblickt.
Was schlägt Dich noch der Kummer nieder,
Da ihn des Himmels Lust entzückt?
Nur schenk ihm noch dein Angedenken,
Dies laß ganz unverweslich seyn.
Wird man Dich einstens selbst versenken,
So nimm es mit ins Grab hinein.
Indeß wünscht jeder, der erkennet,
Was Tugend, und was Adel heißt;
Der Dich und deinen Namen nennet,
Dir zweyfach Leben, Kraft und Geist.
Dein kluges und gelehrtes Wissen,
Das manchen in Verwundrung setzt,
Läßt uns auf ferne Zeiten schliessen;
In Marmor wird Dein Ruhm geätzt.
12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[55] 12. Ode

Als die gelehrte Laura Maria Catharina Bassi

in Bologna den Doctorhuth erhielt.


So still ihr Dichter unsrer Zeit!
Seyd ihr auf einmal stumm geworden?
Klingt denn gar keine Flöte heut
In eurem ganzem Musenorden?
Und ihr besonders, die ihr hier
In unsrer Linden Lustrevier
Die helle Leyer laßt erschallen,
Ist euch zum Dichten Sinn und Muth,
Lust, Neigung, Lieb und alle Gluth
Auf einmal gleich so schnell entfallen?
Macht etwan euch des Titans Brand,
Der seiner Stralen Macht entdecket,
So laß, daß ihr euch an den Strand
Der trägen Pleisse schläfrig strecket?
Ihr seyd ja sonsten munter gnug,
Und fühlt den heissen Trieb und Zug,
Die Thöne hell und rein zu zwingen;
So bald Minerva nur ein Fest
Durch ihre Freunde feyren läßt,
Hört man euch ja gar männlich singen.
[56]
O matte Geister! wißt ihr nicht,
Was man, so weit der Ruf nur gehet,
Von jenem Wunderbilde spricht,
Das Welschlands alten Ruhm erhöhet?
Ein jeder Sitz, der Musen nährt,
Bewundert dessen hohen Werth,
Und wünscht sich selbiges zu kennen:
Wo man in der Gelehrten Reich
Sich nur bespricht, hört man so gleich
Der Weisen Bassi Namen nennen.
Dies wißt ihr längst, so gut als wir;
Und dennoch stocken eure Flöten,
Ihr werdet, hoff ich doch, vor ihr,
Und ihren Lorbern nicht erröthen;
Zwingt ja das Rohr, damit die Welt
Nicht auf den Argwohn einst verfällt,
Ob hättet ihr das was geschehen,
Von Neid und Misgunst angeflammt,
Geschickte Dichter insgesammt,
Mit schelen Augen angesehen.
Denkt nicht, als müste Pallas nur
Vor Männer Ehrenkleider weben.
Meynt ihr, euch hätte die Natur
Das Recht darzu allein gegeben?
Ach weit gefehlt. Wisst ihr denn nicht,
Was Seneca von Weibern spricht?
Der kann euch euren Stolz benehmen.
Befragt nur diesen weisen Greis,
Ob nicht ein Frauenzimmer weis
Die Männer vielmals zu beschämen?
[57]
Ja wohl, sie haben nichts voraus:
Was fänden wir denn zu beneiden?
Der Körper nur, das Seelenhaus,
Kann uns von ihnen unterscheiden;
Sagt, wie viel Sinne habet ihr?
Zählt sie nur selbst: Nicht mehr, als wir.
Wohnt Witz in einer Männer Stirne,
So hat auch dieser Satz sein Recht:
Es steckt dem weiblichen Geschlecht
Kein Spinngeweb in dem Gehirne.
Geehrtes Mitglied unsrer Schaar,
Du beste Zierde unsrer Reihen;
Dergleichen Lorbern sind zwar rar,
Man sieht sie nicht so häufig streuen;
Doch hat vorlängst das Alterthum
Zu unserm allgemeinen Ruhm
Schon deren Bilder abgerissen,
Die sich in der Gelehrten Tracht
Zugleich auch weltberühmt gemacht,
Und die wir noch verehren müssen.
Ich glaub, es hat bey diesem Fest
Da man den Lehrstuhl Dir gesetzet
Sich der Cassandra Aschenrest
Geregt, und sich zugleich ergetzet.
Ja, ja, der Gotzadinen Geist
Ist diesem Wunder nachgereist,
Sein Ebenbild allda zu finden.
Und Losa Schatten war nicht weit,
Als Pallas Deiner Trefflichkeit
Ließ die verdienten Kränze winden.
[58]
Des Kleeblat stand o Heldinn, Dir
Unfehlbar immer für den Augen;
Dies konnte deiner Ehrbegier
Gewiß zum schönsten Muster taugen.
O schöner Neid, der Dich entflammt,
Und wirklich von der Tugend stammt!
Du trittst nunmehr in jener Orden,
Und bist den Wundern jener Welt,
Den man dich an die Seite stellt,
An Witz und Würde gleich geworden.
So hoch sich der Olympus zieht,
Der fast die Wolken kann erreichen
So muß er doch, wie man itzt sieht,
Bologna, deinem Pindus weichen.
Der raubet nun durch Famens Schall,
Den Preis und Vorzug überall
Den Musenhügeln unsrer Erden.
Durch Laurens Weisheit, Kunst und Fleiß
Wird künftig deiner Mauren Kreis
Das Haupt der hohen Schulen werden.
Auf! welsche Musen, säumet nicht,
Ein Opferlied ihr anzustimmen;
Hört ihr nicht, was Apollo spricht?
Laßt euer Rauchfaß helle glimmen.
Verehrt dies Wunder unsrer Zeit
Durch eurer Seiten Lieblichkeit;
Brecht Aest und Zweige von den Höhen,
Den Weg zum Hörsaal zu bestreun;
Es wird einst euer Lorberhayn
Dadurch in schönerm Wachsthum stehen.
[59]
Schmückt ihren Lehrstuhl tief gebückt,
Und setzet euch zu ihren Füssen,
Der Weisheit Nectar höchst beglückt
Von ihren Lippen zu geniessen.
Wer Ohren hat, der öffne sie;
Und habt ihr einst durch Fleiß und Müh
Minervens Heiligthum erstiegen;
So sprecht: Der Bassi kluger Kiel,
Der uns und aller Welt gefiel,
Gab uns die Kraft dahin zu fliegen.
13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

13. Ode

Als der Herr Hofrath von Meiern des Bischoffs Adam Adami Relationem Historicam de Pacificatione Osnabrugo-Monasteriensi wieder heraus gab. 1737.


Iam fides, & pax, & honor, pudorque

Priscus, & neglecta redire virtus

Audet.

Horatius


Die Kirche jauchzt; ihr Recht besteht,
Und ruht auf fest gestellten Gründen;
So weit die Macht der Deutschen geht
Kann sie die Sicherheit durch Schutz im Frieden finden.
Die Zwietracht weicht der Einigkeit,
Es flieht der Haß der alten Zeit
Und darf sich weiter nicht in diese Grenzen wagen.
Der hohen Stände Freundschaftsband
Vereinigt Herzen Mund und Hand,
Ein solches Ungeheur ins Elend zu verjagen.
[60]
Wie grausam hat ihr wilder Arm
Des Höchsten Heiligthum zerstöret!
Wie hat nicht Unglück, Gram und Harm
Durch sie der Unschuld Quaal erwecket und vermehret!
Sie suchte Blut, und nicht die Schuld,
Und hatte sonsten nicht Geduld
Als nur die Noth zu sehn so die Bedrängten drückte.
Sie nährte Nattern in der Brust,
Und brachte der verdammten Lust
Das Opfer ihres Zorns, der sich zur Rache schickte.
Je mehr die Wuth verderbt und schlägt,
Je mehr gewöhnt sie sich zum Würgen:
Je weiter sie die Waffen trägt,
Je mehr verschmähet sie die sichern Friedensbürgen.
Sie wünscht der Unschuld Untergang;
Und ihr wird keine Zeit zu lang
Das ausgezogne Schwerdt auf ihren Hals zu wetzen.
Sie bläst die matten Funken auf,
Und denkt, und sinnet nur darauf,
Den angefachten Brand in volle Gluth zu setzen.
Wie Sturm und Wind die Wolken treibt,
Ein schweres Wetter aufzuthürmen;
Wobey die Welt in Sorgen bleibt
Sich wieder seinen Strahl mit Vorsicht zu beschirmen:
Der schnelle Blitz hernieder fährt;
Und hier und dort ein Haus verzehrt,
Das sonst die Zeiten trotzt und die Gewalt verschmähet;
Und wenn dies kaum getilget ist,
Sein Schwefelfluß ein neues frißt,
Daß ein erschrocknes Volk bey Gott um Beystand flehet:
[61]
So hat die Zwietracht auch gethan,
Und manches Fürsten Blut erhitzet;
Und wie sie tapfer lügen kann,
Durch dieses Schlangengift den Redlichsten beschmitzet.
Man bricht mit ganzen Heeren ein,
Die Wahrheit soll vertilget seyn:
Man soll durch Tod und Staub ihr frey Bekänntniß büssen.
Die Raserey bewaffnet sich,
Und hilft der Bosheit ritterlich,
Und will von Gnade nichts, nichts von Erbarmen wissen.
Was hat die Gluthen angeflammt?
Was hat den frechen Zorn gereizet?
Wer sagt, woher dies Unglück stammt?
Warum man hier so sehr nach Menschenblute geizet?
Sind Reich und Freyheit denn in Noth?
Wem wird ein schwerer Fall gedroht?
Wer will den Kayserthron zu Grund und Boden stürzen?
Beschimpft man Gottes Majestet,
Daß man so scharf zu Werke geht;
Und darin Ehre sucht, das Leben zu verkürzen?
Ein schwacher Mönch entdeckt ein Licht;
Sein Geist wird dadurch aufgekläret;
Er folgt ihm und verschweigt es nicht,
Und zeiget es der Welt, was er dadurch erfähret.
Die Salbe die sein Lehrstuhl gab,
Treibt vieler Augen Schuppen ab,
Wodurch das arme Volk so lange blind gewesen.
Er weiset die Betrügerey,
Und was das beste Mittel sey
Von seiner Seelen Noth vollkommen zu genesen.
[62]
So sehr der Tag den Wandersmann
Der in der Irre fehl gegangen,
Ermuntern und vergnügen kann,
Wenn er sein neues Licht durch Titans Glanz empfangen;
So sehr nahm dieser helle Schein
Des Volkes finstre Seelen ein,
Und trieb sie kräftig an, den Irrthum zu verlassen.
Ein jeder ward dadurch gerührt,
Und von der Wahrheit überführt,
Daß er verbunden sey die Finsterniß zu hassen.
Wer macht sich auf? wen seh ich dort?
Mit wem, warum, wie will er kämpfen?
Wer schickt den Held? der kalte Nord,
Die Hitze soll er hier in den Verfolgern dämpfen.
Er kommt zum Streit, und fällt er schon,
So bleibt ihm doch die Siegeskron
Und uns durch seinen Tod die Freyheit und das Leben.
Sein Sterben rächt so mancher Held
Der sich auf seine Seite stellt,
Und vor der Länder Wohl sich selber hingegeben.
Doch wird man einst des Mordens satt,
Und durch das lange Streiten müde,
Und was man sonst verworfen hat,
Daran gedenkt man itzt; das Absehn ist der Friede.
Man eilt von allen Orten zu,
Und sinnt auf die gemeine Ruh,
Und will der Streitigkeit gemessne Schranken setzen.
In Münster und in Osnabrück,
Befestigt man des Reiches Glück,
Und weis der Deutschen Ruh nach ihrem Werth zu schätzen.
[63]
Die Weisheit nimmt den Vorsitz ein
In diesem hohen Staatsgerichte,
Und macht der Arglist falschen Schein
Durch Einsicht und Verstand für aller Welt zunichte.
Sie setzet, ordnet, und bestimmt,
Sie löscht das Feuer das noch glimmt,
Und übergiebt die Schuld dem ewigen Vergessen.
Hier wird durch kluger Männer Rath
Die Sicherheit vor jeden Staat,
Und das erkannte Recht vernünftig abgemessen.
O Deutschland fürchte dich nicht mehr!
Die Zanksucht hat die Kraft verlohren,
Sie bebt bereits und zittert sehr,
Und hört das Friedenswort, so ihr den Tod geschworen.
Die Vorsicht reicht dir ihren Schild;
Die schützt dich mehr als jenes Bild
Das Rom so lange Zeit zum Wunder aufgehoben.
Die Kirche wird nicht mehr gedrückt,
Kein Grenzstein durch Gewalt verrückt,
Und aller Neuerung ein Riegel vorgeschoben.
Was blendet mich denn für ein Strahl
Von Prachterfüllten Kostbarkeiten?
Ist dieses nicht der Göttersaal
Wo Recht und Billigkeit den Urtheilsspruch bereiten?
Wer ists, von dessen treuer Hand
Die Schätze die er vor sich fand
Gesammelt und der Welt itzt dargeleget werden?
Wer hat doch hier ans Licht gebracht
Was dort die Weisheit ausgedacht,
Zur Ruhe vor das Land, zur Tilgung der Beschwerden?
[64]
Ein Mann, den Herz, Verstand, und Kraft
Den Deutschen Kindern vorgezogen:
Ein Mann, dem Witz und Wissenschaft
Mit schwerer Ueberwucht sein Antheil zugewogen.
Ein Mann, der Deutschlands Ehre liebt,
Und wenn er sich auch Mühe giebt
Sonst keinen Lohn verlangt, als den die Tugend bringet;
Ein Mann, bey dem der strenge Fleiß
Von keinen Ruhestunden weis,
Der keiner Arbeit schont, durch die sein Werk gelinget.
Nun kommt und seht was für ein Glanz
Das auserlesne Kleinod zieret
Sein schöner Schmuck entzückt uns ganz,
Und zeigt die Großmuth an, die Meierns Sinne rühret.
Hier herrscht Geschmack, Vernunft und Kunst,
Nicht leerer Wörter eitler Dunst,
Nein. Die Vollkommenheit der allerbesten Schriften.
Denn weil er nie dem Neide weicht,
Kann er ein Werk dem keines gleicht,
Und sich dadurch zugleich ein ewig Denkmal stiften.
Ganz Deutschland siehts, und wird entzückt,
Bewundert des von Meiern Gaben;
Und rühmet was es hier erblickt,
Und sucht sein wahres Lob in Erz und Stahl zu graben.
Wo lebt ein solcher Deutscher Sohn
Der seiner schweren Arbeit Lohn
Nur in der Nutzbarkeit vor viele Länder findet?
Vor einen solchen grossen Sinn
Gehört der trefflichste Gewinn,
Und daß ein ganzes Volk ihm Ehrenkränze windet.
[65]
Wie wird mir? was bezaubert mich?
Wer öffnet die verschlossnen Grüfte?
Welch ein Gesicht bethöret mich
Vielleicht ist es ein Bild der dickgemachten Lüfte?
Nein, nein, es ist der theure Mann,
Adami, der so viel gethan,
Daß Kayser, Fürst und Reich nach Fried und Ruhe streben.
Er geht durch Meierns Kraft herfür:
Verläßt den Staub, und zeigt sich hier,
Und fängt nach langer Zeit nun wieder an zu leben.
Willkommen Ehrenwehrtes Haupt,
Du Schutzgott der bedrängten Sache.
Der Neid hat Deinen Ruhm geraubt
Damit die Nachwelt noch zu Deiner Ehre wache.
Dein redliches und Deutsches Blut
Gilt mehr als wohl dein Bischofshut,
Den deine Frömmigkeit und Sorgenlast verdiente.
Du wiederstandest der Gefahr
Die Dir nur überwindlich war,
Indem durch deine Kraft des Friedens Oelzweig grünte.
Ein Held an Muth, ein Gott an Rath,
Das bist Du grosser Mann gewesen,
Ein Heyland vor so manchen Staat,
Weil dessen krankes Glück, durch Deine Kunst genesen.
Was Du sonst sprachst, das galt sehr viel,
Der Länder Wohlfahrt war das Ziel
Der treu gesinneten und Weisheitsvollen Sprüche.
So viel man Klugheit und Verstand
Bey jenen grossen Männern fand,
So wagt es keiner doch, daß er sich Dir vergliche.
[66]
Wohin verschwindet das Gesicht?
Was hindert mich, ihn mehr zu preisen?
Mein schwacher Kiel vermag es nicht
So viel als er verdient, ihm Ehre zu erweisen.
Er wird von seinen Banden los,
Durch den berühmten Meiern groß,
Daß die Vergessenheit von seinem Namen weichet.
Die Großmuth, beyder Eigenthum,
Verewigt den erworbnen Ruhm
Durch diese hat er auch den höchsten Grad erreichet.
14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

14. Ode

Das männliche Geschlechte, im Namen einiger Frauenzimmer besungen.


Du Weltgepriesenes Geschlechte,
Du in dich selbst verliebte Schaar,
Prahlst allzusehr mit deinem Rechte,
Das Adams erster Vorzug war.
Doch soll ich deinen Werth besingen,
Der dir auch wirklich zugehört;
So wird mein Lied ganz anders klingen,
Als das, womit man dich verehrt.
[67]
Ihr rühmt das günstige Geschicke,
Das euch zu ganzen Menschen macht;
Und wißt in einem Augenblicke
Worauf wir nimmermehr gedacht.
Allein; wenn wir euch recht betrachten,
So seyd ihr schwächer als ein Weib.
Ihr müßt oft unsre Klugheit pachten,
Noch weiter als zum Zeitvertreib.
Kommt her, und tretet vor den Spiegel:
Und sprechet selbst, wie seht ihr aus?
Der Bär, der Löwe, Luchs, und Igel
Sieht bey euch überall heraus.
Vergebt, ich muß die Namen nennen,
Wodurch man eure Sitten zeigt.
Ihr mögt euch selber wohl nicht kennen,
Weil man von euren Fehlern schweigt.
Seht doch, wie ihr vor Eifer schäumet,
Wenns nicht nach eurem Kopfe geht.
O Himmel, was ist da versäumet,
Wenn man nicht gleich zu Diensten steht!
Ihr flucht mit fürchterlicher Stimme,
Als kämt ihr aus des Pluto Kluft.
Und wer entgehet euren Grimme,
Wenn ihr das Haus zusammen ruft?
So bald der Eifer sich geleget,
Wird aus dem Bär ein stilles Schaaf,
Das weiter keinen Streit erreget:
Es überläßt sich Ruh und Schlaf.
Habt ihr geirrt, heists kein Vergehen:
Die Weiber sind an allem Schuld.
Wer sie muß immer um sich sehen.
Dem reisset endlich die Geduld.
[68]
Zu dem, wenn euch der Wahn bethöret,
Das andern eure Frau gefällt;
Wie wird nicht eure Ruh gestöret,
Wenn sichs gleich nicht also verhält!
Ihr sucht euch schon an dem zu rächen,
Der sie nur in der Ferne kennt,
Und das ohn alles Wiedersprechen,
Wenn man nur seinen Namen nennt.
Die Frau wird euch vergebens fragen,
Ob ihr sie mit Bestande liebt?
Das schwache Werkzeug soll nicht klagen,
Wenn man ihm Speis und Kleidung giebt.
Geniessen andre ihr Vermögen,
Weil ihr Geliebter gerne nascht;
So kommts von seinem eignen Seegen,
Wenn sie ihn bey der Lust erhascht.
Er gönnt ihr wohl ein gut Gerichte,
Wenn er mit andern Freunden schmaust:
Allein kein freundliches Gesichte,
Weil er in Rausche lermt und braust.
Vermißt er den Ducatenbeutel,
Und denkt an das verlohrne Geld,
So hält er dieses nicht vor eitel,
Da ist er erst ein schwacher Held.
Manch frommes Weib bekommt zur Ehe
Den grösten Geizhalß von der Welt.
Da findet sie die sieben Wehe,
Daß jeder Tag etwas behält.
Bey seinen neidischen Geberden
Sieht er ganz blaß und mager aus.
Es ist nichts häßlichers auf Erden,
Als dieser Mann in seinem Haus.
[69]
Der Hochmuth stellt uns feine Seelen
Im männlichen Geschlechte dar.
Der Ehrgeiz läßt sich nicht verhelen,
Sie folgen ihm, auch mit Gefahr.
Doch straft man nicht die Ehrbegierde,
Nach der ein Weiser sich bestrebt;
Die ist des Menschen gröste Zierde,
Wenn er dabey vernünftig lebt.
Die, welche sich nur selbst erheben,
Die gerne groß und vornehm sind,
Nach allen Ehrenämtern streben,
Da doch den Kopf nichts füllt als Wind:
Die keine Wissenschaften kennen,
Und dringen sich in Würden ein,
Die kann man wohl mit Namen nennen,
Daß sie der Thorheit Kinder seyn.
Die Männer müssen doch gestehen,
Daß sie wie wir, auch Menschen sind.
Daß sie auch auf zwey Beinen gehen;
Und daß sich manche Schwachheit findt.
Sie trinken, schlafen, essen, wachen.
Nur dieses ist der Unterscheid,
Sie bleiben Herr in allen Sachen,
Und was wir thun, heißt Schuldigkeit.
Der Mann muß seine Frau ernähren,
Die Kinder, und das Hausgesind.
Er dient der Welt mit weisen Lehren,
So, wie sie vorgeschrieben sind.
Das Weib darf seinen Witz nicht zeigen:
Die Vorsicht hat es ausgedacht,
Es soll in der Gemeine schweigen;
Sonst würdet ihr oft ausgelacht.
[70]
Ihr klugen Männer schweigt nur stille:
Entdecket unsre Fehler nicht.
Denn es ist selbst nicht unser Wille,
Daß euch die Schwachheit wiederspricht.
Trag eines nur des andern Mängel,
So habt ihr schon genug gethan,
Denn Menschen sind fürwahr nicht Engel,
An denen man nichts tadeln kann.

In der bekannten Melodie:

15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[71] 15. Ode

Der Sieg über die Neider.


Was ist es, misvergnügter Geist,
Das deinen Kummer täglich mehret,
Und die Zufriedenheit entreißt,
Und deiner Seelen Ruhe störet?
Hältst du das Haupt darum gestützt,
Weil Haß und Neid die Pfeile spitzt?
Wie? wird dein Geist dadurch gerühret?
Ach! fürchte nicht dergleichen Brut,
Wo bleibt der starke Heldenmuth,
Der die gesetzten Seelen zieret?
Ists möglich, das der schele Neid,
Vor dem nur schwache Geister zittern,
Dir ebenfals wie jenen dräut,
Und deine Großmuth, will erschüttern?
Bethörter! gieb die Sorgen an,
Weil Zorn und Misgunst niemals kann
Der Jugend reines Kleid beflecken.
Sucht er auch unsre Fehler auf,
So geben wir nicht Achtung drauf:
Sein Schmähen muß uns nicht erschrecken.
Auf! rüste dich, bestrittner Geist!
Willst du ihm denn die Freude gönnen,
Daß er dich gar zu Boden schmeißt?
Soll man dich da wohl weise nennen?
So wenig als der Wellen Wuth
Den harten Felsen Schaden thut,
So stark sie vielmals toben, krachen,
So wenig kann die Schlangenart,
Die sich mit Zerbers Rachen paart,
Ein männlich Herze schüchtern machen.
[72]
Wer blöd und niederträchtig ist,
Und sich nicht aus dem Staub will wagen,
Läßt sich nur, weil er sich vergißt,
Von diesem Feind im Harnisch jagen,
Er bebt, so bald der hagre Geist
Ihm seine gelben Zähne weist,
Und sucht aus Furcht sich zu verstecken,
Ein Weiser aber hört in Ruh
Der Drohung ganz gelassen zu,
Wenn ihn die Misgunst meynt zu schrecken.
Warum? dies dürre Knochenbild
Giebt selber schimpflich zu verstehen,
Wie wenig es bey denen gilt,
Die sich durch Tugenden erhöhen.
Je heftiger er auf sie schilt,
Und seinen Muth mit Lästern kühlt,
Je mehr verräth er seine Blösse;
Er fände nie Gelegenheit,
Wofern, was er mit Gift bestreut,
Er selber in der That besässe.
Die Brust worinnen Klugheit wohnt,
Wird still und unempfindlich bleiben,
Wenn gleich der Neid, der nichts verschont,
Sich sucht an selbiger zu reiben.
Des Weisen Herze muß aus Stein,
Aus Marmor selbst gebildet seyn,
Wovon die Pfeile rückwerts prallen.
So viel er deren auch erblickt,
So steht er dennoch unverrückt,
Und sieht sie kraftlos niederfallen.
[73]
Bespiegle dich, und stelle dir
Der alten Weisen edles Wesen
Mein Geist! zum steten Muster für;
Ihr Heldenmuth war auserlesen.
Sie zeigten, wie vernünftig man
Durch Großmuth triumphiren kann;
Wie man den Neid muß schamroth machen,
Wenn wir bey seinem Fluch und Gift
Der uns zwar droht, doch niemals trifft,
Gelassen und verächtlich lachen.
Ein Weiser Cato regt sich nicht.
So stark ihn auch die Feinde schmähen.
Hör nur, was hier ein Heyde spricht:
Er meynt, ihm wäre nichts geschehen.
Sieht Socrates mit hohem Sinn
Nicht ruhig nach der Bühne hin,
Wo Aristophanes im Spielen
Die Tugend, und in der auch ihn
Recht spöttisch suchte durchzuziehn,
Um seinen Muth an ihm zu kühlen?
Ihr Helden, die ihr jenes Feld
Wo Mavors seine Schaaren zehlet,
Und sie zum Kampf und Fechten stellt,
Zu eurer Ehrenbahn erwehlet;
Die ihr das Schlachtschwerdt muthig schwingt,
Wie Löwen in die Flügel dringt,
Der Feinde Heer zum Fliehen treibet,
Und wenn der meiste Theil gestreckt,
Den Stahl nicht eher eingesteckt,
Als bis die Wahlstatt euch verbleibet.
[74]
Ihr siegt, und seyd der Lorbern wehrt,
Man muß sie eurer Scheitel gönnen.
Allein, der Sieg, den euer Schwerdt
Erhält, ist nicht so groß zu nennen.
Der ists, wo man sich selbst besiegt;
Den Neid durch Großmuth überwiegt;
Und ihn ganz still mit Fesseln bindet;
Dies ist der allerschönste Zwang,
Wodurch man, wagt er einen Gang,
Ihn stürzt, und tapfer überwindet.
Tobt, Neider! lästert, flucht, und schreyt,
Verdoppelt Galle, Gift, und Geifer:
Wenn ihr gesetzten Seelen dräut,
So lachen sie zu eurem Eifer.
Sie fühlen euren Stachel nicht,
Sie sehn euch munter ins Gesicht
Bey euren hönischen Geberden.
Wißt, daß ein Weiser gar nicht kann,
Und fielt ihr ihn auch rasend an,
Beleidigt und geschmähet werden.
16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

16. Ode

Ueber die Verschwendung.


Wie fehlet doch die blinde Welt,
In ihren abgeschmackten Schlüssen,
Wenn sie die vor verschwendrisch hält,
Die nett und groß zu leben wissen?
Sie liebt die Knicker nur allein,
Und ehrt den greuelhaften Narren,
Der in den tiefsten Sand und Stein
Pflegt seinen Mammon zu verscharren.
[75]
Ach dummer Pöbel! glaube nicht,
Daß der sich Huld und Gunst erwecket,
Der, auf das schnöde Geld erpicht,
In düstre Winckel es verstecket;
Gräbt man das Gold und Silber wohl
Deswegen aus dem Schacht der Erden,
Damit es wieder heimlich soll
In selbigen vergraben werden?
Gar nicht; es läßt es die Natur
Aus den verborgnen Adern blitzen,
Damit es nach entdeckter Spur,
Den Bürgern unsrer Welt soll nützen.
Der Thore heißt zwar Herr darvon;
Und doch wird ihm die Herrschaft mangeln,
So viel man auch von ferne schon
Ihn täglich sieht zusammen angeln.
Ihr, die ihr fett und niedlich lebt;
So bald ihr aus den Federn schleichet,
Der Kehle süß Getränke gebt,
Dem Gaumen Leckerbißchen reichet;
Die ihr in weichen Kleidern stutzt,
Kehrt euch nicht an der Welt ihr Lästern,
Zeigt, daß ihr euch weit besser putzt,
Weit besser eßt und trinkt als gestern!
Nur immer wacker drauf gezehrt!
Das Fach wird noch in langen Jahren
Nicht auf ein Drittheil ausgeleert,
Ihr könnt nicht auf den Boden fahren;
Der Kasten ist zu tief und groß;
Wollt ihr gleich alle Stunden greifen;
Ihr werdet doch das Geld nicht los,
Es wird sich immer wieder häufen.
[76]
Es kam euch ja nicht sauer an:
Ihr habt es nicht durch Müh erworben;
Das, was bisher euch sanft gethan,
Ist euch von andern zugestorben.
Entschlafner, theurer, lieber Greis!
Du würdest selbst im Grabe lachen,
Wenn sich dein Erb auf deinen Schweiß
Nicht sollt ein frohes Stündchen machen.
Gar recht; wozu soll das Metall
Im Kasten schimmeln, und verrosten?
Was würde dies auf solchen Fall
Nicht wieder auszuputzen kosten?
Die Männer schnappen nach der Luft;
Ihr Harnisch drückt zu sehr die Hüften.
Entreißt sie Moder Qualm, und Duft,
Was könntet ihr wohl bessers stiften?
Erlöset, die so lange Zeit
Im Kerker eingeschlossen waren,
Laßt, wie der Himmel selbst gebeuth,
Das Brodt stets übers Wasser fahren.
Wohl euch, daß ihr das Herze nicht
An solchen Schlamm und Koth laßt kleben,
Man kann euch, wenn das Auge bricht,
Doch nichts davon ins Grab mitgeben.
Seht andre lockre Seelen an,
Wie die sich wissen aufzuführen,
Hier wahrlich ist vom reichen Mann
Ein rechtes Ebenbild zu spühren.
Wie herrlich lebet nicht Sempron,
Der aller Augen auf sich wendet?
Was schmäht ihr? Meynt ihr, daß er schon
Sein Haab und Guth bereits verschwendet?
[77]
Ihr thut ihm Unrecht; irr ich nicht,
So lebet er ganz eingezogen,
Was man von seinem Prassen spricht,
Ist, mit Erlaubniß, gar erlogen.
Hier ist kein Aufgang, wie man sieht,
Ihr könnt aus Tracht und Speise schliessen,
Wie sehr er Pracht und Aufwand flieht,
Sein Gut vernünftig zu geniessen.
Betrügt mich nicht ein falscher Schein,
So seh ich ihn vor Fleiß recht schwitzen,
Und in dem Zimmer ganz allein
Mit unterstütztem Haupte sitzen.
Was sinnt er doch? was liest er wohl?
Ach! es sich des Plutarchus Lehren,
Wie man recht sparsam leben soll,
Um die Verschwendung abzuwehren.
Ja, ja, er liest; doch nun zu spät,
O, hätt er doch vor langen Tagen
Das, was hier aufgezeichnet steht,
Statt einer Vorschrift aufgeschlagen.
Des Weisen Rath hilft ihm nicht viel;
Da nun die Vögel ausgeflogen,
So wird bey diesem Trauerspiel
Umsonst der Keficht zugezogen.
Du, der du noch bey guter Zeit
Stets herrlich und in Freuden sassest,
Doch bey dergleichen Herrlichkeit
Den Schluß der Rechnung gar vergassest,
Sag uns, was denkst du wohl bey dir,
Da sich die Scenen so verdrehen,
Und man dich kahl und nackend hier
So, wie des Plato Hahn sieht stehen.
[78]
Wie schmecken dir, Verschwender, nun
Die schmahl und mehr als magern Bissen,
Auf ein gespicktes Haselhuhn,
Das deinen Zähnen wird entrissen?
Schleicht nach dem zuckersüssen Wein,
Bey dem man dich sah täglich lachen,
Der strenge Trank auch glatt hinein,
Der deine Kehle rauh will machen?
O herber Wechsel, welcher dich
Und deines gleichen mehr betroffen!
Allein, kein Mensch verwundert sich,
Man konnte hier nichts anders hoffen.
Die Regel trifft wohl richtig zu,
Und kann der Welt zur Warnung taugen:
Wer täglich so gehaust, wie du,
Der muß hernach die Klauen saugen.
17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

17. Ode

Die Spielsucht.


Nein, nein, es bleibet doch dabey,
So stark ihr mir auch wiederstreitet,
Daß keine Neigung ärger sey,
Als die, so uns zum Spiel verleitet.
Ist nicht die Spielsucht eine Pest,
Die sich nicht wieder dämpfen läßt,
Wofern sie einmal Platz genommen?
Hier ist ein solches Labyrinth,
Darinn man keinen Ausgang findt,
Ist man einmal darein gekommen.
[79]
Die Seuche reißt entsetzlich ein,
Es will das halbe Rund der Erden
Der eitlen Lust gewidmet seyn;
Zu einem grossen Spielhaus werden:
Was nur die Finger regen kann,
Das sieht die stummen Götzen an,
Die bunt gemahlt auf Blättern stehen.
Dies ist das Buch, das alle Welt,
Vor so beliebt und edel hält,
Dies muß oft über alles gehen.
So mancher Ballen von Papier
Die noch kein Rechner hat summiret,
Wird aus den Mühlen dort und hier
Dem Drucker täglich zugeführet.
Die Pressen schwitzen Tag und Nacht;
Der Schwengel wird ganz lahm gemacht,
Dieweil itzt jedermann durch Schriften
Sich bey der Welt, wenn sein Gebein
Muß Grab und Würmern zinsbar seyn,
Will einen grossen Namen stiften.
Jedoch so viel sich Bogen auch
Von Schriften angefüllet zeigen,
Wird doch der häufige Gebrauch
Der Karten jenen übersteigen;
Was für Papier wird angeschafft,
Das nur der Spielgott zu sich rafft!
Welch Buch, und schrieben es Sybillen,
Wird wohl so öfters aufgelegt?
Der Meister der die Bilder prägt,
Kann kaum der Käufer Hände füllen.
[80]
Zieht, bitt ich, jenen Vorhang weg,
Wer sind die, die beysammen sitzen?
Was thun sie da? was ist ihr Zweck?
Seht, wie sie vor Begierde schwitzen;
Wie ehrerbiethig sind sie nicht?
Hier ist ein Altar aufgericht,
Den diese fromme Schaar umringet;
Schaut, wie ein jedes reichlich giebt,
Und mehr auf selbigen hinschiebt,
Als man sonst in den Tempel bringet.
Ist dieses nicht des Götzen Hayn,
Dem man hier täglich räuchern siehet,
Den alle Welt sucht anzuschreyn,
Und sich um seine Gunst bemühet?
Ja, ja, er ists, den jedermann,
So weit und breit man blicken kann,
Zu seinem Hausgott sich erwehlet;
Der auf der Erden weitem Kreis
Mehr Unterthanen kennt und weis,
Als mancher Fürst im Lande zehlet.
Ihr, die ihr ein gekleistert Blat
Vor eurer Seelen Nahrung schätzet,
Das Spiel so euch gefesselt hat,
Zum fünften Elemente setzet;
Mit todten Bildern Wollust treibt,
Und selbigen euch ganz verschreibet,
Sagt, wißt ihr euch nicht satt zu spielen?
Ich dächt, ihr säßet euch fast krumm,
Denn auch ein halbes Seculum
Reicht nicht, die Spielsucht abzukühlen.
[81]
Ich schelte je das Spielen nicht,
Wenn mancher es auch will verfluchen.
Der Mensch muß, wie ein Weiser spricht,
In etwas sein Ergetzen suchen.
Dergleichen Fluch wär allzuscharf.
Kein mürrischer Verächter darf
Die Unschuldsvolle Lust verdammen.
Der Misbrauch wird hier bloß berührt,
Der, wie man leider oft verspührt,
Pflegt von der Spielsucht herzustammen.
Der Tag ist euch wohl recht verhaßt,
An dem ihr nicht die Karten mischet;
Wie lauret ihr auf einen Gast,
Wie zielt ihr, bis ihr ihn erwischet?
Ihr seyd vor Sehnsucht sterbens krank,
Wenn dieses Buch in eurem Schrank,
Soll eine Stunde müßig liegen.
O haltet euch doch ja nicht auf,
Beflügelt euren schnellen Lauf;
Das Glücke wird euch nicht betrügen.
Ists möglich, daß der Spielgeist euch
So schändlich kann zu Sclaven machen?
Ihr greift nach solchen Blättern gleich,
So bald ihr nur pflegt aufzuwachen;
Dies ist das Buch, so euch vergnügt,
Wenn Cubach in dem Staube liegt;
Da sieht man euch so lange blättern,
Bis euch der Schlaf und Schlummer droht,
Und doch könnt ihr mit Müh und Noth
Vom Spiel kaum in die Federn klettern.
[82]
Schämt euch, daß ihr so Tag als Nacht
Vier stummen Königen müßt fröhnen,
Die euch ohn allen Zwang und Macht
Zur Unterthänigkeit gewöhnen!
Die Welt belacht den schnöden Eyd,
Dadurch ihr denen dienstbar seyd.
Die auf papiernen Thrönen sitzen,
Und wenn sie nicht mehr brauchbar sind,
Dem, der am Toback Labsal findt,
Zuletzt noch kaum im Brennen nützen.
Wie seyd ihr nicht darauf erpicht,
Wenn ihr den Spieltisch eingenommen?
Ihr hört und seht im Spielen nicht;
So weit ist der Verfall gekommen.
Wenn euch ein Freund sein Herze schenkt;
Wer ist, der da an ihn gedenkt?
Ihr liebet nur gemahlte Herzen,
Ein kleiner Blick, den ihr bemüht
Den lieben Blättern nur entzieht,
Setzt euch in tausendfache Schmerzen.
O schöner Anblick, der euch ziert!
Wiewohl ihr alles dies nicht achtet,
Weil ihr von Geiz und Lust verführt,
Vernunft und Wohlstand nicht betrachtet.
Spielt euch, erhitzte Seelen, satt!
So lang ihr noch ein Kartenblat
Könnt zwischen eure Finger fassen.
Und wenns der Tod euch nicht mehr gönnt,
So soll man euch ein Monument
Von Kartenblättern bauen lassen.
18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[83] 18. Ode

Die Eifersucht.


Vertheidigt euch, wie ihr nur könnt,
Zur Eifersucht gewöhnte Geister.
Eur Aug und Sinn ist doch verblendt,
Ihr seyd nicht von euch selbsten Meister.
Wie? laßt ihr euch ein rauschend Blat
In Furcht und in Bewegung jagen?
Und wenn sichs kaum gereget hat,
So wollet ihr schon gar verzagen?
Schämt euch, die Welt lacht eurer nur,
Und spricht: Es sey ihr nichts verhaßter,
Als eine solche Creatur,
Ein Knecht von diesem schnöden Laster.
Warum? der Eifer, der auch kann
Den schönsten Ganymed verstellen,
Macht, schaut man euch dabey nur an,
Euch zu den Furien der Höllen.
Verhüllet dieses Laster nicht
Mit einem Vorhang zarter Liebe;
Denn stellet man es an das Licht,
So sinds des Argwohns schwarze Triebe.
Ihr meynt, wenn ihr in Spiegel blickt,
Als wüchs euch was aus eurer Stirne;
Die Phantasie die euch berückt,
Erregt dies Blendwerk im Gehirne.
[84]
Der Wahn betrügt euch allzusehr,
Auf dessen seichten Grund ihr bauet,
Der Argwohn siehet immer mehr,
Als Janus mit vier Augen schauet.
Und dennoch fehlt ihr insgemein,
So scharf ihr hier und dahin blitzet,
Weil euch nur bloß der falsche Schein
Von des Actäons Kopf erhitzet.
Quält euch doch nicht durch solche Sucht,
Und schonet eures armen Lebens.
Jagt alle Sorgen in die Flucht,
Denn sie sind wahrlich ganz vergebens.
Ihr freßt euch selber vor Verdruß;
Das Herz, wie dort mit scharfen Zungen
Die Leber jenes Tityus
Von Plutons Geyern ward verschlungen.
Seht mir nur diesen Kranken an,
Der einem blossen Schatten gleichet;
Und kaum noch Athem holen kann;
Hört, wie er krächzt, wie stark er keuchet.
Was ists, das ihn so mürbe macht,
Und die Gestalt ganz umgekehret?
Die Eyfersucht hat Tag und Nacht
Ihm Mark und Kraft und Blut verzehret.
Und warum nährt er seine Wuth,
Und kürzet sich sein junges Leben?
Denn seiner Phyllis redlich Blut
Kann wohl hierzu nicht Anlaß geben.
Was bläst ihm denn den Eifer ein?
Nur dies; sie weis in allen Fällen
Und gegen jeden insgemein
Sich höflich und beliebt zu stellen.
[85]
Hier stehet ein verliebter Tropf
In tausendfachen Furcht und Sorgen,
Er setzt sich Grillen in den Kopf,
Und sinnt vom Abend biß zum Morgen.
Doch weil er Hüter ausgestellt,
Der Schönen Zimmer zu bewachen,
So kann kein Mars der ihr gefällt,
Ihn, wie dort den Vulcan verlachen.
Schaut, wie ein andrer lauscht und spürt,
So oft er, doch mit schwerem Herzen,
Sein Weib in fremde Reyhen führt;
Wagt euch ja nicht mit ihr zu scherzen.
Er sucht sie sonst mit strenger Hand
In einen Keficht einzuschliessen,
Dies bringt ihn schon in Zorn und Brand,
Wenn man will seine Phyllis grüssen.
Der Drache weicht nicht von dem Vließ,
Hier muß ein dreister Jason fliehen;
In Zukunft wird er ganz gewiß
Gar eine Decke vor sie ziehen.
Betrübte Phyllis! die allhier
Das Schicksal gar zu hart will betten!
Die Welt erblickt fürwahr in dir
Andromeden in Band und Ketten.
Setzt nur bey selbst gehäufter Quaal
In euren Kopf euch Falkenaugen,
Borgt von den Luchsen Blick und Strahl,
Die Aufsicht wird hier wenig taugen.
Wohnt einer Frau nicht Tugend bey
So wird sie doch nach andern blicken,
Und bey versprochner Lieb und Treu
Dem Fremden Händ und Lippen drücken.
[86]
Kann es dem Argus, der zugleich
Doch hundert Augen hegte, fehlen,
Indem er durch Mercurens Streich,
Sich die vertraute Kuh ließ stehlen;
Elende Wächter! ach wie bald
Wird euch nicht die Geliebte blenden;
Reißt ihr die Wollust mit Gewalt
Der Tugend Vorschrift aus den Händen.
Ihr eyfert, wo ihr geht und steht,
Und habt euch doch nichts zu befahren.
Seht, wie euch Zorn und Argwohn bleht,
Könnt ihr nicht alles hüten sparen?
Was habt ihr denn zuletzt davon?
Dies, daß ihr Oel ins Feuer giesset,
Und eure Frau dem Warnungsthon
Vor Ekel Herz und Ohr verschliesset.
Gesetzt, ihr bildet es euch ein,
Und findet auch bisweilen Spuren,
Als dräng zu eurer Schmach und Pein
Ein andrer mit in eure Fluren;
Schweigt, werdet ihr bey solchem Spiel
Euch selber denn verachten wollen?
Wer eyfert, schreibt mit eignem Kiel
Sich mit in des Actäons Rollen.
19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[87] 19. Ode

Der Geizhals.


Wie habt ihr noch nicht gnug und satt;
Ihr, die ihr euch pflegt zu bemühen
Das Geld, das unser Erdkreis hat,
In eure Klauen hinzuziehen?
Ihr sucht es auch in Schlamm und Sumpf;
Sind eure Klauen noch nicht stumpf,
Von Scharren und Zusammenkratzen?
Kömmt euch, da ihr so manche Nacht
Schon habt mit Zählen zugebracht,
Der Krampf nicht in die krummen Tatzen?
Ihr werdet ja den Krüppeln gleich,
Und dies durch heben, schleppen, tragen.
Ists möglich, daß ihr dennoch euch
Stets über Mangel könnt beklagen?
Seyd ihr von Geiz bethört und toll?
Man sieht ja alle Kasten voll,
Hier ist nichts mehr hinein zu pressen;
Ein jedes Fach ist voll gepfropft;
Der weite Beutel ausgestopft;
Kein leerer Winkel wird vergessen.
O Thorheit! daß der Mensch so sehr
Sich in dies güldne Kalb vergaffet,
Und stündlich immer mehr und mehr
Von Geld und Guth zusammen raffet;
Er denkt und hoffet stets darauf;
Als würd er vieler Jahre Lauf
Wie dort Methusalem erreichen;
Drum will er auch das schnöde Geld
Das er für seinen Götzen hält,
In grossem Maaß zusammen streichen.
[88]
Seht, wie der Geizhals Harpax sitzt,
In seinen güldnen Pallisaden,
Und wie er bey dem Zählen schwitzt;
Wie stark ist jede Hand beladen!
Die Finger sehen kohlschwarz aus;
Wie manche Post kommt da heraus?
Wie sind die Zettel numeriret?
Hat Crösus etwan sich allhier
In diesem kostbaren Revier
Sein reiches Schatzhaus aufgeführet?
Und dennoch reicht es noch nicht zu,
Den andern Nabal zu begnügen.
Sein Herz läßt ihm auch da nicht Ruh,
Wenn man sieht andre schlafend liegen.
Er sinnet darauf Nacht und Tag,
Wie er den Klumpen thürmen mag;
Und seufzt nach einem gülden Regen;
Er wünscht sich, wenn man aus dem Fluß
Den kühlen Trank ihm bringen muß,
Des Tagus gelben Sand zum Seegen.
Meynt ihr etwan, ihr sähet ihn
Deswegen so viel Geld erbeuten,
Und was er kann, nur an sich ziehn,
Die leckre Tafel zu bereiten?
Sprecht ihr, er soll sich gütlich thun,
Auf sanften Federn schnarchend ruhn,
In Syndon und Asbest sich kleiden,
Bey süssem Muscatellermost,
Und auserlesner guter Kost
Sich laben und in Wohllust weiden?
[89]
Ach weit gefehlt! ihr irret sehr,
Dies thät er freylich, wenn der Thore
Auch Herr von seinem Gelde wär.
Ihr predigt einem tauben Ohre.
So oft die höchste Noth ihn zwingt,
Und ihn um einen Heller bringt,
Kann er nichts aus dem Kasten holen;
Warum? das Geld ist ihm zu lieb,
Drum hat er sich auch selbst als Dieb
Den Schlüssel heimlich weggestohlen.
Ist dies der reich beschriene Mann!
Der uns das Geld in Tonnen zählet?
O! seht doch seine Kleidung an,
Mich dünket, daß sehr viel dran fehlet.
Sein heisser Wunsch, sein ganzer Sinn
Geht einig und allein dahin,
Dort dem Ebräervolk zu gleichen,
Das Kleid und Schuh stets ganz befand,
So lange Jahr es durch den Sand
Und dürre Wüsten muste streichen.
Seht ihr was auf dem Tische stehn,
Wenn andre sich die Tafel decken?
Kommt: laßt uns mit zu Gaste gehn,
Den kargen Filz nur zu erschrecken.
Wie leer und finster sieht es aus?
Hier kommt kein Schmeer noch Schmalz ins Haus,
Denn auch ein Erdschwamm, Lauch und Eichel
Ist ihm zu theuer in dem Kauf;
Was träget denn der Knicker auf?
Gar nichts; er lebt von seinem Speichel.
[90]
Und recht; er kann ja nicht davor,
Daß ihn die Noth nun heisset fasten;
Die Geldsucht blies ihm stets ins Ohr,
Die ließ ihn weder ruhn noch rasten.
Und endlich ward ihm das gewehrt,
Was Midas ehemals begehrt;
Nun steht er auch in seinem Orden.
Denn Bette, Kisten, Tisch und Bank,
Doch leider! auch gar Speis und Trank
Sind ihm zu lauter Gold geworden.
Was hilft nunmehr dem reichen Thier
Sein Schatz, den er gleich einem Drachen
Mit Furcht und brennender Begier
Zu seiner Quaal sucht zu bewachen?
So viel, daß ihn die Welt verlacht,
Und feisten Ebern ähnlich macht,
Von denen sich kein Mensch im Leben
Genuß und Vortheil leicht verspricht;
Doch die, wenn man die Gurgel bricht,
Ihr Fett uns zum Gebrauche geben.
Ihr Erben! lacht, und freuet euch,
Denn Harpax wird nicht lange laufen,
Der Hunger macht ihn fahl und bleich
Laßt Boy und Flor nur immer kaufen;
Ihr lächelt schon, und thut auch recht.
Dergleichen karger Mammonsknecht
Will nach dem Tod Verschwender haben.
Laßt die Gefangnen los und frey,
Die Würmer schmausen auch darbey
Wofern sie von der Haut was schaben.
20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[91] 20. Ode

Unbillige Verfolgung hat öfters eine gute Wirkung.


So bald sich nur der Himmel thürmt;
Der Wind aus Ost und Westen stürmt,
So fühlt die bange Brust ein ganz geheimes Schrecken.
Der sonst so aufgeklärte Sinn
Entfällt, und weis selbst nicht wohin,
Und sucht sich in der Zeit mit Sicherheit zu decken.
Er hört wie stark der Donner knallt
Und durch die finstern Wolken schallt,
Wie heftig Blitz und Strahl in tiefsten Abgrund schiessen.
Daß jede Creatur vermeynt,
Daß heut ihr letzter Tag erscheint,
An dem sie soll die Schuld begangner Fehler büssen.
Das Erdreich zittert, und dem Land
Bleibt noch sein Schicksal unbekannt;
Biß daß sie nach der Fluth, die Fruchtbarkeit empfinden.
Denn bey stets heiterm Sonnenschein
Kann keine reiche Erndte seyn;
Drum muß der Regen auch sich oft mit ihm verbinden.
Ist endlich nun der Sturm vorbey,
Wird alles lustig, munter, frey,
Und jedermann vergnügt, als wär er neu gebohren.
Da lebt das Herz, da lacht der Mund,
Da thun die frohen Blicke kund,
Daß man die Lust erst schmeckt wenn sich der Schmerz verlohren.
[92]
Ein Uebel baut oft unser Wohl,
Nur der, der sich drein schicken soll,
Kann diesen Grund so leicht, so sicher nicht ergründen.
Der Ausgang zeigt dem Klügsten an,
Daß da sein Glück nicht steigen kann,
Wo nicht die Eris auch kann ihren Antheil finden.
Der Haß, die Schmähsucht, und der Neid
Erschrecken uns zu mancher Zeit;
So wie des Donners Knall, die Flamme schneller Blitze.
Wenn uns ein Grosser wiederspricht,
So ändert man auch das Gesicht
Man scheut, und fürchtet ihn bey allem seinen Witze.
Wenn man die Rachsucht drohen hört,
Die uns in unsrer Wohlfahrt stört,
So kann man sich nicht leicht bey der Verfolgung fassen.
Wenn sich ein kleiner Mann vergeht,
So weis man daß er nicht versteht,
Warum er diesen liebt und jenen sucht zu hassen.
Der kleine Name macht sich groß;
Und sitzet er dem Glück im Schooß,
Mit seiner Lästerkunst der Weisheit trotz zu bieten:
Vergönnt sein Vorurtheil ihm nicht,
Daß er was gutes von uns spricht,
Er kann nichts anders thun, er muß beständig wüten.
Der Neid bemüht sich auch zugleich,
Und ist stets an Erfindung reich
Da gilt kein wehren nicht, kein heftig wiederstreben,
Da wagt sich oft der schlechtste Mann,
Der kaum recht decliniren kann;
Er will aus Amt und Pflicht sein Wörtchen auch drein geben.
[93]
Was soll nun da ein Weiser thun?
Er muß nur in sich selbst beruhn,
Und muß der Thorheit Wahn, die Lästerung belachen.
Er geht fort auf der Klugen Pfad;
Zuletzt, so zeiget doch die That;
Die Neider können nur ein blindes Lermen machen.
Es würde mancher nicht bekannt,
Den reine Tugend und Verstand,
Verdienst und Redlichkeit im höchsten Grade schmücken.
Wenn nicht des Spötters heisse Wuth
Ihn oftmahls kränkte bis aufs Blut,
Und suchte öffentlich die Fehler vorzurücken.
Und also trifft es richtig ein:
Das Uebel muß die Quelle seyn
Daraus oft unser Wohl, und unsre Ruh entstehet.
Ein grosser Geist belacht den Grimm,
Und weis daß bey dem Ungestüm
Sein Name, Ruf und Ruhm, so leicht nicht untergehet.
Die Bosheit kriegt zuletzt zum Lohn
Verachtung, Schmach, des Pöbels Hohn,
Indem sie sich bemüht, den klügsten Mann zu fällen.
Dem Hof und auch dem ganzen Land
Wird dann so mancher Streich bekannt
Der sich nicht weiter läßt durch Gleißnerey verstellen.
Was macht alsdann ein solcher Tropf?
Er hengt das Maul, er stützt den Kopf,
Und muß sich ingeheim vor seiner Thorheit schämen.
Ihm wiederspricht die kluge Welt
Die nichts auf seinen Vortrag hält.
Zuletzt muß er sich doch zum Schweigen noch bequemen.
21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[94] 21. Ode

Auf die geplagte Berille.


