[Träu' im lieben]Jugend-FlammenGedichteGedichteZesen, Philipp vonDas vier und zwantzigste Lied

[363] Das vier und zwantzigste Lied

An die lieb- und freundseelige Adelmund/ als Er gezwungen ward von Ihr zu scheiden. fast nach der welschen weise/ Amarilly mia bella.


[364] 1.
Träu' im lieben
mus man üben
bis in das kalte grab.
Drüm/ Adelmunde/
dieweil ich diese stunde
mus scheiden ab
von deinem lieben blikke/
der mich fast zieht zurükke/
so wollst du mich durch unträu' nicht betrüben.
Träu' im lieben/ träu' im lieben/ träu' im lieben
mus man üben.
2.
Meinem hertzen
machstdu schmertzen
mit deinem letzten blikk'.
Dein auge strahlet
ins hertz hinein/ und mahlet
dich ab/ o glük!
dein bildnüs wil ich ehren/
dein lob sol mancher hören.
Ach! Adelmund/ dis sag' ich ohne schertzen;
meinem hertzen/ meinem hertzen/ meinem hertzen
machstdu schmertzen.
[365] 3.
Ach! nuhn scheid' ich/
ach! nuhn leid' ich
den allerhärtsten stoß.
Der seufzer mänge
fällt meinem leben strenge;
der schmertz wird groß.
Der matten augen blikke
gehn stets auf dich zu rükke.
Sei meinem Geist zu allerzeit erfreulich.
Ach! nun scheid' ich/ ach! nun scheid' ich/ ach! nun scheid' ich:
liebe träulich.
An die Liebinne[Träu' im lieben]Jugend-FlammenGedichteGedichteZesen, Philipp vonDas vier und zwantzigste Lied

An die Liebinne/ aus einem Hochzeit-gedichte

1.
Ein steinern hertz und leere seele/
ein ungemeinter liebes-blik/
ein auge/ das in seiner höhle/
zwar rollt und schmollet ohne schrük/
jedoch nicht aus dem hertzen rührt/
ist nichts als rauch/ der uns verführt.
2.
Wer darf so hart für dier erscheinen/
und wil noch ungestraffet sein.
mag jemand deinen sohn/ den kleinen/
und dessen bogen/ flühn? ach nein.
Die pfeile gehen alzu recht/
die Hart-ahrt ist durch sie geschwächt.
[366] 3.
Die Hart-ahrt böbet nun und zittert/
sie hält üm schönes wetter an:
der kleine schütze steht und kittert/
weil sie ihm auch ist untertahn/
weil ihre jungferschaft sich fügt/
und in den letzten zügen liegt.
4.
Die Jungfer wird bald schlaffen gehen
nach ihrem letzten bette zu/
auf daß sie Fraue mag aufstehen/
der Himmel gäb' ihr rast und ruh/
und du/ o Liebes-Königin/
beglükke sie nach ihrem sin!
5.
Zeuch auf den fohrhang/ der ihr bette/
den tummel-platz der liebe/ dekt/
und schleus üm sie die güldne kette/
die hertz und hertz zusammen trekt/
damit sie sich verjüngen mag/
wie Fönix/ auf den andern tag.
6.
Der Mahn mus ihr zu bette leuchten/
die sterne bringen sie zur ruh/
die tropfen/ so das feld befeuchten/
die steigen nach den bergen zu;
Es ist die allerliebste nacht/
drüm hertzet/ schertzet/ schlaft und wacht.

[367] Reim-spruch.

Ein armer der gedültig denket/
ist als ein dacht in öhl gesenket:
Der aber dieses niemahls tuht/
ist als ein feuer ohne gluht.