Die Misgunst läßt je hier und dar
Und überall die Klauen blicken,
Man ist vor ihr stets in Gefahr,
Denn sie sucht jeden zu bestricken.
So gar ein Kind sagt uns von ihr,
Und kann uns ihre Spuren zeigen.
Sie geht uns nach, und solten wir
Auch auf die höchsten Berge steigen.
Ja was? auch in der Thiere Reich
Hat man dies Unthier längst entdecket,
Das nach geschehnem Wurfe gleich
Die Jungen mit dem Gift beflecket.
Begiebt sichs daß ein Hund ein Bein
Von ohngefähr im Lauf ertappet:
So wird so gleich ein andrer seyn,
Der nach demselben neidisch schnappet.
Pflegt sich nun dieses Natternkind
Auch zu den Thieren zu gesellen,
Ob sie gleich unvernünftig sind,
Und gar kein Urtheil können fällen;
Wie muß es vollends sich bemühn,
Geschöpfe, die wir weise nennen,
In sein verstricktes Garn zu ziehn,
Daß sie auch andre fangen können?
[95]
Ja wohl; sie herscht nur gar zu sehr,
Besonders bey verliebten Seelen,
Die sich unstreitig noch weit mehr
Mit Haß und Neid, als andre quälen.
Fragt nur Berillen, die weis euch
Ein langes Lied davon zu singen;
Wie manchen schlauen Fang und Streich
Man ihr bemüht ist bey zu bringen.
Kaum, daß sie mit dem Seladon
Hier in Bekantschaft ist gerathen,
So riechen andre Nymphen schon
Von Eifersucht gereizt, den Braten.
Sie dichten wahrlich Tag und Nacht,
Wie sie dies Freundschaftsband zertrennen.
Was haben sie nicht ausgedacht,
Das sie ihr doch nicht zeigen können?
Die eine, schaut die List nur an,
Sucht ihn bey ihr so anzuschwärzen,
Als meynt es dieser Spaßgalan
Mit keiner einigen von Herzen.
Die andre zischt ihr in das Ohr:
Sie soll sich nur zu tode härmen,
Man säh ihn mit der Bienenchor
Von einem Baum zum andern schwärmen.
Die dritte warnet sie vor ihn,
Und sucht durch frevelhaftes Lügen
Den Seladon von ihr zu ziehn,
Um alle beyde zu betrügen.
Ihr falscher Vorwand legt ihm bey,
Als ob er, wenn er gleich nichts küßte,
Ein Wäscher und ein Prahler sey,
Der sich gar viel zu rühmen wüßte.
[96]
Berille, glaube keiner nicht,
Sie wollen dich nur hintergehen.
Ihr scheel und falsches Angesicht
Giebt dir es deutlich zu verstehen.
Man suchet dir durch Rank und List
Dies Leckerbißchen wegzufischen,
Und dich, so redlich er auch ist
Zu Zorn und Rachgier anzufrischen.
Weist du, warum sie Tag und Nacht
Mit ihrem Schmähen auf dich stürmen,
Und Lügen, so die Mißgunst macht,
So häufig auf einander thürmen?
Es will ein jegliches darvon
Sich bey der Schnabelweide laben,
Und heimlich deinen Seladon
Im Umgang ganz alleine haben.
22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

22. Ode

Da heut das Glück ein Fest der Edlen ** gönnt,

So schickt Ihr dieses Blat die sich von Ziegler nennt.

Ich habe längst mein Seitenspiel
Mit Vorbedacht von mir geschmissen,
Und, weil es mir nicht mehr gefiel,
Von ihm nichts weiter wollen wissen.
Denn eine schwache Frauenhand
Fühlt nicht das Feur, den heissen Brand,
Der sich in Männeradern reget.
Wir spielen, doch der Thon klingt matt,
Dieweil er nichts von Anmuth hat,
Und weder Geist noch Leben heget.
[97]
Allein, die Muse winket mir;
Sie zieht die fast zersprengten Seiten
Aus ihrem Kerker heut herfür,
Und will sie wieder zubereiten;
Sie hilft und stimmt selbst mit daran,
Und flammt mich ganz gewaltig an
Dies mal so Mund als Hand zu zwingen.
Wie? spricht sie, solltst du bey dem Fest,
Das dich das Glück erblicken läßt,
Die holde Freundinn nicht besingen?
Auf! und versäume nicht die Zeit,
Den so vergnügten Tag zu feyren,
An dem die – – höchst erfreut
Will ihrer Jahre Lauf verneuren.
Sie wird von dir stets hochgeschätzt,
Weil dich ihr Umgang so ergetzt,
Der aller Beyfall hier erreichet;
Bring ihr ein aufgewecktes Lied,
Das unsrer – – ähnlich sieht,
Und ihrem muntern Geiste gleichet.
Doch dieses eben ist es auch,
Was mich bey so gestalten Sachen
Will wider meinen alten Brauch,
Geliebte Freundin! furchtsam machen.
Betracht ich Dich, und deinen Geist,
Den man als unvergleichlich preist,
So scheu ich mich Dich abzuschildern.
Dein Conterfey das aller Welt,
Anmuthigste! so wohl gefällt,
Gleicht überhaupt den Tugendbildern.
[98]
Woher nähm ich so Geist als Glut,
Den deinigen recht auszudrücken?
Denn was in deiner Seele ruht,
Läßt uns viel feuriges erblicken.
Dein Wesen, das sich uns entdeckt,
Ist stets belebt und aufgeweckt,
Doch auch mit Sittsamkeit verbunden.
Und der so aufgeräumte Sinn
Von dem ich selbst ein Zeuge bin,
Versüsset uns so manche Stunden.
Der holden Minen Freundlichkeit,
Weis aller Huld Dir zu gewinnen.
Die zeigt uns auch zu dieser Zeit
Das Kleeblat dreyer Charitinnen.
Was nur die Damen zieren kann,
Trifft man bey Dir, Geehrte, an.
Dein artiges und freyes Wesen,
Das doch nicht aus den Schranken steigt,
Die uns Vernunft und Wohlstand zeigt,
Läßt uns gar nichts gezwungnes lesen.
Der mehr als herrliche Verstand,
Und Deiner Seelen edle Gaben
Sind allen denen wohl bekannt,
Die Dich das Glück zu kennen haben.
Ja, hört man mit gelaßnem Sinn
Dich angenehme Rednerin,
So kann ein Wort die Herzen binden.
Kurz, die Natur, die Dich gebaut,
Ließ alles, was das Auge schaut,
Erstaunend schön und trefflich finden.
[99]
Was wunder? wenn auch Dein Gemahl,
Der Dich in Herz und Arme schliesset,
Wie sonst bey seiner Liebeswahl,
Und itzt die schönste Lust geniesset.
Der Tugend Mund, des Glückes Hand,
Küßt er durch Dich; vergnügtes Band,
Das, wünscht er, niemals mag zerreissen.
Dieweil man das, was ihn ergetzt,
Vor artig, ja vollkommen schätzt,
Und Dich ein Meisterstück muß heissen.
Doch, ich vergehe mich zu weit,
Ich will allhier kein Loblied schreiben.
Ich will nur bey der frohen Zeit
Die Dich und mich vergnüget, bleiben.
Auf! feyre mit erfreuter Brust
Dein Fest in selbst erwünschter Lust,
Geneuß so viel versüßte Stunden,
Als man auf Florens Anmuthsbet,
Das voller schönen Blüthen steht,
Schon Blumen bis anher gefunden.
23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[100] 23. Ode

An einen guten Freund.


Vor kurzem schwur ich bey den Linden,
Und bey des Phöbus grünem Hayn
Man sollte mich nicht mehr da finden,
Ich sprach: Ich mag kein Dichter seyn.
Ich schimpfte die bemühten Sänger,
Warum? Ihr rauhes Waldgeschrey,
Verdient der Musen Gunst nicht länger,
Denn mancher Stümper quäkt zu frey.
Mein Vorsatz den ich mir genommen,
Wird leider nicht hinaus geführt,
Ich bin um Eyd und Schwur gekommen,
So daß mich mein Gewissen rührt.
Doch ist mir dies nicht zuzuschreiben:
Frag dich und deine Muse nur,
Die sucht mich wieder auf zutreiben,
Und führt mich auf die erste Spur.
Gesetzt daß auch mein heisres Singen,
So schön nicht in die Ohren fällt,
Als man hört deine Laute klingen,
So schadt es nichts, du bist ein Held.
Denn, grosser Dichter unsrer Zeiten,
Dein aufgeweckter muntrer Geist,
Ist sonder alles Widerstreiten,
Etwas das man mit Rechte preist.
[101]
Dies nicht allein, dein höflich Wesen
Verpflichtet mich und andre mehr,
Die deine netten Briefe lesen;
Wer ist der nicht dein Schuldner wär?
Erkentlichkeit ist viel zu wenig,
Und weil nichts auszusinnen ist,
So fordre selbst, du Musenkönig;
Dies ists womit mein Kiel beschliest.
24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

24. Ode

Fragt mich nur nicht, ihr Pierinnen!
Was hier mein Kopf für Grillen heckt?
Warum ihr mich so tief seht sinnen,
Und was mir im Gehirne steckt?
Ich selber bin mit mir nicht einig,
Die Ungeduld, so mich bestrickt,
Macht, daß man mich so früh und schleunig,
Voll Unmuth und verstöhrt erblickt.
Ich schäme mich vor eurem Orden,
Und weis gewiß, daß ihr nun sprecht,
Ich sey zur Lügnerin geworden;
Ihr habt dazu vielleicht auch Recht.
Nun denk ich allererst zurücke,
Wie wohl zu spät, was ich gethan;
Allein, wer ist, der dem Geschicke
Beständig wiederstreben kann?
[102]
Ein Wort, ein Mann, pflegt man zu sagen,
Dies zielt auf blosse Männer nicht.
Wie? ist es in den Wind zu schlagen,
Wenn Frauenzimmer was verspricht?
Nein; Glaub und Treu schmückt ihre Schöne,
Als andre, Zierde, Putz und Pracht,
Dies wissen wir so gut als jene,
Und doch hab ich nicht dran gedacht.
Mein banges Herze will sich lüften,
Der Stein muß weg, der solches drückt.
Wie? habt ihr nicht in meinen Schriften
Zugleich ein Abschiedslied erblickt?
Ja, ja, der Korb ward euch gegeben,
Was spricht man denn? gesteht es mir,
Und sieht man mich dawider leben,
Rückt man mir nicht den Fehler für?
Ja wohl; man wird unfehlbar sprechen:
Da sieht man, was der Wankelmuth,
Der oft pflegt Wort und Schwur zu brechen,
Am weiblichen Geschlechte thut.
Gemach! laßt euch nur nicht verhetzen,
Ich weis es freylich allzu wohl,
Daß ich, mein Wort nicht zu verletzen,
Nicht mehr in Versen schreiben soll.
Der Scheidebrief ist unvergessen,
Den ich der Welt im Drucke wies,
Als ich den Platz, den ich besessen,
An andre Schüler überließ.
Ich weis mich wohl noch zu besinnen,
Was damals mich dazu bewog,
Als ich, mehr Freyheit zu gewinnen,
Von euch, geliebte Musen, zog.
[103]
Jedoch! sucht euch nur nicht zu rächen,
Daß ihr mich mit dem Vorwurf quält,
Der bey vergeblichem Versprechen
Mich zu den Flattergeistern zehlt.
Ihr würdet mich zu sehr beschämen,
Drum hört nur an, was hier mein Kiel
Dergleichen Argwohn zu benehmen,
Euch im Vertrauen sagen will.
Die Nachtigal, so sich den Netzen
Einmal beglückt entreissen kann,
Beißt, ihre Freyheit nachzusetzen,
Zum andern mal nicht wieder an.
Mir aber wollt es nicht gelingen;
Ich riß mich zwar von eurem Hayn;
Und dennoch schloß durch sanftes Singen
Ein ander Chor mich wieder ein.
Die Deutschen Musen unsrer Linden,
Die bloß, ihr müßt es selbst gestehn,
Deswegen ihre Reyhen binden,
Damit sie diese Sprach erhöhn.
Die, wie mit Eifer ist geschehen,
Bey rühmenswürdiger Geduld
Germanien ins Herze sehen,
Die sind daran, sonst Niemand schuld.
Sie winkten mir auch sonder bitten,
Und riefen mich zu ihrer Schaar,
Zu der mein Fuß so gleich geschritten,
So schüchtern er auch immer war.
Du sollst zuerst die Bahne brechen,
Gedacht ich dazumal bey mir,
Was wird hierzu wohl Momus sprechen?
Ich weis gewiß, er drohet dir.
[104]
Allein ich ließ ihn immer dräuen,
Warum? es war einmal geschehn;
Man kann in der Gelehrten Reyhen
Zwar hier nicht Frauenzimmer sehn;
Und doch trifft man in fremden Ländern
Dergleichen Mitgespielen an,
Drum wollt ich den Entschluß nicht ändern,
Und gieng mit dreistem Muth daran.
Zürnt, liebste Musen, nicht darüber;
Geht eure Mariane gleich
Zu diesen Deutschen Musen über,
Sitzt sie doch mitten unter euch.
Sie sind ja eure rechten Brüder,
Sie dichten ja durch eure Gunst
So schön und angenehme Lieder,
Und danken euch bloß ihre Kunst.
Dies wird vor mich und euren Orden
Ein mehr als grosser Vortheil seyn,
Daß ich ihr Mitglied bin geworden;
Gebt also nur eur Jawort drein.
Ihr kluges Tadeln und Verbessern,
Der wohlgestimmt und reine Thon
Wird meiner Seiten Klang vergrössern,
Mir ist, als spührt ich solches schon.
Fahrt fort, ihr Deutschen Musensöhne,
Mir ferner an die Hand zu gehn.
Vertreibt mein rauhes Waldgethöne,
Lehrt mich die Wirbel richtig drehn.
Vergeßt den Held nicht zu besingen,
Der Reich und Chur so klug beschützt,
Und, wenn wir ihm ein Opfer bringen,
Zugleich auch unsre Musen stützt.
[105]
Weckt unter seines Scepters Schimmer
Die Deutsche Sprache wieder auf.
Sie liegt und schläft noch leider immer,
Bringt wieder Zung und Kiel in Lauf.
Sucht Quell und Ursprung zu ergründen,
Bespiegelt euch an Frankreichs Witz;
So nennt die Welt den Hayn der Linden
Mit Recht der Deutschen Musen Sitz.
25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

25. Ode

Ueber die von den Türken aus der Stadt Nicosia geraubete, und mit dem Schiff sich großmüthig in die Lufft sprengende Heldin und schöne Arnalda di Recas.


Was für ein schnelles Todesschrecken
Will Schlag und Schall von ohngefehr
In unsern Mauren itzt erwecken?
Wo rührt denn die Verwirrung her?
Was heißt es, daß man ganze Haufen
Von Volk durch alle Strassen sieht
Gleich dem gescheuchten Wilde laufen,
Und groß und klein mit Zittern flieht?
Wie? ist etwan ein Feind vorhanden,
Der unsre Ruh und Freyheit kränkt,
Und bey dem Raub in Strick und Banden
Uns allerseits zu schlagen denkt?
Schallt nicht die Post schon in die Ohren:
Flieht Bürger, warnet wen ihr kennt,
Der Feind ist wirklich vor den Thoren
Und hat Nicosien berennt.
[106]
Weh uns! ich sehe schon von weiten
Die aufgespannten Seegel wehn;
Die sich mit aller Macht bereiten
Auf uns gerüstet los zu gehn.
Ists nicht ein Schwarm von den Barbaren?
Er ist es, leider! wie wir sehn,
Wie wird die Brut mit uns verfahren?
Ach Schmerz! es ist um uns geschehn!
Gefährten! auf! ergreift die Waffen!
Kommt, macht durch tapfre Gegenwehr
Der Muselmänner Schwarm zuschaffen,
Und wenn er noch weit stärker wär!
Wir fechten mit. Zerbrecht die Ketten,
Erwürgt die wilde Kriegerschaar,
Helft unsre Ehr und Freyheit retten,
Denn beyde stehen in Gefahr.
Wo nicht, so laßt uns eilends fliehen,
Damit uns die Tyrannen nicht
In die verfluchten Klauen ziehen,
Die sie bereits auf uns gericht.
Fort, Nympfen! suchet Kluft und Hölen,
Verberget euch mit mir darein.
Die müssen wir zur Freystadt wehlen,
Wofern wir wollen sicher seyn.
Allein, umsonst! der Räuber Menge
Hemmt der erstarten Füsse Lauf.
Wir kommen schon in das Gedränge.
Wer hält die Furien wohl auf?
Hier sind sie. Seht die Feuerballen,
Die leider mehr als zugeschwind
Auf uns gleich einem Hagel fallen,
Und unser aller Mörder sind.
[107]
O mehr als grausames Geschicke?
Ists möglich, daß mir deine Macht
Der Saracenen Band und Stricke
In meiner Unschuld zugedacht?
Erlaubt ihrs denn, erzürnte Sterne!
Daß ich mich schwach und jammersvoll
Von meiner Vater Stadt entferne,
Und ihr den Rücken zeigen soll?
Wollt ihr, daß ich den Trieb zur Tugend
Des wilden Sultans geilem Kuß
Schon in dem schönsten Flor der Jugend
Mit Widerwillen opfern muß?
Ja, ja, der Schluß ist so gefallen,
Ihr wollt es, Störer meiner Ruh!
Doch hört auch mich: Bey diesem allen
Spricht doch Arnalda, Nein, darzu.
Nein! Selim soll mich nicht erblicken;
Denn Recas großmuthsvoller Sinn
Wird ihm das Ziel gewiß verrücken,
Wenn ich auch schon die seine bin.
Nein Barbar! die vermeynte Beute
Fällt dir doch nicht in Arm und Schooß:
Denn die Gebundne reißt noch heute
Sich von den Fesseln selber los.
Ihr frechen Räuber eilt geschwinde:
Spannt schleunig eure Seegel auf;
Vollbringt die Farth bey gutem Winde,
Ihr Sclaven! rudert tapfer drauf.
Ihr sollt doch nicht Byzantz erreichen,
Das euch die Hoffnung schon entdeckt:
Ihr Thoren habt die Siegeszeichen
Umsonst vor diesmal aufgesteckt.
[108]
Verbannt, Gespielin, Angst und Zagen,
Entreißt euch aller Traurigkeit
Ich muß, ich soll, und will was wagen,
Das mich und euch von Schmach befreyt.
Mein Herze flieht die schnöden Flammen,
Der Himmel stimmt selbst überein;
Was Recht, Gesetz, Natur verdammen,
Muß Menschen auch ein Abscheu seyn.
Soll dies nicht Herz und Seel erschrecken,
Wenn man, verfluchenswerther Kuß!
Sich durch der Wilden Brunst beflecken,
Und ihre Flammen löschen muß!
O Greuel! der nicht auszusprechen;
Flieht Schwestern, die verhaßte Glut,
Säumt nicht, euch und auch mich zu rächen;
Ich opfre selbst vor euch mein Blut.
Ergreif Arnalda, Schwerdt und Feuer
Auf, zünde, so geschwind man kann,
Zu Trotze diesem Ungeheuer
Dein fliegendes Gefängniß an.
Spreng Schiff und Mast in tausend Stücken,
Daß Tief und Höhe bebt und kracht,
Laß mir den letzten Streich noch glücken!
Welt, und Gefährten gute Nacht!
26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[109] 26. Ode

Durch Schweigen und durch Hoffen
Vermindert sich die Noth.
Wenn dich ein Kreuz betroffen,
So wünsch dir nicht den Tod.
Durch Ungeduld und Zagen
Verdoppelt sich die Pein.
Was hilft dir alles Klagen;
Dein mehr als ängstlich Klagen
Kann nicht dein Retter seyn.
Der so die Welt erschaffen,
Nimmt dich in seinen Schutz.
Er wacht wenn du wilst schlafen,
Beut allen Feinden trutz.
Wenn der sich will erbarmen,
So leide was du kannst,
Weil du in seinen Armen,
In deines Vaters Armen
Das wahre Heyl erlangst.
Er hat vor längst gesehen
Was gut und nützlich ist.
Gesetzt er läßt geschehen
Daß du voll Jammer bist;
Voll Elend und voll Leiden,
Und aller Leute Spott,
Das soll dich doch nicht scheiden,
Nicht im geringsten scheiden
Von deinem treuen Gott.
[110]
Das Leiden dieser Erden
Gleicht jener Freude nicht,
Wenn wir verkläret werden
Vor Gottes Angesicht.
Dann wirst Du erst erfahren
Wie Gott die seinen liebt;
Du kannst die Thränen sparen,
Die Kummerthränen sparen
Wenn er Dich hier betrübt.
27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

27. Ode

Du Schattenreiche Fichte,
Vergönne mir die Lust!
Ich setze mich und dichte
Von dem was dir bewust.
Du kennst längst meine Klagen,
Du kennst mein bittres Ach.
Denn leiden und nichts sagen,
Gar nicht ein Wörtchen sagen,
Dazu bin ich zu schwach.
Von schönen Augen brennen
Das ist mir wohl erlaubt;
Allein ich darf nicht nennen
Was mir die Freyheit raubt.
So mehret sich mein Leiden,
Mich tödtet jeder Blick:
Denn lieben und auch meiden,
Das Liebste gänzlich meiden
Bringt nicht das Herz zurück.
[111]
Mein Liebstes, mein Vergnügen,
Mein alles auf der Welt:
Dein Knecht ist so verschwiegen
Von dem was ihm gefällt;
Und will die Gluth verschweigen,
Die kein Erbarmen kühlt;
Ich werde dir nur zeigen,
In allen Minen zeigen,
Was meine Seele fühlt.
Wie lange soll ich hoffen?
Wenn ändert sich dein Sinn,
Daß ich das Ziel getroffen,
Und ganz der deine bin?
Die Freyheit, und mein Leben,
Mein Herz, mein ganzer Muth
Bleibt einzig dir ergeben,
Aufs zärtlichste ergeben,
Wie jeder Tropfen Blut.
28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

28. Ode

Antwort auf die vorhergehende Ode.


Ach dichte keine Klagen,
Denk nur auf Scherz und Lust.
Du darfst nichts weiter sagen,
Dein Schmerz ist mir bewust.
Und kannst du ja nicht schweigen,
So sprich von deiner Pein,
Ich werde dir auch zeigen,
Wie zärtlich werd ich zeigen,
Daß du sollst glücklich seyn.
[112]
Ja Chloris wird dich lieben,
Die deinen Brand erregt.
Von deinen reinen Trieben
Wird Herz und Geist bewegt.
Verbanne Schmerz und Leiden,
Ich merk auf deinen Blick,
Und kann dich schwerlich meiden,
Ich kann dich gar nicht meiden,
Ich küsse mein Geschick.
Dein Liebstes, dein Vergnügen
Lebt nur allein vor dich,
Mein Auge kann nicht trügen
Du bleibst mein ander ich.
Laß nur dein Herze brennen,
Die Glut ergreift mich schon,
Denn hör ich dich nur nennen,
Nur deinen Namen nennen,
Rührt mich der sanfte Thon.
Dein Wunsch ist eingetroffen,
Daß dich mein Herze liebt.
So kannst du alles hoffen
Was dir Vergnügen giebt.
Denn was du mir willst geben,
Bekommst du schon von mir.
Ich habe nur ein Leben,
Ach nur ein einzig Leben;
Und das gehöret dir.
29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[113] 29. Ode

Ihr so schön und grünen Auen,
Meiner Augen Lustrevier,
Euch will ich mich anvertrauen,
Brecht ihr Seufzer, brecht herfür.
Ein geheim und still Verlangen,
Ein nur mir bewuster Schmerz
Hält die Brust schon längst gefangen:
Thyrsis lebt, doch ohne Herz.
Ist es möglich, daß ich lebe?
Was nährt die gequälte Brust,
Daß ich nicht den Geist aufgebe?
Ach! wo bleibt die erste Lust?
Saget mir, verflogne Stunden,
Wo ist mein Vergnügen hin?
Itzo fühl ich erst die Wunden,
Da ich nicht mehr meine bin.
Ruh und Freyheit ist verlohren,
Alles, alles ist dahin!
Wozu bin ich auserkoren,
Ach und Pein ist mein Gewinn.
Echo, hör auf mein Klagen,
Denn dein holder Wiederschall
Soll es in der Gegend sagen,
Chloris Tod war Thyrsis Fall!
[114]
Fraget nicht, was ich beweine,
Was mich in die Gegend ruft.
Ach! die lieblichen Gebeine
Ruhen hier in dieser Gruft.
Meiner Chloris Angedenken
Spricht mir Geist und Leben ab.
O! erbarmt dich nicht mein Kränken?
Nimm mich doch nur mit ins Grab.
Sammlet euch ihr matten Glieder,
Du mein abgehärmter Leib,
Du umarmst die Chloris wieder,
Das so tugendreiche Weib.
Ihre kalt erstarrten Hände
Und der Klugheitsvolle Mund
Trösten mich bis an mein Ende.
Nur der Tod trennt unsern Bund.
Wohl, ich warte mit Verlangen,
Bis der Tod das Herze bricht.
Meiner Schönen kalte Wangen
Küß ich, weil mir wohl geschicht.
Oeffne dich, du Grabeshöle,
Ach! wie sanfte ruh ich hier,
Neben meiner andern Seele,
Welt, ich tausche nicht mit dir.
30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[115] 30. Ode

Zürne nicht, wenn ich dir sage,
Daß ich dich nicht lieben kann.
Wenn ich Aug und Herze frage,
Giebt es mir die Ursach an:
Amor herrscht gleich den Tyrannen;
Räumt man ihm nur etwas ein,
Sucht er alles zu verbannen,
Was ihm nicht will dienstbar seyn.
Ruh und Freyheit gieng verlohren,
Der Verlust fiel mir zu schwer;
Dazu bin nicht gebohren,
Nein, mein Ohr giebt kein Gehör.
Kühl die Gluth an andern Blicken,
Was nutzt eine kalte Brust?
Sich an Schnee und Eis erquicken
Bringt dem Herzen schlechte Lust.
Du bist edel von Gemüthe,
Du bist angenehm und schön,
Du bist in der schönsten Blüte,
Jede mag dich gerne sehn.
Dein Verstand, dein ganzes Wesen
Liebt ein Herz das lieben kann;
Ja dein Werth bleibt auserlesen,
Nur ich nehm nicht Theil daran.
[116]
Ja ich will mich selbst verdammen,
Mein Herz ist zu felsenfest,
Da im Ursprung deiner Flammen
Es dich gar verschmachten läßt.
Darum muß ich mit dir leiden,
Daß ich dich nicht trösten kann;
Dich und deinen Umgang meiden
Seh ich selbst für strafbar an.
Hoffe nur und sey zufrieden,
Zeit und Stunden ändern sich.
Was der Himmel dir beschieden,
Das erhält er auch vor dich.
Er kann Geist und Herze lenken;
Sieht er meine Unschuld an,
Wird er auch an dich gedenken,
Daß ich dich noch lieben kann.
Dennoch will ich mich vergnügen,
Wenn mein Schicksal widerspricht.
Sollte ja die Hoffnung trügen,
Trügt doch deine Liebe nicht.
Ich kann dich doch niemals hassen;
Denn der erste Blick und Tag
Ließ mich was ins Herze fassen,
Das ich nicht gestehen mag.
31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[117] 31. Ode

Unverändert in dem Leben,
Unverändert in dem Tod!
Was mir Zeit und Glück wird geben,
Es sey Freude, es sey Noth;
Alles ist mir einerley.
Ich bin immer froh und frey.
Unverändert in den Worten,
Unverändert in der That;
Gegen den an allen Orten,
Welcher meine Freundschaft hat.
Denn ich liebe nicht den Schein,
Falsch und hinterlistig seyn.
Unverändert in der Liebe,
Unverändert bleibt die Lust;
Denn der Ursprung reiner Triebe
Herrschet über Geist und Brust.
Ich verschenke nicht zum Scherz
Meine Freyheit und mein Herz.
Unverändert in dem Leiden,
Unverändert, ist der Schluß;
Wenn man mich will schmähen, neiden,
Weis ich doch nichts von Verdruß.
Denn nichts störet meine Ruh,
Und ich lache noch darzu.
Unverändert in dem Glücke,
Unverändert bleibt mein Sinn;
Bey dem widrigsten Geschicke
Bleib ich immer wie ich bin.
Da verdoppelt sich mein Geist,
Wann er sich dem Schmerz entreißt.
[118]
Unverändert in den Sitten,
Unverändert in dem Muth;
Sollt ich um Vergebung bitten,
Wär die Handlung noch so gut?
Wenn ich mir nichts zeigen kann,
Hör ich keinen Tadler an.
Unverändert in Gedanken,
Unverändert muß man seyn;
Denn die Großmuth läßt nicht wanken;
Sie räumt keine Grillen ein.
Ihre Wirkung ist zu schön,
Sie kann sich in nichts vergehn.
Unverändert in dem Hoffen,
Unverändert überhaupt;
Dadurch wird das Ziel getroffen,
Das uns kein Vergnügen raubt.
Nun, ich sage frey heraus:
Dieser Schluß macht alles aus.
32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

32. Ode

Ach mein Schicksal laß mich wissen,
Wenn erscheint der frohe Tag,
Da mein Leiden sich soll schliessen,
Das ich nicht gestehen mag?
Lach ich oftmahls mit dem Munde,
So entfernet sich das Herz;
Denn da lieget in dem Grunde
Der so tief versteckte Schmerz.
[119]
Fragt ein Freund nach meinem Schmerzen,
So verhel ich meine Pein.
Geht ihm meine Noth zu Herzen,
Muß ich doch verschwiegen seyn.
Denn er ändert nicht die Sorgen,
Nimmt er gleich mit Theil daran;
Und es bleibet ihm verborgen,
Wie, und wenn sichs ändern kann.
Will die Hoffnung mich ergetzen,
Die den frohen Tag bestimmt,
Denn ich werde würdig schätzen,
Daß er gar kein Ende nimmt:
So will ich auch da verhelen,
Was der Trost für Wirkung hat;
Ich bin nicht wie feige Seelen:
Mich schreckt nicht ein rauschend Blat.
Vor den kleinsten Sturm erschrecken,
Ist nicht edel und gemein.
Man muß unter Dorn und Hecken
Aufgeräumt und munter seyn.
So kann man den Schmerz besiegen;
So verfährt ein grosser Geist;
Er ist stille und verschwiegen,
Wenn man ihn in Ketten schleußt.
Hört er gleich den Neider lachen,
Wenn er dies Geständniß thut,
So wird er kein Wesen machen,
Weil die Ruh in ihm beruht.
Diese kann man ihm nicht kränken;
Man macht sich nur lächerlich,
Denn man irrt so gleich im Denken.
Jeder sorge nur vor sich.
[120]
Nun so tobe tolles Glücke!
Wenn du mir zuwider bist,
Ehr ich dennoch dein Geschicke,
Das mein Mund voll Ehrfurcht küßt.
Endlich schlägt die frohe Stunde,
Die dich noch bewegen kann.
Weicht der Schmerz den ich empfunde,
Beth ich dich gedoppelt an.
33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

33. Ode

Edle Freyheit, laß dich küssen,
Du mein liebstes auf der Welt,
Dich will ich ins Herze schliessen,
Weil dein Wesen mir gefällt.
O du Nahrung meiner Seelen,
O wie wohl schmeckt deine Kost!
Ich will alle Tropfen zählen,
Von dem zuckersüssen Most.
Deine Gunst, dein reizend Wesen
Unterhält Geist und Verstand,
Ja du bleibest auserlesen,
Nimm mich an zum Unterpfand.
Andre mögen sich verlieben,
Wenn Cupido zielt und trifft,
Mein Entschluß ist längst geschrieben:
Daß dies kein Vergnügen stift.
Wenn Verliebte seufzend klagen,
So bin ich stets aufgeräumt:
Denn ich weis nichts von den Plagen,
Die ein solcher Thore träumt.
[121]
Bloß mein einiges Vergnügen
Ist die Freyheit ganz allein;
Denn ihr schmeicheln kann nicht trügen;
So muß ich erkenntlich seyn.
Sie soll meine Losung bleiben
Bis mich Gruft und Stein bedeckt;
Auf mein Grabmal soll man schreiben,
Daß die Freyheit Lust erweckt.
34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

34. Ode

Lob des weiblichen Regimentes.


Mich dünkt, ihr irret sehr, die ihr vielleicht aus Neid,
Wo nicht aus Unvernunft, bey Widerspruch und Streit
Den Ruhm und Werth, der sonst pflegt Männer zu erhöhen,
Dem weiblichen Geschlecht nicht auch wollt zugestehen.
Warum erhebet ihr doch jenes Volk so sehr?
Ist hier ein Unterschied? was hat denn jenes mehr?
Weis die Natur mit dem, womit sich jene brüsten,
Nicht dieses Volk so wohl, als jenes auszurüsten.
Stellt zwischen selbigem nur einen Wettstreit an,
Und seht so dann, wer siegt. Verblendter Loredan!
Was suchst du der Natur den Fehler beyzumessen?
Sie hat sich nicht verirrt; sie hat sich nicht vergessen.
Doch hat sie Clälien, der edlen Römerin,
Durch kluge Bildungskraft, den unbewegten Sinn,
Und solch ein Herz, das sich vor Männerleiber schicket,
In ihre zarte Brust zum Wunder eingedrücket.
[122]
Verwegne! schmeichelt euch nicht mit dem Wahn zu sehr,
Als wenn das Frauenvolk von schlechterm Zeuge wär.
Der Klugheit Zeichen steht auch mit auf ihrer Stirne,
Ihr Kopf hegt, und vielleicht weit zärtlicher Gehirne.
Bemerkt nur ihre Kraft, Witz, Einsicht Feur und Geist,
Wie richtig die Vernunft im Urtheil fällen schleußt,
Wie lebhaft alles klingt, prüft ihre Macht und Stärke,
Sie zeigen, ists nicht wahr? der Welt oft Wunderwerke.
Wer sinnt wohl etwas aus, das Männern eigen bleibt,
Wozu der Eifer nicht zugleich auch jene treibt?
Wo sieht und spüret man ein Vorrecht, das sie haben?
Ein jeder Theil rühmt sich gleich ausgetheilter Gaben,
Wo man nur Künste zehlt, sich Wissenschaften weyht,
Erblickt man keine doch, wo die Vortrefflichkeit
Des weiblichen Geschlechts sich nicht zugleich mit wiese,
Und man es nicht zugleich so hoch als jene priese.
Apellens Mahlerkunst ist Weibern auch bekannt,
Sie schildern manches Bild mit mehr als netter Hand,
So klug Alcimedon in Kupfer weis zu prägen,
So künstlich sehn wir sie auch Stahl und Nadel regen.
Amphion rühme sich ja nebst dem Orpheus nicht,
Als wär das Seitenspiel vor sie nur zugericht.
Des Frauenzimmers Thon und Kunstgriff wird sie lehren,
Daß diese gleichfalls mit in ihren Chor gehören.
[123]
Ihr, ob gleich zarter, Leib scheut dennoch nicht Gefahr,
Sie stellen ihr sich oft so frisch als Männer dar;
Die Jagd, so insgemein kann tapfre Seelen rühren,
Wird auch den schlanken Fuß in ihre Fluren führen.
Menalcas ists nicht nur, der dort so muthig jagt,
Und über Stock und Stein sich in die Wälder wagt.
Die Welt kann heut zu Tag, will nur die Misgunst schweigen,
Noch Töchter hier und dar von Atalanten zeigen.
Kommt, die ihr bis anher von falschem Dunst verblendt,
Das weibliche Geschlecht ein schwaches Werkzeug nennt;
Laßt uns den muntern Blick nach solchen Plätzen lenken,
Allwo wir Männer nur allein zu finden denken.
Mein Griffel, der sich itzt aus seinen Schranken reißt,
Wirft sich zum Führer auf, verdoppelt Schritt und Geist.
Folgt ihm nur sicher nach, und sollt er es auch wagen,
Den halben Kreis der Welt deswegen aus zufragen.
Wo sind wir? wird es doch bey hellem Tage Nacht;
Da schneller Pfeile Zahl den Himmel finster macht.
Hier hat sich Mars gewiß ein Feld zum Streit ersehen,
Seht das Scharmützel an, das dorten wird geschehen.
Meynt ihr, daß alle die, so man gepanzert findt,
Und Bogen führen sieht, nur eitel Helden sind?
Nein; ihr betrügt euch sehr: ihr seht Amazoninnen,
Die streitbaren im Volk, und Scythiens Heldinnen.
[124]
Lenkt eure Augen itzt dort nach Auretten hin,
Mit was für Männlichkeit und unerschrocknem Sinn
Fällt sie dem Amurath, der Lesbus in Gedanken
Als Ueberwinder schon besteiget, in die Flanken?
Schaut Bondicäens Herz, das Löwen gleichet, an;
Wo ist ein Männerarm, der tapfrer fechten kann?
Der Einbruch will euch nicht, beschämte Römer glücken;
Wie blutig kann ihr Schwerdt euch hier zurücke schicken!
Was wird man nicht für Muth an Fulvien gewahr,
Wie kriegrisch stellt sie sich dem ganzen Heere dar?
Ihr Degen in der Faust soll Mann und Kämpfer lehren,
Wie man dem Cäsar muß Gewalt und Sieg verwehren.
Seht ihr Marullen nicht auf Wall und Mauren gehn?
Ists möglich, daß sich dies ein Weib mag unterstehn?
Ja, ja, die Heldin will, des Vaters Tod zu rächen,
Der Muselmänner Schwall den gelben Hals zerbrechen.
Mit was für Heldenmuth und echter Tapferkeit
Führt nicht Ladusia den Flügel in den Streit,
Den man ihr anvertraut? Was thürmt sie nicht für Leichen?
So, daß ihr schnaubend Roß vermag kaum auszuweichen.
Gebt acht, wie hitzig dort Camilla schlägt und kämpft,
Wie sie dem Turnus hilft, und seine Feinde dämpft;
O Fall! o harter Fall! Sie sinkt zu bald zur Erden;
Ein harter Küraß muß ihr Sterbebette werden.
[125]
Die zarte Frauenhand übt sich nicht nur allein
In Waffen, und will nur Bellonen dienstbar seyn,
Sie kann daneben auch bey ritterlichen Spielen
Mit eingesetztem Speer nach einem Kleinod zielen.
Trug Adelmunda nicht ehmals den Preis und Lohn,
Der vor den Siegenden bestimmet war, davon.
So stark bey dem Turnier ihr Feind auch wollte schäumen,
So must er doch gar bald den engel Sattel räumen.
Meynt ja, Bethörte, nicht, als führte die Natur
Die Männer nur allein auf jene Ehrenspur,
Die uns Minerva weist, die Arbeit zu versüssen.
Wenn gab sie das Gesetz, die Weiber auszuschliessen?
Wer sagt, sie hätte das, was man für Weisheit hält,
Den Männern nur allein zum Eigenthum gestellt?
Gar nicht; Und sollten sie sich nicht vergleichen können,
So will sie Pallas selbst der Frauen Mitgift nennen.
Wird man, schaut selber nach, bey jener Musenschaar,
Die Phöbens Hügel schützt, nur Männer bloß gewahr?
O was erblicken wir zugleich für edle Seelen,
Die alle weiblich sind? Wer kann die Köpfe zehlen?
Hier ist ein ganzes Heer, das sich mit Büchern trägt;
So viel Apollens Hayn auch Lorberreiser hegt,
So dürft er dennoch kahl, und ganz entblättert stehen,
Sollt jegliche gekrönt von ihm zurücke gehen.
[126]
Zwey Augen reichen nicht, so weit man um sich schaut.
Hier hat Accursia den Lehrstuhl aufgebaut,
Hört, wie dies kluge Weib von Lernenden umringet,
Bis in das innerste des Rechts der Römer dringet.
Dort zeigt Cassandra sich; sie hebt ihr Haupt empor,
Wie hell und lichte blitzt ihr Purpurhuth hervor,
Der ihr vor ihren Fleiß in der Asträen Orden
In ihrem Padua mit Ruhm zu Theil geworden.
Seht, wie Morata dort versteckt in Büchern sitzt,
Und über den Homer, den sie erläutert, schwitzt.
Wie dichtet Sappho nicht? Wie singt Des Houlieres,
Wie stark, wie feuerreich schreibt de la Sabliere?
Was giebt Roswita sich, was Roscia für Müh?
Das ist die Schurmannin, und dies die Scudery,
Die, sagt, wer sollte dies von einer Hand wohl denken?
Man der gelehrten Welt sieht achtzig Schriften schenken.
Dies hebet ja fürwahr? den wunderlichen Streit
Und Zwist auf einmal auf. Wem fällt die Herrlichkeit.
Des edlen Frauenvolks nicht gleich in das Gesichte?
Der Zweifel flieht numehr, der Vorwurf wird zunichte.
Dies, dünkt mich, wenn man es dem Neid entgegen stellt,
Verherrlicht selbiges gewiß vor aller Welt:
Allein, weit herrlicher wird sich ihr Wesen zeigen,
Wenn wir mit ihnen noch auf höhre Stuffen steigen.
[127]
Was für ein Schauplatz zieht sich hier bey unserm Lauf,
Erstaunt ihr nicht mit mir zugleich darüber? auf.
Wie? sieht man noch am Tag die Sterne glänzend flimmern
Wie viele sitzen da, die reich und prächtig schimmern?
Wer sind sie? blendet euch villeicht ein falscher Schein,
Als müsten alles dies nur lauter Prinzen seyn,
Die Stand und hohes Blut, aus welchem sie gebohren,
Zu grossen Königen und Herrschern auserkohren?
Ihr irrt euch in der That; schaut sie mit Ehrfurcht an,
Hier ist, betrogne Schaar, hier ist der Heldenplan,
Wo man die Göttinnen, so Reich und Land beschützen,
So klug als Prinzen sieht auf hohen Thrönen sitzen.
Sie weichen diesen nicht an Großmuth und Verstand;
Denn in dem glänzenden und herrlichen Gewand,
Womit die Majestet die Glieder pflegt zu decken,
Sieht man so wohl, als dort, auch Heldenseelen stecken.
So wichtig alle Welt die Kunst zu herrschen heißt,
So schwer sich in der Hand der starke Scepter weist;
Denn ein Regente muß wahrhaftig Göttergaben,
Von Löwen Stärk und Kraft, und Atlas Schultern haben;
So zeiget dies Geschlecht dennoch der ganzen Welt,
Daß eine Weiberhand, die man für wächsern hält,
Durch Einsicht und Verstand, Witz, Kunst, und kluges Dichten.
Kann Riesenwerke thun, was sie verstehn, verrichten.
[128]
Wie manchmal hat sie nicht schon sonst die Welt gelehrt,
Daß ihr der Vorzug doch, und zwar mit Recht gehört?
Muß Frankreichs achter Carl sich nicht vor Frauen schämen,
Die den Regierungsstab in ihre Hände nehmen?
O hätte Drusus dort, den Reich und Land verhöhnt,
Den Regimentsstab nur von selbigen entlehnt!
Und Wenzel würde nicht der träge Kayser heissen,
Man säh das Scepter nicht ihn aus den Händen schmeissen.
Ihr Völker! die ihr auch bey der verwirrten Zeit,
Im weiten Kreis der Welt so hier als dar verstreut,
Euch voller Demuth müßt vor Stab und Scepter beugen,
Den eine holde Frau auf euch zum Schutz will neigen;
Die ihr den güldnen Saum des Fürstenmantels küßt,
Sagt, wie gewogen euch das Himmels Schicksal ist.
Was läßt euch nicht der Schutz von diesen Herrscherinnen
Für Vortheil, Sicherheit, für Lieb und Huld gewinnen?
Wie viele haben nicht, fragt man das Alterthum,
Schon vor bemooster Zeit mit gröstem Preis und Ruhm
Das Ruder ihres Reichs so klug zu lenken wissen,
Daß wir sie wirklich noch bis itzt bewundern müssen?
Wer war Semiramis, die durch der Waffen Macht
Die Grenzen ausgedehnt, ihr Reich empor gebracht,
Und Babylon, die sonst der Städte Fürstin hiesse,
In ungeheure Wäll und Mauren fassen liesse?
[129]
Trug dies Sarmatien nicht Ruhm und Vortheil ein,
Daß Amage den Mann, der schläfrig wollte seyn,
Vom Throne muthig riß, und ihn dabey belehrte,
Was zu der Macht Besitz für Eigenschaft gehörte?
Wie weislich schrieb sie nicht Gesetz und Regeln vor?
Wie trieb sie nicht den Feind durch Gegenwehr zu Chor?
Wie tapfer half sie nicht von den gedrohten Ketten
Des wilden Scythenvolks die Chersoneser retten?
Wer weis nicht wie beherzt, und dies viel Jahre lang,
Cleopatra den Stab dort in Aegypten schwang?
Was that nicht Tomyris das Oberhaupt der Scythen,
Wie? hemmete sie nicht des grossen Persers Wüten?
Was fand nicht Cyrus hier für starken Widerstand,
Als er den liebsten Sohn in harte Fesseln band?
Wie schleunig sah er sich in Bergen eingeschlossen,
Wie häufig ist sein Blut im Streit herab geflossen?
Was für ein herrlich Lob erhielt Zenobia,
Die man als Königin dort in Palmyra sah?
Mir ist, als säh ich noch im Geist den Küraß blitzen,
Worinnen sie gewohnt war auf dem Thron zu sitzen;
Wie kräftig muste nicht ihr blosser Zuspruch seyn?
Durch den blies sie dem Heer ein männlich Feuer ein.
Die Römer haben oft ihr blutig Heft gefühlet;
Wie hat sie nicht den Muth an andern mehr gekühlet?
[130]
Ein mürbes Blat, das noch von alten Böhmen spricht,
Vergißt, schlagt selbsten nach, Libussens Namen nicht,
Ihr Ruhm daurt itzo noch; man weis nicht gnug zu sagen,
Wie klug und männlich sie den Fürstenhuth getragen.
Und Pohlen muste selbst der Venda zugestehn,
Es hätten, da man sie ließ durch die Wahl erhöhn,
Die Stimmen in der That nicht schöner fallen können,
Warum? ihr Eifer war ein Wunderwerk zu nennen.
Wirft man den regen Blick auf andre Reiche hin,
O wie erstaunt man da? mit was verwirrtem Sinn
Und halb betäubtem Geist stehn wir bey güldnen Bühnen,
Die zum geweyhten Sitz gekröhnter Frauen dienen!
Uns ist, als würden wir bezaubert und entzückt.
Denn ob man gleich die Tracht so Weiber ziert, erblickt,
So widerspricht uns doch ihr gar zu männlich Wesen,
Das gleich ein jeder muß aus ihren Augen lesen.
Die Zierde Cimbriens, das Wunder ihrer Zeit,
Margrethe, deren Geist, Verstand und Trefflichkeit
Noch in der Asche lebt, hat aller Welt gezeiget,
Wie hoch bey Weibern auch Verdienst und Würde steiget.
Der Kronen Kleeblat muß, o! kaum erhörte Last,
Die du, o Heldin, einst zugleich getragen hast,
Auch Prinzen später Zeit, den man es wird erzehlen,
Mit heisser Eifersucht, dir gleich zu kommen, quälen.
[131]
Wie löblich führte sie nicht den Regentenstab?
Wie blutig fertigte sie dort den Albertus ab?
Der ihr noch vor der Schlacht, die Nadeln scharf zu streichen,
Aus bitterm Hohn und Spott ließ einen Wetzstein reichen?
Sie braucht ihn, aber wie? so, daß bey solchem Spiel
Der Schimpf der Spötterey auf ihn zurücke fiel,
Dieweil er bey dem Streit mit Schmerz erfahren muste
Daß sie das Schlachtschwerdt wohl darauf zu wetzen wuste.
In welchen Theil der Welt drang nicht der Fama Thon
Von der Elisabeth, die nach der Britten Thron
Von Ost, West, Süd, und Nord hieß aller Augen fliegen,
So bald sie selbigen durch Erbgangsrecht bestiegen?
Wo hat es ihr ein Prinz im Herrschen vorgethan?
Schaut nur den grossen Geist, schaut ihre Staatskunst an,
Die sie aus Büchern selbst, gedoppelt Wunder! lernte,
Indem ihr Scepter sich niemals vom Kiel entfernte.
Wie klug klingt itzo noch das Urtheil unsrer Welt,
Das Sixtus, als ein Feind, dennoch von ihr gefällt!
Die Wahrheit hieß sie mit zu den drey Häuptern setzen,
Die man sollt ganz allein für herrschenswürdig schätzen.
So schwürig und verwirrt sie auch das Reich befand,
So wuste doch gar bald der Fürstinn starke Hand
Durch Großmuth und Verstand das alles zu vollbringen,
Was eine Männerfaust vorher nicht konnt erzwingen.
[132]
Neptun bewundert noch Elisabethens Macht,
Wodurch sie auf der See den Feind in Furcht gebracht.
Sah man nach Indien nicht Mast und Seegel fliegen?
Wie tapfer wuste sie dort Cadix zu besiegen?
Des stolzen Spaniers ganz ungeheure Zahl
Der Schiffe, welchen er aus Ehrgeiz anbefahl,
Der Britten Reich und Land den letzten Stoß zu reichen;
Muß ja mit Schaam und Schmerz der schwächren Flotte weichen.
Auch Oesterreich weist uns bey jener Zeiten Lauf
Dergleichen Heldinnen und hohe Seelen auf;
Ließ Margaretha nicht ehmals den Degen blitzen,
Der Niederländer Staat und Grenzen zu beschützen?
Hier war ein Männerherz in weiblichem Gewand,
Mit was für muntern Geist, und mehr als tapfrer Hand
Sah man die Heldin nicht Antwerpens Wall erfechten,
Und sich den Siegeskranz zu dem Triumphe flechten!
So schön lenkt Isabell auch dies Regierungs Schiff,
Die eine Zeit darauf nach solchem Ruder griff,
Ihr Ruhm ist ungemein, von dem bey unsern Tagen
Noch immer hier und dar die Zeitregister sagen.
Fällt euch, ihr Zweifler, nicht Ostendens Hafen ein,
Der, schien er allen gleich ein Wunderwerk zu seyn,
Woran ein Riesenheer den Kopf zerschellen müste,
Mit Ehrfurcht doch zuletzt den stolzen Heerstab küßte?
[133]
So gern der Franzmann auch, wie Wahl und Satzung weist,
Den Scepter aus der Hand der zarten Weiber reißt,
So must er ehmals doch, die Wahrheit zu bekennen,
Marien von Florenz zum Herrschen tüchtig nennen;
Sie wars, die statt des Sohns den Regimentsstab nahm,
Mit angeworbnem Heer dem Feind entgegen kam,
Und der Rebellen Schwarm, mit dem sie muthig kämpfte,
Zur Sicherheit des Reichs und ihrer Ehre dämpfte.
Wo bleibt der Gothen Haupt, der Schweden Wunderbild,
Christine? war sie nicht des Reiches Schirm und Schild?
Mit was für Klugheit hat sie ehemals regieret?
Der Länder Heyl besorgt, mit Feinden Krieg geführet?
O! was erhob sich da für Klagen und Geschrey,
Wie weinend lief das Volk, von Furcht gerührt, herbey,
Als sie, wer wollt es nicht für eine Großmuth achten,
Drey Kronen von sich warf, wornach so viele trachten.
Ja Völker, die man doch zu Barbaren stellt,
Halb wild und rauh benennt, für ungesittet hält,
Gestehn, daß eine Hand vom weiblichen Geschlechte
So viel als Männerkraft im Regiment vermöchte.
Legt uns die Pforte nicht die Trefflichkeit noch dar,
Die Achmets Mutter dort der Muselmänner Schaar,
Eh noch dies junge Haupt das Scepter konnte fassen,
Zu Kriegs- und Friedens Zeit recht rühmlich blicken lassen?
[134]
Sagt, Widerspenstige, kann es wohl möglich seyn?
Fällt euch nicht Annens Geist und edles Wesen ein,
Die Großbritannien, wo sie den Thron besessen,
Ja alle Welt noch nicht biß itzo kann vergessen?
Was nur ihr Witz erdacht, und ihre Hand gethan,
Das sahe man mit Recht vor Herculs Arbeit an,
Wiewohl sie diesen auch, der nur zwölf Thaten zeiget,
In ihrer Schlachten Zahl bey weitem übersteiget.
Wie lang hat Engelland, wenn man zurücke schaut,
An der Vereinigung der Reiche schon gebaut?
Vermocht auch wohl ein Prinz dergleichen Streit zu schlichten?
Nein; eine Königinn konnt alles dies verrichten.
Das stolze Gallien, das damals um sich griff,
Und den gefaßten Stahl zu vieler Nachtheil schliff,
Erfuhr, was Annens Schwerdt mit ihren Bundsgenossen
Vor überhäuftes Blut so hier als dort vergossen.
Ihr Russen, saget uns, was Catharina that,
Die vor den harten Riß des grossen Petrus trat.
Ihr saht sein Antlitz zwar, doch nicht den Geist verschwinden.
War zwischen ihm und ihr ein Unterschied zu finden?
Gar nicht; dies grosse Weib ließ, da der Fall geschehn,
Des Kaysers Ebenbild auf Thron und Wahlstatt sehn,
Und eben dieses macht, daß ihr nicht sonder Thränen
Der Heldinn Namen noch biß itzo könnt erwehnen.
[135]
Jedoch, ihr hemmet nun der treuen Zähren Lauf,
Und klärt mit allem Recht das Antlitz wieder auf;
Denn eine Kayserinn, hat Rußland zu vergnügen,
Schon den verwaysten Thron mit vollem Glanz bestiegen;
Sie schafft euch Heyl und Flor, schaut nur ihr Herrschen an,
Wie klug und männlich sie den Scepter führen kann.
Seht, wie sie Reich und Land, wonach ihr Auge blitzet,
Zum Wunder aller Welt durch Witz und Staatskunst schützet.
Betrügt mich nicht mein Blick, so hat sich Haß und Neid
Vor Angst und Furcht versteckt, weil solche Herrlichkeit,
Die man zu aller Zeit verehrt und hochgeschätzet,
Die Misgunst schweigend macht, und in Erstaunen setzet.
So hoch ihr auf dem Thron, gekrönte Frauen, sitzt,
Die Länder überseht, und in die Ferne blitzt,
Wird euer Auge doch dahin nicht blicken können,
Wo Famens lauter Ruf wird euren Namen nennen.
O zürnt und eifert doch, ihr Heldinnen, ja nicht,
Wenn meine Muse hier nicht so erhaben spricht,
Als eure herrlichen und Göttergleichen Gaben
Von Schreibern der Geschicht und Dichtern wollen haben.
Itzt merk ich allererst von blöder Furcht gerührt,
Wie frech die Dichtkunst mich verleitet und verführt;
Drum leg ich auch nunmehr, die kühne That zu büssen,
Hier den verwegnen Kiel beschämt zu euren Füssen.
35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[136] 35. Ode

Ihr Musen schweigt! hört meinen Freund!
Den Freund, der es recht redlich meynt,
Der singt aus einem andern Thone.
Er flieht die Spötter dieser Zeit,
Sein Kiel macht mir ein Lob bereit;
Er gönnet mir die Dichterkrone.
Itzt hör ich nicht auf Orpheus Klang,
Denn dein so lieblicher Gesang,
Ergötzt die aufmerksamen Ohren.
Du bist ein Feind der Schmeicheley,
Du bist von Neid und Misgunst frey,
Du bist vor tausend auserkohren.
Brüllt Feinde, rast, flucht immerhin,
Mein froher und gelaßner Sinn
Erschrickt nicht vor dergleichen Wettern.
Der Unschuld heiliges Gewand
Hat mir der Himmel zugesandt,
Drum fürcht ich mich auch nicht für Spöttern.
Besitz ich eines Freundes Herz,
Theilt der mit mir Verdruß und Schmerz,
So hab ich mir genug erworben.
Das Neiden höret doch nicht auf,
So lange daurt mein Lebenslauf
Wer weis geschiehts, bin ich gestorben?
Komm, Freund, und höre mir nur zu,
Wenn ich oft sitz in stiller Ruh
Und spiele die gestimmte Cyther;
Ach! da bin ich wie Crösus reich.
Und nichts ist dem Vergnügen gleich;
Es daurt auch bey dem Ungewitter.
[137]
Hier schließt sich schon der matte Reim
Und saget dir noch in geheim:
Besuch doch einstens unsre Linden;
Ich schwere bey dem Deutschen Sinn,
Durch den ich ungeändert bin:
Du sollst mich allzeit redlich finden.
36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

36. Ode

Sey mir beliebter Ort gepriesen,
Den mir das Schicksal angewiesen
Wo ich die Ruhe finden soll,
Ich will hiermit den Endschluß fassen,
Dich Lebenslang nicht zu verlassen,
Bey dir ist mir nur gar zu wohl.
Es mögen andre sanfte sitzen,
In Mauren die von Marmor blitzen,
Schließt euch nur in Palläste ein;
Ich werd euch solche nicht beneiden,
Mein Auge sucht sich hier zu weiden,
Kein Aufenthalt kann schöner seyn.
Zufriedenheit nährt meine Sinnen,
Mich treibt kein Sturm, kein Blitz von hinnen,
Nichts ist dem Vorsatz hinderlich:
Hier werden mich nicht Dornen stechen,
Hier wirds mir nie an Lust gebrechen,
Dies weis ich, hier begräbt man mich.
[138]
Schäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte
1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

Schäferlieder und Scherzgedichte

[139][141]

1. Schäferlied

Die über ihre Freyheit sich vergnügende Galathee.


O scheltet immerhin
Mich einen Eigensinn;
Und sprecht: Der Galathee
Ihr Herz wär Eis und Schnee.
Ich lache nur darzu,
Wenn ihr die süsse Ruh
So frech und unerlaubt
Euch selbst, Gespielin, raubt,
Und keine Reyhen schließt,
Wo nicht ein Schäfer ist.
Die Lieb ist nicht vor mich;
Nein, Galathee läßt sich
Durch seufzendes Bemühn
Nicht in die Schlinge ziehn.
Der edlen Freyheit Trieb
Und Zug ist ihr zu lieb.
Ja, wenn es Pan auch wär,
Fänd er doch kein Gehör;
Von solcher Sclaverey
Bleibt dieses Herze frey.
[141]
Zwar lenkt mein Aug und Sinn
Sich nach Sylvandern hin,
Der, wo er nur erscheint,
Sich einzuschmeicheln meynt.
Doch daurt er mich fürwahr:
Denn unter unsrer Schaar
Kömmt ihm kein Schäfer bey
An Redlichkeit und Treu,
So in dem Herzen sitzt,
Ihm aus den Augen blitzt.
Das mehr als gute Thier
Schmiegt sich ja recht vor mir,
Ein jeder Tropfen Blut
Meynts mit mir herzlich gut.
Jagt ihn durch Dampf und Rauch,
Sylvander geht hier auch.
Er böthe Haut und Haar
Vor mich aus Liebe dar,
Und scheute, winkt ich nur,
Auch nicht des Grabes Spuhr.
Wie lang ists? Noch gar kurz
Schenkt er mir diesen Schurz
Der meine Hüften ziert,
Und mir fast nicht gebührt.
Ja heute noch gar früh
Fiel er vor mich aufs Knie.
Wie bat er nicht mit Schmerz
Um Galatheens Herz,
Und seiner Thränen Naß
Bespritzte Halm und Gras!
[142]
So oft sich nur ein Nest
Von Lerchen blicken läßt,
Bringt sie die gute Haut
Mir als vermeynten Braut;
Er theilt den Bissen Brodt
Mit mir, und leidet Noth.
Streckt seine Schäferinn
Sich bey den Buchen hin,
So schnarcht sie süsse hier.
Der Schäfer wacht bey ihr.
Bey früher Sonnen Lauf
Sucht er schon Kräuter auf,
Durch deren Umschlag man
Die Kranken heilen kann.
Kommt er nun aus dem Wald,
So schüttet er sie bald
In meinen Schooß hinein:
Das laßt mir Liebe seyn!
Gewiß er sorgt für mich
Weit mehr als selbst vor sich.
Das zwäng wohl manches Herz,
Das bey des Schäfers Schmerz
Nicht recht bewaffnet wär,
Zum Mitleid und Gehör.
Mich aber beugt es nicht,
So schön er thut und spricht,
So weis ich ihn doch fort,
Denn ein verliebtes Wort
Thut gleich der Galathee
In Herz und Ohren weh.
[143]
Weg mit dem Liebesjoch!
Mein Ohr verstopft sich doch
Vor allen Lockungsschall;
Ich folg der Nachtigall.
Das Körnchen, so sie frißt
Und von den Hufen liest,
Stellt sie sich süsser für,
Als alles was man ihr,
So gut es immer schmeckt,
In ihren Keficht steckt?
Wie kann mir besser seyn,
Als wenn mir ganz allein
Die schön beblümte Trift
Lust und Ergetzen stift?
Da wo ich in der Näh
Die Lämmer gehen seh;
Und, weil mein Ohr nichts hört,
Das mich durch Winseln stört,
Bey sorgenlosem Sinn
Vergnügt und einsam bin.
Da sitzet Galathee
Recht sanft auf Gras und Klee,
Und sieht in schönster Ruh
Nur ihren Heerden zu.
Sie weidet Aug und Brust;
Ihr Hector macht ihr Lust;
Der, wenn er sich nicht streckt,
Sich mit den Ziegen zeckt,
Die Böcke schekernd jagt,
Bald zwickt, bald anders plagt.
[144]
Da stellt die ganze Schaar
Mir einen Abriß dar,
Was ein selbst eigner Geist,
Und was die Freyheit heißt.
Was nur vier Beine hat,
Das springt und hüpft sich satt.
Es jauchzt in freyer Luft,
Und hasset Schmauch und Duft,
So oft es mit Verdruß
In Ställe kriechen muß.
Verliebte Schäfer, flieht!
Die Freyheit, so mich zieht,
Verkauft sich nimmermehr.
Hofft nur auf kein Gehör!
Und zwingt einst Tod und Grab
Mir Stock und Freyheit ab,
So senkt mich in den Sand,
Doch sonder Männer Hand;
Dies thät der Galathee
Auch noch im Grabe weh.
2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

2. Schäferlied

Thyrsis! fragst du wo ich bin,
Quält dich Sehnsucht und Verlangen;
Klagst du mit bestürztem Sinn,
Daß dir Doris ist entgangen?
Ja sie floh, doch steht sie hier,
Dir von weitem nach zu blicken,
Da mich das Verhängniß dir
Will aus Fluhr und Augen rücken.
[145]
Frage nur den Wiederschall,
Der durch Thäl und Wälder dringet,
Und die Wörter überall
Die er fängt, zusammen bringet.
Frag ihn nur, ob Doris klagt,
Die den Abschied schuldig blieben,
Was sie dem entfernet sagt,
Den sie noch muß zärtlich lieben.
Holde Gegend, fettes Gras!
Meiner Augen schönste Weyde,
Wo ich oft mit Thyrsis saß,
O was spührten wir für Freude!
Ach, wie süsse roch der Klee,
Der die bunten Wiesen zieret;
Itzo hat ein herbes Weh
Mich und meine Brust gerühret.
Stolzer Bach! was rauschest du?
Laß dein Rieseln stille schweigen.
Höre mir, der Doris zu,
Sie erkiest dich hier zum Zeugen.
Sage meinem Schäfer an,
Was du siehst für Thränen fliessen,
Die dein Umfang gar nicht kann
Mit in seine Quelle schliessen.
Still, hier hör ich einen Klang,
Es verdoppelt sich mein Klagen.
Sucht vielleicht in diesem Gang
Mich mein Thyrsis auszufragen?
Träum ich, oder, hör ich ihn,
Will ein Waldgeist mich verführen,
Feige Doris willst du fliehn?
Nein! ich such ihn auszuspühren.
[146]
Eilt ihr Schäfchen! kommt mit mir,
Laßt uns ihm entgegen gehen,
Denn ich weis gewiß, daß ihr
Seine Stimme müßt verstehen.
Wißt ihr nicht, wie manches Lied
Mir, und euch vielleicht, gefallen,
Das mein Schäfer sonst bemüht
Ließ auf eurer Weid erschallen.
Schaut, dort kömmt er in der That,
Ach, ich seh ihn schon von weiten;
O du höchst beglückter Pfad!
Den mein Thyrsis will beschreiten.
Ja, dies hab ich wohl gedacht,
Daß mein Ach! ihn müste rühren,
Und auch bey der finstren Nacht
Uber Stock und Steine führen.
Holder Schäfer, zürne nicht,
Wenn du mich entfernt gefunden.
Wem das Schicksal wiederspricht,
Dem ist Hand und Fuß gebunden.
Dieses riß mich zwar von dir,
Aber dich nicht aus dem Herzen,
Doch vergiß es, weil es hier
Uns vergnügt läßt wieder scherzen.
Sage mir, du, den der Pan
Als den Preis von unsern Hirten
Gar nicht satt bekrönen kann,
Schwer es mir bey seinen Myrrthen!
Bist du, da man uns gestöhrt,
Seit der Zeit auch treu geblieben?
Hat was Fremdes, das entehrt,
Was das Glück mir zugeschrieben?
[147]
Doch, mein matter Schäfer gleicht
Stummen Bäumen in den Thälern,
Sucht ein Satyr hier vielleicht
Meine Lieb und Treu zu schmählern?
Rede doch, Gespiele, sprich,
Hat ein Feind dich aufgehetzet,
Daß du deine Freundin, mich,
Hast so schnell hindan gesetzet?
Ach ihr Sterne! was geschicht,
Ist es möglich, daß ein Schatten,
Mich, die doch kein Schlaf anficht,
Läßt mit meinem Thyrsis gatten!
Wahrlich, es ist nur ein Traum
Und ein blosser Schein gewesen,
Daß ich zuckersüssen Schaum
Von des Schäfers Mund gelesen.
Falscher Nachtgott quäle doch
Mich nicht mit dergleichen Bildern!
Willst du bey so schwerem Joch
Mir noch meinen Abgott schildern?
Den ich, da die Hoffnung trügt,
Leider muß nunmehr vermissen;
Was mich wachend nicht vergnügt,
Mag ich auch im Traum nicht küssen.
Rede Doris nicht zuviel,
Da dich Zorn und Eifer treibet,
Weil auch bey dem Schattenspiel
Thyrsis doch dein Liebling bleibet!
Wohl, ich will zufrieden seyn,
Find ich ihn nicht in der Nähe,
Wenn ich nur von ihm den Schein
Träumend in dem Schlafe sehe.
[148]
Braune Nacht! verlängre dich,
Laß den Hesper lange wachen,
Daß ich ihn, mein ander ich
Seh im Geist und Bilde lachen.
Hat man doch wohl ehr gesehn,
Daß ein Traum was prophezeyet.
Hoffe fest, es kann geschehn,
Daß die That dich bald erfreuet.
3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

3. Schäferlied

Komm Schäfer, komm zu Scherz und Lust,
Der Frühling labt die frohe Brust.
Ruft Schaf und Rinder in das Feld,
Wir sind vor sie zur Huth bestellt.
Es zäckt sich alles in der Luft,
Hör nur, wie eins das andre ruft.
Die fromme Taube lockt und girrt,
Weil ihre Gattin sich verirrt.
Wie schlägt die muntre Nachtigall?
Merk Schäfer, auf den holden Schall.
Der Kukuck schreyt, die Lerche singt,
Daß es durch Feld und Wälder klingt.
Der Storch baut seiner Störchin Nest,
Das Rebhun setzet sich auch fest.
Die Schwalbe zwitschert, und der Matz
Sucht auf den Bäumen seinen Schatz.
Die Rinder fressen fettes Gras,
Die Füllen treiben Scherz und Spaß.
Die Gänse schnattern nur aus Lust,
Das Kalb spielt mit der Mutter Brust.
[149]
Kurz, die Natur wird itzt verjüngt.
Ergreif dein Rohr, weil Doris singt.
Mein Schäfer siehst du mir nicht an,
Was ich nicht mehr verstellen kann?
Die Eintracht von dem Flügelheer,
Der Schaafe Unschuld reizt zu sehr.
Der Fische und der Thiere Scherz
Veränderten mein sprödes Herz.
Drum thu ich dir den Vorsatz kund,
Das Herze denkts, es sprichts der Mund:
Ein Schäfer von so edler Art
Ist würdig, daß sich Doris paart.
Wohlan, so reich ich dir die Hand,
Ich geb mich selbst zum Unterpfand;
Ich schwere bey dem grossen Pan:
Ich bin dir ewig zugethan.
So wahr du führst den Hirtenstab,
So lieb ich dich bis in mein Grab.
Eh soll die Heerde untergehn,
Als daß du mich sollst untreu sehn.
Ich schmücke schon mein Hirtenhaus
Mit frischen Blumenkränzen aus.
Die Liebe macht die Lagerstatt,
Sie speist mit uns, sie macht uns satt.
4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[150] 4. Schäferlied

Eilt ihr Schäfer aus den Gründen,
Eilt zu meinem Thyrsis hin,
Und, so bald ihr ihn könnt finden,
Sagt, daß ich ihm günstig bin;
Sagt, was er mir mitgenommen,
Nennt die Freyheit und mein Herz;
Sagt, er soll auch wieder kommen,
Denn man treibt damit nicht Scherz.
Ach! wie stellt sein holdes Wesen
Sich mir in Gedanken vor;
Thyrsis bleibet auserlesen
Unter unserm Schäferchor.
Sagt, ihr Nymphen an dem Strande,
Wo die klare Pleisse fließt,
Ob man nicht an ihm befande,
Daß er liebens würdig ist?
Ich vergesse Fluhr und Heerde,
Ja, ich kenn mich selbsten nicht,
Weil ich ganz bezaubert werde,
Wenn man nur vom Thyrsis spricht.
Will der Wolf das Lamm zerreissen,
So belach ich den Verlust;
Der ist leichte zu verbeissen,
Thyrsis herrscht in meiner Brust.
[151]
Denk ich noch, geliebte Seele!
An der Stunden schnelle Flucht,
Wenn ich sie zurücke zehle,
Die mein Geist vergeblich sucht;
Denk ich auch der zarten Liebe,
Die mein Thyrsis blicken ließ,
Und die fromm und reinen Triebe,
Da er mir mein Herz entriß.
Seufzer speisen, sehnlich Klagen,
Macht das Herze müd und matt;
Doch muß ich dir heimlich sagen,
Was mich längst bekümmert hat;
Ich girr, wie die Turteltaube,
Die durch ächzen Tag und Nacht,
Sich nach ihres Gatten Raube,
Selbst verzehrt und kraftlos macht.
Sitz ich unter Tann und Buchen,
Fällt mir auch mein Thyrsis ein;
Diesen will ich nur da suchen,
Ach! frag ich, wo mag er seyn?
Da lauf ich durch Fluhr und Auen,
Ob mein Schäfer sich versteckt?
Doch, ich kann der Spuhr nicht trauen,
Weil mich alles Wild erschreckt.
Nichts kann mir mehr Freude stiften,
Als wenn ich oft ganz allein,
Auf den buntbeblümten Triften,
Darf mit meinen Heerden seyn.
Fliegt die Taube mit dem Haufen,
So bleibt sie doch stets gepaart,
Keine wird vom Gatten laufen;
Das ist treuer Seelen Art!
[152]
Mir ist weiter nichts geblieben,
Als dies, daß ich sagen muß,
Ewig will ich Thyrsis lieben;
Ewig, ist mein fester Schluß.
Schöner Wechsel! süsses Leiden!
Thyrsis! hörst du, hörst du nicht?
Ich will auf den Auen weiden,
Wo ich seh dein Angesicht.
Denn ein Blick aus deinen Augen,
Wenn mich Frost und Hitze plagt,
Kann zu meiner Stärkung taugen,
Daß der Mund sich nicht beklagt.
Speis und Trank muß mich erquicken,
Wär es auch nur Rohm und Brodt;
Wenn ich dich kann streicheln, drücken,
Weis ich nichts von Sorg und Noth.
Leg ich mich des Abends nieder,
Spiel ich auf dem Haberrohr;
Bleibt der Innhalt meiner Lieder,
Thyrsis Name, wie zuvor.
Ach! du wohnst in meiner Hütte,
Wenn du gleich entfernet bist.
Denn ich spühr auf jedem Schritte,
Daß mein Thyrsis bey mir ist.
Soll ich mich mit deinem Schatten,
Weil mein Schicksal widerspricht,
Unterdeß im Traume gatten?
Wohl! ich weigre mich auch nicht.
Endlich schlägt die frohe Stunde,
Endlich kommt der frohe Tag,
Da ich dich aus Herzens Grunde,
Wie ich wünsche, küssen mag.
5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[153] 5. Schäferlied

Auf des Schäfers Seladon Geburtstag.


Dies ist der schöne Tag, da Seladon gebohren;
Tag, der zu meiner Lust vor andern auserkohren;
Tag, der mir in der Welt der allerliebste bleibt;
Tag, den die Liebe selbst in mein Gedächtnis schreibt;
Tag, den ich nimmermehr kann hoch genug verehren;
Tag, der die reine Gluth kann in der Brust vermehren;
Tag, der den Geist besiegt, das Herz empfindlich macht;
Tag, der die Seele letzt, an dem mein Glücke lacht.
Du bleibst mein einig All, mein Paradies auf Erden!
Und sollst deswegen auch mit Lust besungen werden.
Auf Schäfer! kommt herbey, helft diesen Tag begehn!
Laßt Mopsen unterdeß auf Huth und Wache stehn;
Legt euren Schäferschurz um die so schlanken Lenden;
Ich will euch Huth und Strauß und allen Ausputz senden.
Kommt, weil der Morgenthau noch auf den Matten ist,
Weil sich das Flügelheer noch in den Nestern küßt.
Pflückt Blum und Kräuter ab, brecht Blätter von den Zweigen,
Denkt nur auf Scherz und Lust; kein einiges soll schweigen.
Die Stöcke müssen frisch und wohl bebändert seyn,
Die Becher ausgespühlt. Nun schenk sich jeder ein,
Weil ich den schönsten Kranz mit eignen Händen winde,
Vor meinen Seladon, zu seinem Angebinde.
So sprach jüngst Sylvia: bald kam der ganze Chor,
Und jeder pfiff ein Lied auf seinem Haberrohr;
[154]
Da nahten sich zugleich die holden Schäferinnen,
Es suchte jegliche was neues auszusinnen,
Damit die Lust vermehrt, das Fest vollkommner ward.
Nur fehlte Seladon mit seiner Gegenwart.
Kaum, daß die Schäferzunft die Cythern angerühret,
So ward schon ein Geräusch im nächsten Busch verspühret;
Die muntre Nachtigall fiel in den Ton mit ein,
Die wilde Wachtel kam, und wollte Zeuge seyn.
Der Kukuck lies sich auch mit seiner Stimme hören;
Er ließ sich weder Tanz, Gesang, noch Leyer stöhren;
Die Schwalbe zwitscherte; der Bienen schwärmend Heer
Verliessen ihr Gefach, und flogen hin und her;
Die Taube sehnte sich nach ihrem frommen Gatten,
Das Männchen kam zu ihr, sie setzten sich im Schatten;
Die Schaafe zäckten sich; dort sprangen Zieg und Bock
Den Hügel auf und ab, und über Berg und Stock;
Das Vieh, so kreissend noch war in dem Stall geblieben,
Das fühlte keinen Schmerz, es wuste nur vom Lieben;
Das Lamm vergnügte sich an seiner Mutter Brust;
Ja, Pan der Hirtengott empfande selbst die Lust,
Er rief den Schäfern zu: kommt schneidet in die Linden
Den Namen Seladons, desgleichen nicht zu finden
An Werth und Trefflichkeit. Wenn ihr die Reyhen schließt,
So wünschet, daß er uns bald in den Linden grüßt!
Die Schäfer säumten nicht, den Namen einzuritzen;
Nur Sylvia blieb itzt am Bach von weitem sitzen.
Ihr Herze ward bekämpft von Unruh, Furcht und Streit,
Doch endlich sang sie noch aus grosser Zärtlichkeit:
[155]
Saust ihr Winde! Spielt ihr Aeste!
Singt ihr Vögel auf das beste,
Meiner Regung beyzustehn!
Euch darf ich mein Herze zeigen,
Ihr könnt zwitschern, ihr könnt schweigen,
Nun so hört was mir geschehn!
Selbst die Vorsicht muß es fügen,
Seladon bleibt mein Vergnügen,
Und mein Alles auf der Welt.
Er ist bloß vor mich gebohren,
Und vor andern auserkohren,
Der den Augen wohlgefällt.
Wenn ich sehnlich nach ihm blicke,
Und ihm manchen Seufzer schicke,
So erfordert es die Pflicht.
Dies sind Zeugen wahrer Liebe,
Stumme Redner reiner Triebe,
Wenn der Mund kein Wörtchen spricht.
Echo! laß dich doch erbitten,
Eile in des Schäfers Hütten,
Mit dem holden Wiederschall;
Laß ihm mein Geständnis wissen,
Sag, ich kann ihn nicht mehr missen,
Sag, ich such ihn überall.
Melde, wie ich heute singe,
Was ich ihm für Wünsche bringe,
Wie der Tag unschätzbar bleibt.
Wie die Heerde hüpft und springet,
Wie es jeglichem gelinget,
Wenn er seinen Namen schreibt.
[156]
Meines Schäfers ganzes Leben
Sey mit tausend Lust umgeben,
Durch des Himmels holden Blick.
Dieser mehre seine Jahre,
Damit ich dereinst erfahre,
Nichts vergleicht sich seinem Glück.
Endlich soll das Schicksal fügen,
Alles das was sein Vergnügen
Tausendfach verdopplen kann.
Lebe Schäfer! ohne Sorgen,
Kommts nicht heute, kommts doch morgen;
Nimm indeß den Willen an.
1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

1. Scherzgedichte

Da, wo die fahle Pleisse fließt,
Und sich mit sanftem Fall ergießt,
Da fanden sich bey frühem Schein
Aurorens sehr viel Nymphen ein.
Es ward ein froher Tanz bestellt,
Dem jegliche sich zugesellt;
Weil sich ein solch Gestirne wies,
Das sie die Reyhen schliessen hieß.
Das Glücke flocht in frischem Glanz
In ihres Damons Wiegenkranz
Ein neues Lorberblättchen ein;
Dies muste ja gefeyret seyn.
Hier war die gröste Herrlichkeit,
Sie sprungen, tanzten höchst erfreut,
Und stimmten solche Lieder an,
Die man nicht netter hören kann.
[157]
Doch mitten in der grösten Lust,
Drang was durch der Gespielen Brust,
Und in der Schäferinnen Ohr,
Daß sich Gesang und Scherz verlohr.
Die Schreckenspost erscholl sogleich.
Schweigt, Kinder, hieß es, trennet euch,
Ach! euer Schäfer, welchen ihr
So wehrt gehalten, flieht von hier.
Er läßt euch auf den Auen stehn,
Um andern Fluhren nachzugehn.
Sein Hirtenstock hat, wie man hört,
Sich in den Wanderstab verkehrt.
Hier fiel den Nymphen Muth und Sinn
Und alle Freud auf einmal hin;
Sie liessen Händ und Reyhen los.
Denn ihr Verlust war gar zu groß.
O! sprachen sie, geht dieser fort,
Und sucht Quartier an fremdem Ort,
So ists um unsre Lust geschehn,
Er wird doch uns nicht wieder sehn.
Der Kummer überhäufte sie;
Und doch gab sich die eine Müh,
Zu dem Orakel hinzugehn,
Es um den Ausspruch anzuflehn.
Sie fragt, und dies nicht ohne Pein:
Wird Damon auch so redlich seyn,
Daß er an unsre Pleisse denkt,
Und ihr noch manchmal Seufzer schenkt?
[158]
Ach schlechter Trost: denn dieses sprach:
Seht ihm, verweiste Nymphen, nach;
Hofft nicht, daß er zurücke sieht,
Weil ihm ein grössres Glücke blüht.
So bald er R – – – erblickt.
Und von der Post den Fuß gerückt,
So beut ihm alles, was nur kann,
Quartier und Herz freywillig an.
Man läßt ihm weder Fried noch Ruh;
Zwölf Nymphen reichen hier nicht zu,
Es dürften acht und zwanzig seyn,
Die alle nach dem Damon schreyn.
Doch, härmet euch nicht gar zu sehr,
Indem es doch wohl möglich wär,
Daß dieser Schäfer mit der Zeit,
Vergäß er euch, es noch bereut.
Dies weckte bey dem schnellen Lauf,
Der Nymphen Chor doch wieder auf,
Das sich vom Damon viel versprach;
Drum riefen sie so viel ihm nach:
Beliebter Schäfer, fahre wohl!
Da dich die Pleisse missen soll,
Vergnüge dich in fremder Luft,
Wohin dich Glück und Schicksal ruft.
Wir schneiden, kanns nicht anders seyn,
Den Namen in die Linden ein;
Weil deine Tugend wohl verdient,
Daß dein Gedächtnis immer grünt.
2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[159] 2. Scherzgedichte

Auf einen Namenstag.


Dein Schmeichelkiel sucht mich in Preussen,
Ich soll und muß ein Dichter heissen,
Wie wunderschön klingt dieses nicht;
Doch, bin ich gleich kein Hauptpoete,
So greif ich doch nach meiner Flöte,
Da dieser frohe Tag anbricht.
Der Tag ermuntert meine Sinnen;
Was könnt ich edlers wohl beginnen,
Als dies bey deinem Namensfest?
Doch liebste Musen! helft mich retten,
Hand, Geist und Einfall liegt an Ketten,
Da mich mein Pegasus verläßt.
Bald sangst du aus recht hohem Thone,
Und kämpftest um die Dichterkrone,
Die Phoebus dir längst zugedacht:
Bald war dein kauderwelsch Gedichte
Ganz voller schönen Mordgeschichte:
Das hat den Klepper scheu gemacht.
Doch alles dies soll mich nicht schrecken,
Mich in ein lustig Kleid zu stecken,
Zu singen, wie dort Canitz sang.
Das schöne Fest will solches haben,
Drum laß ich meine Feder traben,
Doch sonder allen Putz und Zwang.
[160]
Was wünsch ich denn, Herr Namensträger
Dir, als der Musen besten Pfleger,
Das dir recht sanft und kirre thut?
Laßt Schwestern, mir dafür nicht grauen,
Und lang an meinen Nägeln kauen,
Seyd mir nur dies mal hold und gut.
Ihr seyd es auch, wie ich schon merke,
Drum schreit ich auch nunmehr zum Werke,
Und fange mit den Wünschen an;
Die Nymphen, so das Rund der Erden,
Schon hegt, und noch gebohren werden,
Die bleiben dir stets zugethan.
Es schmecke dir der Saft der Reben
Noch funfzig Jahr in deinem Leben,
So trinkst du lange, werther Freund.
Der Parcen Faden halte feste,
Damit der Tod vor deinem Neste
In vieler Zeit noch nicht erscheint.
Nimm hier mit meinem Wunsch vor Willen,
Den Glück und Vorsicht wird erfüllen,
Sie müssen wohl, du bist es werth.
Ich weis dir weiter nichts zu schenken,
Als mein beständig Angedenken,
Ein Schelm, der mehr von mir begehrt.
3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[161] 3. Scherzgedichte

Abbildung einer guten Freundin an ihrem Namenstage.


Die Clio weckte heute mich,
Eh noch die Morgenröthe sich
Ließ sehn, aus Schlaf und Schlummer;
Ich dehnte mich halb schnarchend aus,
Doch sprang ich zu dem Bett heraus,
Voll Unruh, und voll Kummer.
Auf! sprach sie, nimm dein Dintenfaß,
Ich weis, du hältst unfehlbar was
Von gut getroffnen Bildern;
Drum will ich hier ein Conterfey
Ohn allen Trug und Schmeicheley
Von deiner Freundin schildern.
Nimm in die Pfötchen deinen Kiel,
Und schreibe diesmal nur so viel,
Als ich itzt glaub und meyne.
Sie hat ein Herz voll Redlichkeit,
Doch trauet sie nicht allezeit,
Und schwör man Stein und Beine.
Sie ist freygebig; Lobesan
Kommt diese schöne Laun ihr an;
Doch nicht zu allen Stunden.
Denn wenn man sie vor milde hält,
So bleibt der Sack zurück gestellt,
Und sauber zugebunden.
[162]
Ihr Haus, wo stets der Tisch gedeckt,
Und wo Getränk und Speise schmeckt,
Steht guten Freunden offen.
Allein, der Misbrauch muß nicht seyn,
Denn fällt man stets wie Fliegen ein,
So hat man nichts zu hoffen.
Es kann im Umgang alsofort
Sie vielmals auch ein einig Wort
So gleich verdrüßlich machen.
Wallt ihr auch noch so sehr das Blut,
So wird sie doch gleich wieder gut,
Und fänget an zu lachen.
Nach Erb und Gut steht nicht ihr Sinn,
Wie viele thun, begierig hin,
Die nur dem Mammon fröhnen.
Viel lieber gäb sie, was sie hat,
Um andern ihren Lebensdrat
Dadurch lang auszudehnen.
Bringt man ihr neue Zeitung vor,
So pfleget solches zwar ihr Ohr
Gar willig anzuhören;
Sie schweiget dabey mäuschen still,
Doch glaubet sie nur, was sie will,
Und läßt sich nicht bethören.
So schön ein Jüngling immer heißt,
Der hold und rothe Bäckchen weist,
Hört man sie zwar ihn loben.
Jedoch, er macht ihr keinen Schmerz,
Es ist vor ihr empfindlich Herz
Ein Riegel vorgeschoben.
[163]
Die Hagestolzen ehret sie,
Und giebet sich rechtschaffne Müh,
Dieselben hoch zu halten.
Ja, was? sie liebt sie inniglich,
Denn Witz und Klugheit zeiget sich
Allein nur bey den Alten.
Sie hat sich Klingen welche man
Durch Zieglers Kunst wohl preisen kann,
Zu Schimpf und Ernst erkohren.
Bekümmert sich doch nicht dabey,
Wohin der Heft gekommen sey;
Noch wer ihn hat verlohren.
Kaum, daß ich dies durch meine Hand
Der Muse nach geschrieben fand,
Die mir dies Bildniß wiese;
So sprach ich: dies ist ganz gewiß
Die Zeichnung und der wahre Riß
Von unsrer Mutter Liese.
Und weil ich weis, daß sie das Fest
Des schönen Namens feyren läßt,
Den wir mit Lust erblicken;
So will ich ihr heut dieses Blat,
Das ihr mein Mund versprochen hat,
Zum Angebinde schicken.
Doch hang ich diesen Wunsch noch dran,
Den ich nicht schuldig bleiben kann;
Sie mag vergnüget leben,
Bis sie dereinst im grauen Haar
So, wie die – – – – – war,
Der Welt wird Abschied geben.
4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[164] 4. Scherzgedichte

Ihr lebt mein Herr, vergnügt und frey,
Und seyd Hans ohne Sorg dabey,
Ich aber fange Grillen.
Ihr gehet mit mir um zu hart
Um neun Uhr hab ich euch erwart,
Die Sehnsucht mir zu stillen.
Ich risse mich um acht Uhr schon
Aus meinem weichen Federthron
Um euch schön zu empfangen.
Allein umsonst; statt eurer kam
Ein Diener, der kroch trefflich lahm,
Mit einem Brief gegangen.
Ey dacht ich, Schade vor den Brief,
Den mir der Bothe noch so tief
Mit einem Scharfuß bringet:
Wenn nicht der Herr sich selbst einstellt,
Und sein Versprechen redlich hält,
Das nun ganz anders klinget.
Plagt euch der Henker ganz und gar?
Mein Freund, die Wittwen werden rar,
Wie ich und meines gleichen.
Ein solches frommes Tugendbild
Führt keinen Schalk in ihrem Schild;
Darf keiner Jungfer weichen.
Zwar klingt das eigne Lob nicht schön,
Das will ich euch wohl zugestehn;
Doch nehmet dies zu Herzen:
Ein falsches Wort uns gleich betäubt,
Und wenn es in der Wäsche bleibt,
So muß es freylich schmerzen.
[165]
Das Wort zu brechen, heißt sonst viel,
Euch aber nur ein Kinderspiel,
Wer sollte dies wohl denken!
Kam euch denn dies nicht in den Sinn,
Daß ich hier fremd und einsam bin?
Man muß nicht Gäste kränken.
Ich komm den weiten Weg herauf,
Und dennoch achtet ihr nicht drauf,
Das heißt ein feines Wesen.
Nun reis ich auf den – – -
Und wenn die Wiederkehr wird seyn,
Will ich den Text euch lesen.
Doch fürchtet euch nicht allzusehr,
Als wenn ich gar zu grimmig wär.
Die Lauge soll zwar beissen;
Doch dürft ihr, weil ich in der Still
Den Kopf zum Lohn euch waschen will,
Die Krause nicht zerreissen.
5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

5. Scherzgedichte

An einen guten Freund, als sie entfernet war.


Mein Herr Orontes denk er doch,
Der Kukuck plagt mich immer noch
Von Leipzig weg zubleiben,
Was aber ist wohl Schuld daran?
Dies, daß ich jeden Tag mir kann
So gut, als dort vertreiben.
[166]
Ich find auch gute Freunde hier,
Daneben Caffe, Wein und Bier,
Und was man nur will haben.
Die Lomberkarte neu und frisch
Liegt täglich richtig auf dem Tisch,
Uns Aug und Herz zu laben.
Wir sitzen recht im Paradies;
Wie Eva vor dem Apfelbiß
In Unschuld konnte leben,
So blüht auch manche schöne Frucht,
Die unserm Gaum und Zähnen sucht
Was schmackbares zu geben.
Verkürzte Stunden, Zeit und Tag,
Und was man sich nur wünschen mag,
Ist sicher hier zu finden.
Ein Scherz und Reim gilt hier auch viel,
Und endiget sich dieses Spiel,
Spatziert man um die Linden.
Da denk ich an die Lindenstadt;
Und regt sich nur das schwächste Blat,
Das Zephyr sucht zu küssen,
So spricht die Wirthin Lobesan,
Da kömmt gewiß ein Landsmann an,
Der euch nicht kann vermissen.
Allein sie fehlt; doch bringt dies mich
Auf andere gute Freund und dich,
Die mich entfernet grüssen.
Hat gleich der Raub, so mich betrifft
Viel Schmerz und Sehnsucht hier gestift,
Will ich nicht länger büssen.
[167]
Man mag hier bitten, flehn und schreyn,
So pack ich doch schon heimlich ein,
Die Heymath zu begrüssen,
Nunmehr hält mich nichts weiter auf,
Sollt man zu hemmen meinen Lauf,
Mich auch in Ketten schliessen.
Wie würd es um die Schule stehn,
Wollt ich noch länger müssig gehn?
Was spräch der Musenorden?
Der Herr Schulmeister Phoebus rief:
Ich wär, wenn ich die Zeit verschlief,
Zur Mammeluckin worden.
Nein, diese stehen oben an,
Wie man gar leichte denken kann,
In meiner Freunde Rollen.
Mit dieser Schaar verderb ichs nicht,
Weil sie durch ihren Unterricht
Aus mir was schnitzen sollen.
Drum zehl ich alle Stunden schon,
Bis daß ich euren Helicon
Kann wiederum erblicken.
Wie wird das Posthorn mich erfreun,
Das mich nach langem Aussenseyn
Zurück soll wieder schicken.
6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[168] 6. Scherzgedichte

In einer Antwort.


O! macht mich nicht zum Kinderspott,
Vor alt zu thun bewahr mich Gott,
Das kommt mir niemals in den Sinn,
So wahr ich ehr- und redlich bin.
Die losen Mäuler in der Stadt,
Und was sonst ein gut Herze hat,
Die alle machen ein Geschrey
Als ob ich nicht wie vormals sey.
Ich liebe noch den Lautenschlag,
Ich sing, und spiele Tag vor Tag.
An Zuspruch fällt kein Mangel ein,
Wir müssen oft beysammen seyn.
Die Schäfer scherzen wie zuvor,
Die Nymphen schliessen mit den Chor;
Und Atalantens muntrer Kopf
Gleicht keinem Grill und Sauertopf.
Ach Damon denke nicht darauf,
Als hieng ich meine Leyer auf;
Mein Kiel ist noch nicht aus gespritzt,
Ob Momus gleich die Feder spitzt.
Was willst du mit dem Psaltergsang?
Dergleichen armer Sünder Klang
Gehört vor Näscher insgemein,
Die schwach und satt von Sünden seyn.
[169]
Du rühmst an mir ein hohes Herz,
Und das vergeht sich nicht im Scherz:
So wacht in später Jahre Lauf
Nicht erst ein bös Gewissen auf.
Gesetzt, ich nähm auch einen Mann,
Den man zum Nestor stellen kann,
So folgt doch lange noch nicht draus,
Als wär mit mir gleich alles aus.
Kurz, meine Feder braucht gar nicht,
Daß sie hierinn ein Urtheil spricht.
Der Vorwurf gehet mich nichts an,
Weil ich kein Theil dran nehmen kann.
Mein Wittwenstand bleibt noch bestehn,
Ich sehne mich nicht draus zugehn:
Die Freyheit ist ein edles Ding,
Wie schwer ist der Vermählungsring.
Der Umgang, den man täglich hat,
Und ein vom Freund beschriebnes Blat
Vergnügen mich, und noch weit mehr,
Als wenn ich in dem Keficht wär.
7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

7. Scherzgedichte

Herr Bruder, deine Höflichkeit
Ist allzu groß, ich bin bereit
Den Dank davor zusagen.
Das, was du mir hast zugeschickt,
Und durch der Floren Hand gepflückt,
Will ich recht schöne tragen.
[170]
Ey seht mir doch dies Sträußchen an,
Ob man es netter binden kann
In dreyer Herren Landen?
Dergleichen hat kein Schäfer leicht,
So weit und breit man umher schleicht,
Der Phyllis zugestanden.
Ich bin zwar wohl, wie mancher meynt,
Von den Geschenken gar kein Freund,
Sie können mich nicht blenden.
Mein Großmuthvolles Herz und Sinn
Flieht Eigennutz und auch Gewinn,
An allen Ort und Enden.
Doch da mir deine Redlichkeit
So schön gewachsne Blumen weyht,
So darf ichs nicht versagen,
Du nähmst es vor ein Körbchen an,
Worinnen man dies Sträußchen kann
Nach Hause wieder tragen.
Nein, dieses wahrlich muß nicht seyn,
Ich theile dies Geschenke ein
Um Schläff und Brust zu winden,
Und welkt der Blumen Herrlichkeit,
So wirst du dennoch allezeit
Die Freundschaft grünend finden.
8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[171] 8. Scherzgedichte

Scherzschreiben an die Frau von **.


Hochwohlgebohrne, güldne Frau,
So wahr ich deinen Worten trau,
So freu ich mich von Herzen.
Und dies auf deine Wiederkehr;
Ach wenn sie schon beschleunigt wär,
Wie wollten wir da scherzen!
Doch spitz ich mich zugleich auch mit,
Auf das was du auf meine Bitt,
Mir heilig hast versprochen.
Es ist die schöne Opera,
Die man mit Nas und Maul ansah;
Kömmt sie bald angestochen?
Ich warte recht mit Schmerzen drauf,
Und bring die Finger schon in Lauf,
Sie nach zu musiciren;
Die Seiten liegen mir zur Hand,
Die Hoffnung heißt mit Zuckerkand
Mich meine Kehle schmieren.
Ich schwer bey der Gevatterschaft,
Die noch in den Gedanken haft
Mich schöne zu bedanken;
Wofern du nur dein Wort erfüllst,
Und meinen Durst nach Noten stillst,
Davor ich möcht erkranken.
[172]
Jedoch was schwatz ich, Freundin, dir,
Schon von Gevatterbitten für;
Hier müssen Wittwen passen.
Wer weis wie lang ich die noch bin?
Vielleicht kömmts mir einst in den Sinn
Den Orden zu verlassen.
Und käme mir die Reu auch an,
Die edle Freyheit zu verlahn,
Werd ich doch nicht vergessen,
Stets deine Dienerin zu seyn;
Dieß fällt mir bey dem Schluß noch ein;
Nun ruft man mich zum Essen.
9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

9. Scherzgedichte

Zu dein und meiner Lust
Gesteht die frohe Brust:
Es müssen alle Minen
Zu unsrer Liebe dienen;
Die kennen ich und du.
Denn siehst du mich nur an,
Hast du genug gethan.
Das Auge wird dirs sagen:
Was andre müssen fragen,
Das schliessen ich und du.
[173]
Und regt sich nur der Mund,
So thut das Lächeln kund,
Das Herze sey dein eigen.
Wer liebt, und auch kann schweigen,
Der machts, wie ich und du.
Man rede, was man will,
Ich sitze Mäuschen still;
Ja sehn wir andre scherzen,
So gehts uns nicht zu Herzen;
Das thun auch ich und du.
Denn in der besten Welt,
Die auf Ergetzung hält,
Da gelten keine Grillen;
Man lebt nach eignem Willen,
So als wie ich und du.
Die Unschuld knüpft das Band.
Nimmst du mich bey der Hand,
So werd ich nicht erschrecken,
Und mich aus Furcht verstecken;
Das hassen ich und du.
Ich scheue nicht das Licht,
Wenn dein Mund freundlich spricht.
Und willst du mich auch küssen,
So mags der Nachbar wissen;
So haltens ich und du.
[174]
Wir suchen keinen Wald,
Zu unserm Aufenthalt.
Wenn unsre Nachtgespenster
Sich küssen hinterm Fenster,
So merkens ich und du.
Wenn die und jene schimpft,
Das freye Mäulchen rümpft,
Denk ich, sie ist die rechte
Bey jedem Löffelknechte.
Das weis längst ich und du.
Wenn jene Schäfermagd
Sich mit der Keuschheit plagt,
So gilt kein spassen, scherzen,
Sie will im dunkeln herzen,
Nicht so wie ich und du.
Blondinchen weis und klug
Auf List, und auf Betrug,
Erwartet mit Verlangen
Den kleinen Mann zu fangen;
Da scherzen ich und du.
Was macht der Männerfeind,
Der Weiber bester Freund?
Dort unter jener Eiche
Spielt er verliebte Streiche?
Da lachen ich und du.
[175]
Wer auf die Liebe flucht,
Und doch die Winkel sucht,
Dem wollen wir vermelden,
Dergleichen schlechte Helden
Verspotten ich und du.
Wir fliehen vor der Zunft;
Und lieben mit Vernunft;
Ein Wort, ein Mann ein Herze,
Im Ernst und auch im Scherze:
So denken ich und du.
Eur Lieben ist gemein,
So wollen wir nicht seyn.
Wer unsre Sitten tadelt,
Da uns die Tugend adelt,
Schimpft sich; nicht ich und du.
Wer lacht bey dem Entschluß,
Der thut sich selbst Verdruß,
Denn sollten wirs auch hören,
Kanns unsre Lust nicht stören;
So bleiben ich und du.
[176]
Briefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte
1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

Briefe

[177][179]

1. Brief

Werbungsschreiben des Großfürsten in Moskau, Ivan Basilowitz, an die Königinn von England, Elisabeth.


Ivan Basilowitz, der Russen Großfürst, und ein berüchtigter Tyrann, der dem Nero an Mordbegierde nichts nachgab, war durch den Ruf von der vortrefflichen Königinn in England, Elisabeth, welche damals den Trohn bestiegen hatte, in selbige so stark verliebt worden, daß er einen gewissen Engländer, der sich von Jugend an auf die Sterndeutungskunst geleget hatte, nebst andern Engländern deswegen zu sich nach Moskau berufen ließ, und sich bey ihnen nach dem Alter sowohl als auch den Eigenschaften dieser ihm so hoch angepriesenen Fürstinn erkundigte. Die Nachricht so er erhielt, goß vollends ein so starkes Oel in seine Liebesflammen, daß er sich eben zu der Zeit, da sie von dem Könige in Spanien, und vielen andern Prinzen, als dem Erzherzoge von Oesterreich und Könige von Schweden gesuchet ward, entschloß, ihr seine Liebe durch Briefe zu erkennen zu geben; ja er setzte sich auch vor, seinem ältesten Prinz das Reich zu überlassen, seine Gemalin in ein Kloster zu stossen, durch die Dvina, über das Meer nach England zu segeln, und daselbst seine eingebildete Liebe durch eine Vermählung mit ihr zu vollziehen. Als dieser verliebte Tyranne aber zu letzt sahe, daß der Engländer ihn durch falsch erdichtete Briefe, und lere Vertröstungen aufgehalten, er auch von der Königinn abschlägliche und verächtliche Antwort bekam, ward er auf diesen Betrüger so zornig, daß er seinen Grimm durch das Blut des arglistigen und falschen Unterhändlers wirklich abkühlte, indem er ihn an einem Spiesse braten ließ.


Was wird Elisabeth, der Britten Schönheit sagen,
Da sich ein unbekannt und ihr ganz fremdes Blat,
So unvermuthet will zu ihren Händen wagen,
Die schon Basilowitz im Geist geküsset hat?
[179]
Verwundre dich nur nicht, du Preis der Königinnen,
Laß meinen Antrag dir nur nicht befremdend seyn.
Die Liebe läßt mich hier nichts strafbares beginnen:
Ich räume dir den Thron zusammt dem Herzen ein.
Der Ruf, der sich von dir, und deinen Trefflichkeiten,
In ieden Theil der Welt, vollkommne Fürstinn, schwingt,
Macht daß sein heller Schall zugleich auch mit von weiten
Durch Moskaus Grenzen eilt, zu meinen Throne dringt.
Man rühmt mir hier und dar dein unvergleichlich Wesen,
Man schildert mir dein Bild mit solchen Farben für,
Als ließ es unsre Welt das achte Wunder lesen,
Als wär, o Königinn, was Göttliches an dir.
Dies ist schon mächtig gnug in Unruh mich zu setzen,
Dies martert meinen Geist, den Durst und Sehnsucht quält;
Die Seele wünschet sich an dir nur zu ergetzen,
Die schwühle Tage spürt, und lange Nächte zehlt.
So weit du must von mir, entfernte Schöne, sitzen,
So nahe seh ich dich doch stündlich vor mir stehn.
Ich seh dich oft im Traum, ein Siegeszeichen schnitzen,
Mit dem du mir bereits entgegen scheinst zu gehn.
Was Wunder? wenn ich dir mein Leiden muß entdecken,
Und du mein Herze findst in dieses Blat gelegt?
Du darfst Elisabeth, darüber nicht erschrecken,
Weil ein zu starker Trieb mir Hand und Feder regt.
Ists möglich? hör ich dich bereits im voraus fragen,
Der Moschen Großfürst beut sich mir zu eigen an?
Der doch, wie alle Welt mit mir zu gleich wird sagen,
Sein Herz, das längst verschenkt, nun nicht mehr theilen kann.
[180]
Sitzt nicht ein Ehgemal ihm wirklich schon zur Seiten,
Das seiner Liebe Brand durch Gegenliebe stillt;
Zu was für Thorheit will ihn denn sein Trieb verleiten,
Aus dem so sträfliche und tolle Sehnsucht quillt?
Doch laß dich dieses nicht, o Fürstinn, irrig machen.
Wer in die Sonne sieht, acht kein Gestirne nicht.
Wo Ros und Lilien uns in die Augen lachen,
Da weist du daß man nicht verwelkte Nelken bricht.
Ihr Scheidebrief liegt schon bereit und abgeschrieben,
Die Zelle mag ihr Thron, ein Buch ihr Ivan seyn.
Basilowitz kann sie hinfüro nicht mehr lieben;
Dir, unvergleichliche schenkt er sein Herz allein.
Mein grosses Fürstenthum, von dessen Breit und Länge
Die Grenzen man kaum weis, geb ich mit frohem Sinn,
Denn es ist meinem Geist nunmehr zu bang und enge,
An meinen Prinz, allein um deinet willen hin.
Ein süsser Kuß von dir den ich im Geist schon schmecke,
Vergnügt mich wahrlich mehr, als sonst ein Kayserthum;
Auf! lösche meinen Brand, den ich dir hier entdecke;
Dein Ja heilt meinen Schmerz, du bleibst mein Eigenthum.
Ach! laß mich dies nur bald, gekrönte Schöne, lesen,
Wirf deinen Scepter hin, und greif nach Kiel und Blat:
Sag ob mein Antrag dir auch angenehm gewesen,
Und ob der Russen Haupt dein Herz besieget hat.
Ich will, so bald mich dies wird deine Zuschrift lehren,
Dem Dwina mich vertraun, und unter Seegel gehn,
Dem prächtigen Pallast mein Antlitz zu zu kehren,
In dessen Mauren man sieht Englands Gottheit stehn.
Die Sehnsucht treibet mich, ich soll das Ufer suchen,
Spannt ihr Matrosen nur die vollen Segel auf.
Neptunus wird mir nicht bey meiner Liebe fluchen
Sein Beystand, hoff ich fest, verkürzet meinen Lauf.
[181]
O Thetis! sey mir hold! erbarmt euch ihr Najaden,
Klärt Luft und Wolken auf, macht meine Fahrt beglückt,
Damit Basilowitz der Last sich mag entladen,
Die sein entflammtes Herz, wie schwere Zentner drückt.
Laßt Donner, Blitz und Sturm in Nereus Tiefen schlafen,
Weist Wellen und Orcan nach andern Seen hin.
So dann erreich ich bald den längst gewünschten Hafen,
So küß ich ganz entzückt dich schönste Königinn.
2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

2. Schreiben

Antwort der Königin an den Großfürsten.


Wie ist mir? reicht man mir im Schlafe was zu lesen?
Bethört die Phantasie mich durch ein Schattenspiel?
Ja, ja, es ist ein Traum und falscher Schein gewesen,
Der mir im Schlummer nur die Sinnen blenden will.
Doch nein; ich wache ja, hier ist doch Brief und Siegel
Das meine Hand erbricht, und das mein Auge liest.
Der blaue Dunst vergeht, nun springt der Augen Riegel
Ich seh, woher er kommt, und wer der Schreiber ist.
Ists möglich, daß ein Fürst nach mir sein Auge lenket,
Den doch das weite Meer von mir entfernet hält,
Und mir der Russen Haupt, so gar sein Herze schenket,
Das mir ein Blat voll Glut und Flammen zugestellt?
[182]
Viel eher hätt ich mir des Himmels Bruch versehen,
Ob gleich der starke Bau auf festem Grunde steht;
Als daß Basilowitz, wie allbereit geschehen,
Auf mich im Wehlen fällt, und mir entgegen geht.
O! wunderliche Wahl! was soll ich ihm wohl schreiben?
Wer führet mir die Hand, wer giebt mir Unterricht?
Wie! soll ich denn nur Scherz mit seiner Liebe treiben?
Nein! eine Königinn liebt solches Scherzen nicht.
Verzeihe, Großfürst, mir, wenn ich nicht deine Flammen
Und Sehnsucht löschen kann; laß mich in meiner Ruh,
Elisabeth packt hier so Herz als Brief zusammen,
Und schickt mit schönstem Dank dir beydes wieder zu.
Wie? sollt ich, Ivan, mir vor Julep Myrrhen wehlen?
Verwegner, glaube nicht, daß mich dein Schmeicheln fängt.
Suchst du gleich deine Wuth von aussen zu verhelen,
So weis man doch was dir an deiner Seite hengt.
Dein Mordschwerdt blitzet ja der Welt längst in die Augen;
Sie kennt, Tyranne, dich an deinem Würgen schon,
Du suchst, den Henkern gleich, nur Menschenblut zu saugen,
Wie häufig klebt es nicht an deinem Fürstenthron?
Was fänd ich, ließ ich mich dergleichen Irrlicht blenden,
Für süssen Zeitvertreib, bey dir, Basilowitz?
Wie sicher ruht man wohl in der Barbaren Händen?
Wer sich dem Jupiter entzieht, den rührt kein Blitz.
Ich wehlte, hielt ich nicht der Freyheit Gold so theuer,
Mir was, das Geist, Verstand, und wahre Großmuth wies;
Weh mir! wofern ich nun ein solches Ungeheuer
Das halben Menschen gleicht, an meine Seite ließ!
[183]
Wie? sollt ich einen Wolf zu meinen Schafen stellen?
Nein, Ivan, schmeichle dir mit meiner Liebe nicht.
Woher entspräng sie wohl? Ich finde keine Quellen,
Was man dir vorgeschwatzt, ist alles nur erdicht.
Du brauchst nicht deinem Thron den Rücken zu zu kehren;
Behalte was du hast, sonst schnappst du nur nach Wind.
Laß dich nicht Scherz und Spott, verwegner Prinz, bethören.
Du bist, wie man wohl merkt, vor Liebe taub und blind.
O! wage dich ja nicht auf Amphitritens Rücken.
Schau, wie besorgt vor dich Elisabeth noch ist.
Das ist ein falsches Weib, sie läßt den Zorn nicht blicken,
Du merkst es allererst, wenn sie dich hat geküßt.
Die Fluthen möchten dich bey deiner Farth verschlingen,
Und also löschten sie durch Wetter Sturm und Graus
Die Flammen die du wolltst nach Engelland mit bringen,
Und deine Liebes Gluth, gewiß auf einmal aus.
Laß dir die Liebe nur, bethörter Fürst, vergehen,
Auf Englands Boden wächst, das siehst du ihm nicht an,
Kein Kraut, das deiner Pein vermag zu widerstehen,
Und den entstandnen Schmerz der Sehnsucht heilen kann.
Du kannst, ich rath es dir, nur alle Mühe sparen,
Wer ist im Wehlen wohl so toll und frech als du?
Denn vor so schändlichen und grausamen Barbaren
Schließt man so wohl das Herz als auch die Kammer zu.
3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[184] 3. Brief

Abschieds Brief Alphonsi des VI. Königes in Portugall an seine ungetreue Gemalinn.


Alphonsus der VI. König in Portugall, vermählte sich, als er nach zurückegelegter Minderjährigkeit den Thron bestiegen hatte, mit Maria Johanna Baptista, Herzogs Carl Emanuel zu Nemours Tochter, insgemein Madame d'Aumale genannt. Er fand aber bey solcher Vermählung gar schlechtes Vergnügen; denn sie beschuldigte ihn nicht nur vieler Vergehungen, sondern gab auch zugleich vor, als hätte er durch einen seiner Lieblinge einen Kronerben mit ihr wollen erzielen lassen. Unter solchem Vorwande begab sie sich in das Kloster der Religiosen; und ließ aus demselben dem König durch einen ihrer Cammerherren hinterbringen, ihr Gewissen liesse nicht zu, länger bey ihm zu bleiben, weil sie nicht seine Frau, und er auch nicht ihr Mann gewesen, welches dem Himmel und ihm selbst genugsam bekannt wäre; ihr Stand worin sie sich ehemals, als eine ledige Prinzessin befunden, wäre auch immer unverändert geblieben. Dergleichen nachtheiliger Vorwurf setzte den Alphonsus in solchen Zorn, daß er sie mit Gewalt aus dem Kloster wieder zurücke holen wollte, wovon ihn aber sein Bruder Don Pedro mit einer Menge Soldaten abhielt. Der beschimpfte König wollte die Beschuldigung nicht auf sich sitzen lassen, und hinterbrachte daher dem Rath alles, was zwischen ihm und seiner rebellischen Gemalin vorgegangen, behauptete auch, daß er die Heyrath mit ihr wirklich vollzogen hätte. Allein er fand bey demselben wenig Gehör. Mittler weile kartete es die listige Königinn in ihrem Kloster so, daß sie die Unterthanen durch allerhand wahrscheinliche Vorstellungen bereden ließ, dem Don Pedro die Verwaltung des Reiches aufzutragen, weil sich Alphonsus gar nicht zur Regierung schickete, das Volk auch mit allzu schweren Auflagen belästigte. Dieses geschahe im Jahr 1668. wirklich. Nach diesem ward der König ganz und gar für untüchtig erkläret; hingegen legten die Stände des Reiches so wohl, als das Volk, dem Don Pedro den Eyd der Treue ab, erhoben ihn auch zu letzt gar auf den Thron; nachdem sie zuvor den Alphonsus gezwungen hatten, sich desselben zubegeben, und eine schriftliche Verzicht unter seiner Hand und Siegel deswegen von sich zu [185] stellen. Kaum, daß dieses geschehen, so ward der abgesetzte König in Verwahrung, und endlich gar auf die entlegene Insel, Tercera gebracht, wo ihm zu seiner Unterhaltung gewisse Einkünste angewiesen wurden. Indessen wollte sich bey der von ihrem Gemal geschiedenen Maria keine wahre Neigung zum Klosterleben finden. Sie gieng also wieder nach Hofe; und weil Papst Clemens der IX. nicht nur auf ihr Verlangen, die vorige Ehe gänzlich aufgehoben, sondern auch seine Einwilligung zu der neuen Vermählung mit dem Don Pedro ertheilet hatte, so ward dieselbe mit dem grösten Vergnügen, zu Besänftigung ihrer bisherigen Sehnsucht, öffentlich vollzogen. Es entwischete zwar der verwiesene Alphonsus aus der Insel, und kam wieder in Portugall an; allein er ward von neuem ergriffen, und in ein Castell 6. Meilen von Lissabon gesperrt, worinn er auch, nicht sonder Verdacht eines beschleunigten Todes, in dem 40sten Jahre seines Alters starb.


Untreue! kannst du dich noch auf die Hand besinnen,
Die dieses Blat an dich, Meineidige gericht,
Worauf der Thränen mehr, als Dintentropfen rinnen,
So lies, und frage dich, was dein Gewissen spricht.
Alphonsus schickt es dir, der ehmals dich erhoben,
Nun aber statt des Danks mit Kummer und Verdruß
Bey deiner tollen Wuth, bey Rasen, Fluchen, Toben,
Auf einer Insel hier sein Elend bauen muß.
Wie hätt ich armer doch wohl übler können wehlen,
Als doch mein Aug auf dich, du Furie, verfiel?
Warum gerieth es denn in des Avernus Hölen?
Denn Pluto war gewiß als Henker mit im Spiel.
Die Nachwelt wird es nicht, sie kann es auch nicht glauben
Daß deine Geilheit mir durch Falschheit, Rank, und List,
Kann Freyheit Kron und Trohn, wohl gar das Leben rauben,
[186]
Mir, den du als Gemal, und König hast geküßt.
Es sey der Scheidebrief, das Unglücksblat, verfluchet,
Das du mir zu gestellt, und das dein Lästermund
Durch Vorwand, Lug und Trug noch zu beschönen suchet!
Dies macht das Reich empört, dies bricht den Eyd und Bund.
Was zischest du dem Volck, dem häßlichen Geschmeisse,
Für fabelhaftes Zeug, Betrügerinn ins Ohr?
Wie stellst du, da ich doch die Unschuld selber heisse,
Der Welt das Gegentheil von meiner Treue vor?
Ists möglich, daß du kannst Algarbien belügen,
Als ob sich überall die Ohnmacht bey mir wies,
Nach der ich Lieblingen, um dich nur zu vergnügen,
Zu deinem Schlafgemach den Schlüssel überließ.
O Schandmaul! welcher Prinz läßt wohl mit eignem Winken
Den Räuber, den er sieht, in seinen Garten ein?
Wer läßt den Frevler wohl aus seinem Becher trinken?
Des Throns und Lagers darf kein andrer theilhaft seyn.
Dies sannst du listig aus, mich nur verhaßt zu machen,
Und gabst dabey noch vor, als wenn noch immer dar,
Worüber ich auch muß in meinem Elend lachen,
Es sollte dich die Welt die andre Vesta nennen,
Die vormals Lebenslang der Keuschheit sich verschrieb.
Drum sah man dich verstellt nach einem Kloster rennen,
Als ob in selbiges dich dein Gewissen trieb.
Dies sollte, Heuchlerinn, dir eine Maske leihen,
O ja! dies schickte sich zu deinem Fleisch und Blut
Das du gewohnet warst der Wollust bloß zu weyhen,
Und welche noch bey dir, bis itzo Wirkung thut.
Mit was für frechem Sinn und bulerischer Stirne
[187]
Suchst du die heiligen und stillen Mauren auf,
Don Pedro war dir bloß, ich weis es, im Gehirne,
So listig bahntest du dir deiner Liebe Lauf.
Was hast du nicht daselbst, für Streiche ausgehecket,
Wodurch du gegen mich mein treues Volk verhetzt!
Was Aufruhr hast du nicht im ganzen Reich erwecket,
Der deinen Buler nun auf meinen Thron gesetzt?
So hat dein geiler Geist sich wider mich empöret,
Mein Scepter, dessen Macht ich dir mit über gab,
Verwandelt sich nunmehr, wie mich die Zeit gelehret,
Durch deine Grausamkeit in einen Schlangenstab.
Sag Mammeluckinn doch, was hat dich denn bewogen,
Daß deine freche Faust mir, deinem Ehgemal,
Den Königsmantel hat so schändlich abgezogen?
Ich weis wer solches dir, Bundbrüchige, befahl.
Du suchtst mit selbigem die Schande zu zu decken,
Die mit Don Pedro dich die Geilheit treiben heißt.
Des Bruders Lagerstadt so schändlich zu beflecken,
Ist etwas das uns auch das Heydenthum nicht weist.
An eurem Throne wird der Fluch bekleben bleiben,
Mein Ach und Weh schleicht euch stets, geile Seelen, nach;
Der Thränen Salz das ihr mir suchet auszutreiben,
Und meiner Seufzer Kraft dringt in eur Schlafgemach.
Armseliger Alphons! du bist nunmehr verwiesen;
Dein falsches Ehgemal, der Bruder und das Reich
Die deine Thaten sonst aufs trefflichste gepriesen,
Die wüten allerseits nun wider dich zugleich.
Statt meines Throns ist mir ein Kerker aufbehalten,
Da stößt das Tygerthier, Maria, mich hinein,
Doch muß ich mit Geduld den Himmel lassen walten,
Der wird schon zwischen mir und dir ein Richter seyn.
4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[188] 4. Brief

Antwort der Königinn Maria, an ihren gewesenen Gemal, Alphonsus.


Du unverschämter Kiel, was störst du mein Vergnügen
Das mir der Himmel gönnt, das Glücke beygelegt?
Wer läßt ein freches Blat, zu meinem Throne fliegen,
Das voller Lästrung ist, statt Dinte Galle hegt?
Wie? schickt es nicht Alphons? der längst verjagte König?
Tollkühner! wagst du dich die Majestet zu schmähn?
Reizt dich die Raserey? ach du bist viel zu wenig,
Nach einer Königinn voll Rach und Zorn zu sehn.
Der Unterthan will noch im tiefsten Kerker fluchen;
Ein ganz verstoßner Knecht, und halb zertretner Wurm,
Der billig tief gebückt, die Gnade sollte suchen,
Erhebt, o Frevelthat! sein Haupt mit Wuth und Sturm.
Was willst du über mich so unbesonnen schreyen?
Ach wüte wider dich, du bist selbst Schuld daran,
Und hättest dir vorlängst das können prophezeyen,
Was billig Reich und Land zu letzt an dir gethan.
Wenn ein Regente nicht das Scepter weis zu tragen,
Und dazu ungeschickt in aller Augen ist;
So wird so leicht kein Mensch zu deinem Vortheil sagen,
Daß man dasselbige in deiner Hand vermißt.
[189]
Dein Schreiben lässet mich viel tolle Träume lesen,
Wie! schläfst du? weil du mich dein Weib so oft genennt?
Ich bin wohl Königinn, nicht dein Gemal gewesen;
Schau wie der falsche Wahn dir Aug und Sinn verblendt.
Willst du vielleicht daraus ein Eheband erzwingen,
Daß man mich öffentlich an deine Hand gesellt,
Und weil ich würdig war mich auf den Thron zu bringen,
Die Krone die du trägst, zugleich mir zugestellt;
O! so betrügst du dich, und wirst am besten wissen,
Daß doch mein Stand dabey stets unverändert blieb;
Weil mich, ob gleich mein Geist der Freyheit ward entrissen,
Die Unschuld immer noch in ihre Rolle schrieb.
Wie magst du, schäme dich, Unsinniger, wohl sprechen?
Ob würde dermaleinst der Himmel ganz gewiß
Die Schande, so ich trieb, mit gröstem Nachdruck rächen,
Dies wahrlich macht mir nicht die mindeste Kümmerniß.
Don Pedro konnte sich mit mir gar wohl vermählen,
An dem das Reich nunmehr viel Lust und Freude schaut.
Der Römsche Stuhl, der nicht vermögend ist zu fehlen,
Hat diesen muntern Prinz mir selber angetraut.
Mit diesem kann ich recht vergnügt und prächtig leben,
Durch ihn wird mein Pallast zum andern Paradies,
Der, als ich ehmals noch mich sah von dir umgeben,
Mich in der Wüsteney, bey Schreckensgeistern ließ.
Dein Ach und Weh, das du mir suchest nach zurufen,
Muß eben, wie dein Geist, so schwach und kraftlos seyn,
Ich höre nichts davon auf meines Thrones Stuffen,
Den deiner Thränen Naß noch minder kann entweyhn.
[190]
Dein frecher Fluch, der dir, du Schaum der Lästerzungen,
Fast ieden Augenblick vor Raserey entfährt,
Ist bis anher noch nicht ins Schlafgemach gedrungen,
Weil man darinnen nichts, als Küsse schallen hört.
Die Liebe bettet mich nunmehr auf eitel Rosen,
Mich, die ich ehemals auf Dorn und Ketten schlief.
Das Glück vermochte mir nicht schöner lieb zu kosen,
Alß daß es mich zum Schooß von dem Don Pedro rief.
Mit ihm ist Reich und Land, und ich auch sehr zu frieden;
Das Schicksal, das mich sonst mit Hülsen nur gespeist,
Hat mir nunmehr dafür die schönste Kost beschieden,
Die noch weit schmackbarer, als süsse Datteln heißt.
Algarbien, das uns vertraut sieht scherzen, lachen,
Will sich schon zum voraus was gutes prophezeyn.
Und dieses kann sich auch die sichre Rechnung machen,
Daß seine Sehnsucht nicht vergebens werde seyn.
Wo Lieb und Einigkeit um Thron und Lager schweben,
Speist sich die Hoffnung nie mit lerer Phantasey,
Gnug, daß ich nun der Welt und dir kann Nachricht geben,
Was für ein Unterschied oft zwischen Brüdern sey.
5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

5. Brief

Schreiben der Biblis an ihren Bruder Caunus.


Miletus, welcher vor den Aeacus in Asien fliehen muste zeugete allda mit seinem Weibe Zwillinge beyderley Geschlechtes, wovon er den Sohn Caunus, die Tochter aber Biblis nennete. Als sie nun beyderseits auferzogen, und Biblis mannbar [191] worden, ward sie in ihren Bruder dergestalt vor Liebe entbrannt, daß sie ihre Neigung gegen ihn nicht länger zu verbergen wuste. Weil sie sich aber nicht getrauete ihren Antrag mündlich zu thun; so entdeckete sie ihm ihre Leidenschaft in einem Briefe auf das zärtlichste. Kaum hatte Caunus der Schwester unziemliche Regung daraus ersehen, so erschrak er nicht wenig darüber; er nahm sich vor, solchen gefährlichen Stricken zu entrinnen, und verließ sein Vaterland heimlich. Biblis, der seine Flucht zu Ohren kam, ward dadurch auf das empfindlichste gerühret. Ihre Gluth verstärkete sich durch seine Entfernung, von Tag zu Tag; Weil ihr nun des Bruders Abschied unerträglich war, entschloß sie sich ihrem Geliebten nachzugehen, und ihn aufzusuchen. Jedoch so einen weiten Weg sie auch zu Wasser und Lande that, so verfehlte sie ihn nichts destoweniger. Der Kummer, darein sie hiedurch gesetzet ward, machete, daß da sie endlich ganz matt und kraftlos in Carien angekommen war, sie vor Sehnsucht und Gram sich unter eine Weyde legete, daselbst, wie die Fabel saget, in Thränen zerfloß und zuletzt in einen Fluß verwandelt ward.


Wie? will die bange Furcht die Hand noch länger stämmen?
Entreiß dich ihr mein Kiel, verfolge deinen Lauf,
Und laß ihn ferner nicht durch blöden Einwurf hemmen;
Verbanne Sorg und Qual, gieb allen Zweifel auf.
Nun ists nicht länger Zeit die Leidenschaft zu bergen,
Entschütte dich der Last nunmehr, verzagter Geist!
Du stellst dir Riesen vor, und kämpfst doch nur mit Zwergen,
Was hilft es, wenn man gleich den Schmerzen lang verbeißt;
Annehmlichster der Welt! mein Caunus, mein Verlangen,
Entsiegle dieses Blat, das dir mein Leiden klagt.
Ich bin dir, doch mit Scheu, schon lange nachgegangen,
Nun ist die Furcht verbannt, nun hab ichs doch gewagt.
[192]
Mein Geist reicht nicht mehr zu, die Sehnsucht zu verhelen
Die mich, ach glaub es mir, geliebter, Tag und Nacht,
Auf das empfindlichste beständig sucht zu quälen,
Und meinen Körper recht zum Schattenbilde macht.
Die zuckersüsse Kost will mir zu Myrrhen werden,
Der beste Rebensaft schmeckt mir wie Aloe.
Selbst meine Wohnung ist ein Zeughaus der Beschwerden,
Die Brust trägt überall sich mit dem herben Weh.
Was aber ist es denn das mir den Lenz der Jahre
Im düstern Winter schon durch Harm und Gram verkehrt,
So daß der innere Schmerz mich zeitig auf die Bahre
Beklagenswürdig streckt, wofern man mich nicht hört?
Ach Bruder! darf ich dich den schönen Mörder nennen,
Der, eh ichs recht gewust, mir Mark und Blut entführt?
Ich bin in dich entbrannt, laß mich es frey bekennen,
Du hast, Anmuthigster, mir Seel und Herz gerührt.
Kein andrer kann so leicht wie du die Sehnsucht lindern,
Und wenn er dem Narziß und Paris ähnlich wär;
Auch Götter sind zu schwach die Neigung zu verhindern,
Sie steiget gegen dich noch immer mehr und mehr,
Warum verfärbst du dich? wie? fluchst du meinen Flammen?
Sie sind ja mehr als rein; ach Caunus, glaube mir
Daß selbige gewiß von etwas hohem stammen,
O! stelle dir nur selbst die Macht der Liebe für.
Du weist was für Gewalt die Herscherinn besitzet,
Hier gilt kein Widerstand; denn ihrer Reizung Schein,
Der allen Sterblichen in Herz und Augen blitzet,
Bezwingt die ganze Welt, heißt sie gehorsam seyn.
[193]
Sie läßt von niemand sich Gesetz und Vorschrift geben,
Ihr Wille bindet sich an keine Regel nicht;
Auch selbsten die Natur darf hier nicht widerstreben;
Vergebne Gegenwehr, wenn man ihr widerspricht!
Verboth und Drohung kann ihr Licht doch nicht verdüstern;
Ihr starker Einspruch dringt in das verstopfte Ohr;
Sie trennt das nahe Band selbst unter den Geschwistern,
Und stellt sie beyderseits einander fremde vor.
Sie kan den Sipschaftsbaum aus seiner Wurzel reissen,
Die Liebe glaubt gar nicht daß man hier Grade zehlt,
Ja was? selbst die Vernunft wird es auch billig heissen,
Wofern sie selbige durch Gegenmurren quält.
Das nahe Blut löscht nicht die Flammen zarter Liebe,
Denn diese giebt auch oft der Kindschaft kein Gehör.
Vergaß nicht Myrrha dort bey so erhitztem Triebe
Daß sie von dem, der sie gereizt, die Tochter wär?
Ist dieses, wirst du dich dem Trieb nicht widersetzen,
Den jeder Tropfen Blut in meinen Adern fühlt.
Die Billigkeit muß ihn belohnenswürdig schätzen,
Dein Kuß ists, welcher die entflammte Seele kühlt.
Komm, laß mein Caunus, uns auf Tuberosen betten,
Komm, folge meinem Trieb und gieb das Jawort drein.
Erlöse Bibliden von ihren schweren Ketten,
Sie gleicht Andromeden, und du sollst Perseus seyn.
Der Werkstatt der Natur, so uns verschlossen hegte,
Stellt uns als Zwillinge zugleich ans Licht der Welt;
Durch welche Nachbarschaft sie uns ins Herze prägte,
Daß das, was sich recht liebt, auch stets zusammen hält.
[194]
Bespiegle dich doch nur an dem gestirnten Bogen,
Der statt der Vorschrift uns das Zwillingszeichen weist.
Umarmen sie sich nicht vertraut und recht gewogen?
Wer ist der dieses Paar nicht unzertrennlich heißt!
Ergreife den Entschluß, und laß mich, liebster, wissen,
Ob Biblide dein Herz und dich nach Wunsch besiegt?
Wie zärtlich werd ich dich so dann, mein Bruder küssen!
Ich schmecke schon voraus, wie mich die Lust vergnügt,
Doch will dein Eigensinn mir kein Gehöre geben,
So glaube, daß der Gram mein banges Herze bricht
Denn, Schönster, ohne dich vermag ich nicht zu leben;
Mein Sinn ist nur auf dich, auf keinen sonst gericht.
Ich müste, flöhst du mich, in Zähren ganz zerfliessen,
Mein Auge würde sich bey stetem Weh und Ach,
In Thränen ohne Zahl gleich einem Strohm ergiessen
Drum Bruder, höre mich, gieb meiner Liebe nach.
6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

6. Brief

Antwort des Caunus.


Wie? Schwester? doch mag ich dich wohl mit Recht so nennen,
Der Geilheit Hitz und Brunst, Vernunft, und Menschheit raubt,
Ein Unthier, das man sieht von solcher Liebe brennen,
Die aus der Hölle stammt, und kaum die Nachwelt glaubt.
Vermaledeyte Brunst! verfluchenswerthe Liebe,
Entmenschte Buhlerinn! du Scheusal der Natur!
Du hast, vom wildem Vieh gewiß dergleichen Triebe
Erlernt und abgesehn; dies zeigte dir die Spur;
[195]
Sprich, welche Furie hieß dich den Kiel ergreifen,
Den du selbst in den Schlamm der Geilheit eingetaucht?
Wer führte dir die Hand, so süß mir vorzupfeifen?
Hat dir nicht Pluto Wort und Einfall eingehaucht?
Ists möglich, daß du mich, Sirene, suchst zu kirren?
Nein wilde Biblide, dein glattes Buhlerlied
Wird mich nicht in das Netz, so du mir stellst, verwirren,
Weil Caunus dich weit mehr als eine Schlange flieht.
Ihn dünkt, da du so frech und unverschämt gehandelt,
Als hätte dich nunmehr dein unverschämter Trieb,
In einen Basilisk und Drachenbrut verwandelt,
Als ob nichts menschliches von dir mehr überblieb.
Wie? hast du auf einmal, Barbarin, gleich vergessen
Daß ich und du zu gleich, kann wohl was näher seyn?
In einer Mutter Schooß so fest verknüpft gesessen?
Wir sind ja, Biblide, von einem Fleisch und Bein,
Es hat uns eine Brust gesäuget und genehret,
Und doch sieht mich dein Aug, als einen Fremdling an.
Unsinnige! die Brunst so leider dich bethöret,
Drückt dir ein Brandmal ein, das sich nicht bergen kann.
Wie magst du mit der Macht der Liebe dich wohl schützen?
Rechtfertige diesmal ja dein Begehren nicht,
Dein Vorwand gründet sich auf nichts als mürben Stützen,
Da dir Vernunft und Recht in allem widerspricht.
Sie hat uns beyderseits zwar durch ein Band verstricket;
Doch auf verbothne Glut den strengsten Fluch gelegt,
Den deine wilde Faust doch nimmermehr verrücket,
So stark das heisse Blut sich auch in Adern regt.
[196]
Sie hat uns Aug und Mund, so fest sie kann versiegelt,
Damit nicht Blick und Kuß ihr hohes Recht entweyht,
Und der Geschwister Herz in solchem Fall verriegelt;
Doch Schaam und Furcht entfernt von dir sich allzuweit.
Die Wollust läßt dich nicht an Schloß und Siegel denken
Ein unbedachter Zug sprengt beydes leider auf
Erwege, wie mich muß dein frecher Anfall kränken,
Verhaßter Liebesbrief. Verfluchter Sehnsucht Lauf!
Ich kann dich, Frevlerinn, hinfüro nicht mehr leiden;
Weil mir so gar dein Bild ein rechter Greuel ist.
Fleuch Caunus, weil du kannst, dies Scheusal zu vermeiden,
Verlaß dein Vaterland, damit du sicher bist.
Die Schlange kann dich nicht in fremder Luft vergiften.
Verhel ihr Weg und Farth, und scheu kein Ungemach,
So kann dir Biblis doch kein weitres Schrecken stiften;
So schleichet dir nicht mehr die freche Schwester nach.
7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

7. Brief

An eine Dame.


Brich an gewünschter Tag, verkürze mein Verlangen;
O Tag! dem auf der Welt nichts zu vergleichen steht.
Wie zärtlich werd ich dich, o Freundinn, nicht umfangen?
Ach! daß nicht gleich ein Schiff durch Luft und Wolken geht!
[197]
Das Blut in Adern wallt, das Innerste der Seelen
Nimmt Sehnsucht, Lieb, und Lust, ja fast Entzückung ein.
Doch mein vergebner Wunsch sucht mich dabey zu quälen;
Die Hoffnung die verzeucht, muß auch mein Henker seyn.
Indeß verehr ich stets nach wahrer Freundschaft Pflichten
Dein mehr als gutes Herz, und deine Trefflichkeit.
Drum kann ich anders nicht, als dir ein Loblied dichten;
Denn das erfordert ja von mir die Billigkeit.
Es ist längst ausgemacht; das Glück ist nicht zu schätzen,
Wer einen wahren Freund vor sich gefunden hat;
Mit dem ist Geld und Gut nicht in Vergleich zu setzen:
Und solchen edlen Trieb zeigst du auch in der That.
Wie wohl ist meinem Geist! ich kann nicht unterliegen.
Weil deine Freundschaft stets vor meine Wohlfarth wacht,
So kann mein freyes Herz kein Männerblick besiegen,
Da mein Vergnügen bloß aus deinen Augen lacht.
Vergiß – – – nicht, die dich so hoch verehret,
Vergiß nicht, was du ihr so heilig zugesagt.
Es bleibe weit entfernt was unsre Freundschaft störet;
So mangelt mir kein Trost, wenn mich ein Kummer plagt.
Hochwohlgebohrne Frau, erlaubst du daß ich grüsse,
Den theuren Ehgemal, dein liebstes auf der Welt,
So wisse daß ich dich davor ergebenst küsse.
Ich unternehme nichts als was dir wohlgefällt.
Indessen wünsch ich dir so viel vergnügte Tage,
Als Vögel in der Luft und Fisch im Meere ziehn.
Genieß der frohen Zeit, bis ich dir mündlich sage:
Ich will mich mit Bestand um deine Gunst bemühn.
8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[198] 8. Brief

An eine Adeliche Dame.


Hochwohlgebohrne Frau, ich bitte dich, vergieb.
Daß ich nicht alsobald auf dein Geehrtes schrieb.
Ich konnte wahrlich nicht die schwache Feder führen.
Ich weis, mein Schmerz kann dir zugleich das Herze rühren.
Hättst du die Hand gesehn, der Schwulst war gar zu groß;
Mir fiel bey dem Geschick ein allzuhäßlich Los.
Erhalt ich sonst ein Blat von deinen liebsten Händen,
So eil ich ungesäumt, die Antwort drauf zu senden.
Denn jedes druckt so gleich mit neuverstärkter Lust,
Dein Bild, Geehrteste, in die ergebne Brust.
Wie glücklich kann ich mich bey deiner Freundschaft schätzen!
Ich darf mich ganz vertraut an deine Seite setzen:
Ich rede unverstellt, in ungestörter Ruh;
Dein aufmerksames Ohr hört mir gelassen zu.
Ich kann dir Wohl und Weh und alles anvertrauen;
Ich kann auf deine Huld die stärksten Schlösser bauen.
Dies alles treibet mich zu einer Ehrfurcht an,
Mit der man in der Welt gar nichts vergleichen kann.
Mich reizt kein schöner Baum, kein Garten, keine Früchte,
Sie bleiben gegen dich ein blosses Schaugerichte.
Wenn mich was laben soll, so ists ein werthes Blat
Das deine Hand gesetzt, des werd ich niemals satt.
Da laß ich Obst und Wein, und alle Speisen stehen;
Mein Geist weis nicht vor Lust, wie ihm dabey geschehen.
[199]
Pflicht und Erkenntlichkeit erfordert dies von mir.
Mein Herz, Geehrteste, ist immerfort bey dir;
Das suchst du Tag vor Tag von neuem zu ergötzen;
Mit deiner Freundschaft ist nichts in Vergleich zusetzen.
Du hast mich, Wertheste, vor andern Freunden lieb,
Und worauf gründet sich der ungemeine Trieb?
Und was bewegt dich denn mich vielen vorzuziehen?
Du kennst mein Redlich seyn, mein Sorgen, mein Bemühen
Vor das was dich vergnügt, und was dir wohlgefällt;
Mein Wille bleibet stets dem deinen heimgestellt;
Ja der Gehorsam daurt in unverrückter Treue.
Du glaubst nicht, wie ich mich schon auf die Messe freue.
Ich zehle Stund und Tag bis ich dich sprechen kann
Bey deiner Gegenwart treff ich mein alles an.
9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

9. Brief

An eine Adeliche Dame.


Verwundre dich nur nicht, wo fern du meine Zeilen,
So dir die Antwort hier, wozu du mich verbindst,
Hochwohlgebohrne Frau, auf deinen Brief ertheilen,
Verwirrt, vom schlechtem Klang, und recht gezwungen findst.
Mein Blat muß sich vor dir und deiner Güte schämen,
Nicht weniger als ich! ich werde feuerroth;
Die Furcht will mit Gewalt mir Hand und Finger lähmen,
Die mir mit deinem Zorn und Eifer billig droht,
[200]
Dein Vorwurf ist gerecht, ich muß es selbst bekennen,
Weil mein Versprechen nicht von mir erfüllet ward.
Du kannst, und zwar mit Recht, mich deinen Schuldner nennen;
Jedoch dein Argwohn ist ganz falsch und klingt zu hart:
Du glaubst, ich hätte dich die ganze Zeit vergessen,
Und der Gedanken Lauf nach andern hingericht,
Seit dem du weit entfernt in Carols Bad gesessen;
Wie fällt dir dieses ein? O Freundinn! Glaub es nicht,
Es ist gewiß kein Tag, ich schwer es dir, verstrichen,
Mein Herze muste dir auf jeden Tritt nachgehn,
Bey deiner Lust bin ich niemals von dir gewichen,
Und muste dir im Geist stets an der Seite stehn.
So viel mal ich an dich und deine Cur gedachte,
So viel mal flog zu gleich ein frommer Wunsch nach dir,
Den dir an meiner statt ein Seufzer überbrachte,
Und diesen wiederholt auch noch die Feder hier.
Doch soll ich dir im Ernst und offenherzig sagen
Was wohl die wahre Schuld an meinem Schweigen sey,
So kannst du dich mit Recht nicht über mich beklagen,
Leg alle meine Schuld bloß dem Verhängniß bey;
Dies risse leider! mir die Nachricht aus den Händen,
In welcher Gegend du dort deine Wohnung nähmst;
Wie konnt ich dir also ein Blätchen übersenden,
So daß du es gewiß am rechten Ort bekämst?
Drum laß doch den von mir geschöpften Argwohn schwinden,
Als wär ich etwan nur ein solcher Flattergeist,
Der sich zu etwas bald und leicht pflegt zu verbinden,
Im Halten aber träg und ganz vergessen heißt:
[201]
Ich weis, was ich an dir für eine Freundinn liebe;
Dein Umgang hat mir gleich im Anfang dargethan
Daß man dich unverfälscht, und deine Freundschaftstriebe
Recht rein und ungefärbt, dir ähnlich nennen kann.
Wer der von A – – zur Hand und Seite sitzet,
Der sieht, wofern er nur ein Aug im Kopfe trägt,
Daß eitel Redlichkeit aus ihrer Stirne blitzet,
Und daß ihr Herze nie List und Verstellung hegt.
Man muß sie wirklich mit zu Biederfrauen stellen,
Dies Wort gehöret euch, ihr Männer, nicht allein,
Ihr ächt gesinnter Geist, haßt aller Falschheit Quellen,
Den Worten muß die That stets gleich gestimmet seyn.
O! solche Freunde soll man hoch und heilig halten,
Sie sind bey unsrer Welt, als wie ein Phönix rar;
Wie schwach ist ihre Zahl! das Korn und Schrodt der Alten,
Zeigt sich, du weist es selbst, nur alle Jubeljahr.
An Freunden fehlt es nicht, sieht man auf Wort und Minen,
Doch, nimmt man auch zu gleich ihr inneres in acht,
So gleichen selbige wohl meistentheils den Bienen,
Die nur der Seim beliebt, der Stachel furchtbar macht.
Die Freundschaft dieser Zeit, ist wie der Umgang lehret,
Nur auf den äußren Schein, und schlechten Grund gebaut;
Der müste kindisch seyn, und wäre wohl bethöret,
Der glatten Worten gläubt, den holden Blicken traut
Und dieses eben wirkt ein sehnliches Verlangen,
Geliebte Freundinn, dich bald wiederum zu sehn;
Ich schmeichle mir gewiß, wenn der Saturn vergangen,
Daß es nach Florens Wink und Eintritt soll geschehn.
[202]
So dann will ich mich recht an deiner Gunst erquicken
Ein einzig Wort von dir soll mir viel lieber seyn
Als aller Rosen Pracht die mir erlaubt zu pflücken,
Womit der Lenz dir wird den Garten überstreun.
Es muß mir weder Kost noch Trank so süsse schmecken
Als dein verneurter Kuß, wonach mein Herze strebt,
Und weist du wohl, warum? der Schluß soll es entdecken:
Weil wahre Gegengunst an deinen Lippen klebt.
10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

10. Brief

An eine Adeliche Dame.


Dein nett gesetztes Blat, das mir dein Wohlergehen,
Hochwohlgebohrne Frau, vergnügt zu lesen gab,
Erweckte mir viel Lust da ich es durch gesehen;
Denn du drückst deinen Geist in allen Zeilen ab.
Mir war, als hört ich dich mit mir persönlich sprechen,
Denn es kann deiner Schrift, die deinen Geist entdeckt,
So wenig als dem Mund, an Artigkeit gebrechen,
Du sprichst und schreibst zugleich, geschickt und aufgeweckt.
Die Muse hilft dir zwar die Feder niedlich schärfen,
Doch hat die Schmeicheley dabey die Hand geführt,
Die mein so schlechter Dienst mich billig heißt verwerfen,
Weil dir dergleichen Lob, mir aber nicht gebührt.
Wie magst du doch von mir ein solches Rühmen machen,
Als wäre Clio mir vor andern zugethan?
Beschäme mich doch nicht; sie wird selbst drüber lachen,
Sie sieht dich ja gewiß mit holdern Augen an.
[203]
Ists möglich daß du wohl mein Seitenspiel kannst preisen?
O Freundinn, denke doch an deiner Lieder Klang,
Was die für Majestet, für Geist und Feuer weisen;
Im Musenchor hast du gewiß den ersten Rang.
So oft mein Auge was von deiner Hand erblicket,
Das die Calliope durch dich zum Vorschein bringt,
So viel mals werd ich auch, ich schwer es dir, entzücket,
Weil alles angenehm und mehr als lieblich klingt.
Doch dieses kann mich gar nicht in Verwundrung setzen,
Daß deine Poesie dir so viel Ruhm erwirbt,
Und die gelehrte Welt dich vor geschickt muß schätzen,
Wenn andern Kraft gebricht, und Geist und Glut erstirbt.
Du wohnst an einem Ort, den sich die Pierinnen
Mit ihrem Dichterprinz zum Leibgeding erkiest;
Wo man die Hippocren sieht ungetrübet rinnen,
Und wo der Sammelplatz recht guter Dichter ist.
Dergleichen edle Kunst ist ihnen eigenthümlich,
An statt der Muttermilch nährt sie der Musen Brust.
Wer singt wie sie, so schön, so lebhaft und so rühmlich?
Wer hört ihr Singen nicht mit stets verneuter Lust?
Auch ihrer Töchter Geist erhebet sich im Dichten,
Fällt liebste Freundinn, dir nicht die von Breßler ein?
Die Schlesien mit Schmerz sah nach den Sternen flüchten,
Auf deren Asche noch die Musen Weyrauch streun;
Die haben dir gleichfalls ihr Feuer eingegossen,
So bald ein edler Trieb aus deiner Stirne brach,
Die haben in ihr Chor zugleich dich eingeschlossen,
Drum singst du ihnen auch so rein und männlich nach.
Allein wie wird sie nicht nunmehr dein Abschied kränken,
[204]
Da sich anitzt dein Fuß aus ihren Grenzen reißt,
Und nach Pannonien so unverhofft will lenken,
Wohin Mars den Gemal, und dich ihm folgen heißt!
Ach Freundin! willst du dich uns denn so gar entziehen?
Da dieser Wink einmal zu unsrer Qual geschehn;
Welch eine grosse Kluft muß ich bey deinem Fliehen,
Nun leider zwischen mir und dir befestigt sehn;
Dies dünkt mich, war bisher vor weit genug zu schätzen,
Daß dich Elysien in seinem Schooß gehegt,
Und da dein G – – nun den Stab will weiter setzen,
So denke selbst, was mir das Schicksal auferlegt.
Dergleichen schnelle Flucht läßt sich nicht leicht verschmerzen.
Doch glaube, dieses wird stets meine Losung seyn,
Je weiter aus dem Aug ie näher bey dem Herzen;
Dies räum ich dir gewiß zum Angedenken ein,
Zeug hin und laß mich auch, so weit du dich entfernest,
Aus deinen Briefen sehn, was du mir sonst gegönnt,
Daß du diejenige noch nicht vergessen lernest,
Die dich die Zierde nur von ihren Freunden nennt.
11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

11. Brief

An eine Adeliche Dame.


Hochwohlgebohrne Frau, mit zittern und mit beben
Setz ich die Feder an; ich bin ganz ausser mir.
Du weist, ich liebe dich als wie mein eigen Leben,
O! Freundinn, wär ich doch den Augenblick bey dir!
Da könnt ich in der That mein redlich Herze zeigen,
Die wahre Schuldigkeit von einem ächten Freund.
Doch dieses hindert nicht: ich schreib und will nicht schweigen
[205]
Von dem was mich betrübt, mir unerträglich scheint.
Es ist die Schreckenspost vor unser Ohr gekommen,
Dein liebstes Ehgemal verläßt dich durch den Tod.
Die Zierde ist nunmehr von deinem Haupt genommen,
Dem Unglück so dich trifft, gleicht wahrlich keine Noth.
Ich sehe dich im Geist in tiefster Trauer sitzen;
Ich sehe wie du weinst, wie du die Hände ringst;
Doch dieses wird dir nichts zu deiner Tröstung nützen,
Wenn du den ganzen Tag mit tausend Ach zubringst.
Ein unbekanntes Land ist Zeuge deiner Thränen,
Wer kann bey diesem Fall dein treuer Beystand seyn?
Wie wirst du dich anitzt nach deinem Glogau sehnen!
Da räumt man dir bereits ein Wittwenzimmer ein.
Da kannst du in der Still noch den Verlust beklagen,
Da laß dem bittren Schmerz den ungehemmten Lauf.
Nur laß mich dieses noch aus treuer Seele sagen:
Du grämest dich mit Recht; doch hör auch wieder auf.
Ich weis, der Wittwenstand hegt hunderttausend Sorgen:
Wer aus Erfahrung spricht, spricht aus des Herzens Grund.
Der Freunde sind zwar viel, die diesen Namen borgen,
Doch bleibt das Herze fern; es schmeichelt nur der Mund.
Sie trauren nur zum Schein; der Wohlstand will es haben,
Sie kommen dann und wann auch wieder in dein Haus.
Doch kann ihr Zuspruch nicht die matten Geister laben;
Denn in dem Innersten siehts gar zu häßlich aus.
Sie merken in der That auf deine Wort und Minen.
Wenn du das Auge rührst, ist schon der Spruch gemacht.
Kurz, alles muß an dir zu dem Gespötte dienen,
Und eine Wittwe wird bey wenigen geacht.
[206]
Woher kommt der Verfall? die pöbelhaften Sitten
Die nehmen leider itzt die meisten Menschen an,
Auch bey denjenigen sind sie sehr wohl gelitten,
Die man dem Stande nach nur unterscheiden kann.
Gesetzt, du must die Schmach mit andern auch erfahren;
Ach Freundinn, wanke nicht in deinem Heldenmuth!
Verkürze darum nicht ein Jahr von deinen Jahren;
Die Unschuld bleibet stets das allerhöchste Gut.
Denn kannst du dir nur selbst nicht einen Vorwurf machen,
So mag der Spötter Zunft aus vollem Halse schreyn.
Du kannst bey ihrer Wuth in deinem Herzen lachen:
Ihr Küssen schadet dir so wenig als ihr Dräun.
Könnt ich dir den Verlust in etwas nur ersetzen,
Wie willig und bereit wär nicht mein treuer Sinn!
Ich würde mich beglückt bey diesem Dienste schätzen,
Weil ich die Deinige von langen Zeiten bin.
O Freundinn, tröste dich! besuche unsre Linden.
In – – wartet man mit inniger Begier.
Du wirst uns einerley in unsrer Freundschaft finden,
Kommst du, so bin ich gleich, wenn du es willst, bey dir.
Mein Engel, denk indeß an die so dir ergeben.
Mein Angedenken schließt sich nicht mit diesem Blat.
Du wirst unausgesetzt in meiner Seele leben,
Ich weis, was man an dir und deiner Freundschaft hat.
12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[207] 12. Brief

Gelehrte – – – du Ausbund kluger Frauen,
Was läßt uns nicht dein Buch für nette Lieder schauen!
Dein Einfall ist so schön, so geistreich, so beliebt,
Daß dir der Leser gleich gerechten Beyfall giebt.
Apollo muß dir selbst die Hand im Dichten führen;
Du kannst den Thon so rein, so sanft die Seiten rühren,
Daß uns dein holdes Spiel auch in der Fern ergetzt,
Und unser wallend Herz in Glut und Flammen setzt.
Es nimmt ein jeder Theil an den Ergetzungsstunden:
Der Titel ist mit Recht zu diesem Buch erfunden.
Drum fahre ferner fort, brauch den geschärften Kiel,
Nicht, daß ich dich nach Art der Schmeichler loben will;
Es ist der Mühe wehrt; dein emsiges Bemühen
Ist dir bereits zum Ruhm in aller Welt gediehen.
Wie trägt sich Fama nicht mit deinem grossen Geist,
Der allem Frauenvolk ein rechtes Muster heißt!
Und wie? wie könnt ich dich, Geehrte, wohl vergessen,
Du bist in meiner Gunst längst oben an gesessen.
Als ich das erstemal dein liebstes Siegel brach,
So folgte sie dir gleich mit starken Schritten nach.
Die Antwort bin ich dir in etwas schuldig blieben;
Mein Vorsatz war es nicht; ein Brief ist bald geschrieben.
Ich fuhr bald da bald dort bey Sommerszeit herum,
Und sah mich hier und dar nach klugen Leuten um.
Doch als ich wieder kam; erwege nur das Schrecken,
So suchte mich der Tod mit Sand und Stein zu decken.
[208]
Da galt kein laufen nicht, er holte mich doch ein;
Jedoch der Himmel half und willigte nicht drein.
Entgieng ich gleich der Wut, nicht gänzlich zu erblassen,
So must ich doch dem Kopf Zeit zum Erholen lassen.
Die Lust zum Dichten schwand, Geist, Feuer, Muth und Sinn
Verließ den matten Leib; doch da die Furcht dahin,
Ergreif ich dieses Blat, nach deinem Wohl zu fragen,
Und will ergebnen Dank vor das Geschenke sagen,
Auch zeigen, daß ich nicht nur bloß in Worten bin.
Die dir verpflichtete, geneigte Zieglerin.
13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

13. Brief

Was mir dein letzter Brief, entfernter Freund, entdeckt,
Das hat mich wahrlich nicht gewundert und erschreckt.
Ich sorgte vor dein Glück und vor dein Wohlbefinden;
Dein Schweigen konnt ich zwar auf keine Art ergründen,
Doch endlich schlug ich mir die Sorgen aus dem Sinn.
Das stört die Freundschaft nicht, du weist schon wie ich bin.
Ich bin auch wieder gut, nachdem du mir geschrieben.
Bey deinem Aufenthalt kann ich mich nicht betrüben.
Dich sucht der Kriegesgott, mir ist der Pallas hold,
So stehen wir zugleich in beyder Götter Sold;
Laß dich nur nicht den Schein von vielen Schätzen blenden;
Das höchste Wesen hat bloß unser Glück in Händen.
Hier gilt kein Wissen nicht, und keine Tapferkeit;
Was dieses uns bestimmt, das kommt zu rechter Zeit;
O! richte dich nach mir, und lebe ohne Sorgen,
[209]
Ich denke niemals nicht, wie geht es dir wohl morgen?
Ich folge dem Geschick, bey Sturm und Sonnenschein;
Mein Kopf muß aufgeräumt und immer munter seyn.
So kann mir nichts zu schwer und unerträglich fallen.
Wenn ich was wünschen soll, so wünsch ich mir vor allen
Nur einen wahren Freund, von altem Schrot und Korn;
Alsdann so scheu ich nicht der Spötter Wut und Zorn.
Mein Wunsch ist mit Vernunft und Vorbedacht geschehen.
Das wirst du mir mit Recht, mein Freund, auch zugestehen.
Erinnere dich nur noch der längst vergangnen Zeit;
Man hörte damals nur von Rasen, Zank und Streit.
Ich seh den blassen Neid annoch die Zähne flämmen;
Er wolte Thyrsis Glück auf alle Weise hemmen.
Was hat er ausgericht? er wird noch ausgelacht;
Weil itzt mehr als ein Freund vor Thyrsis Wohlfarth wacht.
Du kannst dir in der That dergleichen Glück versprechen.
Und wollt ein jeglicher die Freundschaft mit dir brechen
So kehre dich an nichts, mich findst du einerley,
Ich scherze niemals nicht mit Freundschaft, Schwur und Treu.
Mich dünkt du hast bereits davon die stärksten Proben.
Und willst du mich auch gleich nicht ins Gesichte loben,
So zeiget doch dein Brief, so viel ich lesen kann,
Du kennst mein gutes Herz, und zweifelst nicht daran.
Indessen will ich mich zu deinem Trost bequemen,
Dank und Erkenntlichkeit von dir auch anzunehmen.
Den Willen schätz ich schon so hoch als wie die That.
Das ist ja schon genug, wenn man giebt was man hat.
[210]
Hiermit empfehl ich mich zu stetem Angedenken
Mit diesem will dich hinwiederum beschenken.
14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

14. Brief

Dein Blat hat meine Gunst vor andern sich erworben.
Mein Vetter, schreibe mir, so oft es dir gefällt,
Ist deine Gegenwart mir gleichsam abgestorben;
Gnug daß dein Kiel mich noch im Schreiben unterhält.
So bin ich schon vergnügt, ich will nicht weiter klagen,
Ich sorge nun vor nichts, mein Endschluß ist gefaßt.
Ich mag dich weiter nicht mit manchem Vorwurf plagen,
Weil du die Götter selbst zu deinen Freunden hast.
Die Themis küßte dich, Mars sucht dich zu ergötzen,
So kann dir immer wohl an ihrer Seite seyn.
Wie ruhig kannst du dich zu deiner Fichte setzen!
Und was das schönste ist, so fällt dir Leipzig ein.
Der Einfall wirkt gewiß sehr vielerley zu denken
Das dich vergnügen kann; doch solltest du itzt sehn
Wie manches hier und dar sein Herz sucht zu verschenken,
Du würdest ganz erstaunt bey ihrer Einfalt stehn.
Cupido rast, und schießt, und trift die ältsten Herzen;
Das Alter löscht noch nicht die Flammen in der Brust.
Die alte Margaris singt, lacht und will noch scherzen,
Ein Kuß, ein Männerkuß, verspricht ihr tausend Lust.
Der muntern Tintoris ist auch das Loos gefallen,
Das mir und aller Welt ein neues Lachen giebt.
Das Blut in Adern muß in voller Sehnsucht wallen,
Denn unsere Tintoris ist abermals verliebt.
Die junge Chloris kann unmöglich sich entschliessen,
Daß sie dem Seladon den Eid der Treue schwert.
Mops will auch von dem Brey ein wenig mit geniessen;
[211]
Wie kützelts ihr das Ohr wenn sie das Winseln hört.
Von jedem Spaßgalan muß vor das bißchen Thalen
Nach seiner Möglichkeit ein klein Geschenke seyn.
O Jammer! Mops muß gar den kleinsten Blick bezahlen,
Und läßt sich keine Müh bey dem Betrug gereun.
So viel vor dieses mal; man sieht bey Mondenscheine
Noch manchen Näscher gehn der sich nicht bergen kann.
Stax treibt es wie zuvor; er geht niemals alleine;
Er sieht das Weibervolk mit frechen Blicken an.
Mein Vetter sage nichts von dem was ich geschrieben;
Ich weis, du bist ein Feind von solcher frechen Brut,
Die wie das liebe Vieh fein dumm einander lieben.
Das blinde Volk weis nicht, was es vor Hitze thut.
Der grosse Vogel Greif bat letztens seine Weiber
Zu seinem Abschiedsschmaus; sie reisten auf das Land;
Die Weiber nicht allein, drey wohlgewachsne Leiber,
Drey Nymphen aus der Stadt, womit er war bekannt.
Das war ein Ritterschmaus; die Nachwelt wird noch sagen
Von der Ergetzlichkeit, von der so süssen Lust:
Die Ritter durften sich zu ihren Schönen wagen;
Das Feuer brannte schon zuvor in ihrer Brust;
Ein mehres will ich dir, mein Vetter, noch erzehlen:
Komm, komm, und säume nicht, weil noch der Sommer ist.
Lysander lebt vergnügt, und wird dir nicht verhelen
Daß du noch wie zuvor sein liebstes Schooßkind bist.
Ich schließ; und eh ich noch das Siegel muß drauf drücken,
So meld ich dieses noch: die Linden grüssen dich,
Und ach! dein Fichtenbaum denkt an dich mit entzücken,
Mich aber findest du stets unveränderlich.
15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[212] 15. Brief

Erbrich, gelehrter Freund, erbrich dies schmale Blat
Das bloß Erkenntlichkeit zu seinem Inhalt hat.
Ein jedes Wort zeigt dir mein redliches Gemüthe;
Es brennt in meiner Brust der Dank vor deine Güte.
Dieselbe zeigt der Fleiß, ich schreibe unermüdt,
Weil mich dein Beyfall itzt zu dem Geschäfte zieht.
Ich denke noch daran was dir mein Mund versprochen,
Als ich den Lorber sah den du vor mich gebrochen.
Die werthe Leucoris liegt mir stets in dem Sinn,
So daß ich nicht wie sonst in meiner Ruhe bin.
Mein Geist ist aufgebracht, ich will mein Wort auch halten
Nach unsrer Deutschen Art, wie sonst die lieben Alten.
Damit mein Wissen auch gesetzt und gründlich sey,
So unterfang ich mich im Lernen vielerley.
Der dir Bekannte – sucht mich zu unterrichten
In der Philosophie; die bessert einst mein Dichten.
Mir geht ein neues Licht in dem Verstande auf,
Ich spühr der Lehren Kraft, und gebe Achtung drauf.
O! schöne Wissenschaft, du bist ganz auserlesen.
Dein reizender Begriff, dein Schluß, dein Satz, dein Wesen,
Zeigt uns der Weisheit bahn; hier scheut man nicht Gefahr.
Das Ende stellet uns etwas Vollkommnes dar.
Ich zürne daß ich nicht vorlängst darauf verfallen;
Mir ekelt noch vor mir, ich kann nur davon lallen;
Zwar ärgert mein Geschlecht sich wohl nicht wenig dran,
Es sieht mich statt des Danks mit schelen Augen an;
Doch mein gelassner Geist erduldet alles Schmähen.
Gesetzt das Männervolk kanns auch nicht gerne sehen;
Mein Vorsatz ist gefaßt, mich stört kein schwarzer Neid.
Ich überwind ihn doch einst durch Vernunft und Zeit.
[213]
Was kann ich dir zum Schluß vor deine Freundschaft schenken?
Ein Herz voll Redlichkeit, ein stetes Angedenken
Mehr fordre nicht von mir, grüß was mir günstig ist,
Damit in Wittenberg man meiner nicht vergißt.
16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

16. Brief

Dein angenehmes Blat verdoppelt mein Vergnügen,
Ein Blat das Feur und Geist zu seinem Inhalt hat,
Und das durch Schmeicheley mich nicht sucht zu betrügen;
Drum les ich es mit Lust, und mich daran nicht satt:
Nicht darum, daß du mich vor andern hochgepriesen,
Nicht darum, daß du mich und meinen Reim besingst,
Nicht darum, daß du mir viel Höflichkeit erwiesen,
Nicht, daß du durch dein Lob in meine Achtung dringst;
So eitel bin ich nicht, und will mich nicht vergehen;
Ich sehe auf den Grund, und das was dich gerührt.
Du denkst gewiß daran was vormals ist geschehen,
Und wie die Unschuld mich zum Helicon geführt.
Ich schrieb frey ohne Zwang, kein Aufsehn zu erhalten;
So wie mein Einfall war setzt ich die Zeilen hin,
Ich ließ die Phantasie nach eignem Willen walten;
Deswegen glaub ich nicht daß ich zu schelten bin.
Und dennoch hat der Neid sich hier und dar erhoben,
Ich sehe wie ergrimmt er mich noch itzt anblickt.
Doch acht ich weiter nicht sein Schelten und sein Toben.
Gnug daß er meinen Sinn noch niemals hat verrückt.
Ich schreibe dennoch fort bey seinen schelen Minen,
Denn meine Feder dringt nicht in ein Ehrenammt:
Ich darf mir auch kein Brodt mit selbiger verdienen,
Drum seh ich wirklich nicht, woher der Eifer stammt.
Man will uns Geist und Witz, Verstand und Ansehn schwächen;
[214]
Und glaubet, unser Kopf sey von Gedanken leer.
Doch du, mein edler Freund, suchst diese Schmach zu rächen.
Glückseliges Geschick! der Vorwurf schmerzt nicht mehr.
Dein Beyfall ist zu schön; du lobest mein Beginnen,
Dein Rühmen stellet mich zur klugen Breßlerin.
Die Ehre ist zu groß, der Dank nicht zu ersinnen.
Ich schwere daß ich nicht der Feder mächtig bin.
Der Breßler Ruf schallt noch in unsern schönen Linden:
Man liebt und preiset noch das mehr als kluge Weib.
Sie suchte sich mit mir als Schwester zu verbinden,
Was mir den Tag verkürzt, war auch ihr Zeitvertreib.
Sie würde wohl dein Lob mit mir in Reime bringen,
Pflicht und Erkenntlichkeit trieb unsre Federn an.
Doch ihr erblaßter Mund heißt mich vor sie mit singen,
Wenn ich gleich ihren Geist gar nicht erreichen kann.
Dein Thon ermuntert mich, mich reizen deine Lieder.
Wenn du die Seiten rührst, wenn deine Muse singt,
So lassen sich zugleich die Gratien hernieder,
Weil dein beliebter Schall durch Phöbus Wälder dringt.
Gepriesen sey der Tag, an dem du mich besungen.
Mein Ansehn steigt dadurch; die Spötter quälen sich,
Daß ihnen auch bey dir ihr Endzweck nicht gelungen.
Dergleichen Sieg ergetzt das Herz recht inniglich.
Nun mögen tausend gleich auf meine Feder fluchen,
Mich tröstet im voraus dein trefflicher Verstand.
Wenn der – – mich nur will anzufrischen suchen,
So leg ich auch das Blat so leicht nicht aus der Hand.
Du rühmest schon dein Glück, und weist mich kaum zu nennen.
Erhebe dich mein Freund; ich laß dir keine Ruh,
Und lerne mich nur erst in unsern Linden kennen,
Sprich mir nur ehestens in meinem Zimmer zu.
[215]
Hier endet sich mein Reim, doch nicht mein Angedenken
Verbleibst du künftig noch mein so gewogner Freund;
Will ich dasselbige dir auch im voraus schenken.
Ich ehre jedermann der es recht redlich meynt.
17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

17. Brief

Mein Freund! dein höflich seyn ermuntert mich zum Dichten.
Du fragst, so muß ich dir von meiner Noth berichten:
Schon gestern legt ich mich, der Frost befiel das Herz.
Und was empfand ich nicht für ungewohnten Schmerz!
Des Fiebers heisse Glut durchzog mir alle Glieder;
Durch Hoffnung und Geduld erholt ich mich doch wieder.
Die Seele leidet nicht, der Schmerz trifft nur den Leib;
Hier muß man männlich seyn, und kein verzagtes Weib.
Das wär ein schöner Streich, beträf es unsre Nymphen,
Sie würden vor Verdruß die Mäuler trefflich rümpfen.
Wer sässe bey dem Rahm, nähm Complimenten ein?
Die Sonne traurte selbst um ihren Gegenschein.
Dergleichen Unfall darf auch Staxen nicht befallen.
Wo hörte man den Kuß von seinen Lippen schallen?
Mein Gott! wie grämte sich die alte Schäfermagd!
Von andern würd ihr nicht was schönes vorgesagt.
Mein Freund, mein werther Freund, mein Trost bey allen Plagen
Dein unverfälschter Sinn, dein Mitleid, dein Beklagen
Ertheilt mir Muth und Kraft, ich trotze aller Noth
Und kann nicht schüchtern seyn wenn mir das Fieber droht.
[216]
Ich brauche schon den Arzt, und seine Arzeneyen;
Der soll den Körper auch von seinem Schmerz befreyen.
An statt des Dankes nimm itzt die Versicherung hin,
Daß ich dir stets geneigt und deine Freundinn bin.
18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

18. Brief

An ein Frauenzimmer.


Apollens werthe Braut nennt mich dein Dichterkiel!
Galante – – – du denkst und schreibst zu viel;
Ach es erfordert mehr zum rechten Zweck zu kommen,
Und das was ich gethan, heißt noch nichts unternommen.
Ein Reim zehlt uns nicht gleich zu den Poeten mit,
Wenn man auch noch so schnell zum Musenhügel tritt.
Der Hippocrenen Fluß dient auch zu Stümpereyen;
Drum wirst du, Freundinn, mir vor diesesmal verzeyhen,
Ich schreibe deutsch heraus, so wie das Herze denkt;
Und da dein Schreiben mir so viele Neigung schenkt,
So offenbar ich dir, wie mir es sonst gegangen,
Mit was vergebner Müh ich manches angefangen.
Ein Dichter soll und muß dazu gebohren seyn,
Das lag mir in dem Kopf, ich schrieb in Tag hinein;
Bis treuer Freunde Rath mich auf den Einfall brachte,
Daß ich bloß die Vernunft zu meiner Richtschnur machte.
Die führte mich so gleich ganz einen andern Weg;
Gefällt dir mein Gesang, betritt auch diesen Steg,
Du wirst denselbigen sodann mit Ruhm beschreiten
Daferne du dich läßt in diesen Schranken leiten.
Geduld, Vernunft und Zeit die können uns belehren.
An statt daß Männer stets gelehrte Redner hören,
So nehmen wir ein Buch von einer klugen Hand,
[217]
Und machen uns daraus das was uns nützt, bekannt.
Die Regeln muß man auch aus ihrem Grunde wissen,
Es muß uns keine Müh bey dieser Kunst verdriessen;
Wenn man die Sätze nicht recht einzutheilen weis,
So wird dem Leser kalt, bald übel und bald heiß.
Dem Unfall in der Zeit mit Vorsicht vor zu kommen,
So hab ich manchen Rath mit Danken angekommen.
Es kömmt manch schönes Werk zu unsrer Zeit heraus,
Ich suchte mir noch letzt dergleichen Bücher aus,
Und lese stets mit Lust was andrer Witz geschrieben,
Denn wer das Dichten liebt, der muß auch diese lieben.
So fahr ich täglich fort, und lerne was dabey;
Dadurch verliehret sich das wilde Waldgeschrey.
Die Vorschrift kann ich dir aus gutem Herzen geben;
Doch steht dir ferner frey derselben nach zu leben.
In liegendes Gedicht stellt sich auch bey dir ein;
Es soll von meiner Gunst zum Schluß der Zeuge seyn;
Nebst der Versicherung, du wirst mich stets so kennen,
Daß du mich in der That kannst deine Freundinn nennen.
19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

19. Brief

Dein wohlgefassetes und angenehmes Blat,
Das mir ein wehrter Freund nächst eingehändigt hat,
Erwecket zwar in mir ein inniges Ergetzen,
Doch will es mich zugleich auch in Verwundrung setzen.
Ich kenne nicht den Treib, der hier die Feder führt,
Da deine muntre Hand das Spiel der Seiten rührt
Und deines Rühmens Grund bleibt mir annoch verborgen,
Wie eifrig ich ihn auch mag zu erreichen sorgen.
So bald mir deine Schrift nur vor das Auge kam,
[218]
Erfüllete sie mich auch mit gerechter Scham,
Weil bloß die Schmeicheley die Feder eingetauchet,
Der sich die Wahrheit sonst zu ihrem Schutz gebrauchet.
Du solltest, kennt ich mich und meine Muse nicht,
Die aus ganz anderm Thon, als deiner klinget, spricht,
Durch dein zu grosses Lob der so geringen Sachen,
Bey nahe mich recht stolz und aufgeblasen machen.
O setze mich doch nicht in jener Frauen Zahl,
Die sich durch Trefflichkeit und ihrer Klugheit Strahl
Bey der gelehrten Welt in wohlgesetzten Schriften,
Von Männern angeflammt, ein gleiches Denkmal stiften.
Der Lorber steht zu hoch, den die und jene brach;
Ich Arme gehe ja den Heldinnen weit nach,
Die den gelehrten Hayn mit euch zugleich erstiegen;
Die Flügel sind zu matt den Adlern nach zu fliegen.
Was rühmst du meinen Kiel, der schwach und kraftlos schreibt?
In dessen Ausdruck es bey magern Worten bleibt?
Ach! schmeichle nicht zu viel den unschuldsvollen Blättern,
Sonst schreibest du dich selbst zu den verhaßten Spöttern.
Man hat sie fast mit Zwang mir aus der Hand gedreht.
Wer ist, der selbigen den Beyfall zugesteht?
Du thust es bloß allein, vielleicht mich aufzuwecken,
Und suchest nur aus Gunst die Fehler zu verdecken.
So nahe Pallas auch an meinem Fenster sitzt,
Und wie du scherzend sprichst, mir in das Auge blitzt,
So kann, und wollt ich mich auch noch so sehr bestreben,
Mir ihre Nachbarschaft doch wenig Vortheil geben.
Sie sieht sich zwar nach euch und Frauenbildern um,
Doch ruf ich sie zu mir, so bleibt sie taub und stumm;
Sie will zu meinem Schmerz sich leider nicht bequemen
[219]
In ihre Schule mich zugleich mit aufzunehmen.
Die andern führet sie zwar auf der Weisheits Bahn,
Zu Wissenschaft und Kunst getreu und munter an;
Mir aber, schließ es doch aus meinem matten Schreiben,
Muß eine steinerne Minerva nur verbleiben.
Jedoch itzt merk ich erst, was dir das Auge blendt,
Daß deine Zuschrift mich geschickt und tüchtig nennt;
Du siehst mich, ists nicht wahr? in unsrer Musen Rollen,
Die Deutschlands Ehr und Ruhm mit Eifer retten wollen,
Dies bringt unfehlbar dir die gute Meynung bey,
Als ob mein Seitenspiel von gleicher Stärke sey.
Nein du betrügst dich sehr, ich such in ihren Fluren
Noch erst als Schülerinn der Weisheit ächte Spuren;
Und hör in aller Still, so emsig ich nur kann,
Den angenehmen Thon der Deutschen Dichter an;
Den schwirrenden Gesang, wenn diese Schwäne singen,
In eine Melodie, nach ihrer Art zu bringen.
Der nächst erhaltne Preis, den man mir zugedacht,
Und welcher mich so groß in deinen Augen macht,
Verführt dich, wehrter Freund; hast du denn nie gelesen,
Daß oftermals das Glück verwegnen hold gewesen?
Indessen ob du gleich Phöbus Lorberhayn,
Der dich so tief versteckt, verborgen denkst zu seyn,
So will ich in geheim schon die Sybillen fragen,
Die werden mir gewiß einst deinen Namen sagen.
Begrüßt mich ferner weit dein so geschickter Kiel,
Der mir, wofern er nur nicht schmeichelte, gefiel,
So will ich künftighin bey meinem schlechten Dichten
Das Aug auf selbigen, als meine Vorschrift richten.
20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[220] 20. Brief

Denk an die fette Trift, an diese schönen Spuren,
Denk an die Schäferey, an Auen, Wies und Fluhren,
An unsre Lindenstadt, an Scherz, an Lust, und Spiel,
An unsrer Lieder Klang, und was dir wohlgefiel:
So weis ich ganz gewiß, du wirst im Bade lachen,
Und dir so leichte nicht vergebne Grillen machen.
Wir denken auch an dich, gelehrter, – – –
Und ich erinnre mich, was ich dir schuldig bin.
Mein werthgeschätzter Freund, das Schicksal soll dich schützen;
Du sollst dem Glücke stets in seinem Schooße sitzen.
Der Himmel leite dich, bis du den Wunsch erfüllt,
Und das dereinst erlangt, was deine Sehnsucht stillt.
Dank und Erkennlichkeit soll unverändert bleiben;
Ich werde dann und wann ein kleines Briefchen schreiben.
Entfernung trennt fürwahr die wahre Freundschaft nicht.
Und wer mir diesem Satz, aus Vorwitz widerspricht,
Dem will ich in der That durch mein Verfahren zeigen:
Ich bleibe einerley im Reden und im Schweigen.
Dein fest gesetzter Geist ahmt mir in allem nach.
Und also fürchtst du dich vor keinem Ungemach.
So grüsse wenn du willst die Stadt und unsre Linden.
Du wirst mich allezeit als deine Freundinn finden.
Ich unterzeichne dies mit meiner eignen Hand,
Ich kenne mich zuwohl und keinen Unbestand.
21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

21. Brief

Hochwohlgebohrner Herr, gepriesner – – –
Ists möglich? spielst du noch mit Freyheit, Herz und Hand?
[221]
Nein, nein, das heißt kein Spiel, du tritst zum Ehstandsorden
Und bist mit Vorbedacht ein Bräutigam geworden:
Dein Wehlen ist gerecht, gerecht ich dein Entschluß;
So theile Lieb und Gunst, so theile Scherz und Kuß.
Du lebst im Paradies; genieß auch um der Früchte
Die vielen reizend sind, doch nur ein Schaugerichte.
Wie sanfte ruht dein Haupt, wie süß ist deine Rast,
Nachdem du vielerley zuvor erfahren hast!
Itzt denkt das Glück an dich, es wird dir noch gewogen,
Und hat ein schönes Kind zu deiner Lust erzogen.
Ich kenne dich mein Freund! doch nicht dein Ehgemal
Das dich anitzt vergnügt; doch hör ich überall
Von ihrer Artigkeit, und angenehmen Sitten.
Deswegen will ich dich aus alter Freundschaft bitten;
Sprich mir mit ihr zugleich in meinem Zimmer zu,
Erzehl mir dein Geschick in ungestörter Ruh;
Ich nehme theil daran, gleich wie du an dem meinen.
Ich seh dich wahrlich noch um den von – – weinen.
Dein Herze brach zugleich bey meinem Ungemach,
Er starb in deinem Arm, es kränkte dich mein ach!
Du warest sehr bemüht, mein Elend zu beklagen,
Und wolltst zu meinem Trost die Helfte mit ertragen;
Davor ich dir gewiß auch noch verbunden bin.
Denn ein rechtschaffner Freund bleibt stets ein Hauptgewinn.
Du wirst in diesem Brief kein Hochzeitlied erblicken.
Das Fest ist schon vorbey, drum möcht es sich nicht schicken.
Und wenn ich ja zum Schluß noch etwas wünschen soll:
So geh dirs wie ich will, so gehts dir immer wohl.
22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[222] 22. Brief

Ach! Freundinn meine Lust, und meine Augenweide,
Mein alles auf der Welt, mit der ich itzo leide;
Vor Schrecken zittert mir noch Herze, Hand, und Fuß,
Ich kenne mich fast nicht vor Unmuth und Verdruß;
Der Schmerz der dich befällt, wirkt auch in meiner Seele.
Ich kann nicht bey dir seyn, das macht daß ich mich quäle.
Wer pflegt dich so wie ich? was ist dein Zeitvertreib?
Wer sorget vor den Arzt, vor deinen matten Leib?
Wer suchet Kräuter auf, die kranke Brust zu heilen?
O könnt ich mich so gleich nur in zwey Theile theilen,
Ich setzte mich gewiß an deine Lagerstatt,
Ich spräch dir freundlich zu, und wärst du noch so matt,
Wie zärtlich wollt ich dich von Grund der Seelen pflegen!
Mein Schicksal laß dich doch, ach laß dich doch bewegen,
Und merke dieses mal auf meinen Jammerthon:
Schenk mir die Freundinn noch, als meiner Treue Lohn.
Sag, warum wolltest du so schrecklich auf mich toben?
Ich habe mich ja nie bey ihrer Gunst erhoben.
Du kennst die stille Lust die mir daraus entstand.
Wir schworen beyderseits mit aufgehobner Hand:
Nichts trennet unsre Brust, nichts trennet unsre Liebe,
Und so vermehrten sich die reinen Freundschaftstriebe.
Dein Unfall ist zu groß, das Leid so dir geschehn
Muß ich, ob gleich entfernt, vor meinen Augen sehn.
Da unterhältst mich stets mit hunderttausend Klagen.
Doch laß dir auch ein Wort von deiner Freundinn sagen;
Nimm dich ja wohl in acht, hier gilt kein stoisch seyn:
Denn nimmt das Fieber erst den ganzen Körper ein,
[223]
So muß der schwache Leib sich in die Federn hüllen.
Erfülle dieses mal nur meinen Raht und Willen.
Gesetzt ein schneller Schmerz spräch dir das Leben ab,
So nähmst du mich gewiß zugleich mit dir ins Grab.
Der Tod scherzt warlich nicht, wie die Erfahrung lehret.
So schone Freundinn dich vor die so dich verehret.
Die Furcht wär nicht so groß; allein ich weis zu wohl,
Was ich bey deinem Fall zugleich verlieren soll.
Denn dein Verlust ist nicht mit etwas zu ersetzen.
Wer deinen Werth erkennt, der weis ihn nicht zu schätzen.
23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

23. Brief

Erlaube, daß mein Blat sich in dein Zimmer wagt,
Und dir, o Fürstinn nur von meiner Ehrfurcht sagt.
Dein himmlicher Verstand, dein gnädiges Bezeigen
Will meine Vorstellung bey weitem übersteigen.
Durchlauchtigste, du kennst so Kunst als Wissenschaft,
Der Dichtkunst reinen Thon, Geist, Feuer, Nachdruck, Kraft.
So laß mich dieses mal ein gnädig Auge finden.
Mich soll itzt nicht der Zwang gesuchter Worte binden.
Bloß Fürstinn, dein Befehl soll mein Gesetze seyn.
Der spricht mir selbst den Muth dir zu gehorchen ein;
Weil sich dein hoher Blick nach meinen Schriften lenket,
Und ihnen Glanz und Werth durch diese Gnade schenket,
Dein Beyfall, Fürstinn, ist vor mich der gröste Schatz.
Den Büchern gönne nur auch den geringsten Platz.
Durchlauchtigste, könnt ich das Glück vor sie geniessen,
In Unterthänigkeit dir Hand und Rock zu küssen.
Itzt nehm ich einen Freund zu meinem Beystand an
Der mir dein Gnädig seyn zum ersten kund gethan;
Und wenn es dir gefällt, so wirst du von ihm hören,
Daß deine Huld mich zwingt dich ewig zu verehren.
[224]
Vermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte
1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

Vermischte Gedichte

[225][227]

1. Gedichte

Welches an dem hohen Geburtstage Ihro Königl. Majestet in Pohlen und Churfurstl. Durchl. zu Sachsen im Jahr 1732. den 12. May, zu Leipzig in der Deutschen Gesellschaft den Preis der Poesie erhalten hat.


Wie kommt es, daß man schon, da kaum der Himmel graut,
An allen Orten heut Altär und Herde baut?
Welch allgemeiner Laut, wovon die Berge zittern,
Die Thäler bebend stehn, die Flüsse selbst erschüttern,
Schlägt überall so früh an Sachsens Grenzen an?
Was rennt und läuft das Volk, das man nicht zehlen kann,
So munter und vergnügt die Strassen auf und nieder?
Allwo ein jeder Mund den Schall der Jubellieder
Mit Freuden wiederholt, der mich zugleich auch mit
Eh noch der Morgenstern von seiner Wache tritt,
Aus Traum und Schlummer weckt, und die verwirrten Sinnen
Kaum einen Augenblick zur Ruhe läßt gewinnen.
Vergeßne Muse! schweig, besinnst du dich denn nicht,
Was für ein herrliches, und neu gestärktes Licht
Der Sachsen Land erfüllt, Sarmatien bestralet,
Und unsern Musenhayn mit neuem Glanze mahlet?
So recht; erfreutes Volk! auf! Feyre diesen Tag
Der dir der heiligste vor allen heissen mag:
[227]
Dein Jauchzen ist gerecht, laß bey vereintem Flehen,
Der heissen Seufzer Schall bis zu den Sternen gehen.
Verdopple deinen Wunsch bey dieser frohen Zeit;
Dein Schutzgott, dessen Huld dir Sicherheit verleiht,
Der, wenn die Billigkeit nach Würden theilen wollte,
Allein ein ganzes Theil der Welt beherrschen sollte,
Hebt heut auf seinem Thron in dem entfernten Reich,
Dem durch erneurte Kraft gestärckten Adler gleich
Sein hohes Haupt empor; da diesem Heldensohne
Des Himmels eigne Hand, in seiner Jahre Krone
Ein frisches Oelblat flicht, ihn als Gesalbten schützt,
Und durch verjüngte Kraft den Bau der Glieder stützt.
Welch schönes Glücksgestirn! komm Clio, hilf mir singen:
Denn heute muß und soll ein Jubellied erklingen.
Doch nein, mein Griffel sinkt mir leider wieder hin.
So feurig und erhitzt ich auch zum Dichten bin,
So fällt mir Muth und Geist und Herz auf einmal nieder.
Ich höre schon voraus den sanften Thon der Lieder
Die dir, Großmächtigster, die Deutschen Musen weyhn,
Sie tauchen schon den Kiel in Hippocrenen ein,
Und streiten um die Huld des Königs um die Wette,
Dieweil ein jeglicher dies Kleinod gerne hätte.
Ihr Eifer ist gerecht. Denn dieses frohe Fest,
Das dich des Himmels Huld itzt wieder feyren läßt,
Flammt ihre Geister an. Schau, wie sie emsig dichten
Und unverwandt auf dich, im Geist ihr Auge richten.
Es mangelt ihnen auch an grossem Vorwurf nicht,
Woran es oftermals den feurigsten gebricht.
Wenn sie, erhabner Held, an dich mit Ehrfurcht denken,
So wird es ihnen schwer, den Vortrag einzuschränken.
[228]
Was du an jedem Tag, Großmächtigster, gethan,
Giebt dem bemühten Kiel was zu bewundern an.
Sie würden, wollten sie, du Zierde Deutscher Erden,
Dich zeigen wie du bist, wohl nimmer fertig werden.
Ja, was die ganze Schaar ergetzt und munter macht,
Und heute sie weit mehr, als ehmals aufgebracht,
Ist dies, daß Phöbus läßt den lauten Ruf erschallen,
Der gröste Ruhm sey doch, dem Könige gefallen.
Dies alles schrecket mich, Monarche, gar zu sehr;
Mir ist, als wenn mein Geist in Kett und Banden wär.
Die Pflicht will, daß ich mich des Dichtens unterfange;
Allein die Furcht macht mir so gleich auch wieder bange,
Weil blöde Ohnmacht mir auf allen Seiten dräut.
Wie schwer ist dieser Kampf? welch harter Sturm und Streit,
Dich Herr, im Geist zu sehn, und nicht die Seiten rühren?
Zu spielen, aber auch die Majestet entzieren?
Doch weich vergebne Furcht, wer kennt den König nicht,
Von dessen Großmuth man in allen Ländern spricht?
Der oftermals so gar von seinen schwächsten Knechten
Sich lässet einen Kranz aus schlechtem Epheu flechten;
Und auf das Rauchfaß selbst, auf dem der Weyrauch glüth
So hold, als auf die Glut der Hecatomben sieht.
Was scheuest du dich denn? fleuch darum nicht zurücke;
So sehr die Majestet durch ihr gemäße Blicke
Uns in Erstaunen setzt, so häufig spielt auch hier
Des Titus Freundlichkeit und Huld zugleich herfür.
Seht immer, wie ihr wollt, ihr Völker dieser Erden,
Mit eifersüchtigen und neidischen Geberden
Auf uns von weitem her; misgönnt uns den August;
Ihr habt ja Recht dazu, wir leiden es mit Lust.
[229]
Zürnt ewig mit dem Glück, das uns so hold gewesen
Und uns, o schönes Wort! zu seinem Volk erlesen.
Ja, Held, ein jeglicher, der deinen Zepter küßt,
Und deinem Schwerdt zugleich die Ruhe schuldig ist,
Wird zwar von seinem Glück zu aller Zeit belehret;
Doch glaubt man sich kaum selbst, ob man gleich sieht und höret
Wie rühmlich deine Hand zugleich dies beydes führt,
Dein göttlicher Verstand des Thrones Hoheit ziert,
Und wie dein starker Arm stets neue Kraft gewinnet
Mit Nachdruck zu vollziehn was nur dein Witz ersinnet.
Ja Herr, dein hohes Lob erfüllt die halbe Welt;
Die, was Augustus thut, vor Götterthaten hält:
Weil, was du unternimmst, du Preis der Potentaten,
Den Glauben übersteigt, und dennoch muß gerathen.
Ein jedes Stück von dem dir zugefallnen Reich
Und auch von deiner Chur, das kann und wird zugleich
Von deiner Ehr und Ruhm uns einen Schauplatz zeigen.
Nach welcher Landschaft wir nur unser Auge neigen
Da richtet Fama dir bey deinem Heldenlauf
Ein nettes Ehrenmal und frisches Zeichen auf.
Ja legst du einen Tag, gepriesner Fürst, zurücke,
So steigt auch jedesmal, dein Ruf, und unser Glücke.
Wenn oft ein ander Volk, dem nicht dies Glücke grünt,
Dem Herrn, der solches schützt, mit Furcht und Zittern dient;
Fast unter seinem Joch, das ihm den schwachen Rücken
Durch Last zur Erden beugt, muß schmachten und ersticken,
Aegyptens Fröhne thut, und doppelt Ziegel streicht,
So macht dein Unterthan sich Dienst und Knechtschaft leicht.
[230]
Warum? dein gütiges, und mehr als gnädig Wesen,
Das nebst der Majestet uns läßt dein Auge lesen,
Stellt Hoch und Niedrigen, und jederman in dir
Den holden Vater mehr als einen König für.
Und hätte dein Verdienst bey so viel Tugendproben
Dich auch auf keinen Thron, gekrönter Prinz, erhoben,
So hättst du, schwer ich dir, doch deren genug gewust;
Weil jeder Unterthan dir längst in seiner Brust
Den Thron vorher erbaut, und wie die Wahrheit zeuget,
Sich vor demselbigen voll Lieb und Furcht gebeuget.
Kommt ihr Regenten! lernt von dieser Majestet,
Wie wohl es um ein Reich, und die Provinzen steht,
Wenn der Beherrscher selbst das Regiment besorget
Und nicht den Arm allein von seinen Dienern borget:
Wenn seine Wachsamkeit, die täglich uns beschützt,
Der Länder Flor und Heil mit Klugheit unterstützt;
Das Schlachtschwerdt, das der Zwang ihm in die Hand gegeben
Im Felde muthig zückt; doch aber auch daneben,
Den Schlüssel bey sich führt, der Janus Tempel schleußt;
Von Großmuth angeflammt, im Zürnen Huld erweist,
So Rach als Recht vergißt, die Feinde selbst belohnet,
Und seiner Krieger Blut, als wär es heilig, schonet.
Wie muß, erwegt es selbst, ein Staat nicht glücklich seyn?
Wo die Gerechtigkeit nicht darf um Hülfe schreyn,
Und Regel und Gesetz die Kräfte nicht verlieren:
Wo wir an jedem Ort Irenens Tritte spüren;
Der Bürger ungestöhrt, weil ihm der Feind nicht flucht
Bey seinem Feigenbaum und Weinstock Schatten sucht;
[231]
Gewerb und Handel stets von Tag zu Tage steigen,
Und sich so hier als dort des Seegens Quellen zeigen;
Wo Kunst und Wissenschaft sich immer höher zieht,
Und jeder Künstler sich bestrebet und bemüht
Dem andern, der mit ihm ein gleiches unternommen,
An Witz und Trefflichkeit aus Eifer vorzukommen;
Wo man ein ödes Feld, weil sich das Volk vermehrt,
In eine neue Stadt in kurzer Zeit verkehrt,
Und Häuser, die man sonst von Leim und schlechter Erden
Nur aufgebauet fand, zu Marmor müssen werden.
Sitzt nicht der Unterthan sodann dem Glück im Schooß,
Wenn der, der ihn beschützt, aus Huld und Großmuth bloß
Auf seiner Bürger Wohl und Vortheil pflegt zu sehen,
Den Eigennutz vergißt, und wo es kann geschehen,
Sie zu bereichern sucht? weil ihn kein Geiz besiegt,
Und ihr Monarche sich allein daran vergnügt,
Wenn er mehr Herzen kann, als Steuer, Schoß und Gaben
Die wir doch schuldig sind, im Ueberzehlen haben.
Mein König, glaube nicht, als ob die Feder hier
Zu weit hinaus geschweift; dies ist ein Riß von dir
Und deiner Seltenheit. Wer wollte nicht errahten
Daß dies Augustus sey? denn alle deine Thaten
Sind Zeugen, daß in dir ein hoch erhabner Geist
Und eine Seele wohnt die mehr als menschlich heißt.
Du kommst; und wolltest du dein Wesen gleich verstecken,
Kennt dich doch iedermann. Es blickt an allen Ecken
Der König gleich hervor. Tritt auf Bellonens Plan,
Und gürte dir das Schwerdt, den Feind zu dämpfen, an;
Verlaß des Königs Thron, tritt zu den Eremiten
Die eine finstre Kluft in Wüsteneyen hüten;
[232]
So bleibst du doch August; so spricht doch alle Welt:
Du sey, wohin man nur das Auge lenkt, ein Held.
Der wäre taub und blind, der nicht bey deinen Werken
Die Spur der Majestet durchgehends wollte merken.
Und daß, was du ersinnst, und was dein Witz uns zeigt,
Durch die Vollkommenheit das Denken übersteigt.
Hört man nicht immer noch Augustens Ruf ergehen?
Ja. Wo man nur ein Paar wird sehn beysammen stehen,
Da reden sie gewiß von deines Heeres Macht,
Von Sachsens Herrlichkeit, und jenes Lagers Pracht;
Das, bräch auch nimmermehr des Himmels Bau in Stücken,
Und riß der Erdball nicht, kein Mensch mehr wird erblicken.
Du fordertest dein Heer, jedoch zur Lust nur auf;
Wohl wissend, daß das Volk bey sichrer Zeiten Lauf
Durch Uebung rüstig wird und sich zum Ernst bereitet,
Ob das Scharmüzel gleich nur Scherz und Lust bedeutet.
Was sahe dazumal der Menschen Auge nicht?
Ich schweige, weil die Kraft zum Schildern mir gebricht.
Denn hätt ein Argus auch, das was daselbst geschehen
Bey hundertfachem Blick erstaunend angesehen;
So reichte sein Gesicht doch lange noch nicht hin.
Ja Cäsar hätte sich bey ganz betäubtem Sinn,
So trotzig er auch sonst von seinem Heer gesprochen,
Vor deiner Krieger Kunst aus Scheu und Furcht verkrochen.
Jedoch es spricht von dir, verherrlichter August,
Von deiner Trefflichkeit, und was ihm sonst bewust,
Europa nicht allein so weit es sich erstrecket:
Dein Name wird nunmehr auch weiter hin entdecket;
[233]
Denn Fama träget ihn noch tiefer in die Welt.
Dort wo der Wilden Schaar sich im Verborgnen hält,
Da lernt dich nun ein Volk aus deinen Thaten kennen,
Das man muß gegen uns nur halbe Menschen nennen.
Es glaubt kaum daß ein Fürst, der Kron und Churhuth trägt,
Bey der Regierungslast die man ihm aufgelegt,
Zugleich den scharfen Blick nach Africa kann lenken,
Und an den heissen Theil der alten Welt gedenken.
Erstaunt nur nicht dafür, wofern ihr den erblickt,
Den unsers Königs Wink nach euren Küsten schickt.
Augustus machet sich durch seine Seltenheiten
Vor andern Prinzen groß, zum Wunder unsrer Zeiten;
Was dort der Afern Sand für Kostbarkeiten hegt,
Das wird in Dresden itzt den Kennern vorgelegt,
Damit des Königs Burg ein Riß der ganzen Erde,
Und Schatzhauß der Natur, mit Recht genennet werde.
Dies stellt, Großmächtigster, sich jeder, welcher dir
Als Knecht zu Fusse fällt, an diesem Feste für:
Da dir des Himmels Kraft, der unsre Seufzer merket,
Von neuem wiederum der Jahre Zahl verstärket.
Dies flammt uns freylich an, daß man die Opfer thürmt,
Und mit dem heissen Wunsch die Wolken selbst bestürmt.
Denn wo ein König herrscht, den Huld und Großmuth krönen,
Da zehlt sich jedermann zu Ehrfurchtsvollen Söhnen.
Gebenedeytes Licht! Tag, dem gar keiner gleicht,
Und, der uns sonder Gram und voller Lust verstreicht:
Weil dein Geburtsgestrin, vor dem sich alles beuget,
Uns einen neuen Stern zu unsrer Hoffnung zeiget;
Du trittst, o Wort, das uns den Kummer stillen kann!
Das grosse Stuffenjahr so frisch und munter an,
[234]
Als stündst du weit davon, die Staffel zu erreichen.
Dies ist ein festes Maal und ein Versichrungszeichen
Es werde ganz gewiß dereinst des Himmels Hand
Sein, als ein nur der Welt zum Trost geliehnes Pfand,
Dich, herrlicher August, du Vater deiner Pohlen
Und Preis der Sachsen Chur, nicht eher wiederholen,
Als bis dein treues Volk, dem dein erlauchter Geist
Zur Mehrung seines Flors stets neue Wege weist,
Nicht weiter kniend wird vor dich zum Himmel flehen.
Wenn aber dürfte dies, o König, wohl geschehen?
2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

2. Gedichte

Ueber das hohe Absterben Sr. Königl. Majestet von Pohlen und Churfürstl. Durch. zu Sachsen.


Ihr Musen! reizt mich nicht; ach feuret mich nicht an;
Weil ich euch itzo nicht Gehorsam leisten kann,
Da Furcht und Schrecken herrscht, und sich die Thränen häufen,
Mein schwaches Dichterrohr, wie ehmals zu ergreifen.
Welch Unglück, wenn der Schmerz zu schweigen uns gebeut
Gespielin! sagt mir doch, wo ist die schöne Zeit,
Da mich ein holder Wink gar leichtlich konnte zwingen
Den Jubelvollen Tag mit Ehrfurcht zu besingen,
Der unsern Held August, der Schwerdt und Zepter trug,
Und über uns zum Schutz die Adlersflügel schlug,
[235]
So wie es Reich und Land vom Himmel hat erbeten,
Das grosse Stuffenjahr frolockend ließ betreten.
Wie feurig und entbrannt lief ich nicht nach dem Ziel?
Wie munter und erfreut rührt ich mein Seitenspiel?
Da mich des Königs Kraft im Dichten unterstützte,
Und mich so wohl als euch ganz unvermerkt erhitzte.
Doch wie verändert sich der Schauplatz unsrer Zeit?
Da heut ein Zorncomet den Ländern, leider! dräut.
Wie stets um unsern Hayn, wo sich der Glanz zertheilet,
Weil Phöbus und die Schaar mit Schmerz von hinnen eilet?
Die Reihen haben sich in Klagen nun verkehrt;
Der scharfe Donnerkeil, der durch die Wälder fährt,
Und unsern Sitz zerschellt, schlägt Muth und Sinnen nieder,
Singt, Musen! aber nur vor diesmal Trauerlieder.
Wo sind die Geister hin? wo bleibet Glut und Brand?
Wie stockt die Feder nicht? wie schwer ist hier die Hand?
So munter ihr sonst ließt der Seiten Klang erschallen,
So schläfrig spielt ihr itzt, weil euch das Herz entfallen,
Und eine Schreckenspost, die man fast nicht geglaubt,
Euch Stärke, Feuer, Kraft und Geist auf einmal raubt.
Weh uns! da wir den Kiel bey tausend Kümmernissen,
An Aganippens statt, in Thränen tauchen müssen!
Verhaßte Dichterkunst! so nenn ich dich nunmehr,
Als ob ich niemals dir geneigt gewesen wär.
Es will so Trieb als Lust, die Reime zu verbinden,
In mir nun ganz und gar bey diesem Fall verschwinden.
Wie möchte wohl die Hand bey allgemeiner Pein,
Den uns geraubten Prinz zu schildern fähig seyn?
Mit dem wir alle Lust, Vergnügen und Ergetzen,
Mit tausend Jammer sehn in fremde Grüfte setzen.
Verschmähter Musengott! Nimm alles was du mir
Bisher verliehen hast, hinwiederum zu dir.
[236]
Warum begehrest du, daß die verstimmten Seiten
Dem Schutzgott unsrer Zunft ein Sterbelied bereiten?
Doch nein, vergib dem Schmerz, der mich zum Unmuth zwingt,
Und der Gedanken Lauf aus ihrem Zirkel bringt;
Laß mich ein Lorberreis die Pflicht dir zu bezeugen,
Um meines Königes verblichne Schläfe beugen.
Bestürzte Clio, schau, dort liegt der Held entseelt,
Um dessen schnelle Flucht Teutonien sich quält.
Dort wo die Wehmuth itzt das Echo ihrer Klagen,
Hört an der Weichsel Strand und ihr Gestade schlagen,
Das hier der Elbe Strohm bey seinem stille stehn,
Weit stärker wiederholt und durch die Lust läßt gehn;
Da legt der grosse Fürst so Kron als Churhuth nieder;
Da sinkt das Heiligthum, der Tempel seiner Glieder,
Von dessen Riß und Fall, so weit er auch geschah,
Ganz Sachsenland erbebt, und sich erschüttert sah.
O! laß Gehülfin, doch uns den Verlust ermessen:
Was haben wir durch ihn so lange Zeit besessen?
Was Unvergleichliches; ein solch unschätzbar Pfand,
Das uns zu unsrer Lust des milden Himmels Hand
Statt eines Kleinods gab; der durch viel Helden Thaten
Den Königlichen Geist vor aller Welt verrathen,
Den, wenn er auch vom Thron ganz aus geschlossen blieb,
Doch seine Trefflichkeit zu Weltbeherrschen schrieb.
Was Wunder, wenn sich da die Helden Mühe machten?
Das Wunder ihrer Zeit, Augustum zu betrachten?
Allein was stellen wir dem tief gekränkten Chor
Den glücklichen Besitz des grossen Augusts vor?
Dem die Natur allein die Schätze zugewogen,
Die sie sonst tausenden mit Vorbedacht entzogen.
[237]
Ja, ja, wir haben ihn gehabt, doch weiter nicht,
Weil unser Wunsch verfliegt, der Hoffnungsanker bricht.
So groß der Vorzug war, den man uns muste gönnen,
So groß hingegen ist auch nun der Schmerz zu nennen.
Was gleicht der Völker Angst? was Sachsens Ungemach?
Gerechte Seufzer flieht, flieht unserm König nach,
Auf, fleht, bewegt sein Herz durch Thränenvolle Blike
Zwingt es zur Wiederkehr; ach! holt den Held zurücke.
Schau doch, umstirnter Fürst, auf uns, dein Volk herab,
Dem ja dein Auge sonst so holde Blicke gab;
Erwege seine Noth, sieh, da die Flucht geschehen,
Wie traurig jedes steht, dir sehnlich nach zu sehen.
Wer nur die Zunge regt, der spricht mit herber Pein:
O hätte doch August nicht müssen sterblich seyn;
Ihr Wolken theilet euch vom Schall der Klagelieder
Gieb, Schicksal, uns diesmal nur unsern Vater wieder!
Betrübte Muse schweig, und klage nicht zu viel;
Denn der verklärte Held setzt selber dir ein Ziel.
Mir ist als hört ich ihn von den erhöhten Stuffen,
Zum Troste seines Volks und der Provinzen rufen:
Mein Sachsen, glaube nicht, ob gleich Augustus flieht,
Daß selbiger nunmehr dir Huld und Schutz entzieht;
Du hast durch seinen Fall ihn nicht so gar verlohren,
Er lebt noch in dem Prinz den dir das Glück erkohren.
Der Erbe seines Stuhls, der von des Vaters Geist
Ein wahres Ebenbild in allen Thate weist,
Wird nach verschwundnem Leid dich wiederum ergetzen,
Und was du itzt verliehrst, zu deinem Heil ersetzen.
3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[238] 3. Gedichte

Auf das Absterben einer Freundinn.


Ach Freundinn! du bist todt! der Schmerz hemmt mir die Zunge,
O Unglück! das mir schon mein Allerliebstes raubt.
So bald die Trauerpost in meine Ohren drunge
So sagte mirs mein Herz, sonst hätt ich nicht geglaubt.
Mein Kummer ist gerecht, gerecht sind meine Klagen;
Ich bin den Tauben gleich, ich suche Wald und Thal,
Dich meiner Augen Lust, mein alles auszufragen,
Doch alles ist umsonst; drum mehrt sich meine Qual.
Dein Geist begleitet mich, ich sehe dich im Schatten,
Ich fahre oftmals auf, und denk ich fasse dich,
Allein so ists ein Schein mit dem ich mich wil gatten;
So mehret sich die Pein, so frißt der Kummer mich!
O deckten mich doch auch schon kühler Sand und Steine!
Denn ich bin in der That nun meines Lebens satt.
So oft ich den Verlust und deinen Werth beweine,
So oft werd ich auch schwach und von dem Seufzen matt.
Kaum daß ich mich erholt, küß ich die kalten Wangen;
Doch Schicksal, kürze nur mein Leben durch den Tod:
Der soll mir süsser seyn als was ich kann erlangen;
Denn jeder Blick vermehrt hinführo meine Noth.
Indessen schwer ich dir, ich bleibe stets die deine,
Man schließt mein treues Herz mit in dein Grab hinein.
Ja du bleibst noch erblaßt mein Liebstes und die meine
Ich wünsche sonsten nichts, als nur um dich zu seyn,
[239]
Doch der vergebne Wunsch verdoppelt mein Empfinden;
Mein Leiden wird vermehret, die Marter wird stets neu;
Der Schmerz nimmt immer zu, und bey dem Hände winden
Läßt er die bange Brust nicht eine Stunde frey.
Dein Ansehn, dein Verstand, dein Herz, dein ganzes Wesen
Dein aufgeräumter Kopf, und deine Trefflichkeit,
Dies alles soll nunmehr verschwinden und verwesen.
Mein Unglück ist zu groß, es mindert keine Zeit!
Der Tugend Ebenbild warst du in allen Sitten
Der Unschuld Meisterstück, ein Wunder der Natur
Du warst bey jedermann beliebt und wohl gelitten.
Ach! meine Freundinn war die schönste Creatur!
Die treue Freundlichkeit, die unverfälschten Triebe
Besiegten meine Brust, und raubten mir das Herz,
Daß ich dich noch im Tod mehr als mich selber liebe,
Doch nicht zu meiner Lust, zu meinem grösten Schmerz.
Ich nähre selbigen bis ich dabey vergehe,
Ich sehne mich nach nichts als deiner Todtengruft,
Du theiltest Freud und Lust, du theiltest Wohl und Wehe;
Was Wunder wenn mein Geist dich noch zurücke ruft?
O könnte meine Hand dir doch ein Denkmal bauen!
Doch alles ist umsonst was ich bereits gethan.
So ruhe sanft und wohl, du Muster kluger Frauen;
Ich kenne deinen Werth den nichts ersetzen kann.
Wie gerne wollt ich mich an deiner Seite schmiegen,
Allein des Himmels Schluß vergönnt mir nicht die Lust.
Und kann ich nicht mit dir in einem Sarge liegen,
So stirbt dein Name doch niemals in meiner Brust.
4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[240] 4. Gedichte

Klage über die Entfernung eines Freundes.


So geht es in der Welt; man traue nur dem Glücke
Nicht länger als dem Glas, das in der Hand zerfällt.
Vor kurzem zeigt es mir die angenehmsten Blicke;
Itzt weis es keinen Trost, der mich zufrieden stellt.
Was hab ich dir gethan, und was hab ich verbrochen
Daß mich dein harter Streich so schnell danieder schlägt?
Dein Urtheil ist bereits zu meinem Fall gesprochen
Wenn dich nicht mit der Zeit noch mein Verlust bewegt!
Ich bin um meinen Freund, eh ichs gedacht, gekommen:
Mein Kleinod raubst du mir das meine Seele liebt.
So hast du alle Lust aus meiner Brust genommen,
Kaum daß ich reden kann von dem was mich betrübt.
Ich sitze wie im Traum, im tiefsten Todtenschlummer?
Ich suche dich mein Freund, sag wo verbirgst du dich?
Du schweigst; das häuft in mir den so gerechten Kummer.
Wer dich nur recht gekannt, der liebt dich inniglich.
Denn dein erhabner Geist, dein Wesen, deine Sitten,
Die seltne Redlichkeit und deine edle Art,
Die haben dir mit Recht das Urtheil längst erstritten,
Daß Witz und Anmuth sich mit Wort und Thaten paart.
Wo find ich einen Freund, der dir noch zu vergleichen?
Wer bietet sich wie du zu meinem Beystand an?
[241]
Bey guten Tagen wird so leichtlich keiner weichen,
Wie die Erfahrung uns noch täglich lehren kann;
Man schmeichelt, man verspricht, man lockt mit holden Minen;
Man schweret mit dem Mund; das Herze bleibt entfernt.
Soll dir ein solcher Freund, in deinem Unglück dienen,
Da man ihn aus der That erst recht erkennen lernt;
Da sieht es anders aus, er schweigt bey deinem Klagen:
Und spricht er ja ein Wort, zeigt sich sein kaltes Blut,
Die Hülfe will er dir nicht ins Gesicht abgeschlagen,
Doch meynt sein falsches Herz es mit dir gar nicht gut.
Es fällt ihm gar zu schwer, ein Wörtchen vorzubringen,
Daraus du schliessen kannst, er nähm auch Theil daran.
Wie zieht er nicht das Maul, wie muß er sich nicht zwingen,
Daß er das böse Herz vor dir verbergen kann?
Kein solcher war mein Freund, er konnte mich nicht lassen
Mein Kummer brach sein Herz, sein Mitleid war zu groß.
Er wuste sich oft nicht bey meiner Noth zu fassen,
Er bot mir seine Hand, ich lag in seinem Schooß,
Und da gedacht ich nicht an hundert tausend Plagen;
Er trug von meiner Last gewiß den grösten Theil.
Und wollt ich ihm etwas von meinem Leiden sagen,
So fiel er mir ins Wort und rieth zu meinem Heil.
Es konnte mich kein Schmerz, kein Unglück übermannen,
Sein Zuspruch war zu schön bey meinem Ungemach
O Schicksal, willst du mich von meinem Freund verbannen?
Betrachte den Verlust! erbarmt dich nicht mein Ach?
Was kann ich anders thun, als unaufhörlich klagen?
Weil mich die ganze Welt hinführo nicht ergetzt.
[242]
Kein Redner kann mir was zu meiner Tröstung sagen,
Wo lebt ein Sterblicher, der dich nach Würden schätzt.
Dein Scheiden rühret mir das Innerste der Seelen,
Mein Leben steht anitzt allein in deiner Hand;
Mein Herze suchet nicht die Neigung zu verhelen:
Ich liebe dich mein Freund, ich liebe mit Bestand:
Dein allzugrosser Werth hält meine Brust gefangen.
Wenn mein Verhängnis auch in allem widerspricht,
So will ich doch den Ruhm dereinsten noch erlangen:
Entfernung trennt gewiß die wahre Freundschaft nicht.
5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

5. Gedichte

Die Geduld, als die beste Arzeney in Wiederwärtigkeit.


Was ist es, das dir fehlt? Cleantes, sag es mir.
Du murrst ja spät und früh, und bist niemals bey dir
So oft man dich nur sieht; dein misvergnügtes Wesen,
Das wir fast jeden Tag aus deinen Augen lesen,
Verstellet dein Gesicht. Ja, sprichst du, frage noch,
Was mich in Unmuth setzt; wer so ein hartes Joch
Von Unfall und Verdruß soll stets am Halse tragen,
Der muß vor Ungeduld wohl murren, winseln, klagen.
So klagst du, hör ich wohl, deswegen nur, mein Freund,
Weil dir dein Glücksgestirn nicht alle Tage scheint,
Und weil das Schicksal sich nicht will dazu bequemen,
Dich als sein liebstes Kind in seinen Schooß zu nehmen.
[243]
Ists möglich, daß du selbst des Denkens Kraft verhüllst,
Und mit dem Himmel auch zuletzt noch rechten willst;
Weil du nicht immer kannst auf sanften Rosen sitzen,
Und dann und wann zugleich auch rauher Dörner Spitzen
Gleich andern fühlen must. Cleantes klage nicht,
Indem dir die Vernunft hierinnen widerspricht,
Die dich, so oft dein Mund aus Unmuth sich beschweret,
Des Unrechts überführt, und ganz ein andres lehret.
Schau, wie ein falscher Wahn die Ueberlegung schwächt!
Woher stammt, sag es doch, wohl dein vermeyntes Recht?
Wer hat dir beygebracht, als sollte hier auf Erden
In deinem Tagebuch kein Tag gefunden werden
Der trüb und neblicht sey; so daß der Sonnenschein
Den sonst das Auge liebt, stets sollte sichtbar seyn?
Wo ist denn der Vergleich, daraus dein Satz erhellet,
Und den der Schöpfer dir hierüber ausgestellet?
O wahrlich, dieser giebt, wenn man dies Rund betritt,
Uns nichts besonderes, und keinen Freybrief mit,
Daß Kummer und Verdruß, wie unser Wunsch es wollte,
Von unsern Schwellen sich entfernet halten sollte.
Wer forderte dies wohl mit Fug und Recht von ihm?
Bist du der tolle Mensch, der es mit Ungestüm,
Mit Rasen, Wuth, und Zorn, vom Himmel will begehren?
Ja, hoffe nur darauf, er wird es dir gewähren!
O! daß dein starker Muth und der geprüfte Geist
Sich nicht in Ungemach gesetzt und groß erweist!
Kann ein so kleiner Sturm dich der Vernunft berauben?
[244]
Das wird man nimmermehr, von dir, Cleantes, glauben.
Wo bleibt der Philosoph? wo die Gelassenheit
Der sich ein kluger Geist in allen Fällen weyht?
Der, wenn der Wechsel soll von Wohl und Weh geschehen,
Dies alles beydes weis mit Großmuth anzusehen.
Er hält, bey trüber Zeit, bey Hagel, Sturm, und Graus
Und aller Wetter Macht ganz unerschrocken aus,
Wohl wissend, daß ein Schiff das starke Lasten träget,
Mit mehrer Sicherheit durch Fluth und Wellen schläget
Als wenn die Ladung fehlt. Dies muß der Probestein,
Der herrschenden Vernunft des wahren Weisen seyn;
Dies kann am trefflichsten von seinen Kräften zeugen:
Dafern er sich nicht läßt durch Furcht und Zagheit beugen;
Durch Schweigen und Geduld das Trauren so besiegt,
Daß sein gesetzter Geist im Schmerz nicht unterliegt;
Und wenn ein Unglücksstern will über ihn erscheinen,
Im Klagen Maasse hält und nicht will ewig weinen?
Drum Freund verstopfe nicht aus Ungeduld dein Ohr,
O stelle dir vielmehr den grossen Weisen vor,
Den edlen Socrates, der ließ sich standhaft finden,
Und von des Schicksals Wuth so leicht nicht überwinden.
Er bot dem Unglück Trotz, und litte mit Bestand;
Mit was für männlicher, vom Geist gestärkter Hand
Setzt er den Becher an, der Mund und Gaumen netzte,
Und seiner Jahre Lauf ein tödlich Grenzmal setzte!
Hier zittert nicht ein Glied, hier höret man kein Ach,
Kein ungeduldig Wort folgt diesem Trunke nach,
[245]
Er trinkt den Gift beherzt, ohn alles Unterscheiden;
Als ob es Julep wär. Dies heiß ein Held im Leiden!
Gesetzt, daß Drangsal, Noth, und Widerwertigkeit
Dich schon empfindlich trifft, und dir auch ferner dräut;
Gesetzt, du sähest dich zur Rechten und zur Linken
Von diesem Feind umringt, muß doch der Muth nicht sinken.
Der Schmerz, mit welchem man bey harten Gängen kämpft,
Wird, glaub es nur, gewiß gelindert und gedämpft,
Wenn wir den blöden Geist dabey zurücke lenken,
Und wiederum an das so uns ergetzt, gedenken.
Vernunft und Hoffen ist die beste Arzeney;
Hier taugt nicht Fluch und Zorn, kein wildes Klaggeschrey.
Gelassenheit und Ruh kann alle Lasten schwächen
Und dem verstockten Glück zuletzt den Nacken brechen.
Der Unmuth schadet nur; das Murren wird verlacht,
Das Schicksal ändert nichts was es dir zugedacht.
Ein weiser Mann wird stets desselben Strenge weichen,
Weil er durch Ungestüm nicht kann den Zweck erreichen.
Cleantes, schäme dich; auf, zeige bey dem Schmerz
Doch auch ein männliches und fest gesetztes Herz;
Stell deine Klagen ein und hemme die Beschwerden.
Bestrebe dich forthin, ein weiser Mann zu werden.
6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

6. Gedichte

Ueber den Umgang mit den Menschen.


Es ist wohl ausgemacht, und mehr als Sonnenklar,
Der Schöpfer habe nicht ein solches Menschenpaar
[246]
In den so weiten Kreis der grossen Welt gesetzet,
Das sich an allem zwar, doch nicht an sich ergetzet.
Und vor einander sich aus blossem Eigensinn
Verstecket und verkriecht. Sein Zweck gieng wohl dahin,
Sie sollten beyderseits genaue Freundschaft schliessen,
Und durch den Umgang sich die Zeit daselbst versüssen.
Ein Mensch der stets das Licht nach Art der Igel scheut;
Den düstern Mauren nur sein mürrisch Antlitz weyht,
Vor allen Menschen flieht, allein und einsam bleibet,
Verdient nicht, daß man ihn zu rechten Menschen schreibet.
Was trägt es in der That uns nicht für Vortheil ein,
Wofern man täglich kann um seines gleichen seyn?
Der Umgang ist es bloß, der uns bey unserm Leben
Diejenige Gestalt und Bildung weis zu geben
Die uns zu Menschen macht. Ein toller Sauertopf,
Der vor den Menschen läuft, und seinen schweren Kopf
In düstre Winkel steckt, muß, wie wir merklich spüren,
Von unvernünftigen, ja gar von wilden Thieren,
Als die das Tagelicht, woran man sie gebracht,
Und unser Zuspruch auch fast halb vernünftig macht,
Sich recht beschämet sehn. Was wird es alles nützen,
Wenn wir aus Cedernholz uns Tisch und Stühle schnitzen,
Dem Gaumen wohl und sanft durch Leckerspeisen thun,
Auf einer Lagerstatt von weichen Federn ruhn,
Und um und neben uns nichts lebendes erblicken,
Das in der Einsamkeit kann unsre Seel erquicken?
Jedoch wenn man zugleich bey aller Herrlichkeit,
Die die Gesellschaft wirkt, den Umgang unsrer Zeit
So wie man soll bedenkt, so muß man auch bekennen,
Er sey nur leider mehr als halb verderbt zu nennen.
Die ächte Redlichkeit und alte Deutsche Treu,
Des Menschen schönster Schmuck, der Tugend Conterfey,
[247]
Die vormals sonder Trug und auch in allen Stücken,
Die Bürger erster Welt einander liessen blicken,
Hat sich ganz unvermerkt von unserm Erdenkreis,
Nunmehr hinweg gemacht, so, daß man gar nicht weis,
Wo sie nach ihrer Flucht, die man gar bald entdecket,
Aus Zorn und Ungeduld sich habe hin verstecket.
Die Welt, betracht ich sie genau, kommt wahrlich mir
Als ein ohn Unterlaß besetzter Schauplatz für,
Wo man unzehlige sieht aus den Scenen kommen,
Die dies und jenes sich zu spielen vorgenommen.
Sie stellen, ists nicht wahr? oft die Personen vor,
Die sie doch gar nicht sind; ob gleich so Aug als Ohr,
Durch angenommen Schein, durch Minen und Gederben,
Tracht, Ansehn und Gestalt dabey betrogen werden.
Die Meisten kleiden sich in falsche Masken ein,
So oft der Umgang uns befiehlt um sie zu seyn;
Kein Künstler ist geschickt in seinen schönsten Bildern
Ein holder Angesicht, als ihres, abzuschildern.
Ihr Augenpaar, aus dem man sanfte Blicke liest,
Hat sich die Freundlichkeit zum Eigenthum erkiest;
Die Stirn ist aufgeklärt, erfüllt mit heitern Stralen,
Die Wangen muß vorher die Unschuld übermalen;
Ein ähnlich Gegenbild der wahren Redlichkeit
Zeigt sich in jedem Zug; ja es kommt gar so weit
Daß wenn man nach dem Schein das Urtheil fällen wollte,
Man sie für Gratien, für Engel halten sollte.
Wie süsse klingt der Ton der leisen Sprache nicht?
Wie glatt ist jedes Wort, so oft man mit uns spricht?
Das Herze scheint nicht mehr an ihrer Brust zu kleben,
Man siehet selbiges auf Zung und Lippen schweben.
Sie theilen uns sogleich die eine Helfte mit,
Wenn man das erstemal nur in ihr Zimmer tritt.
[248]
Doch wenn wir denen nun die Freunde wollen heissen,
Die Larve so sie schmückt, von dem Gesichte reissen;
Da spührt man allererst, daß Glanz und falscher Schein
Dem faulen Holz bey Nacht ganz ähnlich wolle seyn;
Denn ob sich gleich der Schwan mit weissen Federn decket,
So weis man dennoch wohl was unter ihm verstecket.
Je freundlicher man uns im Umgang unterhält,
Je tückischer wird uns ganz heimlich nachgestellt.
Sie lächeln jeden an, da doch indeß mit Haufen,
Die bittre Galle will vor Unmuth überlaufen.
Ihr Händedrücken ist nur eitel Heucheley,
Die Worte klingen schön, das Herze flucht dabey.
Aus dem was sie gesagt, so schön es auch gewesen,
Muß man das Gegentheil, will man nicht fehlen, lesen.
Die schönste Wissenschaft nennt man oft leeren Dunst,
Nach Art der tollen Welt. Doch die Verstellungskunst
Die heisse nur ein Werk der allergrösten Weisen;
Ein jeder will sich hier als einen Meister preisen.
So häßlich und verfälscht trifft itzo jedermann
Die Menschen überall in ihrem Umgang an;
Soll dieses manchem nicht gerechten Anlaß geben,
An seinem Hause stets, den Schnecken gleich, zu kleben?
Nein; dies reicht noch nicht zu, des Tageslicht zu fliehn,
Und der Gesellschaft sich deswegen zu entziehn;
Wie selten würde der mit Menschen sprechen können,
Der wahren Freunden nur den Zuspruch wollte gönnen?
Wie man in Wälder schreyt; so ruft es wieder nach,
Schwatzt dir ein Heuchler vor, sag auch, was dieser sprach,
[249]
Man muß des andern List mit Gegenlist berücken,
Und, wenn sich jener neigt, sich zehnmal tiefer bücken.
Ein Freund, wo Herz und Mund von gleicher Güte zeugt,
Verdienet, daß man ihm sein Lob auch nicht verschweigt;
Doch wo die Heucheley die Zunge sucht zu lenken,
Da muß man wiederum auf solche Sprache denken.
7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

7. Gedichte

Der äusserliche Schein betrügt.


Ja, guter Bavius, schwatz du nur immer zu!
Du bildest ganz gewiß dir ein, als hättest du
So manche schöne Kunst und Wissenschaft gefressen,
Und hast die beste doch darunter gar vergessen.
O Thore, schmeichle dir vor Stolz nicht allzuviel.
Dein ganzes Wissen ist ein leeres Schattenspiel
Und ein gelehrtes Nichts, wofern du nicht daneben
Die Welt recht kennen lernst, und die so drinnen leben.
Die, sprichst du, kenn ich wohl. Freund, sage solches nicht,
Du bist in dieser Kunst noch gar nicht abgericht;
Und hältst noch gar zu viel auf äusserliche Sachen,
Die meistens unserm Aug ein falsches Blendwerk machen.
Der äußre Schein bethört, und setzt uns einen Wahn
Der falsch ist in den Kopf; schau nur ein Ruder an,
Womit des Sclaven Faust die Wellen muß zertheilen,
Um desto schleuniger dem Hafen zu zu eilen,
[250]
Dies scheint, betracht es selbst im Wasser krumm zu seyn,
Und ist doch wirklich gleich. So pflegt auch oft der Schein
Derjenigen, worauf wir unser Auge wenden,
Uns täglich hier und dar im Umgang zu verblenden.
Das Gaukelspiel verführt, die meisten stellen dir
Ihr Antlitz nur verkappt, mit falschen Herzen für;
Die Larven, welche sie gar künstlich zubereiten,
Verdecken Fehler, Trug und List auf allen Seiten.
Die Tugenden, womit man äusserlich nur prangt,
Wodurch der schwächste Geist oft Ruf und Lob erlangt,
Doch bey dem Pöbel nur, der nichts von Einsicht heget,
Sind nur mit Flittergold und falschem Glanz beleget.
Ists nicht an dem, daß du, und andre mehr vielleicht,
Bey denen Stärk und Kraft nicht weit im Schliessen reicht,
Lysandern wirklich laßt vor grundgelehrt paßiren
Dieweil er überall das Wort allein will führen?
Was für ein Lermen hat er vielmals nicht gemacht,
So oft was im Gespräch wird auf die Bahn gebracht?
Er streitet, tobt und kämpft, vertheidigt tolle Lehren,
Als ließ sich Trismegist, der alles wüste, hören.
Und dennoch, glaub es mir, ist es nur eitel Wind,
Weil Sachen, Grund und Schluß gar nicht zu finden sind;
Du hörst ein leer Gewäsch und nichtig Hirngespinste.
Der Federfechter macht dir eitel blaue Dünste
Durch Pralereyen vor. Die Wische so die Welt
Von seinem elenden und frechen Kiel erhält,
Sind eitel Schmatterwerck, das er zusammen träget.
Denn da sein Schedel selbst nichts kluges in sich heget,
So schmeichelt er aus Angst sich bey den Todten an,
Bestiehlt sie hier und dar, so sehr er immer kann,
[251]
Und sucht, damit er auch kann bey Gelehrten stutzen,
Mit fremden Federn sich, wie jener Specht, zu putzen.
Sieh, wie der Schein verführt, traut man ihm allzu sehr
Und giebt nicht der Vernunft zu rechter Zeit Gehör.
Du siehst Clotilden dort nach jener Strasse wandern:
Die hat, gieb acht auf sie, gewiß vor allen andern
Wohl der Verstellungskunst am längsten nachgedacht.
Schau, wie sie oftermals bey vollen Thränen lacht.
Sie thut, seit dem ihr Mann in jene Welt gerücket,
Als stellt ein jeder Stein, den sie vor sich erblicket,
Den Leichenstein ihr vor, der sein Gebeine deckt,
Es scheint, als hätte sie der Gram schon halb gestreckt.
Wie traurig und bestürzt weis sie sich zu geberden?
Der Männer Blick will ihr nunmehr zum Ekel werden.
Der Minen Traurigkeit, weil sie so kläglich weint,
Beschwatzet dich gewiß, als wär es recht gemeynt;
Hier zeigt ein Abriß sich von jener Turteltaube,
Die von dem Harm betäubt, nach ihres Gatten Raube,
Die öden Büsche sucht, aus Jammer Tag und Nacht
Ein ganz erbärmliches Geheul im Walde macht,
Und eher nicht davon gewohnt ist abzulassen,
Als bis man sie zugleich, wie jenen, sieht erblassen.
Gläubst du, mein Bavius, sie thue dies im Ernst?
O daß du doch nicht bald die Falschheit kennen lernst!
Nichts weniger, als dies; die Stirne läßt uns lesen,
Daß der so traurigen Clotilde ganzes Wesen,
Nur eitel Blendwerk sey. Sie läßt die Todten ruhn,
Und hat mit Lebenden am liebsten wohl zu thun;
Wer weis, wer in geheim ihr Stund und Zeit verkürzet?
Was für ein Tröster ihr die süsse Speise würzet,
Die sie in Einsamkeit mit Sehnsucht und Verdruß,
Steht dieser ihr nicht bey, sonst stets geniessen muß.
[252]
So kann der äussere Schein, an dem die meisten kleben,
Der schlechten Sache Glanz und schönes Aufsehn geben.
Wer schreyt nicht Celien, mit ihrem grossen Staat,
Der freylich Macht genug uns zu bezaubern hat,
Vor stark begütert aus? wohin sie nur mag kommen,
Da wird man alsobald mit Ehrfurcht eingenommen.
Die Herrlichkeit, so man an ihrer Tracht erblickt,
Macht, daß sich jedermann vor sie aufs tiefste bückt.
Der Pöbel, den ihr Schmuk muß in Verwundrung setzen,
Will sie weit reicher noch, als dort den Crösus, schätzen.
Allein du blindes Volk, du irrest allzusehr,
Und meinst, daß alles Gold, was etwan glänzet, wär;
Befrage jene nur, mit deren theuren Waaren
Sie sich hat ausstafirt; sodann wirst du erfahren,
Was sie für Summen noch zu zahlen schuldig ist;
Und wie du durch den Schein so stark betrogen bist.
Die Stolze hat oft mehr den Lenden angeleget,
Als ihres Mannes Ammt in einem Jahre träget,
Und zieht das ganze Gut, weil sie von Zinsen sprach,
Des blinden Gläubigers auf ihrer Schleppe nach.
Wie? weist du nun mein Freund, den Schein vom Seyn zu trennen?
Und denkst du noch die Welt vollkommen zu erkennen?
Schau, wie man sich vergeht, wenn man dem Ansehn traut,
Und seine Meynung bloß aufs äusserliche baut:
Drum muß man, will man sich vom falschen Wahn entfernen,
Der Menschen innern Werth zuforderst kennen lernen
8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[253] 8. Gedichte

Damons Klage über den Verlust und Abschied der Phillis.


Wie sieht es nun um uns, verweiste Brüder, aus?
Die Reihen sind getrennt; der Tanz und Hirtenschmaus
Ist leider uns und auch der Schäferinnen Orden
Nach unsrer Phillis Flucht ein Klagelied geworden.
Seit dem sie ihren Fuß aus unsrer Trift gesetzt,
Entflieht auch alles das, was sonst das Aug ergetzt.
So stark die Wiesen hier mit Blumen schwanger gehen;
So fett und häufig auch man hier den Klee sieht stehen;
So scheint doch alles todt. Der Blumen Kayserinn,
Der Augen schönste Lust, die Phillis ist dahin!
Die Lämmer gehen hier mit uns zugleich im Leide;
Wie hängen sie den Kopf? sie hungern auf der Weide
Vor lauter Schmerz und Gram. Warum? weil jedes sieht
Daß ihre Schäferinn den Feldern sich entzieht.
Kein Thal noch Wald kann uns nach solchem Raub erfreuen.
Ihr allerschönster Platz gleicht wilden Wüsteneyen.
Aurora weinet selbst. Seht ihr die Thränen nicht
Auf allen Blätern stehn? das sonst so heitre Licht
Des Titans scheinet Glanz und Ansehn zu verliehren,
Da Phillis sich nicht läßt auf unsern Auen spüren.
Unsäglicher Verlust! wer ruft nicht tausendfach?
Wer sieht der Schönen nicht vor Wehmuth sehnlich nach?
Ihr alle werdet es, ihr müßt es auch, bekennen,
Daß man nichts liebers hört als ihren Namen nennen.
[254]
Der Schäferinnen Chor wird ohne Zwang gestehn,
Daß keine sich davon erkühnt ihr vorzugehn.
Wer war der Phillis gleich, doch keine zu verachten,
Wenn wir nach Hirtenart hier scherzten, tanzten lachten?
Stellt euch, ihr Freunde, nur den Abriß noch von ihr,
Und ihre Lieblichkeit in den Gedanken für.
Mir ist, als säh ich sie noch in den Reihen sitzen,
Und Huld und Ernst zugleich aus Stirn und Augen blitzen.
Ihr Geist war aufgeweckt, doch sittsam auch dabey.
Mag Himmel und Natur ein netter Conterfey
Von einer Schäferinn auf allen Auen zeigen,
So weit und breit man auch nur läßt sein Auge steigen?
Reizt euch nicht die Gestalt, und ihrer Glieder Pracht?
Wie schlank war nicht der Leib, wie schmal ihr Fuß gemacht?
Wer tanzte zierlicher, als Phillis in den Reihen?
Wer sang wohl lieblicher, die Hirten zu erfreuen,
Wodurch sie aller Ohr und Sinn zugleich bethört?
Ja selbst die Nachtigal hat ihr oft zugehört,
Und in dem Busch gelauscht, um bey so schönen Dichten
Sich nach der Phillis Schall und holden Ton zu richten.
Gefährten! könnt ihr wohl, da dieser Raub geschehn,
Vor Jammer, Leid, und Gram nach euren Heerden sehn?
Sie mögen irren, fliehn, und sich im Wald verschlagen,
O kommt! laßt uns dafür das Leid einander klagen.
Am aller meisten mir, mir, dem zu weh geschicht;
Dem Trost und Zuspruch fehlt. Wie Damon, wirst du nicht
[255]
Vor Schaam und Schrecken roth? vergebt es mir, ihr Brüder!
Schmerz, Sehnsucht und Verlust, schlägt mich dermassen nieder,
Daß ich mich leider selbst vor Jammer und Verdruß,
Nach meiner Phillis Flucht, nunmehr verrathen muß.
Ich habe sie geliebt, und dies mehr als zu heftig;
Ihr Wesen war zu schön, ihr Augenstral zu kräftig.
Ists möglich? daß ihr nie die Glut an mir verspürt,
Indem ich ganz verwirrt die Heerden oft geführt?
Wie oftmals hab ich nicht, wenn ich bey ihr gesessen
Freund, Lämmer, Haus und Hof, ja gar mich selbst vergessen?
Bracht euch mein Aufzug, Putz, und meine Liverey
Dergleichen Argwohn nicht, ihr blinden Schäfer, bey?
Schloßt ihr nicht aus dem Gang, aus Stellung, Wort und Minen
Was ich verborgen hielt? wenn bin ich wohl erschienen
Daß nicht ein frischer Strauß, den ich mit Sorgfalt las
In ungezwungner Pracht, auf meinem Hute saß?
Es muste Strumpf und Schu stets knapp und glatt gebunden,
Die Tasche bunt gestickt, die Flasche schön und rein,
Die Wäsch auf meiner Haut schneeweis wie Phillis seyn.
Kein Schäferstock ist wohl in unserm ganzen Orden
So nett und rund gedreht, so reich bebändert worden.
Mein Hirtenkleid das ich um Hüft und Lenden schlug,
Und wie ihr selber wißt, doch alle Tage trug,
Beschämt an Reinlichkeit auch eure Festtagsröcke:
Wenn habt ihr einen Strich auch von dem kleinsten Flecke
[256]
Auf selbigem gesehn? wie oft hab ich die Nacht
Wenn ihr in Ruhe schlieft, mit Tanzen zugebracht!
Die Misgunst gab mir selbst den Vorzug unter allen.
Und warum that ich dies? der Schönen zu gefallen.
Vergebner Putz und Müh! was hab ich denn erreicht?
Dies, daß die Schäferinn aus unsrer Flur entweicht.
Ach Phillis, meine Lust! nun aber mein Verlangen!
Wie oft bin ich die Trift nicht auf und abgegangen,
Nur was von dir zu sehn? auch deine blosse Spur
Vergnügte meine Brust. Erblickt ich Armer nur
Von deinem Schäferstock die weit entfernte Spitze,
So ward ich schon entzückt, entbrannt von Glut und Hitze.
Es war als böte mir der Schutzgott, unser Pan
Sein ungezähltes Heer und seinen Reichthum an.
Die Nacht, worauf doch sonst die andern Hirten hoffen,
Die hat zu meiner Qual mich stets zu früh betroffen.
Sie war mein gröster Feind. Die Hütte, wo ich lag,
Glich einer finstern Gruft. Ich seufzte, wär es Tag!
Wie hab ich oft vor dich den Schlaf mir unterbrochen
Und vielmals vor Verdruß und Ungeduld gesprochen:
Aurora säume nicht! weil Deck und Stroh zu hart,
Und weil es mir zu bang auf meinem Lager ward,
Ja, konnt ich gleich noch nicht Orions Glanz erblicken,
So ließ ich aus dem Stall doch schon die Heerde rücken.
Ich riß den Säugling selbst von seiner Mutter Brust,
Er trunke sich nicht satt, ich störte seine Lust:
Bloß um am ersten dich nach deiner Ruh zu fragen,
Und meinen Beystand dir zum Hüten anzutragen.
Hieß denn der Abend mich in meine Hütte gehn:
So sah ich dich im Geist an meiner Seite stehn;
Doch dieser Afterschein bethörte mich so nahe,
Daß Damon nicht einmal bey seiner Anzahl sahe
[257]
Das was er heimgebracht. Zehlt ich im Hof die Schaar
Und das was in den Stall bereits gedrungen war,
So traf sie niemals ein: das fehlte was vom Haufen,
Da must ich armer Tropf mit Angst zurücke laufen.
Du warst mein Morgenstern und auch mein Abendrot,
Auch nur ein Blick von dir versüßte Trank und Brodt:
Doch hab ich manches mal mein liebes bißchen Essen
Aus Kümmerniß versäumt, und über dir vergessen.
Schnitt ich den Bissen ab bey so verwirrten Sinn:
So reicht ich unbewust ihn meinem Hector hin,
In Meynung, daß ich ihn in meinen Mund gestecket,
Und daß er mir so süß als Phillis Kuß geschmecket.
Mein Haberrohr, das nichts als Phillis Namen rief,
Wenn meine Schäferinn auf grünen Matten schlief,
Worauf die Müdigkeit das Helfenbein der Glieder
Bey schwülen Stunden warf, hat dir viel tausend Lieder
Statt Opfers dargebracht. Was spielt ich, Schöne, dir,
Doch in Entfernung nur, und in der Stille für?
Was dir mein feiger Mund sich nicht erkühnt zu sagen,
Daß muste dir mein Rohr verliebt und sehnlich klagen?
Warum? dies wurde nicht dabey so roth, als ich.
Sein freyer Ton und Schall hieß: Damon liebet dich.
Kein Schäfer, sollten mich auch alle drum beneiden,
Weis einen Namen leicht so künstlich einzuschneiden,
Als ich den Deinigen verschlungen angebracht,
Worüber ich auch oft manch Messer stumpf gemacht.
Hier durfte weder Ficht noch Erl verschonet bleiben,
Die Liebe hieß mich ihn auf Birk und Linde schreiben;
Kein Eichenbaum blieb frey, kein Tannenbaum beschützt,
In Buch und Weiden ward er hier und dar geschnitzt;
Ich schnitte selbigen so tief in Schaal und Rinden,
Daß ich dabey das Bast von Fingern konnte winden.
[258]
Doch ist er nie so tief gekerbt und eingeprägt,
Als Damons treue Brust ihn noch beständig trägt.
Der hatte Hand und Herz dir unbewust verpfändet,
Und nie von seinem Hauch und Odem mehr verschwendet,
Als wenn er nur mit dir in den Gedanken sprach.
So Berg als Hügel zeugt, das Echo rief es nach
Durch Klang und Wiederschall. Nur dir blieb es verborgen,
Daß Damon dich geliebt vom Abend bis am Morgen,
Mit Sehnsucht dich genannt, zu seiner Lust erkiest,
Und keine Schäferinn, so reizend sie auch ist,
Dir vorgezogen hat. Du konntest dieses spühren,
So oft man bey dem Spiel dich sah die Reihen führen,
Wobey dein Schäfer zwar ein Auge voller Lust,
Jedoch zur Pein geholt. Es durft aus meiner Brust
Kein Seufzer, den die Furcht mich Armen hieß verschweigen,
Bey deiner Gegenwart in freye Lüfte steigen.
Mit meinen Augen selbst gieng ich ein Bündniß ein,
Aus Furcht, sie möchten einst bey dir Verrähter seyn.
Ich sahe dich wohl an, doch mit bescheidnem Blicke;
Denn Nachsinn und Vernunft hielt Flamm und Blick zurücke.
Ich bothe dir die Hand wenn mich die Ordnung traf,
Doch tanzt ich ganz verwirrt, und gieng als wie im Schlaf.
Bald kehrt ich dreymal um, bald schien ich selbst zu wanken,
Bald fieng ich wieder an; doch alles in Gedanken.
Ach, Phillis, liessen es die Sterne doch geschehn,
Daß ich dein Augenlicht noch einmal solte sehn,
Womit, da du nunmehr aus unserm Chor gegangen,
Ein weit entferntes Land und fremde Triften prangen,
[259]
Mein Seufzen ist gerecht, und doch auch scheltens werth,
Ich habe nichts als dich, und doch zu viel begehrt.
Ich sah es im voraus, daß wer dich, Schöne küßte,
Der allerschönste Hirt und Schäfer heissen müste.
Und dennoch fiel mein Aug, o Phillis, nur auf dich,
So bald ich dich nur sah, ach, so vergaß ich mich.
Vergib den stolzen Trieb, wofern man dir wird sagen,
Daß Damon dich geliebt, und was für herbe Klagen
Dein Abschied ihm erregt. Die Liebe höret ihn,
Drum fluche nicht, wenn er dich sieht mit Thränen fliehn.
Der müste wohl ein Gott, ein Stein, ein Felsen heissen,
Den deiner Schönheit Stral, nicht sollte niederreissen.
Dich liebt die halbe Welt. Beglückter Seladon!
Dir ist der Himmel hold, du trägst den Preis davon.
Nicht zürne, wenn das Rohr der Schäfer kläglich spielet,
Und jeder Hirt auf dich mit schelen Augen zielet:
Der Raub und ihr Verlust ist wahrlich gar zu groß!
Die schönste Schäferinn sitzt dir zwar in dem Schooß
Und bleibt dein Eigenthum, doch kannst du nicht verwehren,
Daß wir, obgleich entfernt, noch unsre Phillis ehren.
Entflohne! hörst du nicht? dein Damon ruft allhier
Den Pan zum Zeugen an: Er ruft, er schweret dir:
Es soll die Seuche mir die Lämmer alle strecken;
Das Sterben dringe sich zu Ziegen und zu Böcken;
Kein Euter trage Milch; der Zauberinnen Wuth
Behexe selbiges; das Melkfaß sey voll Blut;
Es mag kein einzig Thier im Jahre trächtig werden;
Der Miswachs zeige sich auf jedem Kloß der Erden;
Die Scheune bleibe leer, der Keller ohne Most;
Der Maden hungrig Heer durchwüle Speis und Kost;
[260]
Geschmeiß und Raupe soll mir Ast und Zweig entblättern;
Der Zeus mag meinen Hund, den Hector, gleich zerschmettern,
Der bey des Wolfes Grimm, und bey der Füchse List
Der Schaafe bester Schutz, mein treuster Beystand ist;
Ich will, wenn jeder kann die krausen Schaafe scheeren,
Die meinen nackend sehn, die fette Schur entbehren;
Es zeige meine Trift stets lauter Sand und Stein;
Die Wiesen müssen faul vom Sumpf und Moder seyn;
Kein frisches Morgennaß befalle meine Matten;
Kein Baum, kein kühler Busch beschütze mich durch Schatten,
Wenn mich die Sonne sticht; der frischen Bienen Heer
Verlasse Zell und Fach, und zinse mir nichts mehr;
Der Marder würge mir auf einmal meine Tauben,
Und mag in einer Nacht mir das Geflügel rauben;
Es mache Flamm und Glut, hör was der Schäfer spricht!
Mein Hirtenhaus zu Staub; wofern dich Damon nicht
So lange noch der Puls in seinen Adern schläget
In den Gedanken liebt, in Herz und Sinnen heget.
9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

9. Gedichte

Klage der Schäferinnen über den erblaßten Seladon.


Der Frost befiel bereits die sonst so grünen Heiden;
Doch war der Schäfer Chor noch munter und voll Freuden;
[261]
Kurz, man beschloß das Jahr, in unschuldsvoller Lust,
Und jede Schäferinn sang mit erfreuter Brust.
Sie setzten sich zugleich in einen Zirkel nieder,
Da hörte man entzückt die schönsten Schäferlieder,
Bald fiel der Flöthen Thon, bald eine Cyther ein;
Der Tag war ausgesetzt, man wollte lustig seyn.
Doch mitten in dem Tanz drang Thirsis in den Haufen.
Er kam als wie ein Reh, so schnell daher gelaufen,
Er hatte wahrlich kaum den Athem noch in sich
Als er voll Wehmuth sprach: welch Unglück! höret mich,
Betrifft dich, liebste Schaar; ach! unser ganzer Orden
Ists inniglich betrübt und voller Jammer worden.
Der edle Seladon, der wie ihr alle wißt,
Der schönste Schäfer war, wird leider nun vermißt.
Sein Umgang war beliebt, sein aufgeräumtes Wesen,
Sein Blick, sein Scherz, sein Spiel, war klug und auserlesen.
Wie pflegt er nicht sein Schaaf! wenn es ein Unfall traf,
Vergaß er Speis und Trank, und unterbrach den Schlaf.
Er legts auf seinen Schooß, er suchte Kraut und Pflaster.
Es fiel ihm nichts so schwer; es war ihm nichts veraßter
Als wenn ein fremder Hirt von seiner Sorgfalt sprach:
Er floh vor eignem Lob und kam der Liebe nach,
Die Schäfer guter Art vor ihre Heerden tragen.
Von seinen Tugenden wird noch die Nachwelt sagen.
Die deutsche Redlichkeit war ihm weit mehr bekannt.
Als andern hier und dar sein treflicher Verstand;
[262]
Und die vollkommenen, und die belebten Sitten,
Die haben uns mit Recht den Vorzug abgestritten.
Weil seine Seltenheit uns allen wohl gefiel,
So war er allezeit von unsrer Lust da Ziel.
Der liegt, und wie denn nun? ach! in dem Wald gestrecket,
O, Anblick! welcher mich und meine Seel erschrecket.
Ein einzig Schaaf, das ihm etwan von seiner Schaar
Entronnen mochte seyn, und in dem Walde war,
Bringt uns um Seladon; er ging es aufzusuchen.
Und siehe! Stern und Glück will unserm Freunde fluchen.
So wie der Donnerkeil, der nach der Eiche geht,
Von deren Stamme man nur wenig Schritte steht,
Uns Herz, und Ohr betäubt, den Odem so versetzet
Als hätte selbst der Stral das Innere verletzet;
So stand die ganze Schaar gerührt und ausser sich,
Da diese Schreckenspost durch Feld und Fluren strich;
So fest sie allerseits, im Reihen sich zu gatten,
Die Hände bey der Lust im Kreis geschlossen hatten,
So kraftlos sunken sie so gleich auf einmal hin,
Ihr Thon verkehrte sich bey so verwirrtem Sinn,
Gleich in ein Klagelied, sie träumten als im Schlafe,
Und gingen hin und her wie die zerstreuten Schafe.
O Unglück! riefen sie einander schmerzlich zu,
Wo ist denn Seladon, wo bleibt nun unsre Ruh!
Ach Himmel! ist es wahr, daß Seladon sein Leben
So schnell, so schmälich wird gezwungen aufzugeben?
Gespielin, leget nun die Feyerkleider ab,
Umsonst ist alle Lust, wir suchen unser Grab,
Laßt, da man nicht mehr sieht den netten Schäfer weiden,
Uns Leibstück, Schurz, und Rock, aus Flor und Schleier schneiden.
[263]
Ists möglich, daß so früh, welch hart und herber Schluß!
Schon unser Schäferstock sein Grabscheid werden muß?
Weg mit dem bunten Putz, der ihn bisher gezieret,
Schlingt schwarze Bänder drum, wie leider uns gebühret,
Betraurt den Seladon, da es die Pflicht begehrt;
Das edle junge Blut ist noch ein mehres werth.
Wo warst du grosser Pan, dem du sonst so gewogen
Als dieses wilde Thier an seinem Blut gesogen!
O Schwestern denkt doch nach, da dieser Fall geschehn,
Wie wüste werden nicht hinfort die Auen stehn?
Wer wollte künftig sich in unsern Schäfereyen
So, wie es sonst geschah, bey Scherz und Tanz erfreuen?
Die Lust ist nun dahin, weil unser Freund erblaßt!
Den selbst die Misgunst nie, sie konnte nicht, gehaßt,
Und dessen Artigkeit in unserm Kreis der Linden
Bewunderung, Huld und Gunst, und Beyfall muste finden.
Entseelter Seladon! der schmerzliche Verlust,
Der uns itzund betrübt, beugt unser aller Brust.
Ach! wenn es möglich wär, wir wollten vor dein Leben
Die Heerden überhaupt zum Lösegelde geben;
Ein kleiner Tropfen Blut, der Gras und Halm besprüht
Gält mehr als wenn man sonst zehn andre würgen sieht.
Dein Fall schmerzt gar zu sehr, der wider alles Hoffen,
Bey deiner Jahre Lenz uns allerseits betroffen.
So voller Unruh sprach der Schäferinnenn Schaar
Die bey dem Todesfall betrübt und trostlos war.
[264]
Der Kummer ließ sie nicht mehr auf dem Platz verweilen
Wo man die Reihen schloß, man sah sie ängstlich eilen.
Sie folgten allerseits bey diesem Ungemach,
Doch mit gelähmten Fuß, zum Wald dem Thirsis nach,
Zum kalten Seladon sich näher zu gesellen,
Und ihm mit eigner Hand ein Grabmal zu bestellen.
Dies war nunmehr vollstreckt; wiewohl mit Schmerz und Gram.
So sauer als sie auch der Dienst zu stehen kam,
So riß doch jegliche, eh sie zurücke kehrte,
Zum Zeichen daß man ihn auch noch im Tode ehrte,
Die Blumen von dem Huth, vom Strauß die Myrthen ab;
Wobey der ganze Chor mit Thränen ließ erschallen:
Allhier liegt Seladon, der aller Welt gefallen.
10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

10. Gedichte

Der Eifersüchtige Endimion, mit seiner treuen Chloris in reimlosen Versen.


Wie munter sahst du dich nach Thirsis Heerden um?
Dein Auge war entbrannt; wie schlug dir nicht das Herz!
Das Feuer in der Brust brach auf durch Stirn und Wangen;
Kurz, Liebe Furcht und Pein verdoppelten die Flammen.
Ich sah dir zwar mit Lust, doch auch mit Schmerzen zu,
[265]
Und dachte bey mir selbst: wo bleibt da Schwur und Treu?
Du wurdest blaß und roth, das muste dich verrahten,
Als dich Endimion um deine Heerden fragte.
Was sollt ich Armer thun? ich eilte von dem Platz,
Da ich sonst so vergnügt an deiner Seite saß;
Und stehe noch betäubt, von dem was ich gehöret.
So sprach Endimion voll Unmuth und Gedanken,
Doch Chloris kam dazu und bot ihm einen Gruß;
Sie neigte ihren Stab, und sprach: Endimion,
Wie konnst du zornig seyn, da ich doch nichts verbrochen?
Was Thirsis mir gesagt, daß kann ich auch erzehlen:
Er fragte nach dem Lamm, das gestern sich verirrt,
Er fragte selbst nach dir, nach deiner Heerd und Trift;
Er fragte, ob ich dich auch öfters hier gesehen?
Er fragte wo die Fluhr der Doris anzutreffen.
Mich dünkt; dies alles kann dir nicht zuwider seyn.
Gesetzt, ich hätte mich dabey auch oft entfärbt;
Ich sah das erste mal den Thirsis auf der Heyde,
Du kennst mein schüchternes, mein allzublödes Wesen,
Das überzeuget dich, von meiner Redlichkeit.
Ja Chloris, sagt er drauf: dein Schäfer der vergiebt
Dir alles was geschehn, nur bleibe mir ergeben.
Mich schläfert; setze dich, und hüte nur die Schaafe.
Kaum als er dies gesagt, so schlief er ruhig ein.
Sie gieng und suchte sich den allerschönsten Ast,
Und schnitt ein nettes Rohr, den Schäfer zu beschenken.
Ihr Vater, welcher sich an diesen Baum gelehnet,
Der sprach: mein liebstes Kind, komm schele mir den Stamm,
Und reiche mir den Bast, und knüpf mir Schu und Strumpf.
O hätt ich einen Trunk von diesen klaren Bächen!
[266]
Ich bin so alt und krank, kann mich an nichts erholen.
Mich abgelebten Mann trägt nicht mein Hirtenstab,
Geh, hohle mir den Stock, der an dem Zaune steht.
Indem sie noch bemüht den alten Vater pflegte,
Wie? rief Endimion, voll Zorn und Eifersucht;
Ist das die Redlichkeit, die mir dein Mund versprach?
Wenn dich ein Schäfer lockt, so stehest du schon da;
Vergist Endimion, der dich nicht kann vergessen.
Du hast von meiner Gunst so viel und reiche Gaben:
So bald mein Schaaf gebiehrt, kriegst du das erste Lamm,
Kaum daß der Bienenheer Gefach und Korb verläßt,
Nehm ich den Honig aus. Du must ihn mit geniessen.
Mein Graß, mein Futter wächst auch mit vor deine Heerden,
Wenn dich die Sonne sticht, beschützet dich mein Laub,
So gar dein Schäferschurz kommt auch von meiner Hand.
Von Myrrthen hab ich dir oft einen Kranz gewunden.
Ich theile Käse, Milch, Rohm, Butter, Brodt, und Eyer,
Und schläfst du dann und wann bey deinen Heerden ein,
So pflück ich Blumen ab, bedecke deinen Leib,
Daß dich kein Unfall trift von Schlangen und Geschmeisse.
Mein Hector muß dich auch mit mir zugleich bewachen;
Ich webe dir dabey den schönsten Schäferhuth.
Doch alles ist umsonst, was ich vor dich gethan.
Sie wust indessen nichts von Vorwurf und von Klagen;
Sie nahm den Vater mit, und sprach mit vollem Lachen:
Nimm hin, Endimion, dies schmal und schlanke Rohr,
Das ich mit eigner Hand, mein Schäfer ausgeschnitzt,
Mein Vater kam dazu, und brachte mir die Tauben;
Die sollen Zeuge seyn, daß ich die Deine bleibe.
[267]
Da ward Endimion ganz ausser sich gebracht.
Verfluchte Eifersucht, du Henker meiner Ruh,
Die sich in meiner Brust zu Chloris Schmach entsponnen,
Gedacht er bey sich selbst; ich mag dich nicht mehr kennen.
Er nahm sie bey der Hand, er nahm sie auf den Schooß,
Und küßte ganz entbrannt ihr Stirne, Mund und Brust.
Kurz; der Zufriedenheit, war weiter nichts zu gleichen.
Ein tränenreicher Bach ergoß sich auf den Wangen,
Und mischte sich zugleich mit in den kühlen Thau.
Die holde Schäferinn entriß sich seinem Arm;
Und eilte nach dem Vieh, ließ ihn halb träumend sitzen,
Laß grüne Reiser auf, und schelte Schäferstöcke.
Wie nette flocht sie nicht den Korb nach Schäfer Art!
Dies sah Endimion mit starren Augen an.
Sie hieng denselbigen um ihre schlanken Lenden,
Und sprach: Endimion, schau, was ich unternommen,
Das ist vor dich allein aus Zärtlichkeit geschehn.
Dafern ein fremder Hirt auf diese Felder tritt,
Und sucht ein einig Wort mir nur ins Ohr zu sagen
Das dir zuwider ist, und meine Liebe kränket,
So reich ich ihm den Korb; mit meinem Hirtenstock
Jag ich den Näscher fort, ich schlage weil ich kann,
Auf den Verwegenen, der unsre Ruhe störet,
Denn Herz und Freyheit ist an dich allein verschenket.
Nimm, was mir zugehört, zu deinem Eigenthum.
Dein Eifer sey verbannt, der dich bisher gequält,
Ergreif dein Haberrohr, ich spiele schon Leyer.
Sie suchten alsobald die schattenreichste Fichte.
Er pfiff, sie sang darein, dies war der frohe Tag,
An dem Endimion und Chloris sich versprach.
Drauf eilten auch herbey der andern Schäfer Chore,
Und man beschloß die Lust, mit Tanzen Scherz und Singen.
11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[268] 11. Gedichte

Der sich allzuviel Zutrauende Lisander.


Wie kömmt es immer doch, daß mancher kühner Geist,
Der nur gar schlechten Witz in seinen Thaten weist,
Auf seine Weisheit doch so viel Vertrauen setzet,
Und das vor Kinderspiel, vor Federleichte schätzet,
Was doch ein andrer sonst vor schwer und mühsam hält,
Der seiner Einsicht nach es sich erst vorgestellt;
Der seine Kräfte prüft, und weislich überleget
Wie hoch er fliegen kann; was seine Schulter träget?
Ein Mensch, der in der That nur schwachen Zwergen gleicht,
Und seiner Meynung nach doch keinem Riesen weicht,
Wird alles, ob er sich gleich muß im Ausgang schämen,
Aus frecher Zuversicht auf seine Hörner nehmen.
Er sieht, weil ihn gar leicht der Hochmuth blenden kann,
Den grösten Balken oft vor einen Strohhalm an;
Und will, so sehr man auch die Thorheit muß belachen,
Den allergrösten Berg zum Maulwurfshaufen machen.
Schaut nur Lisandern an; was der sich untersteht?
Mit was für tollem Wahn der Träumer schwanger geht?
Das gelbe Schnäbelchen fliegt kaum aus seinem Neste;
Und dennoch meynt der Wurm, und glaubet himmelfeste:
[269]
Er brauchte ferner hin gar wenig Müh und Kunst,
Zeit, Vorsicht und Geduld, des Frauenzimmers Gunst,
Wonach so mancher oft vergebens wär gegangen,
So gleich an sich zu ziehn, im Umgang zu erlangen.
Er denkt, ein jedes Haus müst ihm gleich offen stehn
Auch wohl unangesagt und frey hinein zu gehn;
Der Vorspruch helf ihm nichts, kein Leitstern sey hier nöthig
Die Thür ihm aufzuthun, woran sein Fuß nur stieß,
Weil seine Gegenwart was angenehmes wies;
Und sich ein jegliches in den geschlossnen Reihen,
So bald er da erscheint, unmenschlich müste freuen.
Beglückter Mensch; du must, es giebts der Augenschein,
Ein andrer Doctor Faust und grosser Zaubrer seyn!
Du kannst ja wie der Blitz, das Frauenvolk bestricken,
Und durch den ersten Blick die ganze Zunft entzücken!
Wie müssen andre nicht, die deines gleichen sind,
Da schon dein halbes Wort, was Weiblich ist, gewinnt,
Und du die Herzen trifst, auch sonder langes Zielen,
Auf dich mit Eifersucht und starren Augen schielen?
Doch sag im rechten Ernst, Lisander, sag es mir,
Stellt etwan dir ein Traum ein solches Blendwerk für?
Betrügt dich auch dein Wahn, auf den du bist gerathen?
Du schmeichelst dir zu viel und riechest nicht den Braten.
O Prahler! schweige doch; wenn ist es wohl geschehn,
Daß man im Umgang dich mit Frauenvolk gesehn?
Nenn uns doch eine nur, die dir im Schoosse sitzet,
Und sich, o Held, aus dir ein Götterkalb geschnitzet.
So viel hier Häuser sind, so kennt dich keines nicht,
Dein Nam ist unbekannt; wer ist, der von dir spricht?
Du müstest als ein Geist das Frauenvolk bethören,
Weil keine noch von dir einmal hat reden hören.
[270]
Und dennoch rühmst du dich, du unverschämter Gast!
Des Fleisches, da du nie die Brüh gekostet hast,
Und thust, als wärst du hier dem Frauenzimmerorden,
Sein fünftes Element und täglich Brodt geworden.
Ja komm nur Prahlhans, komm, sie warten schon auf dich,
Und sehnen in der That nach dir sich ängstiglich.
Der Platz ist ausgemacht; hör nur ihr Anerbieten,
Du sollst, was willst du mehr? die Küchenthüre hüten.
12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

12. Gedichte

Ueber die Verstellung der Menschen.


Ja, ja, das ist schon recht, daß man nicht leicht entdeckt,
Womit der Sinn sich trägt, was uns im Herzen steckt.
Wer zwingt uns im Gewerb, in täglichen Geschäften,
Daß wir an unsre Stirn die Tafel sollen heften,
Auf der zu lesen ist, was man im Busen hegt,
Und ehe man es zeigt, erst reichlich überlegt?
Ein Kluger, der die Welt und ihre Sitten kennet,
Läßt, weil er hier das Kind nicht bey dem Namen nennet,
Sich von den andern nicht leicht in die Karte sehn,
Denn weis man etwas nur, so ists um ihn geschehn.
Er sucht den wahren Grund, das Innerste der Seelen,
Wie Bienen ihren Seim in Zellen zu verhelen.
Doch die Verstellung muß nicht so wie insgemein,
Zu sichtbar und zu grob, nicht plump und albern seyn,
Denn sonst merkt jedes Kind, das noch im Laufzaum gehet,
Wie schlecht es um das Lack geborgter Larven stehet.
[271]
Glaubt nicht, ihr, die ihr euch in solche Maske hüllt,
Daß dieser eur Betrug auch bey den Klugen gilt.
Ihr werdet ihnen nicht das Auge gleich verkleistern,
Und durch die schlaue Kunst das starke Herz bemeistern.
Der Wahn betrüget euch; ihr machts zu offenbar;
Was euch im Herzen steckt, das wird man gleich gewahr,
Man weis es, wenn ihr euch auch noch sehr bezwinget,
Wie eure Kreide schreibt, was für ein Vogel singet.
Schaut mir von weitem nur dort den Rufillus an,
Wie fromm sich der Tartüff, wie heilig stellen kann,
Wir sähen, dürfte nur Saturn itzt Kälte hauchen,
So wohl aus Nas als Mund die fromme Andacht rauchen.
Schaut, wie sein Haupt gesenkt, die Hand gefalten ist,
Was der mit lauter Ach und Weh hochschwangre Christ
Für Seufzer ohne Zahl auf jedem Stein gebiehret,
Den sein gezwungner Fuß so leis und still berühret.
Er schleicht, als ob der Welt ihr Pflaster giftig sey,
Als wär die Luft voll Pest; und thut so fromm dabey,
Als hätt er, da wir doch ganz andre Schulen wissen,
Den Heiligen durchaus die Zehen abgebissen.
Traut ihr dem Heuchelschein, so seyd ihr wahrlich blind,
Prüft der Gedanken Kern, wie die beschaffen sind,
Da sieht es eitel aus, da wird euch erst entdecket,
Was hier vor schwarze Brut in weissen Federn stecket.
Der Erden Luft haucht ihn so süße als Moschus an,
Der Afterheilige, der fromm beschriene Mann
Hat unsre Welt so lieb, daß, sollt er einst erblassen,
Er mit gekrümmter Hand sie suchete zu fassen.
Wie gern vergäß er doch der zugefügten Schmach
Und zög dies Schneckenhaus, vor grosser Liebe nach,
Damit die Flucht ihn nicht von seinem Götzen trennte,
Und er sein Herze noch im Grabe weiden könnte.
[272]
Wie zwinget Titius sich durch Verstellung nicht?
Was braucht er nicht für List, damit ein jeder spricht:
Wie gastfrey ist der Mann! da doch auf dieser Erden
Kein grössrer Knicker kann, als er, gefunden werden.
Versuch es, sprich ihm zu, da wirst du zwar wohl sehn,
Wie schön, denn dieses muß dem Wohlstand nach geschehn,
Er dich empfangen wird; er springt dir recht entgegen,
Und thut, als wollte sich sein Blut für Freuden regen;
Er ruft den Augenblick nach Caffee, Wein und Bier,
Und setzt dir auch dazu Bisquit und Zwieback für,
Wo nicht die kalte Gans; allein mit was für Herzen?
O dies ist Zentner schwer; es blutet ihm für Schmerzen.
Führst du das Glas zum Mund, so giebet jeder Schluck,
Den du im Trinken thust, ihm einen solchen Druck,
Der ihm durch Mark und Bein, ja durch die Seele gehet;
Gieb Acht, wie dieser Filz das Aug im Kopf verdrehet;
Wie seufzt er nicht dabey? welch innerliche Pein!
Warum? du schluckst zugleich sein Herze mit hinein,
Das am Getränke klebt; nimmst du sodann den Bissen,
Zu welchem er verstellt dich leider bitten müssen,
So schling ihn ganz hinein, und kaue hier nicht viel
Weil sonst der Gaumen Druck bey diesem Trauerspiel,
Dem armen Titius den Ohrenzwang erwecket,
Und ihn wohl gar der Schlag zu deinen Füssen strecket.
Siehst du nicht, wie geschwind er in die Tasche fährt,
Wenn er vor seiner Thür den Bettler flehen hört?
Wie gütig weis er sich, wie mildreich anzustellen?
Doch must du, rath ich dir, nicht gleich das Urtheil fällen;
Als gäb er, was er reicht, aus frommer Seele hin;
Der Mann betrüget dich; er denkt in seinem Sinn:
[273]
Bin ich Bedrängter denn mit Geben gar behexet?
Und wünscht den Armen dort, allwo der Pfeffer wächset.
Laß doch getäuschtes Volk, dir nicht den falschen Schein,
Bey der Beurtheilung, statt einer Richtschnur seyn;
Denn dieser trüget dich. Sonst müste man auch schliessen,
Ein Körper davon itzt die langen Schatten schiessen,
Sey gleich so groß als sie; der doch, wenn man ihn mißt,
Und gegen jene hält, unstreitig kürzer ist.
So pflegt es öfters auch mit Menschen her zu gehen,
In deren Umgang wir nothwendig müssen stehen.
Hier täuscht das Aussenwerk. Stellt in der Nymphen Chor
Euch, bitt ich, Clelien, mit ihrem Wesen vor:
Wie meisterlich hat sie die Kunst nicht ausstudieret;
Weil sie durch falschen Glanz fast jedermann verführet.
Verehrer, waget es bey ihr so leichtlich nicht,
Daß einer nur von euch nach ihr sein Auge richt.
Ihr hartes Herze will den Kieselsteinen gleichen,
Kein Paris, kein Narziß kann selbiges erweichen.
Und stieß auch euer Mund die besten Wörter aus,
So lockt ihr doch kein Ja, zu eurem Trost heraus.
Verschwendet nicht den Blick, den Odem eures Lebens,
Die Seufzer sind umsonst, die Sehnsucht ist vergebens.
Eur blosser Schatten ist schon Clelien verhaßt,
Die Reihen werden ihr an statt der Lust zur Last,
So bald ein Mannsbild sich hier suchet einzuflechten;
Sie würde, gieng es an, gern mit dem Himmel rechten,
Daß er zu ihrer Schmach zugleich auf diese Welt,
Dergleichen Creatur und Schreckenbild gestellt.
Seht nur wie Männerscheu man diese Vesta findet,
Die sich zu letzt wohl gar die Augen noch verbindet,
So wie die Göttin thut, die Recht und Satzung schützt.
Doch fürchtet euch nur nicht; so still und fromm sie sitzt,
[274]
So ist es doch nur Trug; gedenk: ach gute Dirne!
Schmink wie du immer willst, die gleißnerische Stirne
Mit Glanz der Unschuld an; wir wissen doch dabey,
Wie viel der Seiger schlägt, und welche Stund es sey.
Dein Herz, so spröd es scheint, steht gar wohl anzupacken,
Du stämmst und sträubest dich, und hegst den Schelm im Nacken.
So geht es ebenfalls in andern Sachen zu,
Mann will, als spielten wir, wie Kinder, Blindekuh,
Uns durch ein starkes Tuch das Angesicht verhüllen;
Bald setzt man wiederum uns schön gefärbte Brillen,
Die man mit Kunst gemacht, uns zu verblenden auf.
Dies ist der schlauen Welt mehr als verkehrter Lauf.
Doch stellt euch, wie ihr wollt, ihr Heuchler und Betrüger?
Den ihr zu fangen meynt, der ist vielleicht weit klüger
Als ihr euch selbst bedünkt; sucht allen Firniß vor,
Sprecht, wie die Unschuld selbst; dies täuscht nicht unser Ohr,
Schwert heilig noch dazu, laßt heisse Thränen rollen,
Wir glauben dennoch nichts, und denken, was wir wollen.
13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

13. Gedichte

Der betrogene Coridon.


In was für Einbildung und wunderlichem Wahn
Steckt doch nicht oftermals ein blinder Curtisan;
Der, weil der Liebesgott ihn körnet und ihm heuchelt,
Sich mehr als allzustark mit Gegenliebe schmeichelt?
Ob gleich die so er liebt, ihn nur mit Worten speist,
Und seinem Umgang sich so oft sie kann, entreißt,
[275]
So wird ihn jener doch gar leicht beschwatzen können:
Als säh er dieser Herz gleich einem Schorstein brennen.
Er leget jedes Wort, das doch die Unschuld spricht,
Und alles, was nur bloß aus Höflichkeit geschicht,
Zu seinem Vortheil aus; und rühmet sich der Ehre,
Als wenn er Hahn allein im Liebeskorbe wäre,
Den seine Göttin doch, die sich nicht leicht verstellt,
So fest als Herz und Sinn vor ihn verschlossen hält.
So gehts dem Coridon, den Selimene hetzet,
Weil er sich einen Wurm in seinen Kopf gesetzet.
Er bildet sich gewiß und recht unfehlbar ein
Als müst ihm selbige gar sehr gewogen seyn.
Ihr Herze, träumet er, sey ihm vor andern allen
Aus grosser Zärtlichkeit im Lieben zugefallen.
Held! der du Garn und Netz so schlau den Herzen schlingst
Und, eh man es gemeynt, der Chloris Geist bezwingst,
Lehr uns doch deine Kunst die Schönen zu bemeistern,
Denn diese Zauberey stammt sicherlich von Geistern,
Und nicht von Menschen her; ihr Witz reicht hier nicht zu.
Wer kann so meisterlich und so geschwind, als du,
Die Nymphen, welche doch die stärksten Waffen tragen,
Und vor die Freyheit stehn, in Band und Ketten schlagen?
Wird deiner Chloris Gunst, die ihr doch niemals feil
Bey klugen Freyern war, so schleunig dir zu theil?
O Thore! glaub es nicht; man weis es alles besser,
Du baust, wie mich bedünkt, nur deine Hoffnungsschlösser,
Aus Luft und leren Wind. Betrogner Coridon
Du trägst der Schönen Gunst, nicht wie du glaubst davon.
[276]
Denn weil dies schlaue Kind, das dich vollkommen kennet,
Und einer andern gern solch Leckerbißchen gönnet,
Bey deinem widrigen und albern Liebesspiel
Dich mit der Margaris in Umgang bringen will;
So suchet sie sonst nichts, als den verliebten Affen
Den sie an dir gehabt, sich von dem Hals zu schaffen.
Doch, nein, ich irre wohl, denn jeder macht den Schluß,
Daß Selimene dich vortrefflich lieben muß.
Sie will dich doch nicht leer von sich zurücke senden;
Die andern haben nichts, du trägst den Korb in Händen.
14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

14. Gedichte

Gespräche zwischen Cleantes und Seladon.

Seladon:

Wie kömmt es immer doch, Cleantes, daß man dich
An solchen Orten sieht, allwo kein Schatten sich
Von einem Menschen zeigt? du fliehest ihre Spuren,
Und wehlest dir dafür nur lauter wüste Fluren,
Wo kaum des Tages Licht durch Busch und Wipfel dringt,
Wo auf dem stummen Baum der schwache Vogel singt.
Willst du den Eulen gleich die Finsterniß erkiesen?
Wird denn die Einsamkeit von dir so hoch gepriesen?
Sag an, was machet dich so schüchtern und verzagt
Daß sich dein Fuß nicht mehr in solche Zimmer wagt,
[277]
Wo kluge Leute sind? ist dir ihr Blick zuwider?
Was macht ihn dir verhaßt, was schlägt den Umgang nieder?
Cleantes:

Wer ists, der mich allhier in meiner Ruhe stört?
Bist du es, Seladon? du hast ja längst gehört,
Wie hoch ich allzeit die Einsamkeit geschätzet,
Die unsern Geist erquickt, und unser Herz ergetzet.
Ein Weiser ziehet stets, glaub Seladon, es mir,
Die ärgste Wüsteney den Lustgefilden für,
Wonach ihr euch so reißt; dort ist ja nichts zugegen,
Was uns Verdruß erweckt und Ekel kann erregen.
Der Eremite schmeckt die gröste Süßigkeit.
Er ist und bleibt vergnügt, genießt Zufriedenheit,
Bleibt immer ungestört, hengt täglich den Gedanken,
Vor sich gelassen nach, darf sich mit niemand zanken,
Weil ihn zu keiner Zeit der Feinde Boßheit rührt,
Dergleichen ihr gar viel in eurem Schwarm verspührt.
Der Neid kann nicht entfernt von der Gesellschaft bleiben,
Hingegen kann er sich an jenen gar nicht reiben.
Denn sein vergälltes Naß und ausgespiener Gift,
Der uns auch ohne Schuld in seinem Speichel trift,
Dringt durch die Hölen nicht die Moos und Hecke decket,
Darinn ein wilder Lauch so süß, als Datteln schmecket.
Seladon:

Mein Freund du irrest sehr, wo denkst du immerhin?
Ists möglich, daß du wohl aus blossem Eigensinn
Und einem falschen Wahn, der wahrlich dich bethöret,
Die Zunft der Menschen fliehst; wer hat dich dies gelehret?
Dein Vorurtheil ist falsch.
[278] Cleantes:

Was? thu mir solches dar –
Kein Kluger widerspricht; mein Satz ist Sonnenklar.
Seladon:

Geduld; laß mich nur auch ein Wort zu wege bringen;
Mich dünkt, du sollst so dann aus anderm Thone singen.
Hat uns der Schöpfer denn nur einzig in die Welt,
Dem tollen Eigensinn zu folgen hingestellt,
Daß wir durch Ekel seyn den andern Menschen fluchen,
Und Fledermäusen gleich die Winkel sollten suchen?
O nein! es hatte kaum die Allmachtsvolle Kraft,
Den Erdenkloß geformt, ihm Stärk und Geist verschafft,
Und menschliche Gestallt ihm angedeyen lassen,
So wollt er auch sein Glück in weitre Schranken fassen.
Das edelste Geschöpf, das sich allein befand,
Und nichts, als Thiere sah, bekam ein Weib zur Hand,
Dem an Vollkommenheit er nichts fand gleich zu schätzen,
An dessen Umgang er sich täglich konnt ergetzen.
Dies, meyn ich, giebt uns mehr als deutlich zu verstehn,
Es sey uns auferlegt mit Menschen umzugehn;
Wer zieht, ich frage dich, hieraus nicht diese Lehre,
Daß wer die Menschen flieht, kein Mensch zu nennen wäre?
Cleantes:

Dies reichet noch nicht zu. Folgt denn daraus der Schluß,
Daß man die Einsamkeit und Stille fliehen muß?
Da sich das menschliche Geschlecht vermehren sollte,
Und auch der Herr die Welt bewohnet wissen wollte,
[279]
So musten freylich wohl der Menschen viele seyn,
Und was; du lieferst selbst dadurch mir Waffen ein,
Die Gegenwehr zu thun; denn in dem Paradise,
Das es die Einsamkeit in ihrer Schönheit wiese,
Traf man zween Bürger nur, nicht ganze Schaaren an.
Wodurch der Himmel wohl vermutlich dargethan,
Und uns unfehlbar will die schöne Vorschrift geben,
Wir sollten ohne Schwarm und ohn Geräusche leben.
Seladon:

O schöne Folgerung! du kömmst damit nicht fort.
Schweig nur du Eigensinn, und höre noch ein Wort;
Willst du vor der Vernunft dein Ohr so fest verriegeln,
So kann dein Unverstand an Thieren sich bespiegeln.
Sie stellen, sind sie gleich vernunftlos, dennoch dir,
Als einem Menschenfeind, ein herrlich Beyspiel für.
Gieb Acht, wofern du dich noch wagst ans Licht zu stellen,
Wie gerne selbige mit andern sich gesellen.
Sie suchen hier und dar stets ihres gleichen auf,
Und du verwirrter Kopf, und du bestehest drauf,
In düstre Hölen dich aus Unmuth zu verstecken,
Die voller Moder sind, und wo die Würmer hecken?
Was hilft es andern wohl daß du nebst ihnen lebst,
Wenn du stets eingesperrt an deinem Schlamme klebst?
Cleantes:

Du redest wunderlich, und urtheilst nach dem Sinn.
Freund, glaube nicht, daß ich deswegen einsam bin.
Denn wenn ich ganz allein vor mich gelassen sitze,
Und den zufriednen Geist vor Schwarm und Sturm beschütze,
[280]
Den man im Umgang spührt, und der euch täglich stöhrt,
Erblick ich einen Freund, der mich viel gutes lehrt,
Und dies ist die Vernunft; mit der ich mich bespreche,
Die vielmals ingeheim so dann mir meine Schwäche,
Recht offenherzig sagt, den Fehl vor Augen legt,
Und mir im Dunkeln auch das hellste Licht anschlägt.
Was sollt ich weiter wohl mich in Gesellschaft dringen,
Da dieser Zuspruch mir hilft Stund und Zeit verbringen?
Seladon:

Dies alles geb ich zu, und räum es willig ein,
Deswegen muß man doch so Leute scheu nicht seyn,
Der Menschen Umgang fliehn, und die Gesellschaft hassen,
Und Eremiten gleich die ganze Welt verlassen.
Ist die Geselligkeit nicht das geweyhte Band,
Wodurch, besinne dich nur selbst, des Schöpfers Hand,
Uns allerseits verknüpft? Wie würde man bestehen,
Wenn jeglicher, wie du, wollt andere verschmähen,
Und stets alleine seyn?
Cleantes:

Sag mir nur Seladon,
Was hätt ich für Genuß, für Vortheil wohl davon,
Wenn ich mich in der Welt in alle Händel mengte,
Von andern locken ließ, und in Gesellschaft drängte?
So viel; daß ich dabey, so oft es auch geschäh,
Viel lachenswürdiges und thörichtes ersäh,
Mich preiß den andern gäb, selbst auf die Richtbank legte,
Und wider mich den Neid unüberlegt erregte.
Die Falschheit ist zu groß die man itzt herrschen sieht.
[281]
Dies macht es noch nicht aus, daß man die Menschen flieht;
Soll man von einem Baum darum nicht Früchte brechen,
Weil Wespen und Geschmeiß dieselben öfters stechen?
Die Laster, geb ich zu, sind leider gar gemein,
Doch strahlt auch hier und dar der Tugend reiner Schein
In vollem Glanz hervor; man muß das beste wehlen,
Ein Kluger hält sich nur zu tugendhaften Seelen,
Und lacht die Thorheit aus, die sich zu kennen giebt.
Es bleibet doch dabey; der Umgang ist beliebt,
Er macht uns witzig, klug, bescheiden und bedächtig,
Belebt und aufgeweckt; da der stets niederträchtig
In seiner Höle bleibt, der allem Umgang flucht,
Und sich der schönen Welt ganz zu entziehen sucht.
Cleantes, schäme dich; das Volk wird deiner spotten,
Einsiedler sind verhaßt in ihren düstern Grotten,
Die Thorheit hecket ja in ihrem wüsten Haus,
Nichts, als nur albern Zeug, und tolle Grillen aus.
Die Welt wird, solltest du dich länger ihr entreissen,
Dich einen Sonderling und Grillensänger heissen.
Steh auf, und folge mir, fleuch deine Wüsteney,
Komm mit mir in die Stadt, und mache dich selbst frey.
Du wirst den Unterschied und Vortheil leicht erkennen.
Sodann wird ieder dich auch einen Menschen nennen.
Cleantes:

Du sagst vom Umgang, Freund, mir sehr viel süsses für,
Und preisest mir ihn an; wohlan ich folge dir.
Doch sollt es mir dabey, ich will es frey gestehen,
Wie dem Diogenes dort in Athen ergehen,
Der, ob er gleich ein Licht bey hellem Tag verbrannt,
Im suchen dennoch nichts von ächten Menschen fand;
[282]
So würd ich wiederum in mein Höle steigen,
Und jedem, der mich stört, ein schel Gesichte zeigen.
15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

15. Gedichte

Ueber des Engelländers John Undervvoods sonderbare Hochachtung und Liebe zu des Horatius Schriften.


Laßt ab, und macht euch nicht durch gar zu strengen Zwang
Die heissen Köpfe wüst; ihr, die ihr durch Gesang
Und euren Flöthen Thon, bey so verderbten Zeiten
Vor andern Ehr und Ruhm wollt mit Gewalt erbeuten.
Ihr sitzet Tag und Nacht an Aganippens Fluß,
Und da vergesset ihr auf einmal den Verdruß.
Da spielt ihr so entzückt und brünstig um die Wette,
Als wenn ein jeder viel davon zu hoffen hätte.
O! werft doch ungesäumt die matte Leyer hin,
Und störet weiter nicht den sonst so muntern Sinn.
Warum zerbrecht ihr euch mit Vorsatz das Gehirne,
Wenn ihr zu eurer Schmach der bulerhaften Dirne,
Uranien, die man sowohl als euch, verlacht,
Ein frisches Opfer bringt, und sie bey ihrer Macht,
Als eine Gönnerinn euch zuzuneigen trachtet;
Da man doch ihren Dienst, so wie euch selbst verachtet.
Wer ist wohl, der antizt bey der verkehrten Welt
Auf Phöbus edle Kunst und Wissenschaften hält?
Man schätzt sie höher nicht, als das Geplerr der Dohlen,
Die täglich ihr Geschrey mit Ekel wiederholen.
[283]
Es ist ihr einerley, ob Opitz männlich singt,
Und ob ein Schäferknecht, der Zung und Lippen zwingt,
Auf einem dünnen Blat, das man ihn sieht ergreifen,
Sich selbst vor langer Weil ein Lied sucht vor zupfeifen.
Man hegt den tollen Wahn, als ob der Dichter Kunst,
Die doch vom Himmel stammt, nichts als nur lerer Dunst
Und Hirngespinste sey; des klügsten Dichters Lieder
Sind ja zu dieser Zeit sehr vielen ganz zu wieder;
Ja was? da sonst die Welt an Künsten sich ergetzt,
Und jede Wissenschaft, wie billig, hochgeschätzt,
So muß die Dichterkunst allein das Unglück treffen,
Daß jeder Thore sie verächtlich sucht zu äffen;
Der Musen rein Gewand mit Gall und Gift befleckt,
Die Schmähsucht gegen sie aus Schlaf und Schlummer weckt,
Und weil er recht vor Neid und Misgunst schnaubt und rauchet,
Auf ihrer Lorbern Pracht nach Art der Drachen hauchet.
Verschmähter Musengott! was nützt dein Unterricht?
Da man von deinem Chor nun so verächtlich spricht,
Ihm in das Antlitz speyt, auf seine Lieder fluchet,
Und den der ihn verehrt, stets zu verlästern suchet;
O! hemm doch ferner hin der muntern Finger Lauf,
Und häng das Seitenspiel an dürre Fichten auf,
Denn man betritt zu frech des hohen Tempels Schwellen,
Und sucht in ihrem Sitz den Musen nach zu stellen.
Bethörte Feder! halt, und gehe nicht zu weit,
Gesetzt, daß Davus auch und Mops aus Haß und Neid
Nach Art der wütenden und rohen Hottentotten
Die Kunst und ihren Werth aus Unverstand verspotten,
[284]
Den Sitz des Delius recht unverschämt entweyhn,
Der Pierinnen Schaar mit Bann und Stralen dräun,
Und sie auf ihrer Bahn mit Lästrungsvollen Schriften
Verfolgen, doch sich selbst ein ewig Schandmal stiften;
So weist du doch, daß es auch edle Geister giebt,
Und daß man noch Vernunft nebst kluger Einsicht liebt;
Du weist daß viele noch den Werth zu schätzen wissen,
Und noch den Liederrest verstäubter Musen küssen.
Du siehst wie hoch man noch bey der gelehrten Welt,
Das was von Göttern stammt, das edle Dichten hält,
Und wie ein Weiser es auch sterbend noch verehret,
Weil ihm Apollo selbst die Sinnen aufgekläret,
Schaut den John Underwood in seinem Sarg noch an,
Der sein gesenktes Haupt nicht sanfter legen kann,
Als bloß auf den Horaz; den macht er sich zum Küssen
Weil ihn ein früher Tod ihm aus der Hand gerissen.
An Grabelieder statt, und vor der Glocken Klang
Erwehlt der Sterbende den lieblichen Gesang
Von dieses Dichters Kunst, den, weil er es befohlen,
Sechs Freunde bey der Gruft durch Singen wiederholen.
Ihr lacht vielleicht dabey? wir nicht; denn wer die Kraft
Der unvergleichlichen und hohen Wissenschaft
Einmal empfunden hat, der wird, wenn andre lachen,
Aus diesem Musenfreund leicht kein Gespötte machen.
Verstäubter Flaccus, auf! o hebe deinen Kopf
Aus deiner tiefen Gruft; verlaß den Aschentopf,
[285]
Und sieh, wie dieser Freund dich mit Bestand verehret,
Und deiner Liederklang im Sarg noch gerne höret.
Man preist dich immer noch in unsrer Musen Chor,
Und gönnet deinem Ton stets ein geneigtes Ohr.
Dein lautes Seitenspiel und deine schönen Schriften,
Die müssen dir fürwahr ein ewig Denkmal stiften.
Kommt, kluge Geister! kommt, die ihr Begierde spürt,
Von edlem Trieb entflammt, der Musen Flöthe rührt,
Und euch den Pindus habt zur Wohnung auserkohren,
Verlacht der Feinde Schwarm; scheut nicht dergleichen Thoren.
Ihr Lästern schadet euch bey klugen Leuten nicht,
Weil der so euch recht kennt, von euch geneigter spricht.
Verdopplet Fleiß und Müh, bestrebet euch zu singen
Und laßt der Seiten Ton nunmehr recht männlich klingen;
Ihr seht ja, daß die Kunst bey wahren Kennern gilt;
Bemüht euch vom Horaz ein wahres Ebenbild,
Wofern ihr könnt, zu seyn; so wird euch einst auf Erden
Dergleichen grosser Ruhm, als ihm zu theile werden.
Stimmt nur die Cyther rein, und zieht die Wirbel auf,
Und laßt dem starken Zug der Ehrbegierde Lauf,
So muß der Nachklang auch in Weiser Ohren bleiben,
Der Narren Schellenklang kann ihn nicht übertäuben.
16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[286] 16. Gedichte

Als er sich über ihre Untreue beklagete und Abschied nahm.

in reimlosen Versen.

Mein Leben, meine Lust, mein Liebstes mein Vergnügen,
Mein alles was mein Herz vor liebenswürdig hält,
Freund dessen Treflichkeit, den höchsten Grad erreichet:
So spricht dein falscher Mund, wenn ich im Zimmer bin.
Ich habe kaum das Schloß von deiner Thür in Händen,
So siehst du mich erfreut und munter von dir gehn.
Jedoch die Scene nimmt itzt ein betrübtes Ende:
Ich habe dich mein Kind, nur bloß zum Scherz geküßt.
Man merket allzufrüh wie deine Kreide schreibet.
Ein jeder Spaßgalan wird von dir angehört.
Dein nie gebundnes Herz kann sich allzeit verschenken;
Du liebst und weist selbst nicht was wahre Liebe heißt.
Mit einem solchen Schatz mag ich mich nicht verbinden
Der einzig den Bestand im Unbestande sucht.
Hier hast du Herz und Hand mit schönstem Dank zurücke.
Die Freyheit wird dir auch mit selbigem geschenkt.
Nun kannst du Filidorn zu deiner Lust erwehlen.
Vielleicht daß deine Kunst bey ihm mehr Glauben hat.
Ich gönne dir und ihm die Lust, den Scherz, die Freude.
Nur denke nicht an mich, wenn ich entfernet bin.
[287]
Du marterst dich umsonst, ich komme nicht zurücke.
Ich reise ganz getrost nach meiner Vaterstadt.
Ein Mädchen solcher Art, darf man nicht lange suchen;
Nach solchen geh ich nicht; ich liebe mit Vernunft.
Drum magst du dich ja nicht auf meine Gunst berufen;
Mir ekelt wenn man mir nur deinen Namen nennt.
17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

17. Gedichte

Die ihrer Liebe unwissende Doris.


Hiermit beschwer ich dich, mein Herze, du sollst sagen,
Was mich im Schlafe stört, und meinen Geist besiegt.
Ich kann mich wachend zwar nicht über dich beklagen,
Weil die Empfindung stets der Einsicht unterliegt;
Allein so bald der Schlaf die matten Glieder strecket,
Und mich zum Träumen bringt, so weis ich selber nicht,
Wer mich zur Zärtlichkeit und Schmeichelung erwecket.
Mein Herze, rede doch, gieb mir hierinn ein Licht.
Was hab ich dir gethan, und was ist mein Verbrechen,
Daß du dich gegen mich so fromm und fremde stellst?
Ach willst du denn nicht mehr, wie sonst, vertraulich sprechen:
Entdeck das Urtheil frey, das du itzt von mir fällst.
So klagte Doris jüngst; drauf schwanden Furcht und Kummer;
Der Schlaf befiel sie gleich den ersten Augenblick;
Sie lag in süsser Ruh; im angenehmsten Schlummer,
Und dachte nicht auf das was sie gestört, zurück.
Doch eh sie es geglaubt, vergnügte sie ein Schatten;
Sie rief voll Ungeduld; Ach – – bist du da?
[288]
So wie die Taube girrt nach ihrem treuen Gatten;
Und Doris wuste nicht, wie ihr vor Lust geschah.
Sie schlug die Augen auf; sie dachte hin und wieder,
Sie ward halb ausser sich, und die bewegte Brust
Nahm Lieb und Schrecken ein. Es drang durch alle Glieder
Der Vorschmack süsser Qual, die nie empfundne Lust.
Nun, sprach sie, kann ich erst den schönen Ursprung wissen,
Daraus mein Leiden fließt, und der mir doch gefällt.
Ach holder Schatten komm, ich will dich feurig küssen,
Bis mir das Schicksal auch den Körper zugesellt.
18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

18. Gedichte

Warnung an den Coridon.


Hör! Schäfer kannst du nicht stets deine Chloris küssen,
So denke, daß sie dich auch öfters muß vermissen.
Sie theilet Scherz und Lust, Betrüben, Furcht und Pein
Mit dir, drum muß davon die Helfte deine seyn.
Will sich, schau ihre Treu, zu ihr ein Hirte wagen,
Ergreift sie gleich den Stock, den Näscher weg zu jagen.
Sie scherzt, sie singt und spielt, und alles was sie macht,
Da wird gewiß an dich zugleich auch mit gedacht.
Auch die Entfernung trennt dich nicht von ihrem Herzen,
Zuweilen muß sie wohl mit guten Freunden scherzen,
Denn dies erfordert ja der Wohlstand und die Zeit;
Doch brennt sie nur vor dich in reiner Zärtlichkeit.
[289]
Was würde, wollte sie die Reihen unterbrechen,
Des Satyrs freches Maul zu ihrem Nachtheil sprechen,
Ein jeder spürte gleich, gäb sie niemand Gehör,
Daß sie aus Furcht vor dir so blöd und ekel wär.
Nein, eine Schäferinn muß nicht durch Wort und Thaten,
Und falsche Sittsamkeit es vor der Welt verrathen,
Daß sie was liebes hat, sonst ist das Räthsel aus,
Und ieder Hirte macht sich nur ein Liedchen draus.
19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

19. Gedichte

Die Sehnsuchtvolle Schäferinn.


Mein Thyrsis! könnt ich dich auf diesen schönen Auen,
Gleich in dem Augenblick an meiner Seite schauen,
Wie zärtlich wollt ich nicht mit dir im Grünen scherzen,
Wir theilten Wort und Kuß, und zwey verliebte Herzen.
Ich bände dir gewiß den aller schönsten Strauß,
Und nöthigte dich darauf mit in mein Hirtenhaus,
Da wollten wir mit Lust der Liebe Blumen pflücken,
Und bey dem Lesen uns sanft in die Wangen zwicken.
Hier küßt sich Blum und Halm durch Zephyrs süsse Triebe,
Dies sollt ein Vorbild seyn von unsrer reinen Liebe,
Allein die Einsamkeit macht mich hier stum und bleich,
Wo nicht mein Thyrsis ist da gilt mir alles gleich.
20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[290] 20. Gedichte

Als sie ihn nicht in Zweifel lassen wollte.


Dein Herze will ich stets in meiner Brust verwahren,
Daß keine Räuberinn ein Wort davon erfährt.
Ich werde keinen Fleiß, es zu bewachen, sparen,
Weil mir dasselbige schon längstens zugehört.
Du hast bereits gesiegt, und mich nun überwunden.
Ich muß es sonder Zwang, dir liebster Freund, gestehn,
Daß ich an deiner Gunst was treffliches gefunden,
Dies läßt sich Sylvia nicht aus den Händen gehn.
21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

21. Gedichte

Ueber die erlangte Ehrenstelle eines guten Freundes.


Die Musen nennen dich, gelehrter Freund, beglückt,
Dieweil dein Schicksal dich der Niedrigkeit entrückt.
Allein sie irren sehr; denn alle Welt wird sagen:
Das Glücke hätte hier gewiß nichts beygetragen.
Die Würde suchet bloß, mein – – dich hervor,
Und dein Verdienst hebt dich, wie billig ist, empor.
Die Linden kennen dich und dein vortrefflich Wesen,
Das sie vor langer Zeit aus deinem Thun gelesen.
Ja, wär auch alles dies nicht durch den Ruf bekannt,
So lehrt uns solches doch ein Wink von hoher Hand.
Denn wen Augustus pflegt aus vielen zu erwehlen,
Der ist den würdigen mit Rechte beyzuzehlen.
22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[291] 22. Gedichte

Auf den Geburtstag eines Generals.


Die Musen weckten mich durch ihren schnellen Lauf
Noch vor Aurorens Glanz von meinem Lager auf.
Wie? willst du, sprachen sie, dich nicht mit uns bequemen,
An diesem schönen Fest ein frohes Theil zu nehmen?
Der Tag, an dem sich Mars und selbst Minerva freut,
Ermuntert dich gewiß, wie uns, zur Frölichkeit.
Komm, unser Singen hat nur – – Ruhm zum Ziele.
O nein, versetzt ich drauf, verzeiht, daß ich nicht spiele;
Wer diesem Held ein Lied zur Ehre bringen will
Das seiner Würde gleicht, muß keinen schwachen Kiel,
Von Blödigkeit geführt, nein, jener Sappho Gaben,
Den Geist der Scuderey, ja noch was mehres haben.
23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

23. Gedichte

Dein schmeichelhafter Kiel und deine Poesie
Gab sich, geschickter Freund, die Zeit daher viel Müh,
Mein Dichten und mich selbst vor andern zu erhöhen,
So matt du in der That hörst meine Seiten gehn.
Dergleichen grosses Lob verdient die Muse nicht,
Die nur bey mir noch lallt, und halb gebrochen spricht.
Ja, säng ich auch mit dir nach Art der Nachtigallen,
So würd ich aller Welt so wohl, als du, gefallen,
Denn wenn du fernerhin, wie bis anher geschehn,
Uns lässest unsre Lust an deinen Liedern sehn,
[292]
So wird der Musen Fürst, um dich recht hoch zu schätzen,
Die Flöthe zum Gestirn der Orpheusleyer, setzen.
24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

24. Gedichte

In deinem schönen Werk, sieht man erstaunend an,
Was Nachsinn, und Verstand, was Kunst und Fleiß gethan.
Der Brücken Bau und Riß, zeigt nicht nur Wunderwerke,
Man spürt auf jedem Blat der Wissenschaften Stärke.
Der Lehrer, und auch der, so ihm zu Füssen sitzt,
Bewundert Satz vor Satz, und wozu jeder nützt.
Kurz, die gelehrte Welt nennt es ein Meisterstücke,
Und denkt nach später Zeit an dich mit Lust zurücke?
Die Ewigkeit schreibt selbst, Freund, deinen Namen auf.
Dein Wissen reizet sie; Monarchen merken drauf.
Dein König gab Befehl, was kann man anders lesen,
Als ein vollkomnes Buch nach seinem innern Wesen?
25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

25. Gedichte

Als sie ihr Bildniß schildern sollte.


Mein Freund, o! thu dir nicht Gewalt;
Kennst du mich gleich nicht von Gestalt,
Deswegen fasse keine Grillen;
Den Kummer will ich dir bald stillen.
Ich setze schon die Feder an.
[293]
Mit dieser wird dir kund gethan:
Du sollst mein Bild in Reimen lesen,
Mein Ansehn und mein ganzes Wesen.
Ich bin nicht klein, ich bin nicht groß,
Ich geh bedeckt und niemals bloß.
Mit aufgeräumten frohen Minen
Such ich der ganzen Welt zu dienen.
Ich bin nicht stark; ich bin nicht schwach;
Mein Fuß ist schnell, kein Ungemach
Setzt meine Seel aus ihrem Schranken;
Mein fester Sinn pflegt nicht zu wanken.
Ich liebe Kunst und Wissenschaft,
Und lache wenn man sich vergafft.
26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

26. Gedichte

Auf die Verläumder.


Rast wie ihr wollt, ihr unverschämten Neider!
Ich klag und zittre nicht,
Auf! zeiget eure Schwäche!
Wenn mir zu viel geschicht,
Muß ich der Thorheit lachen.
Ihr möget nur aus mir sehr wenig machen.
Ihr werdet, doch vielleicht zu späte, sehn,
Daß ich auf edle Art mich an euch räche.
Wie wollt ihr da bestehn,
Wenn man einst wird von meiner Großmuth sprechen:
Sie steiget doch, wenn man sie gleich will schwächen.
27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[294] 27. Gedichte

Als sich Thyrsis wegen seiner Sprödigkeit gegen die Chloris entschuldigte.


Ich könnte dich, mein Kind, noch endlich lieben;
Doch gehet es so gleich nicht an.
Dein mehr als täglich Wanken,
Das ich nicht leiden kann,
Entzieht dir noch mein Herze:
Ich kenne dich im Ernst, und auch im Scherze.
Dein Blick ist schön, und dringet in die Brust;
Mich bringt er nicht auf andere Gedanken?
Denn meine gröste Lust,
Wenn ich ja lieben soll, ist bloß die Treue;
Damit ich nicht die Wahl zu spät bereue.
Vermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

Vermischete Gedanken

Die Dicht- und Redner Kunst liebt, was der Witz erfindet,
Der Ausdruck lebhaft macht, und rein zusammen bindet;
Sie wollen beyderseits, um Aug und Ohr zu laben
Recht nüchterne Vernunft und reine Sinne haben.
Wenn Fama sich recht hoch zum Himmel schwingen will,
Und weiser Seelen Ruhm soll zu den Sternen tragen,
So borgt sie bey dem Flug von Männern nur den Kiel,
Warum? sie darf es nicht, mit Frauenfedern wagen.
Ich meynte bey dem Trieb, den ich gar oft verspührt,
Und der durch Sehnsucht mir den regen Geist gerührt,
Mich noch auf den Olymp beglückt hinauf zu schwingen
[295]
Weil auch die Musen dort, als Frauenzimmer singen.
Jedoch mein Hoffen fehlt; ich kann voraus sehn,
Daß, leider! selbiges unmöglich kann geschehn,
Der Pierinnen Schaar drängt mich von ihren Stufen,
So eifrig und bemüht ich ihr doch zu gerufen,
Aus Eifersucht und Furcht, es möchte nach und nach
Apollo, der sie liebt, zu nicht geringer Schmach,
Und ihrem grösten Schmerz, dem fremden Gast daneben
Ein freundliches Gesicht, und holdes Blickchen geben.
Man trifft von keinem Bild so viel Copien an
Als uns von ihrem Riß die Falschheit zeigen kann.
Wie viele giebt es doch, die sich an sonst nichts kehren,
Und diese Schilderey aufs innigste verehren!
Allein ich kenne dich, Freund von ganz andrer Art,
Drum da dein Redlich seyn gar kein Bemühen spart,
Vor wahrer Freunde wohl das äusserste zu wagen,
So kann ich dies Recht zu deinem Lobe sagen.
Das Schicksal läßt sich nicht auch von den klügsten Geistern
Durch Einhalt, Kunst und List, Verstand und Einsicht meistern,
Sein Lauf bleibt ungestört, es lenkt die ganze Welt,
Und führet alles so, wie es ihm selbst gefällt.
Dem muß ein blinder Zug sein Aug und Ohr verriegeln,
Der frech in die Gefahr, und kühn ins Unglück geht,
Allein ein kluger Mann der noch am Ufer steht,
Wird sich unfehlbar wohl an andrer Schiffbruch spiegeln.
Das schnell seyn hilft zum Laufen nicht,
[296]
Wenn Zeit und Glücke widerspricht.
Man läuft umsonst auf dieser Bahn
Und bänden wir uns Schrittschuh an.
Ein Jason, wenn er will das güldne Vließ erfechten,
Schlägt der Centauren Heer zur linken und zur rechten,
Drum wer das Kleinod sucht, das uns die Pallas weist,
Der ringe stets darnach mit unerschrocknem Geist.
Es braucht zwar Stärk und Muth die Feinde zu bezwingen,
Und auch ein wildes Thier in Schling und Zaum zu bringen.
Doch wer sich selbst bezwingt, der zeiget in der That,
Daß er den grösten Sieg dadurch erfochten hat.
Apollo bildet sich auf dich was grosses ein
Und spricht: – – – muß mein bester Pfeiler seyn.
Allein der Musengott scheint sich zu übereilen.
Denn Suada gönnt ihm nicht aus Neid dergleichen Ruhm.
Sie nennet dich zugleich mein Freund, ihr Eigenthum
Was Rath? sie müssen sich in dich unfehlbar theilen.
Was dich, geehrter Freund, zu meinen Freuenden schreibt,
Ist deine Redlichkeit, und dein gelehrtes Wissen,
Davor dir in der That mein Angedenken bleibt,
Ob ich hinführo gleich muß deinen Zuspruch missen.
Auf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

Auf einen schönen und artigen Papagoy

Es hat dich die Natur recht herrlich aus geschmücket;
Dein Glanz ist ungemein, man bleibt dabey entzücket.
[297]
Man sage was man will von aller Farben Kunst:
Es ist und bleibt fürwahr nur eitler Wörter Dunst.
Ich seh das muntre Grün, mit roth und gelb vermenget;
Wie sich der weisse Strahl mit in den Schnabel dränget;
O Anblick, der fürwahr mir alle Sinnen rührt!
Ihr Künstler, saget frey! seyd ihr nicht überführt,
Die Wirkung der Natur hat euch hier übertroffen?
Ihr schlechten Redner hört, ihr könnt ein gleiches hoffen.
Kaum daß sein zartes Ohr sich nach der Stimme richt,
Die nur von ohngefehr ein Wörtchen zu ihm spricht,
So sagt er deutlich noch was man von ihm verlanget.
Die Unschuld redet hier, die nicht mit Worten pranget.
Er speist sein Zuckerbrodt, steigt in dem Baur herum,
Sieht sich in keiner Schrift nach Wort und Einfall um.
Ihn plagt kein schwarzer Neid, er will sich nicht verstellen;
Kann er gleich als ein Hund mit seinem Stimmchen bellen.
Er lacht, er pfeift, er singt, wenn sich die Zunge regt
So wird ein neuer Werth auch an den Tag gelegt.
Wie sollte nicht mein Freund den klugen Vogel lieben?
Wer ihn nur hört und sieht, wird dazu angetrieben.
Ich sorge wahrlich selbst, daß ihn kein Unfall schreckt,
Und daß kein Katzenkopf sich nach dem Bauer streckt.
Mein Papchen lebe wohl, belache alle Thoren.
Die nicht so edel sind in ihrer Art gebohren.
Du sprichst dein gutes Deutsch, dein rein gesetzt Latein,
Kanst manchem der es lehrt, darinn ein Muster seyn.
[298]
Cantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte
1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

Cantaten und Fabeln

[299][301]

1. Cantata

Die Großmuth.

Aria.

Was seufzet ihr, verzagte Seelen?
Was girrt und ächzt ihr Tag und Nacht?
Durch Heulen, Winseln, Schreyen, Klagen,
Wird ja die Last, so man muß tragen,
Noch weit beschwerlicher gemacht.
Wer edelmüthig ist, läßt sich durch nichts besiegen,
Er bleibt auch da gesetzt, wenn er muß unten liegen.
Da Capo.

Wiewohl ich weis schon, was ihr sprecht:
Ihr meynt, ihr habt zu klagen Recht,
Weil euch das falsche Glück
Nicht will bey eurem Leben
Auch einen holden Blick
Wie vielen andern geben.
Ey! schade vor die flatterhafte Dirne,
Wenn sie gleich eine finstre Stirne
Euch dann und wann mit unter zeigt,
So werdet ihr doch nicht deswegen
Vor Kummer euch in Thränen baden.
Ein niederträchtiger gemeiner Geist wird nur von ihr gebeugt.
Gesetzten Seelen ist gar nichts am Glück gelegen,
Es mag so sauer sehn, als es nur immer kann,
So wird es selbigen, bespiegelt euch daran,
Gar wenig schaden.
[301] Aria.

Wie schleicht ihr doch, ihr blinden Buhler!
So brünstig diesem Weibe nach?
Was schmeichelt ihr dem tollen Glücke?
Werft doch die süß verliebten Blicke
Nur auf den Grund, worauf es steht;
Es ruht auf keiner festen Schwelle;
Die Kugel ist sein Fußgestelle,
Die, eh man es gedenkt, sich oftermalen dreht.
Da Capo.

Klagt ihr, daß euch der Zucker dieser Welt,
Dadurch nur würde stets vergällt,
Weil überall ein falsches Heer,
Bey Trug und selbst erfundnen Tücken
Sein Bürgerrecht das es erkaufet, liesse blicken;
Und euch, so sanfte doch
Der Umgang sonst mit andern wär,
Der Welt Geselligkeit als ein verhaßtes Joch,
In euren Augen täglich schien;
Deswegen dürft ihr nicht vor ihr so schüchtern fliehn.
Laßt seyn, ihr werdet hier und dar
Viel Judaskinder mit gewahr,
Die euch viel glatte Worte schenken,
Im Herzen aber anders denken.
Bezahlet sie so dann, weil es vergönnet ist,
Auch wiederum mit Gegenlist,
Wie man den Ton ins Holz läßt fallen,
So pflegt es auch heraus zu schallen.
Aria.

Erschreckt doch nicht, ihr feigen Geister!
Wenn ihr der Falschheit Blendwerk seht.
[302]
So lang das Freundschaftsband nicht reisset,
Das uns ein Trost und Labsal heisset,
So liebt man es auch mit Bestand.
Doch will es uns zur Schlange werden,
So wirft man es so gleich zur Erden,
Man reicht ihm weiter nicht die Hand.

Da Capo
Geschieht es, daß sich oft
Der Freundenstern, auf den ihr hofft,
In einen Zorncomet verkehret,
Und das Verhängniß euren Rücken,
Durch ein und andre Last beschweret,
So müßt ihr nicht bey der entstandnen Pein,
Voll Kleinmuth und verzaget seyn:
Sie wird euch nicht so gleich erdrücken,
Wer stellt euch einen Freybrief zu,
Daß ihr, so lang ihr lebt, in ungestöhrter Ruh,
Und in Zufriedenheit sollt sitzen?
Ein stets gesetzter Mensch pflegt nicht vor Angst zu schwitzen,
Wenn er bey seinem Lauf, so krumm er sich auch ziehet,
Viel Hinderniß im Wege liegen siehet,
Er springet bey gelaßnem Sinn,
Voll Großmuth über alles hin,
Und läßt bey so gestalten Sachen
Sich durch kein Ungemach verzagt und irre machen.
Aria.

Je stärker die Gefahr uns drohet,
Je grösser muß das Herze seyn,
Bey aufgeklärter Luft und sanfter Winde wehn,
Vergnügt und aufgeräumt im Schiff herum zugehn,
[303]
Ist keine Kunst und gar nicht rühmlich;
Doch in der Wellen Grab beherzt und lachend sehn,
Wenn ein Orcan entsteht und Schiffbruch soll geschehn
Bleibt grossen Geistern eigenthümlich.
Da Capo.

Preßt euch der Haß und Neid,
Der überall sein Gift ausspeyt,
Vor dem die Unschuld auch sich nicht weis zu verwahren,
So viele Seufzer aus;
O Thorheit! daß ihr euch darüber Kummer macht,
Ihr könnt denselben sparen;
Wißt, daß ein Weiser nur darüber lacht,
Wenn ihm ein Simei durch Lästern fluchet,
Und seinen guten Ruf stets zu vermindern suchet.
Der Schmähsucht Speichel kann die Tugend nicht beflecken,
Er haftet nicht
An ihrem reinen Angesicht.
Wird, wenn die Wesp auf Blumen fällt,
Die Pracht durch ihren Stich verstellt?
Gar nicht, ihr Glanz bleibt unverletzet,
So scharf die Misgunst auch die stumpfen Zähne wetzet,
So dürft ihr doch dafür nicht zittern,
Wer schleppt ein Maulthier, das uns tritt,
Gleich vor das Halsgerichte mit?
Durch ein verächtliches und Großmuthvolles Lachen
Kann man den Neider schamroth machen.
Aria.

Nimm, tolle Brut, den offnen Rachen
So voll von Gift, als möglich ist.
Stürzt ihn Eimerweis heraus,
[304]
Sinne neue Schmähwort aus,
Die Großmuth lächelt nur, und scherzet noch darüber,
Sie weis wohl, daß die Nessel sticht,
Allein dein Unkraut brennt sie nicht,
Sie will von dir kein Lob; dein Schelten ist ihr lieber.
Da Capo.
2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

2. Cantata

Die mit sich selbst streitende Chloris.

Aria.

Saget mir, ihr grünen Bäume!
Wozu ich mich entschliessen soll.
Ihr seht die Unruh meiner Seele,
Und wißt wo mit ich mich stets quäle;
Drum sollt ihr auch bey solcher Pein
Mein Rath und wahrer Beystand seyn.
Da Capo.

So sprach die Chloris nächst,
Die bey verdrießlichen Geberden
Vor Unmuth halb verwirrt sich bey den muntern Heerden,
Auf fetten Klee gestreckt, und in dem feuchten Graß
Bey früher Morgenzeit allein und einsam saß.
Ihr Damon, welcher ihr sein Herz so lange Zeit
Durch öftern Antrag schon geweyht,
Und ihr auf allen Tritten,
Wo er die Spuren fand, verliebt war nachgeschritten,
Fiel ihr von neuem ein; und weil er halb mit Zwang,
Auf ihr gehoftes ja bey stetem Flehen drang,
[305]
So wust sie selber nicht, so gern sie immer wollte,
Was sie für einen Schluß nunmehr ergreifen sollte.
Der Streit war allzu groß, den sie bey sich empfand,
Bald both sie ihm die Hand zum Zeichen ihrer Gunst,
Bald schämte sie sich dieser kleinen Kunst,
Und trennte bey sich selbst das schon geknüpfte Band,
Und endlich warf die schöne Schäferinn
Den Stock aus ihren Händen hin,
Und ließ, um sich der Liebe zu erwehren,
Den endlichen Entschluß bey solchem Zweifel hören:
Aria.

Damon, hoffe weiter nicht,
Deine Seufzer sind vergebens.
Nimm bey so widrigen Geschicke
Dein mir geschenktes Herz zurücke,
Und biet es einer andern an.
Weil Chloris so die Freyheit liebet,
Und sich ihr gänzlich übergiebet,
Unmöglich dich vergnügen kann.
Da Capo.

Kaum, daß sie dies gesagt, so gab es doch der Schein,
Als müste sie dabey nicht unempfindlich seyn.
Sie stellte sich gleichwohl bey ihrem tauben Ohr
Die Lieb und Zärtlichkeit des guten Schäfers vor.
Ach! sprach sie zu selbst; ich muß es wohl beklagen,
Daß mein Entschluß von mir begehrt,
Mein Herz ihm abzuschlagen;
Ja freylich ist er Liebenswerth.
Mit was für sehnlichem Verlangen,
Mit was für Treu und Redlichkeit
Ist mir nun schon so lange Zeit
Der liebe Schäfer nachgegangen?
[306]
Wie manchen netten Strauß, den er mit kluger Hand,
Selbst von den schönsten Blumen wand,
Hat mir mein Damon nicht gereichet?
Mein Schäferhuth und Stock, dem wahrlich keiner gleichet,
Rührt auch von ihm noch her; wie ofte blies er mir
Auf seinem Haberrohr ein schönes Liedchen für!
Ja freylich hat er es bey mir sehr hoch gebracht,
Er sang beständig nur vom lieben.
Wie freundlich hat er mich darbey nicht angelacht,
Wenn ich die Heerden ausgetrieben?
Ich mag, wohin ich will, mein Auge lenken,
So find ich noch von ihm ein Angedenken;
Da steht kein Baum
So in der Fern als Nähe,
Auf dessen Rund ich nicht in einem glatten Raum
Der Chloris Namen schön und tief geschnitzet sehe.
Dies alles rührte sie, daß sie sich nach und nach
Bey ihren innerm Streit selbst dieses Urtheil sprach:
Aria.

Undankbare! schäme dich.
Laß Eigensinn und Freyheit schwinden.
Dergleichen reine Liebes Flammen
Kann keine Schäferinn verdammen.
Drum lindre deines Damons Pein;
Schenk ihm dein Herze gern und willig;
Getreue Liebe muß wohl billig
Mit Gegengunst belohnet seyn.
Da Capo.

Allein in einem Augenblicke
Zog die verwirrte Schäferinn
Gleich wiederum ihr Wort zurücke.
Die Freyheit fiel ihr wieder ein,
[307]
Nein, hob sie an, es kann nicht möglich seyn,
Daß ich der Freyheit Gold verschwende
Und Herz und Hand an ihn, so treu er liebt, verpfände.
Dies Kleinod kann ich nicht entbehren,
Vergöß auch Damon gleich so viel verliebte Zähren,
Daß er davon die Lämmer könnte tränken,
So wird er doch dadurch mich nicht zum Lieben lenken.
Die Freyheit ist und bleibt das schönste auf der Welt,
Ein jedes Schäfchen giebt mir merklich zu verstehen,
Wie viel es auf die Freyheit hält;
Wenn der Saturn bey ungestümen wehen,
Sie in die düstern und schmahlen Ställe schleußt,
Wie sinket ihnen nicht auf einmal Muth und Geist?
Wie hengen sie den Kopf, wie stehen sie bestürzt,
Weil Boreas die Luft verkürtzt?
Doch heißt sie Florens Wink so Duft als Moder fliehen,
Wie drängen sie sich nicht auf Weyd und Feld zu ziehen?
Ein jedes will das erste seyn.
Wie freudig schlucken sie nicht Gras und Hälmer ein?
Drum weg mit den verhaßten Ketten,
Wer sanfte schlafen will, muß sich alleine betten.
Aria.

Freyheit, allerschönstes Wort,
Du sollst meine Losung bleiben.
Schmeckt nicht der Nachtigal, die in der Freyheit ist,
Ein Körnlein, das sie selbst vom offnen Felde liest,
Weit lieblicher, als wenn man ihr dagegen
Das schönste Zuckerbrodt will in den Kefich legen.
Da Capo.

[308]
Wilst du bey meinem Schmerz, willst du bey meiner Pein,
Noch ferner grausam thun, und unempfindlich seyn?
Wie lange treibst du schon mit meinen Flammen Spott?
Ich schwere heilig dir bey unserm Hirtengott,
Und deiner Schönheit selbst, daß auf der ganzen Erden
Kein Schäfer mir an Treu kann vorgezogen werden.
Du bist, Annehmliche, mir Sonne, Licht und Stern,
Dein Damon liebt und ehrt dich in der Näh und Fern,
Belohne meine Treu, bekröne meine Liebe,
Du kennst mein redlich Herz, die ungefärbten Triebe,
Und auch – – – drauf schwieg er still, die Lippen wurden bleich;
Ihr aber auch dabey das Herz in etwas weich,
Drum ließ, indem die Dämmerung,
Mit ihrer Lämmer Heer befahl nun aufzubrechen,
Ihr Beyleid sie so viel zu Trost und Linderung
Noch gegen ihren Schäfer sprechen.
Aria.

Damon schweig und fasse dich,
Stelle Seel und Herz zufrieden.
Verbeut mir gleich mein freyer Geist,
Der Band und Fesseln sich entreißt,
Mich deiner Gunst zu überlassen,
So kann dich Chloris doch nicht hassen.
Verändert ja die Zeit dereinst mein Herz und Sinn,
So glaube nur, daß ich so dann die deine bin.
3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[309] 3. Cantata

Die in Lorbern verwandelte Daphne.

Aria.

Weg mit dem schlechten Zeitvertreib
Der mir so sehr verhaßten Liebe!
Winkt, tolle Nymphen, dem Gespielen,
Um Glut und Sehnsucht abzukühlen,
Der eure Neigung ausgespürt.
Leimt bey der Tilgung wilder Flammen
Im Küssen Mund und Mund zusammen;
Mein Herz wird nicht dabey gerührt.
Da Capo.

So sprach die Daphne dort, die auf dem fetten, Gras,
Des stark belaubten Waldes saß;
Ihr fester Schluß, den sie gefaßt,
War dieser, daß sie sich der Last,
Dem Joch der Liebe stets entschlagen,
Und niemals, andern Thoren gleich
In Amors Sclavenvollen Reich
Auch harte Fesseln wollte tragen.
Der Forst, allwo sie sich
An ihrer Freyheit Schutz ergetzte,
Die sie weit mehr als alles schätzte,
Stellt ihr zwar an dem Wild
Und bey der vielen Thiere Schaar
Der Liebe Musterbild
In ihrer Einsamkeit und stillen Ruhe dar;
Sie sahe, wie der Hirsch, den wohl was reizen muste,
Der Hindin liebzukosen wuste,
[310]
Und wie das Flügelheer, das mit verliebter Art
Sich hier und dar auf Ast und Zweig gepaart,
Bey zart gestimtem Thon und Klange
Die süssen Liebeslieder sange;
Doch alles dies galt nichts in ihrem zarten Ohr;
Drum sang sie dies zum Spott den blinden Thieren vor.
Aria.

Buhlt euch nur satt verliebte Thoren!
Dergleichen Beyspiel reizt mich nicht.
Die Liebe kann aus meinen Augen
Nichts weniger als Nahrung saugen.
Auch Götter finden kein Gehör.
Wer Daphnen will durch Glut entzünden,
Der wird ein Herz von Felsen finden
Und wenns auch Ganymedes wär.
Da Capo.

Kaum, daß sie dies gesagt, drang Phöbus in den Wald.
Sie schloß sogleich aus der veränderten Gestalt,
Es müste dieser Gott von Amors Pfeil und Bogen
Gewiß gerühret seyn;
Sie fand sich auch hierinnen nicht betrogen;
Weil er sogleich ihr seine herbe Pein
Bey zärtlichen Beschwerden klagte,
Und ihr dabey viel schönes sagte.
Ach! holde Daphne, hob er an,
Wer ist, der deinen Lieblichkeiten,
Die mit den Gratien selbst um den Vorzug streiten,
Sein Auge wohl entreissen kann?
Die Liebe hat kein einig mal
In meiner feuchten Brust sonst Zunder fangen können,
Jedoch bey deinem Allmachtsstrahl
Scheint alles lichterloh zu brennen;
[311]
Der erste Blick raubt mir Zufriedenheit und Ruh;
Und endlich setzt er dies hinzu:
Aria.

Lösche, tilge Brand und Flammen,
Eh Phöbus gar zu Asche wird.
Der Thetis Flut, der Wellen spielen,
Reicht hier nicht zu, uns abzukühlen,
Auch Jovis Naß ist viel zu klein.
Der Perlen Thau der mich entzücket
Und deine süssen Lippen schmücket,
Löscht solches Feuer ganz allein.
Da Capo.

Die Daphne wuste nicht, weil sie sich nichts versah,
Wie ihr hierbey geschah.
Verwegner! fuhr sie auf, was störst du mich allhier,
Und sprichst mit mir
Von tollen Liebes Sachen
Die dich bethört, und mir den grösten Ekel machen?
Fleuch, schnöder Buhler, hin;
Entweyhe nicht der Daphne keuschen Sinn,
Der süß vermeynte Thon der geilen Liebeslieder
Und aller Männer Kuß ist mir zuwider.
Den Sternen ist bewust,
Daß sich in meiner reinen Brust
Kein Funken jemals blicken lassen;
Und daß mein fest gesetzter Geist
Auf ewig wird das Lieben hassen
Weil dieses meine Losung heißt:
Aria.

Lieber leblos und entseelt,
Als im Arm des Buhlers liegen.
[312]
Eh laß ich meinen Leib die Furien zerfleischen,
Als mich vom blinden Gott gleich andern Nymphen teuschen.
Mich dünkt es schmeckt der Höllen Fluß
Weit süsser als ein Männerkuß.
Dies alles hielte nicht bey dem entbrannten Blicke
Den feurigen Apoll zurücke.
Die Sehnsucht ließ ihm keine Ruh.
Drum grif er frech und kühne zu,
Und wollte bey so schmerzlichem Verlangen
Die Schöne durch den Kuß umfangen.
Sie, voller Furcht und Zorn, floh bey dem Ungemach,
Er aber eilt ihr schleunig nach.
Hier gieng, wie man leicht schliessen kann,
Das Laufen an;
Sie beyde liefen um die Wette,
Als wenn ihr Fuß Mercurens Flügel hätte.
Doch endlich ward sie müd und matt.
Und kaum, daß dieser Feind sie eingeholet hat,
Schreyt sie dem Peneus zu: Er möcht als Vater handeln,
Und sie noch ungeküßt so gleich in was verwandeln.
Gesagt, und auch erhört: Sie ward zum Lorberbaum.
Und als sie nach und nach verspürte,
Daß die Verwandlungskraft ihr Zung und Lippen rührte,
Sang sie dem Phöbus noch, eh sie den Geist verlohr,
So viel zum Abschiedslied bey seiner Liebe vor.
Verwegner Buler, hast du schon
Mein keusches Herz nicht rauben können,
So will ich deinem Helicon
Doch etwas zum Vermächtniß gönnen.
[313]
Wenn du forthin als Musenfürst
Die Pierinnen krönen wirst,
So soll mein Stamm die Lorbern schenken,
Damit du, wenn man Kränze flicht,
Die kahlen Epheublätter nicht
Darfst um so kluge Schläfe schränken.
Entweyhe nur nicht Zweig und Ast,
Der Saft und Wuchs von mir genommen;
Dieweil du selbst gesehen hast,
Wie schwer er mir ist angekommen.
Verschwende ja nicht, was hier grünt,
Gieb es nur dem, der es verdient;
Denn solltst du mich mit Schimpf entblättern
So wollt ich, daß in aller Eil
Der Zeus mit seinem Donnerkeil
Gleich Stamm und Wurzel ließ zerschmettern.
4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

4. Cantata

Aria.

Meiner Chloris zum Vergnügen
Geb ich Heerd und Fluhren hin.
Will der Wolf ein Schäfchen rauben,
Will ich ihm die Lust erlauben,
Wenn ich nur bey Chloris bin.
Da Capo.

Komm, Schönste, rief der Schäfer ganz entzückt,
Komm, in mein Hirtenhaus
Schon gestern band ich dir den allerschönsten Strauß;
Mein Tisch ist auch gedeckt.
[314]
Versuche wie bey mir, Brodt, Rohm, und Käse schmeckt.
Die Sehnsucht wirkt durch Mark und Blut,
Ich küsse dich, mein einzig Gut.
Aria.

Slagt ihr holden Nachtigallen
Meiner Chloris zu gefallen;
Lockt sie durch den Waldgesang.
Scherzt ihr Heerden, Böck und Ziegen.
Ich erwarte mein Vergnügen
Zeit und Weile wird mir lang.
Da Capo.

Indem er noch so sang,
Kam Doris ihm entgegen,
Sie neigte ihren Stock, ergriff ihn bey der Hand,
Und sprach: Um deinetwegen
Komm ich auf diese Trift; mein Damon, meine Lust,
Vergönne der vergnügten Brust
Die Regung anzuzeigen,
Ich kann sie länger nicht verschweigen.
Aria.

Mein Damon hat mein ganzes Herze;
So oft ich singe, tanze, scherze,
So muß er mir zur Seiten seyn.
Geh ich die Wiesen auf und nieder,
So geht die Lust durch alle Glieder;
Es fällt mir nichts als Damon ein.
Ach! dies Geständniß war zu schön.
Man sahe sie unarmt an jenem Baume stehn.
Doch Damon unterbrach das Stilleschweigen
Um seiner Chloris bald sein treues Herz zu zeigen.
[315]
Aria.

Zehl die Hälmer auf den Feldern,
Zehl die Bäume in den Wäldern,
Zehl den Sand auf unsrer Trift.
So viel Lust giebt deine Liebe
Zu der Nahrung meiner Triebe;
So viel wirken deine Blicke
Wenn ich dich an mein Herz in voller Sehnsucht drücke.
5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

5. Cantata

Aria.

Schläfert mich, ihr kühlen Winde,
Schläfert mich zum Sterben ein!
Bäume, Aeste, Laub und Zweige,
Da ich euch mein Herze zeige,
Gebt mir Schatten, schafft mir Ruh.
Hört ihr Heerden, hört mir zu!
Wird Doris einst nach Thyrsis fragen
Ja sollte sie zu spät ihr Grausam seyn beklagen;
So zeigt ihr diesen Birkenbaum, in dem ihr Name steht.
Ich weis gewiß, daß sie bestürzt zurücke geht.
Aria.

Mein Sterben kommt von deinen Händen,
Mein Leben nährt ein einig Wort.
Ja ich vergäß mich selbst im Schmerze,
Erquickte noch dein ja mein Herze;
Allein mein Hoffnungsanker bricht;
Denn Doris flieht und hört mich nicht.
Da Capo.

[316]
Wohlan? so schick ich mich zu meinem Sterben!
Die Heerde mag ein andrer Schäfer erben.
Den Stab, das Rohr, die Flasche,
Den Huth, die Hirten Tasche,
Soll Hector noch bewachen;
Wenn Doris kommt mein Sterben zu belachen.
Vielleicht daß sie zurücke denkt,
Und meiner Asche noch ein Thränenopfer schenkt.
Und als er dies gesagt,
Und nun genug geklagt,
So sollte noch bey seiner Pein
Dies letzte Lied der Abschied an die Schäfer seyn.
Aria.

Geht mein Tod euch nicht zu Herzen,
Könnt ihr tanzen, pfeifen, scherzen
Auf des Thyrsis Leichenstein;
So verspottet nicht die Triebe;
Denn der Ursprung meiner Liebe
Muste selbst mein Mörder seyn.
6. Cantata5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

6. Cantata

Aria.

Sage doch gekränktes Herze,
Was deines Leidens Ursprung ist?
Du kennst die Unruh meiner Seelen;
Wie lange soll ich mich noch quälen?
Sag, bin ich selber Schuld daran?
Entdecke mir nur mein Verbrechen;
Hernach magst du das Urtheil sprechen,
Ich hör es gern und willig an.
Da Capo.

[317]
Du schweigst, was hilft mich alles Klagen!
Du willst zu meiner Pein,
Gar nicht ein Wörtchen sagen.
O mehr als harter Schluß
Den ich erwarten muß!
Aria.

Hilft kein Bitten, hilft kein Flehen,
Ach! so ists um mich geschehen;
Liebste Freyheit gute Nacht.
Kann sich mein Herz dazu entschliessen,
So muß ich mein Verhängniß küssen,
Es stammt von einer höhern Macht.
Da Capo.

Itzt komm ich auf die Spur?
Mein Herz, gesteh es nur:
Mirtillo bleibt dein Gegenstand,
Du giebst dich selbst zum Unterpfand.
Der Trieb muß von dem Himmel stammen;
So lieb ich künftig auch
Den Ursprung meiner Flammen.
Aria.

Süsse Regung reiner Triebe
Laß die Unschuldvolle Liebe
Meiner Seelen Nahrung seyn.
Laß mich ja kein Schicksal trennen
Laß mich keine Falschheit kennen,
Sonst geh ich kein Bündniß ein.
Da Capo.
7. Cantata6. Cantata5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[318] 7. Cantata

Aria.

Die Männer sagen uns wohl immer,
Nichts sey so schlimm als Frauenzimmer;
Allein sie kennen sich noch nicht.
Ihr Trotzen, Pralen, Trügen, Heucheln
Verführen, und mit Worten schmeicheln,
Führt oft die klügste hinters Licht.
Da Capo.

Ihr wollt in allem zwar
Gesetzt und hoch vernünftig seyn;
Allein
Erweg ich euren Wankelmuth,
Was der aus Uebereilung thut,
So müst ihr euch gar oft bequemen
Euch vor euch selbst zu schämen.
Ihr Näscher denkt nur nach:
Was könnt ihr nicht ersinnen,
Des Frauenzimmers Gunst
Leicht zu gewinnen?
Aria.

Bald liebt ihr eure Schäfer Magd
Wenn euch der Liebeskützel plagt;
Bald sehnt ihr euch nach andern Frauen.
Der Henker hat das Ding erdacht,
Daß ihr den Mädchens Nasen macht;
Kein Frauenzimmer sollt euch trauen.
Man fraget, das ist wahr,
Und noch dazu ganz offenbar:
[319]
Ist noch ein weiser Mann in eurem Orden?
Weil unser Frauenvolk so oft betrogen worden.
Ja, wo sie künftighin so zärtlich sind.
So ist das weibliche Geschlechte,
Und das mit gröstem Fug und Rechte,
Von Herzens Grunde blind.
Aria.

Plagen, Sorgen, und Verdruß
Hat man bey euch im Ueberfluß.
Ihr könnt euch zwar wie Engel stellen;
Allein ihr reines Wesen fehlt,
So bald ihr uns das Herze stehlt,
Sucht ihr uns auch zugleich zu fällen.
8. Cantata7. Cantata6. Cantata5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

8. Cantata

Aria.

Wenn die muntern Heerden scherzen,
So vergnüg ich mich von Herzen;
Wenn der kühle Zephyr weht,
Locket mich sein sanftes Rauschen;
Sollt ich wohl die Lust vertauschen,
Der nichts zu vergleichen steht?
Da Capo.

Das wär ein schöner Tausch,
Nähm ich das Herz des Damons an,
Der Handel reute mich, kaum daß ich ihn gethan.
Die Freyheit läßt sich nicht so leicht verscherzen.
Dein Seufzen, Schäfer, glaube mir,
Geht deiner Doris nicht zu Herzen.
[320] Aria.

Ach! den Ton der Nachtigallen,
Hör ich schon von weitem schallen,
Kommt, ihr Schäfchen, folgt mir nach.
Was les ich an dem Birkenbaume
Auf dem so schmal bemoosten Raume
Zu meiner allergrösten Schmach?
Ists möglich daß in unserm Orden
Ein Schäfer jemals ist
Sein eigner Mörder worden?
Damit ists ausgemacht, ja gieb mir nur die Schuld;
Ich hör es an, ich leid es mit Geduld.
Komm Hector, komm,
Hilf meine Heerden mit bewachen
Wenn ich den Tod des Damons muß belachen.
Aria.

O lacht doch den verliebten Thoren
Ihr Schäfer, lacht doch, lacht ihn aus.
Weil Doris flieht vor Amors Trieben
Weil sie nicht will den Damon lieben,
Ergreift er den verhaßten Schluß,
Und stirbt aus Unlust und Verdruß.
Kaum als sie dies gesagt,
So kam mit einem Haufen
Der ganze Schäferchor gelaufen.
Sie hörten mit Erstaunen an,
Was Damon an sich selbst für einen Mord gethan.
Die Doris scherzte noch auf seinem Leichenstein,
Sie sprach, dies mag der Unterricht
Verliebter Hirten seyn:
[321]
Flechtet Körbe, bindet Kränze,
Und erfindet Schäfertänze,
Nehmet euch der Heerden an.
Flieht den blinden Liebesschützen;
Dieser wird euch wenig nützen,
Weil ihn Pan nicht leiden.
Da Capo.
9. Cantata8. Cantata7. Cantata6. Cantata5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

9. Cantata

Aria.

Ihr Mädchen, laßt mich ungeplagt,
Mein Herze ist schon längst versagt;
Drum kann ich euch lieben.
Es lebet was in meiner Brust,
Das macht mir hundert tausend Lust,
Dem hab ich Hand und Wort verschrieben.
Doch hengt nur nicht den Kopf.
Bin ich gleich nicht verliebt,
So bin ich auch kein Sauertopf.
Ich hätte wohl den Spaß mit angenommen;
Allein ihr seyd zu spät gekommen.
Mein Herz ist nun verschenkt.
Die Freyheit hat gesiegt, ich bin ihr unterthan.
Euer Schönseyn, eure Gunst, geht mich nichts weiter an.
Aria.

Lacht mich nur aus, ihr guten Kinder;
Ich bin kein dummer Teufel nicht.
Versteh ich mich gleich nicht aufs küssen,
[322]
So kann ich wohl was bessers wissen,
Das ist den meisten unbekannt:
Ich kenne nicht den Unbestand.
Ja, meines gleichen trifft man nicht
In dreyer Herren Landen an;
Es heißt bey mir, ein Wort, ein Mann,
Ich lebe ruhig, und vergnügt,
Weil mir sonsts nichts im Sinne liegt.
Die Freyheit schläfert mich so sanft und süsse ein;
Sie weckt mich auf,
Sie muß stets um mich seyn.
Aria.

Wenn der Tag beginnt zu grauen,
Kann ich schon mein Liebstes schauen.
Bey des Hespers hellem Schein
Wird es mir zur Seiten seyn.
Will ich scherzen, singen, lachen,
Alles sucht es mit zu machen;
So will ich gewiß mein Leben
Auch zugleich mit ihm aufgeben.
10. Cantata9. Cantata8. Cantata7. Cantata6. Cantata5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

10. Cantata

Aria.

Dem Mädchen bin ich herzlich gut,
Das nicht zu stolz und spröde thut,
Und kann vernünftig scherzen.
Was nutzt ein schönes Angesicht?
Wo man von nichts als Thorheit spricht,
Da geht mir nichts zu Herzen.
[323]
Ihr bildet euch zu viel auf eure Schönheit ein.
Wie renkt ihr nicht den Kopf
Und tragt den Hals empor!
Sagt man euch ohngefehr ein Wörtchen nur ins Ohr,
So seyd ihr aufgebracht
Als hätte man euch gar
Die gröste Schande zugedacht.
Aria.

Ihr traut zuviel auf euren Spiegel.
Bedenkt wer nicht nach Schönheit freyt,
Dem kann das äusserliche Wesen,
Das sich ein Spaßgalan erlesen,
Nicht die geringste Reizung seyn.
Die Schönheit dauret wie die Blätter.
Bey Sturm, und bey dem kleinsten Wetter
Fällt eure ganze Lieblichkeit.
Kaum daß man sich die schöne Frau genommen
So ist man auch um sie, ich weis nicht wie, gekommen.
Wenn man sich nun darauf verläßt,
Behält man zwar den letzten Rest,
Allein
Was soll man weiter mit euch machen?
Zu reden wißt ihr nichts:
Soll man denn immer lachen?
Aria.

Ihr Schönen lacht euch nicht zu tode.
Sprecht klug, nicht in den Tag hinein.
Sonst seyd ihr ausgeputzte Docken,
Die bloß mit ihrer Schönheit locken,
Den Klugen blendet nicht der Schein.
11. Cantata10. Cantata9. Cantata8. Cantata7. Cantata6. Cantata5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[324] 11. Cantata

Daphne:

Sylvander, was hab ich gesehn?
Du liessest Chloen heut ohn einen Morgengruß
Bey dir vorüber gehn.
Ists möglich? reizt dich nicht ihr muntres Angesicht?
Ihr Mund, der klug und schmeichelnd spricht?
Kein Schäfer kann sie hassen:
Sie wollen allesamt das Leben vor sie lassen.
Sylvander du allein
Willst unempfindlich seyn?
Aria.

Die Anmuth blüht auf ihren Wangen.
Vielleicht hat sie dich schon gefangen.
Du schweigst und nährst die reine Gluth.
Ach! schweige nicht: dein sprödes Wesen
Läßt mich mehr als zu deutlich lesen.
Du seyst ihr recht von Herzen gut.
Sylvander:

Das räum ich dir mit freyem Herzen ein.
Ich kann ihr ebenfals wie andre, günstig seyn.
Doch liebt Sylvander nicht,
Wenn er mit Chloen spricht.
Ihr Mädchen denkt wir müssen euch entgegen rennen,
Von einem Blick gleich lichterlohe brennen.
[325] Aria.

Gesteht es nur, ihr guten Kinder,
Ihr wollt, wir sollen zärtlich seyn.
Wie könnt ihr nicht die Augen lenken!
So müssen wir wohl weiter denken;
Gesteht es nur, ihr guten Kinder,
Ihr wollt, wir sollen zärtlich seyn.
Daphne:

Sylvander, rede nicht so frey.
Mir ist es einerley,
Ich bin, wie du gesinnt.
Denn wer mich fangen will, der kommt gewiß sehr blind.
Nichts störet meine Ruh.
Ich scherz und singe mit, und hör auch gerne zu.
Befind ich mich in unsern Reihen,
So tanz ich mit, doch denk ich nicht ans Freyen.
Aria.

Scherzt Schäfer mit den muntern Heerden,
Ergreift den Stock, werft Kloß und Sand.
Rennt Mops mit hundert tausend Sprüngen
Bey eurem Sehnsuchtsvollen Singen
Nach der geliebten Chloe hin;
So denk ich mit Ergetzen:
Der Freyheit ist nichts gleich zu schätzen
Ich liebe sie auch mit Bestand.
Da Capo.
Sylvand:

Komm Daphne, setze dich zu mir.
Sylvander schweret dir,
Die Freyheit und sein Leben
[326] In einer Stunde aufzugeben.
Daphne:

Hier hast du meine Hand
Ich schwere dir bey unserm Hirtenstand,
Mein Herze liebt die Freyheit mehr als Gold.
Ihr Schäfer höret zu, dafern ihr hören wollt.
Sylvander stimme mit mir an,
Was ich itzt kund gethan:

Aria Tutti.

Daphne und Sylvander:

Vertauscht die Hand, vertauscht die Herzen
Ihr Schäfer, liebet, scherzt und springt.
Wir gönnen euch die kurze Freude;
Wir finden unsrer Augen Weide
An dem was man weit edler schätzt.
Da Capo.
12. Cantata11. Cantata10. Cantata9. Cantata8. Cantata7. Cantata6. Cantata5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

12. Cantata

Aria.

Auf ihr zärtlichen Napeen!
Wollt ihr länger müßig gehen?
Schürzt zur Jagd den schlanken Leib.
Kommt, wir wollen jagen, hetzen,
Aug und Herze zu ergetzen,
Wehlet diesen Zeitvertreib.
So frischete auf jener Bahn
Der Atalanten Ruf nächst die Gespielen an,
Die sie bey manchen Tendeleyen,
In der verliebten Jäger Reihen
Zu ihrem merklichen Verdruß
Von weitem sahe müssig sitzen.
[327]
Wie? sprach sie, mag ein schnöder Kuß
Euch, träge Nymphen, so bethören,
Und von der mehr als edlen Lust,
Die uns im Jagen ist bewust,
Die muntern Sinnen kehren?
Last doch das tolle Liebesspiel,
Das Atalanta muß verlachen,
Euch bey dem ausgesteckten Ziel
Nicht laß und schläfrig machen.
Seht ihr verliebten Schwestern, nicht?
Wie eifrig winket euch das ganze Chor der Faunen,
Das über eure Rast und Trägheit will erstaunen,
Hört ihr nicht, wie Diana ruft und spricht:
Aria.

Brecht ihr faulen Jäger, auf.
Greifet nach Gewehr und Waffen;
Hemmt der blinden Liebe Lauf,
Macht den Thieren was zu schaffen.
Flieht Cytherens geilen Sohn,
Laßt der muntren Hörner Ton
Statt verliebter Lieder klingen,
Und durch das Gebüsche dringen.
Dies flammte sie, wie man leicht schliessen kann,
Vor Schaam und Furcht von neuem wieder an,
Der Jägerinn, wie vormals, nach zugehen,
Die sie vor sich entrüstet sahen stehen.
Sie hetzten tapfer drauf. Doch als bey solcher Jagd
Sich Atalantes Fuß, der sich zu tief gewagt,
Im Wald verirret sahe,
So ließ Menalcas sich, der ihr zur Hand gar nahe
Daselbst geblieben war, in ein Gespräche ein;
Er klagt ihr seinen Schmerz, und die so harte Pein,
Die ihrer Augenstral
[328]
Ihm jedesmal,
So oft er sie erblickt, erreget;
Ich Unglükseliger! dies war sein Wort,
Hab oftermals so hier als dort
So manches Wild durch mein Geschoß erleget;
Allein dein Herz, du Schönheit dieser Welt,
Dem ich so lange Zeit schon Garn und Netz gestellt,
Läßt sich von mir bey sehnlichem Verlangen
Doch leider niemals fangen.
Und endlich sang er ihrem tauben Ohr
Dies Klagelied recht zärtlich vor.
Aria.

Unempfindlichste der Erden!
Soll dein Herz mir nimmermehr,
Sag es doch, zu theile werden,
Giebst du mir denn kein Gehör?
Deine Hand führt Pfeil und Bogen,
Eben wie der Liebesgott;
Und, so sehr er dir gewogen,
Treibst du doch mit ihm nur Spott.
Bloß die Jagd will dich ergetzen;
Wohl; doch stell auch, bitt ich, dir
Bey dem dir beliebten Hetzen,
Atalanta, dieses für;
Wenn du durch die Wälder streichen,
Und bey Sonn und Mondenschein
Gar kein Stücke solltst erreichen,
Würd es dir nicht schmerzlich seyn?
Selbst die Göttinn, so den Fluren
Und der Jagd gewidmet ist,
Hat auf aller Jäger Spuren
[329]
Den Endymion geküßt.
Sollst du dich an ihr nicht spiegeln?
Wald und Thal schließt man nicht zu,
Und du willst dein Herz verriegeln?
Wer ist grausamer, als du?
Nachdem er ihr dies vorgesagt,
Und seine Schmerzen ihr geklagt,
So ließ sie Zorn und Wuth, die Freyheit zu beschützen,
Aus Aug und Stirne blitzen.
Du bist, sprach sie erbooßt, mit mir im Wald verirrt,
Weit stärker aber noch im Liebesgarn verwirrt;
Schweig mir von solchen Possen,
Hat dich der Liebesgott auch mit geschossen?
Verwegner Jäger, fleuch von mir,
Ich sag, ich schwer es heilig dir,
So lange noch Gebüsch auf Erden,
Und Wild darinnen wird von mir gefunden werden,
Läßt Atalanta sich, du darfst es sicher glauben,
Ihr Herz von keinem Jäger rauben.
Viel eher wird Actäons Schattenbild
Von neuem wieder Wild
Auf unsrer Bahne fällen,
Als daß ich meinen Bogen hier
Aus schnöder Lieb und Gunst zu dir
Sollt in bestaubte Winkel stellen.
Menalcas stutzte zwar dabey,
Und dennoch wollt er ihr aus süsser Schmeicheley
Gestreckt zu ihren Füssen,
Den Jagdschurz zärtlich küssen.
Sie aber reißt durch einen spröden Stoß
Sich vom verliebten Jäger los,
Und läßt, indem sie schnell zurück will kehren,
Im Fliehen ihn so viel an statt des Abschieds hören:
[330] Aria.

Fleuch mit dem blinden Liebesschützen,
Ich bin mit Thal und Wald verlobt.
Wo man hört Jägerhörner klingen,
Da kann ins Ohr kein Seufzer dringen,
Der aus verliebtem Herzen flieht.
Der schnellen Hunde muntres Bellen
Klingt, wenn wir Hirsch und Rehe fällen,
Weit süsser als ein Bulerlied.
13. Cantata12. Cantata11. Cantata10. Cantata9. Cantata8. Cantata7. Cantata6. Cantata5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

13. Cantata

Aria.

Ihr seyd es ja ihr holden Augen,
Woran mein Herze kleben bleibt.
Der Allmachtsstrahl von euren Blicken
Kann auch die Götter selbst entzücken;
Wie wollen Menschen widerstehn?
Wer euch genau und recht betrachtet,
Der muß, weil er vor Sehnsucht schmachtet,
Entmenscht von euch zurücke gehn.
Da Capo.

So seufzte dort von Schmerz und Ungeduld.
Der Iphis nach Anaxaretens Huld,
Sie war vollkommen schön und wirklich auserlesen;
Drum hat ihr angenehmes Wesen,
Sein Herze zinsbar sich gemacht,
Und um die Freyheit ihn so gleich gebracht.
Der ungemeine Trieb, den er bey sich empfand,
Erregt in seiner Brust dergleichen starken Brand,
[331]
Daß er, so oft er sie zu sprechen nur bekam,
Ihr seine Leidenschaft und den entstandnen Gram
Den ihre Seltenheit erweckte,
Auf jeden Tritt und Schritt entdeckte,
Und keinen Tag vergaß, sie zärtlich anzuflehen,
Ein Liebesbündniß einzugehen.
Sein Antrag ließ ihr keine Ruh,
Kaum daß er nur von ihr den Schatten spührte,
So rief er ihr, weil ihn die Nymphe rührte,
Mit ängstlichen Geberden zu:
Aria.

O nimm doch, auserlesne Schöne!
Das Herz des treuen Iphis an,
Vermische dein und seine Flammen
Durch Gegenlieb und Huld zusammen,
Mich tödtet ja dein täglich Fliehn.
An deinem Jawort hengt mein Leben
Du würdest durch dein Widerstreben
Mich in die Gruft unfehlbar ziehn.
Da Capo.

Allein umsonst.
Des Werbers Mund sang dem verstopften Ohr
Sein Klagelied fast täglich vor.
So zuckersüsse Wort er ihr auch immer gab,
So schlug sie dennoch ihm die Gegenneigung ab.
Ihr hartes Herz, das Felsen schien zu gleichen,
Ließ sich zu nagendem Verdruß
Durch manchen heissen Zährenguß
Doch niemals nicht erweichen:
Und dies verdoppelte des Iphis Pein und Schmerz,
Der sich, sein angebothnes Herz
Von dieser Spötterinn zurück zu nehmen,
Wohl billig muste schämen.
[332]
Drum sprach er zu sich selbst: armseligster der Erden!
Soll deine Lieb und Treu so schlecht belohnet werden?
Was hilft es dir, daß du
Dein Augenpaar an dieser Schönen weidest,
Doch leider auch so viel in deiner Seele leidest?
Ach schließ es künftig hin Anaxareten zu.
Aria.

Was Liebes täglich sprechen können
Und doch dabey vergebens brennen,
Schnitzt uns die härtste Folterbank.
So nahe bey dem Quell zu stehen;
Und voller Durst zurücke gehen,
Macht Seel und Herz vor Sehnsucht krank.
So bald er dies gesagt,
Und seine Noth sich selbst geklagt,
Veränderte sich sein Gesicht;
Die Schwermuth so ihn stark befiel,
Und bey der Liebe Zauberspiel
Aus seiner Stirne brach, die macht ihn ganz zu nichte.
Ja die Verzweiflung blies ihm ein:
Er würde doch nunmehr ein Spott der Menschen seyn.
Dies bracht ihn gar auf den Entschluß,
Vor Ungeduld, Harm und Verdruß,
Sich selbst bey solchem bittern Leiden
Den Lebensfaden abzuschneiden.
Betrogner! hob er an, entreiß dich aller Noth,
Und den so tollen Liebestrieben;
Viel besser todt
Als unglückselig lieben.
Ist alle Hoffnung nun dahin,
So will ich auch nichts mehr von der Verstockten wissen,
Und statt der Grausamen den kalten Sand itzt küssen.
Hör stolze Mörderinn!
[333] Aria.

Dein Iphis plagt dich nun nicht weiter
Mit Seufzen und vergebnem Flehn.
Kein einzig Wort mehr zu verliehren,
Will er sich selbst den Gang verschnüren,
Woraus so mancher Seufzer drang,
Die an sich harten Liebesstricke
Verwandeln sich im Augenblicke
Aus Rach in einen Henkersstrang.
Gesagt, und auch gethan. Er nahm den Strick zur Hand,
Den der Verzweifelte sich um die Gurgel band,
Und schlich bey Lunens fahlem Schimmer,
Vor der Anaxareten Zimmer.
Daselbsten hieng er sich bey Schwehrmuthvollem Sinn,
Gleich vor des Hauses Eintritt hin.
Doch ehe noch, durch die verzogne Schlinge
Ihm Luft und Sprache gar entgienge,
So stieß die Zunge noch, die Gang und Kraft verlohr,
Bey halb gebrochnem Klang so viel hervor:
Aria.

Mein bis zum Tod getreues Herze
Beschämet dich vielmehr als mich.
Dein Haus und die doch stummen Schwellen
Die müssen mir ein Zeugniß stellen,
Wie schändlich du mich umgebracht.
Mein Blut hat Thor und Thür versiegelt,
Dieweil du mir dein Herz verriegelt,
Anaxareta! gute Nacht.
1. Fabel13. Cantata12. Cantata11. Cantata10. Cantata9. Cantata8. Cantata7. Cantata6. Cantata5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[334] Erste Fabel
Der Pfau und die Lerche

Der Frühling stellte sich bey hellem Sonnenschein,
Nach dem verdrießlichen Saturnus wieder ein,
Als diese laue Luft, die das, was sich verstecket,
Durch ihren Hauch beseelt, von neuem aufgewecket,
Dort einen bunten Pfau, der nebst der Hüner Schaar,
In einem Meyerhof mit eingesperret war,
Bey holder Witterung auch wieder munter machte,
Und den erstarrten Fuß in Gang, wie sonsten brachte.
Er brüstete sich da bey seinem Stolz weit mehr,
Als wenn er selbst der Herr vom Reich Marocco wär,
Er gieng mit Spanschem Schritt den Vorhof auf und nieder,
Er hob sein glänzend Haupt, und dehnte seine Glieder
Bey starkem Schnauben aus. Die Brust war aufgebleht,
Und sein geschlanker Hals so hoch hinauf gedreht,
Daß man in Sorgen stand, sie würde durch das Zwingen,
In diesem Augenblick gleich bersten und zerspringen.
Sein Farbenreicher Schwanz, der recht von Spiegeln strotzt,
Worauf dies stolze Thier vor andern Vögeln trotzt,
War prächtig ausgedehnt, so, daß man meynen sollte
Daß er den ganzen Hoff damit umspannen wollte.
Der Hochmuth blies ihm ein, und bracht ihn auf den Wahn,
Als ob, so viel man auch Geflügel zehlen kann,
Ihm doch kein einiges an Glanz und Zierde gleichte,
Noch seiner Trefflichkeit im Putz das Wasser reichte.
Wie? sprach er zu sich selbst: hat mich alleine nur
Das günstige Geschick, die Vorsicht der Natur,
Im ganzen Vogelheer verherrlicht und geschmücket,
[335]
Und mir im bunten Pracht den Vorzug eingedrücket?
Des Himmels Farbe selbst, die doch ein jeder preist,
Wird durch mein Blau beschämt, weil es was schöners weist.
Wen reizt nicht meine Tracht, mein kostbares Gefieder?
Es schlägt der Prinzen Staat, der Fürsten Mantel nieder.
So viel das Alterthum am Argus Augen sah,
So kommen selbige doch nicht den meinen nah,
Wie manchem würd es nicht bey gröster Mühe fehlen
Wenn er sie alle wollte nach ihrer Ordnung zehlen?
Die Lerche sahe dies nicht ohn Erstaunen an.
Die man in hoher Luft am besten hören kann,
Sie sang und spottete der grossen Pralereyen,
Die dieser Hoffartsgeist gewohnt war auszuschreyen,
Sie war voll Argerniß; drum ließ sie sich herab,
Und fertigte den Pfau mit diesen Worten ab:
Ey, sprach sie, magst du dich wohl vor den andern Thieren
Mit deinem bunten Kleid ohne alle Maske zieren?
Dies macht es gar nicht aus; fällt gleich dein Federstaat,
Den freylich die Natur schön abgewechselt hat,
Mit seinem Spiegelschein der Welt in das Gesichte,
So giebt dir dieser doch, mein Freund, gar kein Gewichte,
Vor denen die sie nicht so herrlich ausstaffiert.
Nichts gleichet deinem Putz den man von aussen spührt,
Allein hebt man ihn auf, sieht man an allen Ecken,
Ihn nichts als grobes Fleisch mit seinem Pracht bedecken.
Ja was? so hold das Glück dir in dem Ausputz war,
So häßlich stellt es dich in andern Dingen dar.
Wie furchtbar schallt es nicht, wenn man dich schreyen höret?
Da andrer Vögel Thon der Menschen Ohr bethöret.
Schau nur auf deinen Fuß, wie ungestallt ist der?
Warum sinkt dir der Muth, wenn einst von ohngefehr
Der Augen stolzer Blick will auf die Erde gehen?
Da fällt so gleich der Stolz: hier leget sich dein Blehen
[336]
Ich der ich gegen dich gar schlecht gekleidet bin,
Gäb vor dein Feyerkleid kein Federchen dahin,
So schlecht und arm es ist. Was hälf mir alles Prahlen,
Wenn ich in solchen schön und bunt gefärbten Schalen
Nichts anders stecken säh, als was dein Hoffartsgeist,
In deinem prächtigen und besten Rocke weist.
Warum? ich weis gewiß, bey Jungen und bey Alten
Wird in der Welt weit mehr von meiner Art gehalten,
Als man von deinem Schmuck und grossem Staatsrock hält,
Der nur dem Pöbel bloß stark ins Gesichte fällt.
Wenn ich mich in die Luft bey heitern Tagen schwinge,
Und mein gewöhnlich Lied bey munterm Tone singe,
So hört der Landmann mich vergnügt und freudig an,
Da dein Geplerre ihm weil ers nicht leiden kann,
Den Ohrenzwang erregt; wie hofft man nicht mit Schmerzen,
Ja oft mit Ungeduld und Sehnsucht vollem Herzen,
In Städten auf die Zeit, wenn mich die grüne Saat
Zum Essen feist gemacht, und fett gemästet hat?
Wer nur die Finger regt, der pflegt sie zu belecken,
So bald er nur uns sieht an schmalen Spießchen stecken,
Da man kaum einen findt der etwas aus dir macht.
O nähmen dieses doch diejenigen in Acht,
Die sich durch ihren Putz, so hoch er auch zu schätzen,
Den stolzen Pfauen gleich in Ansehn wollen setzen.
Stellt, Thoren, dieses Thier, das schön gezierte Thier,
Euch als ein Ebenbild von euch beständig für.
Ihr könnt durch solchen Schmuck die Augen nicht verkleistern,
Meynt unsre Herzen nicht durch Blendwerk zu bemeistern,
Das Kleid macht nicht den Mann; ihn zieret wohl der Rock,
Wofern er weise ist; doch wenn ein Klotz und Stock,
Das prächtigste Gewand zum Staat sich auserlesen,
So bleibt er darum doch was er zuvor gewesen.
[337]
Das allerschönste Kleid so reich bebrähmt es ist
Verkehrt die Dummheit nicht in Klugheit und in List.
Und wenn der stolze Tritt das Pflaster auch erschüttert,
So ist das Kleid doch wohl mit Haasenfell gefüttert.
2. Fabel1. Fabel13. Cantata12. Cantata11. Cantata10. Cantata9. Cantata8. Cantata7. Cantata6. Cantata5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

Zweyte Fabel
Der Reyher und der Staar

Auch unter Thieren ist es mehr als zu gemein,
Daß ob dieselben gleich vernunftlos müssen seyn,
Sie doch bey Zank und Streit, und zwar des Vorzugs wegen
Einander weh zu thun und auszuspotten pflegen.
Ein jedes schmeichelt sich der allergrösten Zier;
Ein jedes dünket sich das allerklügste Thier
Vor anderen zu seyn. Es tadelt sein Beginnen,
Und andre wissen gleich was wieder auszusinnen.
Ein Reyher, der ganz still an eines Teiches Rand
Bey früher Morgenzeit in dem Gehölze stand,
Bestrebte sich daselbst mit eifrigem Verlangen,
Weil ihn der Hunger trieb, von Fischwerk was zu fangen.
Er schielte hier und dar so vor als hinter sich,
Zu sehn, ob etwan was daselbst vorüber schlich,
Das seinen trockenen und leeren Magen füllte,
Und ihm die Hungersnoth, die er verspührte, stillte.
Dies trieb er lange Zeit; bis endlich ihn ein Staar,
Der auch mit in den Wald zugleich geflogen war,
Um Ufer stehen sah, und nach so langem Schweigen
Auf ihn vor Zorn entbrannt begunte her zu steigen.
Was sprach er, schleichst du denn so lange Zeit herum,
Und stehst, als wärest du bey nahe taub und stumm,
Da dir doch Vögel gnug allhier zur Seite stehen,
Die an dem schönen Tag zur Lust zusammen gehen?
[338]
Wie schöne läßt es nicht, wenn man will ganz allein,
Ein solcher Sonderling in der Gesellschaft seyn?
Du willst dich mit Gewalt zu stummen Thieren schreiben,
Und was man dich auch fragt, die Antwort schuldig bleiben.
Flammt dich der Hoffartsgeist zum Stilleschweigen an?
Findst du kein kluges Thier, das mit dir reden kann?
Ja ja, du suchst vielleicht uns alle zu belauschen,
Ob dies und jenes läßt etwan ein Wort mit rauschen,
Das dir, indem dein Geist sich in sich selbst verliebt,
Hernach Gelegenheit uns durchzuhecheln giebt:
Man weis wahrhaftig nicht, wenn oft in unsern Chören
Ein solcher Schleicher sitzt, der gar kein Wort läßt hören,
Ob man verrathen ist: dieweil man immer denkt
Er dürfte, wenn man noch so klug die Zunge lenkt,
Doch jedes Wort von uns, das ihm vielleicht entgegen
Und nicht recht schmackbar ist, wohl auf die Wage legen.
Dies frey Geschwätze gieng dem Reyher freylich nah,
Der sich, zumal vom Staar, dergleichen nicht versah.
Er meynt, und dies mit Recht, als ob es seine Ehre
Und dem so guten Ruf gar stark zuwider wäre.
Drum sträubte Zorn und Grimm ihm sein Gefieder auf,
So glatt es vorher war; wie? sprach er gleich hierauf,
Betrübte Creatur! darfst du so keck es wagen
So unbedachtsam Zeug mir selber vorzusagen?
Was geht dich Plappergeist, doch wohl mein Schweigen an,
Wodurch der Reyher nie hat andern weh gethan?
Er wird, und wüst er auch noch so geheime Sachen
Von unsrer Vögel Zunft, doch kein Geplerre machen.
Wer ist, der nicht den Werth von dieser Kunst erkennt,
Die, weil sie es verdient, man mehr als gülden nennt?
Es ist nichts löblicher, als mit Bedacht zu schweigen;
Wie leichte kann man sich mit einem Wort versteigen,
Das man nicht recht erwegt? wer immer plaudern will,
Der mischt in sein Geschwätz auch oftermals sehr viel,
[339]
Das schlecht und albern klingt, und uns kann wenig nützen;
Denn was sein Herze denkt muß auf der Zunge sitzen.
Du hast, schämst du dich nicht der tollen Schwätzerey?
Wohl grosses Recht dazu, daß du noch ein Geschrey
Von deiner Redekunst, die du nicht kannst beweisen,
Elender Vogel, machst, um sie mir anzupreisen.
O weist du nicht, wie sehr dich das Geflügel scheut,
Das dich, nach deinem Werth, auf tausend Meilen weit
Von sich entfernet wünscht, wenn man dich ungebeten,
In die Gesellschaft sieht, verhaßter Vogel, treten.
Dein Eintritt schreckt uns gleich; die Lust wird hier gestört,
Weil zur vertrauten Zunft kein Wäscher mit gehört:
Wir wissen, klopfst du an, wie viel es hat geschlagen,
Und werden dich forthin aus unsern Reihen jagen.
Warum? ein jedes Wort, das man hervorgebracht,
So Unschuldvoll es klingt, wird gleich bekannt gemacht;
Du weist das Ende nicht von deinem dummen Plaudern;
Und sind wir alle weg, so sieht man dich noch zaudern.
Ein jeder Zweig und Ast muß eine Bühne seyn,
Auf deren Höhe du pflegst alles auszuschreyn
Was du erschnappet hast. Ey, daß bey deinem Waschen,
Dich nicht im Augenblick der Habicht soll erhaschen!
Bespiegelt euch hieran, ihr, die ihr von dem Staar
Dies Laster mit erlernt, und täglich hier und dar,
Das was ihr hört und seht, zu jedermanns Erstaunen
Auf allen Gassen müßt gleich wieder ausposaunen.
Was hilft es daß ihr euch mit andrer Worten tragt,
Und einem Echo gleicht, das alles wieder sagt?
So viel, daß man vor euch ein grosses Kreuze machet,
Und eure Plauderey, wie sie verdient, verlachet.
Es flieht euch alle Welt. Wißt ihr, ihr Wäscher nicht
Was man von euch zum Spott in der Gesellschaft spricht:
Ihr hättet, weil euch recht die Plaudersucht besessen,
Vom Huhn das Hintertheil unfehlbar mit gefressen.
3. Fabel2. Fabel1. Fabel13. Cantata12. Cantata11. Cantata10. Cantata9. Cantata8. Cantata7. Cantata6. Cantata5. Cantata4. Cantata3. Cantata2. Cantata1. CantataCantaten und FabelnAuf einen schönen und artigen PapagoyVermischete Gedanken27. Gedichte26. Gedichte25. Gedichte24. Gedichte23. Gedichte22. Gedichte21. Gedichte20. Gedichte19. Gedichte18. Gedichte17. Gedichte16. Gedichte15. Gedichte14. Gedichte13. Gedichte12. Gedichte11. Gedichte10. Gedichte9. Gedichte8. Gedichte7. Gedichte6. Gedichte5. Gedichte4. Gedichte3. Gedichte2. Gedichte1. GedichteVermischte Gedichte23. Brief22. Brief21. Brief20. Brief19. Brief18. Brief17. Brief16. Brief15. Brief14. Brief13. Brief12. Brief11. Brief10. Brief9. Brief8. Brief7. Brief6. Brief5. Brief4. Brief3. Brief2. Schreiben1. BriefBriefe9. Scherzgedichte8. Scherzgedichte7. Scherzgedichte6. Scherzgedichte5. Scherzgedichte4. Scherzgedichte3. Scherzgedichte2. Scherzgedichte1. Scherzgedichte5. Schäferlied4. Schäferlied3. Schäferlied2. Schäferlied1. SchäferliedSchäferlieder und Scherzgedichte36. Ode35. Ode34. Ode33. Ode32. Ode31. Ode30. Ode29. Ode28. Ode27. Ode26. Ode25. Ode24. Ode23. Ode22. Ode21. Ode20. Ode19. Ode18. Ode17. Ode16. Ode15. Ode14. Ode13. Ode12. Ode11. Ode10. Ode9. Ode8. Ode7. Ode6. Ode5. Ode4. Ode3. Ode2. Ode1. OdeOdenGedichteZiegler, Christiana Mariana vonGedichte

[340] Dritte Fabel
Der Adler und der Molch

Ein Adler schwunge sich bey Titans frühem Schein
Von seinem Nest herab, das er sich insgemein
Auf den erhabensten der Felsen pflegt zu bauen,
Um desto füglicher der Sonne zu zuschauen.
Die grosse Hungersnoth trieb ihn aus seinem Sitz;
Drum trug ihn auch sein Flug so schnell als wie der Blitz
Nach einer Höle zu; weil ihm die Spur endeckte,
Daß ein verrecktes Aas unfehlbar drinnen steckte.
Dies fand er wirklich auch. Drum fiel er es gleich an;
Kaum aber, daß er nur den ersten Biß gethan,
So kroch ein Molch hervor, der sich zu diesem machte,
Und ebenfals vor sich was anzutreffen dachte.
Doch was für ein Gelerm und ängstlich Mordgeschrey
Erhob sich nicht so gleich bey der Schmarutzerey;
Wie? fuhr der Adler auf mit grimmigen Geberden,
Muß meine Tafel hier durch dich entweyhet werden?
Durch dich, du greuelhaft und recht verwünschtes Thier?
Scheut deine Niedrigkeit den Odem nicht von mir?
Fürchtst du den Adler nicht, den König der Geflügel,
Dem Recht und die Natur der Hoheit wahres Siegel
Auf jeden Kiel gedrückt, dem nichts am Adel fehlt
Weil ihn selbst Jupiter zu seinem Träger wehlt?
Und du verworfner Wurm, wagst dich zu meinen Füssen?
O solltst du nicht mit Recht dergleichen Frevel büssen?
Vom fünften Tag der Welt geht schon mein Adel an,
Erwege nun, wie viel ich Ahnen zehlen kann,
Was mir Geburt und Blut hier in der Welt zu leben,
Für einen Rang gegönnt, für Vorzug hat gegeben.
[341]
Mein Stamm und mein Geschlecht, das nicht kann edler seyn,
Macht mit Geschöpfen sich, wie du bist, nicht gemein;
Wir halten Nachbarschaft nur mit den hohen Sternen;
Von deren Glanz du dich must in der Tief entfernen.
Kreuch Scheusal! in den Sumpf, den dir mit Vorbedacht
Der Wille der Natur zum Aufenthalt gemacht.
Es dürfte sonst mein Volk, mein edles Volk wohl sagen;
Ich hätte, weil ich nur den Hauch von dir ertragen,
In unserm hohem Haus den grösten Sturm erregt,
Und selbigem dadurch ein Schandmal eingeprägt;
Geschöpfen, welche nur aus schlechtem Holz geschnitzet,
Gönnt man das Auge nicht, wenn man erhaben sitzet.
Er hätte weiter noch von Stolz und Zorn gerührt,
Des hohen Hauses Ruhm in dem Gespräch vollführt,
Wenn solches nicht der Molch noch endlich unterbrochen,
Und bey erlittner Schmach dies gegen ihn gesprochen:
Ists möglich, daß du dich, du hochgebohrnes Thier!
Durch deinen Stamm erhebst, hingegen aber mir
Die Tiefe, die mich ließ das Licht der Welt erblicken,
Und meine Niedrigkeit so frech suchst vorzurücken?
Wie wär es, wenn ich dir ohn daß es prahlhaft ließ,
Die Hoheit meines Stamms weit herrlicher erwies?
Du machst so viel Geplerr, und rühmest dein Geschlechte,
Daß jeder, der es hört, gewiß dabey gedächte,
Ob hätten dich wohl gar die Götter dieser Welt
Auf ihrem Schooß gezeugt und über uns gestellt;
Schweig; mein Geschlechte zeigt der wahren Hoheit Spuren;
Die alleredelste von allen Creaturen,
Die Sonne, welcher nichts an Glanze gleichen kann,
Giebt sich, wie klingt dir dies? zu meinem Vater an.
Sag, ob ein Stammhaus wohl im ganzen Kreis der Erden,
[342]
Als wie das meinige, kann angetroffen werden?
Die hat durch ihren Strahl, der sich so weit erstrecket,
Und alle Welt erhitzt, mich wirklich ausgehecket.
Und dennoch will das Volk bey so gestalten Sachen
Aus mir, als ihrem Sohn, auch nicht das mindste machen.
Ich bleibe, wer ich bin, das ist, gering und schlecht,
Mein Adel und mein Haus ertheilet mir kein Recht,
Und hat mir nie Gewalt und Vollmacht zugesprochen,
Auf mein ererbtes Blut, wie du, vor Stolz zu pochen.
Merkt, Kinder! dieses wohl, die ihr auf solches trutzt,
Und mit erborgtem Glanz von euren Vätern stutzt,
Der Eltern Trefflichkeit auf eure Rechnung schreibet,
Und bey der Ahnen Zahl allein nur stehen bleibet.
Berufet euch ja nicht auf eurer Häuser Glanz,
Und ihre Herrlichkeit; der Väter Ehrenkranz,
Ziert nur ihr edles Haupt, nicht aber eure Scheitel,
Ihr Ruhm geht euch nicht an, und eurer ist ganz eitel.
Dies nutzt euch alles nichts, wofern ihr nicht den Pfad,
Den ihr entflammter Fuß von Jugend auf betrat,
Auch edelmüthig sucht, die Tugend mit ererbet,
Und durch Verdienste Ruhm und eignes Lob erwerbet.
Der blosse Name schenkt euch wenig Schmuck und Licht,
Wofern die Würde nicht euch Lorberreiser flicht,
Und ihr mit eigner Faust, von Großmuth angefeuret,
Der Väter Helm poliert, das alte Schild verneuret.
[343]